Vereine und Gruppen (bis Ende der 1950er Jahre)

(Anm.: Einige der hier veröffentlichten Fotos stammen aus einer späteren Zeit)

Wenn Sie sich einen bestimmten Verein bzw. eine Gruppe ansehen wollen, klicken Sie diesen bzw. diese einfach an!

Blasmusik

Bund der Vertriebenen

Bürgerverein

CDU-Ortsverband

Evangelischer Kirchenchor 1929

Faustkämpfer in Reckenfeld

Gemischter Chor

Gesangverein

Heimatverein Reckenfeld

Kaninchenzuchtverein

Karneval Kirchlicher Vereine

Katholischer Kirchenchor 1929

Katholischer Volksverein

Kleinsiedlerverein / Gartenbauverein

Kolpingfamilie

Kriegerverein

Männerchor Liedertafel Reckenfeld 1935

Ortsverband der Heimkehrer

Re-Ka-Ge

SC Reckenfeld 1928 e.V.

Schachfreunde Reckenfeld

Schäferhundeverein

Schützenbruderschaft Hubertus

Schützenverein Eintracht 1926 e.V.

SPD-Ortsverein

Spielmannszug Eintracht 1954

Taubenzuchtverein

Verkehrsverein

Versehrtensportgemeinschaft

Wirtschaftliche Vereinigung

Ziegenzuchtverein

Weitere Vereine + Gruppen

Blasmusik

Blasmusik in Reckenfeld hat Tradition, denn schon zu Beginn der 1930er Jahre, als die Familien Lihl und Baum musizierten, wurden die Familien durch ihre Musik in Reckenfeld und näherer Umgebung bekannt.

Nicht nur die privaten Gruppen kamen zur Geltung, auch die Nazis sorgten für die Förderung "eigener" Blaskapellen, wie zum Beispiel die Kapellen der SA und des Arbeitsdienstes. Lautstark zogen sie zeitweise durch die Blöcke, entlang der Hauptstraßen und spielten in der Ortsmitte, immer im Schlepp, die mitmarschierenden Uniformierten.

Zurück zu den Wurzeln der Reckenfelder Blasmusik: Joseph Lihl - von Beruf war er Bergmann (Hauer), wurde 1869 in Dierbach geboren und kam als Witwer 1919 aus Sachsen nach Hamborn. Von dort führte sein direkter Weg nach Reckenfeld, das war am 6.3.1929. Während sein Sohn Hermann-Wenzel - von Beruf Musiker - in Hamborn blieb, folgten zwei seiner Söhne - Julius, der ebenfalls beruflich musizierte, und Josef-Franz, sie folgten ihrem Vater Mitte der 1930er Jahre nach Reckenfeld. Seine Enkelin erinnert sich:

"Opa Joseph hatte vier Jungen und ein Mädchen (meine Mutter), alle Kinder waren sehr musikalisch, bloß mein Großvater nicht. Und als dann noch ebenfalls musikalisch geschulte Schwiegerkinder hinzukamen, war klar: Bei Lihls und Baums wurde ständig musiziert." Ob Joseph Lihl überhaupt ein Blasinstrument gespielt hat, ist nicht eindeutig bewiesen. Mit den Auftritten seiner Kinder und Enkelkinder in einem Blasorchester, mit welchem sie u. a. am Heiligabend durch die Blöcke in Reckenfeld gezogen sind, hatte Joseph weniger ‚am Hut'".

So war es nicht verwunderlich, dass Julie Baum aus ihrer Passion eine Tugend machte und 1935 die erste und bisher einzige Damen-Kapelle in Reckenfeld gründete. Die als "Fidele Mädchen" bekannte Gruppe erfreute über viele Jahre das musikalische Geschehen in Reckenfeld und war auch über den engeren regionalen Rahmen hinaus eine überaus beliebte Musikkapelle.

Damals fanden sich auch einige junge musikbegeisterte Herren zusammen, um ihrem Hobby nachzugehen und so einen Teil ihrer Freizeit auszufüllen. Das erkannte auch schon bald der in der katholischen Kirchengemeinde tätige August Reinert, der die musikalischen Interessen der jungen Männer bündelte und die CAJ-Blasmusik gründete. Zu ihr gehörten unter anderem Heinrich Wildemann, Clemens Freitag, Wilhelm Runge, Josef Krühler, Heinz Jaquemotte, Bernhard Deitmar und Bernhard Daeumer. Dirigent der jungen Truppe wurde August Reinert.

Aus der Blasmusik der Herren und aus der der Damen kristallisierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg dann die Kapelle Runge/Lihl/Baum heraus, in der auch Josef Krottenthaler und seine Frau Hedwig mitgespielt haben. (Anm.: Im Juli 1968 fanden sich Musiker aus Greven und Reckenfeld zusammen. Es war Ferdinand Kreimer, der als Musiker und Dirigent der ersten Stunde das damalige Amateur-Blasorchester ins Leben rief, das heutige Reckenfelder Blasorchester).

Fotos von unterschiedlichen Musikgruppen:

Die Musikerfamilie Lihl/Baum

1933: Ziegenopa Lihl hat Geburtstag.

Seine Musiker/innen bringen ihm ein. Ganz eben zu erkennen, das Hakenkreuz.

Inwieweit die Familien von den Nazis beeinflusst wurden, ist nicht belegt

Die "Fidelen Mädchen" - die Damenkapelle Baum/Lihl

1930er Jahre: DJK Musikcorps - Leiter August Reinert. Folgende Musiker

sind auf dem Foto: Martin Krühler, Hubert Zumdick, Josef Rose,

Franz Hegemann, Heinrich Wildemann, Willi Runge, August Reinert,

Clemens Freitag, Bernhard Daeumer, Hugo Flakowski, Männe Jaquemotte

und Bernhard Deitmar

1945: Kapelle Runge am Osterfeuer

Blaskapelle mit Runge und Freitag

1947: Kapelle Alfred Riese tritt vor Polen im Deutschen Haus auf.

Als Musiker traten Deutsche (Reckenfelder) auf. Alfred Riese (Trompete),

Horst Hölzel (Schlagzeug und Geige) und Eugen Klaasen (Klavier)

Alleinunterhalter Eugen Klaasen am Klavier spielt zum Tanz auf

Der Ort, an dem musiziert wurde, egal - da ging immer was

Von den Baums oder den Lihls gab es immer Musik

Im Hof - im Block B - wurde ebenfalls musiziert

Heinrich Wildemann und Frl. Meyer

Bund der Vertriebenen

In einer besonderen Feierstunde dankt der Vorsitzende des BvD, Fred Riese, den zahlreichen Gästen für ihre Unterstützung dieser Jugendgruppe, die von dem Aufbauwillen nach demokratischen Grundsätzen und der Zusammenarbeit mit anderen deutschen Jugendverbänden gekennzeichnet sei. Unter dem Leitmotiv "Heimat, wir verlassen Dich nicht" wird bei dieser Feierstunde der DJO (Deutsche Jugend des Ostens) auch der Gründung des BvD in Reckenfeld gedacht, die bereits drei Jahre vorher, am 1. Februar 1949, vollzogen worden war.

Am 6. Juli 1952 wird in Reckenfeld die ostdeutsche Jugendgruppe als Selbsthilfewerk in der Jugendarbeit der Ortsvertriebenen gegründet.

Bürgerverein

Einen Bürgerverein gab es im Jahr 1931, so die Unterlagen aus dem Stadtarchiv Greven. Aus einer anderen Quelle: Der Bürgerverein soll am 1. Januar 1930 gegründet worden sein. Weitere Informationen liegen nicht vor.

Faustkämpfer in Reckenfeld

Eine besondere Attraktion waren die vom Grevener Boxsportclub veranstalteten Boxkämpfe im Deutschen Haus, u.a. mit jungen Reckenfeldern: Willi Walter, Willi, Walter und Georg Jerzinowski, Harry Huff, Leo Riedel, Gerd Lenuweit, Oskar Quadflieg und einigen anderen. Quelle: Aus der Chronik vom Deutschen Haus Einige Passagen aus der hiesigen Presse von 1952 entnommen:

"Faustkämpfer 1952" heißt der Verein für den Boxsport, der am vergangenen Sonntag gegründet wurde. Trainiert wird in der Turnhalle der Martinischule, jeweils montags ab 20 Uhr.

  • Zweiter Faustkampf gegen Vreden. Reckenfelder Boxer: Junioren-Federgewicht Willi Jerzinowski, er siegte überlegen. Jugend Papiergewicht: Quadflieg siegte nach Punkten vor 700-800 Zuschauern im Saal Winninghoff
  • Bei ihrem ersten Kampf in der Öffentlichkeit hatten die Faustkämpfer 52 die Boxstaffel Ibbenbüren zu Gast. An die 600 Zuschauer konnten begrüßt werden. Bürgermeister Minnebusch, Amtsdirektor Dr. Drost, Amtskämmerer Dr. Langweg waren u. a. anwesend. Reckenfelder Boxer: Quadflieg als Schüler, Federgewicht Harrach
  • Die Faustkämpfer bereiten sich auf ihren Auftritt in der Öffentlichkeit vor. Am 14.9.1952 soll Ibbenbüren der Gegner sein. Die Verhandlungen mit diesem Verein laufen zurzeit
  • 4.12.1952: Erstmalig stand Gerd Lenuweit für Greven im Ring. Er verlor seinen ersten Kampf
  • Am 21. August: Im Vergleichskampf mit Boxclub Enschede errang der Grevener Faustkämpfer einen 11:7-Sieg. Jerzinowski I (Willi) bezwang seinen Gegner in der zweiten Runde durch Aufgabe. Er war der technisch bessere Kämpfer.
  • Hans-Dieter Bez schreibt in den Westfälischen Nachrichten am 28.4.2021: "Dr. Heiner Sprakel - Arzt und sehr guter Sportler - war zwischen 1960 und 1970 als ehrenamtlicher Ringarzt bei den Boxveranstaltungen im Kolpinghaus in Greven und im Deutschen Haus in Reckenfeld tätig"

112 Kämpfe stehen offiziell für ihn zu Buche. "So um die 95 davon habe ich gewonnen", sagt er. K.o. gegangen ist er nie, im Gegensatz zu seinen Kontrahenten. Die hat er nicht selten zu Boden geschickt. "Ich war gut", sagt Jerzinowski ohne Überheblichkeit. Die Boxlaufbahn von Willi Jerzinowski ist zugleich die Geschichte eines Sportvereins, den heute wohl nur die Älteren in Greven noch kennen: die Faustkämpfer 1952 Greven. "Es war damals ein gut geführter Verein", sagt Jerzinowski und nennt Namen wie Leo Gallien, Bernhard Hunke oder Anton Lepper.

Hier begann Jerzinowskis Karriere. "Komm doch mal mit", lud ihn 1954 ein Kumpel ein. "Da bekam ich gleich Handschuhe an", erinnert sich Jerzinowski wohl deshalb noch so genau, weil der erste Kontakt mit dem Boxen schmerzhaft war. "Beim Trainingskampf gegen Paul Wiesmann hab ich ordentlich Schläge gekriegt." Doch sein Ehrgeiz war geweckt. Nach einer Woche Training gab es die Revanche, bei der Jerzinowski den Spieß umdrehte: "Da kriegte er die Schläge." Der damalige Trainer Karl Harrach erkannte das junge Talent. Erst im Leichtgewicht, später im Halbwelter- und Weltergewicht wurde Jerzinowski zum erfolgreichsten Boxer des Vereins. Er boxte in Bezirks- und Landesauswahlen und stieg, damals nicht unüblich, auch für andere Vereine wie den Boxclub Münster in den Ring.

In Hamburg, München und in den Niederlanden schwang er die Fäuste. Häufig aber auch in Greven. Der Saal von Winninghoff, Schöneflieth oder das Deutsche Haus in Reckenfeld waren Austragungsorte von Boxabenden mit mehreren Kämpfen. "Es war immer brechend voll", hat Jerzinowski das Bild noch vor Augen.

Wenn es um seine härtesten Gegner geht, muss er nicht lange überlegen. "Das waren die Brüder Johannpeter aus Hamm." Die Johannpeters gelten heute noch als Boxlegende. Nicht weniger als zehn boxende Brüder, von denen einige es bis zu Deutschen Meistern brachten, dürften ein Rekord für die Ewigkeit sein. Gegen fünf von ihnen hat Jerzinowski geboxt. "Das waren ganz harte Burschen", weiß er heute noch.

Auch seine Brüder Walter und Georg haben geboxt, jedoch mit weniger Erfolg. "Ich war immer Jerzinowski I", lächelt Willi Jerzinowski. Ein direktes Vorbild hatte er nicht. Sein eigener Stil war auf Konter ausgelegt. "Man muss auch mit dem Kopf boxen, nicht nur draufloskloppen", sagt Jerzinowski.

Geld hat er mit dem Boxen nicht verdient. Mal gab es einen Teller, mal einen Pokal, oder, natürlich in München, zwei Bierkrüge. Viermal in der Woche trainierte er, meist in der Martinischule, manchmal auch in der Josefschule. Das war viel Zeit für einen Amateur. "Sonst hätte ich Schläge gekriegt, und das wollte ich eigentlich nicht", hat Willi Jerzinowski eine einleuchtende Erklärung für den Aufwand. Auch sein übriger Lebenswandel war sportgemäß - keine Zigaretten, kein Alkohol.

Wenn er nicht im Ring stand, schoss er als Mittelstürmer Tore, erst für Greven 09, später auch für den SC Reckenfeld. Gelernt hat er Maurer, danach sattelte er um auf Polsterer und arbeitete bei den Luxonia-Werken in Reckenfeld.

Ausschnitte aus einem Interview der WN mit Willi Jerzinowski im Mai 2009:

Das, was an greifbaren Erinnerungen geblieben ist, befindet sich in einem kleinen Kämmerlein unter dem Dach des Hauses an der Adlerstraße in Reckenfeld. Urkunden, Pokale, Ehrenteller. Und natürlich das "Sportgerät" von Willi Jerzinowski, welches hier tatsächlich an dem sprichwörtlichen Nagel hängt. Und das seit mittlerweile fast 45 Jahren. So lange ist es her, dass Willi Jerzinowski sich zum letzten Mal die Boxhandschuhe überstreifte, mit denen er über zehn Jahre lang zumindest Grevener Sportgeschichte schrieb.

"Fimmek" Jerzinowski

Um überhaupt boxen zu können, wurde Jerzinowski auch Übungsleiter. "Ohne Trainer durfte man nicht boxen", erzählt er. Heute hat Willi Jerzinowski mit Boxen nicht mehr viel am Hut. Er hat inzwischen ein anderes Hobby.

Kleinsiedlerverein / Gartenbauverein

18.04.1934: Auch in Reckenfeld wird die Einigkeit gefördert! Am Freitagabend fand im "Deutschen Haus" die Monatsversammlung des Kleinsiedlervereins Reckenfeld statt. Nachdem der Führer des Vereins Otto Meier die Mitglieder herzlichst begrüßt hatte, hielt der Schriftführer W. Fengler einen Vortrag über den gesamten Gartenbau. Die Anregung des Vorstandes, im September eine Gartenbauausstellung zu veranstalten, fand bei allen Mitgliedern großen Anklang. Es wird beabsichtigt, die besten Gartenerzeugnisse, sowie alles zur Gartenbearbeitung Erforderliche auszustellen. Es ist ein erfreuliches Resultat, daß der Kleinsiedlerverein, der erst Januar gegründet wurde und heute bereits 86 Mitglieder zählt, gute Fortschritte macht. So hat z.B. derselbe seine Mitglieder bereits mit Obstbäumen und Sträuchern aller Art, sowie mit insgesamt ca. 100 Ztr. Saatgutkartoffeln und Kunstdüngerproben beliefert. Auch der Verschönerungsverein Reckenfeld ist dem Kleinsiedlerverein eingegliedert worden. Es ist dies ein Zeichen von großem Gemeinschaftsgeist und Einigkeit.

15.08.1935: Sommerfest des Reckenfelder Kleinsiedlervereins. Im festlich geschmückten Saal des Deutschen Hauses hatte sich Jung und Alt eingefunden, galt es doch, ein wirkliches Fest der Volksgemeinschaft zu feiern. Vereinsleiter Sander begrüßte die Erschienenen. Nach einem Marsch der Siedlerkapelle trat erstmalig der neue Gesangverein unter Leitung von Lehrer Dilla auf. Als Vertreter des Landrats überbrachte Bauer Richter-Brockmann die herzlichsten Grüße des Landrats. Um irrige Anschauungen klarzustellen, betonte er, daß einerseits sämtliches Geld, das die Siedlungsgesellschaft in Reckenfeld erübrigt, wieder für die Siedlungsgesellschaft verwendet wird, anderseits müsse mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß für die Siedlungsaufgaben in Reckenfeld keine öffentlichen Mittel etwa aus der Gemeinde- oder Kreiskasse verwendet würden, wie das zum Teil angenommen werde. Vom Gauheim-Stättenamt war Pg. Gerling erschienen. Er versprach, dafür Sorge zu tragen, daß der Siedlung Reckenfeld geholfen werde. Ortgruppenleiter Pg. Peters stellte den Siedlern den neuen Amtsbürgermeister Pg. Vorndamme (Greven) vor. Als Vertreter der Siedlungsgesellschaft Münster-Land war Rechtsanwalt Dr. Lauscher (Greven) erschienen. Der Nachmittag wurde durch Musikstücke, Gesangvorträge und Vorführungen der Kinder ausgefüllt. Abends kam dann der Tanz zu seinem Recht.

04.02.1937: Der Maisanbau soll gefördert werden. Freitagabend 8 Uhr findet in der Wirtschaft Bokel-Rickermann eine öffentliche Versammlung statt. Der Ortsbauernführer B. Thüning, Greven, wird über den Maisanbau einen längeren Vortrag halten. Alle Volksgenossen, auch die Siedler vom Kleinsiedlerverein sind zu dieser Versammlung herzlichst eingeladen. Für die umliegenden Bauern und Landwirte ist es Pflicht zu erscheinen.

25.09.1937: Die Siedlergemeinschaft Reckenfeld hatte im Deutschen Haus ihre Monatsversammlung. Die gut besuchte Versammlung wurde vom Vereinsführer Sander eröffnet. Er begrüßte die Erschienen, u. a. den Bürgermeister Peters. Nach Erledigung der Tagesordnung fand eine rege Aussprache über praktische Erfahrungen im Gartenbau statt. Diese Aussprache vermittelte den jungen Siedlern gutes Rüstzeug, sei es Bearbeitung oder Ungeziefer-bzw. Schädlingsbekämpfung. Dann wurde noch bekannt gemacht, daß, wie im Vorjahre, Bestellungen auf Kunstdünger u. Obstbäumen jetzt schon bei den zuständigen Blockwaltern gemacht werden können.

Doch der Start eines Gartenbauvereins war viel früher, wie diese Anzeige zeigt. Um genau zu sein: Die Gründung des Vereins war vor dem 10. September 1928.


Eine Zeitung schreibt am 21.7.1956: Es fand ein Gartenbauwettbewerb statt. Der Heimatverein hat in Verbindung mit dem Haus- und Grundbesitzerverein dazu aufgerufen. Eine Kommission hat die Gärten besichtigt. "Wir hatten im Allgemeinen einen guten Eindruck der Anlagen. Reckenfeld als Gartenstadt zu bezeichnen ist berechtigt", so die Kommission.

Besonders angenehm aufgefallen sind die Ortsteile A und C. im Ortsteil D liegen ca. 50 Prozent des Gartenlandes brach oder werden nicht ganz genutzt. Der Gesamteindruck als "Gartenstadt" soll bleiben.

Videoausschnit aus einem Umzug durch's Dorf

Eine Anzeige in den Reckenfelder Mitteilungen

Gemischter Chor

Wann der Gemischte Chor gegründet wurde, ist nicht belegt. Jedoch liegen Daten nach dem Zweiten Weltkrieg vor:

  • 30.9.1947: tagt der Gemischte Chor unter dem Vorsitzenden Hermann Wähnelt im Gasthof Beckermann
  • 7.2.1948: findet ebenfalls eine Sitzung bei Beckermann statt. Es lädt ein: der Vorsitzende Rückbeil, C 6
  • 21.10.1950: unter diesem Eintrag heißt es: Gemischter Chor (Herbeck) trifft sich bei Brinkmeyer. Diese Sitzungen als auch die Chorproben mussten bei Beckermann - südlich des Blocks D - abgehalten werden, da die im Ort befindlichen Räume - Brinkmeyer (Deutsche Haus) sowie Rickermann durch die polnischen DPs belegt waren.

Gesangverein

Eine Zeitung - 15.08.1935: Sommerfest des Reckenfelder Kleinsiedlervereins. Im festlich geschmückten Saal des Deutschen Hauses hatte sich Jung und Alt eingefunden, galt es doch, ein wirkliches Fest der Volksgemeinschaft zu feiern. Vereinsleiter Sander begrüßte die Erschienenen. Nach einem Marsch der Siedlerkapelle trat erstmalig der neue Gesangverein unter Leitung von Lehrer Dilla auf. (Anm.: Aus diesem Gesangverein könnte zu einem späteren Zeitpunkt die "Liedertafel" entstanden sein).

(Anm.: Ob es sich bei folgendem Text aus dem Stadtarchiv Greven um den Reckenfelder Gesangverein handelt, ist nicht sicher dokumentiert): Die Grevener Nationalsozialisten hatten schon vor Bekanntgabe der Wahlergebnisse der Öffentlichkeit ihren politischen Führungsanspruch demonstriert. Zum Wahlsonntag, der auch gleichzeitig Volkstrauertag war, veranstalteten die Grevener Vereine eine Trauerfeier "für die Gefallenen des Weltkrieges" am Ehrenmal der St. Martinus-Kirche. An dieser Feier beteiligten sich mit Ausnahme der Kommunisten alle Organisationen und Parteien Grevens. Vom Schützenverein über die Christlichen Arbeiter, das Reichsbanner-Schwarz-Rot-Gold, den Gesangverein, den Stahlhelm und in diesem Jahr erstmals auch die Nationalsozialisten beteiligten sich "sämtliche Vereine mit je einer Fahnendeputation und etwa acht Mann" an einem Umzug durch den Ort. An anderer Stelle wird das Jahr 1927 als Gründungsjahr angegeben.

Heimatverein Reckenfeld

1947: Die Laienspielschar und der Heimatverein werden gegründet.

(Anm.: Über die Laienspielschar - später Freilichtbühne - wird in einem anderen Kapitel geschrieben).

Beide waren im September 1947 eine "Liebesheirat" eingegangen, die sich dann aber nur als Zweckgemeinschaft entpuppte, und am 8. Dezember 1947 wurde die "Ehe" bereits geschieden. Zum offenen Streit kam es zuvor in der Vorstandssitzung vom 28. November 1947, als der Vorsitzende Rudolf Baehr die Aufführung des Theaterstückes "Der Kuhhandel" kritisierte, da Inhalt und Wirkung nicht den Vereinszielen entspräche. So heißt es dazu weiter: "Wegen verschiedenartiger Auffassung über die Kulturarbeit wurde Einigung darüber erzielt, das Thema auf der nächsten Jahreshauptversammlung zu behandeln."

Vorab war jedoch eine "Vereinsanmeldung" beantragt worden. In der Versammlung im Januar 1948 beendete man die Zusammenarbeit kurz und schmerzlos.

Noch am selben Tag wurde die Gründung des Heimatvereins Reckenfeld von der Militärverwaltung bestätigt.

Am 5.3.1949 berichtet die hiesige Zeitung: In Reckenfeld besteht ein Heimatverein, der in rühriger Arbeit die Interessen und Anliegen der Heimat pflegt und wahrnimmt.

Doch wie sah es mit den Tätigkeiten des Heimatvereins aus? Ein Katalog von Absichtserklärungen wurde bereits 1949 aufgestellt, aber wurden sie auch verwirklicht?

  • Der Heimatverein befasste sich bereits am 19. Mai 1949 mit der Auflistung von Straßennamen für ein wiedervereintes Reckenfeld. Seiner Initiative war auch die Gründung der Dorfkirmes zu verdanken, die er in Übereinstimmung mit der Gemeindevertretung links der Ems im August 1949 auf den zweiten Sonntag im Juli festlegte
  • Auch die Schaffung einer Gedächtnistafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges geht auf eine Initiative des Heimatvereins vom 14. Oktober 1949 zurück
  • Die Möglichkeit der zweiseitigen Bebauung, die Wasserversorgung, die Feuerwehrfrage, die Müllabfuhr, die Abwasserfrage, die Grabenreinigung, die Renovierung des Dorfplatzes, das Polendenkmal, die Verbindung nach Emsdetten, die Industrieansiedlung, der Standort für Plakatsäulen und die Eingemeindung nach Greven
  • Wenngleich der Initiativen des Heimatvereins vieles zu verdanken war, aber eines konnte auch er leider nicht realisieren: die Ansiedlung von Industrien in Reckenfeld
  • Zwar gelang es Anfang der 1950er Jahre, die münsterische Polstermöbelfabrik Richard Lück nach Reckenfeld zu holen, aber das war auf Jahre hinaus der einzige Betrieb, der in Reckenfeld ansiedelte. Industrie aber war notwendig, um der Gemeinde Greven links der Ems, zu der Reckenfeld gehörte, auf Dauer ihre Eigenständigkeit zu erhalten. Das Autonomiebedürfnis war damals in Reckenfeld sehr groß, aber zur Selbständigkeit gehörte auch ein entsprechendes Steueraufkommen, und damit konnte Reckenfeld leider nicht dienen.

In den Annalen des Heimatvereins taucht dann plötzlich ein Name auf, der theoretisch dessen Jubiläum übernehmen könnte, es aber faktisch wohl nicht will. Er könnte sich allerdings bei seiner derzeitigen, Jahrzehnte alten Existenz auf seine Wurzeln im Heimatverein berufen, denn geboren ist die "Arbeitsgemeinschaft der Vereine" in der Generalversammlung des Heimatvereins am 22. Januar 1951. In dieser Versammlung schien der Vorsitzende Rudolf Baehr amtsmüde zu sein, als er sein Amt zur Verfügung stellte und die Zweckerfüllung des Vereins in Frage stellte.

Von vielen Anwesenden unterstützt, tauchte dann die Frage auf, "ob der Heimatverein nicht eine Dachorganisation der Reckenfelder vereine sein könnte." Diese Frage wurde dann vom neuen Vorsitzenden, Heinrich Schweitzer und den anwesenden Mitgliedern bejaht und am 2. März 1951 wurden Laienspielschar, evangelischer Kirchenchor, katholische Jugend, Kolpingfamilie, katholischer Männerverein, Arbeiterwohlfahrt, Männergesangverein, Gemischter Chor und SC Reckenfeld in die Arbeitsgemeinschaft aufgenommen. Es folgten am 16. Juli 1951 katholische Jugend, Verband der Vertriebenen und der Haus- und Grundbesitzerverein. Komplettiert wurde die Arbeitsgemeinschaft am 15. Oktober 1951 mit dem Selbsthilfswerk der Vertriebenen, sowie Feuerwehr, Re-Ka-Ge, katholische weibliche Jugend, Schützenverein Eintracht und Schützenbruderschaft.

Auf Vorschlag von Bürgermeister-Stellvertreter Lothar Fabian am 25.4.1956 wird der Heimatverein einen Gartenwettbewerb veranstalten. Eine Kommission wird die schönsten Gärten ausfindig machen und eine Prämierung vornehmen: Es werden Preise bis zu 250 DM ausgesetzt.

Am 11. März 1951 schreibt der Redakteur Schumacher: Litfaßsäulen und Plakattafeln. Mit einer Düsseldorfer Firma steht die Stadt in Verhandlungen. Es soll mit ihr ein Vertrag von 10 Jahren abgeschlossen werden. Der Heimatverein soll die Standorte benennen. An den Anschlagbeträgen will sich die Gemeinde mit 25% beteiligen.

"Vereinsanmeldung" des Heimatvereins Reckenfeld am 20. September 1947

Bestätigung zur Gründung des Heimatvereins Reckenfeld am 8. Januar 1948

Sie schmieden Pläne: Mitglieder des Heimatvereins und andere Personen

Der Garten von Helene Brämer, die 1959 vom Heimatverein

einen Preis dafür erhielt

Karneval Kirchlicher Vereine (KaKiV)

Motto und Prinzen des KaKiV

(Quelle: Aus einem Heft aus dem Jahr 2006)

1947 Karneval im Pfarrhaus Kein Prinz
1948 Karneval im Pfarrhaus Kein Prinz
1949 Karneval im Pfarrhaus Kein Prinz
1950 Als Käpt'n auf dem Walgenbach Käpt'n Tonius Thünemann
1951 Wenn alle Tage Fastnacht wär' Wilhelm I. Pastor Müller
1952 Völkerversammlung in Reckenfeld Heinrich I. Wildemann
1953 Und noch ein Verein Georg I. Tecklenborg und Frau Elisabeth
1954 Ich bin ja heute so in Schwung Georg II. Schmidt und Frau Hildegard
1955 Nu erst recht HELAU Wolleck Willi I. Bosse und Frau-Anni Overbeck
1956 Das dürfte wohl ein Märchen sein Paul I. Rickermann und Frau Martha Beike
1957 Zum 11. Mal geht's wieder rund Alfons I. Dömer und Frau Elisabeth
1958 Wer weiß, wie das noch werden soll Hermann I. Wollschläger und Frau Else
1959 Tolles Tempo 13 Tonius I. Thünemann und Frau Hildegard

Katholischer Volksverein

Im November 1927 schritt man zur ersten organisierten Zusammenfassung der Katholiken Reckenfelds in einer Ortsgruppe des katholischen Volksvereins. Der Vorstand desselben "ließ es sich im wohlverstandenen Sinne eines Laienapostolats sehr angelegen sein, das katholische Leben innerhalb der Siedlung zu fördern.

So konnte dank der Vorbereitung durch den Volksverein am Weißen Sonntag des Jahres 1928 in der St.-Franziskus-Kapelle Reckenfelds in überaus feierlicher Weise zum ersten Male das Fest der Erstkommunion gefeiert werden. Im Juni des gleichen Jahres fand im Anschluss an die große Volksmission in der Mutterpfarrei Greven die erste Mission dieser Art in Reckenfeld statt, die von den Kapuzinerpatres durchgeführt wurde.

Bei dieser Gelegenheit wurde, da die Katholikenzahl immer mehr anwuchs, und die Notwendigkeit, einen ständigen Geistlichen am Ort zu haben, sich immer dringender ergab, durch den Volksverein eine Eingabe an das Bischöfliche Generalvikariat in diesem Sinne gerichtet. Auf seiner Firmungsreise besuchte am 12. Juli 1928 der Bischof von Münster, Johannes Poggenburg, Reckenfeld, um zum ersten Mal in der Gemeinde das Sakrament der Firmung an 40 Firmlinge zu spenden. Der glanzvolle Empfang konnte sich dem mancher größeren Gemeinden würdig an die Seite stellen. Bei seinem Besuch gab der Bischof die Zusage, bald einen eigenen Geistlichen nach Reckenfeld zu entsenden.

1932 erhielt der Verein eine neue Fahne. Er ist der älteste Verein des Ortes, (Anm.: Das stimmt nicht, denn der Schützenverein Eintracht wurde bereits 1926 gegründet) welcher von dem damaligen Lehrer gegründet wurde, bevor ein Seelsorger für Reckenfeld ernannt war und zählt 1933 noch 45 Mitglieder. Infolge des politischen Umsturzes wurde im Sommer 1933 der Volksverein (wie auch die noch junge Ortsgruppe der Zentrumspartei) aufgelöst.

Kolpingfamilie

Wilhelm Müller ist seit 1939 als Pfarrer in dem Grevener Ortsteil Reckenfeld tätig. seinem Einsatz ist der Bau eines Kindergartens, eines Alters- und Jugendheims sowie die Einrichtung einer ambulanten Krankenpflegestation zuzuschreiben. An der Gründung katholischer Standesvereine, wie KJG, CAJ und der Kolpingfamilie, deren Bezirkspräses er ist, war er maßgeblich beteiligt.

Eine Zeitung: "Die Gründung der Reckenfelder Kolpingfamilie erfolgte dann Anfang 1950 mit Hilfe zahlreicher Altgesellen und des geistigen Vaters Rektor Wilhelm Müller, der auch Präses des neuen Vereins wurde. Einer der Ersten in dieser Familie ist Arthur Hegel."

Maiausflug 1954

Holz für das Osterfeuer holen, 1954

Theaterspiel, Mai 1953

Kriegerverein

Im Alltag konstituierte sich allmählich ein auf alten Traditionen aufbauender Militarismus, der in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre immer offenere und konkretere Züge annahm. Die regelmäßig stattfindenden Manöver des Kriegervereins unter Einbeziehung "modernster Waffentechnologie", die paramilitärische Organisation der Grevener NS-Verbände und ihre Übungen, die wehrkundliche theoretische und praktische Unterweisung der Kinder in der Schule, letztlich der immer stärkere Einfluss militärischer Terminologie auf die Alltagssprache ("Kampf", "Appell", "Dienst", "Erzeugungsschlacht"), all dies dokumentiert, wenn nicht die konkrete Vorbereitung, so doch die Einstimmung auf den Krieg.

Die Förderung militaristischer Tendenzen durch den nationalsozialistischen Staat, insbesondere die Unterstützung von Projekten für die paramilitärische Ausbildung, lässt sich recht anschaulich auch quantitativ mit der steigenden Anzahl der Schießstände und Schießplätze im Amtsbezirk Greven belegen:

Schon im Juni 1933 stellt der Kriegerverein Reckenfeld den Antrag auf Gewährung eines Zuschusses zum Bau eines Schießstandes. Offensichtlich ist man der Auffassung, dass sich die Gemeindevertretung unter dem Eindruck des "Sieges der nationalen Koalition", die sich lokal am 2.6. mit der kommissarischen Einsetzung des Nationalsozialisten Fritz Peters zum Gemeindevorsteher manifestiert hat, diesem Antrag nicht widersetzen wird. Gegen die Erwartungen fasst die Gemeindevertretung am 28.6.1933 jedoch noch keinen definitiven Beschluss über diesen Antrag, so dass der Kriegerverein Reckenfeld andere Wege der Finanzierung suchen muss.

Ende August/Anfang September erhält die Amtsverwaltung Greven über den Landrat ein vertrauliches Schreiben des Beauftragten des Chefs des Ausbildungswesens bei der SA-Truppe Westfalen vom 20.8.1933, nach dem schnellstmöglich ein Verzeichnis der existierenden Schießstände vorzulegen sei. Am 14.9.1933 meldet die Amtsverwaltung drei Schießstände:

  • Heinrich Lodde, Aldrup 37a: Kleinkaliber (KK)
  • Heinrich Micheel, Herbern 18: KK
  • Ludwig Waltermann, Mühlenstraße 49: KK und Großkaliber (GK)

Am 29.3.33 beantragt der Kassierer des Vorstands des Kriegervereins Reckenfeld einen Kleinkaliber-Schießstand zu bauen. "Wir erbitten einen Zuschuss zu den Baukosten."

1. Vorsitzender Indenbirken stellt am 25.6.1933 an das Amt Greven den Antrag Geld zu bewilligen; weil der "Wehrsport besonders gefördert werden soll."

Am 22.9.1933 werden die Herren Heinrich Bohnenkamp und Gustav Indenbirken aus Reckenfeld vom Oberpräsidenten zu Münster als Aufsichtspersonen bei Übungs-, Preis- und Wettschießen auf dem Schießstand bei Micheel anerkannt. Ab 1935 wird bei Brinkmeyer geschossen.

Im Sommer 1935 gelingt es endlich vom Kriegerverein Reckenfeld einen eigenen Schießstand zu errichten. Der bei Brinkmeyer gebaute Stand wird nach Aktennotiz vom Herbst 1936 zugleich von der SA, SS und dem RAD benutzt.

Aus den beiden Bändern "Greven 1918-1950" und aus Zeitungsberichten:

  • Die Nazis vertraten den bürgerlichen Teil der kleinen Reckenfelder Gesellschaft und arbeiteten eng mit dem Kriegerverein zusammen. Diese Einbindung der Reckenfelder Nationalsozialisten in ihr soziales Umfeld war die Voraussetzung dafür, dass fast ein Drittel der wahlberechtigten Bevölkerung 1932 für die NSDAP stimmte.

  • 15.09.1934: Das Volksfest in Reckenfeld. Wie Greven, so veranstaltete auch Reckenfeld ein Volksfest im Rahmen der Manöverspiele, die am 15. und 16. September stattfinden. Am Samstag 23 Uhr trifft sich alles beim Wirt Micheel in Herbern. Die Veranstaltung, die zu einem großen Volksfest zu werden verspricht, steht unter der Leitung des Kriegervereins, der alles tun wird, um die Spiele schön und reich zu gestalten. Jeder muss Picknapf und Löffel mitbringen. Das Essen kostet 30 Pfg.
  • 09.02.1935: Der Kriegerverein Reckenfeld hielt im Deutschen Haus seine diesjährige Jahresversammlung ab. Der Vereinsleiter Indenbirken begrüßte alle recht herzlich und gab seiner Freude über den guten Besuch Ausdruck. Nach Aufnahme neuer Mitglieder gab er den Jahresbericht bekannt. Gute Fortschritte waren zu verzeichnen. Kassenwart Knieps erstattete den Kassenbericht. Nach Prüfung der Kasse wurde ihm Entlastung erteilt. Nunmehr wurde der Vorstand bestimmt. Kamerad Indenbirken ernannte zu seinem Stellvertreter Kamerad Schmücker (Foto), zum Kassenwart Kamerad Knieps, zum zweiten Kassenwart Gondek, zum Schriftwart Kamerad W. Schulz. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich doch sämtliche Kameraden an den Arbeiten des Schießstandes beteiligen möchten. Die Einweihung soll noch Ende dieses Monats erfolgen. Am 24. Februar feiert der SA-Sturm einen Kameradschaftsabend, an dem der Kriegerverein teilnimmt. Nachdem noch verschiedene Vereinsangelegenheiten erledigt waren, ging man zum gemütlichen Teil über.
  • 07.09.1937: Nachdem in der letzten Versammlung der Neuaufbau der Kameradschaft besprochen wurde, wählte man zum Führer der Ortsgruppe den Gendarmerie-Oberwachtmeister Rostek. Dieser nahm die Wahl an. Die nächste Versammlung bringt die erforderliche Neubesetzung der Amtswalterstellen.

Mitglieder des Kriegervereins vor dem Deutschen Haus

Kriegerverein Reckenfeld

Männerchor Liedertafel Reckenfeld 1935 e.V. (Quelle: Auszug aus einer Ausarbeitung von Ferdinand Mehl)

Mit zunehmender Besiedlung Reckenfelds, entwickelte sich in Reckenfeld ein reges Vereinsleben. Es wurde getragen vom Wunsch nach sozialen und kulturellen Kontakten und war beseelt von dem Gedanken, für die zusammengewürfelten Neubürger ein gemeinsames soziales Umfeld zu schaffen, bei dem auch die Geselligkeit nicht zu kurz kommen sollte.

Antriebsmotor war das Bedürfnis, in dieser schweren wirtschaftlichen Zeit auch den Siedlern das Gefühl für einen kulturellen Halt zu geben, mit dem das Zusammenleben gestärkt und die Integration bewirkt werden sollte. Unter diesem Vorzeichen trafen sich am 17.06.1935 im Deutschen Haus in Reckenfeld neun sangeslustige Herren, um einen Männer-Gesangs-Verein zu gründen, dem sie den Namen "Liedertafel Reckenfeld" gaben.

Nach vorheriger Gesangsprobe legten die Gründungsmitglieder Karl Dilla (Chorleiter), August Czieszka, Heinrich Brinkmeyer, Heinrich Schlick, Heinrich Jankord (Schriftführer), Norbert Fiege, Alfred Hünteler, Heinrich Grobe und Paul Schmücker dabei in ihrem Protokoll, welches Gegenstand der späteren Vereinssatzung wurde, unter anderem Folgendes fest: Jeweils einmal wöchentlich sonntags zwischen 20.30 und 23.00 Uhr finden im Vereinslokal Deutsches Haus die Übungsstunden statt. Als Mitgliedsbeitrag sind pro Sänger an jedem Übungsabend 0,10 RM zu entrichten. Der Aufnahmebetrag für Neumitglieder beträgt 0,50 RM.

Gönner und Förderer des MGV Liedertafel haben einen vierteljährlichen Beitrag von 1,00 RM zu leisten, wofür sie bei allen Veranstaltungen freien Eintritt erhalten. Neben der Pflege des Liedguts soll auch die Geselligkeit nicht zu kurz kommen. Dazu zählt auch, dass jedem Sänger an seinem Geburtstag eine Ehrung (in Form eines Ständchens) zuteilwird. Zudem soll mindestens einmal jährlich eine größere Veranstaltung mit den Familienangehörigen (Familienabend) abgehalten werden.

Nachdem am 07.12.1935 die selbstgegebene Satzung ihre Bestätigung durch eine außerordentliche Mitgliederversammlung gefunden hat, entwickelte sich nach und nach ein kontinuierliches Vereinsleben, das mit Beginn des Zweiten Weltkrieges jedoch ein jähes Ende nehmen sollte. Doch der Reihe nach: Neben der Bestätigung der Gründungssatzung wurde auch die Erhebung eines Zusatzbeitrages von 0,10 RM für die Vergnügungskasse beschlossen, der an jedem Übungsabend zu entrichten ist. Die Aufnahmegebühr für neue Sänger wurde auf 1,00 RM erhöht und das Probesingen, bezogen auf die Winterhalbjahre, auf 20.00 Uhr vorverlegt. Zudem sollte ein Stammtisch im Vereinslokal eine ständige Einrichtung sein. Die Sangesbrüder Jankord und Czieszka wurden daneben beauftragt, für den MGV Liedertafel eine Vereinstafel und einen Wimpel zu entwerfen. Zum Sachverwalter wurden die Sangesbrüder Schlick und Krispin gewählt und als Notenwart der Sangesbruder Brinkmeyer.

Im Januar 1936 zählte der Verein bereits 17 Mitglieder, deren Zahl sich bis zur 1. Mitgliederversammlung noch auf 23 Sänger erhöhen sollte. Auch gab es eine Veränderung an der Vereinsspitze, in dem Heinrich Jankord zum 1. Vorsitzenden und Heinrich Schlick als sein Stellvertreter gewählt wurden. Zum Kassierer wurde Ludwig Lipovschek bestimmt. Mit Blick auf das anstehende Stiftungsfest, richtete der Chorleiter Dilla mahnende Worte an die Sänger mit dem Appell, den Chorgeist, die Einigkeit und Vereinsstreue zu bewahren.

Als erster Höhepunkt im noch jungen Vereinsleben fand am 02.02.1936 das "1. Stiftungsfest" statt. Der genaue Programmablauf ist leider nicht überliefert, jedoch wurde bei der folgenden ordentlichen Mitgliederversammlung erwähnt, dass durch die Gestaltung des Festes die Volkstümlichkeit und Lebensfähigkeit des MGV Liedertafel offenkundig geworden ist, so dass der Verein seine Existenzberechtigung habe. Daran änderte auch der Umstand nichts, dass das Stiftungsfest im Ergebnis nicht den erhofften finanziellen Erfolg erbracht habe.

Um solchen Misserfolgen zu begegnen, wurde die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages um 0,20 RM beschlossen, wovon die Hälfte der Vergnügungskasse zugutekommen sollte. Daneben wurde eine Erhöhung des Aufnahmebeitrages auf 1,00 RM durchgesetzt, wobei darauf Wert gelegt wurde, dass jedes Neumitglied vor seiner Aufnahme 3 Gesangsprobestunden zu absolvieren habe.

Folgt man dem Protokoll, so hatte der MGV Liedertafel bereits in seiner frühen Vereinsgeschichte mit einem mäßigen Probenbesuch zu kämpfen. Dies führte dazu, dass in einer außerordentlichen Sitzung am 20.04.1936 beschlossen wurde, Sänger aus dem Verein dann auszuschließen, wenn diese drei Mal unentschuldigt den Übungsstunden ferngeblieben sind.

Auf derselben Sitzung wurden dem Chorleiter Lehrer Dilla Glückwünsche ausgesprochen, anlässlich seiner Beförderung zum Hauptlehrer. Dieser bedankte sich dafür mit einem 3-fachen "Sieg Heil" auf den Führer und Reichskanzler, was dem damaligen Zeitgeist entsprach.

Noch im selben Jahr gab es einen weiteren Wechsel in der Führungsspitze, nach dem der 1. Vorsitzende Jankord im Interesse des Vereins freiwillig zurückgetreten ist. (Leider ist nicht überliefert, welche Gründe damals dafür ausschlaggebend waren).

Zum neuen 1. Vorsitzenden wurde Heinrich Schlick und als sein Stellvertreter Heinrich Grobe gewählt. Ludwig Lipovschek führte fortan das Amt des Schriftführers und des Kassenwarts aus. Außerdem wurde beschlossen, dass aktive Sänger, die ihre Einberufung zum Arbeits- oder Militärdienst erhalten haben, fortan beitragsfrei zu stellen sind. Daneben wurde der Sänger Johann Hermann auf Grund seiner Verdienste zum 1. Ehrenmitglied des MGV Liedertafel ernannt.

Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges hatte der MGV mit schwankenden Mitgliederzahlen zu kämpfen, die nur schwerlich einen ordnungsgemäßen Chorbetrieb zuließen. Dies lag einerseits an den verstärkten Einberufungen zum Militär- und Arbeitsdienst und andererseits wohl auch an den mäßig besuchten Übungsstunden. Laut Protokoll lag der jahresdurchschnittliche Probenbesuch bei unter 50%. Auch die Beschließung von Strafgeldern für das Fernbleiben oder Zuspätkommen bei den Übungsstunden konnte daran wenig ändern. Kriegsbedingt musste letztlich der MGV Liedertafel seinen Betrieb gänzlich einstellen.

Wie überall schlug der Krieg unerbittlich mit seiner ganzen Härte zu. Es kam zum allgemeinen Tiefstand. Die aktiven Sänger Lipovschek, Leyhe und Runtenberg des MGV Liedertafel sind im Krieg gefallen. Andere Sangesbrüder kehrten nach großen Entbehrungen aus der Kriegsgefangenschaft in ihre Heimat zurück.

An eine Wiederbelebung der Sängergemeinschaft war vorerst nicht zu denken, zumal die Nachkriegsfolgen und die widrigen Umstände in Reckenfeld (Räumung der Blöcke A und B für das DP-Lager) verheerende Folgen für die Bevölkerung und ihre Habe hatten. So war der Blick zunächst nur auf das eigene Überleben und die Existenzsicherung gerichtet. Dies sollte sich aber im dritten Nachkriegsjahr bereits ändern.

Trotz der immer noch herrschenden widrigen Umstände, fanden sich am 17.09.1948 erstmalig wieder 22 sangesfreudige Männer in der Gaststätte Bockel-Rickermann ein, wobei 6 Sänger noch zu den Vorkriegssängern gehörten. Ein Zusammentreffen im Deutschen Haus war damals nicht möglich, weil dieses noch zum DP-Lager gehörte und von den Alliierten konfisziert war.

Es wurde einhellig die Wiedergründung des MGV Liedertafel beschlossen, nicht ohne dabei der im Weltkrieg gefallenen drei Sangesbrüder zu gedenken. Die Versammlung wählte Ernst Deitmar zu ihrem 1. Vorsitzenden, der über 15 Jahre lang die Geschicke des Chores geleitet hat. Zu seinem Stellvertreter wurden Josef Dömer und zum Schriftführer Willi Herbeck gewählt. Neuer Chorleiter wurde Fritz Kocker, der dieses Amt bis 1955 ausgeübt hat und dem Chor wieder Auftrieb gab. Als Ehrenmitglied und Liedervater unterstützte Johann Hermann den Vorstand bei seiner weiteren Arbeit.

Im Jahre 1950 konnte sich der Chor zwei Jahre nach der Neugründung wieder der Öffentlichkeit präsentieren. Anlass war u.a. die Auflösung des DP-Lagers, das die Reckenfelder am 20.05.1950 mit einem großen Volksfest und einem bunten Abend gebührend feierten. Der MGV Liedertafel gestaltete dabei das musikalische Programm mit und beendete dabei die mehrjährige Abstinenz. Ein weiterer Höhepunkt war die Fahnenweihe am 16.09.1950, die mit einem Kommersabend abgeschlossen wurde und an dem sich u.a. vier auswärtige Brudervereine musikalisch beteiligt haben.

Leider musste der Chorleiter Fritz Kocker aus gesundheitlichen Gründen seine wirkungsvolle Arbeit im Jahre 1955 beenden. Sie wurde aber vom neu gewählten Chorleiter Rudolf Baehr fortgesetzt, der in der Folgezeit den Chor zu einigen Freundschaftssingen führte und auch das erste große Konzert mit Bravour leitete. Bedauerlicherweise musste auch der Chorleiter Rudolf Baehr aus Gesundheitsgründen seine fruchtvolle Arbeit 1959 frühzeitig beenden. Zum Dank und zur Ehrerbietung wurde er zum Ehrendirigenten ernannt.


Was nun folgt ist die Wiedergabe von Zeitungsberichten als die Nationalsozialisten in Reckenfeld das Sagen hatten. Der Zeitraum beläuft sich auf die Jahre 1934 -1938:

15.08.1935: Sommerfest des Reckenfelder Kleinsiedlervereins. Im festlich geschmückten Saal des Deutschen Hauses hatte sich Jung und Alt eingefunden, galt es doch, ein wirkliches Fest der Volksgemeinschaft zu feiern. Vereinsleiter Sander begrüßte die Erschienenen. Nach einem Marsch der Siedlerkapelle trat erstmalig der neue Gesangverein unter Leitung von Lehrer Dilla auf. (Anm.: ... aus dem bald die "Liedertafel" wurde.

03.10.1935: Der MGV "Liedertafel" in Reckenfeld besprach bei seiner letzten Zusammenkunft eingehend das am 6. Januar stattfindende Winterfest. Die Vereinsleitung liegt in den Händen von Aug. Czieska, Schriftführer und Kassenwart ist Jankord. Dirigent Lehrer Dilla. Die Proben finden montags, abends 8 Uhr, statt.

10.12.1935: Versammlung des Gesangvereins "Liedertafel". Am Samstagabend fand im Vereinslokal Brinkmeyer eine Versammlung des Gesangvereins "Liedertafel" statt. Der Vereinsleiter Czieska eröffnete die Versammlung mit dem üblichen Gruß. Dann besprach man das Stiftungsfest; es wurde auf den 1. Februar festgesetzt und soll in großem Rahmen aufgezogen werden. U. a. werden Theaterstücke aufgeführt. Die Rollen wurden an die Sangesbrüder verteilt; die erste Probe ist am Mittwochabend (11. Dez.). An aktiven Sängern zählt der Verein 25. Die Kasse weist einen guten Überschuß auf. Die Gesangsabende wurden auf den Montag festgesetzt. Jeder Sangesbruder muß pünktlich erscheinen. Sangesbruder Jankord zollte dem Dirigenten Lehrer Dilla großen Dank. Dirigent Dilla betonte dann, daß die Abende auch als Kameradschaftsabende zu bewerten seien. Pg. Bürgermeister Peters sprach über den neuen Sportplatz, da der Gesangverein an der Platzeinweihung teilnehmen soll. Nach Erledigung kleinerer Angelegenheiten konnte der Vereinsleiter die gut verlaufene Tagung schließen. Dann leitete die Versammlung zu einer Nikolausfeier über. Jedem Sangesbruder wurde ein kleines Geschenk überreicht.

16.01.1936: Der Gesangverein "Liedertafel" hielt im Vereinslokal Brinkmeyer die Jahreshauptversammlung ab. Vereinsleiter Czieska erstattete eingangs den Jahresbericht. Der Kassenbericht ergab, daß man mit einem guten Überschuß in das neue Jahr treten kann. Bei der Vereinsleiterwahl legte der Vereinsleiter Czieska sein Amt nieder. Die Geschicke des Vereins wurden in die Hände des Sangesbruders H. Jankord sen. gelegt; zweiter Vereinsleiter ist H. Schlick; Kassenwart und Schriftführer Lipovscheck, Notenwart Brinkmeyer, und bis zum Lehrerwechsel wird als Dirigent weiter Lehrer Dilla fungieren. Das Stiftungsfest wird am 2. Februar beim Vereinswirt Brinkmeyer gefeiert.

28.01.1936: Erstes Stiftungsfest des MGV "Liedertafel". Aus Anlaß des ersten Stiftungsfestes tritt der MGV "Liedertafel" am Sonntag, dem 2. Februar, mit einem großen volkstümlichen Konzert an die Öffentlichkeit. Wie sich seit dem Bestehen der Gesangverein die Aufgabe gestellt hat, das deutsche Volkslied zu pflegen, tritt er auch nun mit Perlen des deutschen Liedes auf. Im ersten Teil werden Soldatenlieder, Volkslieder und Konzertstücke vorgeführt. Der zweite Teil ging in den lustigen Teil über und steht unter dem Motto: "Alles aus Rand und Band". Freunde und Gönner können durch Mitglieder des Vereins eingeführt werden. Die Feier findet um 17 Uhr im Deutschen Haus statt.

30.01.1936: Im MGV "Liedertafel" fand am Montagabend nach der Gesangstunde die Prüfung der Kasse statt. Dem neu gewählten Kassierer Lipovscheck wurde die Kasse übergeben und dem seitherigen Kassierer der Dank für die gute Verwaltung der Kasse ausgesprochen. Die Bänkelsänger und Theaterspieler treffen sich am Freitagabend um 8 Uhr im Deutschen Haus. Die Generalprobe wurde auf Sonntagmorgen 10.30 Uhr festgesetzt. Der Vereinsleiter forderte auf, restlos am Donnerstagabend, dem 30. Januar, an der großen Kundgebung teilzunehmen. Nach Erledigung kleinerer Vereinsangelegenheiten schloß man die Gesangstunde mit dem deutschen Gruß.

06.02.1936: Der Männergesangverein "Liedertafel" hatte am Sonntag sein erstes Stiftungsfest. Im ersten Teil des Abends wurden vom Verein gute, alte Männerchöre zu Gehör gebracht, die das Können des jungen Vereins eindeutig unter Beweis stellten. Auch die von der Dorfkapelle vorgetragenen Konzertstücke fanden großen Beifall. Der zweite Teil war karnevalistisch aufgezogen und hatte einen ungeahnten Erfolg. Der Abend verlief in allen Teilen äußerst harmonisch.

12.02.1936: Der MGV. "Liedertafel" Reckenfeld hatte am Montagabend im Deutschen Haus eine Generalversammlung einberufen. Über das finanzielle Ergebnis des Stiftungsfestes gab der Kassierer einen eingehenden Bericht. Es wurde zum Ausdruck gebracht, daß der Verein nicht Feste feiert, um Gelder zu verdienen, sondern um den Gästen fröhliche Stunden zu bieten. Nachdem für das laufende Jahr die Grundlinie für das Wirken und Schaffen des Vereins festgelegt war, blieben die Sangesbrüder noch in gemütlicher Kameradschaft zusammen.

08.04.1936. Der Gesangverein "Liedertafel" veranstaltete einen Kameradschaftsabend, der im Brinkmeyerschen Saale stattfand. Auch die Frauen waren dazu eingeladen und erlebten einige Stunden der Erholung und Entspannung. Den Willkommensgruß entbot der Vereinsleiter Jankord, der herzliche Dankesworte für die in der letzten Zeit geleistete karikative Arbeit fand. Sein Wunsch ging dahin, daß jeder treu zum Verein stehen und daß die Frau ihren Mann im Besuch der Gesangstunde unterstützen soll. Der Verein zählt 25 Sänger. Dirigent Oberlehrer Dilla dankte allen für die tatkräftige Unterstützung. Während des gemeinsamen Essens sorgte die Hauskapelle für angenehme Unterhaltung. Abwechselnd wurden mehrstimmige und allgemeine Lieder gesungen. Nur allzu schnell eilten die schönen Stunden dahin.

27.05.1936: Hauptversammlung des Männergesangvereins "Liedertafel". Am Sonntagmorgen fand im Vereinslokal Brinkmeyer eine außerordentliche Versammlung statt, zu der die Sangesbrüder recht zahlreich erschienen waren. Nach kurzen Begrüßungsworten legte der zweite Vorsitzende die letzten Geschehnisse im Gesangverein klar. Dirigent Oberlehrer Dilla ermahnte alle Sangesbrüder, die Gesangsstunden regelmäßig und pünktlich zu besuchen. Der Sommerausflug findet im Juli statt. Der wichtigste Punkt war die Wahl des ersten Vorsitzenden. Das volle Vertrauen gab man dem Sangesbruder H. Schlick. Er dankte allen und versprach, sein Bestes für den Verein zu tun. Der Vorstand setzt sich nun folgendermaßen zusammen: 1. Vorsitzender H. Schlick, zweiter Grobe, Kassierer und Schriftführer Lipovscheck, Notenwart Brinkmeyer, Kassenrevisoren Krispin und Dilla. Die Gesangstunden finden jeden Dienstagabend um 8.15 Uhr statt. Dem früheren ersten Vorsitzenden zollte man volle Anerkennung. Nach Erledigung kleinerer Vereinsangelegenheiten schloß man die Versammlung in üblicher Weise.

20.11.1936: Großer Erfolg des MGV "Liedertafel". Am Sonntag veranstaltete der MGV "Liedertafel" Reckenfeld im Deutschen Haus ein Familienfest, das einen guten Erfolg hatte. Die Sänger trugen Volkslieder und Chöre von Silcher und Schwarze sehr gut vor. Der Dirigent, Hauptlehrer Dilla, hatte die Sänger fest in der Hand. Es wäre zu wünschen, daß noch mehr Sänger aktiv mitwirken würden. Nachdem der Vereinsleiter alle Mitglieder, Freunde und Gäste herzlichst begrüßt hatte, sprach der Dirigent über die Ziele des Vereins. Besonders wies er darauf hin, daß alle sangesfreudigen Reckenfelder im MGV "Liedertafel" als Mitglied willkommen seien. Mit großem Beifall wurden dann zwei lustige Schwänke vorgeführt; besonders das letzte Stück rief wahre Lachsalven hervor. Anschließend wurde lustig das Tanzbein geschwungen. Die Kapelle spielte gut und fleißig.

26.11.1936: Reges Leben im MGV "Liedertafel". An Mittwochabend fand im Vereinslokale Brinkmeyer die übliche Gesangstunde statt. Nach Begrüßungsworten des Vereinsleiters Schlick wurden einige neue Sänger aufgenommen. Der Kassierer Lipovscheck gab den Kassenbestand bekannt, der einen guten Überschuß aufweist. Der Dirigent Oberlehrer Dilla gab in kurzen Zügen bekannt, dass die Gesangsstunden zugleich als Kameradschaftsabende zu verzeichnen seien. Er gab der Freude Ausdruck, daß der Verein in kurzer Zeit schöne Fortschritte aufzuweisen hat. Die Nikolausfeier findet am 7. Dezember statt. Wie üblich möge jeder Sangesbruder ein kleines Geschenk mitbringen.

10.12.1936: Jahreshauptversammlung des MGV "Liedertafel". Am Montag, 20 Uhr, fand in der Wirtschaft Brinkmeyer die Jahreshauptversammlung statt. Nach kurzen Begrüßungsworten des Vereinsleiters Schlick, erstattete der Schriftführer Lipovscheck den Jahresbericht. Es wurden insgesamt 42 Gesangstunden abgehalten und recht nette Kameradschaftsabende untereinander verlebt. Die Kasse weist einen guten Überschuß auf. Der Dirigent, Oberlehrer Dilla, freute sich über die guten Fortschritte des Vereins und ermahnte besonders zur Pünktlichkeit bei den Gesangstunden. Der Vorstand setzt sich folgendermaßen zusammen: Vereinsführer H. Schlick, Stellvertreter H. Grobe, Kassierer und Schriftführer Lipovscheck, Notenwart Brinkmeyer, Dirigent Dilla, Kassenrevisor Krispin. Dann fand die Nikolausfeier statt. Als die Kerzen des Adventskranzes brannten, wurde gemeinsam das Nikolauslied gesungen. Alle Sangesbrüder erhielten ein Ge-schenk. Vorträge und Lieder umrahmten die schlichte Feierstunde, die ganz im Zeichen des Advents stand.

27.01.1937: Karneval beim Männergesangverein "Liedertafel". Auf Einladung des Männergesangvereins Liedertafel hatten sich der Elferrat sowie die Gönner zu einer wichtigen Besprechung in der Wirtschaft Brinkmeyer eingefunden, um die letzten Vorbereitungen für das diesjährige Fastnachtsfest und insbesondere für den großen Karnevalszug zu beraten. Geleitet wurde die Sitzung vom Kassierer des MGV Liedertafel, Lipovscheck. Wie im vorigen Jahre werden sämtliche Räume des Deutschen Hauses benutzt. Die Reckenfelder Dorfkapelle sowie die Buddukuden-Kapelle werden bei den Fastnachtsbällen zum Tanze aufspielen. Zu dem Programm des Nachmittags am 7. Februar selbst sei bemerkt, daß der Verein keine Mühen und Kosten scheuen wird. Unter der humorvollen Ansage des Präses Vogelsang wird keiner aus dem Lachen herauskommen. Der Karnevalszug wird am Montagmorgen, den 8. Februar, durchgeführt. Im Übrigen herrschte in allen zur Beratung stehenden Fragen die größte Einmütigkeit.

03.02.1937: Der 30. Januar in Reckenfeld. Die Gartenstadt Reckenfeld bot am Gedenktag der nationalen Erhebung durch ihren reichen Flaggenschmuck ein prächtiges Bild. Nach der Übertragung der großen Rede des Führers am Nachmittag hatten sich die Schaffenden und die Volksgenossen um 20 Uhr im Rickermannschen Saale eingefunden. Der Saal war brechend voll, als Ortsgruppenleiter Pg. Peters alle aufs herzlichste begrüßte. Der Gesangverein "Liedertafel" ließ es sich nicht nehmen, passende Lieder zu Gehör zu bringen, die reichen Anklang fanden. Ebenfalls wartete der Arbeitsdienst mit netten Gedichten auf. Pg. Dr. Schuckenberg stellte in längeren Ausführungen noch einmal die gewaltigen Leistungen des Führers in den letzten vier Jahren heraus. Das Schlusswort sprach Ortsgruppenleiter Pg. Peters. Mit dem Deutschland- und Horst-Wessels-Lied endete der offizielle Teil. Der Arbeitsdienst sorgte dann für Musik und gute Stimmung, und in echter Kameradschaft verlebten alle noch frohe Stunden.

02.12.1937: Nikolausfeier des Gesangvereins "Liedertafel". Wie im Vorjahr, beabsichtigt St. Nikolaus, dem Männergesangverein "Liedertafel" einen Besuch abzustatten. Er wird am Sonntag, 5. Dezember, 20 Uhr, im Vereinslokal Brinkmeyer die Sangesbrüder begrüßen und nach dem "Sündenkonto" des letzten Jahres entsprechende Geschenke verteilen, die ewig Unpünktlichen und nie Zeit besitzenden Sangesbrüder erhalten ein extra "Geschenk". Sankt Nikolaus bittet ferner, Sonntag vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Die erwachsenen Angehörigen der Mitglieder sind ebenfalls herzlich eingeladen. Kinder haben keinen Zutritt.

06.12.1937: St. Nikolaus bei dem Männergesangverein "Liedertafel". Zu einer gemütlichen Nikolausfeier vereinten sich die Sangesbrüder mit ihren Angehörigen im Vereinslokal bei Brinkmeyer. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Feiern des Männergesangvereins "Liedertafel" stets in harmonischer und kameradschaftlicher Weise durch-geführt werden. Die fast vollzählig vereinten Sangesbrüder wurden dann auch von St. Nikolaus herzlich begrüßt. Für jeden hatte er durch seinen schwarzen Gehilfen bunte Tüten austeilen lassen. Der Nikolaus fand auch passende Worte für jeden Einzelnen, entsprechend dem Sündenkonto Lob oder Tadel. Bei seinem Abgang versprach er, im nächsten Jahr wiederzukommen. Es folgten dann gemeinschaftlich gesungene Lieder, Gesellschaftsspiele, und auch ein Tänzchen fehlte nicht. Noch recht gemütliche Stunden verlebten die Sangesbrüder, und es war schon spät, als die schöne Feier ihr Ende erreichte. Gleichzeitig machte der Vereinsführer auf die am Dienstag stattfindende Probe aufmerksam und bittet um pünktliches und zahlreiches Erscheinen. Auch können noch sangesfreudige Herren dem Verein beitreten.

04.03.1938: Prinz Tönne I. regiert Reckenfeld. Die Veranstaltungen des Männergesangvereins "Liedertafel" sind traditionell stets in Ordnung gewesen und so machte die karnevalistische Großveranstaltung am vergangenen Sonntag keine Ausnahme hierin. Die Gesamträume des Deutschen Hauses standen dem Karnevalstreiben zur Verfügung, selbst die Kegelbahn mußte in ihrer Umwandlung als Boddukuden-Kirmes herhalten. Sämtliche Räume waren so "geck" geschmückt, so daß wir alle dem Schöpfer dieser geschmackvollen Arbeiten, Obernarr Hermanns, an dieser Stelle besonders danken möchten. Nach dem Einzug des Elferrates sprach Obernarr Lipovscheck die einführenden Worte. Er stellte in launigen Worten dem närrischen Volke die einzelnen Räte vor. Dann folgte der Höhepunkt des Abends, die feierliche Proklamation des Karnevalsprinzen Tönne I. Dieser sprach dann an sein Volk, er forderte unter stürmischem Beifall den achten Sinn, den Blödsinn, für die Karnevalsstimmung heraus. Und wenn Westfalen dieser Tage Kopf steht, haben wir als treue Westfälinger ebenfalls Kopf zu stehen.

27.05.1938: Drei Jahre Männergesangverein "Liedertafel". Nach längerer Pause trafen sich die aktiven Sanges-brüder des Männergesangvereins "Liedertafel" im Vereinslokal Brinkmeyer, um anläßlich der Wiederkehr des Gründungstages Rück- und Ausschau zu halten. Der Verein ist seit seinem Bestehen mehrfach mit Liederabenden an die Öffentlichkeit getreten, als Träger der karnevalistischen Großveranstaltungen hat der Verein die Sympathie aller Reckenfelder erworben. Sämtliche Veranstaltungen erfreuten sich lebhaften Zuspruchs. In der Aussprache über die weiteren Aufgaben erklärten sich alle Sangesbrüder bereit, wieder pünktlich und vollzählig zu den Übungsstunden, die wie bisher jeden Dienstagabend um 20 Uhr im Deutschen Haus stattfinden, zu erscheinen. Dann wurde zur Freude der Sangesbrüder bekanntgegeben, daß wie in den Vorjahren auch in diesem Jahr das Waldfest in der üblichen Weise aufgezogen wird. Dieses Fest wird im Monat Juli steigen. Auch wurde angeregt, für eine eifrige Werbung von Mitgliedern besorgt zu sein. Sangesfreudige Herren, die den Verein beitreten möchten, melden sich beim Vereinswirt Brinkmeyer oder beim Kaufmann H. Schlick.

20.07.1938: Waldfestfest des Männergesangvereins "Liedertafel". Wohl selten haben die drei tausendjährigen Buchen in den Lintelschen Waldungen so ein lustiges Völkchen beherbergt wie am gestrigen Dienstagabend. Die Mitglieder des Männergesangvereins "Liedertafel" sammelten sich um 20 Uhr am Vereinslokal Brinkmeyer und mit Tanz und Klang ging es dann durch die herrlichen Waldungen zu den drei Buchen. Hier war im Schatten der mächtigen Waldriesen ein Zelt aufgebaut. Recht bald herrschte fröhliche Stimmung, zumal recht ausreichend für das leibliche Wohl der Sangesbrüder gesorgt war. Im gemütlichen und fröhlichen Kreise erlebten alle recht vergnügte Stunden. Zur klanglichen Unterstützung der Volkslieder spielte das Schifferklavier auf. Der in den Zweigen aufgehängte Mond schmunzelte über das Treiben unter ihm und erst recht, als die Unentwegtesten ihren Heimweg antraten.

Ortsverband der Heimkehrer

Der Ortsverband der Heimkehrer wird gegründet. Vorsitzender ist Herr Simmat. "Wir wollen berechtigte Forderungen der Heimkehrer erfolgreich durchsetzen. Alle Kriegsgefangenen haben einen Anspruch auf Entschädigung ihrer in der Gefangenschaft geleisteten Arbeit. Dafür wolle man sich einsetzen." (Anm.: Es gibt unterschiedliche Gründungsdaten, die sich nicht aufklären ließen: Einmal wird der 28. März 1953 genannt, das andere Mal das Jahr 1948).

Schachfreunde Reckenfeld

Max Eisele - 1. Vorsitzender der "Schachfreunde Reckenfeld" - beantragt am 4.3.1931 die Genehmigung für eine Veranstaltung eines Theaterabends im Deutschen Haus (Berlage). Der Reinertrag soll für arme und kinderreiche Familien aus Reckenfeld verwandt werden. Im übertragenen Sinne heißt das, dass es zu dieser Zeit bereits einen "Schachclub" in Reckenfeld gegeben hat. Einzelheiten, wie Gründung bzw. Ende des Vereins liegt nicht vor.

Für einen "Neustart" der Schachfreunde in Reckenfeld sorgt der Schachspieler Günther Sperling. So schart er einige Männer um sich, und sie gründen im Oktober 1957 einen neuen Verein.

Die Gründungsmitglieder sind (siehe Satzungsauszug): Günther Sperling, Manfred Rohmann, Max Eisele, Hermann Wähnelt, Heinz Witzke, Wilhelm Ballmann, Michael Kueres, H. Teitz, Karl Holtkamp, Heinz Falk und Ewald Stein.

Am 25. August 1957 stellt der 1. Vorsitzende Günther Sperling beim Grevener Bürgermeister Minnebusch einen Antrag auf Bezuschussung in Höhe von DM 150 für die Anschaffung von fünf Schachuhren. (Ob dem Antrag stattgegeben wurde, ist nicht bekannt).

Reckenfelder Karnevalsgesellschaft (Re-Ka-Ge)

(Anm.: Die Fotos, die nach den Texten über die Re-Ka-Ge folgen, konnten einer zeitlichen Reihenfolge nicht generell zugeordnet werden, weil nicht bekannt. Deshalb wurden die größeren Fotos an den Anfang gestellt, die kleineren Fotos folgen danach).

Um die Jahreswende des Jahres 1948/49 trafen sich die Vorstände der Laienspielschar, der Liedertafel und des gemischten Chores, um eine gemeinsame Karnevalsfeier aufzuziehen. Damit war der Grundstein der Re-Ka-Ge gelegt, mit dem Ziel: Förderung des Karnevals als heimatliches Brauchtum und Pflege bodenständigen Humors. Dieses ist der Auftrag der Re-Ka-Ge, und wurde schon 1949 in der ersten Satzung festgelegt.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten fand dann am 28. Januar 1950 eine Karnevalssitzung im Hause Bockel-Rickermann statt. Die erste große Galasitzung mit Prinzenproklamation erfolgte dann am Rosenmontag, den 20.2.1950 im Deutschen Haus. An diesem historischen Datum wurde der 1 Prinz der Re-Ka-Ge Ernst Stolte zum Prinzen proklamiert.

Der Abend vor ausverkauftem Haus wurde ein voller Erfolg, und somit hatte die Re-Ka-Ge ihre erste Feuertaufe bestanden. Der erste Präsident der Re-Ka-Ge war das Gründungsmitglied Lothar Fabian. Doch auf der Bühne hatte nur einer das Sagen: der Sitzungspräsident Ernst Deitmar. Auch Ernst der Wellenbrecher genannt.

Im Jahre 1951 wurde dann das Ehrenmitglied und der Mitbegründer der Re-Ka-Ge Eugen Sievers zum Prinzen proklamiert. Natürlich konnte man zur damaligen Zeit noch keine teuren Akteure verpflichten, also wurde alles aus eigenen Reihen aufgezogen. Und das war wirklich vom aller Feinsten, ob die Corellis, die Holländergruppe, die Straßensänger oder die alten Schachteln, allesamt Eigengewächse der Gesellschaft. Und genau diese Gruppen waren es, die innerhalb kürzester Zeit den Reckenfelder Karneval im ganzen Münsterland bekannt und berühmt machten.

Natürlich waren es nicht nur die Gesangsgruppen die der Gesellschaft ihren Stempel aufdrückten, sondern auch die hervorragenden Tanzbeiträge des Mädchen und des Damen Balletts. Darüber hinaus darf man auch unsere erfolgreichen Büttenredner nicht außer Acht lassen, hier seien einige Namen genannt: ‚Professor Quasselstrippe' (Ottomar Nitzsche), ‚Herr Schussel' (Konrad Rhode), ‚Die Doof Nuss' (Günther Langebröker), ‚der Spiegelbaron' (Kurt Eiterig).

Die Re-Ka-Ge und natürlich alle oben Genannten schafften es jedes Jahr wieder das Deutsche Haus in ein Tollhaus zu verwandeln. In dieser Zeit wurden auch viele Bekanntschaften zu anderen Vereinen geknüpft, nur um ein paar zu nennen KG Emsdetten, KG Emspünte, KaKiV, Kadepo, Hunnebedkrakers (Holland), Unvisität Münster, KG Quakenbrück, Schwarz Gold Greven. Es sollten im Laufe der Jahre noch einige mehr hinzukommen.

Lothar Fabian, der die Geschicke der Re-Ka-Ge bis 1962 leitete, wurde dann abgelöst von Walter Riemer.

Prinzenpaar Oskar Lenz und seine Frau

Schützenbruderschaft St. Hubertus 1951 e.V.

(Quelle: Eigene Website)

Während des Zweiten Weltkrieges kommt es zur völligen Einstellung aller Aktivitäten des Schützenwesens in Reckenfeld. Erst am 16. August 1951, nach der Stagnation durch Krieg und DP-Lager, erscheint in den "Westfälischen Nachrichten" ein kleiner Hinweis, dass am 19. August 1951, im Zusammenwirken aller kirchlichen Vereine, in den Anlagen des Hauses Marienfried durch die katholische Pfarrgemeinde ein Sommerfest veranstaltet würde, das dem Charakter eines Schützenfestes gleichkomme. Es war das erste Schützenfest nach über 10 Jahren in Reckenfeld. Schützenkönig wurde damals der in C wohnende Mechaniker Franz Richert.

Auf der Basis dieses Festes und der damit gemachten Erfahrungen lud Pastor Müller dann am 30. August 1951 zahlreiche, an der Wiedergeburt des Schützenwesens in Reckenfeld interessierte Bürger zu einer Versammlung ein, die in der Wohnung von Wolfgang Schulz, einem späteren Eintracht-König stattfand. Obwohl Pastor Müller die Gründung einer Schützenbruderschaft vorschwebte, wurde bewusst ein neutraler Ort gewählt, um die mögliche Gründung des Vereins nicht durch weltanschauliche Prinzipien zu belasten. In der am 3. September 1951 stattgefundenen Versammlung kam es jedoch zu keiner Einigung, da Pastor Müller einen Verein wollte, der sich mehr an die katholische Gemeinde anlehnte. Der evangelischen Seite war dies aber zu einseitig konfessionell gebunden und so betrieb der katholische Seelsorger ab dem 4. September 1951 die Gründung einer Schützenbruderschaft: Schützenbruderschaft St. Hubertus.

Einen Tag nach dem Scheitern der Verhandlungen zur Gründung eines Schützenvereins wandte sich Pastor Müller an den Geistlichen Rat und Generalpräses des Bundes Deutscher Schützenbruderschaften, Dr. Pater Louis in Leverkusen-Bürrig, berichtete vom Ergebnis der Zusammenkunft in Reckenfeld und bat ihn gleichzeitig um Mithilfe zur Gründung einer Schützenbruderschaft. Dabei wollte er die evangelische Seite keineswegs ausschließen, sondern im Gegenteil beteiligen. Seine Sorge galt allerdings der Frage, ob bei einer katholisch gebundenen Bruderschaft die Aufnahme von Protestanten überhaupt möglich sei, da bundesweit gleiche Organisationen rein katholisch wären. Einen Schützenverein mit etwas Bruderschaftscharakter lehnte Pastor Müller ausdrücklich ab. Die Mitgliedschaft von Protestanten befürwortete er dagegen sehr. In seiner Antwort vom 10. September 1951 schrieb Dr. Louis, dass man es in Reckenfeld wie bei den Kolpingfamilien halten könne, die ohne weitere Probleme auch Protestanten unter der Voraussetzung aufnehmen würden, dass sie sich zu den Vorstellungen von Adolf Kolping bekennen. Den ökumenischen Stellenwert der Bemühungen von Pastor Müller mag man heute daran erkennen, dass er die Teilnahme des damaligen evangelischen Pfarrers Kallweit am ersten Schützenfest am 19. August 1951 honorieren wollte.

Nach der Antwort von Dr. Louis, in die sich auch der Diözesanverband im Bistum Münster mit einem separaten Schreiben vom 11. September 1951 eingeschaltet hatte, bereitete Pastor Müller dann die Gründung einer Schützenbruderschaft vor. Er gewann dazu namhafte Persönlichkeiten aus den anderen katholischen Vereinen, so dem Kirchenchor, der Kolpingfamilie und dem Männerverein und beauftragte im Herbst 1951 den späteren Brudermeister Josef Göring mit der Einladung zur Gründungsversammlung. In seinem Schreiben vom November 1951 wies der Unterzeichnende noch einmal auf die vergeblichen Versuche bezüglich der Realisierung eines Schützenvereins auf breiter Grundlage hin, die aus verschiedenen Gründen nicht verwirklicht werden konnte. So habe man sich für eine Schützenbruderschaft entschieden, die aber nicht nur Katholiken, sondern auch Protestanten geöffnet sei.

Am 21. November 1951 kam es dann in der Gaststätte Brinkmeyer zur Gründung der heutigen Schützenbruderschaft, der in einem spontanen Akt 20 Mitglieder beitraten.

Zum ersten Brudermeister wurde in der Gründungsversammlung Josef Göring gewählt. Pastor Müller wurde Präses. Wie aus dem Protokollbuch des Heimatvereins hervorgeht, trat die neugegründete Bruderschaft noch im Jahre 1951 der Arbeitsgemeinschaft der Reckenfelder Vereine bei. Verbunden mit der Gründung war auch die Annahme einer Satzung, aus der noch einmal hervorging, dass die Bruderschaft eine Vereinigung christlicher, nicht nur katholischer Männer sei. Das Mitglied musste allerdings 18 Jahre alt sein. Als Beitrag wurden für die restlichen 6 Wochen des Jahres 1951 60 Pfennig erhoben. Für 1952 wurde ein Jahresbeitrag von 1,20 DM festgesetzt. Durch intensive Werbung erhöhte sich die Zahl der Mitglieder bereits im Jahre 1952 auf 80 und 1953 kamen noch einmal 17 neue Mitglieder hinzu, so dass der junge Verein schon 2 Jahre nach seiner Gründung fast 100 Mitglieder zählte. Das war ein Fundament, auf dem man aufbauen konnte. Allerdings ging die Zahl der Mitglieder zu Lasten des Männervereins, der zwar nie eine überragende Rolle gespielt hatte, nach Gründung der Bruderschaft aber schon bald verschwand, obwohl er nie aufgelöst wurde und de facto noch heute besteht. Die anderen kirchlichen Vereine wurden durch die Gründung der Schützenbruderschaft weniger tangiert, allerdings spielte die Bruderschaft schon bald in der Männerseelsorge die dominierende Rolle im katholischen Pfarrgemeindeleben.

Nach den ersten Jahren des Aufbaus und der Festigung begann in der Bruderschaft die Zeit der Konsolidierung. Diese begann mit der Ausstattung der Schützenbrüder durch Uniform und Hut. Während die Vordenker der heutigen Bruderschaft zum ersten Schützenfest in alten Feuerwehruniformen antraten und die Ehrengarde mit den dazu passenden Mützen behütet waren, tauchte schon bald der Wunsch nach einer grünen Schützenjacke und dem entsprechenden Hut auf. Bereits am 17. Mai 1952 wurde der erste Stutzhut mit "reicher Alumontur" (so die Rechnung) zum Stückpreis von 23 Mark und dazu ein Schützenhut in Loden mit einer Federrosette zum Komplettpreis von 15 Mark bestellt. Diesen schlossen sich am 29. Mai 1952 zwei weitere Stutzhüte, der eine mit "reicher Goldmontur" und der zweite wiederum mit "reicher Alumontur", dazu drei Federbüsche und fünf Schützenhüte zum Gesamtpreis von 173,50 DM an.

Am 3. Juli 1952 wurde das erste offizielle Schützenfest bei der Amtsverwaltung Greven angemeldet. Für den 140 Quadratmeter großen Festraum bei Brinkmeyer mussten 14 DM an Gebühren bezahlt werden. Die Anmeldung nahm der damals 18 jährige Manfred Scharpenberg entgegen, der dort Auszubildender bei der Stadtverwaltung war und heute zu den Jubilaren der Bruderschaft zählt. Weitere Kosten beim Schützenfest 1952 waren Lack und eine Metallschleife zum Preis von einer Mark, bezogen von der Firma Bohnenkamp und 1.000 Schuss Luftgewehrmunition, die die Firma Kocker lieferte, für 7,50 DM. Für Runden zur Musik und für die Ehrengarde wurden 10 DM bezahlt und die Musik auf dem Festplatz kostete 45 DM. Für abendliche Tanzmusik wurden 60 DM ausgegeben und die Königskette kostete 78 Mark.

Erster König der Schützenbruderschaft wurde im Jahre 1952 der spätere Brudermeister Willi Bosse, der mit seiner Frau Änne vom Präses Rektor Müller zum Königspaar proklamiert wurde. Der Zufall wollte es, dass sowohl der Präses als auch der erste Brudermeister Josef Göring dem ersten Königspaar in der Königsehre folgten und 1954 bzw. 1958 ebenfalls Regenten der Bruderschaft wurden. Während Josef Göring seine Frau Maria zur Königin erkor, nahm sich Rektor Müller den Schützenbruder Dr. Albert Isfort und dessen Ehefrau Maria als Prinzregentenpaar und somit als Mitregenten. Mitte der 50er Jahre war dann die Konsolidierung des jungen Vereins abgeschlossen.

Nach der Einkleidung eines Großteils der Schützenbrüder mit Uniform und Schützenhut und der damit verbundenen Identifikation mit der Bruderschaft, wurde bereits nach wenigen Jahren der Ruf nach einer Fahne laut. Dieses Requisit ist in vielen Organisationen wie Schützenvereinen, Studentenschaften, Militär usw. schlechthin der Inbegriff einer Tradition und das höchste Gut, auf das es aufzubauen lohnt. In früheren Kriegen wurde die Fahne bis zum letzten Mann verteidigt und selbst sterbende Soldaten begruben sie unter ihrem blutenden Körper. Gelang es dem Feind, das Banner zu erobern, war es mit der Moral der Unterlegenen vorbei. Die Fahne wird in ihrer Bedeutung noch über Orden und Auszeichnungen gesetzt, sie ist der verbale und ideelle Superlativ.

So nimmt es denn nicht Wunder, dass die Bruderschaft bereits im dritten Jahr ihres Bestehens eine Fahne bekam. Die damit verbundene Weihe war für die Schützenbrüder das erste große Ereignis nach der Gründung. Am 30. Mai 1954 kam der mit großer Spannung erwartete Tag. Dazu schrieb die Presse am 19. Mai 1954: "Nach der kirchlichen Weihe der Fahne am Vormittag, findet um 14 Uhr der Empfang der Gastvereine am Bahnhof mit einem Festzug zum Hause Marienfried statt, wo die weltliche Feierstunde zur Fahnenweihe abgehalten wird. Anschließend folgt die Kranzniederlegung an den Ehrentafeln der Gefallenen. Den Tag beschließt ein geselliges Beisammensein im Deutschen Haus." Zu Fahnenoffizieren wurden in der vorbereitenden Versammlung am 16. Mai 1954 die Schützenbrüder Josef Röhring, Heinrich Utmann und Alfons Dömer gewählt.

Außerdem wurde eine 16 Mann starke Ehrenkompanie ernannt, die, wie alle anderen Schützen, auf das Kommando des Obristen Erwin Eixler und seines Adjutanten Hubert Lenfort hörte.

Die Gründungsmitglieder:

Karl Bayer Willi Bosse Hermann Röber
Karl-Heinz Brockkötter Bernhard Deitmar Bernhard Schmücker sen.
Ernst Deitmar Egon Eixler Gerhard Thünemann
Clemens Freitag Lothar Fabian Hans Sander
Josef Göring Arthur Hegel Antonius Thünemann
Hubert Lenfort Anton Luttermann Heinrich Utmann
Martin Parnitzke Pastor Wilhelm Müller

Eine außergewöhnliche Leistung durch die Vereinsmitglieder war, zu Beginn der 1970er Jahre - einen Schießstand an der Bahnlinie Reckenfeld<>Greven zu bauen. Dazu gibt es Texte und Fotos, die hier dargestellt werden, obwohl das den o.a. Zeitrahmen sprengt.

Schießstand: Der Superlativ sucht auf diesem Gebiet weit und breit seinesgleichen. Was die Schützenbruderschaft mit dem Bau des Schießstandes im Jahre 1970/1971 geschaffen hat, sprengt alle Vorstellungen in der Vereinsarbeit. In über 10.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden schufen die Mitglieder in 15 Monaten ein Werk, das in seinen Ausführungen zu der Zeit im weiten Umkreis einmalig war.

Sechs vollständig überdachte Kleinkaliber-Stände mit 50m langen Schießbahnen und ebenso viel Luftgewehrstände, die sogar auf 12 erweitert werden konnten. Einen Clubraum mit Herdfeuer, einen Kampfrichterraum sowie Beheizung. Die seitliche und rückwärtige Einsicht boten eine Sportstätte, die auch auf Bundesebene höchste Anerkennung fand. Am Bau der Schießsportstätte waren insgesamt 99 Schützenbrüder beteiligt, die mit einer Stundenzahl zwischen einer und 776 Stunden das einmalige Werk schufen. Wenn man heute bedenkt, dass die Schützenbrüder über 15 Monate an jedem Samstag bei Wind und Wetter unentgeltlich arbeiteten, so kann man sich heute nur noch fragen, was über einen solchen langen Zeitraum die Euphorie aufrecht erhielt. Zur körperlichen Arbeit kam ja auch noch die Bereitschaft, für eigene Stundenrekorde eine Runde zu zahlen, eine Bereitschaft, die heute undenkbar wäre.

207.000 DM hat die Schießsportstätte gekostet. Dazu erhielt die Bruderschaft 40.000 DM vom Land, 5.000 DM vom Kreis und 1.500 DM von der Stadt. Über 160.000 DM waren Spenden aus der Bruderschaft und Sachspenden, Leistungen, die die heutige Vorstellungskraft sprengt. Den ersten Mäzen fand man in dem Reckenfelder Architekten Bernhard Sickmann, der sich bereit erklärte, die Pläne kostenlos zu erstellen und auch die Bauleitung zu übernehmen.

Die Arbeiten zur Errichtung der Schießportstätte dauerten von Ende März 1970 bis Anfang Juni 1971. 15 Monate arbeiteten die Mitglieder fast jede freie Minute, bei Wind und Wetter.

Nach Fertigstellung im Juni 1971 wurde in einer großen Festwoche im Beisein zahlreicher Ehrengäste das einmalige Bauwerk eingeweiht. Die Gästeliste reichte vom Landrat Dr. Gerdemann, über den Diözesanbundesmeister Dr. Kleine, Bundesschatzmeister Ahlene, Bundesschießmeister Günnewig, den Bürgermeistern Wähning und Fabian, Präses Pfarrer Müller bis zum Subsidiar Helmut Hengelbrock. Außerdem hatte sich zum Festhochamt Altbundespräsident Heinrich Lübke angesagt. Leider musste er dann wenige Tage vor der Einweihung seine Zusage wegen einer schweren Erkrankung zurückziehen, an der er einige Monate später verstarb.

An den Feierlichkeiten zur Einweihung waren die Damen der Bruderschaft mit einer besonderen Aktion beteiligt. Mit einer großen Spende, deren Erlös sie durch zahlreiche Sammlungen zusammentrugen, hatten sie für die Finanzierung des von dem münsterischen Bildhauer Ernst van Briel geschaffenen Mosaiks, dass die Stirnwand der Schießsportstätte ziert und den hl. Hubertus, den Schutzpatron der Bruderschaft zeigt, gesorgt.

Im Beisein zahlreicher Festgäste wurde die Sportstätte am 11. Juni 1971 eingeweiht und eröffnet

Im Jahr 2020 geht die Ära Schießstand der Schützenbruderschaft leider zu Ende. Der Schießsport ist leider immer weiter rückläufig, die Kosten werden immer mehr. Unter anderem stiegen die Kosten für Versicherung im Laufe der Jahre immer mehr und die Einnahmen können dies nicht mehr auffangen. Auch hätten in absehbarer Zeit immer wieder Reparaturen angestanden, u.a. hätte die gesamte Lichtanlage modernisiert werden müssen.

Am 31.12.2020 endet somit ein Stück Geschichte - Der Schießstand der Schützenbruderschaft St. Hubertus Reckenfeld

(Anm.: Die Fotos, die nach den Texten über die Schützenbruderschaft folgen, konnten einer zeitlichen Reihenfolge nicht generell zugeordnet werden, weil nicht bekannt. Deshalb wurden die größeren Fotos an den Anfang gestellt, die kleineren Fotos folgen danach).

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5 Grafiken/Fotos vom Bau und der Einweihung des Schießstandes:

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Ab hier Fotos vom Bau und der Einweihung des Schießstandes:

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Schützenverein Eintracht 1926 Reckenfeld e.V. (Quelle: Auszüge aus der Website)

Vereinsgründung 1926

In den 1920er Jahren waren die Verhältnisse in Reckenfeld in wirtschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht noch sehr schwierig. Das Vereinswesen hatte noch nicht begonnen. Zu dieser Zeit, im Sommer 1926, kam eine kleine Gruppe Reckenfelder Bürger in Geselligkeit und guter Eintracht immer wieder zusammen und gründete einen Schützenverein.

Bei der Namensgebung musste man sich nicht besonders anstrengen. Das einträchtige Zusammensein verlockte die Gründer dazu, dem Verein den Namen "Eintracht" zu geben. Die Entwicklung des Ortes Reckenfeld ist mit der Gründung des Schützenvereins "Eintracht Reckenfeld", dem ältesten bestehenden Verein im Ort, eng verknüpft. So haben Reckenfeld und sein Schützenverein "Eintracht" ein hartes Schicksal, Freud und Leid gemeinsam gemeistert.

Getreu dem Namen des Vereins haben die Mitglieder seit der Gründung in Reckenfeld für Eintracht im weitesten Sinne gesorgt. Eintracht zwischen den ersten Siedlern und den Mietern der Siedlungsgemeinschaft, Eintracht zwischen den Reckenfeldern und Nachbarn ringsum, Eintracht trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit und verschiedenen Religionsgemeinschaften. Der Name "Eintracht" gibt so recht den Geist der ersten Siedler wieder, die in Reckenfeld kein leichtes Los auf sich zu nehmen hatten.


******* (Anm.: Das liest sich jedoch aus einem Protokoll vom Oktober 1926 ganz anders (Auszüge)) *******:

"...Was lag da näher, als die Gründung eines Schützenvereines! Zuerst aufgegriffen wurde dieser Gedanke von dem führenden Mitglied der Interessengemeinschaft Herrn Heinrich Jankord, sen.

Am Sonntag, dem 31. Oktober 1926, lud Herr Jankord alle Bewohner Reckenfelds zu einer außerordentlichen Versammlung der Interessengemeinschaft ein. Einziger Punkt der Tagesordnung: "Gründung eines Schützenvereins für die Siedlung Reckenfeld." Tagungslokal war das heutige "Deutsche Haus". damals noch mit Kantine bezeichnet; als solche war sie ja für die Soldaten und zivilen Arbeiter des ehemaligen Munitionslagers erbaut worden.

Diese Versammlung wurde aber nicht das, was man sich davon versprochen hatte. Der Einberufer hatte nach der Begrüßung darauf hingewiesen, dass die Gründung eines geselligen Vereines für Rechenfeld notwendig ist und um Diskussion darüber gebeten. Diese war anfangs noch sehr zurückhaltend, aber im Laufe der Zeit steigerten sich Rede und Gegenrede und es wurde viel leeres Stroh gedroschen.

Am lautesten redeten die Männer, die der größte Teil der Anwesenden lieber nicht dabei gehabt hätte. Unter diesen Umständen konnte das schöne Vorhaben leicht in eine falsche Richtung laufen und die Leitung der Versammlung sah sich gezwungen, diese offiziell zu beenden. Das Gesellschaftszimmer wurde von allen verlassen und man hielt noch im Gastzimmer, in mehreren Gruppen aufgeteilt, daran fest, baldmöglichst doch noch zum Zuge zu kommen. Dass man aber dafür sorgen muss, dass Störenfriede von vorne herein ausgeschaltet bleiben müssen, war allen Einsichtigen klar. Man solle das Vorhaben aber nicht auf die lange Bank schieben und darum rief man, eine Stunde später, erneut eine Gründungsverssammlung ein.

Wer es ernst meinte und aufrichtig mitarbeiten wollte, wurde dazu aufgefordert. Das Sitzungszimmer durfte aber nur von den Männern betreten werden, die sich schon zu Anfang zu einem kleinen Opfer bereit erklärten. Es wurde eine Liste angelegt und jeder Teilnehmer musste seinen ersten Beitrag in Höhe von 2,-- Reichsmark entrichten. Es ist erstaunlich, dass sich noch 30 Männer dazu bereit erklärten.

Die Tagesordnung dieser Versammlung war: 1.) Wahl des Versammlungsleiters - 2.) Gründung eines Schützenvereins für die Siedlung Reckenfeld - 3.) Wahl des vorläufigen Vorstandes.

Alle Punkte liefen glatt über die Bühne und alle Beschlüsse erfolgten einstimmig.

Die Gründung des Schützenvereins war erfolgt! Vorläufiger Vorsitzender war Herr Heinrich Jankord, sen."

Ein Jahr später, im Jahr 1927, wurde dann ein großes öffentliches Schützenfest mit Fahnenweihe gefeiert, an dem auch die Schützenvereine Herbern, Nordwalde und "Überwasser" Emsdetten teilnahmen. Man hatte keine Mühen gescheut und es sogar fertig gebracht, die Musikkapelle des Reiterregiments Münster hierfür zu verpflichten. So zog der Festzug mit klingendem Spiel zum heutigen "Haus Marienfried." Dort wurde auf der festlich hergerichteten Freitreppe die Fahnenweihe vollzogen.

Anschließend ging es zum Festlokal, dem heutigen Vereinslokal "Deutsches Haus." Am Abend wurde ein Fackelzug zu Ehren der "Eintrachtler" organisiert und ganz Reckenfeld feierte mit. Am Montagmorgen fand das Vogelschießen hinter der Gaststätte Uhlenbrock im Block D statt.

Den entscheidenden Schuss gab Ernst Ludwig Wilde ab und wurde Schützenkönig. Zur Mitregentin erkor er sich Frau Reinert.


Gaststätte Uhle  border= Ernst Ludwig Wilde

(Anm.: Wie kann es sein, dass der bei den Siedlern schlecht angesehene Ernst Ludwig Wilde bei der Eintracht mitmachen und sogar Schützenkönig werden konnte? War da Geld im Spiel? Hatte er die Vereinsspitze "gekauft" oder was ist da gelaufen?

Auf einer anderen Reckenfelder Website gibt es dazu einen passenden Hinweis…

"Die ersten Jahre des Schützenwesens waren allerdings in erster Linie mit der wenig zu rühmenden Eisenhandelsgesellschaft Ost und deren Prokuristen Ernst Ludwig Wilde verbunden, der bereits 1927 Ehrenvorsitzender und Schützenkönig war und in dieser Eigenschaft am 28. Juli 1928 einem der ersten Siedler (Zuzug: 1924.02.26) in Reckenfeld, Klemens Melchers, für seine 'vielseitigen Bemühungen um unseren Schützenverein und zur steten Erinnerung mit dem Schützenorden, eine der ersten Auszeichnungen dieser Art in Reckenfeld überreichte…"

Und weiter: "In ihrer Denkschrift vom 25. Juli 1928 über die Zustände in Reckenfeld geißelten sie (die Siedler) vor allem die Zusammenarbeit zwischen dem Bürgermeister und Wilde und unterstellten letzterem, den Schützenverein Eintracht für einen Betrag von 300 Mark für seine Zwecke geködert zu haben…"

"Möglicherweise ist dieser Passus in der Denkschrift auch eine persönliche Fehde zwischen Wilde und Christian Geitz, einem damaligen Siedler und Gastronom, dem auf Drängen von Wilde die Konzession für seine Gaststätte entzogen worden war und das Schützenfest lieber selbst bewirtschaftet hätte. Dafür spricht auch, dass Geitz ein Jahr später als Festwirt auftritt, als sich die Eisenhandelsgesellschaft aus dem Schützenwesen zurückgezogen hatte und die Durchführung des Schützenfestes der Eintracht von der Wirtschaftlichen Vereinigung übernommen wurde, dessen Vorstand Geitz angehörte…"

"Am 1. Juli 1935 ist dann ein weiteres Mal vom Reckenfelder Schützenverein die Rede, als der Verein mit zahlreichen anderen Organisationen an der Einweihung des Krieger-Ehrenmals in der Ortsmitte teilnahm. Die seit dem 3. März 1933 für Reckenfeld zuständige Kreissiedlungsgesellschaft erwähnt dagegen den Schützenverein Eintracht in ihrer über 300 Seiten starken Dokumentation mit keinem Wort, obwohl dieser noch bis 1939 seine Schützenfeste feierte. Wahrscheinlich war sie mit den sozialen Verhältnissen in Reckenfeld zu sehr beschäftigt".

Auf einer weiteren Reckenfelder Website ist mehr über Wilde zu lesen:

  • Wilde war Alleinherrscher der EHG bezüglich des Nahkampfmitteldepots Hembergen. Rücksichtslosigkeit gegenüber den hiesigen Behörden und Ämtern zog sich wie ein roter Faden bei Wildes Aktivitäten hervor
  • Wilde ging sogar so weit, dass er einen Teil der Käufer der Schuppen betrog, in dem er keine Grundbucheintragungen dafür machen ließ und die Siedler gezwungen waren, den Kaufbetrag noch einmal zu entrichten. In einigen Fällen hatten die Siedler mit Goldmark bezahlt
  • Betrogen hat er bzw. die EHG auch den Staat, in dem er/sie die vereinbarte Summe von 100.000 Goldmark für den Erwerb des Depots nicht bezahlte. Ein sehr hoher Geldbetrag von 269.325.000.000.000,00 Mark wurde im Inflationsjahr 1923 der Reichskasse ausgehändigt
  • Die Eisenhandelsgesellschaft-Ost verzichtete in allen schwebenden Verfahren auf alle Rechtsmittel und war somit endgültig 1935 beseitigt. Auf die EHG folgte die neu gegründete Siedlungsgesellschaft Münster-Land, um als gemeinnützige Auffanggesellschaft die Hinterlassenschaften der EHG bzw. des Herrn Wilde abzuwickeln…

Fazit: Das verstehe wer will: Diesem Mann bot der Schützenverein Eintracht Mitte der 1920er Jahre und auch danach eine Plattform, sich anders darstellen zu können, als er in Wirklichkeit war (siehe oben).

Nachdem das zweite Schützenfest vorbei war, wurde der Wunsch gehegt, einen eigenen Spielmannszug aufzustellen. Die Schützenbrüder konnten sich glücklich schätzen, mit August Reinert einen alten Tambourmajor in ihren Reihen zu haben. Ihn für die Sache zu begeistern, war nicht schwierig. Es wurde eifrig geübt und aus mehreren Häusern waren Flöten und Trommeln zu hören. Beim Schützenfest 1928 wurde der Festumzug dann erstmalig vom eigenen 12-Mann-starken Spielmannszug angeführt. Die ersten Erfahrungen sammelten die Spielleute dann auf Schützen- und Dorffesten. (Anm.: Unter dem Kapitel "Spielmannszug Eintracht Reckenfeld" - eine Niederschrift von Alfred Riese - wird das Gründungsjahr mit 1938 "festgezurrt" und nicht das Jahr 1928).

"In den weiteren Jahren wurden noch sehr harmonische Schützenfeste bis zum Ausbruch des Krieges gefeiert", so der Verein.

(Anm.: Zu diesem o.a. Satz ist aus dokumentarischer Sicht einiges anzumerken: Entweder scheut sich der Verein, Ereignisse während des Naziregimes in Reckenfeld darlegen zu wollen, um an einem ungetrübten Vereinsleben nicht rütteln zu lassen, oder die Verantwortlichen haben keine Ahnung, was sich ab 1933 in Reckenfeld in Verbindung mit den Nazis zugetragen hat.

###### Recherchen in Archiven ergeben ein ganz anderes Bild, als oben vom Verein in einem Satz dargestellt. Ein Auszug aus diversen Dokumenten soll das belegen. Gerade auch, weil der Verein im Jahr 2026 sein "100-jähriges Bestehen" feiern könnte. Dafür sollte jedoch in der Vereins-Chronik, wie hier vom Vereinsvorstand dargestellt wird, um einiges ergänzt bzw. korrigiert werden. Man darf gespannt sein… ######

Auszüge aus den oben genannten Dokumenten:

(Anm.: Mitte der 1930er Jahre - als die Nazis auch in Reckenfeld das Sagen hatten, wurde der Schützenverein Eintracht von solchen Personen beeinflusst. Inwieweit die in den Dokumenten genannten Personen Parteimitglieder und somit in der NSDAP waren, ist ungewiss. Fest steht, dass der Vorsitzende von Eintracht - Johann Hermanns - Parteigenosse (Pg.) war. (Anm.: Der Text wurde so übernommen, wie geschrieben).

  • 30.04.1935:
  • Reckenfeld rüstet zum 1. Mai. Der nationale Feiertag des deutschen Volkes wird auch in Reckenfeld festlich begangen. Folgendes Programm ist hierfür bestimmt: Der Festzug setzt sich folgendermaßen zusammen:
    12 Uhr mittags Antreten und Platzkonzert des SA-Musikzuges 14 Uhr ist die Übertragung der Führerrede 1. SA-Musikzug

    2. Politische Leitung

    3. BDM
    4. Jungvolk 5. HJ 6. SA 7. Arbeitsdienst 8. Schulen
    9. Deutsche Arbeitsfront 10. KdF-Wagen 11. Bauhandwerker 12. Handel 13. Bauern
    14. Geschmückter Pflug 15. Arbeitsopfer und NSKOV 16. Wagen für Schwerbeschädigte 17. Kriegerverein 18. Schützenverein
    19. Sportverein 20. Elf Fußballspieler 21. Kleinsiedlerverein 22. SS

    (Anm.: Schon 1935 ist der Schützenverein Eintracht inmitten von SA und SS zu finden)

    • 10.07.1935: Schießstandeinweihung in Reckenfeld. Am Sonntag wurde der neue Schießstand (Kleinkaliber) am Deutschen Haus eingeweiht. Mit dem Plakettenschießen am Sonntagmorgen fand die Eröffnung statt. An dieser Einweihung nahmen die Bevölkerung Reckenfelds und der Kleinkaliber-Schützenverband Saxonia Münster regen Anteil. Die Einweihung wurde von Regierungsbaurat Schürmann aus Münster vorgenommen, der in kurzen Worten über Zweck und Ziel des Schießsportes sprach. Anschließend fand die Siegerehrung statt. Mit dem Absingen des Deutschland- und Host-Wessel-Liedes fand die Feier ihren Abschluß.
    • 24.03.1936: Versammlung des Schützenvereins "Eintracht". Recht zahlreich hatten sich die Schützenbrüder am Sonntag im Vereinslokal eingefunden. Der Vereinsleiter gab den letzten Sitzungsbericht aus Münster bekannt und betonte u. a., daß sich sämtliche Vereine dem Deutschen Schützenbund anzuschließen haben. Auf Grund dieser Aufforderung müsse der Beitrag erhöht werden. Einstimmig wurde die Erhöhung angenommen. Das diesjährige Schützenfest wird in der Zeit der Fabrikferien abgehalten. Für sämtliche Schützenbrüder sollen weiße Hosen angeschafft werden. Nach Erledigung kleinerer Angelegenheiten forderte der Vereinsleiter alle auf, sich an dem Aufbauwerk unseres Führers zu beteiligen und am Wahltag, dem 29. März, dem Führer die Stimme zu geben. Mit einem dreifachen Sieg-Heil fand die Versammlung ihr Ende.
    • 26.05.1936: Der Schützenverein Eintracht hielt am Samstag eine außerordentliche Versammlung ab. Es wurden zunächst die neuen Einheitssatzungen des Reichsverbandes für Leibesübungen bekanntgegeben. Zum neuen Vereinsführer wurde der Schützenbruder Hermanns mit Stimmenmehrheit gewählt. Dieser dankte dem bisherigen Vereinsführer Hoffmann für seine langjährige Tätigkeit. Das diesjährige Schützenfest, verbunden mit dem 10-jährigen Bestehen, soll am 5. Juli gefeiert werden. Nachdem die neuen Satzungen einstimmig angenommen worden waren, schloß der neue Vereinsführer mit einem dreimaligen Sieg-Heil die Sitzung.
    • 04.07.1936: Zehnjahresfeier des Schützenvereins "Eintracht". Zehn Jahre Zeitgeschehen im Leben eines Vereins ist Grund genug, für eine Weile das Arbeitskleid mit dem Festgewand zu vertauschen, um sich über das gelungene Werk zu freuen. Der Schützenverein "Eintracht" hat einen beschwerlichen Weg hinter sich. Auch ihm blieb nach einem verheißungsvollen Auftakt die übliche Krisenfolge der ersten Jahre nicht erspart. Man wird es daher verstehen, wenn der Verein die "glückhafte Fahrt" in festliche Weise begeht und auch die Öffentlichkeit an der Feier teilnehmen läßt. Die Jubiläumsfeier am Sonntag, dem 5. Juli, wird eine besondere schöne Ausgestaltung erfahren.
    • 27.01.1937: Kappenfest des Schützenvereins Eintracht. Wenn der "Schützenverein Eintracht" zu Veranstaltungen einlädt, ist der Saal immer bis auf den letzten Platz gefüllt. So war es auch am Sonntagabend, als im geschmückten Saale Brinkmeyer das Kappenfest stattfand. Vereinsleiter Hermanns (sen.) begrüßte alle Erschienenen auf das herzlichste. Schützenbruder Roose sorgte für gute Stimmung und Humor. Eine Sammlung für das Winterhilfswerk war auch zufriedenstellend. Die Musik spielte gut auf; und spät war es, als die letzten Teilnehmer den Heimweg antraten.
    • 17.03.1937: Der Schützenverein Reckenfeld hielt am Sonntag im Deutschen Haus ein Opferschießen für das WHW ab. Die Beteiligung war sehr gut. Außer den Schützenbrüdern nahmen noch andere Kameraden daran teil. Die besten Schützen waren Unterfeldmeister Schmitz, 35 Ringe, Unterfeldmeister Rückbeil, 33 Ringe, Obertruppführer Schmidt, 33 Ringe, Heinrich Bohnenkamp, 33 Ringe, Josef Lüttecke, 33 Ringe. Diese Schützen erhielten die goldene Schießauszeichnung. Ein schöner Beitrag konnte für das Winterhilfswerk abgegeben werden.

    • 25.05.1937: Vom Schützenverein "Eintracht". In der letzten Versammlung wurde beschlossen, das diesjährige Schützenfest wie üblich am 1. Sonntag im August zu feiern. Der vorgeschriebene Kugelfang an der Vogelstange wird gemeinsam mit dem Bruderverein Herbern im Laufe der Woche angebracht werden. Am Donnerstag, dem 27. Mai (Fronleichnam), findet in Reckenfeld eine große Volksbelustigung in Form einer Kirmes statt.
    • 24.11.1937: Vom Schützenverein. Die Schützenbrüder sind nun emsig dabei, den Schießstand bei Brinkmeyer wieder vollständig herzurichten. Zur weiteren Verschönerung sollen Tannenbäumchen angepflanzt werden, um die Natürlichkeit des Schießstandes zu wahren. Alles in allem wird nach Vollendung desselben den Schützenbrüdern sowie der Kriegerkameradschaft ein Musterschießstand zur Verfügung stehen. Das neue Kleinkalibergewehr ist bestellt und bald ist es so weit, daß die ersten Schüsse über den neuen Stand knallen. Daß die Schützenbrüder auch im Kampf gegen Hunger und Kälte nicht zurückstehen wollen, davon zeugt die Tatsache, daß eine Sammlung für das Winterhilfswerk unter den Mitgliedern ein schönes Ergebnis erbrachte. Der Vereinsführer Hermanns konnte dem örtlichen WHW ein nettes Sümmchen überreichen.
    • 07.02.1938: Es geht rund. Unter diesem Motto eröffnete der Schützenverein "Eintracht" die karnevalistischen Veranstaltungen Reckenfelds. Der Rickermannsche Saal war zu diesem Zwecke recht stimmungsvoll geschmückt. Und so begrüßte der Vereinsführer J. Hermanns die überaus zahlreich erschienenen Schützenbrüder und Gäste. Er betonte insbesonders, die alltäglichen Sorgen zu vergessen, um in ungetrübter Freude recht frohe Stunden zu verleben. Der Name "Eintracht" auf unserem Panier (Anm.: Banner, Fahne) soll uns immer Richtschnur sein, inner- wie außerhalb des Vereins. Darauf begann dann das lustige Kappenfest. In echter Geselligkeit und bei froher Laune kletterte das Stimmungsbarometer immer höher. Die Tanzwütigen, ob Alt oder Jung, kamen bei dieser Gelegenheit voll auf ihre Kosten. Es war schon lange Mitternacht vorbei, als die Schützenbrüder ihren häuslichen Kemenaten zustrebten.
    • 02.04.1938: Opferschießen des Schützenvereins "Eintracht". Unter der Parole: "Wir schießen und kämpfen für Adolf Hitler und sein großes Deutschland" wird der hiesige Schützenverein am Sonntag ein Opferschießen durchführen. Es ist Pflicht eines jeden Schützenkameraden, zu erscheinen. Auch bittet der Vereinsführer J. Hermanns alle Mitglieder der Gliederungen, daran teilzunehmen. Das Schießen findet auf dem neuen Schießstand bei Brinkmeyer von 10 bis 18 Uhr statt.
    • 05.04.1938: Opferschießen des Schützenvereins. Unaufhörlich knallten die Büchsen auf dem neuen Schießstand bei Brinkmeyer im Dienste des Winterhilfswerkes. Neben dem, mit der Führung dieses Schießens beauftragten Vereins, stellten sich erfreulicherweise recht viele Volksgenossen in den Dienst der guten Sache. Heiß tobte der Kampf, und es wurden recht beachtliche Leistungen gezeigt. Durch Stechen der beiden besten Schützen (36 Ringe) qualifizierte sich H. Brinkmeyer als erster und wurde mit der goldenen Medaille belohnt, die silberne erhielt als zweiter Eduard Handschuh, die bronzene als dritter Unterfeldmeister Eugen Schmidt.

    • 12.05.1938: Weihe der neuen Bundesfahne des Schützenvereins "Eintracht". Die einheitliche sportliche Ausrichtung hat auch auf dem Gebiet des Schützenwesens Wandel geschaffen und alle Schützenvereine im Deutschen Reichsdienst vereinigt. Unter dieser Zielsetzung findet morgen, Sonntag, den 15. Mai um 17 Uhr im Deutschen Haus die Weihe der neuen Reichbundfahne statt. Alle Gliederungen sowie die gesamte Bevölkerung sind hierzu freundlichst eingeladen.
    • 15.05.1938: Ein Festtag des Schützenvereins "Eintracht". Der Schützenverein "Eintracht" hatte am gestrigen Sonntag einen denkwürdigen Tag zu begehen. Im Deutschen Haus fand im Beisein der Schützenbrüder und der erschienenen Gäste die feierliche Weihe der Reichsbundfahne statt. Flotte Marschmusik des Reckenfelder Blasorchesters leitete zum Weiheakt über. Die alte und die zu weihende Fahne nahmen vor der Bühne Aufstellung, als der Vereinsführer Johann Hermanns ihn eröffnete. Er begrüßte die Anwesenden und gab die Veranlassung dieses Weiheaktes bekannt. Die einheitliche, sportliche Ausrichtung mit der SA verlangt eine straffere Zusammenfassung der Schützenvereine unter dieser neuen Fahne mit der Zielsetzung, alles für den Führer, Volk und Vaterland.
    • 16.05.1938: Ein Festtag des Schützenvereins "Eintracht" Der Schützenverein "Eintracht" hatte am gestrigen Sonntag einen denkwürdigen Tag zu begehen. Im Deutschen Haus fand im Beisein der Schützenbrüder und der erschienenen Gäste die feierliche Weihe der Reichsbundfahne statt. Flotte Marschmusik des Reckenfelder Blasorchesters leitete zum Weiheakt über. Die alte und die zu weihende Fahne nahmen vor der Bühne Aufstellung, als der Vereinsführer Johann Hermanns ihn eröffnete. Er begrüßte die Anwesenden und gab die Veranlassung dieses Weiheaktes bekannt. Die einheitliche, sportliche Ausrichtung mit der SA verlangt eine straffere Zusammenfassung der Schützenvereine unter dieser neuen Fahne mit der Zielsetzung, alles für den Führer, Volk und Vaterland. Dann ergriff der Ortsgruppenleiter der NSDAP Peters das Wort. Er freue sich, daß er die Gelegenheit habe, die neue Fahne des Vereins zu weihen. Über die Bedeutung und den tieferen Sinn des Tages streifte er kurz die Entwicklung der Schützenvereine früherer Zeiten bis heute. Nun, da die Kampfgemeinschaft mit der SA gebildet ist, wollen wir uns freuen, daß endlich auch in diesen Vereinen einheitlich marschiert wird. Auch bedauerte Pg. Peters, daß infolge der Wichtigkeit solchen Ereignisses nicht mehr erschienen sind. Dann weihte der Ortsgruppenleiter die neue Fahne mit dem gut gewählten Sinnspruch: Wer stille steht, geht zurück, nur wer immer mehr tun will als getan ist, wird das tun, was er kann. Dann übernahm der Vereinsführer die Fahne mit dem Gelöbnis: In Treue fest und mutig in Gefahr. In dankbarem Gedenken an den Führer und mit den Nationalliedern nahm die Feierstunde ihr Ende. Im nachfolgenden Teil verlebten die Schützenbrüder im geselligen Kreise bei Tanz und guter Musik noch recht gemütliche Stunden.
    • 09.07.1938: Schützenverein "Eintracht". Samstag, den 9.7.38, um 20 Uhr Vorstandsitzung beim Kameraden Sittek (Bahnhof). Sonntag, den 10.7.38, nachmittags 16 Uhr Generalversammlung im Deutschen Haus. Alle Mitarbeiter werden ferner aufgefordert, unermüdlich Mitglieder für den Verkehrsverein zu werben. Der Betrag ist so niedrig gehalten (pro Jahr 1 Mk.), daß es jedem Volksgenossen möglich ist, dem Verein beizutreten und die Bestrebungen desselben zu unterstützen. Die Bevölkerung wird daher gebeten, bei den vorsprechenden Blockwarten die Aufnahme zu tätigen. Jeder Reckenfelder, den das Wohl und Wehe des Heimatortes am Herzen liegt, wird Mitglied des Verkehrsvereins. Nach der anschließenden Aussprache wurde die Arbeitstagung beendet.
    • 11.07.1938: Generalversammlung des Schützenvereins "Eintracht". Den Höhepunkt der sommerlichen Feste in Reckenfeld bildet das Schützenfest des Schützenvereins "Eintracht". Dieses Fest hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Volksfest herausgebildet und so soll es in diesem Jahre wieder werden. Um den Ablauf der diesjährigen Veranstaltungen festzulegen, fand zunächst am Sonnabend eine Vorstandssitzung beim Kameraden Sittek (Bahnhofswirtschaft) statt. Gestern, Sonntag, versammelten sich dann die Kameraden zu ihrer diesjährigen Generalversammlung im Deutschen Haus (Brinkmeyer). Der Vereinsführer Johann Hermanns eröffnete diese und gab seiner Freude über die zahlreich erschienenen Kameraden zum Ausdruck, so soll es auch in Zukunft sein. Es ist zu wünschen, daß noch immer mehr Volksgenossen dem Verein beitreten, um die Veranstaltungen noch nachhaltiger aufzuziehen. Schützenfest im Ort muß Festtag des ganzen Dorfes werden.

      In den einzelnen Punkten der Tagesordnung übergehend, erstattete der Kassenführer den Kassenbericht. Die Kasse wurde in Ordnung befunden und dem Kassierer Entlastung erteilt. Nach Zahlung derer Beiträge wurde bekanntgegeben, dieselben stets pünktlich zu zahlen, damit auch der Verein seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Das diesjährige Schützenfest steigt unter dem neuen Banner, der vor kurzem geweihten Reichsbundfahne. Zu Fahnenoffizieren wurden die Kameraden Borkenhagen und Todemann, zum Jungschützenhauptmann der Kamerad Ernst Deitmar bestimmt.

      Das Schützenfest findet in diesem Jahre am 7. und 8. August statt. Der Auftakt ist zunächst am Sonnabend, dem 30. Juli, das Anbringen des Maibaumes an der Vogelstange bei Rickermann. Hierzu treten sämtliche Kameraden um 20 Uhr am Deutschen Haus an. Sonnabend, dem 6. August, Abholen des vorjährigen Königs und der Königin, anschließend steigt im Deutschen Haus der traditionelle Zapfenstreich. Auch hier nehmen sämtliche Schützen teil, wer ohne triftigen Grund nicht erscheint, wird von den Vergünstigungen der folgenden Tage ausgeschlossen. Sonntag, den 7. August, 12,30 Uhr Antreten bei Brinkmeyer, anschließend Abmarsch zum Vogelschießen. Nach Rückkehr Proklamation des neuen Königs und festliches Beisammensein aller Schützen nebst Frauen. Dazu ist die gesamte Bevölkerung Reckenfelds eingeladen. Montag, 8. August, festlicher Ausklang ebenfalls im Deutschen Haus.

      Dem Festausschuß wurde die Durchführung dieser Festtage aufgetragen. Der Vereinsführer bat ferner die Kameraden, sich die Schützenkleidung anzuschaffen, um durch einheitliches Aussehen bei Anlässen des Vereins einen guten Eindruck zu hinterlassen. Als Musikanten spielen die Mitglieder des Reckenfelder Blasorchesters auf. Sämtliche Bekanntmachungen des Vereins werden in Zukunft außer in der Presse an den Tafeln des Verkehrsvereins erfolgen.

    • 31.07. und 01.08.1938: Der Auftakt unseres Schützenfestes bildet heute am Sonnabend die Anbringung des Maibaumes an der Vogelstange bei Rickermann. Noch acht Tage trennen uns von dem großen Volksfest, auf das sich Jung und Alt schon freuen. Die Sportvereinigung tritt, wie bereits angekündigt, am Sonntag mit ihrer ersten geselligen Veranstaltung an die Öffentlichkeit. Dieses Sommerfest findet im Vereinslokal Rickermann am Bahnhof statt.

      Maibaum, steig in die Höhe!" Der Tag des Schützenfestes rückt nun immer näher. Als Auftakt wurde in traditioneller Weise am Sonnabend der geschmückte Maibaum an der Vogelstange befestigt. Hierzu traten sämtliche Schützenkameraden um 20 Uhr am Deutschen Hause an. Unter Vorantritt des Reckenfelder Blasorchesters ging es dann geschlossen zur Vogelstange bei Rickermann am Bahnhof. Nach einer kleinen Stärkung bildeten die Schützenkameraden dort einen Kreis, wo am kommenden Sonntag die Büchsen zum Königsschuß knallen.

      Der geschmückte Maibaum wurde nun an der Stange befestigt mit dem Spruch: "Maibaum, im Auftrage des Schützenvereins "Eintracht" steige in die Höhe und künde nah und fern, daß das Schützenfest am nächsten Sonntag stattfindet. Mit dem Schützengruß und dem Präsentiermarsch war dieser Akt beendet. Dann feierte man in bester Schützenlaune im Lokal Rickermann den Auftakt des Schützenfestes; eine außerordentliche Beteiligung wie selten zuvor, welche nicht zuletzt auf die Initiative der jetzigen Vereinsführung zurückzuführen ist, läßt erwarten, daß das diesjährige Schützenfest ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes wird. Zur Auszahlung der Spargelder und zur Versammlung treffen sich die Schützenkameraden Mittwoch, den 3. August, 20 Uhr, im Deutschen Haus restlos und sind pünktlich zur Stelle.

    • 04.08.1938: Das Geld wird jedes Jahr einmal, und zwar Anfang August, in der Regel am Mittwoch vor dem Schützenfest, ausgezahlt. In besonderen Notfällen kann über das Geld sofort verfügt werden. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren Johann Hermanns als Vorsitzender, Stellvertreter Ernst Deitmar, Schatzmeister Hermann Wilp, Stellvertreter Hermann Heimsath, Schriftführer Heinrich Brinkmeyer, Stellvertreter Frau Brinkmeyer. Die Versammlungen finden vierteljährlich statt, in dieser können die Mitglieder Einblick in ihr Sparbuch nehmen. Bei der Auszahlung am gestrigen Abend konnten den Mitgliedern je nach Sparlust ansehnliche Gelder zurückerstattet werden. Da der größte Teil der Mitglieder dem Schützenverein angehört, ist es diesen leichtgemacht, das am kommenden Sonntag stattfindende Schützenfest ausgiebig zu feiern. Nach der Auszahlung der Gelder wurde die Versammlung im Gedenken an den Führer, der ja erst dem einen oder anderen das Sparen ermöglichte, geschlossen.
    • 09.08.1938: Schützenfest des Schützenvereins "Eintracht" 3 Tage Volksfest einer Dorfgemeinschaft - Rekordmäßige Beteiligung. Das Schützenfest 1938 des Schützenvereins "Eintracht" hört nun der Vergangenheit an. Die Tage, auf die sich Jung und Alt beiderlei Geschlechts monatelang vorher schon freuten, sind vorbei mit ihrem Frohsinn, mit ihrer Lust. Wie konnte es auch besser ausfallen, wo der Wettergott in anerkennender Weise den Schützenkameraden herrlichstes Festwetter bescherte. Nachdem nun als Auftakt am vorletzten Sonnabend die Vogelstange mit dem Maiengrün geschmückt wurde, begann das eigentliche Fest am Sonnabend mit dem Zapfenstreich. Bei Anbruch der Dunkelheit wurden der König und die Königin, die der Ortsteil C in diesem Jahr stellte, mit flotter Marschmusik abgeholt.

      Im Vereinslokal zurückgekehrt, war gemütliches Beisammensein unter Mitwirkung des Reckenfelder Blasorchesters. Dieser erste Tag klang dann auch in zufriedenstellender Weise aus. Am folgenden Tag, dem Tag des Königsballes, bewegte sich der Festzug unter Vorantritt eines schneidigen Spielmannzuges in Stärke von 12 Mann, des Blasorchesters, sowie den berittenen Offizieren zum Ortsteil C, um den König und die Königin abzuholen.

      Nach einem kleinen Umzug ging es zur Ausgangsstelle Deutsches Haus zurück. Hier residierten der König und die Königin mit ihren Untertanen. Wohl selten hat Reckenfeld solch ein Fest mit einer derartigen Rekordbeteiligung erlebt. Es war ein Volksfest im wahren Sinne des Wortes. Aus den Nachbargemeinden und Bauerschaften waren zahlreich Männlein und Weiblein erschienen. Es war gut, daß der an sich schon große Saal durch ein großes Zelt ergänzt war, sonst wäre ein Unterbringen aller nicht möglich gewesen. In dem Zelt nahmen die Musiker Platz und hier war auch die Tanzfläche. Auch dieser Tag nahm zu schnell sein Ende und es soll schon spät oder auch schon früh geworden sein, als die Unentwegtesten ihren Heimweg antraten. So rückte der letzte Tag heran. Montagmorgen, der eine oder andere noch reichlich angestrengt aussehend, sammelten sich die Schützenkameraden, um den neuen König durch den Königsschuß festzustellen. Mit klingendem Spiel ging es nach Rickermann zur Vogelstange. Nachdem der Vogel seinen luftigen Standort eingenommen hatte, gab der

      Vereinsführer Hermanns den 1. Schuß für unseren Führer ab

      Schützen-Oberst Primke den 2. Schuß für den Schirmherrn der Schützen, Generalfeldmarschall Göring

      Schützen-Hauptmann Schulz widmete den 3. Schuß dem Reichssportführer.

      Dann setzte ein harter Kampf um die Königswürde ein. Die Sonne, die es wiederum besonders gut meinte, zwang immer wieder zum Einnehmen von Zielwasser. Bald fiel die Krone, vom Kameraden Retzmann geschossen, das Zepter schoß der Vereinsführer Hermanns herunter, den Reichsapfel schoß Kamerad Engelbrecht ab. Gegen 12 Uhr war es soweit, daß der Schützenkamerad Schups (Schupp?) den Königstreffer tat. Zur Königin nahm er Fräulein Fritzmann. Nachmittags erfolgte die feierliche Inthronisation des Königs Alfred I. und Luise II. Dann setzte noch einmal die Fröhlichkeit ein und auch diese Stunden verliefen viel zu schnell. Mitternacht war vorbei, als der Schlußpunkt zum Schützenfest 1938 gesetzt wurde.

    • 13.09.1938: Familienausflug des Schützenvereins "Eintracht". Noch ist das gut verlaufene Schützenfest des letzten Monats in aller Erinnerung, da rüsteten die Schützenkameraden am vergangenen Sonntag zum traditionellen Familienausflug. Um 15 Uhr sammelten sich überaus zahlreich die Schützenkameraden am Deutschen Haus und mit strammer Marschmusik ging es zur schön gelegenen Kaffeewirtschaft zum "Waldfrieden" Beckermann (Foto). Hier waren die Angehörigen bereits eingetroffen. An freundlichen, mit Kaffee und Kuchen gedeckten Tischen entwickelte sich dann eine rege Tätigkeit. Daß es allen gut schmeckte, sah man an den freudigen Gesichtern. Die Schützenkameraden entledigten sich ihres angesetzten Opfer- und Preisschießens und der beste Schütze war der diesjährige Schützenkönig Alfred Schupp. Den zweiten Preis holte sich der Bäckermeister Hermann Heimsath. Für die Kinder waren Belustigungen aller Art vorgesehen. Als Anerkennung für Stangenklettern, Sacklaufen und Wettrennen konnten den kleinen Siegern recht nette Preise ausgehändigt werden. Die Tanzlustigen durften auch ein kleines Tänzchen wagen. In der Abenddämmerung ging es dann wieder heimwärts. Abschließend sei festgestellt, daß dieser Ausflug als ein voller Erfolg des Schützenvereins gebucht werden kann. Die überaus zahlreiche Beteiligung an ihren Veranstaltungen ist der Beweis, daß jeder stets auf seine Kosten kommt.
    • 18.11.1938: Außerordentlicher Appell des Schützenvereins "Eintracht". Am Buß- und Bettag versammelten sich die Schützenkameraden im Vereinslokal, um einen außerordentlichen Appell abzuhalten. Es galt nach den neuen Bundesbestimmungen für die älteren Vorstandsmitglieder, die nach Erreichung einer Altersgrenze aus dem Vorstand ausscheiden, jüngere Kräfte zu wählen.

      Diese ehrenvoll Ausscheidenden bilden den Ältestenrat, die dem jeweiligen Vereinsführer beratend zur Seite stehen. So konnte der Vereinsführer Johann Hermanns die zahlreich erschienenen Schützenkameraden begrüßen. Nach der Protokollverlesung und dem Kassenbericht erfolgte die Zahlung der Beiträge. Für die bestimmungsmäßig aus dem Vorstand ausscheidenden Kameraden Joh. Hermanns, Klinger, Engelbrecht und Priemke setzte eine Neuwahl ein. Da auch der Vereinsführer Hermanns aus seinem Amte scheidet, ist es erfreulich, daß er weiterhin seinen Rat dem Verein zur Verfügung stellt. Wohl selten hat ein Reckenfelder Verein einen derartigen Aufschwung genommen wie unter seiner Führung. Unermüdlich schaffend, selbst Jüngere beschämend, von allen geachtet, das war der Vereinsführer Johann Hermanns.

      Bei der einsetzenden Neuwahl wurde als neuer Vereinsführer Anton Vogelsang mit Stimmenmehrheit gewählt. Dieser nahm die Wahl an. Er versprach, ebenso wie sein Vorgänger, seine ganze Kraft dem Verein zur Verfügung zu stellen. Für seine außerordentlichen Verdienste wurde Joh. Hermanns zum Ehrenvereinsführer bestimmt. Für die obengenannten, ebenfalls verdienstvoll Ausscheidenden wurden gewählt: Zum Schriftführer Wilhelm Große-Böckmann; Kassierer Hermann Wilp, zu Fahnenträger für die Bundesfahne: Göbel, Borkenhagen, Todemann, für die Traditionsfahne: Richter, Kroll, Kieslich, zu Kassenprüfern: Heimsath, Lipovscheck; zum Dietwart: Borkenhagen; (Anm.: (aus Wikipedia) Das Amt des Dietwarts wurde in der Zeit des Nationalsozialismus im August 1934[3] verpflichtend im Deutschen Reich eingeführt. Der Dietwart sollte in der NS-Zeit im Auftrag des Reichssportführers alle Turn- und Sportvereine im nationalsozialistischen Sinne schulen und deren Ideologie und „Erziehungsziele“, also Rassebewusstsein, Gemeinschaftssinn, völkische Haltung und antijüdische Ressentiments, an die Mitglieder herantragen. Dazu hatte er dafür Sorge zu tragen, dass die Mitglieder von Vereinen nationalsozialistische Lieder singen, die Reden des Führers hören. In Dietabenden und Dietprüfungen wurde die völkische Haltung der Sportler kontrolliert). als Blockkassierer für den Ortsteil A und B Josef Kräling. Das Amt eines Schießwartes bleibt noch offen bis zur Regelung der Kostenfrage für den Schießlehrgang.

      Im weiteren Verlauf der Tagesordnung wurden mehrere Mitglieder aufgenommen. Mit allgemeiner Zustimmung wurde beschlossen, wie im Vorjahr, einen Geldbetrag für das Winterhilfswerk zu überweisen. Das Winterfest soll in der Karnevalszeit im Februar stattfinden, das Opferschießen für das WHW ist am 19. März 1939. Nach Erledigung weiterer Angelegenheiten nahm der außerordentliche Appell mit dem Gruß an den Führer sein Ende. Im gemütlichen Kreise blieben die Schützenkameraden noch lange vereint.

    Weiter mit dem Text der Eintracht-Website:

    Die Begrüßungsansprache hielt Vorstandsmitglied Bernhard Rose. Er schilderte dabei die Vereinsgeschichte, die von schweren Kriegs- und Nachkriegszeiten betroffen war. Die Glückwünsche der Stadt übermittelte Bürgermeisterstellvertreter Lothar Fabian und drückte seine Hoffnung auf weitere Eintracht für die Zukunft aus, wie es der Name des Vereins schon sage. Von der Laienspielschar und der Bruderschaft St. Hubertus wurde dem Jubelverein je ein silberner Fahnennagel überreicht, verbunden mit den Glückwünschen zum Festtag. Die Fahnenehrung und das Gedenken der Verstorbenen und Gefallenen mit einer Kranzniederlegung an der Leichenhalle waren die weiteren Höhepunkte der Festfeier, die von dem Männergesangverein Liedertafel mit Liedvorträgen verschönt wurde. Nach Dankesworten für die Beteiligung und Anteilnahme der Vereine setzte sich der Festzug zur Abholung der Königin in Bewegung.

    Die Jahre 1940 bis 1950 ließen keine Aktivitäten der Schützen zu, so dass erst 1951 an die Fortsetzung der jahrelangen Tradition gedacht werden konnte. Es war nicht einfach für die Männer, die sich in den Jahren 1951 und 1952 an die Arbeit machten, den Schützenverein wieder zum Leben zu erwecken. Fast alle Gegenstände aus dem Vereinsvermögen waren und blieben durch die Wirren des Krieges verschollen und mussten zunächst provisorisch ersetzt werden. Nur die Standarte hatte alles unbeschädigt überstanden. Unter dem Vorsitz von Horst Schulz gingen die Schützenbrüder freudig ans Werk und reaktivierten den Verein. Im Jahr 1953 konnte dann das erste Schützenfest nach dem Krieg öffentlich stattfinden. Der alten Tradition treu geblieben, wurde es am 1. Sonntag im August gefeiert. Beim Schützenfest 1953 wurde gleichzeitig das Silberjubiläum nachgeholt. Es störte keinen, das der Verein schon 27 Jahre bestand. Man kann von einem Volksfest sprechen, denn ganz Reckenfeld beteiligte sich an den Jubiläumsveranstaltungen. Außerdem waren auswärtige Schützenvereine, die Bruderschaft St. Hubertus Reckenfeld sowie zahlreicher Festbesuch aus der näheren und weiteren Umgebung vertreten. Am Samstagabend fand im "Deutschem Haus" ein großer Schützenball statt. Am Sonntagmorgen wurden die Reckenfelder von der Blaskapelle Runge geweckt, die auf einem Wagen durch die Siedlung fuhr. Gleich nach dem Gottesdienst begann das Vogelschießen bei Bockel-Rickermann. Noch vor Mittag gab dann der Schneidermeister und spätere Ehrenvorsitzende Hugo Janssen den entscheidenden Schuss ab und errang die Königswürde im Jubeljahr. Er nahm sich seine Ehefrau Lore zur Königin. Nach dem Mittagessen wurden um 14 Uhr die Gastvereine begrüßt. eine große Menschenmenge hatte sich eingefunden, um den Festzug, der sich vom Bahnhof zum Kirchplatz bewegte, zu bewundern. Die Bahnhofstraße bot ein buntes Bild von Fähnchen und Girlanden.

    Bei der Mitgliederversammlung des Schützenvereins Eintracht Reckenfeld im Juli 1956 gab der Vorsitzende Hugo Janssen bekannt, dass der Verein bestrebt sei, für das kommende Jahr eine Fahne anzuschaffen. Dieses solle zum 30-jährigen Bestehen des Vereins im Jahre 1957 geschehen und könnte so nach außen hin den Abschluss der Wiederaufbauarbeit der "Eintrachtler" dokumentieren.

    Im Mai 1957 ging dann der lang gehegte Wunsch nach einer Vereinsfahne in Erfüllung. Der Schützenverein Eintracht Reckenfeld und die Schützen von der Schützenbruderschaft St. Hubertus Reckenfeld versammelten sich, um die auswärtigen Gäste zu empfangen. Unter Begleitung des Spielmannzuges und einer Musikkapelle ging es im Sternmarsch zum Kirchplatz und von dort aus zum Reckenfelder Bahnhof, wo die Schützenvereine Schmedehausen und Herbern begrüßt wurden. Unter Führung von Oberst Erwin Patzke und seinem Adjutanten Gerd Potthast ging der lange Zug zunächst zurück zum Kirchplatz. Dort wurde beim Lied vom guten Kameraden und bei gesenkten Fahnen vom Vorsitzenden Hugo Janssen, dem stellvertretenden Vorsitzenden Willi Simmat, dem amtierenden König Heinrich Hegel und dem Hauptmann Helmut Hartmann die Kranzniederlegung am Ehrenmal vorgenommen und gemeinsam mit allen Anwesenden der Toten gedacht. Danach ging der Festzug zum "Deutschen Haus."

    Bei herrlichem Maisonnenschein hielt Bürgermeisterstellvertreter Lothar Fabian die Festansprache und ging dabei besonders auf die Vereinsgeschichte des Schützenvereins Eintracht ein. Er übergab dem Verein die Fahne als Zeichen echter Friedenskameradschaft und Symbol der Eintracht. Gleich darauf erhielt die Fahne ihre ersten Fahnenbänder, und zwar von den Vereinsdamen, überreicht von Frau Abeler, von der Laienspielschar durch Eugen Sievers und seitens des SC Reckenfeld von Lehrer Wollschläger. Die Schützenbruderschaft St. Hubertus Reckenfeld und die Schützenvereine aus Schmedehausen und Herbern überreichten je einen Fahnennagel.

    Nach einem doppelten Fahnenschlag zu Ehren der neuen Fahne bereicherte der Männergesangverein "Liedertafel" die festliche Veranstaltung mit zwei mehrstimmigen Chorliedern. Danach erfolgte ein Umzug mit der enthüllten Fahne durch den Ortsteil C. Mit einem Platzkonzert vor dem "Deutschen Haus" und anschließendem Festball klang der harmonisch verlaufende Tag der Fahnenweihe aus.

    Jugend löst Alter ab … hieß die Schlagzeile des Jahres 1959. Der 81-jährige Vorjahreskönig Wilhelm Stork wurde beim Schützenfest durch den jüngsten König in der Vereinsgeschichte abgelöst. Georg Jürgens hieß die neue Majestät und war mit seinen 21 Jahren genau 60 Jahre jünger als sein Vorgänger. Zur Königin erkor er sich seine Braut Gudrun Glashörster.

    Hermann Heimsath Ludwig Lipovscheck Gustav Göbel Bgm. Fritz Peters Bernhard Rickermann, sen. Josef Borkenhagen
    Heinrich Jankord Heinrich Brinkmeyer

    Basisdaten lt. Vereins-Website :

    Vorsitzende:
    1926 bis 1939 Peter Kaumanns
    1926 bis 1939 Heinrich Jankord
    1926 bis 1939 Otto Hoffmann
    1926 bis 1939 Albert Knippfeld
    1953 - 1954 Horst Schulz
    1955 - 1957 Hugo Janssen
    1958 - 1963 Heinz Dringenberg

    Geänderte Daten lt. eigener Recherche:

    (Anm.: Die Zuordnung von Zeiten bzw. Namen, wann und wer in den Anfangsjahren Vorsitzender von Eintracht war, ist widersprüchlich).

    Vorsitzende:
    1926, ab wann und bis ? Peter Kaumanns - Installateur (wohnhaft ausserhalb der Blöcke)
    1926, ab 31. Okt. bis ? Heinrich Jankord - Versicherungs-Inspektor (wohnhaft C 4)
    1926, ab 15. Nov. bis ? August Deitmar - Bauarbeiter (wohnhaft C 85)
    1936, ab wann? bis Mai Otto Hoffmann (Feige gt. Hoffmann) - Bauarbeiter (wohnhaft A 37)
    1936, Mai bis 1938, Nov. Johann Hermanns ist ein Nazi (Pg.), Blockwalter und Gerätewart für den Block A - Ortsamtsleiter der NSB (wohnhaft A 5)
    1938, ab Nov. Anton Vogelsang - Landwirt (außerhalb der Siedlung)
    19?? (wann genau?) Albert Knippfeld - Anstreichermeister - (wohnhaft C 71)
    1953 - 1954 Horst Schulz
    1955 - 1957 Hugo Janssen
    1958 - 1963 Heinz Dringenberg

    Könige / Königinnen / Prinzregenten
    Jahr Namen
    1926 Hermann Vogel (Stina Vogel)
    1927 Ernst Ludwig Wilde (Frau Reinert)
    1928 Emil Merchel (Helene Peters)
    1929 Paul Leonhardt (Hanna Leihsing)
    1930 Karl Hock (Frau Melchers)
    1931 H. Hempel (Maria Wildemann)
    1932 Otto Assauer (Anna Engelbrecht)
    1933 Otto Wiktor (Ida Göbel)
    Josef Meier (Martha Schulz)
    1935 Oskar Engelbrecht (Gertrud Meier)
    1936 Anton Vogelsang (Regina Heimsath)
    1937 Bernhard Runtenberg (Luise Retzmann)
    1938 Alfred Schupp (Thea Schupp) - (Alfred I. und Luise II) siehe oben
    1939 Otto Lendzian (Franziska Vogelsang)
    Von 1940 bis 1952 Keine Schützenfeste wegen des Zweiten Weltkrieges
    1953 Hugo Janssen (Lore Janssen)
    1954 Josef Krein (Luise Lenfort)
    1955 Wolfgang Schulz (Ursula Röber)
    1956 Heinrich Hegel (Auguste Abeler)
    1957 Willi Mosch (Regine Kempen)
    1958 Wilhelm Stork (Frau Rudolf)
    1959 Georg Jürgens (Gudrun Glashörster)

    Am 7. Juli 1926 schreiben der Vorsitzende Kaumanns und Schriftführer Geitz an das Amt Greven

    Das Programm für das erste Schützenfest von Eintracht, das von der Polizei genehmigt wird

    Bei einer Protestveranstaltung Macht auch Eintracht mit

    Die Reckenfelder Mitteilungen im August 1929 über das Vereinsleben

    1932: Schützenfest mit Ludwig Wilde von der EHG und Schützenkönig Otto Ashauer und Königin Anna Engelbrecht

    Der Hofstaat 1932

    Schützen in Greven am Bahnübergang: Laurenz Runge, Hermann Schwietering, Robert Reddig, Fritz Kolmsee, Franz Volbracht

    1933: Schützenfest mit Schützenkönig Otto Wiktor und Königin Ida Göbel

    1935: Schützenfest mit Hakenkreuzfahne! und Oskar Engelbrecht Gertrud Meier

    Die SA-Schar und der Schützenverein Eintracht marschieren gemeinsam entlang der Industriestraße

    Vereins-Silberjubiläum mit dem Königspaar von 1953 Lore und Hugo Janssen

    Umzug in Reckenfeld

    Umzug im Ort

    Lothar Fabian begrüßt die zahlreich erschienen Gäste

    Schützenkönig Wolfgang Schulz (Ursula Röber)

    1955: Spielmannszug u.a. mit Werner Röber

    1956: Der Spielmannszug ist angetreten für das Königspaar Heinrich Hegel und Auguste Abeler

    Schützenkönig Heinrich Hegel und Auguste Abeler

    1956

    Kapelle Runge (mit dabei: Heinrich Wildemann)

    Schießstandbau bei Brinkmeyer

    Spielmannszug Eintracht Reckenfeld (Quelle: Auszug aus der Niederschrift aus dem Jahr 1966)

    Über die Entstehung und besondere Begebenheiten unseres Spielmannszuges wird an anderer Stelle dieses zusammenfassenden Berichtes gesprochen. In groben Zügen rückschauend muss gesagt werden, dass ein stetiges Wachsen in der Leistung zu verzeichnen ist. Gewiss, es gab einige Male Rückschläge, wie überall im Vereinsleben, aber mit viel Einsatzfreudigkeit aller Beteiligten wurden diese immer überwunden.

    Die Konstruktion eines Spielmannszuges ist komplizierter, als die der meisten anderen Zusammenschlüsse: Hier kommt es nicht nur auf frohe Geselligkeit sondern auf Eignung, Fleiß, Einsatzfreudigkeit und, nicht zuletzt, Hilfe von außen an. Diese Hilfe wurde uns nicht nur vom Vorstand unseres Schützenvereins "Eintracht" sondern auch in großem Masse von dem Schirmherrn des Spielmannszuges, Bürgermeisterstellvertreter Herr Lothar Fabian zu teil. Allen, die uns immer wieder halfen und nach wie vor zur Seite stehen, sagen wir auch an dieser Stelle unseren aufrichtig empfundenen Dank. Der Spielmannszug hat sich in seinem Bestand sehr gut und zügig entwickelt. Anfänglich besaßen wir nur einige Pfeifen und Trommeln. Der Tambourstab war selbst zusammengebastelt. Um in der Bekleidung ein einheitliches Bild zu bieten, trugen wir weiße Hosen, weiße Mützen und weiße Oberhemden.

    Heute besitzen wir schmucke Uniformen. Wir sind darauf genau so stolz, wie auf unser jetziges Instrumentarium. Wir haben nicht nur neuzeitliche Pfeifen und Trommeln sondern auch eine Lyra sowie eine große Trommel und Becken. Ein schöner Tambourstab ist jetzt selbstverständlich auch vorhanden.

    Am 23. Mai 1959 veranstaltete der Spielmannszug einen Kameradschaftsabend in größerem Ausmaß. Anlass dazu war die Verleihung von Treueabzeichen für unsere langjährigen Spielmänner. Von einem Transparent grüßte das Motto unseres Zuges mit "Gut Klang!" alle Erschienenen. Der Leiter desselben begrüßte eingangs eine Reihe Gäste, unter ihnen den Schirmherrn, Bürgermeisterstellvertreter Fabian, den Vereinsvorsitzenden Heinz Dringenberg, ferner Oberst Patzke, König Wilhelm und von der Bruderschaft "St. Hubertus" Brudermeister Willi Bosse und Schriftführer . Nach einem Ehrenspiel der Ältesten begrüßte er alle Erschienenen und dankte für die treue Mitarbeit der Spieler in den Reihen des Spielmannszuges und gab seiner Freude Ausdruck über die schönen Stunden mit dem Spielmannszug bei Vereinsveranstaltungen.

    Schirmherr Fabian ehrte zunächst den verstorbenen Betreuer des Spielmannszuges Hermann Röber, dem der Spielmannszug zu stetigem Dank verpflichtet ist. Dem Spielmannszug und seinem Leiter Fred Riese sen. dankte er für die bewiesene Treue und für die stetige Bereitschaft, auch dann mitzuwirken, wenn die Veranstaltungen über den Rahmen der Vereinstätigkeit hinausgingen. Der Spielmannszug habe sich damit u.a. auch für die Belange des Ortes eingesetzt. Nach seiner Ansprache überreichte Schirmherr Fabian an folgende Spielmänner die Ehrenzeichen in Form eines Ordens: Hermann Hoppe, Siegfried Hoppe, Franz Holle, Albert Klute, Friedel Klute, Dieter Marschewski, Werner Röber, Fred Riese jun. und Helmut Winter.

    In einem vom Leiter des Spielmannszuges gegebenen Fünfjahresbericht konnte festgestellt werden, dass die Voraussetzungen für eine ständige und gute Weiterentwicklung des Spielmannszuges gegeben sind. Dankbar begrüßt wurde dabei die Stellung einer Lyra durch den Schützenverein als eine wesentliche Ausstattung des Spielmannszuges. Brudermeister Bosse von der "Hubertus" Bruderschaft gab seiner Freude über die gute Entwicklung des Spielmannszuges Ausdruck, dankte für das Mitwirken beim letztjährigen Schützenfest der Bruderschaft und lud ihn für die weiteren Schützenfestveranstaltungen ein. Dann schwang Tambourmajor Riese, dem die Mitglieder ein Präsent zum Danke überreicht hatten, den Stab und mit einem Ständchen wurde diese Festsitzung geschlossen. Anschließend verlebten alle Beteiligten noch einige frohe Stunden in aller Gemütlichkeit.

    Am 20. April 1958 war die erste Teilnahme unseres Spielmannszuges an einem Wettstreit überhaupt. Dieser Wettstreit wurde in Greven vom Spielmannszug "Eintracht Nord" im großen Saale Winninghoff durchgeführt. Es war uns allen klar, dass wir nicht viel Lorbeeren erringen konnten, aber wir waren dabei und nicht der Bewertung nach an letzter Stelle. Wir brachten eine schöne silberne Wandplakette mit nach Hause. Der Marsch nach Greven und zurück wurde gleichzeitig als Übungsgelegenheit benutzt. Anschließend verbrachten wir noch in unserem Vereinslokal Deutsches Haus einige fröhliche Stunden. Dass wir von unserem Schützenverein gelobt wurden und dass man stolz auf seinen Spielmannszug war, bleibt für uns der schönste Lohn.

    Am 24. August 1958 fand in Enschede/Holland ein internationaler Spielmannszugwettstreit statt, bei dem auch wir auf Einladung teilnahmen. Leider fiel es uns erst später auf, dass sich die Preisrichter in Enschede um 10 Punkte zu unseren Ungunsten verrechnet hatten und wir dadurch tiefer eingestuft worden sind. Es hatte keinen Zweck mehr, noch zu reklamieren und so ließen wir es auch.

    Wir hatten trotzdem viel Freude und waren stolz auf uns. Hier ist ein kurzer Pressebericht: "Mit einer Schar von Schlachtenbummlern nahm der Spielmannszug des Schützenvereins ‚Eintracht' an einem Großwettbewerb der Spielmannszüge in Enschede in Holland teil. Es war für die Spieler selbst und die Gäste ein großes Erlebnis, und als einer der jüngsten Spielmannszüge hat man noch ganz gut abgeschnitten und die erforderliche Punktzahl erreicht. Ein schönes Andenken, das dem Spielmannszug von den Gastgebern überreicht wurde, bleibt eine Erinnerung an diesen Spielsonntag, der manche Anregung für weiteres intensives Streben unter Tambourmajor Riese gegeben hat."

    Am 13. Februar 1959 verstarb unser Betreuer Hermann Röber. Für den Spielmannszug war dieser Tod ein großer Verlust und jedes einzelne Mitglied war sich dessen bewusst. Hatte sich doch Hermann Röber rastlos für das Wiederaufleben des Zuges eingesetzt und alles für ihn getan, was in seiner Macht stand. Jahrelang stellte er uns seine Werkstatt zu Übungszwecken zur Verfügung. Man muss bedenken, dass gerade das Üben eines Spielmannszuges auf Grund seiner Lautstärke von den meisten als störend empfunden wird und es daher sehr schwer ist, ein Übungslokal zu finden.

    Aber auch sonst hatte Herr Röber immer für uns ein offenes Ohr, und wir konnten immer unsere Sorgen zu ihm tragen. Sein Name ist mit dem unseres Spielmannszuges auf immer eng verknüpft und er wird nie von uns vergessen sein. Besonders tragisch ist es, dass ihm seine liebe Frau schon ein paar Wochen später, bereits am 6. März 1959, folgte. Auch ihrer gedenken wir voller Hochachtung und Trauer.

    Am Sonntag, den 21. September 1958, feierte der Bund der ‚Kinderreichen' in Reckenfeld in den Gartenanlagen des Hauses Marienfried ein Fest. Unser Spielmannszug wurde gebeten, dasselbe durch unsere Mitwirkung verschönern zu helfen und abzurunden. Gern kamen wir dieser Bitte nach, und wir fanden ein dankbares und aufgeschlossenes Publikum. Wir machten Marschmusik und lieferten auf dem Festplatz einige Programmnummern.

    Jeder einzelne Spielmann war eifrig dabei. Gegen Ende des Festes war uns allen der Wettergott sehr ungnädig und überschüttete uns mit seinem feuchten Segen. Unser Spielmannszug ließ sich aber darum nicht unterkriegen. Mit klingendem Spiel marschierten wir in Richtung Vereinslokal (Deutsches Haus). Als wir dort angekommen waren, hatten wir keinen trockenen Faden mehr an uns, aber trotzdem eine strahlende Laune. Das Wasser konnte uns nichts anhaben. Auch unsere Instrumente blieben, dank der sachgemäßen Behandlung, unversehrt.

    Im April 1955, bei der Veranstaltung unseres Schützenvereins "Wir tanzen in den Mai!" hatten wir unser erstes, öffentliches Auftreten. Der Stand unserer Ausbildung war damals noch nicht so, dass wir uns im Straßenspiel zeigen mochten, weil es hauptsächlich mit dem Marschieren noch sehr haperte. Wir wurden mit dem Wagen nach Brinkmeyer gefahren.

    Dort konnten wir zeigen, dass wir uns im Spielen im Stand wohl schon hören lassen konnten und der Verein war mit uns zufrieden. Um Mitternacht, als die Polonaise durchgeführt wurde, waren wir aber schon so stark, dass wir an der Spitze marschieren und spielen konnten.

    Zum Schützenfest im selben Jähr, also August 1955, waren wir dann soweit, dass wir auch im Straßenmarsch spielen konnten. Das Lampenfieber war schon bald überwunden und wir alle hatten viel Freude. Unser Schützenkönig war in diesem Jahr Wolfgang I.

    Leider sind von der Gründung des Spielmannszuges keinerlei Protokolle oder Aufzeichnungen vorhanden und es lassen sich keine genauen Angaben feststellen, wie es damals war. Teilweise wird angenommen, dass in den Jahren 1937/38 die Anfänge zu suchen sind, dem gegenüber stehen allerdings die Auffassungen, dass der Spielmannszug bereits kurz nach Gründung des Schützenvereins "Eintracht" entstanden ist. Im Jahre 1928 soll dieses der Fall gewesen sein.

    Während des Krieges war der Spielmannszug unter der Obhut des Kriegervereins. Wie allgemein bekannt, ruhte während des Krieges und in den ersten Nachkriegsjahren jegliche Vereinsarbeit. Als dann das Leben des Schützenvereins nach dem Kriege wieder begann, regte sich auch der Spielmannszug wieder und begann mit seiner Arbeit.

    In der Kameradschaftszeitung des Spielmannszuges "Gut Klang!" vom 18.1.1958 wurde mitgeteilt, dass als Gründungstag der 15.8.1954 festgesetzt wurde. Dieses wurde widerrufen, weil nun endgültig als Zeitraum der Gründung das Jahr 1938 festgelegt ist. Alle im Laufe der Zeit anfallenden Jubelfeste sollen auf diese Zeit basieren.

    Der 15.8.1954 ist aber außerdem ein denkwürdiger Tag für den Spielmannszug, weil an diesem Tage die Arbeit in demselben ganz besonders intensiv weiter ausgebaut und von da ab betrieben wurde. Von diesem Zeitpunkt an hat sich u.a. Herr Hermann Röber um den Spielmannszug große Verdienste erworben. Ihm ist es hauptsächlich zu verdanken, dass der Zug wieder lebensfähig wurde.

    Zu erwähnen ist besonders, dass Herr Röber uns über Jahre hinaus einen Raum für Übungszwecke zur Verfügung stellte und auch sonst immer um unser Wohl und Wehe besorgt war. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch Herr Erich Schreiber" der sich auch lange und gern für den Spielmannszug eingesetzt hat und es sich nicht verdrießen ließ, viel seiner Zeit zu opfern, viele Wege zu machen und in allen Dingen um den Wiederaufbau des Zuges bemüht zu sein. Auch an dieser Stelle beiden Herren unseren Dank!

    Beim Wiederbeginn der Übungsstunden fehlte es am Ort an einem geeigneten Ausbilder. Es ist nicht so, dass es in Reckenfeld niemanden gegeben hätte, der nicht über das technische Können und Wissen eines Ausbilders verfügen konnte, es lag vielmehr daran, dass hier wohnende geeignete Kräfte aus beruflichen Gründen oder Zeitmangel sich nicht dazu zur Verfügung stellen konnten. Zwei Herren aus Emsdetten wurden berufen, in den ersten Monaten die Übungsstunden zu leiten. Da sie bezahlt werden mussten und auch die Fahrmöglichkeit von uns gestellt wurde, fiel die Kostenfrage doch etwas ins Gewicht.

    Von da ab übernahm Fred Riese sen. die weitere Ausbildung und Führung des Spielmannszuges. Tambourmajor war zu dieser Zeit noch Hermann Runge dessen Vater schon in den ersten Jahren des Bestehen des Spielmannszuges längere Zeit sein Tambourmajor war. Als Hermann Runge aus beruflichen Gründen seinen Wohnort wechseln musste, übernahm Fred Riese den Tambourstab.

    Verkehrsverein

    Zeitung - 10.02.1938: Durch die Initiative des Ortgruppenleiters der NSDAP wurde vor etwa zwei Jahren der hiesige Verkehrsverein gegründet. Es fanden sich einige Reckenfelder bereit, tatkräftig an dem Ausbau Reckenfelds mitzuarbeiten. Dieser kleine Kreis stand nicht meckernd beiseite, sondern arbeitete zielbewußt an den ihm gestellten Aufgaben. Wenn diese Arbeiten, rein äußerlich gesehen, nicht in der Lösung von Riesenproblemen bestanden, so wurden doch Kleinarbeiten geleistet, die zu den jetzt einsetzenden größeren Aufgaben unbedingt erforderlich waren. Es entspricht auch nicht zuletzt dem Charakter der Vereinigung durch viele Worte, sondern durch Taten in Erscheinung zu treten.

    So versammelten sich dieser Tage im Haus C 25 sämtliche Mitglieder zu einer wichtigen Hauptversammlung. Zum Vereinsführer und damit zum Vorsitzenden wird einstimmig Heinrich Schlick gewählt. Der Vereinsführer Heinrich Schlick bestimmte zunächst seine Mitarbeiter; zu seinem Stellvertreter Hans Sander, zum Kassierer Fritz Patten, Schrift-, Presse- und Reiseleiter Hans Getta, Gerätewart I. Hermanns, Blockwalter für A - I. Hermanns, für B - Wilhelm Stork, für C - Fritz Janda (Foto), für D - Heinrich Töpper.

    Nach Erledigung der Kassengeschäfte gab der Vereinsführer bekannt, den Verein in das Vereinsregister beim Amtsgericht Münster eintragen zu lassen. Die Gründe zu dieser Maßnahme waren in der nun einsetzenden Beratung klar ersichtlich und so wurde einstimmig die vorgeschlagene Eintragung beschlossen. Um weitere Volksgenossen für den Verkehrsverein zu gewinnen, werden die Blockwalter demnächst bei jedem vorsprechen. Es wird erwartet, daß jeder, der seinem Wohnort zugetan ist, freudig an dieser Arbeitsgemeinschaft teilnimmt. Die folgende Aussprache zeigte, welche Aufgaben in der nächsten Zeit zu lösen sind. Die Unterstützung der Schuljugend, die im Rahmen des Vierjahresplanes die ihr zugewiesenen Grundstücke mit Mais usw. besetzt, wird im kommenden Jahre noch umfangreicher. Die einheitliche und sinngerechte Umbenennung sämtlicher Straßen wird in nächster Zeit erledigt. Ferner um die Verschandelung des Ortsbildes durch wilde Reklame oder sonstigen Ankündigungen an unpassenden Stellen zu unterbinden, wurde die Beschaffung von fünf Anschlagstafeln beschlossen. Diese werden an geeigneten Stellen aufgestellt. Die Unsitte, jeden Pfahl usw. mit Zettel und Zettelchen zu versehen, hört, unter Androhung von Polizeistrafen, auf. Die für den Sommer von der Siedlergemeinschaft geplante Preisschau sämtlicher Reckenfelder Häuser und Gärten, soll durch Prämien weitgehend gefördert werden. Die Bevölkerung soll durch diese Maßnahmen angespornt werden, ebenfalls an der Verschönerung des Dorfbildes mitzuhelfen. Weitere Arbeiten wurden noch besprochen, deren Bekanntgabe noch verfrüht ist.

    Als vordringliche Aufgabe sieht der neue Verein die Verbesserung der Straßenverhältnisse an, aber das ist ein Thema, das seit Gründung der Siedlung besteht und immer wieder bei allen möglichen Gelegenheiten aktuell ist. Sobald sich dieses wichtige Thema erledigt hat, wollen die Männer sich verstärkt um eine ansprechende Gestaltung des Dorfplatzes kümmern. Als nächste Aufgabe sieht der Verkehrsverein das Anbringen von Postkästen am ehemaligen Verwaltungsgebäude für B und am Deutschen Haus vor. Diese sollen um 6 um 15 und um 19 Uhr geleert werden.

    Als absolute Notwendigkeit betrachtet der Verein auch die Einrichtung eines Melde- und Standesamtes in Reckenfeld. Es sei 400 Einwohnern der übrigen Gemeinde eher zuzumuten nach Reckenfeld zu kommen, als 200 Reckenfeldern, die zum zehn Kilometer entfernten Greven müssten.

    Als sich das Amt später gegen die Verlegung des Standesamtes zur Wehr setzte, schreibt der Schriftführer: "Der Vereinsführer geißelte das Verhalten des Amtes Greven, welches der aufstrebenden Entwicklung Reckenfelds dauernd Schwierigkeiten bereitet. Empörung rief die Bekanntgabe bezüglich der Ablehnung des Antrages über die Errichtung eines Standesamtes hervor. Aber auch hierin wird der Verkehrsverein Wandel schaffen."

    Neben der Siedlungsgesellschaft ist es zusätzlich auch der Reckenfelder Verkehrsverein, der sich immer wieder für die Ansiedlung eines Kreditinstitutes in Reckenfeld einsetzt. Weitere Aufgaben sieht der Verein in der notwendigen Niederlassung eines Arztes, in der finanziellen Unterstützung der beiden Volksschulen, in der Erfüllung eines Vierjahresplanes zum Anbau von Mais und in der verstärkten Werbung für Reckenfeld.

    Eine Zeitung - 22.04.1938: Obwohl der launische April sein Unwesen treibt, hat der Verkehrsverein an markanten Punkten der Ortschaft die Ruhebänke aufstellen lassen, in der guten Hoffnung, daß doch bald schönes Wetter folgen muß. Die Bänke werden dem Schutze der Bevölkerung wärmstens empfohlen. Den Unverbesserlichen wird geraten, ihr Monogramm usw. anderweitig anzubringen und diejenigen, die gerne ihre Kraftprobe an den Bänken versuchen wollen, mögen sich vorher beim Verkehrsverein melden, dieser weist nützlichere Trainingsgegenstände nach.

    Eine Zeitung - 17.06.1938: In dieser Woche sind nunmehr die Ankündigungstafeln des Verkehrsvereins aufgestellt worden. Damit ist der Anfang, der Verschandelung des Ortsbildes wirkungsvoll zu begegnen, gemacht. Es ist daher in Zukunft verboten, durch, in bisher üblicher Weise Bäume, Leitungsmasten, Häuser usw. mit Ankündigungen aller Art das Dorfbild zu verunstalten. Wer irgendetwas bekanntzugeben hat, meldet sich zur Veröffentlichung beim Vereinsführer des Verkehrsvereins, H. Schlick.

    Bericht vom 01.07.1938: Gestern versammelten sich die Mitarbeiter des Reckenfelder Verkehrsvereins e. V. im Deutschen Haus zu einer Arbeitstagung. Hier ist das vordringliche Problem die Straßeninstandsetzung. Obwohl die angefahrenen Steine monatelang angefahren wurden, wartet die Bevölkerung auf die Fertigstellung der Straßen. Der Verkehrsverein wird sich dieser Aufgabe besonders widmen. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Kriegsbeschädigten, Arbeitsopfer, Arbeitsdienstabteilung, Kindergarten und die große Entfernung bis zum nächsten Arzt wird auch versucht, für Reckenfeld einen Arzt zu bekommen.

    Eine Zeitung - 09.07.1938: Arbeitstagung des Verkehrsvereins e. V. Gestern, Donnerstagabend, versammelten sich die Mitarbeiter des Reckenfelder Verkehrsvereins e. V. im Deutschen Haus zu einer Arbeitstagung. Die Tagesordnung brachte als Hauptpunkte die Ausgabe der Mitglieds-bücher, die bisherige und zukünftige Arbeit des Vereins. Der Vereinsführer H. Schlick eröffnete die Tagung. Dann wurden die Mitgliedsbücher verteilt. Es folgte in längerer Ausführung die bisher von dem Verein geleistete Arbeit. Der Bericht ergab, daß hier in zielbewußter Weise für das Gesamtwohl Reckenfelds gearbeitet wird. Die in nächster Zeit zu lösenden Aufgaben werden mit derselben Entschlossenheit ausgeführt, auch um vorhandene Mißstände zu beseitigen. Hier ist das vordringliche Problem die Straßeninstandsetzung. Trotzdem der Bürgermeister immer wieder dieserhalb vorstellig wurde und die angefahrenen Steine monatelang angefahren sind, wartet die Bevölkerung auf die Fertigstellung der Straßen. Der Verkehrsverein wird sich nun dieser Aufgabe ganz besonders widmen.

    Dann wurde bekanntgegeben, daß auf Vorstellung des Verkehrsvereins die Postkästen am Deutschen Haus und an der Gauschule vormittags 6, nachmittags 15 und 19 Uhr geleert werden. Der bisherige Weg zum Bahnhof bleibt den Bewohnern erspart. Sobald die Straßen fertiggestellt sind, wird der Dorfplatz hergerichtet. Dieser Platz wird nach dem Entwurf eine Zierde der Gemeinde bilden. Näheres über die Einzelheiten werden zur gegebenen Zeit an dieser Stelle veröffentlicht. Ferner wurde angeregt, für Reckenfeld ein Standesamt zu erhalten. Da bekanntlich das Amtsgebäude ca. 10 Km von hier entfernt ist, soll auch den Anwohnern bei Geburts- oder Sterbefällen dieser Weg erspart bleiben. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Kriegsbeschädigten, Arbeitsopfer, Arbeitsdienstabteilung, Kindergarten und die große Entfernung bis zum nächsten Arzt wird auch versucht, für Reckenfeld einen Arzt zu bekommen.

    Alle Mitarbeiter werden ferner aufgefordert, unermüdlich Mitglieder für den Verkehrsverein zu werben. Der Betrag ist so niedrig gehalten (pro Jahr 1,-- Mk.), daß es jedem Volksgenossen möglich ist, dem Verein beizutreten und die Bestrebungen desselben zu unterstützen. Die Bevölkerung wird daher gebeten, bei den vorsprechenden Blockwarten die Aufnahme zu tätigen. Jeder Reckenfelder, dem das Wohl und Wehe des Heimatortes am Herzen liegt, wird Mitglied des Verkehrsvereins. Nach der anschließenden Aussprache wurde die Arbeitstagung beendet.

    Eine Zeitung - 11.07.1938: Unerhörter Bubenstreich. In der Nacht zum Montag haben zerstörungswütige Elemente in den Anlagen am Dorfplatz wie Blöde gehaust. Kriegsbeschädigte und Arbeitsopfer schufen diese Anlagen, um bei schönem Wetter ein Plauderstündchen zu halten oder in voller Besinnlichkeit das Leben und Treiben um den Dorfplatz zu betrachten. Bänke und Tische, die in ulkiger Weise dem Fliegenpilz nachgeahmt waren, wurden herausgerissen und zerstört, die schweren Steine in den Graben gerollt usw. Voller Empörung nahmen die Bewohner Kenntnis von dieser Zerstörungswut. Es ist zu hoffen, daß die Täter, welche vermutlich von auswärts stammen, recht bald gefaßt und ihrer Bestrafung zugeführt werden können. Der Verkehrsverein hat eine Belohnung von 10 RM. ausgesetzt.

    Eine Zeitung: Sonntag, den 7. August, 12,30 Uhr Antreten bei Brinkmeyer, anschließend Abmarsch zum Vogelschießen. Nach Rückkehr Proklamation des neuen Königs und festliches Beisammensein aller Schützen nebst Frauen. Dazu ist die gesamte Bevölkerung Reckenfelds eingeladen. Montag, 8. August, festlicher Ausklang ebenfalls im Deutschen Haus. Dem Festausschuß wurde die Durchführung dieser Festtage aufgetragen. Der Vereinsführer bat ferner die Kameraden, sich die Schützenkleidung anzuschaffen, um durch einheitliches Aussehen bei Anlässen des Vereins einen guten Eindruck zu hinterlassen. Als Musikanten spielen die Mitglieder des Reckenfelder Blasorchesters auf. Sämtliche Bekanntmachungen des Vereins werden in Zukunft außer in der Presse an den Tafeln des Verkehrsvereins erfolgen.

    Der Verkehrsverein in Reckenfeld macht am 18.09.1938 einen Vorschlag, der von dem Kreisleiter der NSDAP Münster-Warendorf am 29.9.1938 abgewiesen wird. In der Ablehnung wird Ortsgruppenleiter Peters zusammengestaucht mit den Worten: "Ich erwarte vielmehr von Ihnen, dass sie als Ortsgruppenleiter (OGL) dafür Sorge tragen, dass der Verkehrsverein Reckenfeld in kürzester Frist aufgelöst wird. Die Belange, die der Verkehrsverein vertritt, sind einzig und allein Angelegenheiten, die der Bürgermeister mit den Gemeinderäten zu bearbeiten hat. Teilen sie dem Verkehrsverein mit, dass sie seine Tätigkeit in kommunalpolitischen wie in verkehrspolitischen Dingen nicht wünschen. Ich habe mit Befremden festgestellt, dass in Reckenfeld überall Tafeln des Verkehrsvereins aufgestellt sind. Die Tafeln haben zu verschwinden!"

    Eine Zeitung - 01.10.1938: Immer noch muß man die Feststellung machen, daß einige Anwohner die Anschlagtafeln des Verkehrsvereins für ihre Bekanntmachungen eigenmächtig benutzen. Dieses ist bei Strafe verboten. Wer irgendetwas bekanntzugeben hat, wendet sich dieserhalb an den Vorsitzenden des Verkehrsvereins Schlick, Grevener Straße, der für die Veröffentlichung Sorge trägt.

    Eine Zeitung - 25.10.1938: Vorbildliche Arbeit des Verkehrsvereins - Rück- und Ausschau. Seit einigen Jahren hat sich aus dem Verkehrsverein Reckenfeld e. V. eine Arbeitsgemeinschaft entwickelt, die als vorbildlich bezeichnet werden muß. Zwar hatte und hat dieser Kreis einsatzbereiter Personen, denen das Wohl und Wehe Reckenfelds nicht gleichgültig ist, verschiedentlich gegen Unverständnis zu kämpfen. Dessen aber ungeachtet ist zu wünschen, daß die Arbeit de VVR auch weiterhin in echter Volksgemeinschaft und im Interesse Reckenfelds von Erfolg gekrönt sein wird und die verdiente Förderung aller Stellen erfährt.

    Die Bestrebungen des VVR gehen darauf hinaus, durch eigene Initiative für Verbesserungen innerhalb der Ortschaft zu sorgen, soweit nicht eine andere Stelle für die betreffende Angelegenheit zuständig ist oder Mittel hierfür bereitstellt. In letzteren Fällen beschränkt sich die Tätigkeit des VVR auf die Einreichung sachlicher und begründeter Vorschläge. Erfreulich sei hier die Tatsache, daß einzelne Behörden diesen Vorschlägen Rechnung trugen und im gegebenen Falle weitere Vorschläge er-baten. Im Zusammenhang sei hiermit allein an die geschmackvolle Ausführung des Bahnhofsvorgeländes durch die Reichsbahn erinnert, ferner das Entgegenkommen der Reichspost bezüglich der Entleerung der Postkästen und der zugesagten Aufstellung von Markenautomaten, nicht vergessen sei die Errichtung der Nebenstelle der Kreissparkasse, die der Bevölkerung recht viel Wege erspart u. v. m.

    (Anm.: Der Verkehrsverein hat die Kriegsjahre allerdings nicht überlebt. Er ist zwar nie offiziell aufgelöst worden, aber nach dem Krieg auch nicht mehr in Erscheinung getreten).

    Versehrtensportgemeinschaft (VSG) (Quelle: Aus einer Chronik zum 40-jährigen Bestehen von Lars-Hendrik Meyerhoff)

    Im Frühjahr 1957 haben sich die sieben Kameraden Ernst Huff, Hans Belling, Georg Schiwon, Erich Sabrowski, Kurt Niedrich, Ludger Niehoff und Bernhard Rautenberg zusammengesetzt, um eine Versehrtensportgemeinschaft zu gründen. Obwohl Reckenfeld keine Turnhalle hatte, haben sie Dank des großzügigen Entgegenkommens des Gastwirtes Bernhard Bockel -Rickermann im Saale trainieren können. Die ersten Turnhemden wurden selbst genäht. Ludger Niehoff besorgte bei seinem Arbeitgeber den Hemdenstoff, Richard Nieber schnitt die Hemden zu und die eigenen Frauen mussten ihre Nähkünste beweisen. Der Landesverband steuerte mit großzügiger Hilfe an Sportgeräten zum Gelingen bei.

    Nach der Gründung der Gemeinschaft ging es vor allem um die Anerkennung durch das Versorgungsamt, wobei die fehlende Turnhalle einen Schwierigkeitsfaktor darstellte. Durch die beengten Trainingsmöglichkeiten fuhren die Sportler oft zu den benachbarten VSG'en zum Training. Samstags und sonntags waren sie dann bei den Turnieren. Ob in Lengerich, Gronau, Münster oder Burgsteinfurt, sie waren guter Dinge und lernten dazu.

    1959 in Osnabrück war die VSG aus Reckenfeld dann zu ersten Mal Pokalgewinner. Es kamen noch einige Siege und Pokalgewinne in Lengerich, Münster, Warendorf und Hagen hinzu. So hart in jedem Spiel um jeden Punkt gekämpft wurde, nach dem Spiel waren doch alle Sieger und man saß so manche Stunde in kameradschaftlicher Runde zusammen, debattierte und feierte.

    Als Ansporn stiftete die damalige Olympia-Siegerin im Kugelstoßen - Marianne Werner - einen Pokal für Sitzballer. Am 9. April 1958 teilte der RP der Stadtverwaltung mit, dass der Erweiterungsbau (1. Bauabschnitt) der katholischen Volksschule in Reckenfeld und die Turnhalle in der Ortsmitte gebaut werden können. Das kam bei den Versehrtensportlern gut an. Nun brauchten sie auf eine Stätte ihres sportlichen Wirkens nicht mehr lange zu warten (Anm.: Ab Mitte des Jahres 1960 konnte die VSG in der neuen Sporthalle trainieren).

    Neben der "Sitzballgruppe" kamen noch die "Tischtennis-Gruppe" und als dritte Sportart die "Bossel-Gruppe" hinzu.

    Im Verlauf der Jahre fand eine Umänderung des Namens statt: Aus ‚Versehrtensportgemeinschaft' wurde die ‚Behindertensportgemeinschaft' (BSG).

    "Jupp" Lech

    Wirtschaftliche Vereinigung

    Die Wirtschaftliche Vereinigung wurde gegründet zu dem Zwecke, die Belange der Reckenfelder Einwohner zu vertreten. Sie ist parteipolitisch und religiös neutral. Geitz entwickelte sich immer mehr zu einem "Vormann", er war inzwischen einer der aktivsten Vertreter der Reckenfelder Siedler, wirkte deshalb bei der am 25. Juli 1928 verfassten Denkschrift der Optanten mit.

    Mit seiner maßgeblichen Beteiligung wurde aus der Interessengemeinschaft der Grundeigentümer die "Wirtschaftliche Vereinigung", und da die Reckenfelder Siedler sich in der Lokalpolitik von keiner Grevener Partei ausreichend vertreten sahen, gründete Christian Geitz mit einigen anderen Einwohnern, die "Reckenfelder Arbeiter- u. Bürgerliste."

    Bei der Amtswahl 1929 ist Geitz für die "Reckenfelder Arbeiter- und Bürgerliste" neben Thünemann, Eckhardt und Hock aufgestellt. Die RBL ist die politische Vertretung der "Wirtschaftlichen Vereinigung." Die RBL profitierte von der Unzufriedenheit der Reckenfelder Siedler mit der EHG. Heftige Proteste seitens Geitz gab es, weil der ehemalige Lagerverwalter der EHG - Imm - zum Wahlleiter bestimmt wurde und auch noch im Wahllokal gewesen war. Imm war zu dieser Zeit Angestellter der EHG. Geitz teilte sein Unbehagen darüber auch dem Bürgermeister Hueske mit. Geitz hält in den Jahren 1931 und 1932 mehrere Veranstaltungen u.a. als Redner in Reckenfeld ab:

    • 18.4.1931: Protest gegen die geplante Erhöhung der Ansiedlungsgebühren
    • 22.8.1931: Rettung aus der Krise
    • 3.12.1931: Siedlungsskandal in Reckenfeld
    • 4.3.1932: Auf dem Marktplatz als Vertreter der Wirtschl. Vereinigung (Die Veranstaltung wurde jedoch verboten).

    Ziegenzuchtverein

    In der neuen Siedlung, die sich inzwischen Reckenfeld nannte, waren Tierhaltung ein probates Mittel um Milch, Fleisch und anderes zum Leben zu erhalten. So schafften sich die Bewohner neben Kleinvieh auch Schafe und Ziegen an und einige Halter wurden zu wahren Züchtern. Die Erfahrungen, die sie mit der Tierhaltung machten, gaben sie an andere Siedler weiter, in Sitzungen und weiteren Zusammenkünften.

    Die Presse in den 1930er Jahren berichtete über den Reckenfelder Ziegenzuchtverein. Hier einige Ausschnitte:

    • 01.04.1937: Der Vereinsleiter hatte seine Mitarbeiter zu einer Besprechung eingeladen, der man restlos gefolgt war. Es wurde beschlossen, am Freitag, dem 9. April, einen Lichtbildervortrag zu veranstalten, den Tierzuchtinspektor Becker (Münster) hält. Der Vortrag findet abends 8 Uhr im Deutschen Haus statt. Sämtliche Einwohner von Reckenfeld sind herzlich eingeladen.
    • 30.08.1935: In den letzten Jahren hat der Ziegenzuchtverein beachtenswerte Fortschritte zu verzeichnen. Die jetzige Bockstation ist beim Züchter Indenbirken in Reckenfeld C. Laut Beschluss in der letzten Versammlung veranstaltet der Verein am Sonntag im "Deutschen Haus" eine Familienfeier.

    • 01.02.1936: Jahresversammlung der Ortsfachgruppe Ziegenzüchter. Recht zahlreich fanden sich die Ziegenzüchter zur Jahresversammlung beisammen. Nach den Begrüßungsworten des Vereinsleiters wurde der Jahres- und Deckbericht bekanntgegeben. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Der Kassenbestand war zufriedenstellend. Es wurden im Laufe des Jahres 17 neue Mitglieder aufgenommen. Die Zahl der Ziegen ist von 73 auf 105 gestiegen. Es soll weiter demnächst ein Lichtbilder-Vortrag veranstaltet werden. Darauf schloss der Vereinsleiter die Versammlung.

    • 01.04.1937: Der Vereinsleiter hatte seine Mitarbeiter zu einer Besprechung eingeladen, der man restlos gefolgt war. Es wurde beschlossen, am Freitag, dem 9. April, einen Lichtbildervortrag zu veranstalten, den Tierzuchtinspektor Becker (Münster) hält. Der Vortrag findet abends 8 Uhr im Deutschen Haus statt. Sämtliche Einwohner von Reckenfeld sind herzlich eingeladen.

    • 22.04.1937: Tatkräftige Mitarbeit der Ziegenzüchter im Rahmen des Vierjahresplanes. Die Ortsgruppe Ziegenzüchter hielt beim Wirt Brinkmeyer eine außerordentliche Versammlung ab, die einen guten Besuch aufzuweisen hatte. Der Ortsgruppenleiter Indenbirken begrüßte die Erschienenen. Kassierer Bosse gab den Kassenbericht. Die Kasse weist einen guten Überschuß auf. Nach der Prüfung der Kasse wurde dem Kassierer einstimmig Entlastung erteilt. Es wurde besonders die Bedeutung der Milchkontrolle besprochen. Fünf Züchter erklärten sich bereit, die Milchkontrolle mit ihren Ziegen durchzuführen. Eine rege Aussprache entspann sich bei der Frage der Futterbeschaffung, sowie über Klauenpflege und Fellverwertung. Nach Erledigung kleinerer Vereinsangelegenheiten traf Tierzuchtinspektor Becker aus Münster ein und hielt einen interessanten Vortrag über Ziegenzucht und deren Auswirkung. Gutes Futter wird durch die Genossenschaft geliefert, aber nur an solche Züchter, die Mitglied der Ortsfachgruppe sind. Weiterhin erklärte sich auch Bürgermeister Peters bereit, sämtliche Gräben der Ortsfachgruppe zur Verfügung zu stellen. Die Gräben sollen in Zukunft von dem Vorstand in Parzellen verteilt werden. Mit dem Wunsche, daß ein jeder zum Gelingen des Vierjahresplanes mithelfe, wurde die außerordentliche Versammlung mit dem üblichen Gruße geschlossen

    • 09.03.1938: Versammlung des Ziegenzuchtvereins. Der Vereinsführer W. Nolting begrüßte die zahlreich im Saale Rickermann erschienenen Mitglieder und eröffnete die Versammlung. Nach der Protokollverlesung erstattete der Kassierer Bosse seinen umfangreichen Kassenbericht, allgemein wurde die tadellose Führung anerkannt. Dann erfolgte die Bekanntgabe der Bestimmungen der Kreisfachgruppe Münster. Unter Punkt Verschiedenes wurde neben internen Vereinsangelegenheiten die Beschaffung von Futtermitteln besprochen. Gutes Milchleistungsfutter ist wieder bei den bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaften (Rickermann am Bahnhof) zu haben. Die Grasverteilung an den zahlreichen Gräben wird demnächst neu geregelt. Nach der Bekanntmachung, daß die nächste Versammlung am 2. Sonntag im April stattfindet, schloß der Vereinsführer die Versammlung.

    • 06.04.1938: Vom Ziegenzuchtverein. Der Vereinsführer hatte seine Mitarbeiter zu einer wichtigen Vorstandssitzung in das Deutsche Haus geladen. Neben anderen Fragen wurde besonders die nun anstehende Grasverteilung geregelt. Um eine zweckmäßige Verteilung durchzuführen, werden diejenigen Mitglieder, die nicht über genügend eigene Grasflächen verfügen gebeten, sich bis spätestens zum 1. Mai d. J. bei dem zuständigen Blockwart zu melden. (Für A bei Nolting, B bei Klein, C bei Bosse und D bei Fritz Becker). Wer diesen Termin versäumt, kann bei der Grasverteilung nicht mehr berücksichtigt werden. Dann wurde beschlossen, am 8. Mai d. J. eine größere Mitgliederversammlung im Deutschen Haus durchzuführen. Zu dieser Versammlung sind die Herren Tchenscher (Recklinghausen) und Beyer (Münster) gewonnen, die im Rahmen eines interessanten Lichtbildvortrages über die Wichtigkeit einer intensiven und planmäßigen Haltung unserer Tiere, unter besonderer Berücksichtigung der Stellung im Vierjahresplan, sprechen. Nach Erledigung weiterer Angelegenheiten erreichte die Sitzung ihr Ende. (Anm.: Obwohl vor 1935 gegründet wird in allen Berichten des Ziegenzuchtvereins niemals der Name Joseph Lihl erwähnt, obwohl der als "Ziegenopa" bekannte, ein Ziegenzüchter gewesen sein soll).

    • 26.04.1938: Vom Ziegenzuchtverein. Der Vereinsführer hatte seine Mitarbeiter zu einer wichtigen Vorstandssitzung in das Deutsche Haus geladen. Neben anderen Fragen wurde besonders die nun anstehende Grasverteilung geregelt. Um eine zweckmäßige Verteilung durchzuführen, werden diejenigen Mitglieder, die nicht über genügend eigene Grasflächen verfügen gebeten, sich bis spätestens zum 1. Mai d. J. bei dem zuständigen Blockwart zu melden. (Für A bei Nolting, B bei Klein, C bei Bosse und D bei Fritz Becker). Wer diesen Termin versäumt, kann bei der Grasverteilung nicht mehr berücksichtigt werden. Dann wurde beschlossen, am 8. Mai d. J. eine größere Mitgliederversammlung im Deutschen Haus durchzuführen. Zu dieser Versammlung sind die Herren Tchenscher (Recklinghausen) und Beyer (Münster) gewonnen, die im Rahmen eines interessanten Lichtbildvortrages über die Wichtigkeit einer intensiven und planmäßigen Haltung unserer Tiere, unter besonderer Berücksichtigung der Stellung im Vierjahresplan, sprechen. Nach Erledigung weiterer Angelegenheiten erreichte die Sitzung ihr Ende.

    • 11.05.1938: Jeder Tierhalter lernte etwas dazu. In echter Gemeinschaftsarbeit versammelten sich die Mitglieder des Ziegenzucht- und Siedlervereins im Deutschen Haus, um dem lehrreichen Vortrag über Zucht und Haltung der Haustiere beizuwohnen. Vereinsführer Nolting begrüßte die überaus zahlreich erschienenen Mitglieder der Vereine, insbesondere den Hoheitsträger der Partei, Bürgermeister Peters und den Redner Pg. Beyer, Münster. Vereinsführer Sander hob lobend hervor, daß sich nunmehr der Siedler- sowie der Ziegenzuchtverein in echter Gemeinschaftsarbeit zusammengefunden hätten. So solle es auch in Zukunft bleiben.

      Dann sprach Herr Beyer über sein Thema. Er legte zunächst die Wichtigkeit einer ersprießlichen Tierhaltung im Hinblick auf das Volksganze dar. Unsere Haustiere sind ebenfalls ein Bestandteil des Volksvermögens. Ein guter Tierstand wird sich immer zum Wohle des Staates auswirken. In verständlicher Weise sprach der Redner über die Erhaltung und Pflege der Haustiere unter besonderer Berücksichtigung vorbeugender Maßnahmen gegen die verschiedensten Krankheiten. Die Fehler, die in der Unwissenheit bei Fütterung noch gemacht werden, wurden besonders einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Ein leistungsfähiger Tierstand bringt stets eine Steigerung der Leistungen mit sich. Es folgte dann der in der Versuchsanstalt Magdeburg und Halle aufgenommene Film, der in anschaulicher Weise zeigte, wie man Tiere hält und pflegt. Der Vereinsführer Nolting dankte dem Redner für seinen lehrreichen Beitrag. Er hoffe, daß jeder Tierhalter heute etwas dazu gelernt habe. Recht eifrig machte man auch von der Gelegenheit Gebrauch, sich beim Redner über eigene Fragen der Tierhaltung zu unterrichten.
    • 12.09.1938: Monatsversammlung des Ziegenzuchtvereins. Am gestrigen Sonntag fand im "Deutschen Haus" die fällige Monatsversammlung der Ziegenzüchter statt. Im Interesse dieser Tierhaltung und der damit verbundenen Aufgaben im Rahmen des Vierjahresplanes für die Volksernährung ist es sehr zu begrüßen, daß die Reckenfelder Ziegenzüchter sich für die Belange dieser Tiergattung einsetzen. Dieses spielte sich dann auch in der Verlesung der letzten Versammlungsprotokolle deutlich wieder. Dann gab der Vereinsführer bekannt, daß die diesjährige Ankörung am Freitag, dem 16. September, vormittags 11.30 Uhr beim Züchter Emil Hock, Ortsteil C, stattfindet. Eingetragen werden einwandfreie Jungtiere, welche bereits einmal gelammt haben.

      Ebenfalls können fehlerfreie Jungböcke von eingetragenen Ziegen der Kommission vorgeführt werden. Eine Verbilligung des mit bestem Erfolg angewandten "Animalin" wurde bekanntgegeben. Die Mitglieder können dieses bei den Blockwarten erhalten. Der Kassierer Bosse bat die Mitglieder, beim Einkassieren der Beiträge stets die Mitgliedsbücher bereitzuhalten. Denn ohne ordnungsgemäß durchgeführte Mitgliedsbücher werden in Zukunft keine Deckscheine mehr ausgegeben. Der Vereinsführer rügte dann auch einzelne Nutzungsberechtigte der öffentlichen Gräben. Die Grasflächen sind den betreffenden Mitgliedern zugewiesen, damit dieselben geschnitten und das Gras zweckentsprechend verbraucht wird. Es darf daher nicht vorkommen, daß die betreffenden Flächen ungenutzt liegen bleiben und der Tierhaltung verloren gehen. Damit waren die Hauptzwecke der Tagesordnung erschöpft. Unter Punkt "Verschiedenes" fand dann eine lebhafte Aussprache statt, in der zahlreiche Fragen durchgesprochen wurden. Nach der Bekanntgabe, daß für Anfang November ein Lichtbildervortrag geplant sei, schloß der Vereinsführer die Versammlung in der üblichen Weise.
    • 21.11.1938: Versammlung des Ziegenzuchtvereins, Am Sonntag fand im Deutschen Haus eine Mitgliederversammlung statt. Der Vereinsführer gab den Bericht über die Tagung in Münster bekannt, daß beim Decken der Tiere das Mitgliedsbuch zur Kontrolle vorgelegt werden muß. Dann sprach Herr Fleckner von der Kreisfachgruppe über die Haltung und Pflege der Haustiere. Er bat die Tierhalter, nach Möglichkeit ihre Tiere eintragen zu lassen, soweit es sich um gute Gattungen handelt. Recht beträchtlich sind auch die Staatszuschüsse, die bei der Beschaffung von eingetragenen Tieren gewährt werden. Die Ausführungen über die Haltung und Pflege der Haustiere vermittelten den Anwesenden gute Ratschläge. Reichen Beifall erntete der Redner für seine lehrreichen Worte.

      Sodann ergriff Herr Beier das Wort zu seinem Lichtbildervortrag. Er führte zunächst u. a. aus, daß die Kleintierzucht nach dem völligen Darniederliegen vor 1933 nun in Deutschland vorbildlich geworden sei. Dann erklärte er das 1940 in Kraft tretende Zuchtgesetz. Dieses Gesetz bringt endlich einheitliche Richtlinien für die Züchtung der Kleintiere. Gute und luftige Ställe sind die Voraussetzungen für erträgliche Tierhaltung. Durch die gezeigten Lichtbilder konnte jeder Tierhalter allerlei lernen. Dankbar verfolgten die Anwesenden diesen Vortrag und der Beifall am Schluß desselben bewies, daß er allen gefallen hatte. Mit einem Gedenken an den Führer nahm dieser lehrreiche Abend sein Ende.

    Kaninchenzuchtverein

    Die Presse in den 1930er Jahren berichtete über die Kaninchenzucht in Reckenfeld. Hier einige Ausschnitte:

    • (Bericht vom 23.08.1938: Die Kaninchenzucht in Reckenfeld ganz groß Die Vorliebe für Kaninchen ist hier in Reckenfeld ganz besonders groß. Fast jeder Siedler ist im Besitz dieser kleinen Haustiere, um die Abfälle von Haus und Garten zweckmäßig auf diese Weise zu verwenden. Das Halten von Kaninchen ist heute mit Rücksicht auf den Vier-jahresplan von ganz besonderer Bedeutung. Einmal werden, wie schon erwähnt, die Haus- und Gartenabfälle zweckmäßig verwertet, auf der anderen Seite erhalten wir zusätzliches Fleisch und Felle, von einigen Rassen sogar kostbare Wolle. Gerade die feine Wolle der Angorakaninchen musste bisher fast restlos gegen Hergabe von kost-baren Devisen vom Ausland bezogen werden. Genannte Gründe sind wohl dafür maßgebend, dass sich die Kaninchen ganz besonderer und überaus zahlreicher Beliebtheit erfreuen.

      Und so war es selbstverständlich, dass die Monatsversammlung des Kaninchenzuchtvereins W. 42 Reckenfeld, welche im Vereinslokal Rickermann am Bahnhof stattfand, recht gut besucht war. Der Vereinsführer Holzenkämpfer begrüßte zunächst die Erschienenen. Dann gab er bekannt, dass nunmehr der Vereinsrammler (weiße Wiener) beschafft ist. Als Halter dieses Tieres wurde das Mitglied Franz Bruns, Ortsteil C 42, von der Versammlung bestätigt. Das Deckgeld pro Häsin beträgt nach den Reichsrichtlinien 0,30 RM. Entgegenkommenderweise soll auch Nichtmitgliedern der Rammler für ihre Häsinnen zur Verfügung gestellt werden.

      Bekanntlich gewährt der Staat bei Errichtung von Kleintierställen eine entsprechende Beihilfe. Der Vereinsführer machte die Mitglieder mit der Voraussetzung zur Gewährung dieser Beihilfen bekannt. Darauf wurden einige diesbezügliche Anträge gestellt. Ferner wurde beschlossen, in der Versammlung am 17. September, 17 Uhr bei Rickermann, ein Angorawerbescheren durchzuführen. Der Eintritt ist kostenlos und wird insbesondere die Frauen interessieren; jeder Volksgenosse ist daher schon jetzt freundlichst eingeladen. Diese Veranstaltung hat den Zweck, weitere Freunde für unser Kaninchen zu werben. Nachdem dann einige Neuaufnahmen wiederum getätigt wurden, sprach der Vereinsführer über das Thema "Stallbau und Kaninchenzucht im Rahmen des Vierjahresplanes." Die Mitglieder verfolgten diese Ausführungen mit verständlichem Interesse und der eine oder andere konnte so manchen Ratschlag mit nach Hause nehmen. Zum Schluss bat er noch alle Mitglieder, stets pünktlich zu den Veranstaltungen zu erscheinen, da jeder in diesen nur lernen kann.)

    Taubenzuchtverein

    Die Presse in den 1930er Jahren berichtete über den Taubenverein in Reckenfeld. Hier ein Ausschnitt:

    Bericht vom 19.07.1938: Brieftaubenzucht. Bei dem letzten Preisflug von Schneidemühl (Foto) (650 km) konnte der Brieftaubenverein "Gut Flug" durch den Schlag H. Sirk einen Sieger melden. Das Interesse am Brieftaubensport gewinnt hier immer mehr an Boden und findet durch den steten Zugang von Mitgliedern erfreulichen Ausdruck. So wird in der nächsten Zeit mit den Vorflügen der Jungtiere begonnen, so dass später eine größere Anzahl Tiere geschickt werden kann. (Anm.: Aus Schneidemühl kamen 1925 14 Optantenfamilien nach Reckenfeld).

    Schäferhundeverein

    Die Presse in den 1930er Jahren berichtete über den Verein für Schäferhunde in Reckenfeld. Hier einige Ausschnitte:

    • 12.10.1937: Werbevorführung deutscher Schäferhunde. Als Auftakt zur Gründung einer Ortsgruppe der Fachschaft deutscher Schäferhunde fand auf dem Dorfplatz eine Werbevorführung statt. Zu diesem Zwecke stellte die benachbarte Ortsgruppe Emsdetten einen Teil ihrer gut ausgebildeten Tiere zur Verfügung. Die überaus zahlreichen Zuschauer kamen aus dem Staunen gar nicht her-aus, wie ein dressierter Hund, z. B. bei Überfällen dem Menschen ein wertvoller Helfer sein kann. Die Zuschauer nahmen die Gewißheit mit nach Hause, daß die Schäferhundzucht keine Liebhaberei des einzelnen, sondern daß dies Dienst am Volksganzen ist. Nach Schluß der Vorführungen versammelten sich die Schäferhundfreunde beim Wirt B. Rickermann am Bahnhof und hier wurde die Ortsgruppe gegründet. Die Leitung wurde Kaufmann A. Vogelsang (Depot D) übertragen und dieser nimmt gern weitere Aufnahmen auch aus den umliegenden Bauerschaften entgegen.

    • 26.10.1937: Gründungsversammlung des Vereins deutscher Schäferhunde. Die Schäferhundfreunde versammelten sich beim Sportkameraden Rickermann am Bahnhof. Der Vereinsführer Vogelsang begrüßte die Erschienenen, besonders die Vertreter der benachbarten Grevener Ortsgruppe. Nach Erledigung der eigentlichen Gründungsformalitäten gab der Leiter der Grevener Ortsgruppe, Darvinghaus, aus seiner langjährigen Erfahrung gute Ratschläge über die Organisation in der Fachschaft bekannt. Auch legte er in verblüffender Weise den Anwesenden die Anfangsarbeiten bei der Hundedressur klar. Auch in bezug auf Pflege des Hundes, insbesonders in kranken Tagen, machte D. bedeutsame Ausführungen. Nach dem nun rege einsetzenden Frage- und Antwortspiel schloß der Vereinsführer die erste Versammlung der Schäferhundefreunde.
    • 13.06.1938: Schauvorführung deutscher Schäferhunde. Der Verein der Fachschaft deutscher Schäferhunde Reckenfeld veranstaltete am Vormittag des Pfingstmontags auf dem Sportplatz bei Leising eine Schauvor-führung. An dieser nahmen die benachbarten Vereine Greven und Emsdetten mit ihren vorzüglichen Hunden teil. Daß auch das Interesse in Reckenfeld für den deutschen Schäferhund immer größer wird, bewiesen die überaus zahlreich erschienenen Zuschauer. Der Grevener Übungswart übernahm die Leitung der Übungen. Die hervorstechenden Leistungen einzelner Hunde riefen immer wieder größtes Erstaunen hervor. Fast alle Hunde zeitigten ein gutes bis sehr gutes Ergebnis bei den Gehorsamkeitsübungen.

      Die Vorprüfung eines markierten Überfalles ließ jedem das Herz im Leibe lachen ob des ungestümen Draufgängertums unserer vierbeinigen Freunde. Sämtliche Vorführungen konnten restlos davon überzeugen, daß Schäferhundzucht keine Liebhaberei im landläufigen Sinne sondern ernste und zielbewußte Arbeit zum Segen des Menschen ist. Der starke Beifall bei den einzelnen Übungen unterstrich dieses dann auch eindeutig. - Die Reckenfelder fahren am Sonntag, dem 12.06.1938, mit ihren Tieren nach Emsdetten, um gemeinschaftlich ihre Trainingsstunde dort abzuhalten.

    Weitere Vereine, Gruppen und Institutionen (bis einschl. 1959)

    • Jugendverein der Deutschen Jugendkraft (1929)
    • Frauen- und Mütterverein (1930) mit sofort 120(!) Mitgliedern
    • Männerverein (1932)
    • Kirchenbauverein am 16.12.1934 (82 Personen treten sofort als Mitglieder dem Verein bei. Die Zahl wächst in den nächsten 14 Tagen auf 400 Mitglieder. Als Vorstand gehen in den Wahlen hervor: 1.Vorsitzender Rektor Lessel, Kassierer Bernhard Hösker, Schriftführer Lehrer Dilla. Über den Kirchenbau wird ein eigenes Protokoll geführt)
    • CVJM-Gruppe /Auf evangelischer Seite wäre da die CVJM-Gruppe, die sich in den 1950er Jahren in der Gemeinde etablierte " Kegelclub "Geselligkeit"
    • Kegelclub "Geselligkeit" Der Kegelclub "Geselligkeit" feiert am 6.6.27 sein Gründungsfest im Reckenfelder Hof, Schriftführer ist D. Schreiber
    • Christlicher Textilarbeiterverband Reckenfeld
    • Reichsbund der Kriegsbeschädigten Reckenfeld (Im Mai 1927 gibt es die Ortsgruppe Reckenfeld vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegshinterbliebenen. Vorsitzende ist Wilhelm Kindermann. Getagt wird im Reckenfelder Hof)
    • Theaterverein Reckenfeld (Gegründet: 1928)
    • Verband der Kriegs- und Zivilgeschädigten Zum 1.1.1951 lädt der Vorsitzende Ernst Huff zu einer Sitzung bei Brinkmeyer ein. (Anm.: Mehr dazu ist nicht zu finden)

    Versammlungsorte von Vereinen etc. (Und zwar zu Zeiten und direkt danach als die polnischen DPs in Reckenfeld waren (1945-1950))

    Datum der Veranstaltungen Verein Lokal
    19.8.1947 KPD Runge Beckermann
    30.9.1947 Gemischter Chor Vors. Hermann Wähnelt Beckermann
    9.1.1948 NVS Verhülsdonk Beckermann
    17.1.1948 Deutscher Gewerkschaftsbund, Ballmann, B 21 Beckermann
    7.2.1948 Gemischter Chor Reckenfeld, Vors Rückbeil, C 6 Beckermann
    8.2.1948 SCR Vors. Röber Beckermann
    10.2.1948 KPD Vors. Runge Beckermann
    29.3.1948 SCR Vors. Röber Beckermann
    4.4.1948 KPD Vors. Runge Beckermann
    18.4.1948 SCR Vors. Röber Beckermann
    17.4.1948 Riese, Alfred ohne Vereinsnennung Beckermann
    25.4.1948 Riese, Alfred; jun. Beckermann
    1.5.1948 KPD Reckenfeld Vors. Runge (nachmittags) Beckermann
    1.5.1948 Sportclub Greven! (abends) Beckermann
    2.5.1948 Riese, Alfred Ohne Angabe
    8.5.1948 FDJ Dyttko Beckermann
    23.+24.5.1948 SPD Früsner?, Fritz C 66 Beckermann

    Ende der Eintragungen bei Beckermann, weil das Deutsche Haus durch die DPs besetzt war.

    (Hinweis: Es fehlen die Daten von 1949 und zu Beginn des Jahres 1950)

    Datum der Veranstaltungen Verein Lokal
    9.9.1950 SCR, Vorsitzender Lichtenstein Rickermann
    16.+17.9.1950 Männergesangverein Liedertafel (1. Eintragung vom MGV) Brinkmeyer! (Erste Veranstaltung nach Polenabzug)
    7.10.1950 Laienspielschar (1. Eintragung der Laienspielschar) Brinkmeyer
    1.10.1950 Katholische Jugend (1. Eintragung der katholischen Jugend) Rickermann
    21.10.1950 Gemischter Chor - Herbeck (1. Eintragung in dieser Liste) Brinkmeyer
    11.11.1950 Re-Ka-Ge (1. Eintragung in dieser Liste) Brinkmeyer
    1.1.1951 Kriegs- und Zivilgeschädigte - Vors. Ernst Huff (1. Eintragung) Brinkmeyer

    CDU-Ortsverein (Quelle: Website der CDU)

    Die Suche nach einem genauen Gründungsdatum war leider vergebens, denn ein Protokoll oder ähnliches fehlt. Die Gründer hatten damals bei den chaotischen Zuständen der ersten Nachkriegsjahre und der Räumung halb Reckenfelds wohl andere Sorgen als die Führung ausgiebiger Akten.

    Es gibt ein Schreiben des britischen Kreiskommandanten vom 20.08.1945, in welchem er kurz und bündig mitteilt, dass Parteien wieder zugelassen und Wahlen stattfinden sollten und es wurde ein Bericht des damaligen Rektors und späteren Pastors Müller gefunden, in welchem dieser niedergeschrieben hat, am 20.01.1946 habe eine interne Besprechung wegen Gründung einer "Christlichen Partei Ortsgruppe" stattgefunden. Wörtlich: "Der Rektor (also er) hat an den ersten Besprechungen teilgenommen, bis die christliche Partei stand."

    Wie waren nun die Verhältnisse nach Kriegsende? Ostern 1945 - 01.04.1945 - war in Reckenfeld mit dem Einmarsch und nach einigen wenigen Einschüssen aus Panzergranaten der Krieg zu Ende. Schon im Mai 1945 kam die Quittung, denn am 16.05.45 musste der halbe Ortsteil geräumt werden. Es wurde ein Lager für Polen eingerichtet, sogenannte DPs, die vor ihrer Rückführung in ihre Heimat hier untergebracht wurden. Die Militärregierung hatte den Bäckermeister Hermann Heimsath zum Bürgermeister bestimmt. Alle Bemühungen der Kirchen, des Bürgermeisters, Männern und Frauen der ersten Stunde halfen nichts, die Räumung wurde angeordnet, nur die Modalitäten z.B. Termine und Zeitabläufe konnten beeinflusst werden. Es begann die Zeit der Hilfsausschüsse, Wohnungskommissionen und Entnazifizierungsausschüsse.

    Die Bürgermeister der ersten Nachkriegszeit hatten viele Aufgaben. Sie mussten für die wirklich notleidende Bevölkerung sorgen und durften dem Militärkommandanten nicht zu nahe treten, denn dann erreichten sie nichts mehr. Die äußeren Bedingungen waren ungünstig. Einmal schrieb der Bürgermeister an die Militärregierung, ob er wohl ein von der Wehrmacht bei Beckermann zurückgelassenes Auto bekommen könne. Es habe zwar keine Räder, aber man werde für die Gangbarmachung selbst sorgen. Der Ausgang dieser Angelegenheit ist leider nicht dokumentiert.

    Am 17.07.1945 benannte der Bürgermeister dem Amtsbürgermeister Oberregierungsrat Braschoss Personen für einen Gemeindebeirat links der Ems. Von der Militärregierung wurden dann berufen und bestätigt: Franz Sperling, Gerhard Thünemann, Richard Woblick und Hermann Heimsath benannt als "Chairman." Von Parteizugehörigkeit war nicht die Rede, man kann jedoch davon ausgehen, dass damals schon Zentrum, SPD und auch die neue Kraft CDU zu erkennen war. Auffällig: es fehlte die KPD.

    Am 23.01.1946 berief die Militärregierung Herrn Philip Runge als Gemeindebeirat. Er wurde am 24.02.1946 eingeführt. Die täglichen Probleme waren:

    • geräumter Ortsteils
    • Übergriffe der Bewohner des DP-Lagers
    • Wohnungsnot
    • menschenunwürdige Unterbringungen
    • Bitten um Zuteilung von Pferdefutter
    • beschlagnahmte Wohnungen und Räume

    Am 15.09.1946 kam es dann zur 1. Wahl in links der Ems, gewählt wurden 8 CDU, 4 SPD und 3 Zentrum. Es fehlte wiederum die KPD. Aus Reckenfeld wurden gewählt: Grohe, Woblick, Kleffken und Eixler, also alle 4 SPD-Vertreter im Rat. Für die CDU Max Eisele, Josef Beckermann. Bürgermeister für links der Ems wurde der Bauer Howest-Engberding.

    Vorsitzender der CDU war seit der Gründung Anfang 1946 Adolf Schütt.

    Von 1946-1948 vertrat Josef Bender die CDU Reckenfeld in der Amtsvertretung. Kaspar Scharpenberg vertrat die CDU im Kreistag. Die Sorgen und Nöte bleiben die gleichen. Nachdrücklich setzten sich unsere Vertreter auf allen Ebenen für die Räumung des Lagers ein. Die Reckenfelder CDU bemühte sich auch darum, dass der Bürgermeister aus dem Ortsteil Reckenfeld kommen sollte und nicht mehr aus der Bauernschaft.

    Im Herbst 1947 war das dann soweit, gewählt wurde als Bürgermeister Anton Massing, der am 03.08.1947 auch schon den Vorsitzenden der CDU abgelöst hatte. Der Vorstand bestand damals aus:

    • Massing, 1. Vorsitzender
    • Eisele, 2. Vorsitzender
    • Scharpenberg, Schriftführer
    • Rolfes, Kassierer
    • und den Beisitzern Ballmann, Bender, Simon und Frau Hagen.

    Die alten Akten deuten auf Probleme mit einigen Vorstandsmitgliedern hin, die dazu führten, dass die Herren Schütt und Massing wohl zum Zentrum übertreten. Nach innerparteilichen Querelen und relativ kurzer Amtszeit des Vorsitzenden Massing wurde der Vorstand am 16.02.01948 neu gewählt:

    • Scharpenberg, 1. Vorsitzender
    • Heinrich, 2. Vorsitzender
    • Wagner, Schriftführer
    • Rolfes, Kassierer

    Schon am 06.05.1948 löste Karl Bayer den Schriftführer Wagner ab. Intensiv wurden vom neuen Vorstand alle politischen Ebenen eingeschaltet, um die Räumung, das Hauptanliegen, zu erreichen. Es wurden Schreiben an den Landtagspräsidenten Gockeln gerichtet, Treffen mit dem Ministerpräsidenten Arnold in Rheine auf Vermittlung des Kreisgeschäftsstellenleiters Rook in Rheine arrangiert und alle Verbindungen genutzt. Umfangreich bereitete der Vorstand dann die Wahlen am 17.10.1948 vor. Gewählt wurden:

    • Walter Heinrichs
    • Kaspar Scharpenberg CDU
    • Friedrich Grohe
    • Auguste Stäblein SPD (alle in direkter Wahl und über die Reserveliste nun erstmalig Philip Runge für die KPD. Bürgermeister wurde Kaspar Scharpenberg CDU, der auch Vorsitzender der Partei blieb. In die Amtsvertretung wurden
    • Scharpenberg CDU
    • Grohe SPD
    • Brinkmeyer Zentrum
    • Rolfes gewählt
    • und in den Kreistag Kaspar Scharpenberg.

    In dieser Zeit fielen die Währungsreform und der Umtausch des Geldes in den Räumen des Geschäftes Schlick. Ende 1949 kam dann die erlösende Zusage der Räumung zu Weihnachten 1949. Natürlich brachte das für den Bürgermeister erhebliche, wenn auch erfreuliche Arbeit: jedes beschlagnahmte Haus wurde einzeln abgenommen und freigegeben nach Besichtigung durch den britischen Verbindungsoffizier und den Bürgermeister jeweils mit Protokoll. Die Beseitigung des Nachlasses der Polen nahm viel Zeit in Anspruch. Der Müll türmte sich an den Straßen und die Häuser mussten durch einen Kammerjäger von Ungeziefer befreit werden. Aber was war das gegen die Freude über die Räumung des Lagers. Die Räumung wurde im Mai 1950 mit einem großen Volksfest gefeiert - 5 Jahre nach dem Befehl zur Räumung.

    Die Probleme, die damals in Generalversammlungen besprochen wurden, waren sehr grundsätzlicher und lebensnotwendiger Art:

    • Besetzung einer Arztstelle und Errichtung einer Apotheke
    • Straßenerneuerung
    • Straßenbeleuchtung
    • Ungezieferbekämpfung
    • Müllabfuhr
    • Fernsprechstelle
    • Bekanntmachungstafeln
    • Überschwemmung der Wege in B
    • Feststellung der von den Polen hinterlassenen Schäden

    Im Dezember 1950 wurde mit der Planung für den damaligen Dorfplatz begonnen und die sogenannte alte Schule an der Grevener Straße wurde renoviert. Auf der Generalversammlung am 19.03.1950 wurde der Bau einer Straße nach Emsdetten begrüßt und die Frage der Eingemeindung nach Greven sehr reserviert aufgenommen. Wasserversorgung wurde als wichtiger Vorteil bezeichnet.1951 wurde der Parteivorstand bestätigt. In der damaligen Zeit wurden viele Projekte angedacht. Man konnte schon wieder andere als nur lebensnotwendige Dinge angehen:

    • die Leichenhalle war fertig
    • der Ausbau des Dorfplatzes wurde begonnen
    • die Grundschule wurde umgebaut.

    Das Jahr 1952 brachte in der Partei erhebliche Veränderungen: der 1. Vorsitzende und Bürgermeister Scharpenberg starb im September 1952.

    Am 10.08.1952 war der Zusammenschluss Greven links der Ems und rechts der Ems mit dem Stadtkern wirksam geworden. Damit war die Selbständigkeit beendet, die folgenden Bürgermeister hatten die Funktion eines Stellvertreters, bzw. Vorsitzenden des Bezirksausschusses und damit eine wesentlich schwächere Position. Von der Partei wurde Karl Bayer zum Vorsitzenden gewählt und bekleidete dieses Amt bis Ende 1976, damit war er - am 06.05.1948 erstmals in den Vorstand gewählt -, über 28 Jahre im Vorstand tätig. Bei der Kommunalwahl im November 1952 wurden gewählt:

    • Lothar Fabian
    • Heinrich Brinkmeyer beide CDU
    • Fritz Grohe
    • Auguste Stäblein beide SPD

    Auch in die Amtsvertretung wurden beide CDU-Vertreter direkt gewählt. In den Kreistag gewählt wurde August Ernst. Lothar Fabian wurde stellvertretender Bürgermeister, Quasi für Reckenfeld und bleib es bis 1969. Mit dem Zusammenschluss der Grevener Gemeinden außer Gimbte, zu einer Stadt waren auch für das politische Leben einschneidende Veränderungen eingetreten. Die selbständige Gemeinde links der Ems mit einem Bürgermeister aus dem Siedlungsschwerpunkt Reckenfeld hatte naturgemäß bessere Einflussmöglichkeiten. Die vorher üblichen Verwaltungstätigkeiten des Bürgermeisters wurden abgeschafft, er hatte auch kein Dienstsiegel mehr. Unsere Ratsvertreter mussten sich im neuen Stadtparlament durchsetzen, was ihnen auch gelang. Viele Projekte wurden in den 50er und 60er Jahren angegangen und fertiggestellt z.B.:

    • die Erweiterung der Grundschule um 4 Klassen
    • das Projekt Entwässerung mit dem Grabensystem
    • die Verbesserung der Straßenverhältnisse und der Straßenbeleuchtung
    • Bemühungen um Arbeitsplätze durch Ansiedlung von Betrieben
    • Ausweisung von Baugebieten, insbesondere der Heimstättensiedlung
    • Sportplatzbau.

    Am 28.10.1956 wurden dann in den Rat Heinrich Wildemann direkt und Lothar Fabian über die Reserveliste gewählt. Frau Stäblein von der SPD hatte sich mit 4 Stimmen Vorsprung durchgesetzt. Lothar Fabian wurde auch in den Kreistag gewählt.

    Heinrich Wildemann

    Karl Bayer

    Lothar Fabian

    Heinrich Brinkmeyer

    Caspar Scharpenberg

    SPD-Ortsverein

    SPD-Ratsfrauen und -herren des Ortsvereins Reckenfeld

    • 1946: Friedrich Grohe, Bernhard Kleffken, Richard Woblick
    • 1948: Friedrich Grohe, Auguste Stäblein
    • 1952: Friedrich Grohe, Auguste Stäblein
    • 1956: Friedrich Grohe, Auguste Stäblein

    Mitgliedsbuch SPD

    Auguste Stäblein

    Richard Woblick

    Friedrich Grohe

    Bernhard Kleffken

    Evangelischer Kirchenchor (Quelle: Chronik Evangelischer Kirchenchor)

    Im Jahre 1929 wurde der Chor der Erlöserkirche zu Reckenfeld von Herrn Franz Sperling und Herrn Pastor Brune gegründet. Er erhielt den Namen: "Evangelischer Kirchenchor Reckenfeld."

    Es fand sich eine kleine Gruppe von Sängerinnen und Sängern, die sich unter der Leitung des Dirigenten und Lehrers der evangelischen Schule Heinrich Konermann, bis zum Jahre 1934 zu einem leistungsfähigen Chor entwickelte. Nach ihm leiteten Willi Kleine-Döpke und Frau Bröcking. seine spätere Ehefrau, den Chor.

    Während des Krieges ruhte die Chorarbeit. Im Jahre 1946 übernahm Rudolf Baehr das Dirigat und den Vorsitz des Chores.

    Unter seiner Leitung erlebte der Chor einen starken Aufwärtstrend. So wurden nicht nur hier vor Ort regelmäßig geistliche und weltliche Konzerte gegeben, sondern auch außerhalb unserer Gemeinde, z. B. im Kurhaus zu Bad Oeynhausen. Von 1954 - 1958 war Richard Nieber l. Vorsitzender des Chores. Danach übernahm Herr Falkenreck bis zum Jahre 1983 das Amt des 1. Vorsitzenden.

    v.l. obere Reihe: Edith Duscha, Elise Rech, Frau Stange, Frau Brämer,

    Frau Möller, Frau Falkenreck, Frau Lenuweit, ?, Herr Huff, Uwe Holzgreve,

    Georg Jürgens, Gerd Lenuweit, Herr Schöbel, ?, Herr Nieber,

    v.l. zweite Reihe: Frau Zech, Christel Zech, Erika Strand?,

    Ursel Simmat, Hannelore Strand, Inge Meyer, Ingrid? Baran,

    ?, ?, Walter Heinrich, Hermann Wähnelt, Heinrich Falkenreck,

    v.l. dritte Reihe: Helga Schmidt, Heide Brämer, Erna Laser, Frau Heinrich,

    Lydia Sperling, Hilde Grohe, Helmut Grohe, Günther Sperling,

    v.l. sitzend: Pastor Friedrich Esch, ?, Frau Asshauer, Frau Baehr,

    Rudolf Baehr (Chorleiter), Franz Sperling, Frau Sperling, ?, Manfred Rohmann

    Standort: Eingang zum Betsaal an der Industriestraße

    1954

    In den 1960ern

    Ausflug

    Chorleiter Rudolf Baehr

    Oben von links: Emmy Assauer, Elise Rech, Elfriede Jürgens - darunter: Ruth Nieber, dahinter: Frau Zech,

    Frau Baehr, Frl. Hold, Frl. Baran, ?, Hannes Zacharias, Herr Kempen?

    Uwe Holzgreve, Hermann Wähnelt,

    wieder von links: Alex Holzgreve, sen., Herr Mans, Manfred Wähnelt, Walter Heinrich,

    wieder nach links: Frau Laser, Lydia Sperling, Frau Heinrich (verdeckt), Inge Meier,

    Manfred Rohmann, Günther Sperling, Gerd Lenuweit, Richard Nieber, sen., Franz Sperling,

    Im Vordergrund: Chorleiter Rudolf Baehr

    1957

    Der Chorleiter und seine Sänger und Sängerinnen

    1958

    Katholischer Kirchenchor (Quelle: Chronik 70 Jahre St. Franziskuschor - Auszüge)

    1929 erhielt die Gemeinde Ihren ersten Seelsorger, Rektor Anton Hommel. Somit formierte sich langsam, aber doch zielstrebig das Gemeindeleben. So wurde auch der Wunsch, einen Kirchenchor zu gründen, zielstrebig verfolgt. Am 22.04.1929 war es dann soweit: 10 Männer gründeten den St. Franziskus Kirchenchor. Zum Dirigenten wurde Josef Pingsten, Lehrer an der Herberner Schule, ernannt. Erster Vorsitzender wurde August Reinert. Zum Probenlokal wurde die Gaststätte zum Heidefrieden-Bockel-Rickermann gewählt. Probe: Jeden Sonntag um 11:00 Uhr.

    Am 23.06.1929 wurde angeregt eine Damenabteilung zu gründen. Da man sich nicht auf einen gemischten Chor einigen konnte, probten beide Chöre für sich, das gleiche Liedgut welches zu den Festtagen gemeinsam 4-stimmig vorgetragen wurde. Am 05.10.1930 feierte die Rektoratsgemeinde ihr 4. Patronatsfest. Pfarrer Schlotmann feierte mit der ganzen Gemeinde das Festhochamt, welches von den beiden Chören mit einer 4-stimmigen Messe für gemischte Chöre mitgestaltet wurde.

    Dieser erste gemeinsame Auftritt wurde mit viel Freude der Gottesdienstbesucher aufgenommen. Immer wieder wurde der Zusammenschluss des Männerchores und der Damenabteilung diskutiert, obwohl es ihn in der Praxis schon gab. In der Versammlung am 13.08.1932 war es dann soweit. Der Männerchor und die Damenabteilung schlossen sich zu einem gemischten Chor zusammen. Leider traten einige Herren aus dem Chor aus. So auch unter anderem der Vorsitzende August Reinert.

    Zum neuen Vorsitzenden wurde Josef Beckermann gewählt. Er appellierte an alle Mitglieder dem Chor die Treue zu halten und für neue Mitglieder zu werben. Der Chor zählte 24 Mitglieder. Dirigent blieb Josef Pingsten. Neben dem kirchlichen sollte auch das weltliche Singen nicht zu kurz kommen. Der Jahresausflug, das Patronatsfest, das Kappenfest, aber auch der Liederabend mit Sketchen und Vorträgen sollten zur Geselligkeit der Gemeinschaft beitragen.

    Im Jahre 1934 vollzog sich der erste Wechsel der Seelsorger. Der erste Rektor verließ die St. Franziskusgemeinde zum großen Bedauern der Gemeindemitglieder. Doch sein Nachfolger Rektor Lessel war wie sein Vorgänger und konnte auf die Ihm anvertrauten Gemeindemitglieder zugehen. Die Gemeinde wuchs langsam aber stetig, so dass die Kirche an der heutigen Industriestraße zu klein wurde. So ging man daran, ein neues Gotteshaus zu planen und zu bauen. 1936 war es dann soweit. Am 23.02.1936 wurde der erste Spatenstich getätigt und in einer Rekordzeit von knapp 8 Monaten wurde das neue Gotteshaus durch den Bischof von Münster Klemens August an Graf von Galen am 18. Oktober 1936 eingeweiht.

    Der St. Franziskuschor hatte sich hierfür besonders vorbereitet. Eine neue Lateinische Messe von J. Scheel wurde einstudiert. Die Darbietung des Chores war ein voller Erfolg für den Chor, sowie für seinen Chorleiter Josef Pingsten, aber auch zur Erbauung der Festgemeinde. "Gott zur Ehre. Den Menschen zur Freude!"

    Im Jahre 1939 verließ Rektor Lessel die St. Franziskusgemeinde. Am 14.05.1939 stellte sich der neue Rektor Wilhelm Müller beim Kirchenchor vor. 1940 legt der Mitbegründer und Dirigent, Josef Pingsten sein Amt nieder. Hatte er doch die Pionierarbeit im Aufbau des Kirchenchores geleistet. Als neuer Chorleiter konnte Hermann Schröer verpflichtet werden. Doch für den Kirchenchor wurde es immer schwerer 4-stimmig zu singen, denn immer mehr Männer wurden als Soldat eingezogen. So auch der neue Chorleiter Hermann Schröer. Bei Festlichkeiten half Fritz Haber, Lehrer und Chorleiter in Greven dem Kirchenchor. So ging auch das Bestehen und Singen des Chores weiter. Als nun fast alle Männer fort waren, hielten die Damen den Chor aufrecht und sangen unter der Leitung von Fräulein Thiel aus Münster. Nach dem Krieg 1945 meldeten sich einige Männer, die aus der Gefangenschaft entlassen wurden beim Chor zurück. Einige waren im Krieg gefallen, so auch der Chorleiter Herrmann Schröer.

    1947 übernahm Josef Koch, Lehrer an der Herberner Schule den Dirigentenstab des Kirchenchores. In seiner Vorstellung appellierte er an alle Mietglieder, pünktlich und regelmäßig zur Probe zu erscheinen und für den Chor die Werbetrommel zu rühren. Seine Devise lautete: "Ein Chor muss gefordert werden, damit er nicht verkümmert, denn was verkümmert stirbt auch bald ab!"

    1950 stieg die Mitgliederzahl auf 52 Sängerinnen und Sänger. Der Vorsitzende Gerhard Thünemann legte sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder. Zum Nachfolger wurde Martin Parnitzke gewählt. Die Chorarbeit ging weiter. Vorbereitet wurde das Adventsoratorium für Sprecher, Soli, Chor und Volksgesang mit Orgelbegleitung von Gerhard Hoischen. "Freue dich, Christkind kommt bald!" Am 3 Adventssonntag, der 16.12.1951 um 16:00 Uhr war es soweit. Die Kirche war voll besetzt. Es war eine große Feierstunde, so der Chronist.

    Im Jahr 1952 wurden 78 Proben abgehalten, die Beteiligung der Sängerinnen und Sänger lag bei 72%. Da einige Schichtarbeit hatten, war das eine sehr gute Beteiligung.

    Am 27.12.1953 feierte Rektor Wilhelm Müller sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Das Levitenhochamt wurde vom Chor mitgestaltet. Am Nachmittag war die kirchenmusikalische Andacht mit Übergabe der neuen Orgel, die der Organist Heinz Diekamp aus Münster vorstellte. Es war ein großer Tag für die Gemeinde, aber insbesondere für den großen Gönner des Chores Rektor Wilhelm Müller.

    In der Generalversammlung am 14.02.1954 legte der Vorsitzende Martin Parnitzke sein Amt nieder. Zu seinem Nachfolger wurde Georg Schmidt gewählt. Im Grußwort bat der Chorleiter Rektor Koch (er war mittlerweile zum Rektor der Josefschule in Greven gewählt worden) in diesem Jahr besonders eifrig zu den Proben zu kommen, da am 10.10.1954 das 25-jährige Bestehen des St. Franziskuschores gefeiert werden soll.

    Der 10.10.1954 war in der Tat ein Tag der Chormusik. Im Levitenhochamt, an dem auch der Mitbegründer Rektor Anton Hommel teilnahm, sang der Chor die "Missa secunda" von H.L Haßler. Um 14:0 Uhr Empfang der auswärtigen Chöre am Bahnhof und anschließend großer Festzug zur Kirche. 14:30 Uhr Festandacht gestaltet von den Kirchenchören des Dekanates Greven. Damit noch nicht genug. 16:30 Uhr Festkonzert aus Anlass des 25-Jährigen Bestehens der Rektoratsgemeinde und des Kirchenchores im Saale des "Deli-Theaters" (Deutsches Haus). Zum Anschluss lud der Jubelchor zur Jubelfeier im Saale Brinkmeyer "Deutsches Haus" ein. An diesen Feierlichkeiten nahmen 452 Sängerinnen und Sänger teil.

    Ende 1955 legte der Vorsitzende Georg Schmitt sein Amt nieder. Am 09.10.1956 wurde Gerd Strotmann zum Vorsitzenden gewählt.

    Am 21.10.1956 wurde die Rektoratsgemeinde St. Franziskus zur selbstständigen Pfarre erhoben. Der erste Pfarrer Wilhelm Müller wurde durch den Dechanten Hackfurth eingeführt. Das Levitenhochamt wurde von den Pfarrern der 4 Grevener Gemeinden Pfarrer und Dechant W. Hackfurth; Pfarrer Werner Heukamp, St. Marien; Pfarrer Josef Althof, St. Josef; Pfarrer Wilhelm Müller, St. Franziskus gehalten. Das Levitenhochamt wurde vom Chor und der Gemeinde mitgestaltet.

    SC Reckenfeld 1928 e.V. (Auszüge aus der Chronik aus dem Jahr 1998 von Manfred Rech und Nachträgen aufgrund von Recherchen im Jahr 2020 für die Jahre 1934-1938 (Nazizeit))

    Gründerzeit und die 1930er Jahre

    1928: Der Sportclub Reckenfeld wird gegründet. Der Sportclub Reckenfeld (SCR) wird mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Reckenfelder Jugend zur sportlichen Ertüchtigung heranzuziehen.

    Im Gasthof Micheel finden sich im Juni 1928 mehrere Sportinteressenten zusammen, um die Gründung eines Sportclubs zu beraten. An dieser Zusammenkunft, der eigentlichen Gründungsversammlung, nehmen folgende Herren teil: Abeler - Karl Hemker - A. Benning - W. Hemker - C. Blaha - B. Höttges - Gebrüder Eisele - Paul Leonhardt -August Fehr - F. Micheel - Karl Fricke, sen. - Ludwig Nortmann - August Gahrens- P. Nortmann - H. Gahrens - Fr. Rosowski - Emil Heinrichs - F. Schott. Paul Leonhardt wird zum ersten 1. Vorsitzenden gewählt.

    Der Sportclub Reckenfeld wird als bürgerlicher Sportverein gegründet. Diese modernere Vereinsführung der bürgerlichen Sportvereine ist unabhängig von direkter politischer, kirchlicher und ideologischer Einflussnahme. Durch die stärker berücksichtigte Presseberichterstattung wird außerdem eine größere Resonanz in der Öffentlichkeit erreicht.

    Bereits in den ersten Gründungsjahren Reckenfelds wird die große Bedeutung der Vereine als gesellschaftliche Komponente erkannt. Der Schützenverein Eintracht, die Freiwillige Feuerwehr und der SC Reckenfeld gehören mit dazu. In Reckenfeld leben zu dieser Zeit etwa 800 Menschen. Die ersten Fußballspiele werden auf einer Wiese bei Micheel ausgetragen. Wenn es regnet, holen sich die Kinder Strohballen aus dem danebenstehenden Heuschober, damit sie überhaupt auf dem matschigen Boden stehen können.

    1929

    "Die Nachkriegszeit hat uns die Erkenntnis gebracht, dass nur ein gestählter und abgehärteter Körper, den äußeren Einflüssen des Lebens, besonders des Berufes, Widerstand entgegenzusetzen vermag. Dieser Erkenntnis dürfen auch wir uns nicht verschließen: Gesundheit ist Reichtum. Es kommt darauf an, im gemeinsamen Zusammenarbeiten von Verein, Elternhaus und Schule die Vorteile der Leibesübungen auszuwerten zum Besten unserer Jugend. Beständige Arbeit würde unseren Geist aufreiben und unsere Jugend mürrisch und verdrossen machen. Arbeit und Spiel müssen wechseln. Leider ist jedoch die Einsicht noch nicht allgemein geworden, dass durch Spiel und Bewegung in frischer Luft auch die Kraft und die Freudigkeit zur Arbeit wächst. Auch der Zuschauer, der selbst nicht mehr aktiv sein kann, kann durch das Miterleben des Spieles eine gewisse Ablenkung bekommen. Manche Klage wegen Überanstrengung unserer Jugend würde nicht mehr laut werden, wenn die, die jetzt vielleicht noch unsere Gegner sind, einmal dem frischen, gesunden Kampfspiel zuschauen würden.

    Unsere ständig wachsende Mitgliederzahl zeigt uns deutlich, welch großes Interesse für den Sport vorhanden ist und rufe ich sämtlichen Mitgliedern zu, betrachtet es als Eure schönste Pflicht, Eltern, Angehörige und Bekannte für unsere Sache zu interessieren. Vor allem diejenigen, welche heute vielleicht noch lächelnd und spottend abseits stehen, gilt es zu uns herüberzuziehen, sie für unseren Sport zu begeistern. Es geht um ein hohes Ziel, um die sportliche Erziehung unserer Jugend. Paul Leonhardt"

    Es kommt auch vor, dass man sich Fußballschuhe oder Schuhe leihen muss, weil man selber keine hat oder die eigenen unterwegs sind. Teilweise wird sogar barfuß trainiert, egal, ob der Untergrund aus Schotter oder spitzen Steinen besteht; Fußballtreter sind eben rar. "Drei Ecken, ein Elfer" nach diesem Strickmuster wird auf der Straße gebolzt.

    Fußball-Jugend: Eine Jugendmannschaft hat sich gebildet und wird Meister. 1930 nach einer Umfrage des Amtes Greven der Sportclub Reckenfeld der einzige Sportverein, der jugendpflegerisch tätig ist und weibliche Mitglieder hat. Etwa 100 Mitglieder gehören dem SC Reckenfeld an.

    Am 9. November 1930 feiert der SCR sein Stiftungsfest im Saale des Herrn Micheel. Es werden mehrere Preise an die Gastmannschaften aus Emsdetten und an den Turniersieger SC Reckenfeld überreicht.

    Die Reckenfelder Mitteilungen im Dezember 1930 über den SCR: "Wenn auch zum Gründungsfest chronische Ebbe in der Kasse herrschte, so kann das 1. Stiftungsfest - aufgrund des Gemeinsinns und der Opferwilligkeit der Reckenfelder - zu einem Ereignis werden. Das Fest findet im neu hergerichteten Saal des Herrn Micheel statt."

    Fußball-Herren: Über das Spiel Greven 09 (Reserve) - SC Reckenfeld 2:2, schreibt die Münstersche Zeitung vom 8. Januar 1930: "Eine gute Leistung konnte man bei diesem Spiel von dem Reckenfelder Neuling sehen. Die Grevener liegen bei der Pause 1:0 in Führung. Innerhalb einer Minute gleicht Reckenfeld nach der Pause aus und erzielt sofort den Führungstreffer. Trotz völlig überlegenen Spieles erzielen die 09er erst kurz vor Schluss den Ausgleich. Die Reckenfelder Mannschaft wird in kurzer Zeit eine beachtliche Einheit darstellen."

    Fußball-Herren: Über das Spiel Greven 09 (Reserve) - SC Reckenfeld 2:2, schreibt die Münstersche Zeitung vom 8. Januar 1930: "Eine gute Leistung konnte man bei diesem Spiel von dem Reckenfelder Neuling sehen. Die Grevener liegen bei der Pause 1:0 in Führung. Innerhalb einer Minute gleicht Reckenfeld nach der Pause aus und erzielt sofort den Führungstreffer. Trotz völlig überlegenen Spieles erzielen die 09er erst kurz vor Schluss den Ausgleich. Die Reckenfelder Mannschaft wird in kurzer Zeit eine beachtliche Einheit darstellen."

    Unter Amtliche Mitteilungen des Westdeutschen Spielverbandes, Gau Münster und Gau Emsland wird für die Gauklasse Gruppe 2b in der Münsterschen Zeitung am 10. Januar 1930 bekanntgegeben: "Das Aufnahmegesuch des Sportclubs Reckenfeld ist an den Bezirk weitergeleitet. Vorläufige Spielerlaubnis wird hiermit erteilt. Unterschrift Die Reckenfelder Mitteilungen im Oktober 1930: "... im ersten Jahr des Bestehens hat sich der Fußballsport in Reckenfeld recht erfreulich entwickelt."

    Beim 1. Stiftungsfest spielen die Alten Herren in einem Turnier den Sieger aus. Nach zwei schweren Kämpfen können die SCR-Fußballer gegen Vorwärts Borussia und dem Spielverein Emsdetten mit 3:2 bzw. 2:0 gewinnen. Als Preis gibt es einen von den Damen des Clubs gebackenen Kuchen in Form eines Fußballfeldes. In der Gauklasse Münster spielen neben dem Sportclub Reckenfeld noch folgende Vereine mit: VfL Dülmen, SV Wilmsberg, Sportclub Nordwalde, Ballsp. Freckenhorst und Pfeil Billerbeck. Vor dem 2. Weltkrieg müssen auf den Trikots Stoffabzeichen mit dem Emblem des Verbandes aufgenäht werden.

    Fußball-Jugend: Ebenfalls zum Stiftungsfest spielen die A-Junioren des SCR gegen eine Mannschaft von Greven 09, und sie gewinnen mit 6:0 Toren.

    1931-1933

    Die Arbeit der Sportclub-Leitung gilt in vorausschauender Weise ganz der Ausbildung und Förderung der Jugend. Diese Arbeit trägt insbesondere Früchte in den folgenden Jahren.

    1931 gibt es in Reckenfeld, neben dem Sportclub Reckenfeld, noch den kirchlichen Sportverein DJK Adler Reckenfeld4, der seinen Sportplatz rechts neben Leihsing hat, am Pfad zu den Bahngleisen (Heutige Tennishalle). 1932 wird von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) der Arbeitersportverein Rotsport Reckenfeld - der sich später SC Vorwärts Reckenfeld nennt -, ins Leben gerufen. Beide Sportvereine haben jedoch nicht lange Bestand. Der KPD-Sportplatz liegt an dem Weg von Block A nach Block B5.

    Fußball-Herren: Wie sieht zu dieser Zeit das Drum und Dran der Sport-Interessenten aus? Gespielt wird in Oberhemden, unförmigen Hosen und Halbschuhen. Das runde Etwas, das ist der Fußball. Zu ihm gehören Flickzeug, Luftpumpe und Schnürnadel als wichtigste Utensilien.

    Die Anfahrtswege sind lang. Sehr lang, wenn die Fahrt zu zweit oder zu dritt angetreten werden muss. Allerdings befinden sich die Genannten auf einem Fahrrad. Wer trampeln muss, braucht sich nicht um die Fahrtrichtung zu kümmern, denn lenken muss der, der auf der Stange sitzt. Der dritte auf dem Drahtesel hat es am besten. Er sitzt hinten und schaut sich das Ganze rückwärts an, wobei ihm noch ein Liedchen von den Lippen geht. Und die Polizei? Weit und breit keine Spur. Strafe? Nein, vielleicht schon deshalb nicht, weil die Schutzmänner beide Augen zudrücken.

    "Dem Gau Münster gehören im Mai 1931 19 Vereine mit 4.535 Mitgliedern an. Die Vereine hatten unter wirtschaftlicher Not zu leiden", nach einem Auszug aus dem Bericht des Gau-Ausschusses. Unter den amtlichen Mitteilungen vom 13. Januar 1931 wird für eine Alt-Herren-Runde geworben. Bisher haben einige Vereine gemeldet, u.a. der SC Reckenfeld. Kurze Zeit später werden die Paarungen bekanntgegeben. Der SCR soll gegen folgende Mannschaften antreten: Preußen Münster, Borussia Rheine und Reichsbahn Münster. Das Spiel gegen Reichsbahn Münster verlieren die Reckenfelder auf eigenem Platz mit 0:6-Toren. Nach Abschluss der Saison nehmen im Mai 1931 die Altherren- und die Seniorenmannschaften in Emsdetten an einem Pokalturnier teil. Beide Mannschaften scheiden bereits in der Vorrunde aus.

    Die Fußballer verlassen 1932 das Sportgelände bei Micheel und pachten ein Gelände an der Bahn bei Gremme (Rechts von der Bahn - Richtung Emsdetten). Die Verhandlungen über die Pacht mit dem Bauern Gremme führt der Vorsitzende Paul Leonhardt. In Eigenleistung wird daraus ein einigermaßen bespielbarer Platz gemacht. Dieser Sportplatz liegt mitten im Wald und wird von den Spielern als sehr schön gelegen bezeichnet. 1932 tritt Eugen Schmidt in den SCR als Spieler der 2. Mannschaft ein. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges wird der Sportplatz noch dreimal verlegt. Zunächst in Nähe der Villa Imm - an der Bahnhofstraße - und zweimal bei Leihsing.

    Fußball-Jugend: Vom Taschengeld zweigen sich die Kinder und Jugendlichen, wenn sie es können, zwanzig oder fünfzig Pfennig pro Woche ab, um ihre Fußballschuhe beim Schuster Schwering abzahlen zu können. Die Treter kosten immerhin um die elf Reichsmark. Viel Holz für die Jungs. Auf dem Sportplatz am Bahnhof spielt auch die Jugendmannschaft. Hier zu sehen mit dem Obmann der Mannschaft Willi Eckhardt.

    1934-1937

    Protokollnotiz einer Sitzung der Gemeindevertretung von Greven links der Ems, am 15. November 1935: "Der Grevener Bürgermeister führte aus, dass er beabsichtige, von dem Bauer Leihsing zu Herbern ein Grundstück von 22.981 qm für einen Sportplatz zu pachten. Der Pachtpreis soll 150,-- Reichsmark jährlich betragen."

    Einige Anekdoten: Spieler Bernhard Otte: "Schiri, nimm Dir Papier und Bleistift mit, damit Du die Tore alle aufschreiben kannst." Hünteler als Spieler: "Ich goh buten." Er rupfte auch einen Grasbüschel aus, wenn er den Ball am Gehäuse vorbeischoss. Bei einem Fußballspiel hat Arthur Krispin den Torhüter von Greven 09 reingelegt, in dem er ihm zuruft (was nicht stimmt): "Schau mal, die Naht am Ball ist geplatzt." Darauf wirft der Grevener Keeper den Ball ins eigene Tor. Der Schiri pfeift und weist zur Mittellinie: 1:0 für den SCR.

    Am 11. Februar 1937 stellt der Vereinsführer Hünteler an den Grevener Bürgermeister einen Antrag (Alfred Hünteler ist von Beruf Schneidermeister). Darin erklärt Alfred Hünteler, dass der Sportclub Reckenfeld die im Jahr aufzubringenden 75,-- Reichsmark an das Amt Greven für die Benutzung des Sportplatzes nicht aufbringen kann. Er (Hünteler) unterbreitet weitere Vorschläge, wie man mit Hilfe von Eintrittskarten Einnahmen aus den Spielen erwirken kann. Der ungehinderte Zugang zum Kaffee Leihsing wird zugesichert. Der SCR hofft, keine Volksgenossen dadurch zu schädigen.

    Der SC Reckenfeld richtet im Juni 1937 ein Pokalturnier auf dem neuen Sportgelände aus. Neben Emsdettener Vereinen ist auch Postsport Münster Teilnehmer. Post Münster gewinnt das Turnier.

    Fußball-Jugend: Die Fußball-Jugendmannschaft tritt vornehmlich in Greven und Emsdetten zu Spielen an. Mit geliehenen oder eigenen Fahrrädern werden die Ziele angesteuert. Die Standardausrüstung: Kurze schwarze Buxe, weisses Hemd, Sandalen oder Fußballschuhe, wer welche hat.

    Vor dem 2. Weltkrieg ist Herr Grohe Zeugwart beim SCR. Die Spielerklamotten lagern in einem Eisenbahnwaggon im Block D (heutige Feuerstiege). Dort stehen mehrere Waggons, in denen Familien leben.


    Es folgen nun die oben angekündigten "Fundsachen" aus den Jahren 1934 bis 1938, die im Jahr 2020 recherchiert wurden

  • 15.08.1934:
  • Der SC Reckenfeld eröffnet die neue Fußballsaison mit einem Freundschaftsspiel gegen seinen Nachbarverein Borussia Emsdetten. Das Spiel steigt am Samstag, dem 18. August, abends 5.30 Uhr auf der neuen Platzanlage am Potsdamer Platz. Die beiden Gegner haben sich von jeher immer schöne Kämpfe geliefert, so dass auch für Samstag ein interessantes Spiel in Aussicht steht. Am Sonntag, dem 26. August, hat der SC den Kl. f. R. Rotthausen zu Gast. Dieser Gegner verfügt über eine spielstarke Mannschaft.
  • 15.09.1934:
  • Der SC Reckenfeld hat beschlossen, am 16. September sein 5. Stiftungsfest in großem Rahmen zu feiern. Es kommt ein Pokalturnier für alte Herren zur Abwicklung. Zu diesem Termin sind folgende Mannschaften verpflichtet: Sportverein Greven 09, Rot-Weiß Münster, Spielverein Mesum, Reichsbahn-Sp. V. Münster, Post-Sp. V. Münster und TV Jahn-Westfalen Münster. In der Zwischenrunde treffen sich SC Reckenfeld 1. Mannschaft und Reichsbahnsportverein Münster 1. Mannschaft. Der kommende Sonntag wird, wie man sieht, für Reckenfeld zu einem sportlichen Ereignis. Die beiden Pokale, die den Siegern winken, sind im Vereinslokal Rickermann ausgestellt. (Anm.: Zu dieser Zeit war man davon ausgegangen, dass die eigentliche Gründung des SCR im Jahr 1929 stattfand.)
  • 05.07.1935:
  • Die Arbeitsdienstabteilung 6/200 Reckenfeld feierte auf dem Sportplatz des SC Reckenfeld sein Sportfest. Wirkliche Sportleistungen wurden von den Arbeitsmännern vorgeführt. Die Pausen füllte die NSAD-Kapelle Münster durch Märsche und Konzert aus. Den Abschluß bildete ein Kameradschaftsabend mit Tanz in der Kaffeewirtschaft Leihsing.
  • 30.10.1935:
  • Rege Vereinstätigkeit des SC Reckenfeld. Wie in den früheren Jahren, so hat es sich auch in diesem Jahre der SC Reckenfeld zur Aufgabe gemacht, mit einem größeren Herbstfest (Familienfest) vor die Öffentlichkeit zu treten. Ein Festausschuß hat die Vorarbeiten übernommen. Es sollen u. a. die langjährigen Spieler und Anhänger des Vereins für ihre guten Dienste geehrt werden. Alles in allem wird der Verein keine Mühen und Kosten scheuen, und es kann schon heute gesagt werden, daß dieser Abend, der Sonntag, dem 3. November stattfindet, für jeden ein Erlebnis werden wird.
  • 28.11.1935:
  • Aus dem SC Reckenfeld. In der letzten Versammlung wurde beschlossen, das Winterfest am 6. Januar 1936 abzuhalten. Weiter ist es dem Verein gelungen, die spielstarke 1. Mannschaft des Militärsportvereins zu gewinnen. Es wurde bekanntgegeben, dass noch Arbeiten am Sportplatz erledigt werden müssen. Der Versammlungsleiter forderte die Mitglieder auf, sich an den Arbeiten restlos zu beteiligen.
  • 11.02.1936:
  • In der ersten, sehr gut besuchten Jahreshauptversammlung des SC Reckenfeld im neuen Jahre streifte der Vereinsleiter A. Hünteler zunächst in kurzen Zügen die wichtigsten Ereignisse und Höhepunkte des vergangenen Jahres. Nach Verlesung der Tagesordnung, die einstimmig angenommen wurde, wurde das Protokoll durch den Schriftführer Rosofski verlesen. Bei der Wahl des Vereinsleiters wurde das volle Vertrauen dem alten Leiter Hünteler wiedergegeben. Er dankte allen Mitgliedern dafür und betonte u. a., sich selbst restlos für den Verein einzusetzen.

    Seine Mitarbeiter sind: II. Vereinsleiter A. Gahrens; Schriftführer Rosofski; Hauptkassierer Grobe; Ballwart Grabowski (sen.); Platzwart A. Gahrens, ferner drei Gebrüder Borkenhagen; Werberat A. Meer; Waschwart Grobe; Platzkassierer Hoock, Schniederjann; Spielobmann Krispin; Beisitzer Rosofski, Grobe und die Spielführer der Mannschaften.

    Zum Schüler- und Jugendwart wurde Lehrer Kleine-Döpken bestimmt. Nachdem der Kassierer den Kassenbericht erstattet hatte, wurde ihm lobende Anerkennung und Entlastung erteilt. Am ersten Samstag im Juni soll ein großes Pokalturnier abgehalten und zugleich das neue Stadion eingeweiht werden. Der Gesangverein "Liedertafel" nimmt an der Feier teil. Die Spiele der 1. Mannschaft waren im vorigen Jahre als sehr gut zu bezeichnen, wogegen die Reserve- und Jugendmannschaft sehr schlecht abschnitten. Mit dem Vereinslied und einem dreifachen Sieg-Heil nahm die gutbesuchte Versammlung ihr Ende.

  • 24.03.1936:
  • Vom Sportbund Reckenfeld. Wie in jedem Jahr, so hat es sich auch in diesem Jahre der SC Reckenfeld zur Aufgabe gemacht, an beiden Ostertagen mit einem Frühlingsfest an die Öffentlichkeit zu treten. Am ersten Ostertage läuft um 8 Uhr abends der Fußballgast Witten-Ruhr ein. Anschließend ist das Familienfest. Da die Spieler der ersten Mannschaft besonders geehrt werden, darf niemand fehlen. Am zweiten Ostertage kommt das Spiel zwischen SC Reckenfeld und Ruhrtal-Witten zustande. Gegen Abend findet im Vereinslokal (Deutsches Haus) das Hauptfest statt.
  • 12.04.1936:
  • SC Reckenfeld vs. Tus Ruhrtal-Witten. Jedes Jahr um diese Zeit empfangen die Clubleute eine Mannschaft aus dem Kohlenpott. Das Spiel findet am zweiten Ostertage statt. Da der neue Sportplatz noch nicht fertig ist, ist es der Vereinsleitung gelungen, das Emsdettener Stadion für das Spiel zu gewinnen. Da es ein spannendes Spiel gibt und die Reckenfelder Mannschaft komplett ist, wird wohl kein Sportsmann dieses Spiel versäumen. Folgende Elf nimmt den Kampf auf: Fritz Jerzinowski - Schmücker - Albert Jerzinowski - A. Janotta - Krispin - Hellemann - Richter - Walter - Paul Janotta - Rosowski - Hemker.
  • 20.08.1936:
  • Sieben Jahre Sportklub Reckenfeld. Die Gartenstadt Reckenfeld steht am Sonntag im Zeichen eines großen Wimpelturniers, und damit eröffnet der Sportklub seine diesjährige Fußballsaison. Seit der Gründung des Vereins wird der Wunsch gehegt, sich der Jugend zu widmen. Zu diesem Turnier ist es dem Sportklub gelungen, namhafte Gegner wie Ballspielverein Rheine, VfL Telgte, Spielverein Emsdetten, SC Nord-walde, SC Reckenfeld zu verpflichten. Diese 1a-Jugend-mannschaften bürgen für guten Sport. Der Sportklub Reckenfeld hat es sich nicht nehmen lassen, zwei wertvolle Wimpel für die beiden ersten Sieger zur Verfügung zu stellen. Nach Schluss des Turniers feiert der SC Reckenfeld sein 7. Stiftungsfest in den Lokalitäten des Vereinswirtes H. Brinkmeyer, verbunden mit einem großen Kameradschaftsabend, an dem auch die Tanzlustigen zu Worte kommen. Da der Reinertrag für die Sportanlage bestimmt ist, laden wir alle Interessenten ein.
  • 28.08.1936
  • Fußball-Jugendturnier in Reckenfeld. BV Rheine Turniersieger vor SC Reckenfeld. Am Sonntag fand in Reckenfeld ein Jugendturnier statt, bei dem es sehr interessante Kämpfe gab. Im ersten Spiel standen sich BV Rheine und Spielverein Emsdetten gegenüber. Die Rheiner Jungen waren klar besser und landeten einen verdienten 3:0-Sieg. Als überaus gleichwertig erwiesen sich die Jugendmannschaften von SC Greven und SC Nordwalde. Nach der regulären Spielzeit hieß es 1:1 und an diesem Stand wurde auch in der Verlängerung nichts mehr geändert. Beide Mannschaften nahmen dann an der zweiten Runde teil. Der Gastgeber Reckenfeld konnte dann im nächsten Spiel gegen VfL Telgte einen knappen Sieg erringen. Bis zur Pause ging Reckenfeld 1:0 in Führung.

    Nach dem Wechsel glichen die Telgter aus, mußten sich aber kurz vor Schluß den Siegestreffer der Reckenfelder aufbrummen lassen. In einem Zwischenspiel unterlagen Reckenfelds Schüler gegen die von Emsdetten mit 2:0. In der zweiten Runde setzten sich aber doch die besseren Rheinenser durch und erzielten zwei schöne Tore, während Greven leer ausging. BV Rheine kam durch den Sieg ins Endspiel. SC Reckenfeld kam dann über Nordwalde ins Endspiel. Bis zur Pause hieß es erst 1:0 für Reckenfeld. Dann drehten die Reckenfelder mächtig auf und erzielten in regelmäßigen Abständen noch vier Tore, während es für Nordwalde nur zum Ehrentor langte.

    Das Endspiel gegen Reckenfeld gewann dann BV Rheine ziemlich sicher mit 4:1. Bei der Pause stand die Partie bereits 2:0 für die Rheinenser, die unstreitig die beste Mannschaft des Turniers waren. Die Siegerehrung fand am Abend im "Deutschen Haus" statt. Der Vereinsführer des SC Reckenfeld, Hünteler, wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung der körperlichen Ertüchtigung der deutschen Jugend hin und überreichte dann der Mannschaft von BV Rheine den Siegerwimpel. Den zweiten Wimpel bekam die Jugend von Reckenfeld, die überraschende Leistungen an den Tag legte. In froher Kameradschaft verlebten die Jungen noch recht vergnügte Stunden.

  • 10.02.1937:
  • Frohe Stunden bei der SA Reckenfeld, Sturm 13/13. Die Kameraden der SA hatten sich am Samstag im festlich geschmückten Rickermannschen Saale zu einem Kameradschaftsabend eingefunden. Recht zahlreich waren die Grevener SA, die Kriegerkameradschaft Reckenfeld und die Mitglieder des SC Reckenfeld erschienen. Schon zu Beginn des Festabends herrschte eine schöne Stimmung. Besonders war dieser Kameradschaftsabend den erschienenen Gästen willkommen, da auch sie einmal teilhaben konnten an den frohen Stunden der SA. Nach dem Einmarsch der SA begrüßte der Truppführer alle Erschienen aufs herzlichste. Ein Theaterstück, vorgeführt von einigen Jungmädeln, erntete großen Beifall. Den Höhepunkt erreichte der Gesang zweier Mädel. Der SA-Trupp sorgte auch für helle Lachsalven, so im Boxkampf und beim Auftreten der Humoristen. Eifrig wurde nach den Klängen schneidiger Musik das Tanzbein geschwungen. Spät war es, als die letzten Teilnehmer den Heimweg antraten. Dieser Kameradschaftsabend schloß sich den früheren Veranstaltungen der SA würdig an.
  • 17.02.1937
  • Der SC Reckenfeld hatte die Mitglieder am Sonntag zu einer wichtigen Versammlung zusammengerufen. Der Besuch war nur gering. Der Vereinsführer Hünteler gab die näheren Geschehnisse bekannt. Eine neue Fußballgarnitur wurde angeschafft. Am Sonntag wird die erste Elf die neue Garnitur zum ersten Male anziehen. An der Heldengedenkfeier am Sonntag, dem 21. Februar, nehmen die Mitglieder geschlossen teil. Der Treffpunkt ist morgens 11 Uhr im Vereinslokal
  • 24.03.1937
  • Versammlung des SC Reckenfeld. Am Sonntagmorgen fanden sich die Mitglieder des SC Reckenfeld zu einer Versammlung bei Brinkmeyer ein. Der Spielobmann berichtete über die letzten Erfolge des Vereins. Als letztes Spiel steigt der Kampf gegen den Tabellenführer Postsportverein Münster, der jedoch für die Reckenfelder nicht ohne jede Gewinnaussicht ist. Mit dem Vereinswirt wurden dann die Schaffung besserer Wasch- und Umkleideräume besprochen und beschlossen. Am Ostermontag feiert der Verein sein traditionelles Frühlingsfest im Deutschen Haus. Nachmittags ist Fortuna Wadelheim zu Gast. Der Kameradschaftsabend wird am 4. April gefeiert. Es wird erwartet, daß auch die Eltern der Spieler und alle Freunde und Gönner des Vereins teilnehmen. Für das diesjährige Pokalturnier am 13. Juni wurden bereits umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Folgende Vereine nehmen an dem Pokalturnier teil: SC Uppenberg, Fortuna Wadelheim, Preußen Rheine und Germania Münster. Für das Werbespiel gegen den SC Reckenfeld wurde BV Rheine gewonnen. Der monatliche Beitrag wurde sodann auf 50 Pfg. festgesetzt. Nach Besprechung kleinerer Vereinsangelegenheiten fand die Versammlung ihren Abschluß.
  • 31.03.1937
  • Frühlingsfest des SC Reckenfeld. Der SC Reckenfeld veranstaltete am Ostermontag im festlich geschmückten Saale Brinkmeyer seine traditionelle Frühlingsfeier. Die Mitglieder mit ihren Angehörigen und die Freunde und Gönner des Vereins hatten sich sehr zahlreich eingefunden, so daß bald eine prächtige Stimmung herrschte. Fröhlichkeit und Tanz waren die Leitworte des Festes und in diesem Sinne verlebten alle Teilnehmer einen schönen Abend.
  • 31.03.1937
  • SC Reckenfeld - Fortuna Wadelheim 7:2 (2:1). Die körperlich überlegenen Wadelheimer Fortunen mußten sich am zweiten Ostertag der technisch besseren Mannschaft des SC Reckenfeld beugen und eine deutliche Niederlage in Kauf nehmen. Die Gäste begannen mit großem Eifer und versuchten die Platzherren zu überrumpeln. Sie gingen auch durch ihren Halblinken in Führung, hatten dann aber bald ihr Pulver verschossen. Reckenfelds Rechtsaußen sorgte für den Ausgleich und bis zur Pause brachte der Halbrechte die Platzherren noch 2: 1 in Führung. Im zweiten Spielabschnitt war die Torausbeute sehr reich. Die Reckenfelder Stürmer trafen noch fünfmal ins Schwarze und die Platzherren waren tatsächlich klar überlegen. Lediglich durch das leichtsinnige Spiel der Hintermannschaft der Reckenfelder waren auch die Wadelheimer noch erfolgreich. Die Verteidigung der Reckenfelder rückte stets viel zu weit auf und so konnten die schnellen Außenstürmer der Gäste immer wieder durchbrechen und auch noch drei Gegentore erzielen. SC Reckenfeld 2 - Fortuna Wadelheim 2 1:1 (1:0).
  • 31.03.1937
  • Kameradschaftsabend des SC Reckenfeld. Einen Kameradschaftsabend veranstaltet am Sonntag, den 4. April, 19 Uhr, im Vereinslokale Brinkmeyer der SC Reckenfeld. An diesem Abend können die Eltern der Mitglieder und die Gönner des Vereins teilnehmen. Es soll zum Ausdruck kommen, wie gut das Einvernehmen zwischen den Sportklubspielern und den Angehörigen ist. Ernste und heitere Vorträge werden gute Unterhaltung bringen.
  • 25.08.1937:
  • Der Sportklub Reckenfeld wählte in seiner letzten Versammlung zum neuen Vereinsführer den Sportkameraden August Gahrens, der seine Mitarbeiter ernannte: Geschäftsführer Ernst Deitmar, Kassierer Leyhe, Spielobmann Grobe. Der neue Vereinsführer ermahnte jeden Sportkameraden zur treuen Pflichterfüllung, die er dem deutschen Sport schuldig ist. Es wurde festgelegt, in nächster Zeit einen Kameradschaftsabend abzuhalten. Dann wurde noch über die Meisterspiele gesprochen. Es ist erfreulich, daß in diesem Jahr zwei Reserve-Mannschaften von Münster hier spielen werden. Weiter ermahnte der neue Vereinsführer jeden Sportkameraden zur Ordnung und Disziplin auf dem Sportfeld. Nach dem Absingen des Vereinsliedes und einem dreifachen Sieg-Heil auf Führer, Volk und Vaterland wurde die Versammlung geschlossen.

    Neue Namen! statt SC Reckenfeld

  • 07.09.1937:
  • Rasensport Reckenfeld - Hebung des Sportlebens. Im Vereinslokal "Deutsches Haus" fand eine Vorstandssitzung statt. In seiner Ansprache wies der Vereinsführer Aug. Gahrens auf die unhaltbaren Zustände im Reckenfelder Sportleben hin. Hier müsse, so betonte er, Wandel geschaffen und im nationalsozialistischem Sinne gearbeitet werden. Diese eindeutigen Ausführungen ließen keinen Zweifel offen. Damit der Verein die erforderliche Achtung in der Gemeinde genießt, wurde beschlossen, den Verein zielbewußt von Grund auf neu aufzubauen. Zu diesem Zwecke fand der Vorschlag, eine Namensänderung vorzunehmen, einstimmige Annahme. So führt der Sportklub ab sofort den Namen "Rasensport Reckenfeld". Auch die Leichtathletik soll mehr als bisher zu ihrem Recht kommen. Die Meisterschaftsspiele beginnen am 12. September. Da die ewigen Nörgler und Quer-treiber aus den Mannschaften entfernt sind, besteht die Gewißheit, daß die Reckenfelder Farben gebührend auf dem Rasen vertreten sein werden.
  • 15.11.1937:
  • Vom Rasensport Reckenfeld. Am gestrigen Sonntag fiel das angesetzte Meisterschaftsspiel gegen Sp. Uppenberg aus, weil Rasensport nicht vollzählig antrat und somit 2 Punkte verschenkt wurden. Es ist bedauerlich, dass in letzter Zeit das Interesse der Spieler nachläßt, trotzdem der Vereinsführer in selbstloser Weise schafft, um den Vereinsbetrieb aufrecht zu halten, darum bittet er an dieser Stelle seine Mitarbeiter, ihn doch tatkräftiger zu unterstützen.
  • 22.11.1937:
  • Vom Sportverein. Auf Vorschlag des Vereinsführers wurde der spielleitenden Stelle in Münster mitgeteilt, dass der Rasensport Reckenfeld gezwungen ist, seine Mannschaft von der Teilnahme an den weiteren Meisterschaftsspielen zurückzuziehen. Der Grund hierzu ist der Mangel an geeigneten Spielern. Im Interesse des Reckenfelder Sports ist der Grund zu diesem Schritt ein sehr bedauerlicher. Trotzdem der Vereinsführer Gahrens in treuer und selbstloser Weise nichts unversucht ließ, eine spielstarke Mannschaft zu erhalten, scheiterten diese Versuche wegen Mangels an Spielermaterial und an der wenig aktiven Betätigung seiner Mitarbeiter.
  • 16.03.1938:
  • Erfreulicher Auftrieb im heimischen Sportleben. Um den Reckenfelder Sport war es im letzten Halbjahr ruhig und ruhiger geworden. Während in vielen Orten Mangel an guten Sportplätzen herrscht, war hier die seltene Tatsache zu verzeichnen, daß ein prächtiger Sportplatz ohne Sporttreibende besteht. Zugegeben, daß zeitweise durch den Arbeits- und Wehrdienst mehr oder weniger Lücken in den Reihen der Sportler entstanden, mußten andere Wege beschritten werden, um auch hier dem Sportgedanken den erwünschten Aufrieb zu geben. So ist es zu begrüßen, daß der Geschäftsführer des früheren Rasensportvereins, E. Deitmar, hier eingriff und sämtliche Sportler Reckenfelds zu einem Generalappell nach Rickermann berief.
  • Dieser Einladung wurde erfreulicherweise sehr zahlreich Folge geleistet. Dass auch die Partei berechtigtes Interesse an der Ausübung gesunden Sports hat, wurde durch die Anwesenheit des Ortsgruppenleiters der NSDAP Peters unterstrichen. Letzterer brachte dieses in seiner Ansprache zum Ausdruck; er versprach seine vollste Unterstützung, sobald er positive Arbeit feststellen könne.
  • In der folgenden Aussprache wurde die Frage aufgeworfen, ob der Verein den alten Namen beibehalten solle, oder eine vollständige Neugründung vorzunehmen sei. Der frühere Vereinsführer, Gahrens, dem an dieser Stelle nochmals für seine frühere Arbeit beim Rasensportverein gedankt werden solle, legte die Frage eindeutig klar. Aus verständlichen Gründen wurde die Neugründung abgelehnt, der Verein trägt lediglich ab sofort den Namen Sportvereinigung 1929.
  • Die Wahl erbrachte in Josef Lüttecke den neuen Vereinsführer. Er nahm die Wahl an und forderte von allen Sportlern, den Sport stets im Sinne des Führers durchzuführen.
  • Hierzu gehört in erster Linie ein sportliches Verhalten inner- wie außerhalb des Vereins. Zu Mitarbeitern wurden bestimmt: zum Kassierer Fritz Seel, Geschäftsführer E. Deitmar, Spielobmann Grabowski, Jugendobmann Hünnekens, Ballwart A. Gahrens. Den Spielführer wählten die Mannschaften unter sich. Blockkassierer sind für A: Gahrens, B: Legro, C: Benning und D: Jagenowski. Als Vereinslokal wurde Rickermann einstimmig gewählt. Der anwesende Ortswalter der DAF versprach ebenfalls seine vollste Unterstützung in jeder Hinsicht. In dem nachfolgenden Schlußwort dankte Pg. Deitmar nochmals allen, die zu diesem Erfolg mitgeholfen haben.
  • 19.04.1938:
  • Generalversammlung der Sportler. Am Ostertag trafen sich die Mitglieder der Sportvereinigung 1929 im Vereinslokal Rickermann am Bahnhof zu einer Generalversammlung. Der Vereinsführer Josef Lüttecke eröffnete diese und begrüßte die zahlreich erschienenen Sportsfreunde. Dann folgte die Erledigung der recht umfangreichen Tagesordnung. Zunächst verlas der Geschäftsführer Ernst Deitmar das Protokoll des 13. März, an diesem Tage wurde die Neuorganisation des Vereins durchgeführt. Der Bericht ist dahingehend ergänzt worden, dass als Jugendobmann Karl Fischer und dieser mit Hubert Todemann als Schiedsrichter bestimmt wurden. Der Geschäftsführer Deitmar. gab dann Sinn und Zweck der vom Reichssportführer veranstalteten Lotterie bekannt, die vorhandenen Lose wurden restlos abgesetzt.
  • Der Schriftführer Willi Bosse gab dann den Stand der Verhandlungen mit auswärtigen Vereinen bekannt, zur Zeit sind diese stark mit den Meisterschaftsspielen beschäftigt.
  • Als Kassenführer haben nunmehr vierteljährlich die Kameraden Karl Fischer und August Fehr ihres Amtes zu walten. Als Unterkassierer für den Ortsteil C wurde Hubert Zumdick bestimmt. Die wöchentlichen Trainingsabende wurden auf Dienstag und Freitag festgesetzt. Da recht viel Interesse für Leichtathletik vorhanden ist, soll nunmehr eine Abteilung dieses Sportzweiges gegründet werden. Der Vereinsführer gab dann noch bekannt, dass zur ordnungsmäßigen Führung des Vereins auch die peinliche Erledigung der geldlichen Verpflichtung gehört. Er bat daher die Mitglieder für regelmäßige Zahlung der Beiträge besorgt zu sein.
  • 21.08.1938
  • Auch im Lager der Fußballer wird es nun lebendig. Während die erste Mannschaft der Sportvereinigung am vergangenen Sonntag als Auftakt der Fußballserie am Pokalturnier teilnahm, findet am heutigen Sonntag, um 17 Uhr, beim Vereinswirt Rickermann am Bahnhof eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Der Vereinsführer erwartet, wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung das Erscheinen sämtlicher Sportskameraden.
  • 28.08.1938
  • Ein gutes Training für die im nächsten Monat beginnenden Meisterschaftsspiele bildet zweifellos das am Sonntag auf dem Sportplatz bei Leising ausgetragene Freundschaftsspiel der Sportvereinigung gegen Schwarz-Weiß-Esch. Beginn des Spieles 15 Uhr, vor 14 Uhr spielen die ersten Jugendmannschaften beider Vereine. Es wäre wünschenswert, wenn die Reckenfelder ihre Verbundenheit mit dem gesunden Sport durch recht zahlreiches Erscheinen zum Ausdruck brächten.
  • 19.09.1938
  • Im Sportleben steigt am heutigen Sonntag das zweite Meisterschaftsspiel unserer Sportvereinigung gegen Drensteinfurt. Anstoß 15.30 Uhr. Hoffen und wünschen wir die ersten Punkte für Reckenfeld. Die Bevölkerung tut gut, die guten Bestrebungen des Vereins durch zahlreichen Besuch zu unterstützen.
  • 29.10.1938
  • Im weiteren Verlauf der Meisterschaftsspiele tritt die Sportvereinigung am heutigen Sonntag den Weg nach Westfalia Kinderhaus an. Da Westfalia ein nicht zu unterschätzender Gegner ist, werden die Reckenfelder einen schweren Stand haben.
  • 23.11.1938
  • Die Sportvereinigung nimmt den Turnbetrieb auf. Aus besonderen Gründen musste die für Buß- und Bettag angesetzte Besprechung der Sportvereinigung zwecks Zusammenstellung einer Geräteturnabteilung ausfallen. Zum gleichen Zweck fand jetzt die Versammlung im Vereinslokal statt. Vom Standpunkt der sportlichen Ertüchtigung unserer Jugend aus ist das Vorgehen der Vereinsführung zu begrüßen und es besteht der berechtigte Wunsch, daß sich recht zahlreiche Turnfreunde im Interesse dieses schönen Sportzweiges melden. Es konnte der Vereinsführer Pg. Joseph Lüttecke erfreulicherweise recht zahlreiche Sportler begrüßen. Er gab bekannt, daß es der Vereinsführung gelungen ist, als Anfang einen Barren und Pferd zu beschaffen. Diese Geräte treffen bereits heute ein, so daß der Turnbetrieb sofort aufgenommen werden kann.

    Hierauf meldeten sich besonders Jugendliche, die der Geräteturnabteilung beitraten. Als Jungobmann und vorläufiger Turnleiter wurde der Sportkamerad Willi Bosse bestimmt. Die Turnstunden finden regelmäßig jeden Mittwochabend im Vereinslokal Rickermann statt. Hier können sich auch weitere Sportfreunde zur Teilnahme melden. 3 Neuaufnahmen konnte der Verein wiederum buchen. Dann gab der Vereinsführer noch bekannt, daß die Trainingsstunden der Fußballmannschaften in den Wintermonaten ausgesetzt werden. Lediglich an spielfreien Sonntagen sollen die Mannschaften trainieren. Als Platzwart wurde der Sportkamerad Fritz Wiethaus, zu seinen Helfern Lindenau und Fritz Lüttecke bestellt. Nach Erledigung weiterer Vereinsangelegenheiten wurde diese Versammlung im Gedenken an den Führer geschlossen.

  • 02.12.1938
  • In der Reihe der Meisterschaftsspiele der Sportvereinigung fährt diese am heutigen Sonntag nach Münster, um gegen die dortige Germania ihr Können unter Beweis zu stellen. Bei etwas Glück dürfte Reckenfeld zu den weiteren Punkten gelangen. Abfahrt 12.30 Uhr ab hier.
  • 03.12.1938
  • Die Sportvereinigung trat den Weg nach Münster an, um gegen die dortige Germania zum Meisterschaftsspiel anzutreten. Das Spielerglück, welches wir der Sportvereinigung wünschten, hatte sich auch eingestellt. Den Reckenfeldern gelang es, Germania mit 4:2 zu schlagen. Mit diesen Punkten rückten sie eine weitere Stelle in der Tabelle auf. Der Spielverlauf erbrachte schon in der ersten Halbzeit die unbedingte Führung der Spielvereinigung. Das gute Zusammenspiel löste die ersten zwei Tore aus. Kurz vor dem Seitenwechsel kann Germania ebenfalls ein Tor einsenden. Mit 2:1 ging es in die zweite Spielhälfte. Reckenfeld will siegen, und es gelingt, zwei weitere Tore zu buchen. Gegen Spielschluß kann Germania noch einmal einsenden. Der Sieg ist der Spielvereinigung nicht mehr zu nehmen, und mit dem eindeutigen Ergebnis 4:2 für Reckenfeld trennt der Schiedsrichter. Jeder Spieler tat vollauf seine Pflicht. Hervorstechende Leistungen zeigte der Mittelläufer der Sportvereinigung. Um bei den hier ausgetragenen Spielen der Mannschaft die moralische Rückendeckung zu geben, wird die Bevölkerung gebeten, sich zahlreich einzufinden, um auch andererseits die Verbundenheit mit den Sportlern zum Ausdruck zu bringen. Zum Spiel am kommenden Sonntag gegen Tus Albersloh bietet sich schon die nächste Gelegenheit hierzu.
  • 22.12.1938
  • Im Sportbetrieb steigt am heutigen Sonntag das Meisterschaftsspiel der Sportvereinigung gegen den BV Drensteinfurt auf dem Sportplatz bei Leising. Den Reckenfeldern wird es schwer fallen, diesen Gegner zu besiegen. In der letzten Zeit überraschte die Sportvereinigung in dieser Hinsicht, vielleicht ist heute wieder das Glück bei ihnen. Es wäre ein glänzender Abschluß des alten Jahres.

    Der Zweite Weltkrieg (1939-1945)

    Willi Bosse arbeitet bei der Reichsbahn in Reckenfeld, und wenn er sieht, wer von den jungen Männern Heimaturlaub erhalten hat, verpflichtet er diese Jungs zum Fuballspiel:1 "Uns fehlt für morgen noch einer, spielst Du mit?" "Ja", ist meist die Antwort. Und das klappt dann auch, denn ein bisschen Abwechslung gegenüber dem Kommiss tut gut.

    Mit Fahrrädern oder zu Fuß findet die Anreise statt. Gegner sind Borussia Emsdetten, Reichsbahn Münster, Münster 08, Westbevern und Roxel. Es werden auch Meisterschaftsspiele (1940/1941) ausgetragen.

    Die A-Fußball-Jugend, von Willi Bosse betreut, wird Bann-Meister. Alle Bann-Meistermannschaften spielen um die Gau-Meisterschaft. Die Reckenfelder A-Jugend tritt gegen Schalke, Hamm und Warendorf an und gewinnt alle drei Spiele. Gespielt wird bei den Preußen in Münster. Als sieben Spieler zum Militär eingezogen werden, können keine Begegnungen mehr stattfinden.

    Willi Bosse besorgt als Reichsbahn-Bediensteter verbilligte Gruppenkarten. Die jungen Spieler drücken auch etwas Taschengeld ab. Ob das Geld reicht? "Egal, hin und zurück sind wir alle gekommen. Vielleicht sind einige auch schwarz gefahren? Wer weiß!" Heimspiele der Fußballer zu dieser Zeit finden auf dem Sportplatz bei Leihsing statt.

    Die Trikots der A-Jugend werden von der Reckenfelder Metzgerei Jürgens und der Firma Schlick gespendet. Die Fußballspiele beginnen sonntags morgens. Oft erfahren die Eltern/Mütter erst später davon, da ihre Jungs zum Fußballspielen unterwegs sind.

    Wie überall, so kommt auch im Sportclub Reckenfeld während des Krieges der Spielbetrieb der Seniorenmannschaften langsam aber sicher zum Erliegen. 1943 und 1944 bilden die Grevener und die Reckenfelder Fußball-Jugend zusammen eine Mannschaft. Schiedsrichter und zugleich Betreuer von Greven 09 ist Willi Heine.

    Der Krieg bis 1945 reißt große Lücken in das noch recht junge Geschehen des SCR. Viele der jungen Männer kehren nicht mehr zurück ... Die Fußball-A-Jugendmannschaft 1941 mit dem Hakenkreuz auf den Trikots.

    1946

    Der Sportplatz an der evangelischen Schule wird von vielen hergerichtet - urbar gemacht. Ein Waldstück muss gerodet werden. Mit dem Pferd Mieze vom Bürgermeister Heimsath und einem Waldteufel werden die Baumstumpen herausgedreht oder die Wurzeln werden mit Gerten und per Hand herausgeholt. Da kommt es auch schon mal vor, da ein Spaten abbricht. August Jerzinowskis Pferd löst bei größeren Baumstumpen das Heimsathsche Pferd ab, weil es kräftiger gebaut ist.

    Die meiste Arbeit machen sich die Jerzinowskis. August Jerzinowski hat Pferd und Wagen, und damit kann Sand zum Planieren herangefahren werden. Der Sand wird mit einer Lore, die auf Schienen läuft, weitertransportiert. Der Platz kann anschließend planiert werden. Zur Erledigung der Arbeiten kommen nach Feierabend die Spieler, und für die älteren Kinder gibt es gelegentlich schulfrei.

    Später wird der Sportplatz eingezäunt. Die Spieler steigen über den Zaun, die Kinder kriechen unten durch, was nicht ungefährlich ist. Auf dem fertigen Sportplatz treffen sich auch die Kinder, die mit dem Fußball spielen wollen. Und August Jerzinowski zeigt ihnen, wie man mit dem Ball und Gegner umgehen muss. Die finanzielle Lage des Reckenfelder Sportclubs ist in den ersten Nachkriegsjahren äußerst schlecht. Nicht nur, da keine Fußballkluft gekauft werden kann, auch zum Transport reicht es nicht vorn und nicht hinten. Und dennoch, für die Jugendspieler gibt es hin und wieder - egal, ob gewonnen oder verloren - wenigstens eine Regina (Getränk).

    Fußball-Herren: Die Westfälischen Nachrichten (WN) in ihrer Ausgabe vom 28. August 1946 (auszugsweise): "Der neue Aufbau des Sports - Interessante Zahlen aus dem Fußball - Mit frischem Mut ans Werk", so die Überschrift des Artikels. Und weiter: "Wie Sportkamerad vom Zonenfußballfachausschuss ausführte, wird die augenblickliche Situation im Sport durch die letzte Verfügung der Militärregierung bestimmt. Es komme jetzt darauf an, da der Spielbetrieb nicht zum Erliegen komme. Der Neuaufbau des Sports müsse von unten herauf auf demokratischer Grundlage gewährleistet werden

    Das erste Spiel nach dem Krieg, das die Reckenfelder Fußballer austragen, ist gegen Nordwalde. Dort verlieren die SCR-Fußballer mit 0:15 Toren.

    Bei der Einweihung des soeben fertiggestellten Sandsportplatzes haben die Reckenfelder erneut die Nordwalder vor den Stiefeln. Die SCR-Mannschaft dreht den Spie nun um, und gewinnt ebenfalls mit 15:0 Toren.

    Einige Polen treten in den SCR ein und spielen für den Reckenfelder Sportclub. Durch den Eintritt können sie an offiziellen Meisterschaften teilnehmen. "Die Polen, die in Reckenfeld das Sagen hatten, bestimmten, da die jungen polnischen Fußballspieler anzumelden sind und in der deutschen Mannschaft zu spielen haben. Die Polen waren sämtlich gute Fußballspieler. Zwischen den deutschen und polnischen Spielern entwickelte sich eine sehr gute Kameradschaft. Die polnischen Spieler hatten inzwischen die deutsche Sprache erlernt." Die Polen haben auch eine eigene Mannschaft; so spielen Polen gegen Polen.

    Namen polnischer Spieler: Jurek, Bolek und Mermer (Verteidiger), Ernst Smolarski (Torwart), Kowalski. Die Polen haben auch einen eigenen Sportplatz an der Bahnhofstraße - hinter dem Haus Dilla. Auf diesem Platz hat die 1. Mannschaft gegen eine Polenauswahl gespielt und haushoch verloren. Zur Strafe müssen die SCR-Spieler aus größeren Behältnissen Schnaps konsumieren, in größeren Mengen, versteht sich. (Anmerkung: Ab Mai 1945 werden in Reckenfeld für ca. fünf Jahre die Bahnhofstraße, die Blöcke A und B sowie weitere größere Gebäude durch polnische DPs (Displaced Persons) besetzt. Trotz dieser katastrophalen Jahre für die Reckenfelder Bevölkerung wurden zwischenmenschliche Beziehungen auf- und ausgebaut. Das Vereinsleben regte sich bereits 1946/47. So auch beim Sportclub Reckenfeld.)

    Der Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga scheitert nur daran, da das notwendig gewordene Entscheidungsspiel mit 1:2 gegen Reichsbahn Münster verlorengeht. Die Reckenfelder Mannschaft wird durch mehrere Polen und durch Jupp Lech verstärkt. Die Spieler tragen selbstgenähte Trikots mit einem SCR-Emblem. Der Stoff wird von den Grevener Textilfirmen Schründer und Cramer besorgt. Arthur Krispin macht per Siegel im Amt Greven aus Polen Deutsche, für ein Spiel gegen Westbevern. Die Westbeverner staunen nicht schlecht, als der SCR nur mit deutschen Spielern antritt. (Es durfte nur eine begrenzte Anzahl von Ausländern spielen).

    1947

    Fußball-Herren: Immer mehr Männer kehren aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Und wer Lust hat, Fußball zu spielen, wird gerne aufgenommen. "Wir haben schon wieder einen dazubekommen", ist dann der Ausspruch. Beide Mannschaften treten fast immer komplett mit elf Spielern an. Wenn es sein muss, werden Spieler auch sonntags von der Arbeit abgeholt.

    Anfang Januar 1947 liegt der SCR nach fünf Spielen an drittletzter Stelle in der Tabelle. Drei Spiele verloren, eins gewonnen und eins unentschieden gespielt.

    Von Ende Januar 1947 bis zum Monat Mai 1947 finden u.a. Spiele mit folgenden Ergebnissen statt:

    • WN vom 23.1.47:
    • SC Reckenfeld 1 - Ems Westbevern 1 1:1
    • WN vom 23.1.47:
    • SC Reckenfeld 2 - Ems Westbevern 2 2:1
    • WN vom 29.1.47:
    • Falke Saerbeck 2 - SC Reckenfeld 2 3:1
    • WN vom 29.1.47:
    • Falke Saerbeck 1 - SC Reckenfeld 1 3:6
    • WN vom 26.3.47:
    • SC Reckenfeld 1 - Münster 08 1 4:1
    • WN vom 26.3.47:
    • SC Reckenfeld 2 - Münster 08 2 1:1
    • WN vom 23.4.47:
    • SC Reckenfeld 1 - VfR Münster * 4:2
    • WN vom 23.4.47:
    • SC Reckenfeld 1 - Falke Saerbeck 5:3
    • WN vom 7.5.47:
    • SC Reckenfeld 2 - Falke Saerbeck 3:3
    • * Der VfR Münster ist zu dieser Zeit Tabellenführer.

    Die WN vom 31. Mai 1947: "Fußballpokalturnier in Reckenfeld": Das Fußballpokalturnier des SC Reckenfeld aus Anlass des Vereinsjubiläums gestaltete sich zu einem vollen sportlichen Erfolge. Im Endspiel wurde Uppenberg Münster von Emsdetten mit 7:0 abgefertigt. SC Reckenfeld verlor gegen Rasensport Rheine im Freundschaftsspiel knapp mit 2:3 Toren. Ibbenbüren 1 schlug den FC Falke Saerbeck mit 3:0." (Anmerkung: Hier könnte es sich um die Sportplatzeinweihung an der evangelischen Schule handeln.)

    Zu dieser Zeit - die ersten Jahre nach dem 2. Weltkrieg - finden Fahrten zu anderen Vereinen mit englischen Militärfahrzeugen statt. Der Grund: Das Besorgen eines Busses und noch viel mehr die Bezahlung eines solchen Gefährts, wird allgemein als Fata Morgana bezeichnet.

    Die Genehmigungen für Militärfahrzeuge werden beim englischen Kommandanten eingeholt. Als für eine Fahrt vergessen wird, die Genehmigung einzuholen, findet unglücklicherweise auch eine Kontrolle statt. Alle Aufsitzenden müssen zu Fuß weiter. Darüber ist der Spieler Gilles so verärgert, da er seine Fußballtreter in die Ems wirft - auf Nimmerwiedersehn! Fahrer dieser Militärtransporte ist Heinz Termöllen. Horst Schulz hilft mit, wenn es um organisatorische Probleme geht.

    Ein weiteres Ereignis aus dieser Zeit. Mit Willi Czekalla werden die Spieler auch mit einem offenen Lkw befördert. Ein behelfsmäßig befestigtes Lenkrad hätte bald den Sturz mit Mann und Maus in die Ems verursacht. Und wie wird der Lkw angetrieben? Auf der Ladefläche steht hinter dem Fahrerhaus ein Ofen, in dem Kalmuck (Abfall aus Lumpen) verbrannt wird, dessen Gase die Beförderung immer garantieren oder auch nicht.

    Handball: Nach einem Liedheft - datiert vom 8. November 1947 - gibt es 1947 je eine Damen- und eine Herren-Handballmannschaft. In dem o.a. Heft sind folgende Herren erwähnt: B. Verhülsdonk - Walter Riemer -Eckehard Maaß - Hans Smolnikar - Rautenberg - Manfred Ernst - Franz-Josef ? - Anton Thünemann - Ewald Thünemann - Wolfgang Schulz (Torwart) - Hubert Koster - Otto Hesse - Werner Buschhaus - Heinrich Falkenreck - Detlef Dyttko - Rudolf Dyttko - Gerd Getta (Torwart) - Joachim Richter - Heinz Applabeck- Fritz Bialon. Beim ersten Spiel gegen Emsdetten wirft der leichtfüßige Joachim Richter das erste und einzige Tor für den SCR. Reckenfeld verliert 1:12.

    Die Damenmannschaft besteht aus folgenden Spielerinnen: Adelheid Henke (Torfrau) - Hannelore Thiel - Editha Kitzmann (Spielführerin) Lina Hock - Else Hock - Irmgard Jendroska - Lotte Kutsch - Inge Stäblein - Marianne Eixler -Gisela Maaß - Maria (Mieze) Dames - Ilse Jerzinowski - (Anmerkung: Diese Riege spielt von 1947-1950. Nach und nach heiraten die jungen Damen, bis dann 1950 sich die Mannschaft mangels Masse auflöst.)

    Gespielt wird Feld-Handball. Gegnerische Mannschaften sind u.a. Reichsbahn Münster, Münster 08, Germania Münster, Hiltrup und Nienberge. "Der Platz in Nienberge war der schlechteste von allen. Kuhfladen lagen auf der Wiese, und wer nun ausgerechnet dort hinfiel oder ausrutschte, na, der sah aber besch... aus!" So die Aussage einiger Spielerinnen. Der heimische Platz ist der Sandsportplatz an der evangelischen Schule.

    Gegnerische Vereine werden entweder per Zug, per Lkw oder per Fahrrad erreicht. Der Spieltag ist der Sonntag. Sehr früh müssen die Spielerinnen die Reise antreten, denn die Spiele finden fast immer am Vormittag statt.

    Wer keine Sportschuhe hat, spielt eben barfuß. Und als Trikots dienen Turnhosen, Blusen und Hemden. Die Reckenfelder Mannschaft (11 Frauen gehören zu einer Mannschaft) spielt um Punkte in einer Liga. Das erste Meisterschaftsspiel gewinnen die Reckenfelderinnen in Hiltrup mit 7:2 Toren. Erst nach einer Siegesserie von sechs Spieltagen kehren die SCR-Handballerinnen mit einer Niederlage nach Hause. Etwas traurig klettern sie vom Lastkraftwagen herunter.

    Einmal in der Woche wird auf dem Sportplatz trainiert. Bernhard Verhülsdonk ist der Trainer. Durch das stetige Training sind die Damen auch konditionell auf der Höhe. Inge Stäblein als Linkswerferin ist von der gegnerischen Mannschaft nicht gut auszumachen, Irmgard Jendroska ist wieselflink und die erst 16-jährige Torfrau Adelheid Henke sorgt für wenig Gegentore. So erfolgreich wie die Damenmannschaft ist die Herrenriege nicht. Etwas neidisch schauen die jungen Männer auf die jungen Damen, wenn diese erneut zwei Punkte zu Hause oder auswärts einfahren können

    1948/1949

    Fußball-Herren: Bei Heimspielen kommen die Reckenfelder Spieler bereits in ihrer Fußballkluft auf dem Fahrrad oder zu Fu zum Sportplatz. Wenn es kalt ist, dient ein Mantel als Schutz. Umkleidemöglichkeiten gibt es erst später in der evangelischen Schule. Am Eingang zu den Klassenrumen an der evangelischen Schule ist eine Schwengelpumpe angebracht. Diese nutzen die Spieler, um sich nach dem Spiel den Sand oder den Schlamm von den Fußballtretern abwaschen zu können.

    Verletzungen können sich die jungen Spieler nicht leisten, denn wer krankfeiert, hat kaum Aussicht eine Arbeit zu bekommen bzw. zu behalten. "Die Grevener Baumwollspinnereien hatten Kopsen (Spindeln mit Garn) bei den Bauern in Scheunen unter Stroh und Heu versteckt. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde ein Teil der Kopsen an Land gezogen. Die Spielerfrauen strickten aus dem dünnen Garn (8-10 Fäden liefen zusammen) Trikots und Strümpfe."

    Fußball-Jugend: Hinter den Toren sammelt sich in den regnerischen Monaten Wasser und Schlamm. Je öfter die Kinder nun daneben schießen, umso öfter gelangt das runde Leder in das Na. Und der Ball? Er wird schwerer und schwerer. Die jugendlichen Kicker treten nur noch ungern gegen das dunkel erscheinende Gebilde, was auch noch den Sieg bringen soll. Au, weia. In diese Nachkriegszeit paßt auch folgende Tatsache: Um den Spielern - alles junge und hungrige Menschen - etwas Deftiges zu beschaffen, schlachtet August Jerzinowski Schweine. "August Jerzinowski gibt sein letztes Hemd für seine Fußballjungs."

    "Wir waren alles fußballhungrige Jungs, und August Jerzinowski war für uns da. Mit selbstgestrickten Trikots, schwarz-weißen Stutzen und unseren Fußballschuhen sind wir zur Schule gegangen. Wir waren stolz, richtige Fußballer zu sein. August Jerzinowski hat der Jugend die Freude am Sport gegeben!"

    Handball: Die Westfälischen Nachrichten vom 26. Mai 1948: "Bei den Handballspielen anlässlich des 20jhrigen Bestehens des SC Reckenfeld wurden gute Leistungen geboten: Greven 09 - Adler Münster 6:8, bei den Frauen siegte Greven 09 mit 5:0, SC Reckenfeld - SV Nordwalde 5:6, Frauenspiel: Sieger Reckenfeld 3:1 gegen Nordwalde. Borussia Münster - SC Gremmendorf 2:6, Schüler: Münster 62 - Adler Münster 1:7."

    1950/1951

    Hermann Wollschläger tritt dem SC Reckenfeld bei.

    Zu dieser Zeit vollzieht sich der Sportplatzwechsel von der evangelischen Schule nach Beckermann (Siehe Seite 168). Grund des Umzuges: Ablauf der Pacht und weg von der Sandwüste an der evangelischen Schule. Zuvor wird aus dem Acker bei Beckermann ein Platz gemacht, mit einer Laufbahn rund um den Platz und einer Sprunggrube. (Anmerkung: Der Sportplatz bei Beckermann wird als ein sehr guter Platz bezeichnet - keine Wasserprobleme - wie später bei Leihsing.)

    In zwei Protokollen des Heimatvereins vom 26.2. bzw. 16.7.1951 wird eine Sportwoche für den Monat Juni angekündigt und das Datum der Platzeinweihung des Sportvereins auf den 7. Oktober 1951 festgesetzt. "Platzeinweihung in Reckenfeld", so betitelt eine Zeitung ihre Ausgabe, als sie von der Übergabe des neuen schönen Sportplatzgeländes berichtet. Mit einem Festzug beginnt der Tag, und viele Ehrengäste sind gekommen. Bürgermeister Minnebusch (Greven) und Scharpenberg (Reckenfeld) sowie Vertreter des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes. Nach zwei Einlagespielen der Jungliga und der Altherren folgt die offizielle Einweihung der neuen Kampfbahn. Der Tag endet mit einem festlichen Abschluss im Saal von Beckermann.

    Fußball-Herren: Nach Pfingsten 1950 teilt die Münstersche Zeitung (MZ) mit: "Die Reckenfelder Mannen hatten sich am zweiten Pfingsttag keinen geringeren als Germania Herne geladen und erzielten ein guten Ergebnis. Wenn man bedenkt, dass die Gäste in der Bezirksklasse im Kohlenpott spielen, und es den Reckenfeldern gelang, nur mit 0:1 zu unterliegen, dann ist dies immerhin schon als Achtungserfolg anzusehen."

    Nach den Fußballspielen in Reckenfeld haben die Spieler Gelegenheit, sich zu waschen. Das läuft wie folgt ab: Es stehen für jede der beiden Mannschaften zwei mit Wasser gefüllte Badewannen im Hof bei Beckermann. So ist es üblich, sofort nach dem Spiel im Lauftempo dorthin zu gelangen, denn wer als Letzter von dem Wasser was mitbekommt, muss einen Teil des Sportplatzsandes mit auf seinem Körper bzw. auf sein Gesicht verteilen.

    Ständiger Gast bei den Heimspielen ist der behinderte Harry Stiller. Die Reckenfelder Spieler kennt er alle, und wenn für den SCR ein Tor fällt, ist Harry außer Rand und Band. Harry kann mit abgezähltem Kleingeld auch jedes Mal bezahlen.

    Turnen: Der SC Reckenfeld hat eine neue Abteilung, die Turn-Abteilung. Gründungsvater ist Clemens Freitag. Begonnen wird hinter dem Deutschen Haus, denn dort steht ein alter Barren, an dem Clemens Freitag und einige junge Männer beginnen, zu turnen. Später wird im Saal von Beckermann an Barren, Reck und Boden trainiert.

    Aus dem Tagebuch des Turnvaters Clemens Freitag und aus einem Schreiben von Wolfgang Freitag:

    • 10.7.1951 Turnriege steht mit: Wolfgang Freitag, Manfred Scharpenberg, Legro, Roland Böckmann, Helmut Meyer
    • 6.10.1951 Balanceakt - Schauturnen - eingegliedert in eine Veranstaltung bei Brinkmeyer (Deutsches Haus), Turnvorführung durch Wolfgang Freitag, Turnen mit der Männerriege
    • 14.10.1951 Bei Beckermann, rechtes Bein gebrochen.
    • Zum Warmwerden machten wir gymnastische Übungen oder Lockerungsläufe um das damalige Stadion bei Beckermann.

    1952

    Der heutige Kuckucksweg wird ausgebessert und der Untergrund mit Bauschutt gefüllt, um diese Straße zum Sportplatz bei Beckermann für das Jubiläum zum 25jährigen Bestehen des SC Reckenfeld befahrbarer zu machen, denn viele Busse werden erwartet. Der Vorstand befasst sich auf vielfachen Wunsch Reckenfelder Eltern mit der Aufnahme weiterer weiblicher Mitglieder. Es soll eine Mädchen-Abteilung für Turnen, Sport, Spiel und Volkstanz gegründet werden.

    1953

    Im Februar 1953 feiern die Mitglieder des SCR ihren Familienkarneval. Der SC Reckenfeld feiert sein 25j"hriges Bestehen. Eine Festschrift wird herausgegeben. Aus der Festschrift von 1953:

    "Mit Freude können wir feststellen, dass gerade in diesem Jubiläumsjahr die Fußballabteilungen auf leistungsfähiger Höhe stehen. Hervorzuheben aus der traditionsreichen Vereinsgeschichte sind die Kriegsjahre 1940-1942, in denen unsere Jugendmannschaften, unter Leitung von W. Bosse, ungeschlagen an der Spitze standen."

    Der 1. Vorsitzende, Bernhard Kersting, jun., schließt seine Einladung mit dem Satz: "Vom 16. Mai bis Pfingstmontag, dem 25. Mai, sollen die Flaggen von allen Giebeln wehen."

    Ein Gottesdienst beider Konfessionen mit Gedenken an die gefallenen und verstorbenen Mitglieder findet am Sonntagmorgen statt. Der Kommers ist am 16. Mai 1953. Geladene Gäste: Kreisfußballfachleiter Willy Boymann, Kreisschiriobmann Fr.-H. Schmitt, Amtsbürgermeister Anton Minnebusch sowie Amts- und Stadträte.

    Die Germania-Brauerei spendet zum Kommers 1/3 hl Exportbier. Es finden Fußballspiele um den Jubiläumspokal statt. Mannschaften wie Westf. Schalke (Reisemannschaft), Westf. Dortmund-Somborn, Reichsbahn Münster, SpV. Emsdetten Res., SC Greven 09 nehmen teil. Im Juli 1953 zeichnet Hermann Wollschläger als Geschäftsführer. Schriftführer wird er im August 1953. In einem Vermerk - ist Hermann Wollschläger in den fünfziger Jahren gleichzeitig Kassierer, Schriftführer, Geschäftsführer und 1. Vorsitzender. In welchen Zeitraum diese Tätigkeiten fallen, kann nicht mehr genau beziffert werden.

    "Nach reiflicher Überlegung und auf Bitten meiner Frau werde ich den von mir angenommenen Posten als Hauptkassierer nicht antreten. Begründung: Meine Bandscheiben, meine Darm- und nervösen Magenschmerzen lassen es nicht zu, die vielen Sitzungen zu besuchen und auch noch die unvorhergesehenen Wege zu machen. Meine Frau 76 und ich 70jährig sind alte und kranke Leute, und wir möchten unseren Lebensabend in Ruhe verleben. Da ich nun in den nächsten Tagen verreise, so habe ich das Material an den Vereinswirt Herrn Josef Beckermann abgegeben. Mit kameradschaftlichem Gruß und vorzüglicher Hochachtung."

    2. Vorsitzender ist ab September 1953 Gerhard Gädigk; danach Übernahme des Amtes als 1. Vorsitzender. Die finanzielle Lage des Vereins ist schlecht. Jugendmannschaften müssen wegen nicht vorhandener Mittel abgemeldet werden. Vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hat der SCR DM 1.215,-- erhalten. Von dem Geld werden u.a. Baustoffe von der Firma A. Bergschneider, Ibbenbüren, gekauft. Im November 1953 teilt die Stadtverwaltung Greven dem SCR mit, dass für die Beschaffung von Turnmatten DM 150,-- gewährt werden.

    Fußball-Herren: Der Vorstand über August Jerzinowski: "... als Vorstandsmitglied4 hat er sich vor allem für die Jugend und für die 1. Mannschaft selbstlos eingesetzt."

    Die 1. Mannschaft ist im Oktober 1953 in die 1. Kreisklasse aufgestiegen. Diesem Aufstieg ist ein Protest des SCR vorausgegangen. Der Münstersche Anzeiger zu diesem Thema: Münsterscher Anzeiger Dienstag, den 20. Oktober 1953

    SC Reckenfeld nun in der I. Kreisklasse. Ab Sonntag - 18.10.1953 - wird bereits in der I. Kreisklasse gespielt.

    Auch in letzter Instanz, kann man feststellen, blieb der SC Reckenfeld mit seinem Protest wegen Nichtbeachtung von Verbandsbestimmungen des SC Greven 09 erfolgreich, ein erfreulicher Beweis, dass man bemüht ist, in echtem sportlichen Geist das Recht zu wahren. Allerdings, das darf man auch feststellen, wurde durch den Entscheid des Verbandes ein etwas salomonisches Urteil gefällt, in dem es dem SC Greven 09 möglich sein wird, ebenfalls in der ersten Kreisklasse zu verbleiben. Der SC Reckenfeld hat dagegen nichts einzuwenden, da es ihm nur darum ging, sein Recht gewahrt zu wissen. Zweifellos aber war bei dem langatmigen Verfahren eine Verzögerungstaktik zu erkennen, da rein technisch gesehen, der ganze Vorgang längst bis zum Beginn der neuen Spielserie hätte erledigt sein können.

    Unverständlich aber bleibt es, warum das Urteil der Bezirksspruchkammer (BSK) Emsland, in dem eine Aufnahme des SCR in die erste Kreisklasse sofort hätte erfolgen müssen, von der Kreisfußball-Leitung nicht durchgeführt wurde. Noch unverständlicher ist es jedoch, warum man den SC Reckenfeld am Sonntag noch in der 2. Kreisklasse spielen ließ, obwohl der entsprechende Bescheid bereits vorlag. Umso löblicher ist die sportliche Haltung, die, sowohl der SC Reckenfeld und der Gast Reichsbahn Münster in ihrem bedeutungslosen Spiel zeigten, über das wir gestern berichteten.

    Der Geschäftsführer Hermann Wollschläger bittet am 7. Dezember 1953 den Kreisfußball-Leiter Willy Boymann, das Meisterschaftsspiel Reckenfeld-Saxonia II am 27. Dezember 1953 abzusagen. Der Grund: Durch das pausenlose Spielen ist die Mannschaft übermüdet.

    Die MZ vom 21. Dezember 1953 in fetten Lettern: "Platzsperre für SC Reckenfeld bis zum 1. Mai 54. Scharfe Strafen der KSK Münster. Ein Spieler bis 31. Dezember 54 gesperrt."

    Fußball-Jugend: Im Oktober 1953 können die Ia- und Ib-Jugendmannschaften gegen Arminia Münster zwei Siege erringen. 5:3 heißt es für Ib; 2:1, nach einem Elfmeter, gewinnt die Ia. Bernhard Rautenberg hat bei Schwering (Schuhgeschäft) für die Fußballjungs gutgesagt, damit sie auf Pump ihre Fußballschuhe kaufen können: "Bezahlen müsst ihr die Schuhe selbst, sammelt herumliegende Flaschen auf, und von dem Pfandgeld könnt ihr eure Treter abstottern!" Und weiter: "Bei Gebrüder Schründer wurden Stoffe gekauft, von Richard Nieber (Schneidermeister) nach Maß zugeschnitten und von den Müttern zu Trikots und Hosen zusammengenäht."

    Werbung macht der SCR im November für das Tischtennis. Am Dienstagabend haben die Fußballer Gelegenheit, Tischtennis zu spielen. Der Donnerstagnachmittag und -abend sind für die Damen- und Mädchenabteilung reserviert. Weitere Interessenten, die nicht dem Sportclub angegliedert sind, können am Freitagabend trainieren, während der Jugend der ganze Samstagnachmittag zur Verfügung steht. Spielort ist das Vereinslokal Beckermann.

    Turnen: Eine Abteilung für Damen und Mädchen soll eingerichtet werden. Fachkräfte stehen zur Verfügung. Die männliche Turnerriege trainiert mittwochs im Saal des Vereinslokales.

    1954

    Änne Malkmus ist fast immer auf dem Sportplatz zu finden. Sie wird als Aktivposten im SCR umschrieben. Vorsitzender Gädigk richtet ein Bittschreiben an die Stadtverwaltung Greven zur Einrichtung einer zweckdienlichen Baracke für Umkleide- und Waschgelegenheiten. Durch ein Urteil der Kreisspruchkammer vom 19. Dezember 1953 wird über die Mannschaften bis zum 1. Februar 1954 eine Platzsperre verhängt. Die Mannschaften müssen auf den Platz von Greven 09 ausweichen. Der SCR legt gegen das Urteil Einspruch ein. Die Verhandlung mit endgültigem Urteilsspruch findet am 30. Januar 1954 vor der Bezirksspruchkammer (BSK) in Münster, Lokal Röttger, statt. Ergebnis: Bestätigung des Urteils. Zusammenfassung des BSK-Urteils:

    "Nach Ablauf des Meisterschaftsspiels SC Reckenfeld gegen Germania Münster am 13.12.1953 kommt es zu Bedrohungen und Tätlichkeiten gegen den Schiedsrichter. Spieler und Vorstandsmitglieder des SCR sind an diesen Ausschreitungen beteiligt. Dem SC Reckenfeld wird aufgegeben, beim nächsten Heimspiel 500 Handzettel an seine Mitglieder und Zuschauer mit einem von der BSK vorgefertigten Text zu verteilen. Ein Spieler wird bis zum Ende des Jahres 1954 gesperrt. Zwei weitere Personen werden für zwei Jahre gesperrt, in denen sie keine Ämter ausüben dürfen. Die Strafen gegen den SC Reckenfeld sollten zunächst höher ausfallen, doch wurden die Maßnahmen, die der neue Vorstand, unter Gerhard Gädigk seit mehreren Monaten eingeleitet hat, zu Gunsten des SCR gewertet." Vor der BSK erscheinen vom SC Reckenfeld: 1. Vorsitzender Gerhard Gädigk, Geschäftsführer Hermann Wollschläger, Spielführer Edmund Rech, Bernhard Rautenberg, Willi Jerzinowski, Georg Borkenhagen sowie Fritz und August Jerzinowski.

    Konrad Badouin wird vom Vorstand gebeten, für fünf Fußballmannschaften einen Autobus zur Verfügung zu stellen. Geschäftsführer Wollschläger schreibt an den Regierungspräsidenten in Münster, die Stationierung eines Autobusses in Reckenfeld zu genehmigen. Die Antwort des RP: "Von hier aus wird die Bedürfnisfrage abgewiesen, da in Greven das Unternehmen Weilke und in Saerbeck das Unternehmen Kurzen die Nachfrage nach Omnibussen voll befriedigen dürften."

    Der stellvertretende Bürgermeister Reckenfelds, Lothar Fabian, zugleich Beiratsmitglied des SCR, und Gerhard Gädigk, Hauptlehrer und zugleich 1. Vorsitzender des SCR, unterzeichnen einen Antrag an den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen zwecks Errichtung eines Heimes mit Standort Reckenfeld.

    Der Stadtbürgermeister Anton Minnebusch lädt den 1. Vorsitzenden Gerhard Gädigk und die 1. Fußballmannschaft zu einem Bierabend der Sportler Grevens in den Saal Winninghoff ein. Unter dem Vorsitz von Pastor Müller hat der Ortsjugendring im Juli 1954 seine Sitzung im Hause Marienfried. Einstimmig wird der SC Reckenfeld in den Ortsjugendring aufgenommen.

    Am 5. November findet eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Neben 78 Mitgliedern sind u.a. vertreten: Der stellvertretende Bürgermeister Lothar Fabian und die Stadträtin Auguste Stäblein. Es geht um die Vorkommnisse vor und während der Fußballspiele auf dem Sportgelände beim Gasthof Josef Beckermann. Es herrscht Krisenstimmung. 63 Stimmen sind für einen Platzwechsel; 39 stimmen außerdem für Brinkmeyer als Vereinslokal.

    Am 7. November 1954 wird ein neuer Sportplatz (105 x 75m) auf dem Gelände des Bauern Leihsing in Betrieb genommen

    Aussage einiger ehemaligen Spieler am 28. März 1997, inhaltlich widergegeben: "Wir, die Spieler, wir wollten von Beckermann nicht weg. Wir waren eine gute Gemeinschaft, die Zusammengehörigkeit war sehr gut, und wir fühlten uns dort wohl. über Nacht, wirklich über Nacht, wurde über unseren Köpfen hinweg der neue Platz bei Leihsing bestimmt. Wir waren insgesamt mit der Art und Weise, wie hier durch den neuen 1. Vorsitzenden Gädigk vorgegangen wurde, nicht einverstanden."

    Fußball-Herren: "Wir sind bereit, den Spieler E. S. mit Wirkung vom 1. Januar 1954 gegen Zahlung der von ihm eingegangenen Verpflichtungen in Höhe von DM 25,-- freizugeben."

    Nach dem Weggang von Beckermann, wo sich die Fußballspieler auch umgezogen haben, geschieht nun das Umziehen der Spieler eine Zeit lang beim Gasthof Bockel-Rickermann - am Reckenfelder Bahnhof, in einem Raum neben der Kegelbahn. Die Spieler laufen anschließend zu Fuß zum Sportplatz Leihsing, und auch wieder zurück. Nach einer Niederlage dient der lange Fußmarsch zum Abbau des Frustes ... Die Entfernung beträgt 2,6 Kilometer hin und zurück. (Anmerkung: Ein Teil des Weges wird heute wieder von den Arbeitskräften des Briefzentrums und des Frachtpostzentrums benutzt. Der gesamte Weg ist auch nach mehr als 40 Jahren fast vollständig erhalten.)

    Fußball-Jugend: Die Fußball-B-Jugend wird für vorbildliches Verhalten mit einer Ehrenurkunde des DFB-Präsidenten und des DFB-Jugendausschusses ausgezeichnet. Fußball-Jugendobmann ist Bernhard Rautenberg. Die Ia-Mannschaft verliert am 16. Mai 1954 in Greven mit 4:5-Toren. Für den SCR spielen folgende Jugendmannschaften: A, B und C. "Bernhard Rautenberg hatte für den Jugendfußball sehr viel übrig. Für uns war er immer da, wenn wir ihn brauchten. Er hat auch dafür gesorgt, dass einige von uns zu weiterbildenden Maßnahmen nach Kaiserau geschickt wurden. Die Ia-Jugend führt im Mai ins Bergmannlehrlingsheim St. Barbara in Castrop-Rauxel. Dort werden sie herzlich aufgenommen. Eine Grubenlampe erhalten die Reckenfelder als Geschenk, und den Gastgebern wird ein Wimpel überreicht. Die SCR-Jugendlichen bestreiten das Vorspiel bei der Westfalenmeisterschaft.

    Handball: "Eine Abteilung, die sich weiter entwickeln muss", so eine Protokollnotiz.

    Tischtennis: Es wird ein Obmann gesucht und gefunden. Sein Name ist Josef Barfuhs.

    Tischtennis wird in Sälen und Gastwirtschaften gespielt. Des Sonntags wird im evangelischen Gemeindehaus an der Industriestraße gespielt. Da trifft sich sowieso die Jugend, um zu lesen, Spiele zu machen und um Ping-Pong zu spielen. Der eine kommt mit einem Schaumbelagschläger, der andere hat Gummi aufgeklebt, der dritte spielt mit Kork, oder es wird nur mit Holz gespielt. "Klock, sagt der Ball, wenn er aufs Holz aufspringt." Bälle, die eine Delle haben, werden in heißem Wasser wieder spielfähig gemacht. Und wenn keine Tischtennisplatte vorhanden ist, werden Tische zusammengeschoben, so etwas Ähnliches wie ein Netz aufgeschraubt, und ab geht die Post (der Ball). Das alles ist nicht sehr komfortabel, aber Spaß macht es allen. (Anmerkung: Erst nach Fertigstellung der Turnhalle im Jahr 1960 kann ein geordneter Spielbetrieb aufgenommen werden.)

    Turnen: Das Turnen für Frauen und Mädchen wird eingeführt. Die Leitung übernimmt Lilo Riemer. Der Übungsabend ist montags. Durch Bewegung und Atemgymnastik sollen Ausgeglichenheit und Erneuerung der Kräfte vermittelt werden. Der Saal als Übungsraum werde oft vom Vereinswirt gesperrt, beklagen die Damen.

    1955

    Die Krise im SCR ist noch nicht überwunden. Auch ist die Kasse weniger gut gefüllt. Der SCR hat aber keine Schulden.

    Der 2. Vorsitzende und der Geschäftsführer richten ein Schreiben an den Stadtdirektor und an den Bürgermeister mit der Bitte, für geeignete Übungsstätten zur Leibeserziehung beim SCR zu sorgen. Es sind weder Unterstellplätze noch eine Brause oder Wanne als Waschgelegenheit vorhanden. Das Fehlen eines gemeindeeigenen Sportplatzes und einer Turnhalle wird des Öfteren schriftlich an die Stadt Greven beklagt. Frau Harrach stellt Umkleidezimmer zur Verfügung. Dadurch verringert sich der Hin- und Rückweg zum Fußballplatz. Vom SCR wird ein Reckenfelder Bürger angeschrieben, "den abgefahrenen Sand aus der Sprunggrube am Sportplatz zurückzubringen."

    Fußball-Herren: Die 1. Mannschaft hat Schwierigkeiten, genug Spieler einsetzen zu können. Vier Jugendliche müssen vorzeitig zu Seniorenspielern erklärt werden. Das kann nicht gutgehen. Der Abstieg von der 1. Kreisklasse in die 2. Kreisklasse ist für die 1. Mannschaft nicht zu vermeiden.

    Fußball-Jugend: Den Fußball-Jugendmannschaften (C- und B-Jugend) werden für ihr vorbildliches Verhalten Urkunden verliehen.

    Tischtennis: Zurzeit ist kein vereinseigener Übungsraum vorhanden. Es besteht weiterhin die Möglichkeit, im CVJM-Heim, also im evangelischen Gemeindesaal dienstags und sonntags zu spielen. Zwei Tischtennisplatten fertigt Hermann Röber für einen Preis von DM 130,-- an.

    Fußball-Jugend: Die A-Jugend wird Gruppenmeister. Die Mannschaft verliert nur ein Spiel, erzielt 86 Tore bei nur 22 Gegentoren. "Die gute Betreuung des Rentners Ernst Tadday ermöglichte es, dass die jungen Spieler sich auf ihre fußballerischen Aufgaben konzentrieren konnten."

    Im Kreispokal schafft es diese Mannschaft, bis ins Endspiel vorzudringen. Endspielgegner ist die A2 von Preußen Münster. Die SCR-Jungs spielen zu ängstlich und werden erst wach, als sie 0:4 zurückliegen. Ihre Nervosität können sie während des gesamten Spiels nicht ablegen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie mit einer 0:8-Niederlage nach Hause fahren müssen. Ernst Tadday spendiert der erfolgreichen Mannschaft einen gemeinsamen Kinobesuch im Deli-Theater (Deutsches Haus) sowie eine Besichtigung in der Brennerei Schweer, Nordwalde.

    Fußball-Altherren: Im September bestreitet die Altherren-Mannschaft ein Fußballspiel gegen die Vertretung der Re-Ka-Ge. Auguste Stäblein macht den Anstoß und Lothar Fabian tritt als Schiedsrichter in Aktion, während Willi Herbeck eine Sportreportage vom Stapel lässt. Das Spiel endet 5:5. Der Spielmannszug vom Schützenverein Eintracht umrahmt musikalisch ein weiteres Fußballspiel, das den SCR gegen die Re-Ka-Ge antreten lässt. Die Fußballer werden zunächst vom Deutschen Haus abgeholt und zum Sportplatz begleitet. Es wirken außer den Fußballern noch mit: Oskar Lenz, der Re-Ka-Ge-Prinz, - er leitet in weißer Hose, schwarzem Frack und Zylinder den "Treck", Lothar Fabian, Fritz Dornhoff, Anne Overbeck als Sanitäterin, sowie Hauptlehrer Gerhard Gädigk, der eine zünftige Rede auf die Freundschaft unter den Reckenfelder Vereinen hält. Das Fußballspiel endet mit einem klaren 6:3-Sieg für den SCR.

    Turnen: Die Turn-Abteilung ist weiterhin ohne geeigneten Übungsraum. 1956 gesellt sich zur Turnriege junger Männer eine Mädchengruppe hinzu. Beide Turngruppen werden von Clemens Freitag trainiert.

    1957

    Seit dem 15. März ist der Sportclub ein eingetragener Verein (e.V.). SPORTCLUB RECKENFELD 1928 E. V. Mit diesem Datum wird auch die erste Eintragung im Vereinsregister - Amtsgericht Münster - versehen. Der Kassenbestand beträgt DM 694,--. Es werden für alle Sportarten Personen gesucht. Der stellvertretende Bürgermeister Lothar Fabian beteuert, im Herbst 1958 können wir in der ersten und neuen Turnhalle sein.

    Fußball-Herren: Vorsitzender Gädigk richtet am 21. März 1957 folgenden Brief an den Kreisfußballeiter Boymann (auszugsweise): "Zum Spiel am 17. März 1957 (Reckenfeld - Altenberge) traf der Schiri kurz vor Beginn des Spieles ein. Er hielt den Platz für unbespielbar und ging mit unserem Fußballobmann zum nächsten Telefon, um Altenberge abzubestellen. Auf dem Weg zum Telefon trafen die Altenberger mit dem Bus ein, und deshalb wurde das Spiel angepfiffen und durchgeführt. Der Platz stand unter Wasser, dazu regnete es ununterbrochen, nach der Halbzeit mit beträchtlicher Stärke. Miron Pfeiffer, kam mit verschwollenen Augen und blauen Lippen nach der Halbzeit auf den Platz. Franz Kilka kam nach der Halbzeit mit geschwollenen Leistendrüsen auf den Platz Lothar Reichhardt musste, wie auch andere, vorzeitig den Platz verlassen... Wieweit die Spieler am kommenden Sonntag einsatzfähig sind, bleibt abzuwarten. Um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen (Klage auf fahrlässige Körperverletzung) schlagen wir vor: 1. Der SC Reckenfeld bezahlt für den Schiri bei fraglichem Wetter und Platz das Mittagessen, so dass der Schiri bestimmungsgemäß vormittags sich von der Bespielbarkeit des Platzes überzeugen kann. 2. Bei einwandfrei unbespielbarem Platz sagt der Vorstand nach Anhören und Urteil eines hiesigen Schiris das Spiel ab."

    Fußball-Jugend: Die A-Jugend erringt einen großen Erfolg. Sie schafft es, bis zur Endrunde auf Kreisebene vorzudringen. Der schwere Gegner, den die SCR-Junioren empfangen, heißt Preußen Münster. Das Spiel geht mit 0:3 verloren.

    1958

    Fußball-Herren: Die laufenden Ausgaben für Busse, Schiedsrichter, Kluften, Versicherungen und Wäschegeld übersteigen die Einnahmen. Durch eiserne Sparsamkeit kann der SCR vor Schulden bewahrt werden. Herr und Frau Harrach sind für den SCR viel im Einsatz (Schiri-Unterkunft).

    1959

    Der SC Reckenfeld ist zeitweise ohne 1. Vorsitzenden. 2. Vorsitzender Eugen Schmidt Geschäftsführer Lothar Hoock Schriftführerin Änne Malkmus

    Mit Beginn des Baus der ersten Turnhalle in Reckenfeld an der Emsdettener Straße - einer damals noch schmalen Verbindung zur Nachbarstadt - wird an der Einmündung zur Halle ein kleiner Parkplatz errichtet. Der Untergrund ist aus Schotter.

    Bernhard Rautenberg über Änne Malkmus: "Sie war resolut, uneigennützig und sie vermittelte zwischen dem Vorsitzenden Gädigk und den Fußballtrainern und Fußballspielern." Rudi Holtgrefe wird neuer Obmann der Fußball-Jugend.

    Fußball-Herren: Am 10. Oktober lädt Lothar Hoock die 1. Fußballmannschaft zu einem Kameradschaftsabend ein. Lothar Hoock erstellt ein kleines Heftchen, in dem er u.a. folgendes schreibt: "Echter und charakterfester Mannschaftsgeist soll auch weiterhin als Vorbild unserer Mannschaft dienen. Ich bedanke mich hiermit ganz besonders bei Euch, liebe Sportkameraden, namentlich: H. Jansen, H. Kuper, U. Deitmar, H. Heimsath, Cl. Heimsath, L. Reichhardt, H. Ungruh, H. Janotta, R. Runtenberg, H. Jerzinowski, M. Rinkewitz, A. Baar, G. Kornett, R. Leyhe, R. Holtgrefe. A. Utmann und E. Fleuth, die ihr Sonntag für Sonntag Euer Bestes hergebt, um nicht nur mir, sondern allen Fußballanhängern unseres Heimatortes bewiesen habt, dass der Fußball lebt."

    Hoock kündigt in diesem Heftchen auch an, dass der Vorstand auf dem aufbauen will, was der 1. Vorsitzende Gerhard Gädigk begonnen hat.

    Fußball-Jugend: In einem Rundbrief schreibt der neue Geschäftsführer die Fußball-Jugendspieler an, und lädt zur Zusammenkunft der A/B-Jugend ins kleine Geschäftszimmer des Vereinslokals bei H. Brinkmeyer ein. Hoocks Anliegen ist es, aufgetretene Probleme klarzulegen und Fragen zu beantworten. Hier geht es u.a. um die Beschaffung einer neuen Kluft und um Rückstände bei den Beiträgen.

    Zusammenfassung: Höhepunkte der SCR-Geschichte bis einschließlich 1959

    Jahr Besondere Ereignisse
    1928 Mehrere Sportinteressierte setzen sich im Gasthof Micheel zusammen, um über die Gründung eines Sportclubs zu beraten. - Paul Leonhardt wird zum 1. Vorsitzenden gewählt. - Der erste Sportplatz befindet sich bei Micheel.
    1929 Der Sportclub Reckenfeld (SC Reckenfeld oder SCR genannt) wird im Oktober ins Leben gerufen.
    1938 Nach einem Vermerk des Bürgermeisters der Stadt Greven besteht der SC Reckenfeld nicht mehr.
    1946 Der erste Sportplatz nach dem Krieg entsteht an der evangelischen Schule (heutige Erich Kästner Gemeinschaftsschule). - Deutsche und Polen spielen für den SCR in einer Fußballmannschaft.
    1947 Eine Handball-Damen- und eine -Männermannschaft spielen um Meisterschaftspunkte.
    1949 Unter Mithilfe des SCR wird auf dem Sportplatz an der evangelischen Schule ein Sportfest für den Bau einer Leichenhalle veranstaltet.
    1950/51 Die Turn-Abteilung wird durch "Turnvater" Clemens Freitag gegründet.
    1954 Bernhard Kersting ist Ehrenvorsitzender.- August Gahrens erhält vom FLVW die Goldene Ehrennadel. - Die Tischtennis-Abteilung wird durch Josef Barfuhs ins Leben gerufen.
    1957 Der Sportclub Reckenfeld ist seit dem 15.3. ein eingetragener Verein: Sportclub Reckenfeld 1928 e.V. - (Anm.: Die Turnhalle in der Ortsmitte wurde 1960 eröffnet.)

    Gerhard Gädigk

    Eugen Schmidt

    Hermann Wollschläger

    Hermann Wollschläger (li) und Gerhard Gädigk

    Fußballer in den 1930er Jahren

    Der SCR stellt im Jahr 1932 sein Programm vor...

    Die SCR-Kicker und Gäste auf dem Fußballfeld bei Micheel

    Die 1. Fußball-Mannschaft des SCR mit polnischen Mitspielern

    Änne Malkmus schrieb diesen "Abschiedsbrief"

    Es spielen auch Polen mit beim SCR

    ... mit ihrem Trainer Willi Eckhardt

    Polenplatz an der Bahnhofstraße

    Die Turnhalle in der Ortsmitte wird gebaut

    Begeisterte Zuschauer auf dem Sportgelände an der evang. Schule

    Die beiden Mannschaften ermitteln die Seitenwahl

    Vorn: Peter Nortmann, Pastor Scheinhardt, Bernh. Bokel-Rickermann

    (im Hintergrund das Haus von Schlick, Grevener Landstraße)

    Nahe am Ball: Otte und Heimsath (Hintergrund: Haus von Grotthoff)

    Meisterschaftsspiel der A-Jugend

    Meisterschaftsspiel der Senioren

    SCR-Fußballjungs spielen auswärts

    In dieser Baracke zogen sich die Spieler um

    Die Fußballtruppe mit Manfred Eckhardt als Spielführer

    Scenen aus zwei Meisterschaftsspielen auf dem Platz...

    ... neben dem Eichendorffweg

    Der Platz war ein "Grasplatz" und das war ziemlich hoch. Gab es Linien?

    Meisterschaftsspiel auf dem Platz bei Leihsing

    Viel Abwechslung hatte die Jugend nicht. Also, ab zum Fußballplatz

    Bei den Lechs in größerer Runde

    Links: August Jerzinowski. Seine Mannschaft gewann einen Pokal

    Auch privat trafen die SCR-Kicker. Hier bei den Lechs

    So viel Zuschauer hatten die SCR-Fußballer in den 1950er Jahren

    Auf dem Platz bei Leihsing (Eichendorffweg) trafen sich die SCR-Anhänger

    Zahlreich waren die SCR-Anhänger - ob männlich oder weiblich

    Auswärtsspiel der SCR-A-Juniorenfußballer mit dem Betreuer B. Theißing


    Die Links zum nächsten Kapitel als auch zum vorherigen Kapitel werden erst wieder aktiv, wenn die Aktion "Neue Kapitel über die "Entwicklung Reckenfeld bis Ende der 1950er Jahre" abgeschlossen sind.


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