Zeitstrahl

12.-14. Jh.
 

Vor vielen Jahrhunderten wurden im Münsterland Grenzsicherungsanlagen als Schutz vor Räuberbanden angelegt. In der Gemarkung Reckenfeld waren sie auch: Die Landwehren

15. Jh.
 

Der Schlagbaum im Reckenfeld und was daraus wurde: Der Reckenfelderbäumer

1831, Mai
 

Das Reckenfeld, dessen Größe bei der Teilung mit 4019 Morgen ermittelt wurde, war von jeher für die umliegenden Bauernschaften ein wertvolles Heide- und Weideland gewesen. Um die Berechtigung zur Nutzung desselben hatte es schon im 16. Jahrhundert große Streitigkeiten zwischen der Bauernschaft Hembergen und dem Schulten Lintel und seinen Genossen, dem Schulten Depenhof und Rolink, kurz der ganzen Bauernschaft Nordwalde gegeben, da letztere Teile des Reckenfeldes, z. B. das Lintels Brook und das Rohlingsvenn, für sich allein beanspruchten, wogegen die Hemberger im Jahre 1547 geltend machten, daß auch sie diese Teile des Reckenfeldes mitzunutzen berechtigt seien. Was im 19. Jahrhundert zur Teilung kam, erfaßte nur den im Kirchspiel Greven liegenden Teil des Reckenfeldes. Im Rezeß vom 9.5.1831 wurde nach Abzug von 190 Morgen Land für Wege usw. und nach Verkauf von 424 Morgen an Wiedemann (Bäcker in Münster) und Sandfort der Rest unter nicht weniger als 120 Interessenten aus den drei Kirchspielen Greven, Emsdetten und Saerbeck verteilt

1894
 

Auszug aus einem Schreiben: "[...] wurde zwischen den Wärterbuden 151 und 152 eine Blockstelle Hembergen (der spätere Bahnhof Reckenfeld) angelegt zur Kreuzung der verspäteten Güter- und Personenzüge."

 

Die Kabinettsorder vom 14. April 1894 ordnete wegen auseinandergehender Interessen der Einwohner die Aufspaltung der Gemeinde Greven in drei selbständige Gemeinden an: Greven, Greven rechts d. E. und Greven links d. E. Das Amt umfaßte von da ab mit Gimbte also vier Gemeinden

1897
 

Am 28. Oktober 1897 wurden von der Gemeinde Greven links der Ems für den Chausseeneubau Greven-Hembergen der Hauptkosten-Aufschlag und die Bedingungen über Arbeiten und Lieferungen für den Bau erstellt. (Von dieser Straße gingen mehrere Wege ab, die zum späteren Gelände des Depots führten). Baukosten: 110.000 Mark

Noch vor 1916
  Wie sah es vor dem Depotbau hier aus?
  "Das Reckenfeld" so hieß seit Jahrhunderten eine Gemarkung, die sich in nordöstlicher Richtung entlang des Max-Klemens-Kanals zwischen Greven und Emsdetten erstreckte
  Im August 1723 setzte der Fürstbischof Klemens August eine Kanalbaukommission ein, [...] für die zu bauende Wasserstraße die Zwolle und Münster verbinden sollte
  Der Walgenbach wurde im Zuge der Erbauung des Max-Klemens-Kanals als Abzugsgraben mit ‚Überfall' bis zur Ems um 1730 angelegt
  Mit dem Vertrag vom 3.3.1846 vereinbarten die Regierungen der Königreiche Preußen und Hannover, als Lückenschluß eine Eisenbahnlinie zwischen Münster und Rheine zu bauen
1916, Juni
 

Beim Alliierten Angriff an der Somme am 24. Juni 1916 wurde der Angriff der Infanterie durch einen 7-tägigen Dauerbeschuß auf einem 35km langen Frontabschnitt vorbereitet. Dazu waren rund 6 Millionen Granaten erforderlich, die von der britischen und amerikanischen Feldbahn an die Front gebracht wurden. Die Schlacht dauerte bis Mitte November 1916 und kostete 1,5 Millionen Soldaten das Leben. Ein militärtechnischer Erfolg wurde von keiner Seite erzielt

1916, August
  Das Hindenburg-Programm geht im Kriegsministerium in Berlin ein

Organisationsplan Kriegsministerium [PDF-Datei]

1916, September
  Eine Begebenheit, die sich so! im Reckenfeld zugetragen haben könnte: "Eine unwahre Geschichte"
1916, Oktober
  Dr. Hermann von Stein wurde am 29. Oktober 1916 preußischer Kriegsminister. Wrisberg unterzeichnete am 2. November 1916 die Erlasse für den Bau von drei großen Nahkampfmitteldepots
 

Die unter Ludendorff seit 1916 eingeleitete Änderung der Infanterietaktik (Sturmtruppentaktik) hin zum Maschinengewehr und zur Handgranate etc. verstärkten den Bedarf an diesen Waffen. Ihr Verbrauch stieg daher ab 1916 exorbitant an - eine Depotlagerung war daher zwingend erforderlich

1916.11.02
 

Am 2. November 1916 wurde der Erlaß zum Bau des Nahkampfmitteldepots Hembergen unterschrieben

1916
 

Der steigende Bedarf an Munition war einer der Gründe für den Bau von drei Nahkampfmitteldepots

 

Weshalb wurde eines von drei Nahkampfmitteldepots hier gebaut?

 

Militär- und Zivilbehörden und Ämter waren involviert

Die Reichs- und Landeszentralbehörden [PDF-Datei]

 

Verwaltungseinheiten mußten gebildet werden

 

Die Volkszählung in Greven l.d.E. erbrachte folgendes Ergebnis: männliche Personen 654, weibliche Personen 795

1916, Dezember
 

Der Minister für Öffentliche Arbeiten in Berlin genehmigte den Entwurf für den Privatanschluß für die Gleisanlagen des Nahkampfmitteldepots Hembergen

 

Die Militärverwaltung ordnete an: "[...] Zum Bau eines Gefangenen-Arbeitslagers ist das erforderliche Gelände auf Grund des Gesetzes über die Kriegleistungen vom 13.6.1873 in Anspruch zu nehmen. Das in Frage kommende Grundstück ist in den anliegenden Plänen unter 211 - Gerling, Johann Heinrich, Herbern 27 - eingetragen. Es wird in seiner ganzen Breite, östlich mit einer Tiefe von 160 m benötigt. Westlich ist ein Streifen von 5 ˝ Meter längs des ganzen Grundstückes zum Ausbau eines auf den Hemberger Weg führenden Weges erforderlich, welcher gleichzeitig die Feldbahn aufnimmt." (Es handelt sich hierbei um die Industriestraße, die jedoch abweichend von obiger Beschreibung weiter östlich gebaut wurde)

 

Die Gleisanlagen des Nahkampfmitteldepots Hembergen fallen unter den Begriff ‚Privatanschlußbahn'

1916
 

Der Regierungspräsident in Münster setzte Amtmann Hueske als Vertreter der Gemeinde Greven für die Verhandlungen mit den Eigentümern ein

1916
 

Gleich zu Beginn des Depotbaus trat die Polizeibehörde in Aktion. Das setzte sich fort, bis 1927 erste Kontakte der EHG mit dem Amt Greven wegen einer Polizeistation in Reckenfeld aufgenommen wurden.

 

Die Spitzenproduktion von Handgranaten wird im Winter 1916/17 mit neun Millionen Stück im Monat erreicht

1917, Januar
 

Die Weiche von der Staatsbahn Münster-Rheine zum ersten Gleis im gleichzeitig gebauten dreigleisigen Übergabebahnhof wurde gelegt, denn das war Grundvoraussetzung für die Anlieferung von Materialien

  Als weitere Baumaßnahme wurde das Entwässerungssystem in Angriff genommen. Als Ergebnis der mehrere Wochen andauernden Arbeiten wurde ein Nivellierungsplan erstellt
 

Die Baumaterialien für den Gleisbau rollten an

  Wie sollte der gesamte Ablauf beim Bau des Depots organisiert werden?
  Für den Bau der Gleisanlagen und Wege waren umfangreiche Waldrodungen zu leisten
  Für den Bau der Gleisanlagen und Wege mußten außerdem große Mengen an Erde ausgehoben und aufgefüllt werden
  Mit dem Bau der Normalspurbahn-Gleisanlagen im Depot wurde umgehend begonnen
  Der Gleisanschluss von der Staatsbahn Münster-Rheine zum Nahkampfmitteldepot Hembergen wurde als Privatanschlussbahn eingestuft
  Kriegsgefangene verschiedener Nationen kamen zum Einsatz
  Mehrere Firmen nahmen ihre Arbeit auf
  Neue Wege entlang der Eisenbahnschienen wurden in einem Arbeitsgang bei der Erstellung der Gleisanlagen mitgebaut
1917
 

Die Baufirma Büscher stellte des öfteren Gesuche an das Amt Greven Arbeitern Urlaub zu gewähren. Es handelte sich um Italiener, Russen, Belgier, Polen

 

Eine weitere Volkszählung in Greven l.d.E. erbrachte folgendes Ergebnis: männlich 1.034, weiblich 846, darunter 377 Militärpersonen und Kriegsgefangene (Kolon Westrup wurde für das Gebiet nördlich des Wittlerdammes und Nahkampfmitteldepots bestimmt)

1917, Mai
  Auszug eines Schreibens: "[...] Daß der belgische Arbeiter nicht mehr zur Arbeit gekommen ist. Es liegt die Vermutung nahe, daß derselbe mit den aus den in diesen Tagen aus der hiesigen Bauerschaft entflohenen französischen Kriegsgefangenen entwichen ist."
  Das Depot erhielt den Namen "Nahkampfmitteldepot Hembergen"
1917, Juli
  Auszug eines Antrages: "[...] Wir haben bei der Inspektion des Gefangenenlagers die Überweisung von 100 Kriegsgefangenen zur Arbeitsleistung auf unserer Baustelle Nahkampfmitteldepot Hembergen beantragt. Da ein großer Mangel an militärischen Wachtposten vorhanden ist, beabsichtigen wir unsere Schachtmeister und geeigneten Arbeiter als Hilfswachleute verpflichten zu lassen [...]"
  Der Baubeginn des Empfangsgebäudes (Bahnhof Hembergen, später Bahnhof Reckenfeld) wurde in Angriff genommen
  Der Bau des Stellwerkes (Hembergen-Nord) Hn hatte begonnen
  Das Neben-Artilleriedepot hatte Grund zur Annahme, daß zahlreiche Diebstähle auf dem Depotgelände ausgeführt werden. Das Depot erbittet um polizeiliche Erlaubnis und Vollmacht Personen mit Traglasten auf den öffentlichen Wegen zu revidieren (überprüfen). Der Antrag wird abgelehnt.
1917, Dezember
  Auszug aus einem Gutachten: "[...] Die einzuleitende Abwässermenge (Küche und Kantine des Doppelverwaltungsgebäudes A/C - heute Deutsches Haus) beträgt insgesamt 37.045 Liter täglich. Da sie in etwa 10 Stunden zum Ablauf gelangen wird, wird dem Walgenbach rd. 1 Liter in 1 Sekunde zugeführt [...] die Abwässer können auch nach mechanischer und biologischer Reinigung nicht mehr zum Viehtränken und 1 km unterhalb der Einmündungsstelle nicht zur Reinigung der Wäsche genommen werden [...]"
  Wegen der Ableitung von Fäkal- und Wirtschaftsabwässer besichtigen Graf von Westphalen von der Königlichen Regierung, Amtmann Hueske vom Amt Greven und andere das Depot
  Ende des Jahres waren die Planungen für die Schuppen, Hochbauten und sonstigen Einrichtungen abgeschlossen
1918, Januar
 

Der Regierungspräsident ordnete die landespolizeiliche Prüfung des Gleisanschlusses (und der Gleis- und Wegeanlagen im Depot) für den 8.2.1918 an

 

Vermerk Amt Greven: "[...] Der Gutsbesitzer Schulze-Grotthoff in Herbern hat namens der Bauerschaft Herbern bei uns die Erstellung eines Fußweges nach dem neuen Haltepunkt Hembergen von km 190,920 bis zum Wege bei km 189,675 beantragt, weil der Haltepunkt nur auf Umwegen von der Bauerschaft Herbern aus zu erreichen sei. Gegen die Anlage dieses Fußweges bestehen keine Bedenken, er kann jedoch nur von km 189,740 bis 189.758 und von km 189,925 bis 190,526 auf dem Bahngelände angelegt werden." (Dieser Weg, entlang der Eisenbahnstrecke Richtung Greven (Herbern), besteht heute noch)

1918, Februar
 

Das Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt (Wumba) hatte die Einstellung der Arbeiten im Depot in Aussicht genommen; Weiterbau in verlangsamten Zeitmaß. Grund: Materialmangel

  Am 8. Februar wurden die Gleis- und Wegeanlagen geprüft und abgenommen
  Wie wurden die Kriegsgefangenen verpflegt?
  Insgesamt haben während der Bauzeit für das Depot durchschnittlich 105 Menschen einschließlich Familienangehörigen im Depot gewohnt. Sie waren beim Amt Greven gemeldet
1918, März
  Beginn des Schuppenbaus, der Hochbauten und der sonstigen Einrichtungen
  Die Landwirte Gerling, Ansmann, Schwering, Eppe, Bösenberg, Afhüppe, Westrup, Grotthoff, Brockmann wenden sich an den Landrat: "Wir müssen zu dem neuen Nahkampfmitteldepot von den im sogenannten Reckenfelde gelegenen Wiesen, Viehweiden und Holzgrundstücken große Flächen abgeben. Der Nutzungswert ist so niedrig berechnet worden, daß wir uns damit nicht zufrieden geben können. Auf unseren wiederholten Widerspruch wurde uns einfach diktiert: Festgesetzt würde nach dem Kriegsleistungsgesetz und da gäbe es nicht mehr. Wir erleiden dadurch einen großen wirtschaftlichen Nachteil [...] wir wenden uns deshalb vertrauensvoll an Euer Hochwohlgeboren mit der Bitte, uns in dieser Sache in Schutz nehmen zu wollen."
 

Für den Bau von drei großen Nahkampfmitteldepots (2 im Westen, 1 im Osten) wurden vom Kriegsministerium in Berlin die 'Nahkampfmittel-Park-Bataillone 407, 408 und 409' mit 3.148 Köpfen gebildet

  Weit über 1.000 Menschen wurden zeitweise für den Bau des Depots eingesetzt
  Gab es Strom im Depot?
  Wie lief der Betrieb im Depot ab?
1918, August
  Bis zum 26. August wurden gebaut: 208 Schuppen, 4 Verwaltungsgebäude, 1 Wohlfahrtsgebäude, 1 Betriebsgebäude, 1 Feuerwache, 1 Wachtgebäude, Aborte u.a.
  Es erfolgte die Einlagerung von 7 Millionen Stück Munition und Beutemunition

Statistik über eingelagerte Munition [PDF-Datei]

Maßnahmenkatalog für Munition [PDF-Datei]

  Was lief ab, als die ersten Munitionszüge im Depot ankamen?
  Verließ denn ein Munitionszug das Depot?
1918, November
  Der Krieg endete, jedoch nicht die Aktivitäten im Depot. Am 11. November 1918 hatte der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger im Wald von Compiègne ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet
1918.11.11
  Der Erste Weltkrieg ist vorbei!
  Daten und Fakten aus dem Ersten Weltkrieg
  • Der Erste Weltkrieg begann am 1. August 1914, 16.30 Uhr, da befahl Frankreich die Mobilmachung. Eine halbe Stunde später befahl Deutschland die Mobilmachung
  • Wie viel Soldaten der deutschen Wehrmacht sind gefallen? Im Feld- und Besatzungsheer 1.900.876, in der Kriegsmarine 34.836, in den Kolonien 1.185, von den Vermißten gelten als tot 100.000. Insgesamt 2.036.897. Das bedeutet, daß in fast jeder Minute des Krieges ein Soldat starb
  • Außer den Toten betrugen die Verluste durch Verwundungen für Deutschland 5,7 Millionen
  • Die Gesamtzahl der deutschen Soldaten, die in Kriegsgefangenschaft gerieten, betrug 993.775. Davon starben in den Gefangenenlagern: 55.899 Soldaten
  • Die Anzahl von Kriegsgefangenen in Deutschland betrug 2.520.983
  • Insgesamt wurden 600 Millionen Sandsäcke zur Front befördert. Mit Sand gefüllt, würden diese Säcke reichen, um eine Sandsackmauer von 2 Meter Dicke, 3 Meter Höhe und 2.500 Kilometer Länge (Berlin - Istanbul) zu errichten
  • Um das Eisenmaterial für den Unterstandbau zur Front zu schleppen, waren 1.500 Eisenbahnzüge zu je 50 Waggons erforderlich, ebenso viele Züge brauchte man für die Anschleppung des Zements für die Betonunterstände
  • 10 Millionen Spaten brauchte die deutsche Armee
  • 180.718.000 Quadratmeter Dachpappe wurden verbraucht, das ist eine Fläche, die genügen würde, um die damalige Fläche des Stadtkreises Berlin dreimal damit zu bedecken
  • Im ganzen wurden während des Krieges an die Front 600.000 Tonnen Stacheldraht geliefert, eine Menge, die ausgereicht hätte, die damaligen Grenzen des Deutschen Reiches mit einem 65 Meter tiefen Drahthindernis zu umgeben. Die Kosten betrugen 330 Millionen Mark
  • Die deutschen Truppen verbrauchten im Weltkrieg 6 Millionen Kilometer Leitungsdraht für das Fernsprechnetz. Das ist eine Leitung, die man 130mal um die Erde legen könnte
  • Der größte Verbrauch an Infanterie-Munitionszügen trat mit 98 Zügen im März 1918 ein. (Das sind ca. 270 Millionen Granaten, die abgeschossen wurden.)
  • Die Geschoßherstellung erforderte monatlich rund 150.000 Tonnen Stahl, 2.000 Tonnen Kupfer, 4.000 Tonnen Blei. Die Patronen und Kartuschehülsen erforderten: 4.200 Tonnen Messing, 1.600 Tonnen Feinzink, 2.100 Tonnen Stahlblech. Die Zünderfertigung erforderte 1.000 Tonnen Aluminium, 2.100 Tonnen Kupfer, 2.900 Tonnen Zink
  • Im Höhepunkt des Stellungskrieges, Oktober 1916, hatte die deutsche Schützengrabenfront eine Längenausdehnung von 2.200 Kilometer, und zwar im Westen 700 Kilometer, im Osten 1.000 Kilometer, im Süden 500 Kilometer
  • Das Gesamtergebnis aller neun deutschen Kriegsanleihen betrug 98,177 Milliarden Mark. Aufgebracht wurde dieser Betrag durch 39.138.313 Anleihezeichner aus allen Volksschichten
  • Die Gesamtsumme der Kriegsentschädigung (Reparationsleistungen nach dem Versailler Vertrag, Abschnitt VIII, Artikel 231 bis 244), die Deutschland in der Zeit vom 11.11.1918 bis 30.6.1931 in Sach- und Barwerten entrichtete, betrug 67,6 Milliarden Goldmark
  • Die kämpfenden am Weltkrieg beteiligten Mächte haben für die Kriegsführung mehr als 1 Billion Goldmark verausgabt
1919, Januar
  Ab dem 1. Januar war das Depot in den Besitz des Reichsschatzministeriums (RSM) übergegangen. Das Landesfinanzamt Münster war als Provinzialbehörde zuständig für die Vermarktung
 

Im Januar wurde aus dem Nahkampfmitteldepot Hembergen das Neben-Artilleriedepot Münster bzw. Hembergen

Die Jahre 1919 und 1920 im Überblick

1919, April
  Die Umwehrung und das Löschsystem wurden fertiggestellt
1919, Mai
  Im Depot wurden die Bauarbeiten eingestellt
  Die ersten Siedler machen es sich in der Militäranlage heimisch.
  Das Kriegsministerium ging noch 1919 davon aus, für das Lager Hembergen bei einem Verkauf 14,6 Millionen Mark erzielen zu können
1919, August
  Amt Greven: "[...] da das Neben-Artilleriedepot auf Dauer in der bisherigen Stärke nicht bestehen bleibt, ist ein Abbau der Arbeitszahl, die z.Z. noch rund 380 Männer und Frauen beträgt, notwendig. In erster Linie soll ortsfremden Arbeitern gekündigt werden, also, die Arbeiter aus Rheine, Mesum und Sprakel. Die Hauptzahl der Arbeiter des Neben-Artilleriedepots kommt aus Greven und Emsdetten (130 aus Emsdetten, 170 aus Greven)."
1919, September
  Das Reichsverwertungsamt: "Nachdem zwischen dem Reichsverwertungsamt und dem gebildeten Zerlegungssyndikat abgeschlossenen Rahmenvertrag wird der Kaufpreis für 1.000kg anfallendes Eisen- und Stahlmaterial ab Lagerstätte auf M 90,- festgelegt."
  "[...] daß die Auflösung des Depots in Hembergen sicherem Vernehmen nach zum 1. Oktober 1919 aufgelöst wird. Es schweben Verhandlungen über Beschäftigung der Entlassenen im Bergbau [...]"
1919, November
  Wegen der Verwertung des Neben-Artilleriepots Hembergen besuchten Vertreter der Westfälischen Heimstätte das ehemalige Depot
1919, Dezember
  11,5 Millionen Mark hatte das Depot verschlungen (das würde heute ca. 65,7 Millionen EURO entsprechen)
 

Einzelkosten: Gefangenenlager: 133.000 Mark, 52 Schuppen im Depot A: 709.986 Mark, Umwehrung im Depot B: 79.000 Mark, 1 Wasserbehälter mit Brunnenstube im Depot C: 40.002 Mark

 

Die Volkszählung in Greven l.d.E. brachte folgende statistische Zahlen: männlich 805, weiblich 792 (es waren keine Militärpersonen und Gefangenen mehr aufgeführt)

1919, Dezember
  Wie war es nach dem Ende des Ersten Weltkrieges mit der Sicherung der Militäranlage und der Sicherheit der im Depot lagernden Munition bestellt?
1920, Januar
  Am 10.1. wurde der Versailler Vertrag wirksam
  Auszug aus dem Versailler Vertrag: [...] Im Abschnitt IV, Artikel 204 wurde die Interalliierte Interalliierte-Militär-Kontroll-Kommission (IMKK) beauftragt, die pünktliche Ausführung der Ablieferungen, Zerstörungen, Abbauten und Unbrauchbarmachungen zu überwachen [...] Der Versailler Vertrag und die IMKK (Allgemeines und im Bezug auf das Depot
1920, April
  Ab April erhielt die (DAG) eine vorläufige Konzession für 2 Jahre zur Einlagerung von Sprengstoffen
  Ab 01.04.1920 wurden die Geschäfte des Reichsverwertungsamtes an die neu geschaffene Reichstreuhand-Gesellschaft (RTG) übertragen
1920, Mai
  Die Sprengstoffabrik Hoppecke, Köln, erhielt am 19. Mai 1920 eine vorläufige Genehmigung zur Zerlegung von Munition
  Hochrangige Personen waren wegen der Ansiedlung ostpreußischer Flüchtlingsfamilien aus den Kreisen der aufgelösten Eisenbahndirektionen im ehemaligen Depot Hembergen
  Was wurde im Depot vernichtet?
  Bei einer Explosion eingelagerter Beutemunition im Depot wurde am 12. Mai 1920 beim Auseinandernehmen der technische Leiter der Fa. Hoppecke getötet
1920, August
  Die Polizeiverwaltung Greven stellte am 17. August 1920 folgenden Erlaubnisschein aus: "Dem Kommando der Sicherheitspolizei zu Münster [...] wird hiermit [...] unter der besonderen Bedingung, daß lose Sprengstoffe in einer Zone von 100 m um die Munitionslager herum nicht gelagert werden dürfen, die Genehmigung erteilt, folgende Munitionsbestände in den Schuppen 7, 8, 10, 19 und 20b der Gruppe A zu lagern: 25.000 Stielhandgranaten, 3.000.000 S-Patronen, 600.000 Pistolenpatronen, 3.800 leichte Sprengminen, 400 mittlere Minen, 3.000 Haubitzengranaten 15."
1920, September
  Amt Greven: "[...] daß Sprengungen in der dortigen Heide durchgeführt werden, um Baumstumpen zu entfernen. Die im Depot beschäftigten Firmen kommen dafür nicht in frage. Es liegt die Vermutung nahe, daß Leute ohne Erlaubnisschein im Besitz von Sprengstoffen sind. Es darf in der Bevölkerung nicht der Eindruck entstehen, jeder könne sich nach Belieben mit Sprengstoff befassen."
  Die ersten Kinder werden in Reckenfeld geboren
1920, November
  Regierungs- und Geheimer Baurat Jaspers von der landespolizeilichen Behörde des Regierungspräsidenten in Münster: "[...] wurde uns mitgeteilt, bei ihrer Sprengstoffvernichtung in Westerode hätte vor 8 Tagen eine solche Explosion stattgefunden, daß sogar in einer Entfernung von 4 km - nämlich in der Nähe des Bahnhofs Greven - einige Fensterscheiben dadurch zerstört waren. Tatsächlich war ein Sprengtrichter von schätzungsweise 3 Meter Tiefe und 4 Meter Durchmesser vorhanden [...]"
1921
  Es wohnen mehrere Familien im Depot
  Eine Zusammenfassung der Jahre 1921 bis 1925 erfahren Sie hier
1921, Januar
  Deutschland wurde in Paris zu einer Zahlung von 226 Millionen Goldmark an (Reparationsverpflichtungen) verurteilt
1921, Februar
  Dynamit AG stellte am 25.2.1921 den Antrag an die Polizeibehörde Greven: "[...] die Lagermenge pro Schuppen auf 50.000kg, in Notfällen auf 70.000kg Sprengstoff zu erhöhen, eine Berufsfeuerwehr halten wir für überflüssig, eine Feuerwehr aus dem Arbeitspersonal sollte herangebildet werden [...]"
1921, April
  Westfälischer Merkur: "[...] In Grevener Fabriken sind 1.900 Textilarbeiter, also 1/3 der Gesamteinwohnerzahl beschäftigt. Greven hat eine schlechte wirtschaftliche Lage. Durch das Überschwemmungsgebiet der Ems ist Greven vollständig zerrissen."
1922
  Das Sprengstofflager Hembergen wurde auch noch zur Verschrottung von Eisenbahnfahrzeugen genutzt. Die Depot-Gleisanlagen waren dafür bestens geeignet. Und so machte die EHG damit ihre Geschäfte
1922, Mai
  Ab Mai 1922 hatte die DAG täglich 10.000kg Nitroglyzerinpulver im Depot durch Verbrennung zu vernichten bzw. durch Mühlen zu zerkleinern
1922, August
  In der Zeit von Juni bis August 1922 wurden 219 Beute-Güterwaggons auf den Gleisanlagen abgestellt
  Die Gemarkung Reckenfeld wurde von Howest-Engberding und Vertretern der Bodenverbesserungs-Genossenschaft und anderen aufgesucht. Es geht u.a. um die Entwässerung des Geländes
1922
  Die Eisenhandelsgesellschaft-Ost GmbH (EHG) wurde in Berlin gegründet
1923
 

Das RSM ging 1923 in das Reichsfinanzministerium (RFM) über. Das RSM wurde danach aufgelöst

  Die EHG zerlegte im Depot - gegen Zahlung von 100.000 Mark monatlich an die Reichsschatzverwaltung - alte, vom Reichsbahnfiskus angekaufte Lokomotiven
 

Wegen eines möglichen Verkaufs des Depots an die Eisenhandelsgesellschaft-Ost waren vor Ort Herr Wilde und ein Vertreter des Reichsschatzministeriums

1923, August
  Am 9. August 1923 wurde der Vertrag zwischen dem Reichsfinanzministerium (RFM) und der EHG über den Kauf des Depots für 100.000 Goldmark (5.000 engl. Pfd.) geschlossen
1923, Oktober
  Im Oktober ging bei der Reichskasse die für uns kaum vorstellbare Summe von 269.325.000.000.000,-- Mark (In Worten: Zweihundertneunundsechzig Billionen, dreihundertfünfundzwanzig Milliarden Mark) ein
1923, Dezember
  Die DAG blieb laut Vertrag bis zum 31.12.1923 als Mieterin im Depot
1924, September
  Kontrollbesuch im Depot durch die Herren Hay, Reid und einem Franzosen sowie einem deutschen Verbindungsoffizier
1924, Oktober
  Neuer Kontrollbesuch durch den Franzosen Foyullef, die Engländer Atchill und Hay
1924, November
  Weiterer Kontrollbesuch durch die Herren Langhorne und Last sowie einem deutschen Verbindungsoffizier
1925
  Die Volkszählung in Greven l.d.E. ergab: männliche Personen 892, weibliche Personen 853
1925, März
  General Walch, Präsident der IMKK, befehligte nochmals die sofortige Vernichtung des ehemaligen Nahkampfmitteldepots Hembergen
1925, April
  Amtmann Hueske erhielt auf Anfrage diese Antwort aus Berlin: "Die Eisenhandelsgesellschaft-Ost hat im Leipziger Platz 3 nur ihre Büroräume. Ihr Leiter ist der Kaufmann Ludwig Bernhard Wolf, 7. 6. 1878 in Hannover geboren [...], seit 5.3.1924 ist die Firma für den Großhandel mit unedlen Metallen konzessioniert. Sie tätigt nur größere Geschäfte im Ausland, bei der Reichsbahndirektion und größeren Werken. Über Gründung läßt sich nur nach direkter Fühlungnahme etwas ermitteln. Der Geschäftsbetrieb hat zu Klagen bisher keine Veranlassung gegeben. Nachteiliges ist nicht bekannt geworden."
1925, Mai
  Anton Gauselmann wurde für Wilhelm Imm im 'Depot-Herbern' als Zähler vom Amtmann Hueske für die Volkszählung bestimmt
1925, August
  14 Optantenfamilien mit 63 Personen kamen als Siedler am 27. und 28. August 1925 von Schneidemühl (deutsch-polnische Grenzstadt) am Bahnhof Hembergen an
1925, September
  Die EHG ließ mit staatlichen Geldern im Depot D aus ehemaligen Schuppen durch Um- und Aufbauten 20 Musterhäuser bauen
1925, Oktober
  Die Distriktkommissionen der IMKK wurden nach und nach aufgelöst
1925, Dezember
  Bis zum Jahresende waren es dann noch einmal sieben Familien, die hier ihr neues Zuhause fanden
1926 bis 1930
  Die ersten Jahre - von 1916 bis einschließlich 1925 - wurden unter dem Thema "Entstehung" abgehandelt. Nun folgen die weiteren Jahre bzw. Jahrzehnte in der "Entwicklung" Reckenfelds. Wie das Leben nach 1925 in Reckenfeld ablief, erfahren Sie hier!
1927
  Die Familie Wojciechowski zog Ende 1927 von Wattenscheid nach Reckenfeld, wie viele andere auch, die sich hier eine neue Heimat schaffen wollten. Doch fast niemand der neuen Siedlerfamilien hat schriftlich festgehalten, was sie damals auf sich genommen haben. Die Biographie von Adolf Weuschek
1927/1928
  Die ersten Läden wurden aufgrund der wirtschaftlichen Situation in Reckenfeld "aufgemacht". Artikel zum täglichen Gebrauch konnten die Siedler nun kaufen: Brot, Wurst und Fleisch sowie andere Lebensmittel. Wie sich das entwickelte wird hier aufgeschlüsselt. (Diese Tabelle wird monatlich ergänzt)
 

Erste Kontakte der EHG mit dem Amt Greven wegen einer Polizeistation in Reckenfeld wurden aufgenommen

1928
  Neben den Auf- und Ausbauten der Schuppen entstanden ab 1928 die ersten Häuser. Wie sich das entwickelte wird in vielen Fotos dargestellt
1928, 1. April
  In Reckenfeld wird eine Feuerwehr ins Leben gerufen
1928, Oktober
  1928 erhielt Reckenfeld die erste Postagentur. Die Entwicklung ab diesem Zeitpunkt bis heute wird hier dokumentiert. Karl-Heinz Sandbaumhüter schildert diese Geschichte
1929
  Aus dem "Nahkampfmitteldepot Hembergen" wurde nun der Name für die neue Ortschaft bestimmt: "Reckenfeld", und das von offizieller Seite, nämlich von der Amtsverwaltung Greven
Bis 1930
  Die weitere Besiedlung und wie schwierig es damals in Reckenfeld war, erfahren Sie hier
Die Zeit ab 1930
  Das Leben in der noch jungen Siedlung war für die ersten Reckenfelder Familien nicht einfach. Welche Probleme sie zum Teil hatten, wird hier dokumentiert. Zeitzeugen schildern die damaligen Verhältnisse recht anschaulich.

Die Jahre gingen ins Land und über Vieles kann berichtet werden
  Aus diesen 1930er Jahren: Anekdoten
1930, 5. Oktober
  An diesem Tag wird aus dem Bahnhof "Hembergen" der Bahnhof: "Reckenfeld"
1948
 

Ein paar Tage vor der Währungsreform im Juni 1948 wurden von Interessenten die ersten Beträge für ein Eigenheim (Grundstück) gezahlt, der Baubeginn einer Siedlung (Heimstättensiedlung) ausserhalb der vier Blöcke begann dann 1950

1945 - 1950
 

Fast fünf Jahre wurde ein Teil von Reckenfeld durch polnische DPs (Heimatlose Ausländer) besetzt

2007
  Der 2. Juni 2007 war ein besonderer Tag für die Reckenfelder: Auf dem ersten Kreisverkehr (Kreisel) wurde eine geschichtsbezogene Skulptur aufgestellt
  Eine Bestandsaufnahme ergab, dass seit der Besiedlung Reckenfelds (1919) bis heute ca. 600 Geschäfte, Betriebe, Unternehmen in Reckenfeld ansässig waren bzw. sind
2008
  Reckenfelds erster Maibaum wurde am 17. Mai 2008 auf dem Kirchplatz (vor der Franziskuskirche) aufgestellt
  Alle Häuser, die aus ehemaligen Munitionsschuppen entstanden, und noch als solche erkennbar sind, wurden im Oktober 2008 fotografiert
2009
  So viele Reckenfelder auf "einem Haufen" gab es wohl schon lange nicht mehr (vielleicht noch nie), die ein besonderes Ereignis bestaunten: die Aufstellung einer 2. Skulptur mit geschichtlichem Hintergrund am 13. September 2009
2010
  In der Ortsmitte Reckenfelds steht ab September 2010 eine Informationstafel, auf der in Kurzform die Geschichte Reckenfelds als auch die beiden Skulpturen auf den Kreiseln erklärt werden
2012
  Wann wird Reckenfeld 100 Jahre? Diese spannende Frage stellte Manfred Rech am 1.3.2012 auf der Sitzung der Kultur- und sporttreibenden Vereine auf.

Aus einem ehemaligen Munitionsschuppen (Depot C, Nr. 3) aus dem Ersten Weltkrieg soll ein "Haus der Geschichte" werden. Hier ist der aktuelle Stand
2016
  Im September 2016 ist es dann soweit: Reckenfeld feiert seine 100-jährige Ortsgeschichte und zwar vom 22. bis 25. September 2016 Ein Nachbetrachtung in Word und Bild
2016
  Zur gleichen Zeit gibt Manfred Rech den Band I seiner Dokumentation über die Geschichte Reckenfelds heraus. Das Neueste von der Dokumentation