Kommunisten und Nationalsozialisten in Reckenfeld

Vorwort

Unterlagen (Briefe, Vermerke, Dokumente etc.) zu den Aktionen der Kommunisten und Nationalsozialisten in Reckenfeld sind rar. Da helfen, um sich ein Bild über die 1930er Jahre machen zu können, nur die Recherchen der Historiker Spieker, Dreßler und Galen, die in beiden Bänden "Greven 1918 - 1950" ihre Recherche-Ergebnisse im Jahr 1991 niedergeschrieben haben.

Der Historiker Prof. Dr. Joseph Prinz hat in seinem Buch "Greven an der Ems" wertvolle Hinweise zu den Nazis in Reckenfeld gegeben.

Im Jahr 2016 hat ein Grevener Bürger seine Recherchen über den Nationalsozialismus in den Jahren 1934 - 1938 in zwei Bänden - Reckenfelder Mosaik - festgehalten, und zwar nur, was sich in Reckenfeld zugetragen hat. Basis waren Veröffentlichungen der "Münsterländischen Nachrichten". Erst mit diesen Textbeiträgen - insgesamt waren das 1.080 Positionen - konnte nachvollzogen werden, wie und was in Reckenfeld unter der Rigidität der Nazis abgelaufen ist. Und das Niedergeschriebene ist sehr aufschlussreich. Damit kann sich jeder - der an der Geschichte "unseres" Ortes Interesse hat, in etwa ein Gesamtbild dieser Zeit über Reckenfeld machen.

Um wichtige von unwichtigen Texten zu trennen, wurden alle Zeitungs-Veröffentlichungen strukturiert, sortiert und selektiert. Herausgekommen ist, dass hier in diesem Kapitel mehrere Hundert der vormals 1.080 Texte nachzulesen sind.

Reckenfeld hatte 1936 ca. 1.800 Einwohner, der Ort war erst vor etwas mehr als 1½ Jahrzehnten entstanden. Ein Teil der Siedler lebte - heute würde man sagen "unter dem Existenzminimum". Keine oder kaum Arbeit, und wenn es staatliche Gelder vom Wohlfahrtsamt Greven gab, reichten diese zum Leben bei Weitem nicht aus.

Da hatten die Nazis es relativ einfach, Zugang zu den Familien zu finden und sie für ihre Ideologie zu gewinnen. Viele der Reckenfelder Bürger schlossen sich dieser Bewegung an. War es für viele der Versuch eine Karriere machen zu wollen?

Die Familien konnten allerdings ihren Lebensstandard durch den Eintritt in die NSDAP nicht aufbessern. Im Gegenteil: die Aufnahme in die NSDAP kostete Geld. Wer NSDAP-Mitglied war, musste dafür bezahlen – und zwar monatlich.

Auffällig ist nur, dass fünf "hochrangigere" Parteigenossen der Ortsgruppe der NSDAP (Peters, Dilla, Sander, Eichelt, Bartmann) sich ein Haus bauen konnten, das nicht aus einem Munitionsschuppen hervorging. Ein anderer Nazi überbaute einen Schuppen und machte daraus ein (sehr) großes Wohnhaus (Kolmsee). Aber Macht über andere Mitbürger zu haben, bedeutete eine solche Zugehörigkeit zur Partei ganz sicher.

Der Begriff "Marschmusik" im Zusammenhang mit der NSDAP, der SA und der SS sind des Öfteren erwähnt. Bedeutet: Es ging zeitweise recht laut in den Blöcken, auf den beiden Hauptstraßen (heutige Grevener Landstraße und Steinfurter Straße) und in der Dorfmitte zu. Zur Marschmusik gehörten natürlich auch die Marschierenden mit ihren Kopfnägel-Stiefeln und der Gesang.

In den Gaststätten Deutsches Haus und Rickermann am Bahnhof fanden fast alle Veranstaltungen der Nazis statt.

Die Redakteure (Kürzel: rb und bd) haben wohl dem Nationalsozialismus sehr nahe gestanden. Ihre Schreibweise deutet darauf hin.

Aus den beiden Bänden von Spieker & Co. und aus den zwei Bänden von Prof. Prinz

Erst strukturelle Probleme in der Siedlung Reckenfeld und die Firmenschließungen in Greven bewirkten, dass ab 1930 immer mehr Menschen über eine längere Zeit arbeitslos waren und schließlich als Wohlfahrtserwerbslose eingestuft wurden. Zwar waren es zwischen 1927 und 1930 nur um die 30 bis 40 Personen, doch ist zu berücksichtigen, dass auf jeden Wohlfahrtserwerbslosen mehrere Familienangehörige kamen.

Ihre Zahl muss mit einem Durchschnittsfaktor von fünf multipliziert werden, denn auch Ehefrau und Kinder waren anspruchsberechtigt. Der lokale Wohlfahrtsausschuss hatte die Hilfen festzusetzen. In seiner Sitzung am 6. Juni 1930 hatte er über die Anträge von Familienvorständen aus Reckenfeld und Greven zu entscheiden. Mit der Unterstützungszusage waren erhebliche Kosten für das Amt verbunden, und so erhöhte sich der Aufwand für erwerbsfähige Wohlfahrtsempfänger von 3.300 RM im Jahr 1926 auf 12.000 RM im Jahr 1929. Die Zahl der Wohlfahrtsunterstützungsempfänger in Greven stieg ähnlich dem Reichstrend unter den Arbeitslosen auf 41% (März 1933).

Als Gegenleistung für die Leistungen zog das Amt die Wohlfahrtserwerbslosen zur Pflichtarbeit heran. Der Ausschuss in Greven erhöhte am 1. Juni 1931 die Pflichtarbeitszeit wöchentlich von sechzehn auf achtzehn Stunden. Sehr erbost waren die Reckenfelder Unterstützungsempfänger, als sie an Wegen arbeiten mussten, die in erster Linie den Landwirten und vormaligen Besitzern des Reckenfelder Munitionsdepots gehörten. Sie hätten, wenn sie schon arbeiten mussten, um ihre Unterstützungsansprüche nicht zu verlieren, lieber in ihren eigenen Wohngebieten die mangelhaften Straßen ausgebessert. Nach solchen Vorkommnissen überrascht es nicht, dass sich die Reckenfelder KPD zum aktiven Fürsprecher der Wohlfahrtserwerbslosen machte.

Die Amtsverwaltung in Greven war die Stelle, an der über die Unterstützungsanträge entschieden wurde. Die Reckenfelder mussten hierher kommen, um ihre "Stütze" abzuholen. Ein Antrag der Wirtschaftlichen Vereinigung von 1927, eine "Stempelstelle" in Reckenfeld einzurichten, fand kein Gehör.

Zwei Jahre später teilte Amtsbürgermeister der WV mit, die Stelle sei bereits in Greven-Dorf eingerichtet worden. All diese Details erregten den Unmut der Reckenfelder Erwerbslosen und Wohlfahrtsempfänger, wenn auch nicht in jedem Fall das Amt Greven die Entscheidung zu verantworten hatte.

Ältere Angestellte des Amtes Greven erinnern sich, dass eines Tages Unzufriedene in ihrem Zorn das Wohlfahrtsamt stürmten und der Leiter sich schutzsuchend auf ein "stilles Örtchen zurückzog. Die Folgen der Arbeitslosigkeit waren aber nicht nur Radikalisierung, sie bedeuteten häufig auch "Fraktionierung und Entsolidarisierung der Lohnabhängigen, der Beschäftigten wie der Arbeitslosen".

In Reckenfeld gingen die Nationalsozialisten noch weiter. Ihr Funktionär Herbeck (Foto) meldete für den 22. Juni 1932 die Durchführung einer "Sonnenwendfeier" an mit dem Ziel, die "Dissidenten", also Nichtmitglieder einer religiösen Gemeinschaft, den Kommunisten (siehe Stempel) zu entziehen. Letztere hatten versucht, mit der Organisation der "Proletarischen Freidenker" ein Gegengewicht zu den Kirchen zu schaffen. Am 3. Mai 1932 waren die "kommunistischen Gottlosen-Verbände von regierungsamtlicher Seite aufgelöst worden.

Es war sicher kein Zufall, dass die Reckenfelder Nationalsozialisten jetzt das feierten, was zum Programm der zuvor verbotenen proletarischen Freidenker gehört hatte: eine Sonnenwendfeier. Über die Resonanz dieser Veranstaltung ist nichts bekannt. (Foto: Stempel der kommunistischen Partei - Ortsgruppe Reckenfeld)

Streit um Stützpunkt

Im Juli 1932 kam es zu heftigen Auseinandersetzungen im Stützpunkt Greven-Reckenfeld. Berichten der katholischen Lokalpresse ist zu entnehmen, dass Stützpunktleiter Thole seiner Ämter enthoben wurde.

Zwar konnte bei den wenigen Parteimitgliedern ihre Anzahl "nur wenig angeschwollen" sein. Der Hinweis auf "Misshelligkeiten" nennt aber einen wunden Punkt der frühen NSDAP-Geschichte. Eifersüchtig wurde dem - immer noch in Münster wohnenden - Stützpunktleiter Thole eine Bevorzugung der Reckenfelder vorgeworfen.

Bis zum Ende des Jahres gab es zudem eine Reihe von Austritten.' Auch die Chronik Cordes spricht von Schwierigkeiten innerhalb der Ortsgruppe: "Als die Zahl der Mitglieder anschwoll, konnte es nicht ausbleiben, dass es zwischen den Parteigenossen in Greven und Reckenfeld zu Misshelligkeiten kam.

Die Spannungen innerhalb der Ortsgruppe gingen so weit, dass beim zweiten Besuch des Gauleiters Meyer in Greven am 25. Oktober 1932 die Reckenfelder der Versammlung fern blieben. Cordes berichtet, dass daraufhin der Gauleiter bestimmt habe: "Ich komme nicht mehr nach Greven, bis Ordnung geschaffen ist.

In der Konsequenz wurden zwei neue Stützpunkte gebildet. Am 1. Oktober 1932 übernahm der Schuhmachermeister und Kleinhausierer Fritz Peters den Reckenfelder Stützpunkt, in Greven-Dorf wurde der Thole-Nachfolger sein Vorgänger August Schröder, der wiederum im Herbst 1932 durch den aus Köln zugezogenen Erwin Halstrup als Stützpunktleiter abgelöst wurde..

Hinter dem Streit zwischen Greven und Reckenfeld stand mehr, als diese rein persönlichen Animositäten vermuten lassen. Die Analyse der Grevener Wahlergebnisse zeigt, dass die Reckenfelder Nationalsozialisten deutlich erfolgreicher waren als ihre Grevener Parteigenossen.

Bis zu den Reichstagswahlen 1930 erhielt die NSDAP in Greven-Dorf erheblich mehr Zustimmung als in allen anderen Bereichen des Amtes. Zu Anfang des Jahres 1932 hatten die Nationalsozialisten in Reckenfeld mehr Erfolg, allerdings verliefen die Zuwachsraten im März und April bei den Reichspräsidentenwahlen in beiden Ortsteilen parallel. Bei der Landtagswahl im April 1932 endete diese Gemeinsamkeit. Die Reckenfelder gewannen, die Grevener verloren Prozentanteile. Dieser Trend verstärkte sich im Juli bei den Reichstagswahlen, und im November des Jahres war der Unterschied zwischen Reckenfeld und Greven-Dorf am größten.

Nach der intensiven Propagandakampagne im gesamten Deutschen Reich waren innerhalb der NSDAP die Erwartungen auf eine Kanzlerschaft Hitlers groß. Das Wahlergebnis im Juli 1932 verstärkte diese Hoffnungen. Als es den Nationalsozialisten nicht gelang, die Wahlerfolge in politische Macht umzusetzen, erlebte die Partei überall im Reich im November 1932 einen schweren Einbruch.

Dies war in Reckenfeld jedoch nicht der Fall. Hier konnte die NSDAP ihre Stimmanteile vergrößern. Hintergrund waren die Vorgänge um die Eisenhandelsgesellschaft Ost. Die Zustimmung zur NSDAP artikulierte wohl auch den Protest unzufriedener Reckenfelder Bürger gegen die Art und Weise, wie mit ihnen umgegangen wurde.

Hinzu kam der größere Erfolg nationalsozialistischer Wahlwerbung unter Bürgern evangelischer Konfession. In der Reckenfelder Diaspora dürfte dieser Aspekt wie auch in anderen Teilen des Deutschen Reiches eine Rolle gespielt haben. Der Erfolg der Reckenfelder Nationalsozialisten wurde höheren Orts in der Partei bemerkt. Immerhin erhielten sie am 1. Januar 1933 die Genehmigung, eine eigene Ortsgruppe zu führen. Dies kann nur eine Ausnahmegenehmigung gewesen sein, da nach vorliegenden Unterlagen in Reckenfeld keine 50 Parteimitglieder zusammen gekommen waren. Dies muss als weiterer Erfolg der Reckenfelder Nationalsozialisten gegenüber ihren parteiinternen Rivalen aus Greven-Dorf bewertet werden. Die Zunahme der Stimmen in Reckenfeld kann, berücksichtigt man die Höhe der Wahlbeteiligung, nur durch eine Mobilisierung von Nichtwählern erreicht worden sein, ein Trend, der der NSDAP im gesamten Reich zu Gute kam.

Stützpunkt Reckenfeld

Von dem Reckenfelder Stützpunkt, der mindestens zwölf Mitglieder haben musste, konnten elf ermittelt werden, die vor 1933 in die Partei eintraten:

Die besondere Situation der jungen Siedlung unterschied den Stützpunkt Reckenfeld von den Nationalsozialisten in Greven-Dorf. Das Problem, ortsfremd zu sein, stellte sich in Reckenfeld für alle Bewohner. Die nachweisbaren Nationalsozialisten rekrutierten sich aus dem in Reckenfeld stark ausgeprägten Mittelstand stand. Händler, Handwerker und kleine Selbständige stellten zusammen mit einigen Rentnern das Gros des kleinen Stützpunktes in den Jahren 1931 und 1932. Die vielen Erwerbslosen der Siedlung finden sich nicht in der Aufstellung der Parteimitglieder. Zum einen sympathisierten die meisten von ihnen mit den Kommunisten, zum anderen hätten sie aber in der Regel nicht die Mittel gehabt, Mitgliedbeiträge für die NSDAP zu bezahlen.

Ein Blick auf die Altersstruktur der Reckenfelder Nationalsozialisten zeigt, dass insbesondere die älteren Jahrgänge zur NSDAP fanden. Keiner der männlichen Pg. war nach 1891 geboren. Sie hatten somit den Ersten Weltkrieg aktiv miterlebt und empfanden, wie der Chronist Cordes verzeichnete, das Versailler Diktat als "Totengräber Deutschlands".

Diese "alten Herren" verfügten in ihren Wohngegenden, vor allem in den Blocks C und D, über größeres Ansehen als die Grevener Pg. in ihren Wohngegenden. Zwei Rentner - Polizisten im Ruhestand - waren bei der Kommunalwahl 1929 Kandidaten der "Unpolitischen".

Sie vertraten den bürgerlichen Teil der kleinen Reckenfelder Gesellschaft und arbeiteten eng mit dem Kriegerverein zusammen. Diese Einbindung der Reckenfelder Nationalsozialisten in ihr soziales Umfeld war die Voraussetzung dafür, dass fast ein Drittel der wahlberechtigten Bevölkerung 1932 für die NSDAP stimmte.

Im Rahmen des Forschungsprojektes "Nationalsozialismus in Bayern" kam Elke Fröhlich zu dem Ergebnis, dass die NSDAP sich in der Phase der Minderheitspartei mit 10 bis 15% der Wählerstimmen vor allem aus kleinbürgerlichem Unterschichtenpotential rekrutierte. Die Partei war in dieser Periode erfolgreicher in kleinen Provinzstädten, wo diese sozialen Gruppen (kleine Handwerker, Angestellte, kleine Geschäftsleute, untere Beamte) stärker vertreten waren als auf dem Lande.

Sie fährt fort: "Die NSDAP gelangte überall dort bis zum März 1933 über die Grenzen der Minderheitspartei hinaus, wo sie in der Lage war, gesellschaftlich und öffentlich angesehene Honoratioren und Meinungsführer ... für sich zu gewinnen."

Dies war in Reckenfeld der Fall. Hinzu kam, dass in dem "Völkergemisch" in Reckenfeld eine vergleichbar dominante gesellschaftliche Kraft wie das katholische Milieu fehlte, die zumindest bis 1933 die größten Teile der Grevener Bevölkerung gegen den Nationalsozialismus immunisierte. Im Gegenteil, der Totalitätsanspruch des katholischen Milieus ließ viele Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde nach einer anderen starken politischen Kraft suchen. Die konservativ Orientierten gelangten so zur NSDAP.

Zur Jahreswende 1932/33 gab es im Amt Greven eine Ortsgruppe der NSDAP in Reckenfeld sowie einen Stützpunkt in Greven-Dorf mit zusammen ca. 45 Mitgliedern. Größer noch war die Zahl der SA-Mitglieder.

Ein Trupp von 56 Mann bildete sich aus vier Scharen, von denen je zwei aus Greven und Reckenfeld kamen. Die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation (NSBO) hatte 100 Mitglieder, über weniger Zulauf verfügte die Nationalsozialistische Frauenschaft (NSF). In Reckenfeld existierten bereits mit HJ, BDM und Jungvolk Jugendorganisationen der Partei.

Auseinandersetzung der Kommunisten und anderer Personen mit der NSDAP

Die entschiedensten Gegner der Nationalsozialisten waren in Greven und vor allem in Reckenfeld ihre direkten Konkurrenten: die Kommunisten. Zur Auseinandersetzung kam es, als die Grevener NSDAP ihre Aktivitäten auch auf Reckenfeld erstreckte. Es wird die junge Ortsgruppe besonders verstimmt haben, dass ihre erste Veranstaltung in Reckenfeld verboten wurde, weil bereits eine KPD-Veranstaltung am gleichen Ort und zur gleichen Zeit angemeldet worden war.

Man kann annehmen, dass dies von den Kommunisten beabsichtigt war. Ansonsten orientierte sich ihr Einsatz gegen die Nationalsozialisten weniger an den lokalen Bedingungen als an übergeordneten Direktiven der KPD-Bezirksleitung. Ein Aufmarsch des "Kampfbundes gegen den Faschismus", der gemeinsam mit vier KPD-Ortsgruppen für den B. November 1931 in Reckenfeld geplant worden war, kam nicht zustande. Dennoch kann angenommen werden, dass auf der Ersatzveranstaltung in der Wirtschaft Berlage, zu der rund 60-70 Radfahrer aus Münster gekommen waren, der "Nationalsozialismus" Thema war.

(Anm.: Aus diversen Unterlagen des StaG waren folgende Personen aller Wahrscheinlichkeit als Kommunisten in Reckenfeld tätig:
  • Wilhelm Holzenkämpfer (Weber) in C 69 oder C 70 wohnhaft, war in der KPD und Vorsitzender im Kaninchenzuchtverein in Reckenfeld - um das Jahr 1931
  • Franz Bruns, C 42, (Arbeiter) soll auch Kommunist gewesen sein, auch er war im Reckenfelder Kaninchenzuchtverein tätig. Klingt irgendwie logisch, dass beide Personen keine Nazis sondern Kommunisten waren
  • Am 14.6.1949 teilt der Reckenfelder Kommunist Runge mit, dass Frau Milda Henke (Foto), A 40a, für die KPD-Ortsgruppe Reckenfeld zuständig war - um 1932
  • Friedrich Knels (C 22) - den ich in keiner meiner Personenliste finde - soll für die KPD auf dem Potsdamer Platz eine Versammlung unter freiem Himmel abgehalten haben. Das war 1932.

Zur ersten größeren Auseinandersetzung kam es aus privaten Gründen. Als der spätere SA-Truppführer (Anm.: vermutlich Kolmsee) (Foto) seinen Mieter Christian Geitz nicht aus seiner Wohnung (Anm.: Christian Geitz und auch seine Frau besaßen mehrere Schuppen. Eine Zuordnung, in welchem er zu dieser Zeit gewohnt hat, lässt sich nicht mehr nachvollziehen) vertreiben konnte, bat er die Grevener NSDAP um Hilfe. Ein Funktionär der Partei "in mit ihm zum Amt, wo ihm allerdings keine Unterstützung gewährt wurde. In der Parteichronik heißt es später, der Beamte des Amtes habe zur Selbsthilfe geraten.

Daraufhin kam es vor der Wohnung Geitz zu einer Schlägerei, bei der unter anderem auch Schüsse gefallen sein sollen. Da die Grevener Nationalsozialisten zuvor bei einer Saalschlacht schon einmal den Kürzeren gezogen hatten, hatten sie sich durch SA aus Lengerich verstärkt. "Es dauerte auch keine Stunde, da war von weiter Ferne der Überfallwagen durch starken Lichtschein bemerkbar. Wir wollten nicht gerne radiert werden und verschwanden in die Hecken und Gebüsche", berichtet Heinrich Sieber in seiner Parteigeschichte. (Anm.: Haus von Kolmsee - siehe Foto)

Als Antwort auf diese Aktion organisierte sich in Reckenfeld eine Ortswehr. Clemens Henke (Foto) lud zu einer öffentlichen Versammlung ein, auf der über die Vorkommnisse in der Nacht vom 16. auf den 17. Januar 1932 in Reckenfeld gesprochen wurde. Gegen die beteiligten Nationalsozialisten wurde Anklage wegen Landfriedensbruch und Hausfriedensbruch usw. erhoben, nach der "Machtergreifung" wurde das Verfahren niedergeschlagen. Dies blieb nicht die einzige handfeste Auseinandersetzung der NSDAP mit den Kommunisten.

Am Samstag, den 25. Februar 1933, war als Demonstration eigener Stärke ein Aufmarsch der Parteiorganisationen geplant. Er sollte in Reckenfeld beginnen und in Greven enden.

Die Ortsgruppe in Greven I. d. Ems hatte das organisiert, es war geplant, dass der Zug, beginnend bei der Wirtschaft Micheel, über die Bahnhofstraße (Fotos) durch jeden einzelnen Block der Siedlung ziehen sollte, um dabei Mitmarschierer einzusammeln. Durch diese symbolische Aktion wurden auch bis dahin Außenstehende aufgefordert, jetzt "mitzulaufen". Nach der Sammlung in Reckenfeld sollte der Zug bis zur Gaststätte Nettmann marschieren, von hier aus auf die andere Emsseite hinüberwechseln und bis in den südlichen Teil Grevens ziehen, bevor er am Abend im Winninghoffschen Saal mit einer Kundgebung abgeschlossen werden sollte.

Zeitzeuge Franz Sperling:
  • "Als eines Tages ein Aktivist 'vom Schlage Peters' zu mir gekommen ist, um mich für die SA-Reserve anzuwerben, habe ich ihm unter anderem geantwortet: 'Weißt Du Wilhelm, wenn die SA so zackig durch die Straßen marschiert im Stechschritt, dann muss es auch noch ein paar Leute geben, die an der Straße stehen, um das anschauen zu können. Daraufhin bin ich in Ruhe gelassen worden'".
  • "Ich habe entgegen dem Zug der Zeit mich von allen NS-Organisationen ferngehalten und im Bekanntenkreis auch keinen Hehl daraus gemacht, was ich von den Nazis hielt. So organisierte ich einmal als Vorsitzender des hiesigen ev. Kirchenchores einen Omnibus-Ausflug für Mitglieder, Freunde und Gönner des Chores. Den Ausflug legte ich bewusst auf den Tag der Wahlen für das Presbyterium der ev. Kirchengemeinde, sammelte rd. 50 Fahrgäste am jetzigen Kirchplatz ein und fuhr dann mit dem vollen Bus zum Wahllokal. So brachte ich bestimmt einige Leute an die Wahlurne, die sonst den Weg in das Wahllokal nicht gefunden hätten. Da sich an Presbyterwahlen schon immer nur ein geringer Prozentsatz der Gemeindemitglieder beteiligte, beeinflusste ich somit mit den Omnibusinsassen den Wahlausgang in meinem Sinne.

    An der Außentür des Wahllokals hing ein Aufruf der örtlichen 'Deutschen Christen', d.h. der NS-Vertreter, welche mit diesem Aushang für ihre Kandidaten warben und gleichzeitig vor der Wahl der anderen Liste warnten. Ich las den Aufruf genau durch, zog aus meiner Westentasche ein kleines Stückchen Papier und einen Rotstift hervor, um den aus meiner Pfeife hervorquellenden Tabak nachzustopfen, unterstrich einige orthographische Fehler und schrieb unter den Aushang: 6 Fehler! F. Sperling. So hatte ich die Lacher auf meiner Seite, während die Verfasser des Aushangs ahnungslos im Wahllokal saßen und die Wahl beobachteten."

  • Wahlen

    Für die Amtswahl 12. März 1933 stand auf Platz 1 der NSDAP-Liste der Reckenfelder Ortsgruppenleiter Peters und nicht etwa ein Kandidat aus Greven-Dorf. Dies kann als deutliches Zeichen dafür gelten, dass sich die Reckenfelder Nationalsozialisten entsprechend ihren Erfolgen gegen die Nationalsozialisten aus Greven-Dorf durchgesetzt hatten.

    Bei der KPD fanden sich mit dem Pächter (Kötter) Bruns und Hermann Stäblein zwei Grevener Lokalpolitiker, die früher anderen politischen Gruppierungen angehört haben. Hermann Stäblein war 1918 noch SPD-Vorsitzender und ist wohl zu Beginn der 1930er Jahre in die linke Abspaltung der SPD, die Sozialistische Arbeiterpartei, eingetreten.

    Im Gegensatz dazu gewann die "Reckenfelder Arbeiter- und Bürgerliste" ihre Kandidaten aus dem linken Spektrum der neuen Siedler Reckenfelds. Auf Platz 2 stand mit Friedrich Fischer einer von neun Unterzeichnern des von den linken Weimarer Parteien unterstützten Volksbegehrens "Panzerkreuzerverbot 1938".

    Stärke und Einfluss der Nationalsozialisten zeigte sich in Reckenfeld, wo im Vorfeld der Kommunalwahl eine von den Kommunisten angemeldete Veranstaltung zugunsten einer angemeldeten NSDAP-Veranstaltung verboten wurde. Die NSDAP-Veranstaltung fand nicht statt, weil angeblich "der Redner ausblieb". Die Nationalsozialisten hatten die Veranstaltung wohl nur angemeldet, um zu verhindern, dass die KPD vor der Wahl noch auftreten konnte. Damit hatten sich die Reckenfelder Pg. an ihren politischen Gegnern gerächt. Die NSDAP konnte aufgrund ihrer Stärke in Reckenfeld sogar Hakenkreuzfahnen an öffentlichen Gebäuden hissen. Sie sollten über den Wahltag hinaus hängenbleiben.

    Die höchsten Zugewinne erzielte die NSDAP in ihren traditionellen Hochburgen: Wahlbezirk III (Niederort, Wahllokal Gaststätte Laumann + 11,43%) und Wahlbezirk Greven I. d. Ems II (Reckenfeld + 9,41 %). Hier waren die Stimmenanteile doppelt so hoch wie in den meisten anderen Wahlbezirken Grevens. Im Vergleich zu früheren Resultaten fiel das Ergebnis in Gimbte (+ 9,74%) überraschend hoch aus. Dies war sicher eine Folge der mittelständischen Sozialstruktur und der Nähe zu Münster. Das Spitzenergebnis erzielten die Nationalsozialisten in Reckenfeld mit 26,44%: der Wahlberechtigten.

    Insgesamt erreichten NSDAP und SWR im Wahlbezirk Greven-Dorf III (Wahllokal Laumann) 29,3%, in Greven I. d. Ems II (Reckenfeld) 28,3%). Der hohe NSDAP-Anteil in Reckenfeld dokumentiert, dass dort ein Teil des konservativen Bürgertums bereits vom Nationalsozialismus aufgenommen worden war. Eine Woche nach der Reichs- und Landtagswahl wurden die Grevener erneut zu den Wahlurnen gerufen. Diesmal konnten sie ihre Stimme für den Provinziallandtag, den Kreistag und die kommunalen Vertretungen auf Amts- und Gemeindeebene abgeben.

    Der Grevener Berichterstatter der EVZ überschrieb seinen Bericht über den Ausgang der Wahlen: "Der letzte Gang!" Er bemerkte erleichtert, dass nun die "große Wahlschlacht" beendet sei. Der Wahlsonntag sei, abgesehen von einem Zwischenfall in Reckenfeld, wo der Gemeindevertreter Geitz nachts auf der Straße überfallen und übel zugerichtet wurde, ruhig verlaufen. Allerdings sei eine Wahlmüdigkeit zu konstatieren.

    Das Ergebnis zur Amtsvertretungswahl wies dementsprechend einige Besonderheiten auf. Die Christlichen Arbeiter und der Christliche Mittelstand mussten zum Teil Verluste in zweistelliger Höhe hinnehmen. Allein die landwirtschaftlichen` Listen konnten ihre Wähler stärker mobilisieren. Aber auch für die anderen Parteien war das Ergebnis im Vergleich zur letzten Kommunalwahl enttäuschend. So verloren die Sozialdemokraten über die Hälfte ihrer Stimmen.

    Auch die Reckenfelder Arbeiter- und Bürgerliste sank unter 4%. Die erstmals bei Kommunalwahlen angetretenen Kommunisten konnten nur magere 2,4% erreichen. Ihr Abwärtstrend, der in der Woche zuvor bei den Reichstagswahlen, bereits deutlich geworden war, hatte sich fortgesetzt. Sogar die Nationalsozialisten - ansonsten überall im Aufwind - erreichten für sie enttäuschende 9,53 % der wahlberechtigten Stimmen. Der Rückgang der Stimmenzahl für alle Parteien war sicher ein Indiz für die Nachrangigkeit der Wahlen vom 12. März 1933.

    Die Ergebnisse für den Provinziallandtag und den Kreistag unterschieden sich kaum von den Kommunalwahlergebnissen. Auffallend ist allein, dass die NSDAP in Greven-Dorf bei den Gemeindewahlen 361 Stimmen erhielt, gleichzeitig aber 537 Stimmen für den Provinziallandtag verbuchen konnte. Die lokale NSDAP mobilisierte deutlich weniger Wähler als die reichsweit bekannten NS-Führer. In Reckenfeld erhielt die NSDAP allerdings 28% der wahlberechtigten Stimmen und, was sie propagandistisch sicher günstiger auswerten konnte, 40% der gültigen Stimmen.

    Dieses Ergebnis wirft ein besonderes Licht auf den alten Konflikt zwischen Reckenfeld und Greven-Dorf. Die Grevener Nationalsozialisten hatten schon vor Bekanntgabe der Wahlergebnisse der Öffentlichkeit ihren politischen Führungsanspruch demonstriert. Zum Wahlsonntag, der auch gleichzeitig Volkstrauertag war, veranstalteten die Grevener Vereine eine Trauerfeier "für die Gefallenen des Weltkrieges" am Ehrenmal der St. Martinus-Kirche (Foto).

    Nationalsozialismus im Alltag

    Ende 1933 waren mit August Schröder, dem Reckenfelder Ortsgruppenleiter Peters, seinem Stellvertreter Herbeck und Ferdinand Thole die wichtigsten Funktionen der Grevener Ortsgruppe noch in der Hand der "alten Kämpfer". Ähnliches galt für die SA und die Organisationen, die schon vor dem Januar 1933 im Amt Greven existiert hatten.

    Die rauhen Umgangsformen der Altfunktionäre sorgten für Spannungen. "Rabauken" seien es gewesen, urteilt ein Zeitgenosse. Aus der Zeit vor der "Machtergreifung" hatte sich manches Vorurteil gehalten. Einem Reckenfelder Funktionär sagte man nach, er sei Alkoholiker. (Anm.: War das Peters?) Ob dieser Vorwurf - wie auch eine Reihe anderer Gerüchte berechtigt waren oder nicht, sei hier dahingestellt.

    Aus der historischen Betrachtung verdeutlichen derartige Anschuldigungen anschaulich das Bild, das die neuen Mitglieder von den "alten Kämpfern" hatten. Diese Gerüchte wurden zu einem äußerst wirkungsvollen Werkzeug, um sich missliebige Personen zu entledigen. In einem Fall kam es sogar im Juni 1935 zu einer Parteigerichtsverhandlung im Sitzungssaal des Amtes Greven. Parallel erfolgende "Säuberungen" in der Kreisleitung Münster-Land begünstigten die Kaltstellung der "alten Kämpfer" in Greven.

    Die häufigen Veränderungen in der Grevener Ortsgruppenleitung sowie die Neubesetzungen in der Amtsverwaltung in den Jahren 1933-1936 zeigen, dass es sich bei diesen Auseinandersetzungen nicht um rein persönliche motivierte Machtkämpfe handelte. Dieser Konflikt zwischen "alten Kämpfern" und den Neumitgliedern hatte schon kurz nach März 1933 eingesetzt, z. B. in dem Familienstreit um Erwin Halstrup, der daraufhin als Ortsgruppenleiter zurücktrat. Als Nachfolger wurde durch die Kreisleitung der Alt-Pg.- Schröder bestimmt, der wiederum wenige Monate später durch den Reckenfelder Pg. Herbeck abgelöst wurde.

    Dessen kommissarische Leitung der Grevener Ortsgruppe endete am 1. April 1934. Als schließlich Amtsbürgermeister Vorndamme 1940 auch noch die kommissarische Ortsgruppenleitung von Reckenfeld übernahm, fiel mit der endgültigen Ausschaltung von Fritz Peters die letzte Bastion der "alten Kämpfer". In Reckenfeld selbst würde das Verhältnis bei einer angenommenen Bevölkerungszahl von 1.700 um 8 % liegen.

    Eine Gemeinderatssitzung Greven l.d.E. im April 1933 u.a. mit den Nazis Peters, Herbeck und Hösker. Wie anders ist doch der Ablauf gegenüber den früheren Sitzungen, als noch keine SA hereinmarschierte und die Sitzung zu einer Farce machte...

    In Reckenfeld und in Greven beteiligte sich die SA an der Verfolgung kommunistischer Lokalpolitiker. Insbesondere die Reckenfelder SA nutzte im April 1933 die Möglichkeit nächtlicher Haussuchungen und ähnlicher Schikanen, um ihre Macht zu beweisen.

    Ähnlich wie in der NSDAP änderte sich die Struktur der SA durch neue Mitglieder, die nach der Machtübernahme hinzukamen. So berichtet ein ehemaliger "Jung-Stahlhelmer", ihre Jugendorganisation des Deutschnationalen Verbandes hätte beabsichtigt, geschlossen in die SS einzutreten. Da aber von den 30 Personen nur 28 die körperlichen Voraussetzungen für die SS-Aufnahme erfüllt hätten, sei die Gruppe geschlossen in die SA gegangen. Viele von ihnen kamen aus "besseren Kreisen.

    Sogar Lehrer traten in die SA ein und erhielten schnell leitende Funktionen. Auch in der SA kam es zu Säuberungen. Offiziell wurde politische Unzuverlässigkeit als Grund angegeben, wenn SA-Mitglieder ihre Uniform und Stiefel zurückgeben mussten. Ein finanziell "schmerzlicher" Verlust.

    Der Handlungsspielraum Grevener Nationalsozialisten wurde in der Auseinandersetzung mit den Kirchen relativ weit genutzt, während zum Beispiel die Reckenfelder Kommunisten kaum Schonung erfuhren. Politische Gegner aus dem ehemaligen Zentrumslager wurden zwar kaltgestellt oder zur Anpassung gedrängt; solange sich die Betroffenen aber davor hüteten, mit Nationalsozialisten in Konflikt zu geraten, hatten sie zumindest die Chance, als "Gestrige" geduldet, in Greven weiterleben zu können.

    Die Vorgeschichte

    Am 2.6.1933 war es jedoch soweit: Amtsbürgermeister Hueske (Foto) teilte der Gemeindevertretung Greven l. d. Ems mit, dass der Landrat den Nationalsozialisten Fritz Peters mit der kommissarischen Verwaltung der Gemeindegeschäfte beauftragt habe. Er sprach dem seit 1894 in der Gemeindeversammlung tätigen Hovest-Engberding seinen besonderen Dank aus und entließ ihn aus seinem Amt."

    Kaum hatten die Nationalsozialisten das Amt des Gemeindevorstehers erobert, gingen sie daran, die politischen Gegner nach und nach zu entfernen. Nachdem dem Kommunisten Runge schon vor der konstituierenden Sitzung sein Mandat aberkannt worden war, wandte man sich gegen die der SPD nahestehende Reckenfelder Arbeiter- und Bürgerliste. Das Verbot der SPD am 22. Juni 1933 schien zunächst eine geeignete Handhabe, konnte hier aber nicht konkret in Ansatz gebracht werden, da Hösker und Geitz nicht offiziell für die SPD kandidiert hatten.

    Dennoch erhielt Geitz im Juli 1933 ein Schreiben des Landrats: "Wegen ihrer sozialdemokratischen Einstellung wird Ihnen hiermit aufgegeben, sich der weiteren Ausübung des Mandats als Gemeindeverordneter zu enthalten, widrigenfalls Ihre polizeiliche Inhaftnahme nach Maßgabe ... der Verordnung zum Schutz von Volk und Staat vom 28.3.1933 ... erfolgen wird. Gez. Dr. Böckenhoff." (Anm.: Dr. Friedrich Boeckenhoff wurde 1933 zum Landrat im Landkreis Münster, Provinz Westfalen ernannt. Am 31. März 1959 trat er aus Altersgründen in den Ruhestand. Boeckenhoff war Mitglied der Zentrumspartei).

    Christian Geitz reagierte auf diese Aufforderung und nahm an Sitzungen der Gemeindevertretung Greven l. d. Ems nicht mehr teil; offenbar fürchtete er aufgrund einschlägiger Erfahrungen um seine körperliche Unversehrtheit. In der Sitzung der Gemeindevertretung am 15.8.1933 stellte der Fraktionsführer der NSDAP, Herbeck, den Antrag, "die erledigten Sitze in der Gemeindevertretung neu zu besetzen, und zwar für Runge den Polizeibeamten a. D. Franz Milkuhn, für Geitz den Landwirt Felix Robert gt. Isfort, für Schweifel den Bauhandwerker Fritz Wilk, zu berufen. Es verwundert zunächst, dass der über die Reckenfelder Arbeiter- und Bürgerliste in die Gemeindevertretung gewählte Bernhard Hösker hier nicht aufgeführt ist. Offensichtlich hatte er sich auf Drängen der NSDAP bereits im Juni 1933 den nationalsozialistischen Gemeindevertretern angeschlossen und war in die Partei eingetreten.

    Der Antrag der NSDAP auf Neubesetzung mit nationalsozialistischen Abgeordneten fand in der Gemeindevertretung keine Mehrheit. Offensichtlich verfolgten die Nationalsozialisten dies auch nicht weiter, denn vor dem Hintergrund der allgemeinen politischen Entwicklung war ein solcher formeller Akt zur Dokumentation der "Machtergreifung" auch nicht mehr notwendig. Schweifel hatte seit Juni 1933 nicht mehr an Sitzungen der Gemeindevertretung Greven 1. d. Ems teilgenommen und sein Mandat niedergelegt; Geitz erklärte schließlich am 3. 9. 1933 von den Nationalsozialisten unter erheblichen Druck gesetzt - schriftlich: "Hiermit lege ich mein Mandat als Gemeindevertreter der Gemeinde l. d. Ems nieder. Reckenfeld, 30. 9. 1933. Gez. Christian Geitz.

    1934 trat der Führer der SA Reckenfeld, Kolmsee, in die Gemeindevertretung ein. Der Sitz des obersten örtlichen Führers der Partei in der Gemeindevertretung blieb vakant. Da der Ortsgruppenleiter bereits den Posten des Gemeindevorstehers innehatte, konnte man sich offensichtlich in der Reckenfelder NSDAP nicht auf einen Vertreter einigen. (Drei von mehreren Reckenfelder Nazi-"Größen": Bartmann, Kolmsee und Borkenhagen) >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>

    Erst später erkannten die zentrumsorientierten Vertreter, dass die von Fritz Peters aus Reckenfeld angeführte scheinheilige Begründung, man stelle den Antrag deshalb, "weil man die Haltlosigkeit der kursierenden Gerüchte beweisen und die Ehre der Beamten schützen müsse", keineswegs den wahren Intentionen entsprach. In Wahrheit sollte Amtsbürgermeister Hueske so rasch wie möglich abserviert werden.

    Wenige Tage später rückte durch die Ernennung Fritz Peters zum kommissarischen Bürgermeister für Greven l.d.Ems mit Wilhelm Herbeck ein weiterer Nationalsozialist in die Amtsversammlung nach. Für Bernhard Gronotte, der als Gemeindevorsteher von Greven Dorf sein Wahlmandat niedergelegt hatte, kam Karl Biederlack.

    Die Nationalsozialisten machen durch Propaganda auf sich aufmerksam

    So intensiv der Amtsbürgermeister bei anstehenden größeren Entscheidungen auch Rücksprache mit den Repräsentanten der sozialen Eliten und den örtlichen Parteifunktionären suchte, so sehr mied er es. Kontakte mit der Reckenfelder Ortsgruppe über das unbedingt Notwendige hinaus auszuweiten. Die schriftlich geäußerte Erwartung des Ortsgruppenleiters der NSDAP Reckenfeld, der Bürgermeister werde wohl zum Wochenendtreffen der Partei im Juli 1936 die für das Gelingen der Veranstaltung notwendigen Damen mitbringen, mag Vorndamme wohl kaum zur Vertiefung privater Beziehungen veranlasst haben. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Vorndamme nach Peters' Amtsenthebung selbst die Geschäfte des Ortsgruppenleiters in Reckenfeld kommissarisch übernahm.

    In enger Verbindung zu den einzelnen Aktionen nationalsozialistischer Machteroberung stehen die Maßnahmen zur Konstituierung der Herrschaft. Neben der Besetzung von Schlüsselpositionen in Vertretung und Verwaltung demonstrierten die Nationalsozialisten nach außen durch zum Teil ungesetzlich herbeigeführte symbolische Beschluss- und Verwaltungsakte sowie durch z. T. offiziell angeordnete und durchgeführte öffentliche Propagandaveranstaltungen ihre "Machtergreifung".

    Die NSV sammelte nicht nur in Greven, sie unterhielt auch hier einige Einrichtungen der Wohlfahrtsarbeit. Im Juli 1936 wurde in Reckenfeld eine NS-Gemeindeschwesternstation eingerichtet. ... auf Antrag des Ortgruppenleiters Peters wurde der bislang an die evangelische Schwesternstation in Reckenfeld gezahlte Betrag gestrichen und nun den "braunen Schwestern" zur Verfügung gestellt.

    Wie Greven-Dorf verfügte auch Reckenfeld ab 1940 über einen NSV-Kindergarten (Fotos) . Er war Mitte des Jahres zusammen mit einer NSV-Geschäftsstelle im Gebäude der inzwischen aufgelösten NSV-Gauschule, dem Haus Marienfried an der Nordwalder Straße, eingerichtet worden und bestand wie der NSV-Kindergarten in Greven-Dorf bis zum Kriegsende.

    In welchem Umfang weitere sozialfürsorgerische Maßnahmen der NSV, insbesondere über das 1934 gegründete "Hilfswerk Mutter und Kind", in Greven durchgeführt wurden, lässt sich nach Aktenlage nicht mehr ermitteln. Vereinzelte Hinweise"' belegen, dass vor allem durch die NSV Reckenfeld wiederholt Maßnahmen der ansonsten vornehmlich in Städten praktizierten Kinderlandverschickung und Müttererholung durchgeführt wurden. So meldete z. B. der MA am 31.3.1940: "Am Freitag sind die Kinder aus dem Erholungsheim der NSV Bad Salzuflen sehr gut erholt zurückgekommen."

    Auch in Reckenfeld hatte die Gemeinde Greven I. d. Ems gemeinsam mit der NSV Mitte der 30er Jahre den Munitionsschuppen A 6 zu einer kleinen Schweinemastanstalt umgebaut. 1938 wollte der Bürgermeister Greven I. d. Ems dieses Gelände privat erwerben, wurde aber abgewiesen. Daraufhin entfernte er die Fenster aus dem Gebäude, da sie sein Eigentum seien. Weil die Versorgung mit Küchenabfällen nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges durch mangelnde Transportkapazitäten nicht mehr gewährleistet war, wurde die Anstalt um 1940 stillgelegt. 1941 erwarben die Polizei, dann Richard Lück aus Münster das Gelände und Gebäude, um dort ein Möbellager einzurichten.

    Propagandistische Einzelaktionen nahmen zum Teil groteske Formen an: So beabsichtigte der Ortsgruppenleiter und Bürgermeister von Greven I. d. Ems, Peters, verschiedene Straßen in Reckenfeld mit Nussbäumen zu bepflanzen. Auf die Frage, weshalb er ausgerechnet Nussbäume wünsche, soll er bedeutungsvoll darauf hingewiesen haben, die Anpflanzung von Nussbäumen sei als große nationale Tat zu werten, denn schließlich brauche der Führer ja Nußholz zur Herstellung von Gewehrschäften. Letztlich wurden dann aber doch Birken angepflanzt.

    Man sagte nun nicht mehr "Guten Morgen". "Guten Tag" oder ,Guten Abend". Die Entrichtung des "Deutschen Grußes" wurde Pflicht - zumindest forderte dies die Partei. Schon am 15.7.1933 konnten die Grevener in ihrer Lokalzeitung lesen: "Es ist allgemein Übung geworden, beim Singen des Deutschland-und des Horst-Wessel-Liedes ... den Hitler-Gruß zu erweisen, ohne Rücksicht darauf, ob der Grüßende Mitglied der NSDAP ist, oder nicht. Wer nicht in den Verdacht kommen will, sich bewusst ablehnend zu verhalten, wird daher den Hitlergruß erweisen.

    Das Haus links wurde vom Bgm. Peters 1933 gebaut, Dilla schaffte es, einen ehemaligen Wasserbehälter am Abstellbahnhof aufzustocken bzw. anzubauen, das war 1937. Das Haus ganz rechts baute sich Pg. Hans Sander an der heutigen Emsstraße).

    Die Jahreszahl auf dem Stein ist der Beleg dafür, dass das Haus von Peters 1933 gebaut wurde.

    NSDAP, Kirche und Kommunisten

    Auch Mitglieder der Grevener und Reckenfelder KPD wurden von diesen Maßnahmen betroffen. Am 28.2. oder 1.3.1933 - hier liegen widersprüchliche Angaben vor - wurden die Vorsitzenden der KPD-Ortsgruppen Greven, Ulrich Gebauer*, und Reckenfeld, Hannes Edelbrock* (Philipp Runge, C 68 / D 46), sowie die KPD-Funktionäre Konrad Fiene* (Hermann Biemüller, D 12) und Ewald Freund/Freundlieb* (Fritz Gerlach, C 46) aus Reckenfeld auf Anordnung der Regierung in Münster verhaftet und in das Polizeigefängnis Greven eingeliefert. Bei Haussuchungen hatte die Polizei am 28.2.1933 bei ihnen "hochverräterische Blätter" gefunden. Zwei weitere Mitglieder der KPD Reckenfeld, die sich als Flugblattverteiler betätigt hatten, Rudolf Gas* (Ernst Huff, D 43) (Foto) und Emil Frosch* (Friedrich/Fritz Jerzinowski) (Foto, re.), wurden am 3.3.1933 in Schutzhaft genommen und gleichfalls in das Polizeigefängnis Greven eingeliefert. Wegen des Platzmangels im Polizeigefängnis, vor allem aber wegen der am 5.3.1933 stattfindenden Reichstagswahl, ließ Bürgermeister Hueske die sechs Gefangenen noch am 4.3.1933 eigenmächtig in das Gerichtsgefängnis Münster überführen. Fürchtete er um Ruhe und Ordnung am Wahltag? Wann diese sechs inhaftierten Kommunisten aus der Haft in Münster entlassen wurden, ist nicht bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, daß sie bereits wenige Tage nach der Reichstagswahl wieder freigelassen wurden.

    Als im April 1935 Kaplan Hellkuhl eine Filmvorführung, in Reckenfeld plante, wurde ihm vom Ortsgruppenleiter Peters persönlich die Vorführung untersagt. Kaplan Hellkuhl übrigens gab nicht auf, nach erneuter Intervention und dem Vorlegen aller notwendigen amtlichen Bescheinigungen konnte er zwei Tage später den Film "Andreas Hofer" ohne jede Störung in Reckenfeld zeigen, ein Beleg für die noch fehlende Abstimmung zwischen Verwaltung Lind Partei im Umgang mit der Kirche.

    Amtsbürgermeister Vorndamme schien von diesen Vorgängen überrascht worden zu sein. Neun Tage später erkundigte er sich beim Landrat, ob dieser Pfarrbrief wirklich als "unstatthaftes politisches Flugblatt anzusprechen" sei.

    Bevor diese Frage geklärt werden konnte, kam es in Reckenfeld zu einem Zwischenfall. Am 23. Mai 1938 informierte der dortige Gendarmeriehauptwachtmeister die Amtsverwaltung, dass seit einigen Tagen im Gitterkasten (2 Fotos: Hier könnte der Gitterkasten gestanden haben) der HJ Reckenfeld an. der Ecke Bahnhof/Emsdettener Weg (Anm.: heutige Industriestraße ),

    eine Broschüre mit der Überschrift "Clemens August" hänge, und rechts von der Unterschrift "sei das Bild eines Esels angebracht. - Selbst der Wachtmeister spürte, dass diese Verunglimpfung des Bischofs große Empörung auslösen konnte. Insbesondere in der Landbevölkerung, die an der - auch in Reckenfeld stattfindenden - Missionswoche teilnehmen wollte, sei eine derartige Aktion geeignet, Unfrieden zu stiften: "Einige Bauern erklärten, dass durch den Aushang einer solchen Broschüre die Volksgemeinschaft und Volksverbundenheit nicht gefördert würde. sondern dass durch solche Machenschaften das Ansehen der Partei geschädigt und die Gebefreudigkeit der Bauern für Spenden gehemmt würde."

    Der Herr Amtsbürgermeister hat den Beschluss gefasst und am 9. Januar 1939 durch die Zeitungen bekanntgegeben, dass die Volksschulen in der Gemeinde Greven und der Gemeinde Greven links der Ems (siehe Grafik) mit Wirkung vom 1. April 1939 ab als Volksschulen eingerichtet werden sollen, an denen gleichzeitig katholische und evangelische Lehrkräfte angestellt sind. Durch diesen Beschluss soll die katholische und evangelische Bekenntnisschule beseitigt und in eine gemeinsame Simultanschule umgewandelt werden.

    Vor 1933 hatten sich KPD und NSDAP aus den politischen Positionen der extremen Linken und extremen Rechten nachhaltig befehdet - sowohl in der politischen Auseinandersetzung in den verfassungsmäßigen Vertretungsorganen als auch in öffentlichen Propagandaaktionen, die nicht selten auf Zusammenstöße mit Straßen- und Saalschlachten abzielten. So gab es beispielsweise auch in Greven im August 1933 anlässlich des Schützenfestes der KPD eine von den Nationalsozialisten initiierte wüste Schlägerei im Festzelt. Nach der "Machtergreifung" durch die Nationalsozialisten bekam dieser Konflikt für die KPD jedoch eine ganz andere Dimension: er wurde zum Widerstand gegen den Staat. Aus dem politischen Gegner war für die NSDAP der Staatsfeind geworden.

    Schon am 2.2.1933 erstattete ein Alt-Pg. die erste Anzeige gegen die KPD Reckenfeld: die Ortsgruppe Reckenfeld der KPD hatte angeblich verbotene Flugschriften hergestellt. Offensichtlich ist diese Anzeige aber von der Staatsanwaltschaft Münster nicht weiter bearbeitet worden, das Verfahren wurde wohl eingestellt. Zwei Tage später, am 4.2.1933, wurde Anzeige gegen den führenden Funktionär der KPD Reckenfeld wegen verbotenen Waffenbesitzes erstattet: eine Woche darauf erfolgte eine gleichlautende Anzeige gegen die KPD Reckenfeld. insbesondere gegen zwei Personen. Ob diese Anzeigen der Grundlage entbehrten, kann nicht nachgewiesen werden. Bekannt ist, dass die politischen Kampfbünde der KPD wie auch der NSDAP schon in der Weimarer Republik zum Teil bewaffnet waren. Diese Anzeigen zeigen, dass auch hier die Örtliche Parteileitung der NSDAP einen zentralgesteuerten Putsch der Linken fürchtete.

    Die auf die zweite Anzeige hin unmittelbar durchgeführte Haussuchung bei den KPD-Funktionären in Reckenfeld brachte jedoch nur einen und "ketzerische Flugblätter" ans Tageslicht.

    Am 27. Februar 1933 brannte das Reichstagsgebäude. Am Tatort wurde Marinus van der Lubbe, ein ehemaliger holländischer Kommunist. festgenommen. Noch in derselben Nacht erklärten Goebbels und Göring. dieser Brand sei von den Kommunisten als Auftakt zum Umsturz initiiert worden.

    Am 28.2. oder 1.3.1933 - hier liegen widersprüchliche Angaben vor - wurden die Vorsitzenden der KPD-Ortsgruppen Greven und Reckenfeld, sowie zwei weitere KPD-Funktionäre aus Reckenfeld auf Anordnung der Regierung in Münster verhaftet und in das Polizeigefängnis Greven eingeliefert. Bei Haussuchungen hatte die Polizei am 28.2.1933 bei ihnen "hochverräterische Blätter" gefunden. Zwei weitere Mitglieder der KPD Reckenfeld, die sich als Flugblattverteiler betätigt hatten, wurden am 3.3.1933 in Schutzhaft genommen und gleichfalls in das Polizeigefängnis Greven eingeliefert. Wegen des Platzmangels im Polizeigefängnis, vor allem aber wegen der am 5.3.1933 stattfindenden Reichstagswahl, ließ Bürgermeister Hueske die sechs Gefangenen noch am 4.3.1933 eigenmächtig in das Gerichtsgefängnis Münster überführen. Fürchtete er um Ruhe und Ordnung am Wahltag? Wann diese sechs inhaftierten Kommunisten aus der Haft in Münster entlassen wurden, ist nicht bekannt. Es ist jedoch anzunehmen, dass sie bereits wenige Tage nach der Reichstagswahl wieder freigelassen wurden.

    Die gegen Ende 1933 einsetzende zweite Verhaftungswelle gegen führende Mitglieder der verbotenen KPD traf auch die Reckenfelder Untergrund-KPD. Zwischen dem 1. und dem 4.11.1933 nahm die Gestapo mehrere Männer fest und verbrachte sie zunächst nach Recklinghausen zur Staatspolizeileitstelle. Dort wurden sie von betrunkenen Gestapoleuten empfangen und wild verprügelt. Die Folter dauerte zwei Tage. Man warf ihnen vor. Maschinengewehre versteckt und Schießübungen veranstaltet zu haben. Über den Verbleib der Waffen konnten die Verhafteten allerdings auch unter Folter nichts aussagen, da sie selbst diese Waffen entweder nie besessen oder aus Furcht bereits beseitigt hatten. Es war vielmehr so gewesen, dass Mitglieder der Reckenfelder SA bzw. SS Maschinengewehre und dazugehörige Munition aus Münster nach Reckenfeld gebracht hatten. Als im Herbst der Schuppen abbrannte, in dem Waffen und Munition gelagert waren, fiel der Verdacht auf die Mitglieder der verbotenen KPD Reckenfeld, zumal die Maschinengewehre nach dem Brand auch plötzlich verschwunden waren.

    Die Untergrundarbeit der verbotenen KPD Reckenfeld, die seit November 1933 wegen der Verhaftungen der Funktionäre deutlich zurückgegangen war, wurde ab Juni 1934 wieder deutlich aktiviert. In Emsdetten entstand hier eine Neuorganisation der KPD im Untergrund, 'die einen festen organisatorischen Zusammenhalt hatte', in Zellen aufgeteilt war und eine propagandistische Aktivität bis kurz vor der Festnahme der Mitglieder entfaltete. Die Druckschrift 'Die rote Fahne' wurde in großer Anzahl vertrieben. Am 19.11.1934 begannen die Verhaftungen in Emsdetten. Parallel wurden die Mitglieder der verbotenen KPD Reckenfeld observiert. Nach einer Aktennotiz fuhren am 25.11.1934 (Clemens Henke) und ein weiterer vormittags gegen 10 Uhr mit dem Fahrrad nach Emsdetten, offensichtlich, um sich über die Lage nach den dortigen ersten Verhaftungen zu informieren.

    Aus den Observationsberichten in den Ermittlungsakten wird deutlich, dass zu diesem Zeitpunkt die KPD Reckenfeld wieder fest neu organisiert schien. Clemens Henke galt "von je her als geistiger Hintermann der KPD". Er hatte die KPD vor der Machtübernahme durch Anfertigung von Vervielfältigungsapparaten und Bereitstellung seiner Schreibmaschine zur Herstellung der Druckmatrizen unterstützt. Es konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden, dass er zahlendes Mitglied der KPD war.

    Weiter heißt es: "Heute geht Henke hauptsächlich mit Leuten um, die der KPD angehört haben ... [Er] ist nach wie vor als eine Person zu betrachten, die im Hintergrund arbeitet, und derselben ist schwer beizukommen. Im vorigen Jahr wurde Henke schon dieserhalb festgenommen und musste wieder entlassen werden, da ihm nichts in dieser Hinsicht nachzuweisen war." Auch ein weiterer Reckenfelder wurde zu diesem Zeitpunkt als "gefährlicher Kommunist" eingeordnet, da er trotz seiner längeren Inhaftierung noch zu keiner anderen Überzeugung gekommen sei.

    Die Untergrundarbeit der verbotenen KPD Reckenfeld, die seit November 1933 wegen der Verhaftungen der Funktionäre deutlich zurückgegangen war, wurde ab Juni 1934 wieder deutlich aktiviert. In Emsdetten entstand hier eine Neuorganisation der KPD im Untergrund, "die einen festen organisatorischen Zusammenhalt hatte, in Zellen aufgeteilt war und eine propagandistische Aktivität bis kurz vor der Festnahme der Mitglieder entfaltete." Die Druckschrift "Die rote Fahne" wurde in großer Anzahl vertrieben. Am 19.11.1934 begannen die Verhaftungen in Emsdetten. Parallel wurden die Mitglieder der verbotenen KPD Reckenfeld observiert. Nach einer Aktennotiz fuhren am 25.11.1934 Clemens Henke und eine weitere Person vormittags gegen 10 Uhr mit dem Fahrrad nach Emsdetten, offensichtlich, um sich über die Lage nach den dortigen ersten Verhaftungen zu informieren. (Anm.: Um nach Emsdetten zu kommen, mussten die Radfahrer über den Hof Leising fahren. Die Verbindung, wie auf den beiden Fotos gab es erst seit den 1950er Jahren).

    Am 3.12.1934 wurden Konrad Fiene* (Hermann Biemüller), Josef Gammer* (Clemens Henke), Ferdinand Feger* und Heinrich Fasching* (Wilhelm Bruns) unter dem Verdacht des schweren Diebstahls festgenommen. Es ist offensichtlich, dass dies nur ein Vorwand war, um die vier Personen von der Ordnungspolizei verhaften zu lassen. Offenbar wollte man einen erneuten Verhaftungseinsatz der Gestapo in Reckenfeld vermeiden. So ist es auch nur erklärlich, dass sich im anschließenden Verhör herausstellte, "dass sich vorgenannte Personen der Vorbereitung zum Hochverrat schuldig gemacht hätten ..." Am 5.12.1934 wurden die Gefangenen nach Recklinghausen überführt und dort von der Gestapo mit deren eigenen Methoden weiter verhört. Anzumerken bleibt, dass ein ordentlicher Haftbefehl erst am 8.12.1934 ausgestellt wurde; er betraf neben Fierte*, Gammer* (Clemens Henke), Feger* und Heinrich Fasching* (Wilhelm Bruns) auch die 17 Personen, die in Emsdetten zwischen dem 19.11. und dem 1.12.1934 wegen der Gründung einer illegalen Ortsgruppe der KPD festgenommen worden waren.

    Aus den Vernehmungsprotokollen geht hervor, dass Fiene* (Hermann Biemüller) bereits wenige Tage nach seiner Entlassung aus der Haft im August 1934 wieder Kontakt mit untergetauchten KPD-Funktionären aus Emsdetten aufgenommen hatte. Seine vorsichtigen Versuche, in Reckenfeld die Untergrundorganisation der KPD wieder zu aktivieren, hatten sich zunächst in der Kontaktaufnahme zu alten Funktionären und in der Weiterreichung von Exemplaren der Untergrundzeitschrift "Rote Fahne" beschränkt. Die Mitangeklagten Gammer* (Clemens Henke), Feger* und Heinrich Fasching* (Wilhelm Bruns) wollten offenbar aber an weiteren Untergrundaktionen der KPD nicht beteiligt sein. Feger*, der vom September 1932 bis Februar 1933 Mitglied des Kampfbundes gegen den Faschismus gewesen war und bei Fiene* (Hermann Biemüller) logierte, gab diesem das Heft, nachdem er es gelesen hatte, sofort zurück. Herbert Edelbauer* (Johann Butschkowski) lehnte die Annahme des Heftes ab. Heinrich Fasching* (Wilhelm Bruns) steckte nach eigenen Angaben die von Fiene* (Hermann Biemüller) erhaltenen Exemplare der 'Roten Fahne' in den Ofen.

    Josef Gammer* (Clemens Henke), Ortsgruppenkassierer der KPD in Reckenfeld vom November 1929 bis Mai 1933, der sich als mit Fiene* (Hermann Biemüller) sehr gut befreundet bezeichnete, verbrannte alle Schriften, die er von ihm bekam.

    Bemerkenswert ist, dass alle vier Verhafteten bei den Vernehmungen durch die Gestapo zwar versuchten, ihre eigene illegale Aktivität weitgehend herabzuqualifizieren, die anderen Mitverhafteten jedoch in keinem Punkte zusätzlich belasteten. Insbesondere Fiene* (Hermann Biemüller) bezeichnete in seiner Vernehmung sich selbst als alleinigen Initiator für die Neubildung der illegalen kommunistischen Ortsgruppe Reckenfeld und stellte die passive und abwehrende Haltung der anderen drei besonders heraus. Die Standhaftigkeit und persönliche Überzeugung Fienes* (Hermann Biemüller) zeigt sich auch in seiner Einlassung vom 8.12.1934, nachdem er fünf Tage lang von der Gestapo verhört worden war: "Von Herzen bin ich noch Kommunist!"

    Es sollte in diesem Zusammenhang noch darauf hingewiesen werden, dass die Verhaftung des gesamten Funktionärsnetzes der neugebildeten Untergrund-KPD gegen Ende 1934 in Emsdetten, Nordhorn, Lingen und Reckenfeld, deren Bezirksleitung sich in Enschede eingerichtet hatte, aufgrund eines abgefangenen Briefes erfolgt war: Der festgenommene Absender gestand bei dem von der Gestapo durchgeführten "mündlichen Verhör" alle Aktivitäten der neu gebildeten KPD und benannte die Funktionäre. Die Verhaftung der vier Reckenfelder Kommunisten war somit auf die Sprengung der Emsdettener Organisation zurückzuführen.

    Am 15.4.1935 wurde vor dem Zweiten Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm öffentlich verhandelt. Von den anwesenden 26 wegen Hochverrats Angeklagten wurden 25 verurteilt, ein Verfahren wurde eingestellt. Feger* und Heinrich Fasching* (Wilhelm Bruns) wurden wegen ,Vergehens gegen § 21 der VO des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes vom 4.2.1933 zu je vier Monaten Gefängnis verurteilt, die durch die Untersuchungshaft verbüßt waren. Ihre Straftat hatte darin bestanden, dass sie die von Fiene* erhaltenen Flugschriften nicht abgeliefert, sondern nur verbrannt und den Verteiler nicht angezeigt hatten. Fiene* und Gammer* (Clemens Henke) wurden des Verbrechens der "Vorbereitung zum Hochverrat" für schuldig befunden. Gammer* (Clemens Henke) erhielt zwei Jahre Zuchthausstrafe, weil er die ihm von Fiene* (Hermann Biemöller) zugesteckten Zeitungen zunächst aufbewahrt hatte, um sie zu verteilen. Er hatte sie erst vernichtet, als er von den Verhaftungen in Emsdetten erfahren hatte. Fiene* (Hermann Biemöller) erhielt eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren, weil er auch nach eigenen Aussagen der eigentliche Neuorganisator der KPD Reckenfeld war.

    Mit dem Hitler-Stalin-Pakt am 23.8.1939 erlosch der kommunistische Widerstand weitgehend; die Blitzkriegsbegeisterung weiter Teile der Bevölkerung ließ die für kommunistische Widerstandspropaganda empfängliche Basis rasch zusammenschmelzen. Nach dem Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion bildeten sich zwar vereinzelt wieder regionale kommunistische Organisationen heraus, in Greven und Reckenfeld jedoch konnten derartige Aktivitäten nicht verzeichnet werden.

    Die lokale Leitfigur des kommunistischen Widerstandes, Konrad Fiene* (Hermann Biemöller) (Foto), wurde nach Verbüßung seiner Zuchthausstrafe unmittelbar ins Konzentrationslager überstellt. Um 1942 kam er in ein "Bewährungsbataillon". Er wurde beim Versuch, eine Bombe zu entschärfen, getötet.


    "Wiedergutmachung" für die Opfer

    Allgemein: Grundlage für die Wiedergutmachung bildeten das britische Gesetz Nr. 59 über die Rückerstattung feststellbarer Vermögensgegenstände an Opfer nationalsozialistischer Unterdrückungsmaßnahmen vom 12.5.1949 und später das Bundesgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung (Bundesentschädigungsgesetz). Diese Entschädigungsleistungen wurden je zur Hälfte vom Bund und von den Ländern getragen. Nach der letzten Durchführungsverordnung erhielt der Verfolgte beispielsweise für Freiheitsentzug eine Kapitalentschädigung in Höhe von 150 DM für jeden vollen Monat.

    Der Begriff Wiedergutmachung soll hier im weitesten Sinne verstanden werden, er umfaßt alle Formen von Entschädigung, Sühne, Beseitigung von NS-Unrecht. Die Quellenlage ist für Greven äußerst dürftig. Nur wenige Fälle institutionalisierter und nicht institutionalisierter Wiedergutmachung konnten erfaßt werden. Da unmittelbar nach Kriegsende gesetzliche Grundlagen zur Entschädigung von Juden und KZ-Häftlingen, den Personen also, die nach allgemeiner Auffassung am schwersten von der nationalsozialistischen Verfolgung betroffen gewesen waren, fehlten, ordnete der Oberpräsident der Provinz Westfalen am 23.9.1945 u. a. an: Ob zu diesem Zeitpunkt auch in Greven bereits entsprechende Anträge ehemaliger KZ-Häftlinge eingegangen waren, ist nicht bekannt. Die Militärregierung hatte jedenfalls im April 1945 eine kleine Zahl ehemaliger KZ-Insassen nach Greven verlegt; sie sollten im Krankenhaus gesundgepflegt werden.

    Nach einer Bekanntmachung des Landrats vom 19.2.1946 war auf Anordnung der Militärregierung ein Kreissonderhilfsausschuss zur Betreuung früherer Häftlinge der Konzentrationslager gebildet worden. Er sollte nach den Richtlinien der Militärregierung diesem Personenkreis Sonderhilfe gewähren. Nach Entscheid der Provinzial-Militärregierung vom 22.3.1946 stand diese Sonderhilfe nicht nur ehemaligen KZ-Insassen, "sondern allen notleidenden Personen, die in Deutschland Unterdrückung erlitten haben und als Opfer des Nationalsozialismus anzusehen" seien, zu.

    Ausgenommen waren u. a. Personen, die Mitglied der NSDAP gewesen waren, die aufgrund interner Streitigkeiten der NSDAP inhaftiert gewesen waren, deren [politisch motivierte] Straftat auch nach 1945 eine Strafzumessung von mindestens fünf Jahren Gefängnis erwarten ließ, und die "ansonsten aufgrund ihres Verhaltens einer Sonderhilfe unwürdig" waren.

    Hinweise auf nicht gesetzlich definierte, ideelle Ausdrucksformen der Wiedergutmachung liegen uns nur spärlich vor, da diese in der Regel auf Privatinitiative beruhten und nur in Einzelfällen Niederschlag in der amtlichen Aktenführung gefunden haben: So liegt ein Schreiben der Betreuungsstelle für politische Opfer und der durch Maßnahmen der NSDAP Geschädigten, Bezirk Greven l. d. Ems vor, in dem eine Befürwortung der Aufnahme des im Lazarett Bad Gastein liegenden Rudolf Gas* (Ernst Huff) erbeten wird. In einer von den freien Wohlfahrtsverbänden in Greven durchgeführten Listensammlung zugunsten der Opfer des Naziregimes vom 8. bis 22.4.1947 wurde ein Sammlungserlös von insgesamt 3.976,72 RM erzielt."

    Rudolf Gas* (Ernst Huff), der am 21.9.1937 vom Oberlandesgericht Hamm wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einer zweieinhalbjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden war, konnte sich erst Ende 1947 als nicht mehr vorbestraft bezeichnen. Schon nahezu peinlich ist die Tatsache, daß dem wohl bedeutendsten politischen Widerstandskämpfer Grevens, Konrad Fiene* (Hermann Biemüller) - er überlebte die NS-Herrschaft nicht -, erst am 20.1.1956 post mortem die Aufhebung des gegen ihn ergangenen Urteils vom 16.4.1935 bescheinigt wurde.

    Vier Fälle sind bekannt, in denen Reckenfelder Verfolgte im Rahmen der institutionellen Wiedergutmachung Entschädigungsleistungen erhalten haben:


    Eine besondere Herausforderung an die nationalsozialistische Siedlungspolitik stellten die Verhältnisse in der Siedlung Reckenfeld dar. Hatten die Nationalsozialisten die Übernahme der Siedlung Reckenfeld durch die Siedlungsgesellschaft Münsterland am 5.3.1933 propagandistisch als großen Erfolg und Erfüllung ihrer seit langem erhobenen Forderungen herausgestellt, so standen sie nun, nachdem sie auch in der kommunalen Verwaltung die Macht übernommen hatten, selbst vor der schwierigen Aufgabe, die strukturellen sozialen und wirtschaftlichen Probleme in Reckenfeld zu lösen. Reckenfeld sollte zu einer "blühenden Gartensiedlung" umgestaltet werden, zu einer Siedlungsform, in der sich die nationalsozialistische Ideologie der "Blut-und-Boden-Gemeinschaft" augenfällig widerspiegeln sollte. Im Gegensatz zu den groß angekündigten Projekten erschöpften sich allerdings die Maßnahmen in vorbereitenden infrastrukturellen Arbeiten, die vor allem durch den FAD und den RAD durchgeführt wurden.

    Anfang der 1940er Jahre musste der Amtsbürgermeister eingestehen, dass "scharfes politisches Vorgehen sowie der verstärkte Arbeitseinsatz" zur Änderung der Verhältnisse in Reckenfeld beigetragen hätten, "auf sozialem Gebiet aber noch sehr viel zu tun" sei. Seine Vorstellungen über eine nach dem Krieg in Angriff zu nehmende "Sozialsanierung" Reckenfelds konkretisierte er: "Eine Auflockerung und teilweise Umsiedlung der Bevölkerung wird sich nicht vermeiden lassen."

    Dass die breite Masse der landwirtschaftlichen Bevölkerung im Gegensatz zu einigen ihrer politischen Vertreter sich weitgehend resistent verhielt bzw. nur zögerlich den öffentlichen Übertritt zum Nationalsozialismus wagte, belegt die geringe Zahl der eingeschriebenen Parteimitglieder bei den Stützpunkten in den Bauerschaften. Die Feststellung des Stützpunktleiters von Gimbte, dass am 1. Mai 1933 nur zwei Bauern in die Partei eingetreten seien, ist dafür symptomatisch. Und die anlässlich eines Schützenfestes in Westerode vom Ortsgruppenleiter Greven links der Ems (Peters) lautstark artikulierte politische Einschätzung "Die Bauern der Gemeinde Greven links der Eins sind Schmarotzer und Lumpen. Ein Arbeiter aus Reckenfeld ist mir lieber als alle Bauern von links der Ems" spricht deutlich für sich. Es darf hier allerdings nicht außer Acht bleiben, dass der alte Gegensatz zwischen den Bauerschaften Greven links der Ems und der Siedlung Reckenfeld durchaus eine Rolle spielte.

    Mit der Übernahme des traditionell kirchlichen Erntedankfestes in das nationalsozialistische Feierjahr schufen sich die Nationalsozialisten ein Instrument, um dem "Lieblingskind nationalsozialistischer Propaganda vor dem Hintergrund des "Blut-und-Boden"-Mythos eine "völkisch verklärte Sonderstellung"- einzuräumen.


    Zeitzeuge Günther Sperling aus Reckenfeld war ein hervorragender Kenner der Geschichte Reckenfelds:

    Nazis waren u.a. ehemalige Soldaten gewesen, denen das Militärische sehr wichtig war, einige aus dem Mittelstand und pleite gegangene Bauern, die dann später entschuldet worden sind. Diese hatten nur 5% der Schuldsumme zu zahlen brauchen, dann waren die Verpflichtungen abgegolten worden."

    "Peters war als Bürgermeister nicht sehr geeignet gewesen. So hatte er es nicht einmal geschafft, eine Straße von Reckenfeld nach Greven zu bauen. Für die Bahnhofstraße forderte er den Anbau von Nussbäumen. Diese würden dem Führer das nötige Schaftholz für Gewehre liefern."

    "Viele, die einen NS-Nachweis brauchten, sind in das Fliegercorps oder in den SA-Reitersturm eingetreten. So waren sie nicht Mitglied der NSDAP, verfügten aber über ein Papier mit dem Hakenkreuzstempel."

    "Das Verhältnis unter den NS-Einheiten und -Organisationen war nicht immer das Beste gewesen. Anläßlich der jährlichen Fliegerbälle hatte es häufig Schlägereien gegeben."

    Zum Thema Verfolgung:

    • Anton Simon (C 23), er habe auf einem Schulfest einen lauten Zwischenruf gemacht. Er ist zentrumsorientiert gewesen. Verhaftung. Dauer des KZ-Aufenthaltes ungefähr ein halbes Jahr.

    • Johann Strand aus Reckenfeld, Block B 46: Als bei einem Brand im Block B in einem Haus kistenweise Munition entdeckt wurde, wurde er als Eigentümer dieser Munition genannt und dafür von der Gestapo abgeholt.

    Aus den beiden Bänden "Reckenfelder Mosaik": Die NSDAP in Reckenfeld und die Unterorganisationen

    Fazit über das Wirken des Nationalsozialismus' in Reckenfeld in den Jahren von 1934 bis einschließlich 1938 aus nachfolgenden Tagesberichten einer Zeitung:

    Dass ein Fazit nicht am Ende eines Kapitels steht, ist schon ungewöhnlich. Es soll verdeutlichen, dass das "Endergebnis" schon früh zu erkennen ist, bevor Einzelheiten das alles untermauern, wie die Nazis in Reckenfeld das Leben der Bürger maßgeblich beeinflusst haben.

    Im oben genannten Zeitraum (fast 5 Jahre) wurden Tagesgeschehnisse und andere Einzelheiten von zwei Reportern fast für jeden Tag geschrieben und veröffentlicht und fast alle hier übernommen. Da wird einiges zu Tage gefördert, aber lesen Sie selbst, es lohnt sich:

    Eine Auswertung aus den Berichten ergibt folgendes Bild:

    • 138 Reckenfelder Personen (hauptsächlich Männer, Frauen gab es nur einige) können als Nationalsozialisten mit "sicher" betrachtet werden
    • Davon waren 49 Parteigenossen, somit Mitglied in der NSDAP (sie werden auch als Pg./Pgn. in den Berichten aufgeführt)
    • 26 Personen könnten, aber müssen nicht unbedingt in die NSDAP eingetreten sein, sind aber "voll bei der Sache", wenn es um Naziaktivitäten ging
    • 63 Männer und Frauen machten ebenfalls mit, sind aller Wahrscheinlichkeit aber nicht in die NSDAP eingetreten, weil dann Monat für Monat Beiträge hätten abgeführt werden müssen.

    Was besonders auffällt, ist, dass die Nazi-Organisationen bis in die Familien hineindrängten, besonders stark ist das durch die Vereine in Reckenfeld spürbar. Allerdings gibt es größere Unterschiede:

    • Die kirchlichen Gruppen hielten sich bei den nationalsozialistischen Auftritten und Aktivitäten merklich zurück
    • Anders sieht es dagegen bei den größeren Vereinen aus:
    • Der SC Reckenfeld beteiligte sich häufig an unterschiedlichen Veranstaltungen, egal ob sie von der SA oder der NSDAP organisiert wurden
    • Nicht minder machten die Männer der Liedertafel mit, zumal der Dirigent ein Nazi war und auch der Kriegerverein war dabei
    • !!Ganz besonders fällt der Schützenverein Eintracht 1926 auf. Da scheinen von den Mitgliedern fast alle dem Nationalsozialismus "verfallen zu sein"!! Auch die Vereinsoberen legten wohl großen Wert darauf, den Nazis imponieren zu wollen und wurden deshalb selber zu Nazis. Oder war es doch der Blick auf die eigene Karriere?

    Und noch eine detaillierte Analyse:

    • 86 unterschiedliche Personen - fast alles Parteigenossen - waren in der Zeit von 1934 bis einschließlich 1938 von außerhalb nach Reckenfeld gekommen, egal, ob eingeladen oder aufgrund anderer Verpflichtungen
    • Das Deutsche Haus als Veranstaltungsort wird 45 mal erwähnt, hinzukommen, was unter dem Namen Brinkmeier (Brinkmeyer) genannt wird, noch einmal 91 Zusammenkünfte
    • Das Lokal Rickermann am Bahnhof wird 128 Mal als Veranstaltungsort erwähnt
    • Draußen-"Veranstaltungen" wurden 75 Mal notiert und Draußen-"Kundgebungen" 24 Mal.

    Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) war eine in der Weimarer Republik gegründete politische Partei, deren Programm und Ideologie (der Nationalsozialismus) von radikalem Antisemitismus und Nationalismus sowie der Ablehnung von Demokratie und Marxismus bestimmt war. Sie war als straffe Führerpartei organisiert.

    Mit den Organisationen und den angeschlossenen Verbänden (die hier noch näher beschrieben werden) konnte die NSDAP die Gesellschaft organisatorisch weitgehend durchdringen und die Bevölkerung sowohl im Beruf als auch in der Freizeit kontrollieren und indoktrinieren.

    Das trifft natürlich auch auf die Reckenfelder Bevölkerung zu, wie die Ausschnitte hier deutlich zeigen:

    (Anm.: Am 1.2.1934 wurde die neu gebaute Schule in der Ortsmitte von den Nazis eingeweiht. Wurde darüber nicht berichtet? oder fehlen die entsprechenden Unterlagen?)

    18.04.1934 Auch in Reckenfeld wird die Einigkeit gefördert! Am Freitagabend fand im "Deutschen Haus" die Monatsversammlung des Kleinsiedlervereins Reckenfeld statt. Nachdem der Führer des Vereins Otto Meier die Mitglieder herzlichst begrüßt hatte, hielt der Schriftführer W. Fengler einen Vortrag über den gesamten Gartenbau. Die Anregung des Vorstandes, im September eine Gartenbauausstellung zu veranstalten, fand bei allen Mitgliedern großen Anklang. Es wird beabsichtigt, die besten Gartenerzeugnisse, sowie alles zur Gartenbearbeitung Erforderliche auszustellen. Es ist ein erfreuliches Resultat, daß der Kleinsiedlerverein, der erst Januar gegründet wurde und heute bereits 86 Mitglieder zählt, gute Fortschritte macht. So hat z.B. derselbe seine Mitglieder bereits mit Obstbäumen und Sträuchern aller Art, sowie mit insgesamt ca. 100 Ztr. Saatgutkartoffeln und Kunstdüngerproben beliefert. Auch der Verschönerungsverein Reckenfeld ist dem Kleinsiedlerverein eingegliedert worden. Es ist dies ein Zeichen von großem Gemeinschaftsgeist und Einigkeit.
    21.04.1934 Die Propagandaleitung der Ortsgruppe Reckenfeld teilt uns mit: Die Ortsgruppe Reckenfeld, einschließlich sämtlicher Blocks, auch des Blocks links der Ems, hat am Samstag, dem 21. April, abends 8 Uhr, im Deutschen Haus zu erscheinen. Sämtlichen Mitgliedern der SA und dem SA-Reitersturm l.d.E. wird das Erscheinen zur Pflicht gemacht.
    24.04.1934 Auch in Reckenfeld feiert man Hitlers Geburtstag. Am Sonntag gedachten auch die Reckenfelder Einwohner des Geburtstages Adolf Hitlers. Morgens gegen 6 Uhr konnte man hier und da den Weckruf vernehmen. Ein Feldgottesdienst war wohl die schönste und würdigste Einleitung, wie sie einem solchen großen Tag nur gegeben werden kann. In tiefer Andacht hatten sich alle Kameraden des RAD, alle dem BDM zugehörigen Mädel, die Frauen der NS-Frauenschaft usw. zusammengefunden. Anschließend an den Gottesdienst wurde der BDM mit Marschmusik zum "Deutschen Haus" gebracht, wo eine kurze Besprechung für die Mitglieder stattfand. Das Konzert am Nachmittag rief alle Einwohner zu recht frohen und geselligen Stunden zusammen. Für ein sehr abwechslungsreiches und schönes Programm sorgten der RAD, BDM und die Jungmädelschaft. Mit einem Theaterstück "Das neue Deutschland", aufgeführt vom BDM, fand die Feier einen sehr schönen Abschluss.
    26.04.1934 Der 1. Mai in Reckenfeld. Am Montagabend fand im Lokale Deutsches Haus eine Versammlung statt, wozu alle Führer und Leiter der einzelnen politischen Organisationen eingeladen waren. Pg. Milkuhn machte in kurzen Worten auf die Bedeutung des großen Tages (1. Mai) aufmerksam. Er machte es allen Anwesenden zur Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass alle Häuser sowie auch die Straßen mit frischem Maigrün geschmückt werden. Alsdann behandelte er kurz die Flaggenfrage. Die schwarz-weiß-rote Fahne, so sagte er, ist die Fahne der Vergangenheit. Kein echter Nationalsozialist wird die frühere Fahne verachten, kein echt deutsch Gesinnter wird unsere frühere Fahne hassen, kein alter Kriegsveteran wird es zulassen, dass die Fahne, die ihm im Krieg vorangegangen, achtlos beiseite gestellt wird. Wir Nationalsozialisten wollen nicht rückwärts, sondern vorwärts schauen.

    Das Symbol des neuen Deutschland, die Fahne der Gegenwart und die Flagge der Zukunft ist und bleibt das rote Fahnentuch mit weißem Spiegel, in welchem sich das Hakenkreuz befindet. Nach diesen Worten gab Pg. Milkuhn seiner Hoffnung Ausdruck, dass am 1. Mai überall da, wo unsere frühere schwarz-weiß-rote Flagge weht, neben dieser auch die Hakenkreuzfahne gehisst wird. Alsdann wurde beschlossen, auch in Reckenfeld an diesem Tage einen großen Festzug zu veranstalten. Es wird beabsichtigt, auch den Ärmsten der Armen diesen Tag zu einem Freudentag zu machen, indem man an sie Gutscheine verausgaben wird, gegen deren Einlösung sie sich dann auch einmal eine gute Tasse Kaffee, ein Glas Bier und eine gute Zigarre erlauben können. Pg. Milkuhn forderte alle Nichtnotleidenden auf, zu spenden und somit der Ortsgruppe bei dieser großen und schweren Arbeit, die bestimmt im Sinne des Führers ist, behilflich zu sein. Gegen das von Pg. Milkuhn ausgearbeitete Programm wurden keine Einwendungen gemacht.

    Aus Wikipedia: Die Hakenkreuzflagge wurde am 13. März 1933 gemeinsam mit der nachfolgenden Flagge als Nationalflagge eingeführt. Die zentrale Position der weißen Scheibe war bei der Nationalflagge zu Land bis zum 15. September 1935 vorgeschrieben. Erst zu diesem Zeitpunkt wurden National- und Handelsflagge vereinigt und mit "etwas nach der Stange verschobener Scheibe" festgelegt (nochmals genauer definiert durch Erlass vom 18. Juni 1937). Nach September 1935 gezeigte Hakenkreuzflaggen mit zentral gelegener Scheibe verkörperten Parteifahnen der NSDAP. Die Rückseite der Flagge zeigte im Gegensatz zur Handelsflagge ebenfalls ein rechtsweisendes Hakenkreuz, war also nicht "durchgefärbt".

    12.05.1934 Ein Abschnitt aus dem Reckenfelder Skandal. So berichteten wir in unserer Donnerstag-Ausgabe über die Versteigerung des Hauses der Frau L. Wilde-Mühlhahn. Das Haus ging für den Betrag von 16 000 Mark an die Siedlungsgesellschaft Münsterland über. Der Reckenfelder Skandal, der jahrelang größtes Aufsehen erregt hat, ist zur Genüge bekannt, so daß wir im Einzelnen nicht darauf zurückgreifen brauchen. Zur Versteigerung des Hauses aber sei nochmals kurz folgendes mitgeteilt: Geschäftsführer Ernst Ludwig Wilde floh vor dem Zugriff der Behörden, die ihn wegen Meineides und Betruges verfolgten, in das Saargebiet. Der genannte Geschäftsführer der Eisenhandelsgesellschaft Ost lebte auf großem Fuß und unterhielt in Reckenfeld wie auch in Berlin eine prächtige Wohnung. Das Reckenfelder Haus, von einem Park umgeben, stand im Grundbuch auf den Namen der Frau L. Wilde eingetragen, die von ihrem Mann in Münster getrennt lebt. Aber der Ehemann hatte sich mit einer Grundschuld von 45 000 Mark auf dieses Besitztum "gesichert". Als nun die Glanzzeit des Geschäftsführers zu Ende ging, verschrieb er diese Grundschuld einem Siegfried Wolf in Saarbrücken, der sie wieder weiter an seinen Verwandten Erich Wolf in Hannover abgab. Der Fiskus, der einen erheblichen Steueranspruch an Wilde hatte, pfändete diese Grundschuld, die durch Scheinmanöver in die Hände der Wolfs gespielt worden war, um die Summe vor dem Zugriff des Staates zu retten. In einem langwierigen Prozess, den Rechtsanwalt Dr. Lauscher (Foto) für den Fiskus führte und gewann, erhielt der Fiskus in Schöneberg die Rechte aus der Grundschuld und, um endlich zu dem Besitz Wilde zu kommen, betrieb der Fiskus die Zwangsvollstreckung. Das Verfahren fand seinen Abschluss in dem erwähnten Zwangsversteigerungstermin vor dem Amtsgericht Münster. Die Eigentümerin war nicht erschienen. Die Ansprüche des Fiskus Schöneberg und der Jagdgenossenschaft Greven sowie ein Teil der Forderungen des Fiskus Friedrichstadt wurden aus dem Gebot befriedigt. Wie schon erwähnt, war Ernst Wilde ins Saargebiet geflohen, es heißt jedoch, daß der Gesuchte jetzt im Gefängnis Moabit in Untersuchungshaft sitzt.

    24.05.1934 Reckenfelder Sport. An den beiden Pfingsttagen waren Gäste von Schalke 96 in der Gartenstadt. Die Schüler verloren 7:0; die Jugend spielte 0:0 und die erste Mannschaft gewann 5:2. Am zweiten Tage spielten die Schüler 0:0; dann spielte die Schalker Jungliga gegen die Sportabteilung der SA. Nach schönem Spiel siegte die SA 3:2.
    04.07.1934 Ein Knappschaftsarztbezirk für Reckenfeld und Umgegend. Seit langer Zeit bemüht sich der Gesamtverband deutscher Arbeitsopfer in der Deutschen Arbeitsfront, Bezirk Münster, um die Schaffung eines Knappschaftsarztbezirkes für Reckenfeld und Umgegend. Die Verhandlungen sind nunmehr zum Abschluss gebracht, so dass ab 15. Juni Herr Dr. Bewing (Greven), von der Ruhrknappschaft mit der Betreuung der Knappschaftsinvaliden auf Kosten der Knappschaft betreut wurde. Der Knappschaftssprengel umfasst den gesamten Ortsbezirk Greven, rechts und links der Ems einschl. Reckenfeld, auch soweit letzteres zum Amtsbezirk Nordwalde gehört, außerdem den Amtsbezirk Emsdetten. Die in diesen Gebieten wohnenden Knappschaftsinvaliden sowie deren Angehörigen haben nunmehr Anspruch auf Arztbehandlung, Arznei- und Krankenhauspflege zu den Satzungen der Ruhr-Knappschaft.
    24.07.1934 Mitgliedschaft zur NSG. Der Ortsgruppenamtsleiter der NSG Reckenfeld schreibt uns: Da die aktive Hilfe für die bedürftigen Volksgenossen fast ausschließlich von der NSG getragen wird, ist der Staat auf die Mithilfe jedes einzelnen, der dazu in der Lage ist, angewiesen. Darum ist an jeden die Bitte gerichtet, der Mitgliedschaft zur NSG treu zu bleiben zum Wohle der Bedürftigen. Zu Auskünften aller Art stehe ich stets gern zur Verfügung.
    28.07.1934 Die Weihe des Arbeitsdienstlagers Reckenfeld. Die ursprünglich für den heutigen Samstag vorgesehene Weihe des Arbeitsdienstlagers Reckenfeld ist verlegt worden. Demnach wird die Einweihung am Samstag, den 4. August, durch den Gauarbeitsführer Pg. Zimmermann vorgenommen. Aus diesem Anlaß finden sportliche Veranstaltungen statt. Nähere Einzelheiten folgen.
    15.08.1934 Stimmbezirke für den Amtsbezirk Greven. Reckenfeld: Reckenfeld und die Hausnummern 1, 31, 32, 34, 41, 45 der Bauerschaft Herbern. Abstimmungsvorsteher: Otto Meier, Reckenfeld, Stellvertreter: Hermann Wilp, Herbern. Abstimmungsraum: Deutsches Haus, Reckenfeld.

    15.08.1934 Der SC Reckenfeld eröffnet die neue Fußballsaison mit einem Freundschaftsspiel gegen seinen Nachbarverein Borussia Emsdetten. Das Spiel steigt am Samstag, dem 18. August, abends 5.30 Uhr auf der neuen Platzanlage am Potsdamer Platz. Die beiden Gegner haben sich von jeher immer schöne Kämpfe geliefert, so dass auch für Samstag ein interessantes Spiel in Aussicht steht. Am Sonntag, dem 26. August, hat der SC den Kl. f. R. Rotthausen zu Gast. Dieser Gegner verfügt über eine spielstarke Mannschaft.

    07.09.1934 Ein Fußballturnier für Alte-Herren-Mannschaften in Reckenfeld. Der Sportclub Reckenfeld veranstaltet am Sonntag ein Fußballturnier für Alte-Herren-Mannschaften, zu dem recht spielstarke Mannschaften verpflichtet sind. Namen wie Rot-Weiß-Saxonia Münster, Postsport Münster, Reichsbahnsportverein Münster, Sportverein Greven 09, Spielverein Mesum und Turn- und Sportverein Münster versprechen interessante Kämpfe und einen guten Verlauf des Turniers. Die erste Mannschaft des Sportklubs Reckenfeld hat sich zu Sonntag die Mannschaft des Reichsbahnsportvereins Münster als Gast geladen und wird alles daran setzen, um gut abzuschneiden.

    15.09.1934 Das Volksfest in Reckenfeld. Wie Greven, so veranstaltete auch Reckenfeld ein Volksfest im Rahmen der Manöverspiele, die am 15. und 16. September stattfinden. Am Samstag 23 Uhr trifft sich alles beim Wirt Micheel in Herbern. Die Veranstaltung, die zu einem großen Volksfest zu werden verspricht, steht unter der Leitung des Kriegervereins (Foto), der alles tun wird, um die Spiele schön und reich zu gestalten. Jeder muss Picknapf und Löffel mitbringen. Das Essen kostet 30 Pfg.

    15.09.1934 Vom Reckenfelder Sport. Der SC Reckenfeld hat beschlossen, am 16. September sein 5. Stiftungsfest in großem Rahmen zu feiern. Es kommt ein Pokalturnier für alte Herren zur Abwicklung. Zu diesem Termin sind folgende Mannschaften verpflichtet: Sportverein Greven 09, Rot-Weiß Münster, Spielverein Mesum, Reichsbahn-Sp. V. Münster, Post-Sp. V. Münster und TV Jahn-Westfalen Münster. In der Zwischenrunde treffen sich SC Reckenfeld 1. Mannschaft und Reichsbahnsportverein Münster 1. Mannschaft. Der kommende Sonntag wird, wie man sieht, für Reckenfeld zu einem sportlichen Ereignis. Die beiden Pokale, die den Siegern winken, sind im Vereinslokal Rickermann ausgestellt.

    24.11.1934 Reckenfeld erhält einen Friedhof. Die Frage der Schaffung eines kath. Friedhofs in Reckenfeld geht ihrer Lösung entgegen. Damit ist einem großen Übelstande abgeholfen worden. Schon seit zwei Jahren haben die Katholiken Reckenfelds für diese Anlage eifrig gesammelt und eine höchst anerkennenswerte Summe hierfür zusammengebracht. Schon mehrmals war ein Platz in Aussicht genommen und Vorarbeiten für die Anlage getroffen worden. Aber dann scheiterte die Durchführung wieder an der Versagung der Genehmigung wegen des in Reckenfeld vorhandenen zu hohen Wasserstandes. Diese Schwierigkeiten sind aber nunmehr behoben. Es ist ein Platz gefunden worden, der allen Anforderungen, insbesondere nach Lage der Siedlung, und den behördlichen Vorschriften entspricht. Die behördliche Genehmigung ist denn auch schon vor einiger Zeit erteilt worden, und der Platz durch Kauf in den Besitz der Filialkirche Reckenfeld übergegangen. Der Kauf wurde wesentlich erleichtert durch die finanzielle Hilfe kirchlicher Stellen in Greven und Münster. Das wird von den Reckenfelder Katholiken in dankbarer Weise anerkannt. Die Lage des Platzes ist als außerordentlich günstig zu bezeichnen. Es ist ein zwei Morgen großer Teil der Weide des Bauern Geßmann, die an dem Wege liegt, welcher gegenüber der Gruppe C zur Bauerschaft Herbern führt.
    24.11.1934 Die große Weide ist rings von Waldpartien umgeben, und der Friedhof selbst liegt unmittelbar längs eines solchen Waldstreifens. Es wäre zu wünschen, daß dieser Waldteil dauernd erhalten bliebe. Das Schweigen des Waldes und die Ruhe des Friedhofes würden sich harmonisch ineinander fügen und die landwirtschaftliche Umgebung würde ganz der Seelenstimmung entsprechen, in der wir die Ruhestätte unserer lieben Verstorbenen besuchen. Viele kath. Männer haben sich bereitwilligst zur Verfügung gestellt, um die Anlage, die nach Plänen des Architekten Hempelmann ausgeführt werden soll, nun schnell zu vollenden. Hier wird sich zeigen, daß auch mit wenigen Mitteln, aber viel Geschmack etwas Schönes und Würdiges geschaffen werden kann. Um die Durchführung der Anlage zu erleichtern und die Finanzierung auch fernerhin zu sichern, sollen schon jetzt Gruften zu sehr niedrigen Preisen abgegeben werden. Die Einzelgruft soll 10 Mark kosten, Familiengruften für jede Person ebenfalls 10 Mark. Es wäre im Interesse der guten Sache erfreulich, wenn sehr viele kath. Familien sich eine solche Gruft sichern würden.

    30.11.1934 Eingebrochen wurde in der Nacht zum Donnerstag bei dem Landjägermeister Peters (Anm.: Ortsgruppenführer der NSDAP) in Reckenfeld. Diebe drangen durch ein Fenster in das Wohnzimmer und nahmen einige Sachen mit.

    19.01.1935 Der Fall Reckenfeld-Herbern vor Gericht. Dienstag, den 22. Januar, beginnt vor der Großen Strafkammer Münster das Strafverfahren gegen Wilde, der unter den Siedlern von Reckenfeld-Hembergen den Namen "Fürst von Reckenfeld-Hembergen" führt. Die Anklage umfaßt mehr als 50 Seiten und es ist eine große Reihe Zeugen geladen. Man rechnet damit, daß die Verhandlung bis zum 26. Januar dauern wird. Bei der Anklage handelt es sich um den Tatbestand der Untreue, des Betruges und der Verletzung des Offenbarungseides. Die Anklage erstreckt sich nur um die Punkte der Anzeige, bei denen die Untersuchung ein Vergehen auf strafrechtlichem Wege angezeigt erschienen ließ. Zum Teil ist auch schon Bewährung eingetreten. Der erste Tag dürfte mit der Vernehmung des Angeklagten, der sich im münsterischen Gefängnis befindet, ausgefüllt werden.
    09.02.1935 Der Kriegerverein Reckenfeld hielt im "Deutschen Haus" seine diesjährige Jahresversammlung ab. Der Vereinsleiter Indenbirken (Foto links) begrüßte alle recht herzlich und gab seiner Freude über den guten Besuch Ausdruck. Nach Aufnahme neuer Mitglieder gab er den Jahresbericht bekannt. Gute Fortschritte waren zu verzeichnen. Kassenwart Knieps erstattete den Kassenbericht. Nach Prüfung der Kasse wurde ihm Entlastung erteilt. Nunmehr wurde der Vorstand bestimmt. Kamerad Indenbirken ernannte zu seinem Stellvertreter Kamerad Schmücker (Foto), zum Kassenwart Kamerad Knieps, zum zweiten Kassenwart Gondek, zum Schriftwart Kamerad W. Schulz. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich doch sämtliche Kameraden an den Arbeiten des Schießstandes beteiligen möchten. Die Einweihung soll noch Ende dieses Monats erfolgen. Am 24. Februar feiert der SA-Sturm einen Kameradschaftsabend, an dem der Kriegerverein teilnimmt. Nachdem noch verschiedene Vereinsangelegenheiten erledigt waren, ging man zum gemütlichen Teil über.

    13.02.1935 Theateraufführung zum Besten der Winterhilfe. Die Theaterabteilung der NSG "Kraft durch Freude", Ortsgruppe Greven, brachte am Sonntagnachmittag das bereits am Samstagabend in Greven mit großem Erfolg aufgeführte Volksstückchen in plattdeutscher Sprache von Natz Thier "Maoders Naolaot" im Deutschen Haus zur Aufführung. Trotz des niedrigen Eintrittspreises und des guten Zweckes war der Saal beim Wirt Brinkmeyer nicht so gefüllt, wie man es vielleicht erwartet hätte. Doch all diejenigen, die erschienen waren, erlebten ein wunderschönes, mit Gesang und Humor und auch mit warmem Heimatempfinden durchpulstes Volksstück. Die Spieler selbst überboten sich fast gegenseitig in der verständnisinnigen Auffassung und der lebensgetreuen Darstellung der Handlung. Hier entrollte sich den Reckenfelder Siedlern ein Stück kernigen und echten münsterländischen Bauerntums, wie es die Erschienenen in dieser Eigenart und dieser Liebe zur angeerbten Heimatscholle in solcher Tiefe trotz des umgebenden Bauerntums vielleicht noch nicht kennengelernt haben.
    01.03.1935 "Kraft durch Freude"- Tonfilmwagen bei 400 Kindern in Reckenfeld. Die Tonfilmvorführungen der NSG sollen nicht nur den erwachsenen Volksgenossen nach des Tages Arbeit den Feierabend gestalten, sie belehren und unterhalten, auch das junge Volk wird von der NSG "Kraft durch Freude" erfaßt und schon jetzt mit einem Teil des Aufgabengebietes dieser großen Gemeinschaft vertraut gemacht. Märchen-Nachmittage von "Kraft durch Freude" haben im Gau Westfalen-Nord die Erwartungen bei weitem übertroffen. Auch in Reckenfeld. Rund 400 Kinder erwarteten mit wachsender Ungeduld das Erscheinen des Tonfilmwagens. Der Saal konnte kaum die Kinder fassen. Bevor das Spiel auf der Leinwand begann, gab es Kakao und Weggen in reichen Mengen. Nachdem alle versorgt waren, folgten die Kinder mit gespannter Aufmerksamkeiten den Vorgängen auf der Leinwand. Die Geschichten des kleinen Muck und des gestiefelten Katers fanden ebenso große Aufmerksamkeit wie die des kleinen Däumlings. Alle Erwartungen wurden aber übertroffen, als der Tonfilm "Wiener Walzer", ein Puppenspiel, gezeigt wurde. Das war nicht die Geschichte irgendeines armen Kindes, nein, ein lustiges Puppenspiel mit feiner Musik. Das helle Lachen glücklicher Kinder, ihre strahlenden Augen und ihr bittendes Fragen "Onkel, wann kommst du wieder?", waren sichtbarer Ausdruck des Dankes für die schönen Stunden, die ihnen die NSG "Kraft durch Freude" mit dem Märchen-Nachmittag vermittelt hatte.
    27.03.1935 Die NSG "Kraft durch Freude" unternimmt eine Wochenendfahrt am Sonntag, dem 7. April, zum schönen deutschen Rhein. Wer fährt mit? Diese Fahrt hat noch eine besondere Anziehungskraft. Die Baumblüte im Rheinland hinterläßt einen so großen Eindruck, wie er wohl nur noch von der herbstlichen Weinlese übertroffen werden kann. Der Fahrpreis beträgt 4,70 Mark. Wer die Fahrt mitmachen will, melde sich sofort bei den Blockwarten Paul Bender A 28, Seel B 42, Josef Lüttecke C 38, Artur Crispin D 36, und bei Pg. Ortswart Willi Lichtenstein. Prospekte über die Fahrt sind bei den Blockwarten zu haben. Mitglied ist jeder, der der FAJ angeschlossen ist, ebenfalls die angeschlossenen Gemeinschaften. Jeder kann nun einen Ausweis bekommen, ebenso eine Reisesparkarte. Die Sparmarken kosten 50 Pfg. - Am 6. April kommt der Tonfilmwagen Nr.13 nach Reckenfeld und bringt im "Deutschen Haus" "Der Zarewitsch". Weiterhin beabsichtigt die Ortsgruppe Reckenfeld demnächst einen Märchennachmittag zu geben. Der Tag wird an den Aushängen und von der Lehrerschaft bekanntgegeben.
    06.04.1935 Vorbildlicher Lebensabend in Reckenfeld. Für die Anfänge und Bemühen um eine neue Pflege, muß der Abend der DAF (Abteilung "Arbeitsopferversorgung") im Deutschen Haus als vorbildlich bezeichnet werden. Nach einer Stunde Verspätung und mit Hinzuziehung des FAD war der große Saal bis auf den letzten Platz besetzt. F. Franke hatte eine sorgfältige Anordnung und Auswahl in der Vortragsreihe getroffen, die mit Recht den Abend als ein Erlebnis in den Mittelpunkt stellte. Nach einem Prolog von Dreier (Münster) von dem werktätigen Arbeiter sprach Herr Franke einige Begrüßungsworte. Von den Künstlern und Künstlerinnen wurde hohes Können gezeigt. Dieser Abend wird die Erkenntnis gebracht haben, daß hier ein gangbarer Weg zu neuer Kunst und völkischer gemeinsamer Musikpflege beschritten worden ist.
    10.04.1935 Der Zarewitsch. Dieser Tonfilm wurde am Samstagabend durch die NSG "Kraft durch Freude" gezeigt. Schon um 8 Uhr war der große Saal im Deutschen Haus überfüllt. Durch Schallplatten-Übertragung des Gauwarts Pg. Hetzel wurde die Arbeit der KdF klargelegt. Der Film sowie der Ton waren klar und deutlich zu verstehen.
    11.04.1935 NSG "Kraft durch Freude". Die für vorigen Sonntag nach Königswinter geplante Fahrt wird bei der augenblicklich unsicheren Wetterlage um 8 Tage verschoben. Die Fahrt soll nun am Sonntag, dem 14. April, stattfinden. Anmeldungen sind an die Blockwarte und Pg. Lichtenstein zu richten. - Am 28. April ist eine Wochenendfahrt nach Bremen beabsichtigt. Der Preis für die Fahrt beträgt 5,20 Mk., in den auch ein gemeinsames Mittagessen eingefügt ist. An den Ostertagen geht's zum schönen Rhein. Gerade im Rheinland hält der Frühling stets am ersten seinen Einzug, so daß die Ostertage für jeden ein unvergeßliches Erlebnis werden. Die Fahrt findet statt vom 18. bis 23. April und kostet 23,80 Mk. In diesem Gesamtpreis ist neben der Fahrt, Unterkunft und Verpflegung auch eine Fahrt nach Rüdesheim enthalten. Am Samstag, dem 13. April, findet für die Kinder im Deutschen Haus um 5 Uhr ein Märchennachmittag statt. Alles ist an den Aushängen ersichtlich.
    16.04.1935 Im Winterhilfswerk 1934/35 der Ortsgruppe Reckenfeld wurden folgende Sachen ausgegeben: Lebensmittel: 1920 Liter Milch, 600 Zentner Kartoffeln, 2520 Pfund Lebensmittel, 300 Pfund Speck und Fett, 1500 Eier, Gutscheine über 1200 Mark, 400 Brote. Kleidung und Wäsche: 135 Paar Holzschuhe, 130 Paar Schuhe, 200 Meter Wäsche- und Kleiderstoff, 40 Wolldecken, 12 Bettbezüge, 400 Wäschestücke, 200 Paar Strümpfe, 40 Anzüge, 20 Hosen, 10 Joppen, 20 Kleider, 15 Pullover. Betten: 10 Oberbetten, 10 Kopfkissen, 5 Inletts. Außerdem wurden 60 Paar Schuhe besohlt. An Geld wurde gesammelt: Eintopfspende 706,01 Mark, für Abzeichen: 401 Mark, Tag der nationalen Solidarität: 124 Mark; zusammen: 1231,01 Mark. Die Ortsgruppenleitung.

    27.04.1935 Die Jugend muß gesund werden! Im gegenwärtigen Augenblick betrachtet die NS-Volkswohlfahrt, die NSG "Kraft durch Freude" es als ihre heiligste und vornehmste Aufgabe, bedürftigen Großstadtkindern die ihnen so nötige Erholung auf dem Lande oder in ländlichen Orten zu verschaffen. Vieltausend Stadtkinder haben ihren Landaufenthalt schon antreten können und genießen in reiner Wald- und Höhenluft Tage und Wochen der Erholung. Viele Großstadtkinder aber warten noch darauf, daß auch ihnen die Freude eines Landaufenthalts zuteil wird. Sie haben die Erholung nicht minder nötig. Auch sie möchten die Steinwüste und den Rauch der Schlote für einige Wochen mit dem Lande vertauschen, um dort die schöne Natur kennen zu lernen. Auch hier in unserer Gartenstadt weht eine gesunde und würzige Luft, die den Großstadtkindern überaus gut bekommen würde. Emsig ist man dabei, die frühere Villa von Direktor Wilde in ein Genesungsheim umzubauen (Foto). Somit wird den Kindern für einige Wochen Gelegenheit gegeben, das Landleben mit seinen vielen Reizen kennen zu lernen. Durch diesen Dienst, den man der Jugend erweist, sorgt man nicht nur für ihre körperliche Erholung und Wiedergesundung, sondern man trägt auch dazu bei, daß sie die Liebe zur Scholle zurückgewinnt, man vermittelt ihr Werte für das ganze Leben. Der Dienst, der der Jugend erwiesen wird, ist Dienst am Vaterland, denn Deutschland kann nur leben und erstarken, wenn seine Jugend und sein Volk stark und gesund sind. Allen, die dieses gute Werk angeregt haben, ist nur zu danken.

    30.04.1935 Reckenfeld rüstet zum 1. Mai. Der nationale Feiertag des deutschen Volkes wird auch in Reckenfeld festlich begangen. Folgendes Programm ist hierfür bestimmt: Der Festzug setzt sich folgendermaßen zusammen:

    12 Uhr mittags Antreten und Platzkonzert des SA-Musikzuges

    14 Uhr ist die Übertragung der Führerrede 1. SA-Musikzug

    2. Politische Leitung

    3. BDM
    4. Jungvolk 5. HJ 6. SA 7. Arbeitsdienst 8. Schulen
    9. Deutsche Arbeitsfront 10. KdF-Wagen 11. Bauhandwerker 12. Handel 13. Bauern
    14. Geschmückter Pflug 15. Arbeitsopfer und NSKOV 16. Wagen für Schwerbeschädigte 17. Kriegerverein 18. Schützenverein
    19. Sportverein 20. Elf Fußballspieler 21. Kleinsiedlerverein 22. SS

    Der evangelische Kirchenchor sowie der katholische St. Franziskuschor werden nachmittags vor dem Festzuge singen. Reckenfelder! Seid euch der Größe des nationalen Feiertages bewusst! Zeigt Flaggenschmuck an den Häusern, stellt Maibäume vor jedes Haus und zieht Grüngirlanden über die Straßen. Jeder, der das neue Deutschland bejaht, nimmt an dem Marsch der Millionen Arbeitsbrüder teil. Abends werden in sämtlichen Räumen der Gasthäuser vergnügte Stunden folgen.
    19.06.1935 An alle schaffenden Volksgenossen der Faust und der Stirn der Gemeinde Reckenfeld. Am Donnerstag (Fronleichnam), den 20. Juni, vormittags 11.30 Uhr findet im Lokal Deutsches Haus eine öffentliche Versammlung der Deutschen Arbeitsfront statt. Als Redner spricht Pg. Bolwin.
    22.06.1935 Sonnenwendfeier. Am Sonntagabend um 9 Uhr feiert auf dem katholischen Schulhof die gesamte Jugend Reckenfelds die diesjährige Sommersonnenwendfeier. Zu dieser Feier sind alle Volksgenossen eingeladen. (Anm.: Jahreswendfeier der Nazis: Als totalitäres System, das den Menschen in seiner Gesamtheit zu erfassen suchte, stand der Nationalsozialismus naturgemäß in Gegnerschaft zu den christlichen Konfessionen. Um die Lücke zu füllen, welche die zurückgedrängten Kirchen in der Gesellschaft hinterließen, wurde die national­sozialistische Weltanschauung zu einer politischen Ersatzreligion überhöht. An die Stelle des christlichen Erlösers trat der Führer Adolf Hitler als Retter des deutschen Volks. Eine wichtige Rolle bei dieser Sakralisierung von Politik spielten Rituale und Feste. Ein solches Fest war die Sonnenwendfeier. In Deutschland reaktivierte die Jugendbewegung der 1920er Jahren die Sonnenwendfeier und entzündete an weithin sichtbaren Plätzen große Feuer. Diese Feste wurden nach 1933 zunächst von der HJ, später auch anderen Gliederungen der NSDAP übernommen. Die Feier der Sonnenwende am 23.6. fand einen festen Platz im nationalsozialistischen Festkalender. Eine führende Rolle spielte dabei die SS, deren Führer Heinrich Himmler besonderen Wert auf die Pflege vermeintlich germanischer Bräuche legte.)
    25.06.1935 Die Sonnenwendfeier nahm hier einen schönen Verlauf. Gegen Abend durchzogen Hitlerjugend und BDM die Straßen und gaben der Freude Ausdruck durch Gesang. Am neuen kath. Schulhof wurde ein großes Feuer abgebrannt, wo Lehrer Arnold? die Geschehnisse und die Sonnenwendfeier klarlegten. Mit dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied nahm die schöne Feier ihr Ende.
    02.07.1935 Großes Schulfest in der Gartenstadt Reckenfeld. Ein im Münsterland vollkommen neuartiges und hoffentlich sämtlichen Schulen zum Vorbild dienendes nationalsozialistisches Gemeindeschulfest feierte die Gemeinde Greven links der Ems am Freitag in Reckenfeld. Die Schulen von Reckenfeld, Aldrup, Westerode und Herbern nahmen an diesem großen Gemeindeschulfest teil. Reckenfeld zeigte am Freitag ein Flaggenmeer, und die Häuser waren mit Girlanden geschmückt. Der Ortsgruppenleiter hatte mit den Lehrern aus Reckenfeld ein ausgezeichnetes Programm ausgearbeitet, das sehr abwechslungsreich war. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Gruppenkapelle des NS-Arbeitsdienstes aus Münster. Geländespiel, Reigen usw. wechselten in bunter Reihenfolge. Gegen Mittag wurden sämtliche Kinder mit einem geschmückten Wagen unter Vorantritt einer Kapelle durch die verschiedenen Bezirke des Ortes gefahren. (Anm.: Eine Mädchen-Schulklasse mit Lehrer Dilla, zu Beginn der 1930er Jahre)

    02.07.1935

    Den Sportplatz des SC Reckenfeld hatte man in ein Kinderparadies verwandelt, wo es an gar nichts fehlen konnte. Den Auftakt des sich auf dem Sportplatz abwickelnden Programms bildete eine Jugendkundgebung. Nach einem Prolog, gesanglichen Darbietungen und herzlichen Willkommensgruß des Lehrers Dilla sprach Schulrat Knops (Münster). In klaren und verständlichen Worten erklärte der Schulrat den Kindern die Idee des Dritten Reiches. Das deutsche Volk hat sich wieder zusammengefunden, ist wieder von einem sicheren Glauben an den Lenker seiner Geschicke beseelt und steht heute geschlossen hinter dem Führer Adolf Hitler. Und im Rahmen dieser Volksgemeinschaft haben wir unsere Pflicht zu erfüllen und uns durchs Leben durchzukämpfen. Die Kinder müssen die Apostel unserer Bewegung sein, und das in der Schule vermittelte Gedankengut in das Elternhaus tragen. Wir wollen unsere Jugend in der HJ, BDM sehen und sie im Geiste unseres Führers erzogen wissen. Und durch diese im deutschen Geiste aufwachsenden Kinder muß das Elternhaus am gleichen Strang ziehen und zusammenarbeiten zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes. Und nochmals rufe ich euch allen zu: Tretet ein in die Hitlerjugend, es ist die einzige deutsche Jugend. Den Erziehern der Kinder legte er vor allen Dingen ans Herz, sich gründlicher in die nationalsozialistische Lektüre zu vertiefen. Es soll kein Tag vergehen, an dem nicht der Lehrer seine Schüler an Hand von nationalsozialistischer Zeitungslektüre Aufklärung über die Erfolge unseres Führers gibt.

    02.07.1935

    Nachdem Lehrer Dilla dem Schulrat für die lehrreichen Worte im Namen der Gemeinde Greven links der Ems seinen Dank abgestattet hatte, brachte er ein dreifaches Sieg-Heil auf Führer, Volk und Vaterland aus, worauf die Anwesenden das Deutschland- und Horst-Wessels-Lied sangen. Aus der Feldküche wurde Bohnensuppe verabreicht, die den Kindern sehr gut mundete. Besonders war dies der Höhepunkt des Tages für die Jugend. In zwei Abteilungen wurde dann das mustergültige Arbeitsdienstlager besichtigt. Geschicklichkeitsübungen, Freiübungen und Reigen an den verschiedenen Spielständen boten für die Zuschauer Abwechslung. Am Nachmittag fand ein Kaffeetrinken mit Kuchen statt. Die Vorbereitung der Bohnensuppe, sowie des Kaffeetrinkens wurde von der NS-Frauenschaft Reckenfeld übernommen. Besonders erwähnt seien die Leistungen der einzelnen Schulen, die zusammen eine Freilichtbühne aufgebaut hatten, die bei den Anwesenden großen Anklang fand. Die Pausen wurden durch schöne Marschweisen ausgefüllt. Manchen Eltern und Kindern wird dieses Fest der echten Volksgemeinschaft noch lange in Erinnerung bleiben. Dieses Bild der Verbundenheit möchte man sich wirklich im ganzen Münsterlande wünschen. Alles in allem war dies ein Gemeinschaftsschulfest, wie man es von Reckenfeld nicht erwartet hatte. So gemütlich wie die Feier ihren Anfang nahm klang sie auch aus.


    Eine Zeitung berichtete von dem Ereignis in der Dorfmitte. Einige der Reckenfelder Nazis waren federführend für die Aufstellung des Steines. Das Nazi-Trio hieß: Peters, Dilla und Daeumer.

    04.07.1935 Einweihung des Kriegerehrenmals in Reckenfeld. Bei herrlichem Sommerwetter und unter reger Anteilnahme der gesamten Bevölkerung wurde das Ehrenmal für die gefallenen Helden in der Gartenstadt Reckenfeld eingeweiht. Um 10,30 Uhr traten die verschiedenen Formationen und Organisationen an und unter den Klängen des Musikzuges der NSADP marschierte der Zug zum Ehrenmal, dass noch von einem braunen Tuch umhüllt war. Zu beiden Seiten loderten die Opferschalen. Nach Begrüßungsworten des NSKOV-Ortsgruppenobmannes Daeumer (Reckenfeld) (Foto) ergriff Lehrer Dilla das Wort und führte u. a. aus: Man solle der Toten des Weltkrieges und der Bewegung gedenken. Pg. Bürgermeister Peters sei wirklich zu danken, da er der Gründer des Ehrenmals sei. Gauamtsleiter der NSKOV Eggers (Münster) feierte anschließend die Taten der deutschen Helden. Nach dem Liede "Ich hatt' einen Kameraden" legte Kamerad Dömer am Ehrenmal einen Kranz nieder, währenddessen der Gedenkstein enthüllt wurde. Als Vertreter des Landrates und gleichzeitig im Auftrage der Reckenfelder Siedlungsgenossenschaft überbrachte Bauer Richter-Brockmann die Glückwünsche des Kreises und teilte mit, dass das Reckenfelder Ehrenmal demnächst mit einem Kreuz versehen werde, für das vom Kreis die Mittel bereitgestellt würden. Zum Schlusse der Kundgebung sprach Bürgermeister Ortsgruppenleiter Peters allen Beteiligten und allen denen, die durch Stiftungen und sonst zur Errichtung dieses Ehrenmals beitrugen, den Dank der Gemeinde aus. Nachdem dann noch eine Anzahl Ehrenkreuze verteilt worden waren, brachte man ein dreifaches Sieg-Heil auf das deutsche Vaterland und seinem Führer aus. (Inschrift: Den Gefallenen zum Gedächtnis - Den Lebenden zur Anerkennung - Den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung)
    05.07.1935 Die Arbeitsdienstabteilung 6/200 Reckenfeld feierte auf dem Sportplatz (Foto) des SC Reckenfeld sein Sportfest. Wirkliche Sportleistungen wurden von den Arbeitsmännern vorgeführt. Die Pausen füllte die NSAD-Kapelle Münster durch Märsche und Konzert aus. Den Abschluß bildete ein Kameradschaftsabend mit Tanz in der Kaffeewirtschaft Leihsing.
    10.07.1935 Schießstandeinweihung in Reckenfeld. Am Sonntag wurde der neue Schießstand (Kleinkaliber) am Deutschen Haus eingeweiht. Mit dem Plakettenschießen am Sonntagmorgen fand die Eröffnung statt. An dieser Einweihung nahmen die Bevölkerung Reckenfelds und der Kleinkaliber-Schützenverband Saxonia Münster regen Anteil. Die Einweihung wurde von Regierungsbaurat Schürmann aus Münster vorgenommen, der in kurzen Worten über Zweck und Ziel des Schießsportes sprach. Anschließend fand die Siegerehrung statt. Mit dem Absingen des Deutschland- und Host-Wessel-Liedes fand die Feier ihren Abschluß.
    15.08.1935 Sommerfest des Reckenfelder Kleinsiedlervereins. Im festlich geschmückten Saal des Deutschen Hauses hatte sich Jung und Alt eingefunden, galt es doch, ein wirkliches Fest der Volksgemeinschaft zu feiern. Vereinsleiter Sander begrüßte die Erschienenen. Nach einem Marsch der Siedlerkapelle (Foto) trat erstmalig der neue Gesangverein unter Leitung von Lehrer Dilla auf. Als Vertreter des Landrats überbrachte Bauer Richter-Brockmann die herzlichsten Grüße des Landrats. Um irrige Anschauungen klarzustellen, betonte er, daß einerseits sämtliches Geld, das die Siedlungsgesellschaft in Reckenfeld erübrigt, wieder für die Siedlungsgesellschaft verwendet wird, anderseits müsse mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß für die Siedlungsaufgaben in Reckenfeld keine öffentlichen Mittel etwa aus der Gemeinde- oder Kreiskasse verwendet würden, wie das zum Teil angenommen werde. Vom Gauheim-Stättenamt war Pg. Gerling erschienen. Er versprach, dafür Sorge zu tragen, daß der Siedlung Reckenfeld geholfen werde. Ortgruppenleiter Pg. Peters stellte den Siedlern den neuen Amtsbürgermeister Pg. Vorndamme (Greven) vor. Als Vertreter der Siedlungsgesellschaft Münster-Land war Rechtsanwalt Dr. Lauscher (Greven) erschienen. Der Nachmittag wurde durch Musikstücke, Gesangvorträge und Vorführungen der Kinder ausgefüllt. Abends kam dann der Tanz zu seinem Recht.
    04.09.1935 Versammlung der Krieger. Am Sonntag fanden sich die Kameraden der Kriegerkameradschaft Reckenfeld geschlossen im Saale Deutsches Haus ein. Der Vereinsführer Indenbirken begrüßte die Erschienenen. Es wurde der Beschluß gefaßt, an der Denkmaleinweihung in Saerbeck teilzunehmen. Das Pflichtschießen findet jeden Sonntag um 10 Uhr statt. Wegen des Pokalturniers des SC Reckenfeld fällt das Schießen am Sonntag aus. Anschließend hielt Kamerad Schmücker sen. einen Vortrag über Fechtschulwesen. Eine Fechtschule wird auch hier ins Leben gerufen. Die einkommenden Gelder sollen die Kriegswaisenhäuser erhalten.
    05.09.1935 Jubelfest des Sportklubs Reckenfeld. Anläßlich des 7-jährigen Bestehens des Sportklubs Reckenfeld beginnt der Festakt mit einem Alte-Herren-Pokalspiel. Liebenswürdigerweise haben drei Vereine aus Rheine und zwei aus Münster, mit denen der Verein stets freundschaftliche Beziehungen gepflegt hat, sich bereitgefunden, am Fest teilzunehmen.
    05.09.1935 Winterhilfswerk 1935/36. Die Unterstützungsanträge für das Winterhilfswerk 1935/36 werden im BDM-Heim (Deutsches Haus) wie folgt ausgegeben: Für Block A am Mittwoch, dem 5. Sept., vorm. 8-13 Uhr; Block B (Grevener Gebiet) am Mittwoch, dem 5. Sept., nachm. von 15-18 Uhr, Block C am Donnerstag, dem 6. Sept., vorm. von 8-13 Uhr. Block D am Donnerstag, dem 6. Sept., nachm. von 15-18 Uhr. Die angegebenen Zeiten sind unbedingt einzuhalten. Mitzubringen sind: Lohnbescheinigungen (Fotos: - Bescheinig. Rentenversicherg.+Knappschaft) aller im Haushalt befindlichen Personen, Stempelkarte, Mietsbücher, Steuerbescheide über Rückzahlungen von Darlehen, Fürsorgekosten usw.
    03.10.1935 Der MGV "Liedertafel" in Reckenfeld besprach bei seiner letzten Zusammenkunft eingehend das am 6. Januar stattfindende Winterfest. Die Vereinsleitung liegt in den Händen von Aug. Czieska, Schriftführer und Kassenwart ist Jankord (Foto). Dirigent Lehrer Dilla (Foto am Rand). Die Proben finden montags, abends 8 Uhr, statt.
    03.10.1935 Der Sport am Sonntag in Reckenfeld. Zum fälligen Punktekampf empfangen die Klubleute den Nachbarverein Sp. Gimbte-Sprakel. Im ersten Meisterschaftsspiel schlugen sich die Sprakeler sehr gut; sie verstanden es, die Kinderhauser glatt mit 4:0 Toren zu schlagen. Für die Reckenfelder ist darum die größte Vorsicht geboten, ihren Gegner nicht zu unterschätzen. Die Hauptstärke der Reckenfelder ist der Sturm. Eine Umstellung mußte in der Mannschaft vorgenommen werden, da drei Spieler zum Heeresdienst einberufen worden sind. Die Jugendmannschaft bestreitet das Vorspiel. Zum Schluß spielt die Reservemannschaft gegen die gleiche von Sprakel.
    09.10.1935 Das diesjährige Erntedankfest war von schönstem Herbstwetter begünstigt. Am Samstagabend bewegte sich ein großer Fackelzug durch die Straßen. Überall leuchteten bunte Lichter auf. Die Hauptfeier fand am Sonntag statt. Nach dem Festgottesdienst war der große Saal im Deutschen Haus überfüllt, alle hörten die Festrede des Führers. Am Nachmittag setzte sich unter Vorantritt der Dorfkapelle (Anm.: mit Hakenkreuz) der lange Zug sämtlicher Formationen in Bewegung. Am Dorfplatz angelangt, hielt Ortsgruppenführer Pg. Peters die Ansprache. Dann folgten einige kernige Worte vom Leiter der Gauführerschule, Blankemeyer. Heinrich Jankord sprach den Erntedankspruch. Nach Absingen des Horst-Wessel- und Deutschland-Liedes löste sich der Zug am Deutschen Haus auf. In den Lokalen verlebte man recht frohe Stunden. (Anm.: Folgende Personen sind nachträglich zu erkennen: Oben von links: 1. (wer?) - 2. Viktor - 3. Heimsath - 4. Klemann - 5. Reichelt - 6. Göbel (Foto) - 7. Schmücker - 8. Primke - 9. Seel. Untere Reihe: Jürgens - Nicodem - Stange - Sirk - Flakowski.) (Fotos von Frau Stange und ihrem Mann >>>)
    10.10.1935 Die Ortsgruppe der NSDAP Reckenfeld. zeigt am Donnerstag, dem 10. Oktober, nachmittags 4.30 Uhr für Kinder und abends 8 Uhr für Erwachsene im Deutschen Haus einen Spitzenspielfilm: "Der alte und der neue König". Dieser Film zeigt in zwei Stunden, wie durch des alten Königs Erziehung aus dem leichtsinnigen, pflichtvergessenen jungen König ein Friedrich der Große geformt wird. Die Eintrittspreise sind für Kinder 10 Pfg., an der Abendkasse die gewohnten Preise.
    30.10.1935 Die NSG gibt bekannt, daß auch in diesem Jahre bedürftigen Volksgenossen geholfen werden soll, aber nur solchen, die wirklich bedürftig sind. Die Kartoffelausgabe erfolgt im Deutschen Haus. Nur diejenigen erhalten Kartoffeln, die keine eingekellert haben. Die genaue Prüfung und Ausgabe erfolgt durch den Pg. Klippel.
    05.11.1935 Die gefährliche Kurve hinter dem Reckenfelder Bahnhof ist nun endlich beseitigt. Die Ecke hat nun eine größere Übersicht erhalten.
    06.11.1935 Große Versammlung der Siedlergemeinschaft. Am Sonntag fand im "Deutschen Haus" eine Siedlerversammlung statt, die vom Gemeinschaftsleiter Sander geleitet wurde. Sein besonderer Gruß galt dem Vertreter des Gauheimstättenamtes, Pg. Schmendt, und Dr. Müller vom Kalisyndikat. Pg. Schmendt sprach in längeren Ausführungen über Kleinsiedlerangelegenheiten, Dr. Müller vom Kalisyndikat gab zwei Lehrfilme über Gemüsebau und den Kartoffelkrieg. Beide Filme waren sehr lehrreich und wurden mit großem Interesse aufgenommen. Anschließend ging man zum gemütlichen Teil über, wo jeder Anwesende einen Gutschein erhielt. Man verlebte recht frohe Stunden in echter Kameradschaft.
    16.11.1935 Die NSDAP, Ortsgruppe Reckenfeld, veranstaltet am Samstag, dem 16. November, einen Tonfilmabend. Es wird jedem Gelegenheit gegeben, diesen Tonfilm zu besuchen. "Grüßt mir die Lore noch einmal", so betitelt sich der Film. Es finden zwei Vorstellungen statt, und zwar um 16.30 und 20.30 Uhr.
    03.12.1935 Die NSDAP, Ortsgruppe Reckenfeld, hält am Donnerstag, dem 5. Dezember, im Deutschen Haus eine öffentliche Versammlung ab. Pg. Blankemeyer wird ein längeres Referat halten. Sämtliche Volksgenossen sind zu dieser Versammlung eingeladen.
    03.12.1935 Der Tonfilm "Hermine und die sieben Aufrechten", der am Sonntag von der NSDAP, Ortsgruppe Reckenfeld, gezeigt wurde, hatte seine Anziehungskraft nicht verfehlt. Der große Saal war bei der Abendvorstellung bis auf den letzten Platz besetzt.
    04.12.1935 Am Donnerstag, dem 5. Dezember, findet im Deutschen Haus eine große öffentliche Versammlung der NSDAP, Ortsgruppe Reckenfeld, statt. Als Redner ist Pg. Blankemeyer (Mitglied des Reichsbauernrates) verpflichtet worden. Erscheinen aller Volksgenossen ist erwünscht.
    05.12.1935 Die Krieger- und Kriegsbeschädigten-Kameradschaft hielt am Sonntag ihre Generalversammlung ab, die vom Ehrenmitglied Bohnenkamp geleitet wurde. Nach Aufnahme von vier neuen Kameraden befaßte man sich mit der Vorstandsfrage. Kamerad B. Schmücker sen. wurde vorläufig zum Kameradschaftsführer ernannt. Kamerad Primke wurde zum Schriftführer und Kamerad Krafzeck (Kraftczyk?) zum Kassierer bestimmt. Nach Erledigung der reichhaltigen Tagesordnung und nach Bekanntmachung wichtiger Verordnungen schloß der Kameradschaftsführer die Versammlung mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer.
    07.12.1935 Große öffentliche Kundgebung in Reckenfeld. Die NSDAP hatte am Donnerstagabend im großen Brinkmeyerschen Saale zu einer öffentlichen Kundgebung eingeladen, deren Besuch in Anbetracht des schlechten Wetters als gut zu bezeichnen war. Ortsgruppenleiter Pg. Peters eröffnete die Versammlung. Pg. Blankemeyer sprach über Kriegsschuldlüge, Wehrmacht und Judenfrage. Er schilderte die Geschehnisse vor und nach dem Kriege und erörterte in längeren Ausführungen die Judenfrage. Der Ortsgruppenleiter betonte u. a., dass dieser Vortrag seine Wirkung nicht verfehlen werde. Man gedachte der Treue und schloss mit einem dreifachen Sieg-Heil die Kundgebung. Es folgten das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied. Er gab bekannt: Am Sonntagnachmittag um 3 Uhr ist für sämtliche Parteimitglieder Antreten an der Gauführerschule, ebenso für SA, SS, HJ, BDM und Frauenschaft. (Eine Frau schaffte den Führerschein, recht selten zu damaliger Zeit.)
    10.12.1935 Versammlung des Gesangvereins "Liedertafel". Am Samstagabend fand im Vereinslokal Brinkmeyer eine Versammlung des Gesangvereins "Liedertafel" statt. Der Vereinsleiter Czieska eröffnete die Versammlung mit dem üblichen Gruß. Dann besprach man das Stiftungsfest; es wurde auf den 1. Februar festgesetzt und soll in großem Rahmen aufgezogen werden. U. a. werden Theaterstücke aufgeführt. Die Rollen wurden an die Sangesbrüder verteilt; die erste Probe ist am Mittwochabend (11. Dez.). An aktiven Sängern zählt der Verein 25. Die Kasse weist einen guten Überschuß auf. Die Gesangsabende wurden auf den Montag festgesetzt. Jeder Sangesbruder muß pünktlich erscheinen. Sangesbruder Jankord zollte dem Dirigenten Lehrer Dilla großen Dank. Dirigent Dilla betonte dann, daß die Abende auch als Kameradschaftsabende zu bewerten seien. Pg. Bürgermeister Peters sprach über den neuen Sportplatz, da der Gesangverein an der Platzeinweihung teilnehmen soll. Nach Erledigung kleinerer Angelegenheiten konnte der Vereinsleiter die gut verlaufene Tagung schließen. Dann leitete die Versammlung zu einer Nikolausfeier über. Jedem Sangesbruder wurde ein kleines Geschenk überreicht.
    10.12.1935 Adventsfeier der NS-Frauenschaft Reckenfeld. Die NS-Frauenschaft Reckenfeld feierte im Deutschen Haus ihre diesjährige Adventsfeier. Die erst kürzlich neu eingeführte Leiterin, Frl. Bröking, begrüßte die anwesenden Frauen auf das herzlichste. Die Feier verlieh jedem durch die auf den Tischen zahlreich aufgestellten Kerzen und Adventskränze die richtige Stimmung. Ein aus der Frauenschaft gebildeter Gesangchor brachte einige Adventslieder zum Vortrag. Das durch einige Mitglieder ausgeführte Lautenspiel machte den Zuhörern recht viel Freude. Nach dem Kaffee folgte noch ein Theaterstückchen, ausgeführt vom BDM, das wesentlich zur Ausgestaltung beitrug. Das reichhaltige Programm brachte allen teilnehmenden Frauen Stunden tiefer Freude.
    18.12.1935 Eine musikalische Feierstunde veranstaltete der evangelische Kirchenchor. Es war wirklich für alle, die erschienen waren, ein genußreicher Abend. Der Chor trug schöne Lieder vor. Den Höhepunkt erreichte die Feier, als die beiden Schülerinnen E. Schimmel und E. Sefzik die Weihnachtsgeschichte vortrugen. Mit einem gemeinschaftlichen Lied nahm die Feier ihren Abschluß.
    22.12.1935 Vom Kriegskameradschaftsverein Reckenfeld. Mit herzlichen Grußworten eröffnete der Kameradschaftsführer die außerordentliche Versammlung. Sein besonderer Gruß galt dem Kreis- und Bezirksführer, Generalmajor a. d. Klobe. Auf Grund der Prüfung vom Kreisverband wies der Bezirksführer die Angriffe gegen den Vorstand als ungeltend zurück. Nach Erledigung kleinerer Vereinsangelegenheiten schloß man die Versammlung mit dem Deutschen Gruß und mit dem Liede vom guten Kameraden.
    28.12.1935 Weihnachtsfeier der NSB in Reckenfeld. Die Ortsgruppe Reckenfeld der NSB bereitete am vorigen Samstag im Saale Deutsches Haus (Foto) den Kindern der von ihr betreuten Familien eine schöne Weihnachtsfeier. Bis auf den letzten Platz hatten die kleinen Gäste, die in Begleitung ihrer Eltern erschienen waren, den Saal gefüllt. Zu dieser Feier war auch der Kreisamtsleiter der NSB Pg. Langkopf (Münster) erschienen. Die Dorfkapelle hatte sich ebenfalls in den Dienst der guten Sache gestellt und spielte die uralten Weihnachtsweisen, in die Jung und Alt freudig mit einstimmten. Bürgermeister Peters begrüßte die Erschienenen, sprach in launiger Art zu den Kindern und wünschte allen ein frohes und glückseliges Weihnachtsfest. Kreisamtsleiter Pg. Langkopf wies in seiner Ansprache besonders darauf hin, daß wir es dem Führer Adolf Hitler zu verdanken haben, wenn wieder deutsche Weihnacht im tiefsten Frieden gefeiert werden kann. Deutsches Gemüt und Empfinden regt sich zu keiner Zeit mehr als zur Weihnachtszeit. Jeder Deutsche im Ausland wird, wenn sein Herz nicht erkaltet ist, in diesen Tagen von Heimweh gepackt. Die NSB sorgt im Auftrage des Führers dafür, daß im deutschen Vaterland allen deutschen Volksgenossen eine Weihnachtsfreude bereitet wird. Gedichte, vorgetragen von Mädchen des BDM, und Lieder wechselten ab, bis dann der Höhepunkt der Feier, der Weihnachtsmann zur Bescherung erschien und, nach weisen Lehren und Ermahnungen, jedem Kinde eine "Tüte" und ein Spielzeug übergab. Hier gebührt besonderer Dank und Anerkennung dem Siedler Hermanns aus Reckenfeld, der in wochenlanger Bastelarbeit über 100 stabile Spielzeuge angefertigt hatte und so den Hauptanteil an dem frohen Leuchten in den Kinderaugen hatte. Und das dürfte ihm wie auch allen anderen an der Durchführung der schönen Feier Beteiligten der schönste Dank gewesen sein.
    28.12.1935 Weihnachten in Reckenfeld. "Stille Nacht, heilige Nacht", so klang es am Heiligen Abend in der Gartenstadt Reckenfeld, denn die Dorfkapelle ließ es sich nicht nehmen, in den einzelnen Straßen einige Weihnachtslieder erschallen zu lassen, und so herrschte frohe Weihnachtsstimmung.
    09.01.1936 Appell der Frontsoldaten in Reckenfeld. Am Samstag fand als Auftakt zur Straßensammlung der Frontsoldaten für das WHW ein Appell im Deutschen Haus statt. Der gutbesuchte Abend wurde gegen 20 Uhr von dem Obmann der NSKOV eröffnet. Nach dem Einmarsch der Fahnen begrüßte der Obmann die Erschienen, insbesondere den Redner Pg. Coppenrath (Münster) und den Bürgermeister Pg. Peters. Nach einem Rückblick auf das Leben und Sterben der Frontsoldaten im Weltkrieg und auf den Kampf gegen Hunger und Kälte, an dem alle Frontsoldaten wiederum teilnehmen, erteilte der Obmann Daeumer dem Redner Pg. Coppenrath das Wort. Zurückgehend auf das gigantische Ringen des Weltkrieges, beleuchtete der Redner das heldenhafte Kämpfen unserer Feldgrauen gegen eine Welt von Feinden. 4 ½ Jahre kämpften unsere glorreichen Armeen, ohne mit der Waffe besiegt zu werden; es kam anders, weil das deutsche Volk im entscheidenden Moment versagte.

    Der Zusammenbruch 1918 kam, weil dem deutschen Volke der Sinn verloren gegangen war. Einmal in Unkenntnis darüber, wie es bei dem Feinde aussah, zum anderen, weil es den wahren Feind, den Juden, der sich hinter andere Völker getarnt hatte, nicht erkannt hat. Das deutsche Volk war noch nicht politisch reif, um dieses zu erkennen. Der Redner warf dann die Frage auf: Was ist Krieg? Was ist Frieden? Frieden ist Leben, wer für das Leben kämpft, hat den Frieden. Dann rollten Bilder einer vergangenen Epoche vorüber. In welcher Gefahr sich das deutsche Volk in den 14 Nachkriegsjahren befand. Als alle Parteien versagt hatten, kam der 30. Januar 1933. Das Ausland glaubte an eine Köpenikade neuerer Auflage und gab dem nationalsozialistischen Staat eine Lebensdauer von höchsten 6 Wochen. Es kam anders; das deutsche Volk wurde durch den Führer geeint, es wurde wieder frei und stark.

    Zum Schluss seiner Ausführungen betonte der Redner, dass der Nationalsozialismus positiv sozialistisch eingestellt ist. Daher habe auch jeder Frontsoldat am Tage der Sammlung für das WHW wieder zu beweisen, dass er genau wie 1914 seine Pflicht tut. Diesmal heißt der Feind "Hunger und Kälte", damit sich die Losung erfülle: "Alles für unser Volk, denn unser Volk ist alles!" Mit einem "Sieg-Heil!" beendete der Redner seinen Vortrag, der von den Anwesenden mit großem Beifall aufgenommen wurde. In der Schlussansprache dankte der Obmann der örtlichen NSKOV, Daeumer, dem Pg. Coppenrath für seine Ausführungen. Zum Schluss wurden die deutschen Lieder gesungen.
    11.01.1936 Versammlung der Kriegerkameradschaft Reckenfeld. Die Kriegerkameradschaft Reckenfeld hielt im Vereinslokal Brinkmeyer eine Versammlung ab, die vom Vereinsleiter mit herzlichen Begrüßungsworten eröffnet wurde. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war Schießsport. Es wurde beschlossen, am Sonntag, dem 12. Januar und Sonntag, dem 19. Januar, auf dem Kleinkaliberstand ein großes Schießen zu veranstalten. Der Reinertrag wird dem WHW abgeführt. Zum Schluß der Versammlung wurden noch kleinere Vereinsangelegenheiten besprochen.
    16.01.1936 Die NSKOV, Ortsgruppe Reckenfeld, hält am 18. Januar, 15.30 Uhr, beim Pg. Rickermann einen Generalappell ab. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Frontsoldaten und Kriegsbeschädigte, die noch nicht Mitglied sind, sind willkommen.
    16.01.1936 "Der verlorene Sohn". Die Ortsgruppe Reckenfeld der NSDAP veranstaltet Samstag, den 18. Januar, nachmittags 4.30 Uhr und abends 8.30 Uhr, im Deutschen Haus Filmvorführungen, zu denen die ganze Bevölkerung eingeladen ist.
    16.01.1936 Die NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude", Ortsgruppe Reckenfeld, bietet am Dienstag, dem 21, Januar, abends 8.15 Uhr, im Saale des Pg. Brinkmeyer einen Variete-Abend (Truppe Friedl Hähl), mit Künstlern von Ruf. Den Bemühungen der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" ist es gelungen, eine Künstlertruppe zu verpflichten, die durch ihre einzigartigen Leistungen, sei es ein heiterer Sketch, oder ein Dressurakt mit Tauben, ein komisches Intermezzo oder Trapezakt, jeden Zuschauer in ihren Bannkreis zu ziehen vermag. Versäumen Sie diese einmalige Gelegenheit nicht, sich ein Künstlerprogramm anzusehen, das auch bei Ihnen Bewunderung auslösen wird. Eintrittspreis: 40 Pfg. Kassenöffnung: 7.30 Uhr. Kartenverkauf: Pg. H. Brinkmeyer (Deutsches Haus).
    16.01.1936 Der Gesangverein "Liedertafel" hielt im Vereinslokal Brinkmeyer die Jahreshauptversammlung ab. Vereinsleiter Czieska erstattete eingangs den Jahresbericht. Der Kassenbericht ergab, daß man mit einem guten Überschuß in das neue Jahr treten kann. Bei der Vereinsleiterwahl legte der Vereinsleiter Czieska sein Amt nieder. Die Geschicke des Vereins wurden in die Hände des Sangesbruders H. Jankord sen. gelegt; zweiter Vereinsleiter ist Heinrich Schlick; Kassenwart und Schriftführer Lipovscheck, Notenwart Brinkmeyer, und bis zum Lehrerwechsel wird als Dirigent weiter Lehrer Dilla fungieren. Das Stiftungsfest wird am 2. Februar beim Vereinswirt Brinkmeyer gefeiert.
    18.01.1936 Generalversammlung der NSKOV Reckenfeld. Die NSKOV Reckenfeld hielt am Samstagnachmittag im "Deutschen Haus" ihre diesjährige Generalversammlung ab. Sie war trotz des herrschenden Schneegestöbers gut besucht. Der Ortsgruppenobmann Daeumer begrüßte die Erschienen aufs herzlichste. Alsdann wurde der Jahresbericht erstattet. Hier streifte der Obmann besonders den Ausflug nach Hopsten und die Errichtung des Ehrenmals. In Bezug auf Arbeitsbeschaffung sei es gelungen, einen Kameraden in Brot und Arbeit zu bringen. Kamerad Daeumer machte dann bekannt, dass Aufmärsche usw. nur noch im Dienstanzug mit der NSKOV-Mütze durchzuführen sind. Amtsverwalterdienst sei Ehrendienst. Anständiges, gesittetes Auftreten und Lebensführung sei erste Pflicht, ebenso soldatische Disziplin.

    Insbesondere hätten alle Frontsoldaten und Kriegsopfer den Hinterbliebenen als Kameraden der Gefallenen Hilfe und Rat zu leisten, wo es nötig sei. Ferner appellierte er an die Kameraden, die nationalsozialistische Presse zu lesen. Nach einer kurzen Pause verlas der Obmann den Aufruf des Bezirksobmanns und Gauamtsleiters Pg. Meinert, sowie die Sonder-Mitteilung der Reichsdienststelle "Grundsätzliches über die nationalsozialistische Kriegsopferversorgung", die bereits durch die Presse veröffentlicht ist. Es wurde dann die Gründung einer Schießgruppe besprochen. Man war sich darüber einig und es sollen die Vorarbeiten in die Wege geleitet werden. Kamerad Pg. Dilla erstattete dann den Kassenbericht. Trotzdem der Ortsgruppe nur 15. Pfg. je Mitglied verbleiben, war noch ein größerer Überschuß zu verzeichnen. Am Samstag, den 1. Febr. soll beim Pg. Rickermann ein Kameradschaftsabend steigen. Nachdem der Versammlungsleiter noch an die Mitglieder den dringenden Appell richtete, jeder möge ein neues Mitglied werben, wurde die Versammlung in üblicher Weise geschlossen.

    28.01.1936 Erstes Stiftungsfest des MGV "Liedertafel". Aus Anlaß des ersten Stiftungsfestes tritt der MGV "Liedertafel" am Sonntag, dem 2. Februar, mit einem großen volkstümlichen Konzert an die Öffentlichkeit. Wie sich seit dem Bestehen der Gesangverein die Aufgabe gestellt hat, das deutsche Volkslied zu pflegen, tritt er auch nun mit Perlen des deutschen Liedes auf. Im ersten Teil werden Soldatenlieder, Volkslieder und Konzertstücke vorgeführt. Der zweite Teil ging in den lustigen Teil über und steht unter dem Motto: "Alles aus Rand und Band". Freunde und Gönner können durch Mitglieder des Vereins eingeführt werden. Die Feier findet um 17 Uhr im Deutschen Haus statt.
    30.01.1936 Im MGV "Liedertafel" fand am Montagabend nach der Gesangstunde die Prüfung der Kasse statt. Dem neu gewählten Kassierer Lipovscheck wurde die Kasse übergeben und dem seitherigen Kassierer der Dank für die gute Verwaltung der Kasse ausgesprochen. Die Bänkelsänger und Theaterspieler treffen sich am Freitagabend um 8 Uhr im Deutschen Haus. Die Generalprobe wurde auf Sonntagmorgen 10.30 Uhr festgesetzt. Der Vereinsleiter forderte auf, restlos am Donnerstagabend, dem 30. Januar, an der großen Kundgebung teilzunehmen. Nach Erledigung kleinerer Vereinsangelegenheiten schloß man die Gesangstunde mit dem deutschen Gruß.
    30.01.1936 Große Feier am 30. Januar. Am Tage der Machtübernahme durch den Führer und Reichskanzler ist in Reckenfeld eine große Feier vorgesehen. Die Schulen beider Konfessionen beginnen mit der Morgenfeier. Um 19.30 Uhr findet im großen Saale Deutsches Haus von der NSDAP eine große Kundgebung statt. Als Redner ist Pg. Bolwin aus Münster gewonnen.
    01.02.1936 Kirchenbau in Reckenfeld. In der aufstrebenden Gemeinde Reckenfeld hat man mit dem Bau einer katholischen Kirche begonnen. Man hat sich die Erfahrungen aus den vergangenen Jahrzehnten zunutze gemacht und bringt einen typischen, schlichten Dorfkirchenbau zur Ausführung. Damit ist wieder auf die gute Tradition im Landkirchenbau der vergangenen Jahrhunderte zurückgegriffen worden, eine Tradition, die stets unter Beachtung des eingeprägten Gesichtes der Landschaft aus einer ganz selbstverständlichen, handwerklich echten Bauauffassung heraus harmonische Kirchen zu schaffen wußte. Die neue Kirche soll an dem mitten im Ort entstehenden Dorfplatz stehen und diesen beherrschen. Die Portalseite ist den beiden Hauptstraßen, die den Dorfplatz kreuzen, zugewendet. Schlicht und ohne Komplizierung wächst aus dem Giebel der Portalseite ein breiter Turmkörper empor. Bis zur Turmkrönung mißt er fast 30 Meter. Breitmassig mit einem roten Pfannendach schließt sich hinter dem Turmkörper die Kirche in einer Länge von über 30 Meter an.

    Links ist neben dem Hauptschiff, aber unter einem Dach mit ihm, ein Seitenschiff. In seiner Verlängerung befindet sich an der linken hinteren Grundrißecke die Sakristei und darunter der Raum für Zentralheizung. Auf derselben Seite im Vordergrund, also links neben dem Turm, ist die Taufkapelle gelegen. Rechts neben dem Turmkörper befindet sich eine Vorhalle; in ihr ist das Treppenhaus zur Sängerempore und zu einem darüber vorgesehenen Bibliothekraum o. ä. untergebracht. Erst über dem Bibliothekraum sind Glockenstube und Uhrkammer angeordnet.

    Im Innern gelangt man durch eine niedrige Vorhalle unter dem Turm geradeaus in den Hauptkirchenraum, der in einer Breite von etwa zwölf Metern und einer fast gleich bemessenen Höhe mit einer sichtbaren Balkendecke direkt in den ca. 8 Meter breiten, hoch gerichteten Chorraum überleitet. Das Chor ist um mehrere Stufen überhöht und wird in von der rechten Seite einfallendes, flutendes Licht getaucht, das farbig auf warme Töne wie Gelb und Rot abgestimmt werden soll. Das Hauptschiff erhält von der gleichen Seite gedämpftes und farbig zurückhaltendes Licht in grau-blauen Tönen.

    Das Seitenschiff, das in ca. 3 Meter Höhe mit niedrigen Tonnengewölben überdeckt ist, wird durch drei Pfeiler von dem Hauptschiff abgetrennt. Im Seitenschiff sollen die Beichtstühle aufgestellt werden. An der Begrenzung zwischen Chor und Hauptschiff ist auf der linken Seite, von allen Plätzen aus zu sehen, die Kanzel, auf der gegenüberliegenden Seite der Nebenaltar. Ein weiterer kleiner Votivaltar wird in der Taufkapelle aufgestellt.

    Im Hauptkirchenraum finden ca. 400 Sitzplätze, dazu auf der Sängerempore ca. 60 Sitzplätze Aufstellung, die alle freien Blick zum Hochaltar und zur Kanzel haben. Die Sakristei mit ihrem Vorraum erhält außer einem Außeneingang eine direkte Türverbindung mit dem Seitenschiff. Rings um die Kirche herum, besonders in westlicher Richtung, ist der Kirchplatz so groß bemessen, daß sich Prozessionen im Freien schön entwickeln können. Die Kirche liegt um etwa einen Meter über dem Niveau des Dorfplatzes. An der Eingangsseite wird ihr Vorgelände gegen die Straße durch eine Terrassenmauer abgeschlossen. In etwa zwölf Meter Breite führen Naturstein-Stufen vom Dorfplatz zum Kirchenvorplatz herauf.

    Wie die Kirche selbst, so ist auch die kleine neu geplante Rektoratswohnung in schlichter, ländlicher Bauweise vorgesehen. Das Wohnhaus des Rektors soll links im Hintergrund der Kirche unter altem Kiefernbaumbestand, der nur nach der Südseite zur Anlegung eines Pfarrgartens entfernt wird, erbaut werden. Das Haus sieht die für eine ländliche Pfarrwohnung notwendigsten Räume in praktischer Anordnung vor. Damit ist für die neue Ortschaft Reckenfeld wiederum eines der Probleme gelöst, die bei der Neuentstehung größerer Siedlungen nicht unerhebliche Schwierigkeiten bereiten. Daß das in so sachlich befriedigender und von allen Seiten in so opferbereiter und schneller Weise geschehen ist, muß bei aller Berücksichtigung der zwingenden und nicht mehr aufzuschiebenden Notwendigkeit als ein Zeichen freiwilliger und verständnisvoller Hilfsbereitschaft anerkannt werden. Die katholische Gemeinde Reckenfeld ist glücklich, in absehbarer Zeit die seit langem ganz unzulänglichen räumlichen Verhältnisse in der "alten" Kirche überwunden zu haben und den Einzug in ein würdiges Gotteshaus halten zu können. In diesem Zusammenhang wird es von Interesse sein, einiges über die Vorgeschichte des Kirchenbaues zu erfahren.

    01.02.1936 Im Dezember 1934 schlossen sich die Reckenfelder Katholiken zu einem Kirchenbauverein zusammen; der Vorstand nahm sofort die Vorbereitung des Baues in der Hand. Schon bald konnte der Kirchplatz angekauft werden. Nach Aufstellung und Erledigung des Finanzierungsplanes wurden von namhaften Kirchenbau-Architekten Pläne eingefordert. Zur Prüfung der Pläne, die von allen Beteiligten mit dem größten Ernst und Verantwortungsbewußtsein vorgenommen wurde, war eine neungliedrige Kommission eingesetzt, zu der als Sachverständige der Provinzialkonservator Dr. Rave, Reg.-Baurat Arntzen und Domvikar Dr. Wieschebrink gehörten. Wenn die Kommission, sowie der Kirchenvorstand Greven gemäß den Vorschlägen dieser Sachverständigen sich auf den Entwurf des Architekten Dipl. Ing. Burlage (Foto) aus Osnabrück festlegten, so darf angenommen werden, daß hier eine Entscheidung getroffen wurde, die unter Berücksichtigung aller Umstände tatsächlich das Beste unter den gegebenen Möglichkeiten darstellen wird. Der Erbauer der Kirche ist auf diesem Gebiet kein Unbekannter mehr. Von seinen größeren Bauten, die ihn in Baukunstkreisen bekannt machten, seien nur die preisgekrönte Krieger-Gedächtniskirche zu Leipzig-Connewitz und die Elisabeth-Kirche zu Bremen-Hastedt genannt. Auch bei dem Kirchenbau in Reckenfeld dürfte die Persönlichkeit des Architekten Burlage, bei dem sich neuzeitliche Baukunst in spezifisch niederdeutscher Bodenständigkeit ausprägt, die Gewähr bieten, daß die Aufgabe in glücklicher Weise gelöst wird. Mit dem Bau von Kirche und Pfarrwohnung wird im Februar begonnen, so daß im Hochsommer dieses Jahres mit Gottes Hilfe die feierliche Weihe stattfinden kann. K.D.
    04.02.1936 Die Ortsgruppe der NSKOV veranstaltete am Samstag im Saale des Kameraden B. Rickermann einen Kameradschaftsabend. Der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal bewies, daß der Obmann der NSKOV das Richtige getroffen hatte. In seiner Begrüßungsansprache hieß er besonders Bürgermeister Pg. Peters (Foto) willkommen, der anschließend einige Worte an die Versammelten richtete. Er forderte sie auf, auch in Zukunft treu zum Führer zu stehen. Darauf gedachte man der gefallenen Kameraden, während die Musik das Lied vom guten Kameraden spielte. Mit dem Deutschland- und Horst-Wessels-Lied wurde der erste Teil des Abends beendete. Der gemütliche Teil brachte schöne Tanzmusik. Eine willkommene Abwechslung bildeten die Tombola und humoristische Vorträge.
    04.02.1936 Aus der Bewegung. Die Ortsgruppe der NSDAP hält am Mittwoch, dem 5. Februar, 20 Uhr beim Pg. Rickermann ihre Pflichtversammlung ab. Das Erscheinen sämtlicher Pg. auch des Blockes l. d. E. ist Pflicht.
    06.02.1936 Die Kriegerkameradschaft Reckenfeld hielt am Sonntagnachmittag im Vereinslokale Brinkmeyer eine Besprechung ab. Nach den Begrüßungsworten des Kameradschaftsführers wurde Kamerad Eisele zum Fechtmeister ernannt. In kürzester Zeit soll ein Kameradschaftsabend abgehalten werden. Nach Erledigung einiger Vereinsangelegenheiten schloß der Kameradschaftsführer die Besprechung.
    06.02.1936 Der Männergesangverein "Liedertafel" hatte am Sonntag sein erstes Stiftungsfest. Im ersten Teil des Abends wurden vom Verein gute, alte Männerchöre zu Gehör gebracht, die das Können des jungen Vereins eindeutig unter Beweis stellten. Auch die von der Dorfkapelle vorgetragenen Konzertstücke fanden großen Beifall. Der zweite Teil war karnevalistisch aufgezogen und hatte einen ungeahnten Erfolg. Der Abend verlief in allen Teilen äußerst harmonisch.
    07.02.1936 Monatspflichtversammlung der NSDAP. Beim Pg. Rickermann fand am Mittwoch die diesmonatliche Pflichtversammlung der NSDAP, Ortsgruppe Reckenfeld, statt, die sehr gut besucht war. Ortsgruppenleiter Pg. Peters ließ zunächst verschiedene Verfügungen bekannt machen. Dann nahm er die feierliche Überreichung der eingegangenen Mitgliedsbücher vor. Pg. Peters forderte nunmehr alle auf, am Samstag den Gepäckmarsch zur Erlangung des SA-Sportabzeichens mitzumachen. Pg. Dilla wies besonders auf die Benutzung der Ortsgruppen- und Kreisbibliothek hin. Der Ortsgruppenführer schloss mit einem dreifachen Sieg-Heil und der ersten Strophe des Horst-Wessels-Liedes die Sitzung.
    11.02.1936 Jahreshauptversammlung des SC Reckenfeld. In der ersten, sehr gut besuchten Jahreshauptversammlung des SC Reckenfeld im neuen Jahre streifte der Vereinsleiter A. Hünteler zunächst in kurzen Zügen die wichtigsten Ereignisse und Höhepunkte des vergangenen Jahres. Nach Verlesung der Tagesordnung, die einstimmig angenommen wurde, wurde das Protokoll durch den Schriftführer Rosowski verlesen. Bei der Wahl des Vereinsleiters wurde das volle Vertrauen dem alten Leiter Hünteler wiedergegeben. Er dankte allen Mitgliedern dafür und betonte u. a., sich selbst restlos für den Verein einzusetzen. Seine Mitarbeiter sind: II. Vereinsleiter A. Gahrens; Schriftführer Rosowski; Hauptkassierer Grobe; Ballwart Grabowski (sen.); Platzwart A. Gahrens, ferner drei Gebrüder Borkenhagen; Werberat A. Meer (Sterbeurkunde); Waschwart Grobe; Platzkassierer Hoock (Foto mittig), Schniederjann; Spielobmann Krispin; Beisitzer Rosofski, Grobe und die Spielführer der Mannschaften. Zum Schüler- und Jugendwart wurde Lehrer Kleine-Döpken (Foto) bestimmt. Nachdem der Kassierer den Kassenbericht erstattet hatte, wurde ihm lobende Anerkennung und Entlastung erteilt. Am ersten Samstag im Juni soll ein großes Pokalturnier abgehalten und zugleich das neue Stadion eingeweiht werden. Der Gesangverein "Liedertafel" nimmt an der Feier teil. Die Spiele der 1. Mannschaft waren im vorigen Jahre als sehr gut zu bezeichnen, wogegen die Reserve- und Jugendmannschaft sehr schlecht abschnitten. Mit dem Vereinslied und einem dreifachen Sieg-Heil nahm die gutbesuchte Versammlung ihr Ende.
    12.02.1936 Die Siedlergemeinschaft Reckenfeld hielt im Deutschen Haus ihre Monatsversammlung ab. An die Bekanntgabe mehrerer Rundschreiben des Deutschen Siedlerbundes schloß sich eine rege Aussprache der Siedlerkameraden an. Schon seit langer Zeit war es der allgemeine Wunsch, der Wühlmausplage energisch zu begegnen; hierzu wurde mitgeteilt, daß der Bürgermeister Peters im Einvernehmen mit der Leitung der Siedlergemeinschaft bald die Bekämpfung der Schädlinge einem Fachmann übertragen wird. Jeder Reckenfelder Grundstückseigentümer (Auch Nichtmitglieder des Vereins) muß sich den Maßnahmen anschließen. Das gleiche gilt auch für die Obstbaumspritzungen. Der Abend zeigte wie stets den echten Gemeinschaftssinn der großen Siedlerfamilie.
    12.02.1936 Der MGV. "Liedertafel" Reckenfeld hatte am Montagabend im Deutschen Haus eine Generalversammlung einberufen. Über das finanzielle Ergebnis des Stiftungsfestes gab der Kassierer einen eingehenden Bericht. Es wurde zum Ausdruck gebracht, daß der Verein nicht Feste feiert, um Gelder zu verdienen, sondern um den Gästen fröhliche Stunden zu bieten. Nachdem für das laufende Jahr die Grundlinie für das Wirken und Schaffen des Vereins festgelegt war, blieben die Sangesbrüder noch in gemütlicher Kameradschaft zusammen.
    12.02.1936 Pflichtversammlung der NS-Frauenschaft. Auf die am Mittwoch, dem 18. März, abends 8 Uhr im Deutschen Haus stattfindende Monats-Pflichtversammlung wird nochmals besonders hingewiesen.(Foto: Arbeitsbuch einer Reckenfelderin aus dem Jahr 1936)
    15.02.1936 Vortragsabend der NSDAP, Ortsgruppe Reckenfeld. Am Montagabend, 8 Uhr, findet bei Brinkmeyer (Deutsches Haus) - (Fotos) - ein Vortragsabend der Ortsgruppe Reckenfeld der NSDAP statt, zu dem außer den Parteigenossen auch alle Volksgenossen freundlichst eingeladen werden.

    15.02.1936 Pflichtversammlung der NS-Frauenschaft. Im Saale des Deutschen Hauses hatten sich die Mitglieder der NS-Frauenschaft zahlreich zu ihrer Pflichtversammlung eingefunden. Die Leiterin Fräulein Bröking, eröffnete die Versammlung mit herzlichen Begrüßungsworten und erteilte Pgn. Fräulein Krahn das Wort. Die Rednerin schilderte in eingehender Weise die heutige Haus- und Volkswirtschaft. Alle Volksgenossen müssen von der Idee des Führers vom nationalsozialistischen Willen erfüllt sein. Der Bauer muß wieder freier Mann eigener Scholle sein; jeder Deutsche hat ein Recht auf Arbeit; muß aber auch die Aufgabe, die ihm gestellt worden ist, voll und ganz erfüllen. Durch Kauf deutscher Ware in deutschen Geschäften wird deutschen Arbeitern wieder Brot geben. Die deutsche Frau aber muß mithelfen an dem Aufbau des deutschen Volkes; das Wohl der Familie ist auch das Wohl des deutschen Volkes. Die Rednerin schloß mit den Worten: "Es ist unsere Pflicht, das Rechte zu tun, um den Frieden im Lande zu sichern." Fräulein Ostermann gab noch einige Anregungen und Erläuterungen über einen demnächst beginnenden Kochkursus. Der erste Kursus beginnt am Mittwoch, dem 25. Februar, nachmittags 3 Uhr; viele Frauen haben sich bereits hierfür angemeldet. Mit einer kurzen Gedenkfeier für den ermordeten Pg. Gustloff (Foto) und dem Horst-Wessel-Lied schloß die Versammlung. Die nächste Pflichtversammlung ist am Mittwoch, dem 11. März.
    20.02.1936 Vortragsabend der Ortsgruppe Reckenfeld. Am Montagabend fand beim Pg. Brinkmeyer ein Vortragsabend statt. Bürgermeister Pg. Peters begrüßte aufs herzlichste und erteilte dem Gauführungsschulleiter (der NSV-Schule) Pg. Blankemeyer das Wort. Pg. Blankemeyer hielt einen Vortrag über die Fragen der Zeit. Die Ausführungen wurden von den Anwesenden mit Aufmerksamkeit verfolgt. Pg. Peters schloss mit einem "Sieg-Heil" auf unseren Führer und mit dem Horst-Wessel-Lied den Vortragsabend.
    22.02.1936 Jahresversammlung der Ortsfachgruppe Ziegenzüchter. Recht zahlreich fanden sich die Ziegenzüchter zur Jahresversammlung beisammen. Nach den Begrüßungsworten des Vereinsleiters wurde der Jahres- und Deckbericht bekanntgegeben. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Der Kassenbestand war zufriedenstellend. Es wurden im Laufe des Jahres 17 neue Mitglieder aufgenommen. Die Zahl der Ziegen ist von 73 auf 105 gestiegen. Es soll weiter demnächst ein Lichtbilder-Vortrag veranstaltet werden. Darauf schloß der Vereinsleiter die Versammlung.
    22.02.1936 Reckenfeld feiert Karneval. Der Elferrat der Reckenfelder Karnevalsgesellschaft "Buddukuden" hatte am Sonntagmorgen eine Sitzung. Es wurden nochmals die Einzelheiten über das am 23. Februar stattfindende große Kappenfest durchgesprochen. Einstimmig wurde beschlossen, daß der gesamte Reinertrag des Festes für die Ausschmückung des Dorfplatzes verwandt werden soll. Da sämtliche Räume des Deutschen Hauses für das Fest gemietet sind und drei Musikkapellen mitwirken, wird mit einem regen Besuch gerechnet.
    25.02.1936 Fußball. SC Reckenfeld Westfalia Kinderhaus 2:1 (2:0). Obige Mannschaften waren am Sonntag zu einem Meisterschaftsspiel auf dem hiesigen Sportplatz angetreten. Es war ein Spiel, wie es die Reckenfelder Sportanhänger selten zu sehen bekommen, bis zur letzten Minute temperamentvoll und spannend. Die geschwächte Mannschaft der Clubleute hat in ihrem Meisterschaftsspiel bewiesen, daß sie zu kämpfen versteht. Die Kinderhauser hatten ihre stärkste Mannschaft aufgestellt, auch zeigte die Mannschaft gutes Können. In der ersten Mannschaft sind beide Mannschaften gleichwertig. Jede Mannschaft kämpft um die Führung. In der Spielzeit von 20 Minuten kann der Halblinke Walter durch gutes Innenspiel unhaltbar einsenden. Bei einem guten Kampf, in dem die Gäste die besten Torchancen auslassen, kann der Mittelstürmer P. Janotta (Foto) das zweite Tor einsenden. Nach dem Wechsel wollen die Gäste das Resultat verbessern, können auch kurz nach der Halbzeit durch ihren Linksaußen ein Tor aufholen. Bei diesem Ergebnis nehmen die Reckenfelder das Spiel in die Hand und gestalten es überlegen. Die Gäste werden in ihrer Hälfte eingeschnürt. Ecke auf Ecke folgt, aber Tore fallen nicht. Mit 15:2 Ecken pfeift der Schiedsrichter den fairen Kampf ab. Reckenfeld 2. - Kinderhaus 2. 5:3 (3:1) -- Evgl. Volksschule - Kath. Volksschule 5:2.
    25.02.1936 Deutsche Arbeitsfront, Ortsgruppe Reckenfeld. Von der NSDAP werden regelmäßig öffentliche Aufklärungsveranstaltungen, in denen der Gauschulleiter Pg. Blankemeyer spricht, abgehalten. Der Besuch wird den Mitgliedern der Deutschen Arbeitsfront in der Ortsgruppe Reckenfeld zur Pflicht gemacht. Arbeitsfrontkamerad! Wenn du bisher geschlafen hast, jetzt kommst du! Das Geschick deiner Nation ist dein Geschick. Unlösbar bist du mit der Nation verbunden, auf Gedeih und Verderb. Wenn du jetzt nicht mitmachst im Endkampf, in dem es um alles geht, machst du dich schuldig, dann bist du unser Feind. Pg. Blankemeyer hält seine Vorträge von hoher Warte, für jedermann verständlich, in einer ungemein fesselnden Weise. Wer ihn einmal gehört hat, geht von selbst immer wieder hin. Der Termin der nächsten Versammlung wird noch bekannt gegeben.
    05.03.1936 Die Kriegskameradschaft Reckenfeld veranstaltete auf dem Kleinkaliberschießstand ein Sportschießen zum Besten der Winterhilfe. Es war erfreulich, daß sich die Reckenfelder Bürgerschaft rege daran beteiligte, wie auch einige Herren des Arbeitsdienstes, SS und SA. So konnte der Erfolg nicht ausbleiben. Ein schöner Betrag konnte für das WHW abgeliefert werden. Es errangen folgende Herren Preise: 1. Preis G. Indenbirken, 2. Preis Otto Aßhauer, 3. Preis Karl Fricke jun. Im Interesse des Kleinkaliberschießens ergeht der Appell an alle Reckenfelder Männer und Jungmänner, sich jeden Sonntag an dem Übungsschießen zu beteiligen.
    06.03.1936 Die Siedlergemeinschaft Reckenfeld hielt im "Deutschen Haus" ihre Jahresversammlung ab, die der Gemeinschaftsleiter Sander eröffnete. Nach der Bekanntgabe der Jahresrechnung wurde dem Kassenwart Klippel Entlastung erteilt. In kurzen Worten streifte der Gemeinschaftsleiter die Wichtigkeit der Aufgaben des DSB. Bürgermeister Peters sprach über die Neueinrichtung von 15 Siedlerstellen in Reckenfeld. Siedleranwärter können sich umgehend bei ihm melden. Als Abschluß der gutbesuchten Versammlung wurde ein vom Schulungsleiter gegebener Vortrag mit Lichtbildern über Schädlingsbekämpfung im Obst- und Gemüsegarten mit großem Interesse aufgenommen.
    11.03.1936 Heldengedenkfeier in Reckenfeld. Eine eindrucksvolle Gedenkfeier für die Toten des Weltkrieges und der Bewegung wurde am Sonntag in Reckenfeld abgehalten. In geschlossenem Zuge marschierten sämtliche Gliederungen der Bewegung zum Ehrenmal (Foto), wo HJ und BDM bereits Aufstellung genommen hatten. Ortsgruppenleiter Pg. Peters hielt die Gedenkrede; bei dem Liede "Ich hatt' einen Kameraden…" legte er einen Kranz am Ehrenmal nieder. Sprecher des Reichsarbeitsdienstes trugen einige Gedichte vor. Im Schlusswort brachte Pg. Dilla auf das befreite Deutschland und seinen Führer Adolf Hitler ein Sieg-Heil aus. Die Nationallieder schlossen die eindrucksvolle Feier.
    11.03.1936 Eine große Kundgebung veranstaltete die Ortsgruppe der NSDAP am Sonntagabend im Brinkmeyerschen Saal, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Pg. Jan Blankemeyer, der Leiter der Gauführerschule in Reckenfeld, sprach in längeren Ausführungen über die Bedeutung des 7. März 1936 (Aus Wikipedia - Anm.: Am 7. März 1936 überquerten insgesamt 30.000 Soldaten der Wehrmacht die Rheinbrücken und begannen damit den deutschen Einmarsch in das entmilitarisierte Rheinland.) und die gegenwärtige politische Lage. Wie immer folgten alle Zuhörer seinen Ausführungen mit großer Spannung. Ortsgruppenleiter Peters schloss die Kundgebung in üblicher Weise.
    11.03.1936 Großer Erfolg der Filmvorführungen. Die Veranstaltungen der Gaufilmstelle der NSDAP erfreuen sich in Reckenfeld einer immer größer werdenden Beliebtheit. Am Sonntag mußte bei der Vorführung des Filmes "Der Zigeunerbaron" der Brinkmeyerische Saal wegen Überfüllung polizeilich geschlossen werden. Nachmittags war eine Märchenfilmstunde für Kinder, die ebenfalls gut besucht war. Demnächst wird der Film "Ferien vom Ich" hier vorgeführt.
    11.03.1936 Kirchengrundsteinlegung in Reckenfeld. Reckenfeld wird in Kürze eine neue schlichte Dorfkirche erhalten. Ein lang und heiß gehegter Wunsch geht damit in Erfüllung. Am 25. Februar konnte bereits zum Kirchenbau der erste Spatenstich getan werden. Die Ausschachtungs- und Maurerarbeiten sind in vollem Gange, so daß am kommenden Sonntag die feierliche Grundsteinlegung stattfinden kann. Die Kirche wird nach den Plänen des Architekten Diplom-Ingenieur Burlage aus Osnabrück gebaut. Herr Burlage hat sich auf dem Gebiete der neuzeitlichen Kirchenbaukunst hervorgetan. Die preisgekrönte Kriegergedächtniskirche in Leipzig-Connewitz und die Elisabethkirche in Bremen-Hastedt sind seine Schöpfungen. In Reckenfeld wird er eine romanische Landkirche bauen, jedoch zeigt die Anordnung des Grundrisses eine für diesen Bau vorteilhafte Abweichung, indem das Mittelschiff den weitaus größten Teil ausmacht. Die niedrigen Seitenschiffe sind hauptsächlich für die Sakristei, Taufkapelle und Beichtstühle bestimmt. Als wahrhaft majestätisch muß die Choranlage mit ca. 60 Sitzplätzen bezeichnet werden. Im Mittelschiff finden ca. 400 Sitzplätze Aufstellung. Das Äußere der Kirche wird wie das Innere in seiner Ausbildung und Formgebung den älteren romanischen Bauwerken entsprechen. Nur durchweg wetterbeständiges Material wird beim Bau zu Verwendung kommen. Die Portalseite wird den beiden Hauptstraßen, die den Dorfplatz kreuzen, zugewandt. Aus dem Giebel der Portalseite wird ein schlichter ca. 30 Meter hoher Turm emporwachsen. Der Kirchplatz wird so groß werden, daß sich Prozessionen im Freien prächtig entfalten können. Dem wackeren Rektor Hommel, der so unermüdlich für seine Gemeinde gewirkt hat und dem es vergönnt ist, so Herrliches und Mustergültiges zu schaffen, wird seine Gemeinde ewig dankbar sein.
    12.03.1936 Die NSKOV, Ortsgruppe Reckenfeld, veranstaltet am Sonntag, dem 15. März, abends 8 Uhr, im "Deutschen Haus" einen Gemeinschaftsempfang der Rede des Reichskriegsopferführers Pg. Hans Oberlindober aus Berlin. Es ist Pflicht eines jeden Kameraden zu erscheinen. - Brand in Reckenfeld. Am Dienstagmittag brach im Hause des Einwohners Richau (Foto), gegenüber dem Arbeitsdienstlager, Feuer aus. Die Arbeitsdienstmänner retteten das Mobiliar, und mit vereinten Kräften der Feuerwehr Reckenfeld konnte der Brand gelöscht werden, so daß die Grevener Motorspritze nicht mehr in Tätigkeit treten brauchte. Der Sachschaden ist beträchtlich.
    17.03.1936 Grundsteinlegung der neuen katholischen Kirche in Reckenfeld. Kalte Nordostwinde ziehen über den Platz, wo die neue katholische Kirche entstehen soll. Grau in Grau ist der Himmel bedeckt. Doch die ganze Bevölkerung von Reckenfeld ließ sich dadurch nicht abhalten, an diesen feierlichen Akt teilzunehmen, der sich am Sonntagmorgen am Potsdamer Platz vollzog. Der ganze Bauplatz war mit Tannen und Girlanden festlich geschmückt, unterbrochen von Fahnenwimpeln. An hohen Masten wehten die Hakenkreuzfahne und die Fahnen in den Kirchenfarben. 17.03.1936 Die kirchliche Feier begann mit einem Levitenhochamt, das Pfarrer Schlothman (Greven) unter Assistenz zweier Diakone zelebrierte. Die Notkirche war von Gläubigen überfüllt. Der Kirchenchor unter der Leitung des Lehrers Pingsten erhöhte mit seinen mehrstimmigen Vorträgen den feierlichen Akt. Kurz nach 11 Uhr formierte sich der Festzug. Unter Vorantritt der Schuljugend, dem die Geistlichkeit folgte, setzte sich der Zug zum Bauplatz in Bewegung. Eine schier endlose Reihe Gläubiger schloß sich dem Zuge an. Eine Musikkapelle spielte kirchliche Weisen, und der Kirchenchor trug mehrstimmige Lieder vor. Auf dem Bauplatz bestieg Pfarrrektor Lessel die Rednerbühne, um alle Erschienen auf das herzlichste zu begrüßen. Sein besonderer Gruß galt Pfarrer Schlothmann und seinen Konfraters, dem Vertreter der evangelischen Kirche, dem Kirchenvorstand der Mutterkirche Greven, dem Architekten Dipl.-Ing. Burlage (Osnabrück), dem Inhaber der Baufirma Klemann u. Papenbrock, den Bauarbeitern und nicht zuletzt dem politischen Leiter der Gemeinde l. d. Ems Pg. Peters. 17.03.1936 Nunmehr nahmen die kirchlichen Zeremonien durch Pfarrer Schlothmann unter der Assistenz der beiden Diakone ihren Anfang. Bei dem feierlichen Akt der Grundsteinlegung verlas Pfarrrektor Lessel die Urkunde, die, von Herrn Hermanns (Reckenfeld) angefertigt, in einer Messinghülse verschlossen war und vermauert wurde. Auf einem zweiten Blatt, das der Urkunde beigefügt war, stand zu lesen: Die Kirche wurde erbaut auf den Grundstücken der Bauern Anton Voß gnt. Geßmann und Franz Renger, gnt. Westerode aus Herbern. Architekt war Dipl.-Ing. Theo Burlage aus Osnabrück. Unternehmer: Firma Klemann u. Papenbrock aus Greven. Die Kirche kostet 60 000 Reichsmark. Es folgen die 14 Unterschriften der Mitglieder des Kirchenbauvereins. Ein drittes Blatt zeigt den Grundriß der Kirche. Beigelegt sind ferner ein Bild von der alten Kirche, je ein Exemplar des Münsterischen Anzeigers und des Kirchenblattes, sowie einige Münzen aus der heutigen Zeit.
    17.03.1936 Nach der Verlesung nahm Pfarrer Schlothmann (Foto) die feierliche Einmauerung der Messinghülse vor, der sich ein feierlicher Rundgang mit Einweihung des Bauplatzes anschloß. Pfarrer Schlothmann bestieg dann die Tribüne, um den Anwesenden die große Bedeutung des Neubaus der katholischen Kirche für Reckenfeld vor Augen zu führen. Er sprach von dem großen Gottesglauben, der brennenden Gottesfurcht und der brüderlichen Liebe, die in diesem Gotteshause gepflegt und gelehrt werden soll. Ohne den Glauben an Gott gehe es nicht. Wer diesen nicht habe, sei nicht nur ein Feind Gottes sondern auch des Staates. Die Gottesfurcht sei etwas Großes. Ein großer Staatsmann habe einmal gesagt: "Wir fürchten Gott, sonst nichts." Die brüderliche Liebe sei diejenige, die arm und reich vereine. Diese solle besonders gepflegt werden. Nachdem Pfarrer Schlothmann den göttlichen Schutz für die Arbeiten erfleht hatte, sprach er den Wunsch aus, daß diese nach einigen Monaten ohne Unfall beendet würden, um dann in noch feierlicher Weise das erste fest in Reckenfeld zu begehen.

    17.03.1936 Der Vertreter der evangelischen Kirche führte aus, daß er sich besonders freue, zugegen sein zu dürfen. Wir alle hätten einen Glauben an Christus. Er sprach den Wunsch aus, daß beide Religionsgemeinschaften in Reckenfeld immer so friedlich nebeneinander lebten wie bisher. Ortsgruppenleiter und Bürgermeister Pg. Peters begrüßte die Geistlichkeit, besonders Pfarrrektor Lessel und dankte für die Einladung, der er gern und freudig nachgekommen sei. Weiter sagte er: Besonders freue ich mich am heutigen Tage, daß meine Bevölkerung ein würdiges Gotteshaus bekommt. Ich wünsche der neuen Kirche für immer treue Leiter und gottesfürchtige Besucher, denn, wer gegen Gott gehorsam ist, der kennt auch seine vaterländischen Pflichten, die er gern erfüllt sehen möchte. In diesem Sinne wollen wir immer treu zusammenstehen und freudige Aufbauarbeit leisten auf allen Gebieten zum Segen der Kirche, zum Wohle unseres Vaterlandes und aus Dankbarkeit für unseren Führer, ohne den hier heute keine Kirche gebaut worden wäre. Der heutige Tag verpflichtet, christliche Liebe zu üben, so wie hier auch im Opferbuch, das noch ausliegt. Mit dem gemeinsamen Liede "Großer Gott" fand die eindrucksvolle Feier ihren Abschluß. Freudig und gern folgten alle dem Rufe des Pfarrrektors, den üblichen Hammerschlag zu tun, wobei die Opfergabe nicht fehlte. Von einer weltlichen Feier wurde in Anbetracht der Notzeit Abstand genommen. Lediglich versammelte man sich im "Deutschen Haus" zu einem Glase Bier.

    Die neue und erste Kirche in Reckenfeld entsteht:

    (Es handelt sich um Schnappschüsse aus einem Video).

    12.03.1936 Werksoldatenabend in Reckenfeld. Der Reichsarbeitsdienst Arbeitsgau 20 veranstaltete unter Mitwirkung der Gruppenkapelle aus Münster einen Bunten Abend. Schon am Nachmittag ließ die Kapelle Weisen in den Straßen erschallen. Um 8 Uhr abends war der Brinkmeyerische Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Alle Erschienen kamen auf ihre Kosten und verlebten frohe Stunden. Ein guter Betrag konnte für das Winterhilfswerk abgeführt werden.
    19.03.1936 Große Wahlkundgebung in Reckenfeld. Am Freitag, dem 20. März, abends 20 Uhr, findet im Lokal Deutsches Haus eine öffentliche Wahlkundgebung statt, in der Kreisleiter Pg. Weber (Münster) sprechen wird. Vorher findet beginnend um 7 Uhr die Verteilung der Ehrenkreuze in feierlicher Weise statt. Hierzu wird die gesamte Bevölkerung Reckenfelds freundlichst eingeladen.
    20.03.1936 Otto Hersing spricht in Reckenfeld. Am Samstagabend spricht im Saale Brinkmeyer der Korvettenkapitän Otto Hersing, der erfolgreiche U-Bootkommandant des Weltkrieges, und Jan Blankemeyer, einer der ältesten Kampfredner der NSDAP. Wer diese Vorträge nicht besucht, hat vieles versäumt. Otto Hersing wird seine verwegenen U-Bootfahrten, Kämpfe und Abenteuer mit "U 21" in interessanter und humorvoller Weise erzählen. Anschließend spricht der Leiter der Gauführerschule in Reckenfeld, Jan Blankemeyer.
    21.03.1936 Otto Hersing spricht in Reckenfeld. Wie berichtet, spricht Otto Hersing nicht am Samstagabend, sondern am Sonntag im Saale Brinkmeyer. Ebenfalls spricht der Kampfredner Pg. Jan Blankemeyer.
    24.03.1936 Versammlung des Schützenvereins "Eintracht". Recht zahlreich hatten sich die Schützenbrüder am Sonntag im Vereinslokal eingefunden. Der Vereinsleiter gab den letzten Sitzungsbericht aus Münster bekannt und betonte u. a., daß sich sämtliche Vereine dem Deutschen Schützenbund anzuschließen haben. Auf Grund dieser Aufforderung müsse der Beitrag erhöht werden. Einstimmig wurde die Erhöhung angenommen. Das diesjährige Schützenfest wird in der Zeit der Fabrikferien abgehalten. Für sämtliche Schützenbrüder sollen weiße Hosen angeschafft werden. Nach Erledigung kleinerer Angelegenheiten forderte der Vereinsleiter alle auf, sich an dem Aufbauwerk unseres Führers zu beteiligen und am Wahltag, dem 29. März, dem Führer die Stimme zu geben. Mit einem dreifachen Sieg-Heil fand die Versammlung ihr Ende.
    26.03.1936 U-Boot-Kommandant Otto Hering sprach in Reckenfeld. Der U-Boot-Kommandant Otto Hersing sprach am Sonntagabend im überfüllten Saale des Deutschen Hauses über seine abenteuerlichen Fahrten. Mit gespanntester Aufmerksamkeit folgten Jung und Alt seinen fesselnden Ausführungen. Reicher Beifall dankte dem Redner. Anschließend sprach Jan Blankemeyer über die Bedeutung des 29. März. (Anm: Reichstagswahl im Deutschen Reich.)
    28.03.1936 Einteilung der Wahlbezirke. Die Reichstagswahl findet am Sonntag, den 29.03.1936, in der Zeit von 7.30-18 Uhr statt. In dem Wahlbezirk Greven sind 10 Wahlbezirke gebildet worden: 9. Reckenfeld: Die Siedlung und die Haus-Nr.1 (Anm.: Beckermann), 31 (Anm.: Leihsing), 32, 34, 41 und 45 der Bauerschaft Herbern und das Bahnhofsgebäude (Anm.: Leonhardt) Reckenfeld. Abstimmungsvorsteher: Oberfeldmeister Pg. Vogels, Reckenfeld: Stellvertreter: Pg. Karl Dilla, Reckenfeld Abstimmungsraum: Deutsches Haus, Wirtschaft, Inh. Heinrich Brinkmeyer, Reckenfeld.
    01.04.1936 Reckenfeld steht zum Führer. Den neuen Geist, der in Reckenfeld herrscht, erkannte man am Sonntag bei der Reichswahl, die sich zu einem wahren Volksfest gestaltete. Fast 100prozentig erschien man an der Wahlurne. Die NSKOV trat am Ehrenmal an und marschierte zum Wahllokal. Heller Jubel und Begeisterung herrschten in der großen Siedlung, als das Wahlergebnis bekannt wurde.

    07.04.1936 "Ferien vom ich". Wer möchte die nicht mitmachen? Wer möchte sich nicht einmal von allen Sorgen und Qualen, von seinem "Ich" beurlauben? Hier einen Weg zu finden, zeigt die NSDAP, Ortsgruppe Reckenfeld, am Donnerstag, dem 9. April, im Deutschen Haus, diesen prächtigen Tonfilm Die Abendvorstellung ist um 8.15 Uhr. Die Kindervorstellung findet nachmittags um 4 Uhr statt.
    08.04.1936 Der Gesangverein "Liedertafel" veranstaltete einen Kameradschaftsabend, der im Brinkmeyerischen Saale stattfand. Auch die Frauen waren dazu eingeladen und erlebten einige Stunden der Erholung und Entspannung. Den Willkommensgruß entbot der Vereinsleiter Jankord, der herzliche Dankesworte für die in der letzten Zeit geleistete karikative Arbeit fand. Sein Wunsch ging dahin, daß jeder treu zum Verein stehen und daß die Frau ihren Mann im Besuch der Gesangstunde unterstützen soll. Der Verein zählt 25 Sänger. Dirigent Oberlehrer Dilla dankte allen für die tatkräftige Unterstützung. Während des gemeinsamen Essens sorgte die Hauskapelle für angenehme Unterhaltung. Abwechselnd wurden mehrstimmige und allgemeine Lieder gesungen. Nur allzu schnell eilten die schönen Stunden dahin.
    08.04.1936 Vom Sportbund Reckenfeld. Wie in jedem Jahr, so hat es sich auch in diesem Jahre der SC Reckenfeld zur Aufgabe gemacht, an beiden Ostertagen mit einem Frühlingsfest an die Öffentlichkeit zu treten. Am ersten Ostertage läuft um 8 Uhr abends der Fußballgast Witten-Ruhr ein. Anschließend ist das Familienfest. Da die Spieler der ersten Mannschaft besonders geehrt werden, darf niemand fehlen. Am zweiten Ostertage kommt das Spiel zwischen SC Reckenfeld (2 Fotos) und Ruhrtal-Witten zustande. Gegen Abend findet im Vereinslokal (Deutsches Haus) das Hauptfest statt.
    12.04.1936 SC Reckenfeld - Tus Ruhrtal-Witten. Jedes Jahr um diese Zeit empfangen die Clubleute eine Mannschaft aus dem Kohlenpott. Das Spiel findet am zweiten Ostertage statt. Da der neue Sportplatz noch nicht fertig ist, ist es der Vereinsleitung gelungen, das Emsdettener Stadion für das Spiel zu gewinnen. Da es ein spannendes Spiel gibt und die Reckenfelder Mannschaft komplett ist, wird wohl kein Sportsmann dieses Spiel versäumen. Folgende Elf nimmt den Kampf auf: Fr. Jerzinowski (Foto, mittig) - Schmücker (Foto, vorn) - Alb. Jerzinowski (Foto, li.) - A. Janotta - Krispin - Hellemann - Richter - Walter (Foto, re.) - P. Janotta - Rosowski >(Foto, ganz rechts) - Hemker.
    15.04.1936 An der Kath. Schule in Reckenfeld wurde der Lehrer Pg. Dilla zum Hauptlehrer ernannt. Der Sportclub Reckenfeld wartete an den beiden Ostertagen mit einem großen Festprogramm auf. Im Kreise der Gäste aus Ruhrtal-Witten fand am ersten Ostertage im Vereinslokal ein Familienfest statt. Recht zahlreich hatten sich die Spieler mit ihren Angehörigen eingefunden. Herzlich begrüßte der Spielobmann die Erschienenen, insbesondere die Gäste. Am zweiten Ostertage war das Frühlingsfest. Der große Saal des Deutschen Hauses war gut besetzt. Alt und Jung verlebten frohe Stunden.
    16.04.1936 Spenden für das WHW. Die Arbeitsmänner der Abteilung 3/25 (General von Bernhardi) Reckenfeld, spendeten dem WHW imWinterhalbjahr 1935/36 den Betrag von 94,50 Mk. - Die Kursusteilnehmer der Gauführerschule der NSB in Reckenfeld spendeten dem WHW den Betrag von 48,46 Mk.
    17.04.1936 Amtseinführung des Hauptlehrers Pg. Dilla. Am Mittwoch fand im Rahmen einer Schulfeier die feierliche Amtseinführung des Hauptlehrers Pg. Dilla durch den Kreisschulrat Pg. Dr. Knops statt. Zu dieser Feier hatten sich auch die Jugendwalter und die Eltern der Schulkinder eingefunden. Nach Liedern und Gedichten der Schuljugend nahm Kreisschulrat Knops das Wort zu einer längeren Ansprache, in der er einen Überblick über die Entwicklung Reckenfelds besonders auf dem Gebiete des Schulwesens gab. (Anm.: Was die Schulkinder so alles malen mussten: Und immer dabei, das Hakenkreuz!)
    17.04.1936 Aus dem politischen und wirtschaftlichen Chaos, das in der Siedlung Reckenfeld herrschte, ist unter nationalsozialistischem Einfluß eine mustergültige Siedlung mit geordneten Verhältnissen entstanden. Dank der unermüdlichen Arbeit des Bürgermeisters und Ortsgruppenleiters Pg. Peters sei dieser Erfolg errungen worden. Der Redner entwarf dann ein Bild von der nationalsozialistischen Schularbeit, wie sie in der kath. Schule geleistet wird. In diesem Geiste müsse die Arbeit fortgesetzt werden zum Wohle unseres deutschen Volkes und Vaterlandes. Amtsbürgermeister Pg. Vordamme (Greven) beglückwünschte in seiner Ansprache Pg. Dilla zu seiner Ernennung zum Hauptlehrer. Staat und Partei, so führte er aus, haben Ihnen das Vertrauen geschenkt. Ich bin überzeugt, daß Sie im Sinne der Ausführungen des Schulrats Ihr Amt versehen und wünsche Ihnen für Ihre Arbeit vollen Erfolg.

    17.04.1936 Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Pg. Peters brachte den Wunsch zum Ausdruck, daß die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Ortsgruppenleitung und Lehrkörper und Elternschaft weiterhin bestehen und sich festigen möge. Zum Schluß nahm Hauptlehrer Pg. Dilla das Wort. Nachdem er sich für die ehrenvollen Worte der Anerkennung besonders bei dem Schulrat bedankt hatte, führte er aus, daß er sich stets bemühen werde, sein Amt gewissenhaft und im Sinne nationalsozialistischer Kameradschaftlichkeit zu versehen. Hierzu erbat er sich auch weiterhin das Vertrauen der Schulaufsicht, der Kollegenschaft und der Eltern, sowie der Amts- und Gemeindevertretung. Zum Schluß brachte er ein Sieg-Heil auf den Führer aus, in dessen Sinne er sein Amt versehen wolle. Das Lied der Jugend beschloß die eindrucksvolle Feier.
    24.04.1936 Luftschutz tut not! Am Freitagabend, 7.30 Uhr, findet im Deutschen Haus eine außerordentliche Versammlung statt. Sämtliche Volksgenossen und Frauen müssen erscheinen.
    29.04.1936 Reichsluftschutzbund in Reckenfeld. Wie überall im Reiche ist nun auch in Reckenfeld eine Untergruppe des Reichsluftschutzbundes gegründet worden. Im vollbesetzten "Deutschen Haus" fand am Freitagabend ein Einführungsvortrag statt. Nach einleitenden Worten des Untergruppenführers Pg. Dilla ergriff Schulungsleiter Lauben aus Greven das Wort zu einer einstündigen Rede. Treffend schilderte der Vortragende in seinen Ausführungen Zweck und Ziele des Reichsluftschutzbundes. Darauf wurde die Gründung einer Untergruppe in Reckenfeld vorgenommen. Pg. Oberlehrer Dilla wurde zum Untergruppenführer ernannt. Ihm unterstehen 5 Blockwarte und 5 Unterblockwarte. Der monatliche Beitrag wurde den wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend auf 10 Pfg. festgesetzt. Anschließend führte ein Aufklärungsfilm die Notwendigkeit des Reichsluftschutzbundes vor Augen. Dann gab es noch auf der Leinwand einen Ausschnitt aus dem großen Weltkriege zu sehen. Überzeugt von dem Zweck der Luftschutzbestrebungen gaben weit über 300 Volksgenossen am gleichen Abend ihre Beitrittserklärung ab.
    29.04.1936 Der Nationalfeiertag des deutschen Volkes in Reckenfeld. Der 1. Mai wird in diesem Jahre besonders feierlich begangen. Einzelheiten werden jedem bekanntgegeben. Alle Hausbesitzer in Reckenfeld werden gebeten, am 1. Mai ihre Häuser mit Grün und reichlichem Flaggenschmuck zu versehen. Besonders richtet sich die Bitte an die Hausbesitzer, die bisher noch nicht im Besitze einer Hakenkreuzfahne waren. So geschlossen, wie sich Reckenfeld bei der letzten Wahl gezeigt hat, so einheitlich muss auch das Bild von Reckenfeld sich jedem einprägen, der am 1. Mai unseren Ort besucht. Kein Haus darf am 1. Mai ungeschmückt sein. Folgendes Programm ist vorgesehen: 8.30 bis 9.30 Uhr Jugendkundgebung und Übertragung auf dem Platz vor dem Deutschen Haus. Antreten von HJ, BDM, JB und Jugend vom fünften Schuljahr ab. 12 Uhr Gemeinschaftsempfang: Übertragung der Feier in Berlin und der Rede des Führers. 15.30 Uhr: In beiden Lokalen großer Festball, wozu alle deutschen Volksgenossen herzlichst eingeladen werden.
    13.05.1936 Aus dem Sportbund Reckenfeld. Eine außerordentliche Besprechung fand am Sonntagabend im Vereinslokal statt. Nach kurzen Begrüßungsworten des Vereinsleiters kam man auf das Maifest zu sprechen. Es soll am 17. Mai im Deutschen Haus abgehalten werden. Die Sportplatzfrage wurde ebenfalls klar gelegt. Die Arbeiten schreiten rüstig voran. Der Rest der Spiele wird auf dem Sportplatz an der Kaffeewirtschaft Leihsing abgehalten. Die alten Drahtnetze werden durch Leinennetze ersetzt. Im Monat Juni wird der neue Sportplatz mit einem großen Pokalturnier eingeweiht. Gute Gegner haben bereits fest zugesagt. Der Vereinsleiter richtete zum Schluß an die Mitglieder den Apell, sich restlos für den Verein einzusetzen zum Wohle der deutschen Jugend.
    14.05.1936 "Kraft durch Freude"-Tonfilmveranstaltung. Nach langer Pause spielt der Tonfilmwagen der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" wieder einmal in Reckenfeld, und zwar am Freitag, dem 15. Mai, im Saale der Gastwirtschaft Deutsches Haus. Als Hauptfilm wird der große Lustspiel-Tonfilm "Es gibt nur eine Liebe" mit Jenny Jugo, R. A. Roberts und Louis Graveur gezeigt. Im Beiprogramm läuft u. a. der Madeira-Film 1935 "Arbeiter heute". Karten sind im Vorverkauf bei Amtsverwaltern der Deutschen Arbeitsfront und beim "Kraft durch Freude"-Wart Hötten zu haben.
    19.05.1936 NS-Wohlfahrt. Am Mittwoch, dem 20. Mai, 20 Uhr, findet im Saale des Deutschen Hauses eine Versammlung der NSB statt. Ein Redner wird sprechen über Ziel und Zweck der NSB. Zu der Versammlung sind sämtliche Einwohner Reckenfelds freundlichst eingeladen.
    19.05.1936 Fußball-Turnier in Reckenfeld. Wie im vorigen Jahre wird der rührige SC Reckenfeld auch in dieser Spielzeit ein Pokalturnier zur Durchführung bringen. Als Termin ist der 14. Juni vorgesehen. Da die Genehmigung des Gaufachamtsleiters Jersch beim SC Reckenfeld eingetroffen ist, wird der Veranstalter alle erforderlichen Schritte zur Verpflichtung spielstarker Vereine in die Wege leiten.
    26.05.1936 Der Schützenverein Eintracht hielt am Samstag eine außerordentliche Versammlung ab. Es wurden zunächst die neuen Einheitssatzungen des Reichsverbandes für Leibesübungen bekanntgegeben. Zum neuen Vereinsführer wurde der Schützenbruder Hermanns mit Stimmenmehrheit gewählt. Dieser dankte dem bisherigen Vereinsführer Hoffmann für seine langjährige Tätigkeit. Das diesjährige Schützenfest, verbunden mit dem 10jährigen Bestehen, soll am 5. Juli gefeiert werden. Nachdem die neuen Satzungen einstimmig angenommen worden waren, schloß der neue Vereinsführer mit einem dreimaligen Sieg-Heil die Sitzung.
    27.05.1936 Hauptversammlung des Männergesangvereins "Liedertafel". Am Sonntagmorgen fand im Vereinslokal Brinkmeyer eine außerordentliche Versammlung statt, zu der die Sangesbrüder recht zahlreich erschienen waren. Nach kurzen Begrüßungsworten legte der zweite Vorsitzende die letzten Geschehnisse im Gesangverein klar. Dirigent Oberlehrer Dilla ermahnte alle Sangesbrüder, die Gesangsstunden regelmäßig und pünktlich zu besuchen. Der Sommerausflug findet im Juli statt. Der wichtigste Punkt war die Wahl des ersten Vorsitzenden. Das volle Vertrauen gab man dem Sangesbruder H. Schlick. Er dankte allen und versprach, sein Bestes für den Verein zu tun. Der Vorstand setzt sich nun folgendermaßen zusammen: 1. Vorsitzender H. Schlick, (Foto) zweiter Grobe, Kassierer und Schriftführer Lipovscheck (Foto re-außen), Notenwart Brinkmeyer, Kassenrevisoren Krispin (Foto, re.) und Dilla. Die Gesangstunden finden jeden Dienstagabend um 8.15 Uhr statt. Dem früheren ersten Vorsitzenden zollte man volle Anerkennung. Nach Erledigung kleinerer Vereinsangelegenheiten schloß man die Versammlung in üblicher Weise.
    16.06.1936 Pokalturnier in Reckenfeld. Nach den Paarungen, die sehr günstig ausfielen, traten sich als erste Gegner im Pokalkampf Postsport Münster und Borussia Emsdetten gegenüber. Torlos wurden die Seiten gewechselt. Durch einen Handelfmeter ging Münster als Sieger hervor. Sportclub Reckenfeld - SpV Emsdetten 1:2 - (nach Verlängerung).

    Ein spanender Kampf bis zum Schlußpfiff! Beide Torhüter müssen des Öfteren eingreifen. Torlos wurden die Seiten gewechselt. Nach der Halbzeit konnte der Mittelstürmer der Gäste durch das Verschulden der Reckenfelder Verteidigung zum 1:0 einsenden. Kurz vor Schluß 1:1. Nach der Verlängerung können die Emsdettener einen glücklichen 2:1 Sieg für sich buchen. Greven 09 Jungliga - Gimbte-Sprakel 4:0 (2:0) Die Sprakeler kamen für einen Sieg nicht in Frage. Das reifere Spiel zeigten die Grevener. Die Torschützen waren Baumkötter, der drei Tore schoß, und Häder.

    Das Endspiel Postsport Münster - SpV Emsdetten 3:1 (2:1). Die beiden Sieger traten zum Endkampf an. In der Spielzeit von 5 Minuten tritt der Halbrechte von Emsdetten das einzige Tor für seine Mannschaft. Nun werden die Angriffe der Postsportler gefährlicher. Sie können auch bis zur Halbzeit zwei Tore vorlegen. Nach der Halbzeit merkt man doch, daß die Emsdettener sich im ersten Spiel gegen Reckenfeld zu viel verausgabten. Kurz vor Schluß sendet der Mittelstürmer Bosse unhaltbar ein. Mit 3:1 errangen die Postsportler den ersten Pokal, Spielverein Emsdetten bekam den zweiten Pokal. Abends fand im Deutschen Haus die Siegerehrung statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, als der Vereinsleiter A. Hünteler nach einem einleitenden Marsch der Musikkapelle den Abend mit herzlichen Worten der Begrüßung eröffnete. Sein besonderer Gruß galt den zahlreichen Gästen. Unter großem Beifall wurde dem Postsportverein Münster der erste Pokal überreicht, den zweiten Pokal erhielt SpV Emsdetten. Die Jungliga vom Sportklub Greven 09 bekam ein Diplom. Die Stunden dieses Abends verliefen bei Tanz und fröhlicher Unterhaltung nur allzu schnell.

    27.06.1936 Gemischter Chor. Am Donnerstag veranstaltete der Gemischte Chor in Reckenfeld einen Filmabend. Lehrer Kleine-Döpken hielt eine Ansprache. Es wurden Filme zur Verhütung der Gefahr und ein Kulturfilm des Schwarzwaldes gegeben. Zur Verschönerung trug der Gemischte Chor in den Pausen einige Lieder vor, die mit Beifall aufgenommen wurden. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer endete die Feier. Der Abend fiel allgemein zur Zufriedenheit aus, so daß Eltern, Freunde und Gönner von der Veranstaltung befriedigt den Heimweg antraten.
    23.06.1936 "Ein Mann will nach Deutschland". Dieser prächtige Tonfilm wurde am Samstagabend von der NSDAP, Ortsgruppe Reckenfelds, gezeigt. Der große Saal im Deutschen Haus war gut besetzt. Der Film wurde mit Begeisterung aufgenommen.
    26.06.1936 Deutsches Jugendfest in Reckenfeld. Reges Leben herrschte am Sonntag auf dem neuen Sportplatz. Nachmittags um 15,30Uhr wurden die sportlichen Wettkämpfe durchgeführt. HJ, BDM, DJ und Jungmädel machten mit. Gute Resultate wurden erzielt. Der Arbeitsdienst stellte Männer zur Verfügung, die die Kämpfe abnahmen. Die Lehrerschaft war ebenfalls vertreten. Gegen Abend war wieder Antreten am Heim, wo es im geschlossenen Zuge und unter Gesang zum Sportplatz ging, um die Sonnenwende zu halten. Hoch loderten die Flammen aus dem mächtigen Holzstoß empor. Nach Abbrennen des Feuers ging es wieder heim.
    04.07.1936 Aus der Bewegung. Am Mittwoch fand im Lokale Micheel eine Versammlung der Ortsgruppe der NSDAP Reckenfeld statt, die vom Ortsgrupppenleiter Pg. Peters geleitet wurde. An der Versammlung nahmen auch die Lehrgangsteilnehmer der Gauschule teil. Pg. Dr. Schuckenberg von der Gaufachschule hielt einen Vortrag über europäische Politik des letzten Jahres. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine fesselnden Ausführungen. Pg. Lehrer Pingsten (Foto) sprach über die Bedeutung der Feiern zu Ehren des deutschen Königs Heinrich I. Die Versammlung wurde in der üblichen Weise geschlossen. Anm.: (Aus Spieker): Die Adolf-Hitler-Schulen (AHS) waren noch konsequenter auf die Züchtung nationalsozialistischen Führernachwuchses konzipiert. Für jeden Gau war eine solche Schule geplant, die durch ihre "burgartige Architektur mit ihrem pseudogermanischen Stil" den Anspruch dokumentierte, "Träger und Repräsentant der nationalsozialistischen Revolution in Kultur und Erziehung" zu sein. Der Alltag war bestimmt von ideologischer Schulung und militärisch-sportlichem Drill. Biologie, Kampfsport, Volks- und Auslandskunde sowie Verwaltungslehre waren Kernfächer. Partei-und HJ-Leitungen wählten die zwölfjährigen Schüler nach den Kriterien "Führereigenschaften", "Erbgesundheit" und "Rassereinheit" aus; Begabung und schulische Leistung spielten eine untergeordnete Rolle. 1942 hatten die ersten 230 Schüler die sechsjährige Ausbildung durchlaufen, sie wurden "zensurenlos mit politischem Ritterschlag" entlassen.)
    04.07.1936 Tagung der Kommunalbeamten. Am Samstag, dem 4. Juli, findet im Reicharbeitsdienstlager eine Tagung der gesamten Kommunalbeamten des Landkreises Münster statt. Nachmittags ist in der Waldwirtschaft "Fichtenhain" ein gemütliches Beisammensein aller Teilnehmer mit ihren Angehörigen.
    04.07.1936 Zehnjahresfeier des Schützenvereins "Eintracht" Reckenfeld. Zehn Jahre Zeitgeschehen im Leben eines Vereins ist Grund genug, für eine Weile das Arbeitskleid mit dem Festgewand zu vertauschen, um sich über das gelungene Werk zu freuen. Der Schützenverein "Eintracht" hat einen beschwerlichen Weg hinter sich. Auch ihm blieb nach einem verheißungsvollen Auftakt die übliche Krisenfolge der ersten Jahre nicht erspart. Man wird es daher verstehen, wenn der Verein die "glückhafte Fahrt" in festliche Weise begeht und auch die Öffentlichkeit an der Feier teilnehmen läßt. Die Jubiläumsfeier am Sonntag, dem 5. Juli, wird eine besondere schöne Ausgestaltung erfahren.
    20.08.1936 Sieben Jahre Sportklub Reckenfeld. Die Gartenstadt Reckenfeld steht am Sonntag im Zeichen eines großen Wimpelturniers, und damit eröffnet der Sportklub seine diesjährige Fußballsaison. Seit der Gründung des Vereins wird der Wunsch gehegt, sich der Jugend zu widmen. Zu diesem Turnier ist es dem Sportklub gelungen, namhafte Gegner wie Ballspielverein Rheine, VfL Telgte, Spielverein Emsdetten, SC Nordwalde, SC Reckenfeld zu verpflichten. Diese 1a-Jugendmannschaften bürgen für guten Sport. Der Sportklub Reckenfeld hat es sich nicht nehmen lassen, zwei wertvolle Wimpel für die beiden ersten Sieger zur Verfügung zu stellen. Nach Schluß des Turniers feiert der SC Reckenfeld sein 7. Stiftungsfest in den Lokalitäten des Vereinswirtes H. Brinkmeyer, verbunden mit einem großen Kameradschaftsabend, an dem auch die Tanzlustigen zu Worte kommen. Da der Reinertrag für die Sportanlage bestimmt ist, laden wir alle Interessenten ein.
    28.08.1936 Fußball-Jugendturnier in Reckenfeld. BV Rheine Turniersieger vor SC Reckenfeld. Am Sonntag fand in Reckenfeld ein Jugendturnier statt, bei dem es sehr interessante Kämpfe gab. Im ersten Spiel standen sich BV Rheine und Spielverein Emsdetten gegenüber. Die Rheiner Jungen waren klar besser und landeten einen verdienten 3:0-Sieg. Als überaus gleichwertig erwiesen sich die Jugendmannschaften von SC Greven und SC Nordwalde. Nach der regulären Spielzeit hieß es 1:1 und an diesem Stand wurde auch in der Verlängerung nichts mehr geändert. Beide Mannschaften nahmen dann an der zweiten Runde teil. Der Gastgeber Reckenfeld konnte dann im nächsten Spiel gegen VfL Telgte einen knappen Sieg erringen. Bis zur Pause ging Reckenfeld 1:0 in Führung.

    Nach dem Wechsel glichen die Telgter aus, mußten sich aber kurz vor Schluß den Siegestreffer der Reckenfelder aufbrummen lassen. In einem Zwischenspiel unterlagen Reckenfelds Schüler gegen die von Emsdetten mit 2:0. In der zweiten Runde setzten sich aber doch die besseren Rheinenser durch und erzielten zwei schöne Tore, während Greven leer ausging. BV Rheine kam durch den Sieg ins Endspiel. SC Reckenfeld kam dann über Nordwalde ins Endspiel. Bis zur Pause hieß es erst 1:0 für Reckenfeld. Dann drehten die Reckenfelder mächtig auf und erzielten in regelmäßigen Abständen noch vier Tore, während es für Nordwalde nur zum Ehrentor langte.

    Das Endspiel gegen Reckenfeld gewann dann BV Rheine ziemlich sicher mit 4:1. Bei der Pause stand die Partie bereits 2:0 für die Rheinenser, die unstreitig die beste Mannschaft des Turniers waren. Die Siegerehrung fand am Abend im "Deutschen Haus" statt. Der Vereinsführer des SC Reckenfeld, Hünteler, wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung der körperlichen Ertüchtigung der deutschen Jugend hin und überreichte dann der Mannschaft von BV Rheine den Siegerwimpel. Den zweiten Wimpel bekam die Jugend von Reckenfeld, die überraschende Leistungen an den Tag legte. In froher Kameradschaft verlebten die Jungen noch recht vergnügte Stunden.

    17.09.1936 Der Reichsluftschutzbund an der Arbeit. Der Reichsluftschutzbund hat am Montagabend mit einem sechswöchigen Schulungskursus für Hausgemeinschaftswarte begonnen. Die Volksgenossen, die als Hausgemeinschaftswarte vorgesehen sind, hatten sich trotz des schlechten Wetters fast restlos eingefunden, ein Zeichen dafür, daß in Reckenfeld der Sinn und die Bedeutung des Reichsluftschutzbundes voll und ganz verstanden wird. Lehrer Dilla begrüßte die Erschienenen und wies einleitend darauf hin, daß vor ca. einem halben Jahr die Untergruppe Reckenfeld gegründet sei. Diese Untergruppe sei in Blocks eingeteilt und diese wieder in Hausgemeinschaften.

    Die erste Aufgabe sei es nun, die Hausgemeinschaftswarte auszubilden, dann aber auch jeden einzelnen Volksgenossen aufzuklären. Bevor Lehrer Dilla dem Schulungsleiter Haber, Greven, das Wort zu seinem Vortrag gab, teilte er noch mit, daß die Teilnahme an dem Kursus für die in Aussicht genommenen Hausgemeinschaftswarte Pflicht ist. - Schulungsleiter Haber behandelte als erstes Thema dieses Kursus: "Die Gasmaske". Er wies daraufhin, daß dieses Thema im allgemeinen nicht das erste eines Kursus sei, doch da ihm der Apparat, der die Erkenntlichkeit der Gase anzeigt und die Sicherheit der Gasmaske beweist, nur für kurze Zeit zur Verfügung steht, nahm er dieses Thema vorweg. In fesselnder Weise wußte der Schulungsleiter dann die ersten Gasangriffe und die anfangs primitiven Gegenmaßnahmen zu schildern. Die Wissenschaft ist aber weit fortgeschritten, daß man zu der jetzigen Gasmaske vollkommenes Vertrauen haben kann. Zum Schluß teilte Untergruppenführer Dilla noch mit, daß der nächste Schulungsabend am Samstag, dem 18. September, 20 Uhr, in der kath. Schule stattfindet.

    03.10.1936 Reckenfelder Sport. Am Sonntag, dem 4. Oktober, fährt die erste Mannschaft vom Sportklub Reckenfeld nach Ascheberg zum fälligen Meisterschaftsspiel. Die Mannschaft wird mit jungen Spielern besetzt. In der letzten Vorstandssitzung wurde beschlossen, alle Spieler, die sich in sportlicher Beziehung nicht fügen wollen, von der Mitgliedschaft auszuschließen. Beim letzten Meisterschaftsspiel wurde vieles gezeigt, was nichts mit Fußball zu tun hat. Die Mannschaft tritt in folgender Aufstellung an: Fr. Borkenhagen (Tor); Jakobus und Rosofski (Verteidigung); Michel, Moor und Kruck (Läufer); Hattwig, Machotzeck, Kersting (Foto), Hemker und Paul Borkenhagen (Sturm). Abfahrt mit dem Zuge 12.29 Uhr ab Reckenfeld.
    17.10.1936 Festtag für Reckenfeld / Am Sonntag wird die neue Kirche eingeweiht. Jetzt ist die katholische Kirchengemeinde so weit, daß sie eine neue, schöne Kirche ihrem Zwecke übergeben kann. Lange Zeit hat sich das Rektorat bemüht, dieses Werk zustande zu bringen. Unter vielen Opfern, nicht zuletzt durch die Gebefreudigkeit der Bevölkerung ist das Werk gelungen. Ein herrlicher Bau ist am Potsdamer Platz entstanden. Weiß und scharf hebt sich der wuchtige Turmbau von dem Dunkel des Waldhintergrundes ab. Seitwärts duckt sich das Dach der Kirche und drückt zu Boden, als solle sich das Bauwerk mit ihm verschmelzen. Hier wirkt markante Kraft mit enger Bodenverbundenheit und damit ist die Kirche in Reckenfeld ein Ausdruck der Heimat und seiner Menschen geworden. So hat der Erbauer der Kirche, der Diplom-Ing. Theo Burlage aus Osnabrück, ein Werk geschaffen, daß von einem tiefen Verständnis der niederdeutschen Heimat und ihrer Menschen zeugt. Jeder, der die Kirche bisher sah, sagt es. "Die Kirche ist schön", und damit kommt zum Ausdruck, daß dieses Bauwerk in seinem Baustil so recht verstanden wird. So wird es künftig eine Freude und Stolz Reckenfelds sein, ein modernes und eindrucksvolles Gotteshaus zu besitzen. Lange Zeit hat man sich mit einer kleinen Notkirche begnügen müssen, die mehr und mehr der immer wachsenden Gemeinde nicht mehr gerecht werden konnte. Diese Kirche wird für Jahrzehnte räumlich allen Anforderungen entsprechen können. Auch die Lage der Kirche ist für Reckenfeld nicht besser denkbar, liegt diese doch im Brennpunkt der Siedlung. Auch liegt sie weit genug von der Straße ab, so daß selbst ein starker Verkehr kaum mehr sich nachteilig auf den Gottesdienst auswirken kann. Die Arbeiten an dem Kirchenbau sind im Wesentlichen von Reckenfelder Handwerker und Arbeitern bestritten worden, so daß sie lange Monate hindurch Arbeit und Brot erhalten haben. Nicht nur Reckenfeld, sondern auch Greven und aus der sonstigen Bauerschaft wird der Einweihung der Kirche rege Anteilnahme entgegengebracht. Möge das Wetter zu diesem Feiertage ein gutes Gesicht zeigen, damit ein schöner Verlauf der Kirchenweihe in Reckenfeld gewährleistet wird. (Anm.: Es wundert, dass keine Nazitexte im obigen Artikel zu finden sind. Von der eigentlichen Einweihung der Franziskuskirche liegt leider kein Text hier vor. Fehlende Unterlagen oder bewusste Zurückhaltung der Nazis? - Die Einweihung war am 18.10.1936.) 18.10.1936
    18.10.1936
    12.11.1936 Was nicht sein soll. In der Gartenstadt Reckenfeld ist man mit dem Ausbau der Verschönerungsanlagen beschäftigt. Trotzdem gibt es einige Rohlinge, die dieses schöne Aufbauwerk vernichten. Man konnte mehrmals beobachten, wie eine Ruhebank am Sportplatz auf eine Plakatsäule gehängt war. Hoffentlich gelingt es, solche Elemente zu fassen und sie der gerechten Strafe zu überantworten.
    13.11.1936 Der anhaltende Regen macht sich auch hier stark bemerkbar. Die infolge der Ungunst der Witterung entstandene Bodenfeuchtigkeit macht in Reckenfeld die Herbstbestellung unmöglich. Auch die Wege sind oft unpassierbar. Der Wittlerdamm gleicht einer Überschwemmung.
    17.11.1936 Siedlergemeinschaft Reckenfeld. In der gut besuchten Monatsversammlung am Freitag beim Wirt Bokel-Rickermann wies der Vereinsleiter Sander in besonders eindringlichen Worten auf die Notwendigkeit des Sich-Einsetzens für den Kampf gegen den Verderb hin. Er erklärte an Hand vieler Beispiele und Kleinigkeiten, daß das scheinbar Nutzlose doch noch wieder dem Verwendungszweck zugeführt werden könne und forderte alle zur Mitarbeit an diesem wichtigen Vaterlandsdienst auf. Besondere Berechtigung und Verständnis zeigten die Mitglieder auch für die weiteren Ausführungen über die Siedlungsgestaltung und den künftigen Ausbau Reckenfelds. Es wäre zu wünschen, daß in Zukunft das Interesse für diese wichtigen Versammlungen noch größer würde, in dem alle Mitglieder und namentlich deren Frauen restlos erscheinen.
    20.11.1936 Großer Erfolg des MGV "Liedertafel". Am Sonntag veranstaltete der MGV "Liedertafel" Reckenfeld im Deutschen Haus ein Familienfest, das einen guten Erfolg hatte. Die Sänger trugen Volkslieder und Chöre von Silcher und Schwarze sehr gut vor. Der Dirigent, Hauptlehrer Dilla, hatte die Sänger fest in der Hand. Es wäre zu wünschen, daß noch mehr Sänger aktiv mitwirken würden. Nachdem der Vereinsleiter alle Mitglieder, Freunde und Gäste herzlichst begrüßt hatte, sprach der Dirigent über die Ziele des Vereins. Besonders wies er darauf hin, daß alle sangesfreudigen Reckenfelder im MGV "Liedertafel" als Mitglied willkommen seien. Mit großem Beifall wurden dann zwei lustige Schwänke vorgeführt; besonders das letzte Stück rief wahre Lachsalven hervor. Anschließend wurde lustig das Tanzbein geschwungen. Die Kapelle spielte gut und fleißig.
    25.11.1936 Die Arbeiten am Wittlerdamm (Foto: So sah es des öfteren aus) sind am Montag in Angriff genommen worden. Der Fußweg wie auch der Radfahrweg können demnächst wieder benutzt werden. Ein langersehnter Wunsch ist in Erfüllung gegangen.
    26.11.1936 Reges Leben im MGV "Liedertafel". An Mittwochabend fand im Vereinslokale Brinkmeyer die übliche Gesangstunde statt. Nach Begrüßungsworten des Vereinsleiters Schlick wurden einige neue Sänger aufgenommen. Der Kassierer Lipovscheck gab den Kassenbestand bekannt, der einen guten Überschuß aufweist. Der Dirigent Oberlehrer Dilla gab in kurzen Zügen bekannt, dass die Gesangsstunden zugleich als Kameradschaftsabende zu verzeichnen seien. Er gab der Freude Ausdruck, daß der Verein in kurzer Zeit schöne Fortschritte aufzuweisen hat. Die Nikolausfeier findet am 7. Dezember statt. Wie üblich möge jeder Sangesbruder ein kleines Geschenk mitbringen.
    02.12.1936 "Snieder Wipp" in Reckenfeld. Die erste Aufführung der NSG "Kraft durch Freude" brachte am Samstagabend im großen Saale des "Deutschen Hauses" das Lustspiel "Snieder Wipp" und die "Liebesprobe". Der Erfolg ist als sehr gut zu bezeichnen, denn der Saal war gut besetzt. Pg. Hügel (Greven), der in Vertretung des verhinderten Pg. Hartmann das Wort ergriff, legte vor der Aufführung in einigen Worten den Inhalt der Stücke dar. Dann ging das bekannte plattdeutsche Lustspiel "Snieder Wipp" über die Bretter. Die Hauptrollen waren gut besetzt. Auch der zweite Schwank, die "Liebesprobe" brachte helle Lachsalven hervor. Die Anwesenden spendeten reichen Beifall.
    10.12.1936 Jahreshauptversammlung des MGV "Liedertafel". Am Montag, 20 Uhr, fand in der Wirtschaft Brinkmeyer die Jahreshauptversammlung statt. Nach kurzen Begrüßungsworten des Vereinsleiters Schlick, erstattete der Schriftführer Lipovscheck den Jahresbericht. Es wurden insgesamt 42 Gesangstunden abgehalten und recht nette Kameradschaftsabende untereinander verlebt. Die Kasse weist einen guten Überschuß auf. Der Dirigent, Oberlehrer Dilla, freute sich über die guten Fortschritte des Vereins und ermahnte besonders zur Pünktlichkeit bei den Gesangstunden. Der Vorstand setzt sich folgendermaßen zusammen: Vereinsführer H. Schlick, Stellvertreter H. Grobe, Kassierer und Schriftführer Lipovscheck, Notenwart Brinkmeyer, Dirigent Dilla, Kassenrevisor Krispin. Dann fand die Nikolausfeier statt. Als die Kerzen des Adventskranzes brannten, wurde gemeinsam das Nikolauslied gesungen. Alle Sangesbrüder erhielten ein Geschenk. Vorträge und Lieder umrahmten die schlichte Feierstunde, die ganz im Zeichen des Advents stand.
    12.12.1936 An alle Parteigenossen! Am Sonntag, den 13. Dezember, nachmittags 5 Uhr findet in der Wirtschaft B. Rickermann eine Versammlung sämtlicher Parteigenossen und Parteianwärter statt. Erscheinen ist Pflicht. Ferner werden alle Parteigenossen auf unsere Ortsgruppenbibliothek aufmerksam gemacht. Die Bücher werden 14 Tage frei ausgeliehen, alsdann muss eine Gebühr von 10 Pfg. pro Woche entrichtet werden. Die Bücher sind beim Pg. Dilla jeden Montagnachmittag in der Zeit von 5-7 Uhr zu haben. Der Ortsgruppenleiter gez. Peters.
    16.12.1936 Reckenfelder Sport. Am Sonntag treten die Clubleute zur zweiten Serie an. Gast ist Westfalia Kinderhaus. In den ersten Punktkämpfen haben die Reckenfelder sehr schlecht abgeschnitten, wogegen sich die Westfalia den Mittelplatz erkämpft hat. Nach langen Umstellungen haben die Clubleute wieder eine einheitliche Mannschaft und sehr an Spielstärke gewonnen. Es ist somit am Sonntag ein spannendes Spiel zu erwarten. Folgende Reckenfelder Elf nimmt den Kampf auf: Fischer, Fehr (Foto), Jerzinowski III, Jakobus, Kaiser, Jerzinowski I, Richter, Walter, Meer, Jerzinowski II, Hesse. Ersatz: Michels, Kersting. Nach dem Spiele findet im Vereinslokal eine Spielerversammlung statt. Anschließend ist Kameradschaftsabend.
    18.12.1936 Musikalische Feierstunde. Der evangelische Chor veranstaltet am Sonntag, dem 20. Dezember 19.30 Uhr, in der Kirche einen Musikalischen Abend. Anschließend findet im Konfirmandensaal die Adventsfeier statt.
    19.12.1936 Adventfeier der evgl. Frauenhilfe. Am Donnerstag fand in der Wirtschaft Bokel-Rickermann die übliche Adventsfeier statt. Der Wirt Rickermann hatte in liebenswürdiger Weise seinen Saal zur Verfügung gestellt, der von den Frauen festlich ausgeschmückt wurde. Zahlreich waren die Frauen erschienen. Nach den Begrüßungsworten von Pfarrer Brune (Foto) führten die Jungmädchen ein passendes Theaterstück vor, das reichen Beifall erntete. Nach einem gemeinschaftlichen Liede ließ man sich Kuchen und Kaffee gut schmecken. Wiederum gab Pfarrer Brune eine nette Geschichte zu Gehör: "Friede auf Erden". Die Jungmädchen sangen Weihnachtslieder. Nach vergnügten Stunden nahm die schöne Feier ihr Ende.
    19.12.1936 NSB-Winterhilfswerk. Am Sonntagnachmittag um 4 Uhr findet im Saale Deutsches Haus für die hilfsbedürftigen Kinder die Weihnachtsfeier statt.
    22.12.1936 Eine gehaltvolle musikalische Feierstunde veranstaltete der evgl. Chor am Sonntagabend in der kleinen Kirche zu Reckenfeld. Nach dem Präludium in C-Dur brachte der Chor Adventslieder zu Gehör. Die Sänger boten unter der Leitung von Lehrer Kleine-Döpken eine gute Leistung. Anschließend fand, wie in jedem Jahre, im Konfirmandensaale die übliche Feier statt. Vereinsleiter Sperling hieß alle herzlich willkommen und warf dann einen kurzen Rückblick auf die Geschehnisse des Jahres. Besondere Dankworte wurden dem Dirigenten für seine aufopfernde Arbeit zuteil. Dann wurden die Kerzen auf den Adventskränzen angezündet und es herrschte eine schöne Vorweihnachtsstimmung.
    23.12.1936 Weihnachtsfeier bei der NSB. Die Ortsgruppenleitung Reckenfeld der NSB hatte Anlaß genommen, den betreuten Kindern eine besondere Freude zu bereiten. Wie auch im Vorjahre wurden die Jungen und Mädel im Alter bis 10 Jahren beschert. Nachdem der große Saal im Deutschen Haus bis auf den letzten Platz besetzt war und die Kinder gemeinsam das Lied "Ihr Kinderlein kommet" gesungen hatten, sprach der Ortsgruppenleiter Pg. Peters zu den Kindern und Gästen herzliche Grußworte. Auf das große Werk der NS-Wohlfahrt, von dem diese Garbe nur ein Teil sei, hinweisend, brachte er seine Freude zum Ausdruck über die starke Teilnahme der Gäste, die nun Gelegenheit hätten, sich von diesem Zweig der segensreichen Einrichtung zu überzeugen. Man könne bei dieser Veranstaltung feststellen, wieviel Gutes an der deutschen betreuungswürdigen Jugend getan werde. Die Reckenfelder Bevölkerung sei sich stets bewußt gewesen, was in der NSB an der Jugend, den Müttern und den erwachsenen Betreuten zu leisten sei, sie habe dieses Werk stets durch Opferbereitschaft und Mithilfe fördern helfen. Daß dies auch in Zukunft so bleiben werde, dessen sei er gewiß. Das große Werk sei Adolf Hitler zu verdanken. Dankesworte wurden dem Ortsamtsleiter der NSB, Pg. Klippel und Pg. Hermanns zuteil, die unermüdlich für den heutigen Abend gearbeitet haben. Im Rahmen der Feier warteten die Jungmädel mit Sprüchen, Theater, Gedichten und Liedern auf. Zur Überraschung des Tages erhielten die Kinder eine mit Leckerbissen gefüllte Tüte. Außerdem war eine schöne Spielwarenausstellung aufgebaut, die den Kleinen noch als eine besondere Weihnachtsfreude zuteil werden soll.
    29.12.1936 Weihnachtsfreude in Reckenfeld. Als am Donnerstagabend die Glocken der neuen katholischen Kirche und das kleine Geläut der evangelischen Kirche den Heiligen Abend verkündeten, herrschte friedliche Weihnachtsfreude. Den Höhepunkt des Abends gab wieder die Dorfkapelle, die einige Weihnachtsweisen spielte.
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    05.01.1937 Sportklub Reckenfeld. Am Sonntagnachmittag fand im Deutschen Haus die Generalversammlung statt. Nach kurzen Begrüßungsworten des Vereinsleiters Hünteler ging man zur Tagesordnung über. Der Kassenbericht wurde bekanntgegeben; die Kasse weist einen guten Überschuß auf. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Man schritt anschließend zur Wahl des Vereinsleiters. Vereinsleiter Hünteler wurde einstimmig wiedergewählt. Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Vereinsleiter Hünteler, Stellvertreter Gahrens, Schriftführer Ernst Deitmar (Foto), Kassierer Albert Jerzinowski, Unterkassierer Kersting, Spielobmann Krispin. Beisitzer: Grobe, Janotta, Deitmar, Hoock, Jerzinowski; Ballwart Gahrens; Wäschewart Grobe. Weiterhin wurde das Pokalturnier besprochen. Es wird wieder ein großes Pokalturnier abgehalten. Für die Ostertage wird ein guter Gegner aus dem Ruhrgebiet verpflichtet. Nach Erledigung kleinerer Vereinsangelegenheiten wurde die Versammlung mit einem Sieg-Heil geschlossen. - Am Mittwoch empfängt Reckenfeld den Herbstmeister der dritten Kreisklasse: Fortuna Wadelheim. Es wird wohl an diesem Tag guter Sport geboten werden. Nach dem Spiel findet das Winterfest im Deutschen Haus statt.
    08.01.1937 Filmabend. Am Samstagabend lässt die Gaufilmstelle der NSDAP, Ortsgruppe Reckenfeld, den Tonfilm "Der höhere Befehl" vorführen. Ein "Spitzenfilm", das hohe Lied eines unerschrockenen Mannes oder sein Tun und Handeln und Glauben an sein Vaterland. Weiterhin ist auf der Leinwand zu sehen, "Unsere Wehrmacht". Anfang 8 Uhr im Deutschen Haus.
    09.01.1937 Von der Kriegerkameradschaft. Am Mittwochnachmittag fand beim Kameraden Micheel eine außerordentliche Versammlung statt, zu der die Kameraden mit ihren Frauen zahlreich erschienen waren. Kamerad Fricke hielt eine herzliche Begrüßungsansprache. Sein besonderer Gruß galt dem Kreisbezirksleiter Major Wolle und dem Adjutanten, Hauptmann im Sande. Nach kurzem Gedenken der Gefallenen und Verstorbenen Kriegerkameraden ergriff Bezirksleiter Wolle das Wort. In kurzen Worten schilderte er die augenblickliche Lage. Alle Kameraden möchten sich rege am Schießsport beteiligen. Durch Handschlag wurde Kamerad Fricke als Kameradschaftsführer bestätigt. Hauptmann Im Sande deutete das Wort Kameradschaft. Anschließend gab der Kassierer den Kassenbestand bekannt. Die Kasse weist einen guten Überschuß auf. Dem Kassierer wurde Entlastung erteilt. Am 10. Juni 1937 kann die Kriegerkameradschaft auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblicken. An diesen Tagen soll eine große Feier veranstaltet werden. Im Anschluß an die Veranstaltung blieb man noch im gemütlichen Kreise einige Stunden vereint.
    16.01.1937 Siedlergemeinschaft Reckenfeld. In der ersten Monatsversammlung des neuen Jahres berichtete der Gemeinschaftsleiter Sander kurz über die Arbeit der Siedlergemeinschaft im Jahre 1936. Mit großem Interesse hörte die Versammlung dann den Vortrag des Kreisfachschaftsleiters Knappheide (Münster) im Reichsverband Deutscher Geflügelzüchter. In verständlicher Art stellte er die Notwendigkeit der Rassegeflügelzucht heraus. Nur bei Haltung guter leistungsfähiger Geflügelrassen wird es möglich, die Eierproduktion auf den Stand zu bringen, der den Bedarf decken kann. Diesem ersten Vortrag über die Grundkenntnisse der Geflügelhaltung läßt Herr Knappheide demnächst weitere folgen. Zum Schluß sprach Bürgermeister Pg. Peters noch zu den Bauvorhaben. Siedlungswillige, besonders auch junge Leute, täten recht, sich jetzt schon um den Erwerb eines Grundstückes zu bemühen.
    22.01.1937 Kameradschaftsabend der NSKOV. Die Ortsgruppe Reckenfeld hatte im Deutschen Haus zu einem Kameradschaftsabend eingeladen, der von den Mitgliedern und deren Angehörigen sehr zahlreich besucht war. In dem mit dem Hoheitszeichen und den Fahnen der Bewegung festlich geschmückten Saale des Deutschen Hauses begrüßte der Kameradschaftsführer R. Schimmel die Erschienenen. Der Hoheitsträger der Partei und Bürgermeister Pg. Peters sowie der Vertreter des Gauobmanns, Pg. Brüning, brachten durch ihr Erscheinen zum Ausdruck, daß sie in enger Zusammenarbeit mit der Kameradschaft stehen. Kameradschaftsführer Schimmel erinnerte in seiner Ansprache an die Wiedereinführung der Wehrpflicht, die der Organisation der alten Soldaten besonders am Herzen liege. Er gedachte der Toten des Weltkrieges und der verstorbenen Mitglieder. Durch Erheben von den Plätzen und durch ein stilles Gedenken ehrten die Kameraden die Toten. Im Auftrage des Reichskriegsopferführers überreichte der Kameradschaftsführer zwei seiner bewährten Mitarbeiter das Bild des Pg. Oberlindober. Die Kapelle des Reichsarbeitsdienstes umrahmte die Feier, die noch ausgefüllt wurde mit Gedichten, einem Theaterstück und einer Verlosung. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer schloß der erste Teil. Im zweiten Teil verlebte man frohe Stunden und man bald die Sorgen des Alltags vergaß. Die Jugend kam auch zu ihrem Recht und konnte lange das Tanzbein schwingen.
    27.01.1937 Kappenfest des Schützenvereins Eintracht. Wenn der "Schützenverein Eintracht" zu Veranstaltungen einlädt, ist der Saal immer bis auf den letzten Platz gefüllt. So war es auch am Sonntagabend, als im geschmückten Saale Brinkmeyer das Kappenfest stattfand. Vereinsleiter Hermanns (sen.) begrüßte alle Erschienenen auf das herzlichste. Schützenbruder Roose sorgte für gute Stimmung und Humor. Eine Sammlung für das Winterhilfswerk war auch zufriedenstellend. Die Musik spielte gut auf; und spät war es, als die letzten Teilnehmer den Heimweg antraten.
    27.01.1937 Karneval beim Männergesangverein "Liedertafel". Auf Einladung des Männergesangvereins Liedertafel hatten sich der Elferrat sowie die Gönner zu einer wichtigen Besprechung in der Wirtschaft Brinkmeyer eingefunden, um die letzten Vorbereitungen für das diesjährige Fastnachtsfest und insbesondere für den großen Karnevalszug zu beraten. Geleitet wurde die Sitzung vom Kassierer des MGV Liedertafel, Lipovscheck. Wie im vorigen Jahre werden sämtliche Räume des Deutschen Hauses benutzt. Die Reckenfelder Dorfkapelle sowie die Buddukuden-Kapelle werden bei den Fastnachtsbällen zum Tanze aufspielen. Zu dem Programm des Nachmittags am 7. Februar selbst sei bemerkt, daß der Verein keine Mühen und Kosten scheuen wird. Unter der humorvollen Ansage des Präses Vogelsang wird keiner aus dem Lachen herauskommen. Der Karnevalszug wird am Montagmorgen, den 8. Februar, durchgeführt. Im Übrigen herrschte in allen zur Beratung stehenden Fragen die größte Einmütigkeit.
    29.01.1937 Der 30. Januar in Reckenfeld. Am Samstag, den 30. Januar, findet in der Wirtschaft Bokel-Rickermann um 19.30 Uhr die Nationalfeier statt. Alle Gliederungen und Formationen und sämtliche Volksgenossen sind herzlich eingeladen. Anschließend kameradschaftliches Zusammensein. Am 30. Januar: Fahnen heraus!
    03.02.1937 Vom gemischten Chor. Recht zahlreich hatten sich die Mitglieder im Sängerheim zusammengefunden. Nach einem gemeinschaftlichen Liede begrüßte Vereinsleiter Sperling alle Anwesenden aufs herzlichste. Die Tätigkeit des Vereins war im vergangenen Jahre recht rege; stolz und zufrieden darf der Verein auf die geleistete Arbeit zurückblicken. Der Kassenbericht wurde von Frl. Brösting gegeben. Die Kasse war geprüft und zufriedenstellend. Der Kassiererin wurde Entlastung erteilt. Wie bisher, soll auch in diesem Jahr ein Ausflug veranstaltet werden. Dirigent Lehrer Kleine-Döpken wird einen Lichtbilderabend geben. Unter "Verschiedenes" kamen Anregungen und sonstige Vereinsangelegenheiten zur Sprache.
    03.03.1937 Die SA Reckenfeld veranstaltet am Samstag beim Wirt Bokel-Rickermann einen Kameradschaftsabend. Es war vorgesehen, daß am genannten Tage auch der Sportklub Reckenfeld sein Familienfest veranstalten wollte. In einer Besprechung hat man den Entschluß gefaßt, zusammen zu feiern.
    03.02.1937 Der 30. Januar in Reckenfeld. Die Gartenstadt Reckenfeld bot am Gedenktag der nationalen Erhebung durch ihren reichen Flaggenschmuck ein prächtiges Bild. Nach der Übertragung der großen Rede des Führers am Nachmittag hatten sich die Schaffenden und die Volksgenossen um 20 Uhr im Rickermannschen Saale eingefunden. Der Saal war brechend voll, als Ortsgruppenleiter Pg. Peters alle aufs herzlichste begrüßte. Der Gesangverein "Liedertafel" ließ es sich nicht nehmen, passende Lieder zu Gehör zu bringen, die reichen Anklang fanden. Ebenfalls wartete der Arbeitsdienst mit netten Gedichten auf. Pg. Dr. Schuckenberg stellte in längeren Ausführungen noch einmal die gewaltigen Leistungen des Führers in den letzten vier Jahren heraus. Das Schlusswort sprach Ortsgruppenleiter Pg. Peters. Mit dem Deutschland- und Horst-Wessels-Lied endete der offizielle Teil. Der Arbeitsdienst sorgte dann für Musik und gute Stimmung, und in echter Kameradschaft verlebten alle noch frohe Stunden.
    04.02.1937 Der Maisanbau soll gefördert werden. Freitagabend 8 Uhr findet in der Wirtschaft Bokel-Rickermann eine öffentliche Versammlung statt. Der Ortsbauernführer B. Thüning, Greven, wird über den Maisanbau einen längeren Vortrag halten. Alle Volksgenossen, auch die Siedler vom Kleinsiedlerverein sind zu dieser Versammlung herzlichst eingeladen. Für die umliegenden Bauern und Landwirte ist es Pflicht zu erscheinen.
    04.02.1937 Die Einwohnerzahl der Siedlung Reckenfeld beträgt nach der letzten Personenstandsaufnahme vom 10. Oktober 1936 1855 gegenüber 1813 im Vorjahre. Die Seelenzahl in den Bauerschaften Aldrup, Westerode, Herbern und Hembergen beziffert sich auf insgesamt 2011, so daß die Siedlung Reckenfeld fast die Hälfte der Einwohnerzahl der Gemeinde Greven links der Ems ausmacht.
    10.02.1937 Versammlung der Kriegerkameradschaft. Am Sonntagnachmittag hatten sich die Kriegerkameraden bei Sitteck zahlreich eingefunden. Nach den Begrüßungsworten des Vereinsführers Fricke gedachte man der Toten sowie des zur großen Armee abberufenen Kameraden Hartmann. Kamerad Rautenberg gab den Geschäftsbericht des Jahres 1936 bekannt. Es war daraus zu ersehen, daß Gutes geleistet wurde. In diesem Jahre feiert die Kriegerkameradschaft ihr zehnjähriges Bestehen. Das Fest soll würdig begangen werden, es wurde auf den 20. Juni festgesetzt. Hierzu werden sämtliche Kameraden und Gliederungen eingeladen. Kamerad Indenbirken, der Gründer der Kameradschaft Reckenfeld, wurde zum Ehrenkameradschaftsführer ernannt. Nach Erledigung kleinerer Vereinsangelegenheiten verblieb man in echter Kameradschaft gemütlich zusammen.
    10.02.1937 Frohe Stunden bei der SA Reckenfeld, Sturm 13/13. Die Kameraden der SA hatten sich am Samstag im festlich geschmückten Rickermannschen Saale zu einem Kameradschaftsabend eingefunden. Recht zahlreich waren die Grevener SA, die Kriegerkameradschaft Reckenfeld und die Mitglieder des SC Reckenfeld erschienen. Schon zu Beginn des Festabends herrschte eine schöne Stimmung. Besonders war dieser Kameradschaftsabend den erschienenen Gästen willkommen, da auch sie einmal teilhaben konnten an den frohen Stunden der SA.

    Nach dem Einmarsch der SA begrüßte der Truppführer alle Erschienen aufs herzlichste. Ein Theaterstück, vorgeführt von einigen Jungmädeln, erntete großen Beifall. Den Höhepunkt erreichte der Gesang zweier Mädel. Der SA-Trupp sorgte auch für helle Lachsalven, so im Boxkampf und beim Auftreten der Humoristen. Eifrig wurde nach den Klängen schneidiger Musik das Tanzbein geschwungen. Spät war es, als die letzten Teilnehmer den Heimweg antraten. Dieser Kameradschaftsabend schloß sich den früheren Veranstaltungen der SA würdig an.

    10.02.1937 Der anhaltende Regen macht sich auch hier in der Gartenstadt stark bemerkbar. Die Gräben, Felder und Wiesen stehen unter Wasser. Auch in manchen Kellern dringt das Wasser ein!
    17.02.1937 Vorsicht beim Spirituskochen. Bei mancher Hausfrau besteht unbegreiflicherweise immer noch die Unsitte, einen brennenden Spirituskocher nachzufüllen, wenn der Brennstoff zur Neige geht. Daß eine solche Handlungsweise mit den größten Gefahren verbunden sein kann, mußte jetzt wieder eine Frau von hier erfahren. Als sie im Begriff war, die Kugel des brennenden Spirituskochers nachzufüllen, schlug ihr plötzlich eine mächtige Flamme entgegen. Augenbrauen und Kopfhaar wurden der Frau zum Teil verbrannt. An der Hand erlitt sie Brandwunden.
    17.02.1937 Der SC Reckenfeld hatte die Mitglieder am Sonntag zu einer wichtigen Versammlung zusammengerufen. Der Besuch war nur gering. Der Vereinsführer Hünteler gab die näheren Geschehnisse bekannt. Eine neue Fußballgarnitur wurde angeschafft. Am Sonntag wird die erste Elf die neue Garnitur zum ersten Male anziehen. An der Heldengedenkfeier am Sonntag, dem 21. Februar, nehmen die Mitglieder geschlossen teil. Der Treffpunkt ist morgens 11 Uhr im Vereinslokal
    18.02.1937 Heldengedenkfeier. Sonntag, den 21. Februar, wird man die Helden feiern. Nach dem Kirchgang beider Konfessionen treffen sich alle Formationen, Gliederungen und Volksgenossen im Deutschen Haus. Punkt 11.15 Uhr Abmarsch zum Ehrenmal. Der Kameradschaftsführer der NSKOV, Schimmel (Foto), hält die Gedenkrede. Der Arbeitsdienst übernimmt die Ehrenwache.

    20.02.1937 Das Opferbuch liegt heute auf! In Reckenfeld liegt am Samstag, dem 20. Februar, im Deutschen Haus von 16 bis 20 Uhr das Opferbuch des Kreises Münster-Land auf.
    24.02.1937 Der im Weltkriege und im Kampf um Deutschlands Wiedererstehung Gefallenen gedachte Reckenfeld am Sonntag unter großer Anteilnahme der gesamten Bevölkerung. Um 9 Uhr legte der Kameradschaftsführer der NSDAP am Ehrenmal einen Kranz nieder. Der Arbeitsdienst hielt von 9 - 18 Uhr die Ehrenwache. Nach dem Kirchgang beider Konfessionen bewegte sich um 11.15 Uhr ein langer Zug zum Ehrenmal. Eine Kapelle spielte das niederländische Dankgebet. Kameradschaftsführer Schimmel hielt die Gedenkrede. Still erklang darauf das Lied vom guten Kameraden. Ortsgruppenleiter Peters sprach die Schlussworte. Mit den beiden Nationalliedern und einem Sieg-Heil auf unseren Führer fand die Gedenkfeier ihr Ende.

    03.03.1937 Entlassungsfeier in der evgl. Volksschule (Foto von 1936?) Für die zur Entlassung kommenden Schulkinder soll in diesem Jahre eine würdige Feier veranstaltet werden. Für die Feier, die im Saale Bokel-Rickermann stattfindet, ist der 14. März festgesetzt worden. Es sollen u. a. Reigen, Volkstänze und gesangliche Darbietungen vorgeführt werden. Einige Mitbürger Reckenfelds haben sich ebenfalls zur Verschönerung der Feier zur Verfügung gestellt. Weiterhin soll auch ein Lichtbilderabend gegeben werden.
    04.03.1937 Winterhilfsschießen der Kriegerkameradschaft Reckenfeld. Am Sonntag, den 28. Februar, ab morgens 9 Uhr, hielt die Kriegergemeinschaft Reckenfeld ihr übliches Winterhilfsschießen ab. Es muß gesagt werden, daß es allgemein gelungen ist, das Schießen mit Erfolg zu krönen. Der Kameradschaftswart Schwartenbeck konnte dem Hauptkassierer Viehoff in Münster zugunsten der Winterhilfe einen schönen Betrag überweisen. Die Namen der besten Schützen des Tages: 1. Unterfeldmeister Schmitz; 2. Oberlandjäger Rostek; 3. Truppführer Liebe; 4. Otto Aßhauer. Die vier genannten Schützen standen auf gleicher Höhe in der Ringzahl. Es mußten Stechschüsse eingelegt werden. Als höchste Ringzahl des Tages erreichten sämtliche Schützen bei 3 Schuß 33 Ringe. Eine achtbare Leistung.
    12.03.1937 Rege Tätigkeit der Siedlergemeinschaft Reckenfeld. Der Siedlerverein Reckenfeld hielt im Vereinslokal H. Brinkmeyer die übliche Versammlung ab. Der Vereinsleiter Sander hieß die Erschienenen herzlich willkommen. Er gab seiner Freude Ausdruck über die Erfolge in der letzten Zeit. Bürgermeister Peters gab wichtige Maßnahmen bekannt, wonach weiterhin für die Gartenstadt Reckenfeld gesorgt werden soll. Man schloß die Versammlung mit einem Treuebekenntnis zum Führer.
    12.03.1937 Kriegerkameradschaft Reckenfeld. Recht zahlreich hatten sich die Kameraden zu einer Versammlung eingefunden. Der Kameradschaftsführer, Karl Fricke, begrüßte die Kameraden. Da in diesem Jahre das zehnjährige Bestehen der Kameradschaft Reckenfeld gefeiert wird, erfolgte eine lebhafte Aussprache. Der denkwürdige Tag soll in großem Rahmen begangen werden. Am zweiten Ostertage soll für die Kinder der Kameraden das übliche Eiersuchen abgehalten werden, und zwar beim Kameraden Micheel. Nach dem Eiersuchen wird der Kameradschaftsabend mit den Angehörigen gefeiert. Es folgt am Abend das Abbrennen des Osterfeuers. Das Schießen soll in diesem Jahre auf dem Schießstand bei Brinkmeyer (Foto) besonders geübt und gepflegt werden. Alle Kameraden werden aufgefordert, sich restlos am Schießen zu beteiligen. Nach längerem, gemütlichem Beisammensein schloß man die Versammlung.
    13.03.1937 Elternabend der evgl. Schule Reckenfeld. Am Sonntag, dem 14. März, 17 Uhr, findet im Saale B. Rickermann ein Elternabend statt. Der Abend ist mit einem großen Konzert verbunden. Aus dem Programm des ersten Teils sei u. a. erwähnt, daß zwei wertvolle Filme gezeigt werden. Mehr heiter gestimmt ist der zweite Teil des Programms. Eine Volkssingstunde wird den Abend beschließen. Chor, Orchester und Schülerchor singen und spielen einige Volkslieder. Ebenfalls werden Volkstänze und turnerische Übungen vorgeführt.
    17.03.1937 Eine schlichte Abschiedsfeier wurde dem Lehrer Kleine-Döpken zuteil, denn er kommt nach Leeden im Kreis Tecklenburg. An seine Stelle tritt Lehrer Rathen.
    17.03.1937 Deutsche Jugend bei Gesang, Spiel und Sport. Die evgl. Schule Reckenfeld hatte die Eltern und Erzieher zu einem Abend in dem schön dekorierten Saal B. Rickermann eingeladen. Der Andrang war so stark, daß bereits vor Beginn der Veranstaltung der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. In seinen Begrüßungsworten wies Lehrer Kleine-Döpken auf den tieferen Sinn der Abende hin, der darin bestehe, zu zeigen, wie durch Chorgesang, Gemeinschaftsspiele und Sport in der Schule der Grundstein für den Gemeinschaftssinn gelegt und Liebe zur Heimat geweckt, deutsches Wesen gepflegt wird. Dann sangen der Chor sowie ein Schülerchor recht nette Volkslieder, die starken Anklang fanden. Eine besondere Freude bereitete das Musik-Quartett, das schöne Musikstücke zu Gehör brachte. Volkstänze, auf die einzelnen Altersstufen abgestellt, zeigten neben den turnerischen Übungen, wie man auf die körperliche Ertüchtigung der Jugend bedacht ist. U. a. wurden auch zwei Filme gezeigt. Im gemütlichen Kreise saß man noch froh beisammen.>
    17.03.1937 Der Schützenverein Reckenfeld hielt am Sonntag im Deutschen Haus ein Opferschießen für das WHW ab. Die Beteiligung war sehr gut. Außer den Schützenbrüdern nahmen noch andere Kameraden daran teil. Die besten Schützen waren Unterfeldmeister Schmitz, 35 Ringe, Unterfeldmeister Rückbeil , 33 Ringe, Obertruppführer Schmidt, 33 Ringe, Heinrich Bohnenkamp, 33 Ringe, Josef Lüttecke, 33 Ringe. Diese Schützen erhielten die goldene Schießauszeichnung. Ein schöner Beitrag konnte für das Winterhilfswerk abgegeben werden.
    18.03.1937 Die Mütterberatung in Reckenfeld findet am Freitag, dem 19. März, 15 Uhr, in der katholischen Schule in Reckenfeld statt.
    19.03.1937 Lustiger Abend der NSG. "Kraft durch Freude" in Reckenfeld. Samstag, den 20. März, 20 Uhr, veranstaltet die NSG "Kraft durch Freude" in Reckenfeld in der Gastwirtschaft Deutsches Haus einen lustigen Abend, zu dem alle Volksgenossen eingeladen werden. Die Ausgestaltung des Abends, an der in hervorragender Weise namhafte und beliebte münsterische Künstler beteiligt sind, verspricht einen lustigen, unterhaltsamen Abend. Wer darum ein paar Stunden fröhlich sein und lachen will, der geht am Samstag ins Deutsche Haus. Unkostenbeitrag 20 Pfg.
    19.03.1937 Der SC Reckenfeld hält am Sonntagmorgen nach dem Kirchgang um 11.15 Uhr im Vereinslokal Brinkmeyer eine außerordentliche Sitzung ab. Wegen der Wichtigkeit darf niemand fehlen. Der Ausschuß sowie die Beisitzer müssen restlos erscheinen.
    19.03.1937 Schulentlassungsfeier der kath. Schule Reckenfeld. Am Dienstag, dem 23. März, nachmittags 4 Uhr, findet im großen Saale H. Brinkmeyer eine Schulentlassungsfeier der kath. Schule statt. Die Jugend soll ihr Können unter Beweis stellen. Es folgt im Programm u. a.: Theater, turnerische Übungen, Gesang und Gedichte. Die ganze Gemeinde ist herzlich eingeladen.
    24.03.1937 Versammlung des SC Reckenfeld. Am Sonntagmorgen fanden sich die Mitglieder des SC Reckenfeld zu einer Versammlung bei Brinkmeyer ein. Der Spielobmann berichtete über die letzten Erfolge des Vereins. Als letztes Spiel steigt der Kampf gegen den Tabellenführer Postsportverein Münster, der jedoch für die Reckenfelder nicht ohne jede Gewinnaussicht ist. Mit dem Vereinswirt wurden dann die Schaffung besserer Wasch- und Umkleideräume besprochen und beschlossen. Am Ostermontag feiert der Verein sein traditionelles Frühlingsfest im Deutschen Haus. Nachmittags ist Fortuna Wadelheim zu Gast. Der Kameradschaftsabend wird am 4. April gefeiert. Es wird erwartet, daß auch die Eltern der Spieler und alle Freunde und Gönner des Vereins teilnehmen. Für das diesjährige Pokalturnier am 13. Juni wurden bereits umfangreiche Vorbereitungen getroffen. Folgende Vereine nehmen an dem Pokalturnier teil: SC Uppenberg, Fortuna Wadelheim, Preußen Rheine und Germania Münster. Für das Werbespiel gegen den SC Reckenfeld wurde BV Rheine gewonnen. Der monatliche Beitrag wurde sodann auf 50 Pfg. festgesetzt. Nach Besprechung kleinerer Vereinsangelegenheiten fand die Versammlung ihren Abschluß.
    31.03.1937 Der letzte "Lustige Abend", den die NSG "Kraft durch Freude" im "Deutschen Haus" veranstaltete, hatte einen überfüllten Saal. Die Begeisterung stieg von einem Auftritt der Künstler zum anderen. Nach einleitenden Worten des Vertreters von "KdF", Pg. Dr. Dietrichs, rollte das Programm mustergültig ab. Die Ansage hatte Anton Högemann, der es verstand, sofort den für solche Abende nötigen Schwung und die dazu nötige Stimmung in den Saal zu tragen. Den Höhepunkt bildete der so beliebte Schunkelwalzer, den Högemann auf dem Schifferklavier in Melodie setzte. Dann verstand es Clemens Balzer mit seinen Liedern (besonders den plattdeutschen Liedern) sich die Herzen der Zuhörer zu erwerben. Daß über des Ansagers lustige und humorvolle Art sehr gelacht wurde, ist selbstverständlich. Alles in allem war es ein Abend voll Humor und Freude. Man war erstaunt, daß die Stunden so schnell vergingen. Eine Wiederholung eines solchen genußreichen Abends ist in vier Wochen geplant.
    31.03.1937 Die Kriegerkameradschaft veranstaltete für die Kinder der Kameraden am Ostermontag wieder ein Eiersuchen, das den Kindern und den Veranstaltern viel Freude bereitete. Anschließend verlebten die Kameraden bei F. Micheel einen schönen Gemeinschaftsabend, an dem manche Erinnerung aus der schweren und harten aber auch so großen Kriegszeit aufgefrischt wurde.
    31.03.1937 Frühlingsfest des SC Reckenfeld. Der SC Reckenfeld veranstaltete am Ostermontag im festlich geschmückten Saale Brinkmeyer seine traditionelle Frühlingsfeier. Die Mitglieder mit ihren Angehörigen und die Freunde und Gönner des Vereins hatten sich sehr zahlreich eingefunden, so daß bald eine prächtige Stimmung herrschte. Fröhlichkeit und Tanz waren die Leitworte des Festes und in diesem Sinne verlebten alle Teilnehmer einen schönen Abend.
    31.03.1937 SC Reckenfeld - Fortuna Wadelheim 7:2 (2:1). Die körperlich überlegenen Wadelheimer Fortunen mußten sich am zweiten Ostertag der technisch besseren Mannschaft des SC Reckenfeld beugen und eine deutliche Niederlage in Kauf nehmen. Die Gäste begannen mit großem Eifer und versuchten die Platzherren zu überrumpeln. Sie gingen auch durch ihren Halblinken in Führung, hatten dann aber bald ihr Pulver verschossen. Reckenfelds Rechtsaußen sorgte für den Ausgleich und bis zur Pause brachte der Halbrechte die Platzherren noch 2: 1 in Führung. Im zweiten Spielabschnitt war die Torausbeute sehr reich. Die Reckenfelder Stürmer trafen noch fünfmal ins Schwarze und die Platzherren waren tatsächlich klar überlegen. Lediglich durch das leichtsinnige Spiel der Hintermannschaft der Reckenfelder waren auch die Wadelheimer noch erfolgreich. Die Verteidigung der Reckenfelder rückte stets viel zu weit auf und so konnten die schnellen Außenstürmer der Gäste immer wieder durchbrechen und auch noch drei Gegentore erzielen. SC Reckenfeld 2 - Fortuna Wadelheim 2 1:1 (1:0).
    31.03.1937 Kameradschaftsabend des SC Reckenfeld. Einen Kameradschaftsabend veranstaltet am Sonntag, den 4. April, 19 Uhr, im Vereinslokale Brinkmeyer der SC Reckenfeld. An diesem Abend können die Eltern der Mitglieder und die Gönner des Vereins teilnehmen. Es soll zum Ausdruck kommen, wie gut das Einvernehmen zwischen den Sportklubspielern und den Angehörigen ist. Ernste und heitere Vorträge werden gute Unterhaltung bringen.
    01.04.1937 Vom Ziegenzuchtverein. Der Vereinsleiter hatte seine Mitarbeiter zu einer Besprechung eingeladen, der man restlos gefolgt war. Es wurde beschlossen, am Freitag, dem 9. April, einen Lichtbildervortrag zu veranstalten, den Tierzuchtinspektor Becker (Münster) hält. Der Vortrag findet abends 8 Uhr im Deutschen Haus statt. Sämtliche Einwohner von Reckenfeld sind herzlich eingeladen. 1931 + Folgejahre Ein ganz "Großer" in Sachen Ziegenzucht war der aus Hamborn stammende Joseph Lihl, der im Block B - Schuppen 37 - in den angebauten Ställen Ziegen züchtete und mit diesen großen Ziegen durch Reckenfeld und durch Nachbarorte fuhr. Weil er diese Tiere züchtete, bekam er von den Reckenfeldern den Namen "Ziegenopa".
    02.04.1937 Der Schützenverein "Eintracht Reckenfeld" beschloß in der letzten Versammlung, das diesjährige Frühlingsfest am Sonntag, in den Räumen Bockel-Rickermann abzuhalten. Das Fest steigt unter dem Motto: "Konzert, Tanz, Freude".
    08.04.1937 Im Zeichen froher Kameradschaft. Im Vereinslokale Brinkmeyer veranstaltete der Sportklub Reckenfeld einen gut besuchten Kameradschaftsabend. Der Spielobmann wies in seiner Begrüßungsansprache auf den Zweck eines Kameradschaftsabends hin. Engste Fühlungnahme mit den Eltern zum Zwecke einer guten Erziehung sei stets das Bestreben der Vereinsleitung. Eine mit Kuchen und Brötchen festlich gedeckte Tafel gab dem Abend das besondere Gepräge. Es dauerte nicht lange, bis eine gute Stimmung aufkam. Lieder und Vorträge wechselten in bunter Reihenfolge ab. Der Vereinsleiter dankte allen, die das schöne Fest aufgezogen hatten und betonte u. a., daß auch weiterhin solche Kameradschaftsabende gefeiert werden sollen.
    22.04.1937 Die Ortsgruppe des Reichsbundes der Kinderreichen. Tatkräftige Mitarbeit der Ziegenzüchter im Rahmen des Vierjahresplanes. Die Ortsgruppe Ziegenzüchter hielt beim Wirt Brinkmeyer eine außerordentliche Versammlung ab, die einen guten Besuch aufzuweisen hatte. Der Ortsgruppenleiter Indenbirken begrüßte die Erschienenen. Kassierer Bosse gab den Kassenbericht. Die Kasse weist einen guten Überschuß auf. Nach der Prüfung der Kasse wurde dem Kassierer einstimmig Entlastung erteilt. Es wurde besonders die Bedeutung der Milchkontrolle besprochen. Fünf Züchter erklärten sich bereit, die Milchkontrolle mit ihren Ziegen durchzuführen. Eine rege Aussprache entspann sich bei der Frage der Futterbeschaffung, sowie über Klauenpflege und Fellverwertung. Nach Erledigung kleinerer Vereinsangelegenheiten traf Tierzuchtinspektor Becker aus Münster ein und hielt einen interessanten Vortrag über Ziegenzucht und deren Auswirkung. Gutes Futter wird durch die Genossenschaft geliefert, aber nur an solche Züchter, die Mitglied der Ortsfachgruppe sind. Weiterhin erklärte sich auch Bürgermeister Peters bereit, sämtliche Gräben der Ortsfachgruppe zur Verfügung zu stellen. Die Gräben sollen in Zukunft von dem Vorstand in Parzellen verteilt werden. Mit dem Wunsche, daß ein jeder zum Gelingen des Vierjahresplanes mithelfe, wurde die außerordentliche Versammlung mit dem üblichen Gruße geschlossen.
    22.04.1937 Bulldog fuhr in den Straßengraben. Am Dorfplatz beim Friseur Klemann (Foto) in Reckenfeld fuhr ein Bulldog mit Anhänger in den Straßengraben. Erst am Samstag konnte der Bulldog zur Weiterfahrt starten.

    22.04.1937 Die Ortsgruppe der NSDAP Reckenfeld feierte den Geburtstag des Führers gemeinsam mit den Teilnehmern des Lehrganges der NSB-Schule. Pg. Blankemeyer sprach über die Bedeutung Adolf Hitlers und zeichnete das Bild des Führers. Ortsgruppenleiter Pg. Peters brachte den Dank der Parteigenossen zum Ausdruck und ermahnte alle, in Treue und Einigkeit hinter dem Führer zu stehen und ihm so das schönste Geburtstagsgeschenk zu widmen. Am Vorabend des Geburtstages des Führers fand die Aufnahme des Jahrganges 1927 in das JB und im JM im festlich geschmückten Saal Brinkmeyer statt. Nach den verpflichtenden Worten des Reichsjugendführers wurde die vollzählig angetretene Schar in das JB aufgenommen. Führer und Führerinnen verpflichteten die Aufgenommenen durch Handschlag. Am Dienstagabend fand die Überweisung des ältesten Jahrganges JB und JM in die HJ bzw. MS statt. Ortsgruppenleiter Peters richtete ermahnende Worte an die Jungen und Mädel, stets einsatzbereit zum Führer zu stehen.

    1936 Schar 91

    29.04.1937 Maifeier in Reckenfeld. Die Feier des 1. Mai wird in unserer Gemeinde folgenden Verlauf nehmen: Freitag, 30. April: 20 Uhr Errichtung des Maibaumes auf dem Potsdamer Platz (Foto). Samstag, 1. Mai: 8 Uhr Jugendkundgebung im Saal Deutsches Haus. 11 Uhr Antreten zum Gemeinschaftsempfang im Deutschen Haus. Ab 17.30 Uhr Volksfest "Freut euch des Lebens" in beiden Sälen. Zu allen Veranstaltungen sind alle Volksgenossen und Volksgenossinnen eingeladen.
    04.05.1937 Von schönem Wetter begünstigt, nahm der Nationalfeiertag am 1. Mai einen schönen und würdigen Verlauf. Überall sah man frohgestimmte Menschen. Eingeleitet wurde das Fest mit der Einholung des Maibaumes. Am Dorfplatz versammelten sich die HJ, BDM und JV. Reigen und Gesang wurden geboten. Passende Worte sprachen der Standortführer Nolting und Ortsgruppenleiter Peters. Es war im besten Sinne ein Volksfest. Unter dem Motto: "Freut euch des Lebens" traf man sich in den Lokalen zu schönen Volksfesten.
    19.05.1937 Die nächste Gesundheitssprechstunde und Mütterberatung wird am Freitag, den 21. Mai, nachmittags um 15 Uhr, in der Schule abgehalten.
    20.05.1937 Der Pfingstverkehr in Reckenfeld übertraf alle Erwartungen. In keinem Jahre war zu Pfingsten der Ausflugsverkehr zur Gartenstadt Reckenfeld so stark wie in diesem Jahre. Von nah und fern waren die Ausflügler gekommen und brachten in das sonst so stille, sonntägliche Bild der Gartenstadt ein buntes Leben. Die Wirtschaften waren kaum in der Lage, die zahlreichen Gäste unterzubringen. Auch die Beamten der Station hatten sehr viel Arbeit mit der Abfertigung des starken Verkehrs.
    25.05.1937 Vom Schützenverein "Eintracht". In der letzten Versammlung wurde beschlossen, das diesjährige Schützenfest wie üblich am 1. Sonntag im August zu feiern. Der vorgeschriebene Kugelfang an der Vogelstange wird gemeinsam mit dem Bruderverein Herbern im Laufe der Woche angebracht werden. Am Donnerstag, dem 27. Mai (Fronleichnam) findet in Reckenfeld eine große Volksbelustigung in Form einer Kirmes statt. (Foto: Adjutant August Richter)
    23.06.1937 Pokalspiel des SC Reckenfeld. Am letzten Sonntag führte der SC Reckenfeld einige Pokalspiele durch. Das Vorspiel bestritten die Alten Herrenmannschaften von SC Reckenfeld und SC Uppenberg Münster. Sieger blieb nach einen schönen Spiel SC Uppenberg mit 3:0 Toren. Anschließend spielte Fortuna Wadelheim gegen SC Uppenberg Münster. Die Wadelheimer erwiesen sich als die bessere Mannschaft und siegten verdient mit 4:0 Toren. Im Werbespiel trafen sich SC Reckenfeld und Grün-Weiß Bevergern. Die körperlich bessere Mannschaft von Reckenfeld siegte 5:3. Das Schlußspiel bestritten Preußen Rheine und Germania Münster. Diese beiden Mannschaften waren die besten Gegner, die der SC Reckenfeld für den Tag verpflichtet hatte. Die überlegene Mannschaft war Preußen Rheine. Die Rheinenser siegten knapp mit 5:4 Toren. Der SC Reckenfeld überreichte den Siegern einen wertvollen Pokal. Am Abend fanden sich die Sportkameraden im Deutschen Haus zu einem gemütlichen Kameradschaftsfest zusammen, das in jeder Weise einen schönen Verlauf nahm.
    17.07.1937 Ortsgruppenappell der NSDAP. Am Samstag, abends um 7 Uhr, findet im Deutschen Haus ein Appell aller Politischen Block- und Zellenleiter der Ortsgruppe Reckenfeld der Partei statt.

    17.07.1937 Altmaterialien werden gesammelt. Am Montag, dem 19. Juli, findet die monatliche Sammlung aller Altmaterialien durch die Schulkinder in den Blocks statt. Die Einwohner Reckenfelds werden dringend aufgefordert, die verfügbaren Altmaterialien bei der Sammlung abzugeben und so die Arbeiten der Kinder für den Führer und das Vaterland im Sinne des Vierjahresplanes freudig zu unterstützen.
    17.07.1937 Ein Erntekindergarten eingerichtet. Am Donnerstag dieser Woche wurde im früheren BDM-Heim der Erntekindergarten durch die NSB eröffnet. Über 50 Kinder wurden ihm zugeführt. Die Kinder werden hier fachgemäß betreut, zum Teil auch gespeist, so daß die Mütter ohne Sorge für ihre Kleinen sich für die Erntearbeiten bei den umliegenden Bauern zur Verfügung stellen können. Das ist zunächst Sinn und Zweck des Erntekindergartens, jedoch wäre es zu wünschen, wenn die Errichtung des Kindergartens auch über die Erntezeit hinaus bestehen bleiben würde. Die hohe Besucherzahl des jetzigen Kindergartens beweist, daß für eine solche Einrichtung ein Bedürfnis besteht. (Anm. Als Erntekindergärten werden spezielle Kindergärten bezeichnet, die in ländlichen Gebieten während der arbeitsreichen Erntemonate, meist von April bis Oktober oder November, eine Kinderbetreuung anbieten. Erntekindergärten wurden eingerichtet, um die Landbevölkerung vor allem während der Sommer- und Herbstmonate zu unterstützen, als die Mütter in der Landwirtschaft Vollzeit arbeiteten. Weit verbreitet war die Einrichtung vor allem zur Zeit des Nationalsozialismus.)
    21.08.1937 Aus dem Sportklub Reckenfeld. Der Sportklub Reckenfeld hält am Sonntag, dem 22. August, nachmittags 3 Uhr im Deutschen Haus seine Jahreshauptversammlung ab. An alle Sportinteressenten ergeht die dringende Bitte, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Herr Rütters aus Münster hat sein Erscheinen zu dieser Versammlung zugesagt. Er wird wichtige Aufzeichnungen über die Aufgaben der sporttreibenden Vereine im Reichsbund für Leibesübungen geben. Der bisherige Vereinsführer hat seinen Posten aus beruflichen Gründen niedergelegt. In dieser Versammlung wird man zur Wahl eines neuen Vereinsleiter schreiten. Der Sportklub Reckenfeld nimmt an den Meisterschaftsspielen der zweiten Kreisklasse teil. Von seinen Mitgliedern erwartet der Sportklub Reckenfeld in Anbetracht der Wichtigkeit dieser Versammlung unbedingtes Erscheinen, zumal auch noch andere wichtige Fragen, was den Spielbetrieb angeht, zur Sprache kommen.
    25.08.1937 Der Sportklub Reckenfeld wählte in seiner letzten Versammlung zum neuen Vereinsführer den Sportkameraden August Gahrens, der seine Mitarbeiter ernannte: Geschäftsführer Ernst Deitmar, Kassierer Leyhe, Spielobmann Grobe. Der neue Vereinsführer ermahnte jeden Sportkameraden zur treuen Pflichterfüllung, die er dem deutschen Sport schuldig ist. Es wurde festgelegt, in nächster Zeit einen Kameradschaftsabend abzuhalten. Dann wurde noch über die Meisterspiele gesprochen. Es ist erfreulich, daß in diesem Jahr zwei Reserve-Mannschaften von Münster hier spielen werden. Weiter ermahnte der neue Vereinsführer jeden Sportkameraden zur Ordnung und Disziplin auf dem Sportfelde. Nach dem Absingen des Vereinsliedes und einem dreifachen Sieg-Heil auf Führer, Volk und Vaterland wurde die Versammlung geschlossen.
    26.08.1937 Schützenverein "Eintracht". Am Sonntag, 29. August, findet im Vereinslokal Deutsches Haus die Mitgliederversammlung statt. Da wichtige Punkte auf der Tagesordnung stehen, ist vollzähliges Erscheinen Ehrensache.
    28.08.1937 Sportklub Reckenfeld. Der Sportklub Reckenfeld hielt seine Pflichtversammlung im Vereinslokal Deutsches Haus ab. Nach der Begrüßung durch den Vereinsführer Hünteler ging man zur Wahl über. Als neuer Vereinsführer wurde der Sportkamerad August Gahrens gewählt. Dieser bestimmte zu seinen Mitarbeitern als Geschäftsführer den Friseur Ernst Deitmar, als Kassierer Ernst Leyhe, zum Spielobmann Heinrich Grobe. Der Vereinsführer dankte für das Vertrauen und ermahnte zur treuen Pflichterfüllung, damit der Sportgeist unter den Kameraden auch im Sportklub vorherrsche. Auch wurde über die kommenden Meisterschaftsspiele, die am 12. September beginnen, gesprochen. Zum Schluß wurde für die nächste Zeit ein Kameradschaftsabend geplant, der von allen Anwesenden lebhaft begrüßt wurde. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer wurde die Versammlung geschlossen.
    31.08.1937 Wegebau. Endlich geht ein langersehnter Wunsch in Erfüllung. Nachdem der Wittlerdamm von Fußgängern und viel weniger von Radfahrern zu benutzen war, sind seit einigen Tagen mehrere Arbeiter damit beschäftigt, die Schlaglöcher mit Erde auszufüllen, um so den Reckenfelder Arbeitern die Fahrt zu ihrer Arbeitsstelle zu erleichtern.
    04.09.1937 NSKOV Reckenfeld. Die Ortsgruppe NSKOV Reckenfeld veranstaltet am Sonntag, dem 5. September, einen Kameradschaftsabend beim Kameraden Rickermann am Bahnhof; Beginn 20 Uhr. Im Interesse aller Kameraden wäre es zu begrüßen, wenn die Kameraden sowie Kameradenfrauen recht zahlreich und pünktlich erscheinen. Einen gemütlichen Abend und genußreiche Stunden verspricht das ausgewählte Programm.
    05.09.1937 Rasensport Reckenfeld. Hebung des Sportlebens. Im Vereinslokal Deutsches Haus fand eine Vorstandssitzung statt. In seiner Ansprache wies der Vereinsführer Aug. Gahrens auf die unhaltbaren Zustände im Reckenfelder Sportleben hin. Hier müsse, so betonte er, Wandel geschaffen und im nationalsozialistischen Sinne gearbeitet werden. Diese eindeutigen Ausführungen ließen keinen Zweifel offen. Damit der Verein die erforderliche Achtung in der Gemeinde genießt, wurde beschlossen, den Verein zielbewußt von Grund auf neu aufzubauen. Zu diesem Zwecke fand der Vorschlag, eine Namensänderung vorzunehmen, einstimmige Annahme. So führt der Sportklub ab sofort den Namen "Rasensport Reckenfeld". Auch die Leichtathletik soll mehr als bisher zu ihrem Recht kommen. Die Meisterschaftsspiele beginnen am 12. September. Da die ewigen Nörgler und Quertreiber aus den Mannschaften entfernt sind, besteht die Gewißheit, daß die Reckenfelder Farben gebührend auf dem Rasen vertreten sein werden. Rasensport Reckenfeld - Tus Reichsbahn Rheine 0:3 (0:1)
    07.09.1937 Das Alte fällt. Seit einiger Zeit herrscht an der ehemaligen katholischen Kirche, Emsdettener Straße, reges Leben. Man ist dabei, den Dachstuhl und den früheren Kirchturm (Anm.: Das war nicht der Kirchturm, sondern der Schlauchturm des Feuerwehrgebäudes aus Depotzeiten) abzubrechen. Dann folgt ein zweckmäßiger Ausbau für ein Hitler-Jugendheim und eine Kinderschule.
    07.09.1937 Aus dem Kriegerverein. Nachdem in der letzten Versammlung der Neuaufbau der Kameradschaft besprochen wurde, wählte man zum Führer der Ortsgruppe den Gendarmerie-Oberwachtmeister Rostek (Foto). Dieser nahm die Wahl an. Die nächste Versammlung bringt die erforderliche Neubesetzung der Amtswalterstellen.
    07.09.1937 Versuchter Einbruch oder böser Bubenstreich? Dieser Tage wurde nachts der Kaufmann Heinrich Schlick unliebsam aus dem Schlafe geweckt. Geräusche an seiner Ladentür veranlaßten ihn, nach dem Rechten zu sehen. Die große Schaufensterscheibe war bereits eingeschlagen. Durch das Aufwachen des Ladenbesitzers wurden die Täter verscheucht.
    15.09.1937 Vom Rasensport Reckenfeld. In der letzten Vorstandssitzung wurde folgender Beschluß gefaßt: "Diejenigen Einwohner, die sich für das Handballspiel und auch für die Leichtathletik interessieren werden gebeten, sich umgehend bei dem Schriftwart Deitmar, Bahnhofstraße zu melden. Wir benötigen unbedingt jeden ehrlichen Sportler, der mitarbeitet. Denn wir wollen eine Sportgemeinde und ein Sportverein werden, der unserer Gemeinde würdig ist. Mit den alten Zuständen ist Schluß gemacht worden und ein neuer Sportverein soll durch fleißige Arbeit wieder aufgebaut werden. Dieses wird durch die jetzige straffe Geschäftsleitung gewährleistet. In Kürze sollen die Vereinsmeisterschaften in der Leichtathletik ausgetragen werden. Jeder, der sich für diese Sportart interessiert, ist gern willkommen. In einer noch bekannt zu gebenden Mitgliederversammlung wird über alle näheren Einzelheiten gesprochen." Das fällige Meisterspiel Rasensport-Reckenfeld gegen SpV Westbevern wurde von Reckenfeld kampflos gewonnen, da Westbevern nicht angetreten war.
    16.09.1937 Mütterberatung. Am Freitag, 17. September, ist in der katholischen Schule am Dorfplatz die Mütterberatungsstunde. Es kann den Müttern nicht nahe genug gelegt werden, von dieser Einrichtung in ihrem eigenen Interesse recht zahlreich Gebrauch zu machen. Beginn der Beratungsstunde ist um 15 Uhr.
    17.09.1937 Eltern achtet mehr auf eure Kinder! Es herrscht die leidige Unsitte bei den Kindern, von der im Herbst in sattem Rot verführerisch erstrahlenden Tollkirsche zu naschen. So hatten dieser Tage mehrere Kinder diese Frucht genossen. Das Söhnchen des Kaufmanns H. erkrankte schwer. Es mußte sofort ein Arzt aus Greven hinzugezogen werden. Es sei daher an dieser Stelle den Eltern gesagt, gerade jetzt zur Tollkirschenzeit besser auf ihre Kinder zu achten.
    17.09.1937 Raupenplage in Reckenfeld. Infolge des heißen Sommers konnte man zur Hauptflugzeit im Juli-August Tausende von Kohlweißlingen beobachten. Aus den Eiern dieser Schmetterlinge kommen jetzt die sehr gefräßigen gelb-grünlichen Raupen hervor. Sämtliche Kohlarten sind davon befallen. Es ist daher angebracht, daß die Gartenbesitzer daraufhin ihre Kohlbestände nachlesen. Bei Nichtbeachtung dieser Warnung können innerhalb acht Tage sämtliche Kohlpflanzen vernichtet sein. Es ist ja jedes Deutschen Pflicht, im Sinne der Parole "Kampf dem Verderb" hier tatkräftig mitzuhelfen. Wenn die Eltern hierzu wenig Zeit haben, setze man die Kinder hierfür an. Viel wertvolles Nahrungsgut wird dadurch erhalten.
    17.09.1937 Autofahrer, besser abblenden! Als zwei in Greven beschäftigte Arbeiter sich auf dem Heimweg befanden, wurden sie durch einen Kraftwagen derart geblendet, daß sie mit ihren Fahrrädern im Straßengraben landeten. Man kann von Glück sagen, daß die Radfahrer keinen ernstlichen Schaden nahmen.
    22.09.1937 Arbeitstagung der NSB. Der Ortsgruppenleiter der NSB hatte seine Mitarbeiter zu einer Arbeitstagung in der Wirtschaft Rickermann eingeladen. Nachdem er die Erschienenen, u. a. Bürgermeister Peters und Ortsbauernführer Thüning begrüßt hatte, erläuterte er den Zweck des Abends an Hand der Richtlinien für das kommende Winterhalbjahr. In Verbindung mit dem Reichsnährstand sollen Arbeitsgemeinschaften gebildet werden, damit auch in diesem Jahr das WHW reibungslos vonstatten geht.
    23.09.1937 NSKOV Reckenfeld. Die Ortsgruppe lädt die Kameradenfrauen und Kameraden zu der am Samstag, dem 25. September, um 20 Uhr, im "Deutschen Haus" stattfindenden Pflichtversammlung ein. Bekanntlich scheidet der Kameradschaftsführer aus. In dieser Versammlung wird der Nachfolger eingeführt. Es ist zu erwarten, daß alle Mitglieder vollzählig erscheinen.
    24.09.1937 Ausgabe der Fettscheine. Am Montag, dem 27. September, findet die Ausgabe der Fettscheine im NSB-Heim (Deutsches Haus) statt. Die Ausgabe erfolgt vor- und nachmittags. Ausweise und Lohnbescheinigung sind mitzubringen.
    25.09.1937 Aus der NS-Frauenschaft. Die NS-Frauenschaft hatte ihre Monatsversammlung im "Deutschen Haus". Die Frauenschaftsleiterin, Frau Rathert, begrüßte die zahlreich erschienen Frauen herzlich. Die dann folgenden Ausführungen standen im Banne des Reichsparteitages der Arbeit. Frau Rathert gab einen Erlebnisbericht über den Verlauf desselben. Dann folgte zum Schluß die Bekanntgabe, daß im kommenden Winter die Frauenschaft ihre Mitarbeit in den Dienst der WHW mehr denn je stellt. Alles Nähere wird in der nächsten Versammlung am 13. Oktober bekanntgegeben.
    25.09.1937 Die Deutsche Arbeitsfront, Ortsverwaltung Reckenfeld. Am Sonntag, den 26. September, findet um 11 Uhr vormittags im Saale Deutsches Haus eine Versammlung der Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront statt. Da der Kreisobmann Pg. Galler spricht, wird erwartet, daß zu dieser wichtigen Versammlung alle DAF-Mitglieder erscheinen.
    25.09.1937 Deutscher Siedlerbund. Die Siedlergemeinschaft Reckenfeld hatte im Deutschen Haus ihre Monatsversammlung. Die gut besuchte Versammlung wurde vom Vereinsführer Sander eröffnet. Er begrüßte die Erschienen, u. a. den Bürgermeister Peters. Nach Erledigung der Tagesordnung fand eine rege Aussprache über praktische Erfahrungen im Gartenbau statt. Diese Aussprache vermittelte den jungen Siedlern gutes Rüstzeug, sei es Bearbeitung oder Ungeziefer- bzw. Schädlingsbekämpfung. Dann wurde noch bekannt gemacht, daß, wie im Vorjahre, Bestellungen auf Kunstdünger u. Obstbäumen jetzt schon bei den zuständigen Blockwaltern gemacht werden können.
    04.10.1937 Versammlung der NSDAP. In Vertretung des verhinderten Ortsgruppenleiters eröffnete Pg. Rathert die Versammlung. Er gedachte zunächst des heute zu Grabe getragenen Pg. Duscha. Die Anwesenden ehrten den Toten durch eine Minute stillen Gedenkens. Dann begrüßte Pg. Rathert den Redner des Abends, den Kreis- bzw. stellvertretenden Gauschulleiter Pg. Coppenrath (Münster) sowie den Kreisgeschäftsführer Pg. Sauer. Ersterer ergriff sofort das Wort zu einer großangelegten Rede. (Anm.: Möglicherweise handelt es sich hierbei um die Beerdigung von Pg. Duscha - siehe auch Hakenkreuzfahne).
    04.10.1937 Von der NSKOV. In der Kameradschaft Reckenfeld der NSKOV ist ein Wechsel in der Führung derselben eingetreten. Für den nach Münster versetzten Kameradschaftsführer, R. Schimmel, ist von der Gauleitung mit sofortiger Wirkung der G. Paul Bartmann, Reckenfeld C 24a, (Foto) bestimmt worden. Daher sind in Zukunft sämtliche Anträge pp. beim Kameradschaftsführer, Reckenfeld C 24a, zu stellen.
    06.10.1937 Wichtig für die Anwohner des Depots C. Es dürfte noch vielen unbekannt sein, daß sich seit kurzer Zeit bei dem Kaufmann Nortmann C 43 eine öffentliche Fernsprechstelle befindet. Da es, insbesondere des Nachts, sehr schwierig ist z. B. bei plötzlicher Krankheit, Unfall oder dergleichen schnell einen Fernsprecher zu erreichen, kann man diese Einrichtung nur begrüßen.
    06.10.1937 Kriegskameradschaft Reckenfeld. Die Mitglieder der Kameradschaft werden zu der am Donnerstag, 7. Oktober, im "Deutschen Haus" stattfindenden Versammlung freundlichst eingeladen. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist Erscheinen Ehrensache. Ehemalige Soldaten, die der Kameradschaft beizutreten wünschen, sind herzlich willkommen.
    06.10.1937 Ausgabe von Kohlenscheinen durch das WHW. Für die Betreuten des WHW werden am Donnerstag, dem 7. Oktober, die Kohlenscheine für diesen Monat ausgegeben. Die Ausgabe erfolgt im Büro der NSB (Deutsches Haus), für Block A und B vormittags von 9-12 Uhr, für Block C und D nachmittags von 15 bis 18 Uhr. Um ein reibungsloses Arbeiten zu ermöglichen, wird gebeten, die Zeiten einzuhalten.
    08.10.1937 Geschätzte Reichsbahn, eine Bitte! Mit Freude begrüßen die Reckenfelder, daß der Weg von der Bahnhofstraße an der Güterabfertigung vorbei zu den Entladegleisen endlich hergestellt wird. Der alte Weg war insbesonders bei Regenwetter nicht begehbar. Nun haben wir noch einen Wunsch. Der alte morsche Eisenbahnwagen links der Straße müßte verschwinden, und wo das kleine Steinhäuschen steht, könnte ein größeres Beet angelegt werden. Wir hätten dann auch einen schmucken Platz an den Entladegleisen, der Gartenstadt Reckenfeld würdig und für vorbeifahrende Reisende eine Augenweide, ganz im Sinne der Dorfverschönerungsaktion. Hierdurch würde auch eine reibungslose Umleitung bei größeren Be- und Entladungen auf die einfachste Weise gelöst.
    09.10.1937 Von der NSKOV. Die Großkundgebung der NSKOV in Münster, auf der bekanntlich der Reichskriegsopferführer Pg. Oberlindober sprechen wird, ist nun endgültig auf den 17. Oktober festgelegt. Nähere Einzelheiten hierüber gehen den Mitgliedern rechtzeitig zu.
    08.10.1937 Taubenbesitzer, herhören! Die Taubenbesitzer werden auf die Anordnung zum Schutze der Felder und Gärten hingewiesen, wonach sie verpflichtet sind, ihre Tauben vom 1. bis 31. Oktober einzusperren. Zuwiderhandelnde können zu Schadenersatz herangezogen werden, außerdem setzen sie sich der Gefahr einer Geldstrafe aus.
    08.10.1937 Appell der Kriegerkameradschaft. Der Kameradschaftsführer eröffnete den außerordentlichen Appell der alten Soldaten im "Deutschen Haus". Er begrüßte die zahlreich Erschienen u. a. den Kreisführer Major a. D. Wolle, Hauptmann a. D. Im Sande, sowie den Kreiskassenwart. Der Kameradschaftsführer gab in längeren Ausführungen den gedachten Ausbau der Kameradschaft. Anschließend referierte der Kreisleiter Major a. D. Wolle über den Zweck und Ziel der Kameradschaften. Das Referat klang aus in einem Bekenntnis zum Führer Adolf Hitler.
    12.10.1937 Schlußbesprechung in der Wegeangelegenheit. Wie im Vormonat berief die Gemeinde l. d. E. durch den Rechtsanwalt Dr. Lauscher (Greven) nun die restlichen Siedler der Depots B und D zu einer Besprechung in das Deutsche Haus (Foto). Rechtsanwalt Dr. Lauscher gab dann den Zweck der Zusammenkunft bekannt. Es soll die Bereinigung der Wegeangelegenheit stattfinden, insbesondere neben der Löschung der für die Siedler so lästigen Verkaufs- und Wegerechte auch die unbedingt notwendige Wegeinstandsetzung. Zu diesem Zwecke müssen die den Siedlern gehörigen Wege an das Amt Greven abgetreten werden. Das Amt Greven verpflichtet sich dann, die Verkaufs- und Wegerechte zu löschen und die Wege ordnungsgemäß instandzusetzen. An einmaligen Unkosten entstehen dem Siedler Auslagen in Höhe von 25 Mk. Auch hier ist den wirtschaftlichen Verhältnissen der Siedler Rechnung getragen, und es kann dieser Betrag je nach dem Einkommen in Raten abgetragen werden. Mit dieser Besprechung ist ein wichtiger Grundstein in dieser Angelegenheit gelegt und wird dieses von allen Siedlern nur dankbar begrüßt.
    12.10.1937 Werbevorführung deutscher Schäferhunde. Als Auftakt zur Gründung einer Ortsgruppe der Fachschaft deutscher Schäferhunde fand auf dem Dorfplatz eine Werbevorführung statt. Zu diesem Zwecke stellte die benachbarte Ortsgruppe Emsdetten einen Teil ihrer gut ausgebildeten Tiere zur Verfügung. Die überaus zahlreichen Zuschauer kamen aus dem Staunen gar nicht heraus, wie ein dressierter Hund, z. B. bei Überfällen dem Menschen ein wertvoller Helfer sein kann. Die Zuschauer nahmen die Gewißheit mit nach Hause, daß die Schäferhundzucht keine Liebhaberei des einzelnen, sondern daß dies Dienst am Volksganzen ist. Nach Schluß der Vorführungen versammelten sich die Schäferhundfreunde beim Wirt B. Rickermann am Bahnhof und hier wurde die Ortsgruppe gegründet. Die Leitung wurde Kaufmann A. Vogelsang (Depot D) übertragen und dieser nimmt gern weitere Aufnahmen auch aus den umliegenden Bauerschaften entgegen.
    13.10.1937 NSKOV-Gautreffen. Das große Gautreffen der NSKOV in Münster beginnt am Sonnabend. Mitglieder der Reckenfelder Kameradschaft melden sich daher spätestens bis Freitagmittag bei ihren Blockwarten ihre Teilnahme an. Der Kameradschaftsführer bittet, daß sich recht viele Kameraden sowie auch die Hinterbliebenen an dieser Großkundgebung beteiligen. Bei größerer Beteiligung ist weitere Fahrpreisermäßigung möglich.
    13.10.1937 NS-Frauenschaftsversammlung. Die NS-Frauenschaft hatte im Deutschen Haus ihre Monatsversammlung. Zu Beginn begrüßte die Frauenschaftsleiterin Frau Rathert die zahlreich Erschienenen, insbesonders Schwester Erna von der Reichsmütterschule. Diese erging sich dann in längeren Ausführungen über vordringliche Säuglings- und Krankenpflege. Es meldeten sich auch sofort zahlreiche Frauen für den Krankenpflegekursus, welcher 6 Wochen dauert. Die Unterweisungsstunden sind montags und donnerstags jeweils von 20 bis 22 Uhr. Beginn des Kursus Montag, den 18. Oktober. Dann wurde über Arbeiten für das WHW gesprochen. Es sollen Nähstunden angesetzt werden, wo die Kleidungsstücke zugeschnitten und sofort genäht werden. Die erste Arbeitsstunde ist heute, Freitagnachmittag. Frau Rathert dankte dann allen für ihre tätige Mithilfe und mit einem Sieg-Heil auf den Führer endete diese Versammlung.
    19.10.1937 Bahnhofstraße gesperrt! Am Dorfplatz ist die Bahnhofstraße in ihrer ganzen Breite aufgerissen. Man ist dabei, Kanalisationsrohre umzulegen. Die Umleitung erfolgt durch die Anlagen an der kath. Kirche zum Dorfplatz und umgekehrt.
    20.10.1937 Jetzt muß das Ungeziefer bekämpft werden. Bei dem Abernten der Felder stellen die Siedler fest, daß der von staatlicher Seite im Frühjahr durchgeführten Schädlingsbekämpfung nicht der Erfolg beschieden ist, wie man es verständlicherweise wünschte. Insbesonders scheint sich die immer mehr auftretende Wühl- oder Mollmaus zu einer Plage auszubreiten. Beim Ernten der Kartoffeln und Runkeln stößt man immer wieder auf die Gänge dieser Tiere. Gerade jetzt, da die Felder abgeerntet werden, wandern die Mäuse, um Futter zu suchen. Da ist es an der Zeit, entsprechende Mittel zu besorgen. Nur wenn jeder Siedler hier mithilft, ist der Erfolg gesichert. Auch diese Maßnahmen bedeuten "Kampf dem Verderb".
    20.10.1937 Ein schöner Erfolg. Die von der Deutschen Arbeitsfront am vergangenen Sonntag durchgeführte Straßensammlung war, wie überall im Reich, auch in Reckenfeld ein voller Erfolg. Das Ergebnis zeigt, daß die Gebefreudigkeit auch hier begrüßenswerterweise zugenommen hat.
    21.10.1937 Radfahrer, mehr Rücksicht! Der Wittlerdamm, der besonders von den in Greven beschäftigten Erwerbstätigen täglich benutzt wird, ist stellenweise so schmal, hauptsächlich vor dem Bahnübergang (Foto), daß sich begegnende Radfahrer nicht rechtzeitig, vor allem in der Dunkelheit, ausweichen können. So stießen am Dienstag gegen 18 Uhr zwei Radfahrer, die sich zu spät bemerkten, zusammen. Außer Hautabschürfungen mußte einer sein Rad nach Hause führen, weil die Lenkstange zu stark verbogen war. Es ist angebracht, den Wittlerdamm bei anbrechender Dunkelheit langsamer zu befahren, damit größeres Unheil verhütet wird. Auch die Ortspolizeibehörde sollte im Zusammenhang hiermit die immer mehr einbürgernde Gewohnheit, den Wittlerdamm mit Motorrädern zu befahren, im Interesse der Allgemeinheit abstellen. Vielleicht kommt die Gemeinde Greven den Werktätigen, die diesen Weg beruflich benutzen müssen entgegen, und sorgt dafür, daß der Weg an den gefährdeten Stellen breiter gemacht wird.
    22.10.1937 Die Umbauarbeiten an der evangel. Kirche sind nun bis auf die Anstricharbeiten beendet. Der Gottesdienstraum wurde durch den Umbau stark vergrößert. Auch der Konfirmandensaal ist erweitert worden. Die Anstreicher und Kirchenmaler sind dabei, den Räumen einen freundlichen Anstrich zu geben.
    22.10.1937 Die NSKOV Reckenfeld. Die Kameradschaft der NSKOV lädt die Kameraden und Kameradenfrauen zu der am Sonnabend, dem 23. Oktober, 20 Uhr, bei Brinkmeyer stattfindende Versammlung ein. Der scheidende Kamerad R. Schimmel wird in dieser Versammlung den neuernannten Kameradschaftsführer Pg. Paul Bartmann in sein Amt einführen. Es wird gebeten, zahlreich, aber auch recht pünktlich, zu erscheinen.
    25.10.1937 Wer hat noch keine Kohlenscheine? Der Ortsbeauftragte des WHW gibt bekannt, daß Antragsteller, welche noch keine Kohlenscheine erhalten haben, dieselben morgen, Dienstag, den 6. Oktober, in der Geschäftsstelle der NSB in Empfang nehmen können.
    25.10.1937 Die im Deutschen Hause stattgefundene Mitgliederversammlung der Reckenfelder Kameradschaft stand im Zeichen des Führerwechsels. Der nach Münster gezogene Kamerad R. Schimmel konnte bedauerlicherweise nicht erscheinen, um seinen Nachfolger Pg. Bartmann einzuführen. Der Schriftwart eröffnete die Versammlung und begrüßte die Erschienenen, insbesondere den Ortsgruppenleiter der NSDAP Pg. Bürgermeister Peters. Dann erfolgte die Einführung des Kameraden Bartmann. Dieser gelobte, seine ganze Kraft im Interesse der Kameradschaft zur Verfügung zu stellen. Die Kassen- und Schriftwarte mußten leider ihr Amt wegen Arbeitsüberlastung niederlegen und es wurde als Nachfolger für beide Ämter der mit diesen Arbeiten vertraute Kamerad B. Schmücker bestimmt. Dieser gab dann einen umfassenden Bericht über seine Teilnahme an der Großkundgebung der NSKOV am vergangenen Sonntag in Münster. Dann folgte die Erledigung verschiedener Angelegenheiten. Hervorzuheben ist besonders die Bekanntgabe über die Anstrengungen der Reichsleitung, die noch erwerbslosen Kameraden restlos in Arbeit zu bringen.
    25.10.1937 Ein Lasttrecker im Graben gelandet. Morgens gegen 9 Uhr ereignete sich auf der Chaussee von Greven nach Emsdetten bei Kilometerstein 4,6 ein eigenartiger Zusammenstoß zwischen einem Lastzug und einem Trecker mit Dreschmaschine, Binder und Brennstoffwagen als Anhänger. In der Kurve fuhren die sich begegnenden Fahrzeuge so dicht nebeneinander, daß der Trecker in den Graben gedrückt wurde. Glücklicherweise kamen die Fahrer mit dem Schrecken davon. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt.
    26.10.1937 Gründungsversammlung des Vereins deutscher Schäferhunde. Die Schäferhundfreunde versammelten sich beim Sportkameraden Rickermann am Bahnhof. Der Vereinsführer Vogelsang begrüßte die Erschienenen, besonders die Vertreter der benachbarten Grevener Ortsgruppe. Nach Erledigung der eigentlichen Gründungsformalitäten gab der Leiter der Grevener Ortsgruppe, Darvinghaus, aus seiner langjährigen Erfahrung gute Ratschläge über die Organisation in der Fachschaft bekannt. Auch legte er in verblüffender Weise den Anwesenden die Anfangsarbeiten bei der Hundedressur klar. Auch in Bezug auf Pflege des Hundes, insbesonders in kranken Tagen, machte D. bedeutsame Ausführungen. Nach dem nun rege einsetzenden Frage- und Antwortspiel schloß der Vereinsführer die erste Versammlung der Schäferhundfreunde.
    29.10.1937 Der Kindergarten bleibt auch im Winter. Der Kindergarten ist eine Einrichtung, die gerade in Reckenfeld eine dankbare Aufgabe hat. Man soll der örtlichen Parteidienststelle hierfür Dank wissen, daß sie es verstanden hat, diese Einrichtung für die vielen kinderreichen Familien und besonders für die zahlreichen erwerbstätigen Mütter zu schaffen. Zweifler (innen) mögen sich einmal den Kindergarten ansehen, wie die Kleinen sich in diesen schönen hellen Räumen beim Deutschen Haus wohlfühlen. Die Kleinen werden hier schon zur Gemeinschaft erzogen. Es ist keine Verwahrschule früherer Zeiten, sondern ist schon eine Vorstufe für die spätere Grundschule. Auch die Verpflegung ist ausgezeichnet, selbst das unentbehrliche Mittagschläfchen genauso wie bei "Mutti" fehlt nicht. Die im Anfang herrschenden Mängel sind beseitigt. Die Leiterin des Kindergartens ist auf dem Gebiet der Kinderpflege und Erziehung eine bestens erprobte Kraft. Die irrige Ansicht, der Kindergarten sei nur bis zum 15. Oktober gedacht, entspricht nicht den Tatsachen; es hat sich als notwendig erwiesen, die Betreuung auch im Winter und darüber hinaus durchzuführen. Darum, Mütter, nehmt diese Einrichtung rege in Gebrauch, und sollte eines der Kinder launischerweise nicht wollen, es wird dort bald eines Besseren belehrt werden und freudig kommen wie all die anderen Kinder.
    29.10.1937 Versammlung der NSDAP. In Vertretung des verhinderten Ortsgruppenleiters eröffnete Pg. Rathert die Versammlung. Er gedachte zunächst des heute zu Grabe getragenen Pg. Duscha. Die Anwesenden ehrten den Toten durch eine Minute stillen Gedenkens. Dann begrüßte Pg. Rathert den Redner des Abends, den Kreis- bzw. stellvertretenden Gauschulleiter Pg. Coppenrath (Münster) sowie den Kreisgeschäftsführer Pg. Sauer. Ersterer ergriff sofort das Wort zu einer großangelegten Rede.
    29.10.1937 Kameradschaftsabend der NSDAP. Am morgigen Samstag, dem 30. Oktober, 20 Uhr, veranstaltet die Ortsgruppe der NSDAP im Deutschen Haus einen Kameradschaftsabend. Das Programm des Abends sieht u. a. Theater, Unterhaltung und Tanz vor. Zu dieser vergnügte Stunden versprechenden Veranstaltung sind Pg. und Parteianwärter nebst Frauen sowie SA, SS, HJ, die Frauenschaft und RAD freundlichst eingeladen.

    02.11.1937 Kameradschaftsabend der NSDAP. Der Abend im Deutschen Haus war ein ganzer Erfolg. Die zahlreich erschienenen Pg. wurden durch den Ortsgruppenleiter Bürgermeister Peters mit dem deutschen Gruß begrüßt. Sein Gruß galt auch dem anwesenden Amtsbürgermeister Vorndamme (Foto), Greven. Im Laufe des Abends erschienen ferner die Kreisamtsleiter Sprenger und Umlauf. In seiner Begrüßungsansprache gab er kurz einen Rückblick über das vergangene Jahr. Er dankte allen Mitarbeitern für die dem Führer geleistete Arbeit und hoffe, dass es im nächsten Jahre ebenso sein werde. Der Ortsgruppenleiter rechnete dann noch einmal mit den Meckerern ab. Die weitere Leitung des Abends übernahm dann Propagandaleiter H. Sander, die Ansage hatte Pg. Pingsten. Nach einigen Musikeinlagen stieg der sinnvolle Einakter betitelt: "Was wünscht der Herr". Dieses Stück beleuchtete die grundlose Meckerei in einem Fleischerladen und wie mit diesen Leuten umgegangen werden muss. Es folgte dann das Glanzstück des Abends, die hervorragenden Leistungen der Geschwister Fernholz, Münster, auf ihren Rollschuhen. Die Vorführungen wurden oft durch recht stürmischen Beifall unterbrochen.

    Für dieses Geschenk der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" gebührt derselben aufrichtigen Dank. Als nächster Einakter stieg dann "Die Gemeinderatssitzung mit glücklichem Ende". Auch hier wurden die Lachmuskeln der Anwesenden stark beansprucht. Dann folgten im Wechsel Tänze und gemeinschaftlich gesungene Lieder, und es war schon spät, als der schöne Abend sein Ende erreichte. Pg. Peters gibt noch bekannt, dass anständige, politisch unbescholtene Volksgenossen in die Partei aufgenommen werden können. Heute, Dienstag, dem 2. November, 20 Uhr, ist die große öffentliche Versammlung im Deutschen Haus. Auf der spricht Pg. H. Meinert, Münster. Sämtliche Parteianwärter erscheinen vorher 19.30 Uhr zu einer Besprechung. Wer beruflich oder anderweitig nicht kommen kann, meldet sich Mittwoch, 18 Uhr, in der Wohnung des Pg. Peters, Bahnhofstraße.

    02.11.1937 Und ist die Dienstzeit aus . . . Gut 100 Arbeitsdienstmänner haben ihre Dienstzeit beendet und fuhren wieder zu Muttern zurück, nachdem am Tage vorher die große Abschiedsfeier stattgefunden hatte. Nun ist es wieder etwas stiller geworden um das Reckenfelder Arbeitsdienstlager. Einige Arbeitsmänner sind schon eingetroffen, die volle Belegungsstärke wird am 1. November erreicht. So schaffen die braven Jungen auch ihr Teil für den Aufbau des Vaterlandes.
    02.11.1937 Opa Schortemeier 98 Jahr alt. Am heutigen Dienstag, 2. November, feiert der älteste Einwohner von Herbern und weiterer Umgebung in geistiger und körperlicher Frische seinen 98. Geburtstag. Aus seinem langen Leben erzählt Opa Schortemeier, daß er zuerst Schafhirt war. Am 19. Juli 1871 heiratete er, dieser Ehe entsprossen zwei Söhne. Durch fleißiges Arbeiten und Sparsamkeit erwarb er sich in der Bauerschaft Herbern in der Nähe der Wirtschaft Micheel ein schönes Eigentum und 15 Morgen Land. Opa Schortemeier ist nicht nur ein Veteran an Lebensjahren, sondern einer der ältesten Bezieher des MA. Seit dem Jahre 1875 liest er täglich auch noch heute mit großem Interesse den MA. Sch. ist zufrieden und kann noch sehr humorvoll sein. Mit Vorliebe sitzt er täglich in seinem Sessel in der frischen Luft und erfreut sich an dem Spiel seiner Urenkelkinder. Wir alle wünschen dem Opa zu seinem heutigen Geburtstag einen freundlichen und gesegneten Lebensabend, auch der MA gratuliert.
    02.11.1937 Kameradschaftsabend der NSDAP. Der Abend im Deutschen Haus war ein ganzer Erfolg. Die zahlreich erschienenen Pg. wurden durch den Ortsgruppenleiter Bürgermeister Peters mit dem deutschen Gruß begrüßt. Sein Gruß galt auch dem anwesenden Amtsbürgermeister Vorndamme, Greven. Im Laufe des Abends erschienen ferner die Kreisamtsleiter Sprenger und Umlauf. In seiner Begrüßungsansprache gab er kurz einen Rückblick über das vergangene Jahr. Er dankte allen Mitarbeitern für die dem Führer geleistete Arbeit und hoffe, daß es im nächsten Jahre ebenso sein werde. Der Ortsgruppenleiter rechnete dann noch einmal mit den Meckerern ab. Die weitere Leitung des Abends übernahm dann Propagandaleiter H. Sanders, die Ansage hatte Pg. Pingsten. Nach einigen Musikeinlagen stieg der sinnvolle Einakter betitelt: "Was wünscht der Herr". Dieses Stück beleuchtete die grundlose Meckerei in einem Fleischerladen und wie mit diesen Leuten umgegangen werden muß. Es folgte dann das Glanzstück des Abends, die hervorragenden Leistungen der Geschwister Fernholz, Münster, auf ihren Rollschuhen. Die Vorführungen wurden oft durch recht stürmischen Beifall unterbrochen. Für dieses Geschenk der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" gebührt derselben aufrichtigen Dank. Als nächster Einakter stieg dann "Die Gemeinderatssitzung mit glücklichem Ende". Auch hier wurden die Lachmuskeln der Anwesenden stark beansprucht. Dann folgten im Wechsel Tänze und gemeinschaftlich gesungene Lieder, und es war schon spät, als der schöne Abend sein Ende erreichte. Pg. Peters gibt noch bekannt, daß anständige, politisch unbescholtene Volksgenossen in die Partei aufgenommen werden können. Heute, Dienstag, dem 2. November, 20 Uhr, ist die große öffentliche Versammlung im Deutschen Haus. Auf der spricht Pg. H. Meinert, Münster. Sämtliche Parteianwärter erscheinen vorher 19.30 Uhr zu einer Besprechung. Wer beruflich oder anderweitig nicht kommen kann, meldet sich Mittwoch, 18 Uhr, in der Wohnung des Pg. Peters, Bahnhofstraße.
    02.12.1937 Kartoffelausgabe durch das WHW. Die Ausgabe der Kartoffeln an Hilfsbedürftige erfolgt am heutigen Dienstag, 2. November, für C bis D, am Donnerstag, 4. Nov. für A bis B. - Es wird pro Kopf 1 Zentner ausgegeben, Kinder unter 2 Jahren zählen nicht mit. Ferner müssen Säcke und pro Zentner 30 Pfg. Anerkennungsgebühr mitgebracht werden. Die Ausgabe der Kartoffeln erfolgt nur an solche Hilfsbedürftigen, welche nicht in der Lage sind, sich aus eigenen Mitteln diese zu beschaffen, oder aus eigenem Land hätten ziehen können.
    04.11.1937 Krankenpflegekursus der NS-Frauenschaft. Der Krankenpflegekursus findet wegen der Einweihung der Mütterschule in Greven in dieser Woche nicht am Donnerstag, sondern am Freitag, den 5. November zur gewohnten Stunde statt.
    04.11.1937 Aus dem Volksschuldienst ausgeschieden. Mit dem 1. November ist die Lehrerin Gertrud Bröking an der Volksschule 2 wegen Verheiratung aus dem Volksschuldienst geschieden. Sie war vier Jahre an der Schule tätig. Die Kinder sahen sie ungern scheiden. Die freigewordene Stelle ist noch nicht wieder besetzt.
    09.11.1937 Aus der Kriegerkameradschaft. Zum Monatsappell im Deutschen Haus erschienen zahlreich die alten Soldaten der Kameradschaft. Da alle pünktlich zur Stelle waren, ging man zur Erledigung der umfangreichen Tagesordnung über. Nachdem der Kassierer den Monatsobulus von den Kameraden erhielt, wurden die neuen Mitgliederkarten verteilt. Neuaufnahmen konnten wieder getätigt werden. Dann wurde das monatliche Pflichtschießen besprochen. Hierzu wurde besprochen, den Schießstand so in Ordnung zu bringen, damit dieser allen Anforderungen genügt. Mit Rücksicht auf die ständig steigende Mitgliederzahl ist die Beschaffung eines zweiten Gewehrs in Aussicht genommen worden. Zur Kontrolle der Schießleistungen werden Schießbücher verausgabt. Als Schießwart ist der bewährte Kamerad Bohnenkamp bestellt. Ferner wird eine Schießgruppe von 4 bis 8 Mann zusammengestellt, um bei Abberufungen zur großen Armee Ehrensalven zu schießen. Es ist Pflicht eines jeden Kameraden, an dem monatlichen Pflichtschießen teilzunehmen, im Verhinderungsfalle müssen die Übungen nachgeholt werden. Zur Fahnen- abordnung gehören in Zukunft als Fahnenträger Kamerad Heinrichs (Stellvertreter Deitmar). Zu Fahnenoffizieren wählte man die Kameraden Maus und Schulz. Für auswärtige Teilnahme wurde die Unkostenfrage ebenfalls geregelt. Der vorschriftsmäßige Anzug der Kriegerkameradschaft ist dunkler Anzug, schwarzer Binder, blaue Mütze und die Hakenkreuzbinde. Der Kameradschaftsführer gab dann noch bekannt, daß jeder unbescholtene, politisch einwandfreie Volksgenosse Mitglied der Kriegerkameradschaft werden kann. Das nächste Pflichtschießen für diesen Monat ist am Sonntag, dem 21. November, von 10 - 13 Uhr auf dem Schießstand bei Brinkmeyer. Ferner soll ein Trommler- und Pfeiferkorps zusammengestellt werden. Hierzu melden sich die Jungen der Kameraden beim Schießwart. Mit einem Sieg-Heil auf den obersten Kriegskameraden wurde der Appell abgeschlossen. Anschließend fand eine Filmvorführung des Kriegsfilmes "Der Kampf an der Weichselfront um Brest-Litowsk und Lyck" statt. Die einführenden Worte und die Erläuterung hierzu sprach Kamerad Fengler. Dieser Film ließ in seiner nahen Wirklichkeit manches eigene Erleben wieder wach werden. Und es war spät, als die alten Krieger sich trennten.
    10.11.1937 Und ihr habt doch gesiegt! Der große Saal des "Deutschen Hauses", der Totenehrung würdig geschmückt, war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Gedenkrede hielt der Schulungsleiter der hiesigen Gauschule Pg. Lüdken. Das Schlusswort sprach dann der Ortsgruppenleiter Pg. Peters. Er forderte alle Anwesenden im Hinblick auf die Toten der Bewegung auf, nicht nachzulassen in der Opferbereitschaft und Treue zum Führer, zum Wohle unseres Vaterlandes.

    11.11.1937 Eine Bitte an die Reichbahn. Die Bevölkerung Reckenfelds besteht zum größten Teil aus Berginvaliden und Kriegsbeschädigten, die aus dem Industriegebiet stammt. Es entsteht sehr oft die Notwendigkeit, die dort verbliebenen Kinder oder Angehörigen zu besuchen. Leider gibt es aber nur Sonntagsfahrkarten bis Münster. Da in Münster aber oft nur sehr wenige Minuten zum Umsteigen zur Verfügung stehen, ist es den alten Leuten und Kriegsbeschädigten nicht mehr möglich, rechtzeitig den Anschlußzug zu erreichen, weil im Bahnhofsraum erst die weitere Sonntagsfahrkarte gelöst werden muß. Sehr häufig ist dadurch der Anschlußzug versäumt worden, und die Verbitterung ist groß. Die Reichsbahn wird daher gebeten im Interesse aller, insbesondere der alten Invaliden und Kriegsbeschädigten für Abhilfe zu sorgen und die erforderlichen Sonntagsfahrkarten der hiesigen Fahrkartenausgabe zur Verfügung zu stellen. Für diesen "Dienst am Kunden" wären die Reckenfelder der Reichsbahn sehr dankbar. (Anm.: Am Fahnenmast hängt die Hakenkreuzfahne).
    12.11.1937 Bestandene Prüfung. Fräulein Denneborg, Lehrerin an der kath. Schule in Reckenfeld, bestand die zweite Staatsprüfung mit dem Prädikat "gut". Wir gratulieren.
    14.11.1937 Endlich der erwartete Regen. Nach der monatelangen Trockenheit erhielten wir in den letzten Tagen den ersehnten Regen. Es war höchste Zeit, da ein Teil der Brunnen, auf die hier jeder angewiesen ist, schon bereits trocken waren.
    15.11.1937 Ein lustiger Bubenstreich. Wie beliebt das Geschäft des Kaufmanns H. Schl. ist, erfuhren die Reckenfelder am Sonntagmorgen auf ihrem Weg zur Kirche. Dumme Jungen oder alkoholbenebelte, nicht zurechnungsfähige, Geister versuchten die Werbekraft der Schaufenster dadurch zu erhöhen, daß sie den Eingang zum Laden mit ca. 500 Ziegelsteinen kunstgerecht verbauten. In architektonischer Schönheit (der Baustil soll von einer Fachgröße noch näher bestimmt werden) baute man ein Kunstwerk auf, daß Beachtung verdient, zumal rechts und links mit Scheiben versehene Schaukästen nicht beschädigt wurden. Es hätte auch leicht Scherben geben können und Glasscherben würden diesen "Fachmännern" vielleicht Unglück gebracht haben.
    15.11.1937 Winterfest des Vereins der Ziegenzüchter. Die Mitglieder nebst Frauen versammelten sich recht zahlreich im Deutschen Haus zu einem gemütlichen Fest. Zu Beginn um 16 Uhr wurde zunächst für das leibliche Wohl in Form eines gemeinschaftlichen Kaffeetrinkens gesorgt. Die Bedeutung des Vereinszieles wurde durch die Anwesenheit des Ortsgruppenleiters der NSDAP Bürgermeister Peters unterstrichen. In seiner Ansprache betonte er, daß die Ziege als Kuh des kleinen Mannes nur durch planmäßige Zuchtauswahl der besten Tiere ihre gestellte Aufgabe im Rahmen des Vierjahresplanes voll und ganz erfüllen kann. Nachdem der Vereinsführer nochmals allen, besonders seinen Mitarbeitern, gedankt hatte, spielte die Dorfkapelle zum Tanz auf. Recht gemütliche Stunden verlebten die Anwesenden und zu schnell erreichte auch dieses Fest sein Ende.
    22.11.1937 Opa Schortemeier ist tot. Während die ganze Gemeinde am 2. November an dem 99. Geburtstag ihres ältesten Bürgers freudigen Anteil nahm, erfüllen wir nun die traurige Pflicht, mitzuteilen, daß Opa Schortemeier nach kurzem Krankenlager verschieden ist. Als ältester Bezieher dieser Zeitung hatten wir noch Gelegenheit, ihm zu seinem 99. Geburtstag zu gratulieren. Einige Tage darauf erkrankte er leicht und ließ eine Besserung erhoffen. Aber es sollte nicht sein; ein Rückschlag brachte dann diesem braven Manne nach einem arbeitsreichen Leben das Ende.
    22.11.1937 Vom Sportverein. Auf Vorschlag des Vereinsführers wurde der spielleitenden Stelle in Münster mitgeteilt, daß der Rasensport Reckenfeld gezwungen ist, seine Mannschaft von der Teilnahme an den weiteren Meisterschaftsspielen zurückzuziehen. Der Grund hierzu ist der Mangel an geeigneten Spielern. Im Interesse des Reckenfelder Sports ist der Grund zu diesem Schritt ein sehr bedauerlicher. Trotzdem der Vereinsführer Gahrens in treuer und selbstloser Weise nichts unversucht ließ, eine spielstarke Mannschaft zu erhalten, scheiterten diese Versuche wegen Mangels an Spielermaterial und an der wenig aktiven Betätigung seiner Mitarbeiter.
    23.11.1937 Siedlergemeinschaft Reckenfeld. Infolge der in der Umgebung vereinzelt auftretenden Maul- und Klauenseuche mußte die Monatsversammlung ausfallen. Darum fand eine Vorstandssitzung statt. In dieser wurden folgende wichtige Angelegenheiten besprochen. Zunächst die Maisbelieferung an Hühnerhalter. Bekanntlich erhält die Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft auf Anordnung des Reichsnährstandes denselben zugewiesen. Sobald der Mais ankommt, erhalten die Mitglieder sofort Bescheid. Also bitte etwas Geduld. Dann wird an die seit Februar d. J. bestehende Kleintierversicherung erinnert. Zahlreich sind bereits die Anmeldungen hierzu ergangen, doch kann im Interesse der Siedler nicht oft genug auf diese Einrichtung hingewiesen werden. Wer sich also vor größerem Schaden bewahren will, schließe die Kleintierversicherung ab. Der Herbst brachte wieder die gewohnte Arbeit. Recht zahlreich war wieder die Belieferung von Saatkartoffeln, Obstbäumen, Torf, Kunstdünger usw. Die Mitglieder waren mit den bereits erfolgten Lieferungen sehr zufrieden. - Nachdem wieder ein arbeitsreiches Jahr langsam zu Ende geht, soll nun nach getaner Arbeit ein Winterfest veranstaltet werden. Dieses Fest findet am Sonntag, dem 5. Dezember, im Saale B. Rickermann statt. Als Vertreter der Siedlergemeinschaft werden der Bauer Richter-Brockmann und der Bürgermeister Peters im Laufe des Abends einen Rechenschaftsbericht über das vergangene Jahr abgeben und die Mitglieder mit den Zukunftsaufgaben bekanntmachen. Einzelheiten über das Fest gehen den Mitgliedern rechtzeitig zu.
    24.11.1937 Vom Schützenverein. Die Schützenbrüder sind nun emsig dabei, den Schießstand bei Brinkmeyer wieder vollständig herzurichten. Zur weiteren Verschönerung sollen Tannenbäumchen angepflanzt werden, um die Natürlichkeit des Schießstandes zu wahren. Alles in allem wird nach Vollendung desselben den Schützenbrüdern sowie der Kriegerkameradschaft ein Musterschießstand zur Verfügung stehen. Das neue Kleinkalibergewehr ist bestellt und bald ist es so weit, daß die ersten Schüsse über den neuen Stand knallen. Daß die Schützenbrüder auch im Kampf gegen Hunger und Kälte nicht zurückstehen wollen, davon zeugt die Tatsache, daß eine Sammlung für das Winterhilfswerk unter den Mitgliedern ein schönes Ergebnis erbrachte. Der Vereinsführer Hermanns konnte dem örtlichen WHW ein nettes Sümmchen überreichen.
    24.11.1937 Vorsicht bei tragenden Tieren. Einen empfindlichen Schaden erlitt der Kötter R. von hier. Seine hochtragende Stute mußte in einem Kippkarren gehen. Notwendigerweise war dann auch das Zurücksetzen des vollen Karrens erforderlich. Daß dieses gerade für tragende Stuten höchstgefährlich ist, mußte der Kötter R. erfahren, denn am anderen Morgen lag das Fohlen tot im Stall. Also eine hochtragende Stute gehört nicht im Kippkarren.
    24.11.1937 Besitzwechsel. Das Siedlerhaus des Kriegsbeschädigten O. Ashauer ist durch Kauf in den Besitz des Bäckermeisters H. Heimsath (Foto) übergegangen.
    26.11.1937 Soldaten - Kameraden. Das am vergangenen Sonntag ausgefallene Pflichtschießen findet nun am kommenden Sonntag statt. Um auch weiteren Personen Gelegenheit zur Ausübung dieses schönen Sportes zu geben, veranstaltet die Kriegerkameradschaft Samstag, 27. November und Sonntag, 28. November, zugleich ein öffentliches Preisschießen. Der Beginn dieses Schießens ist morgen, Samstag, 6 Uhr auf dem Schießstand bei Brinkmeyer. Bekanntgabe der Sieger und Preisverteilung ist am Sonntagabend. Da sehr gute Preise ausgesetzt sind, ist jedem guten Schützen die Möglichkeit geboten, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.
    25.11.1937

    Leben und Treiben im Kinderheim. Jetzt ist die Zeit der kurzen Tage sowie des schlechten Wetters gekommen, da ist es an der Zeit, den Familien mit Kindern die Einrichtung der NSB in Erinnerung zu bringen. Gerade zu dieser Zeit wollen die Kleinen nicht im Hause bleiben und die Mütter haben neben den häuslichen auch noch diese Sorgen. In Erkenntnis dessen und auf Grund der vielen kinderreichen Familien sowie der berufstätigen Mütter, setzte sich der Ortsgruppenleiter der NSDAP in Verbindung mit der NSB für die Errichtung eines Kinderheimes ein. Es ist interessant, einmal den Tagesverlauf dieser Kleinen zu verfolgen. Punkt 9 Uhr morgens kommen die Mütter oder älteren Geschwister und bringen die Kleinen. Es herrscht sofort fröhliches Treiben und man hat den Eindruck, dass die Trabanten froh sind, der häuslichen Enge entwichen zu sein. Dann rollt ein systematischer Stundenplan ab. Zuerst werden die Händchen gewaschen, Zähne geputzt, dann gibt es zum Frühstück Milch, Kakao oder eine kräftige Suppe, es scheint wohl zu schmecken, denn eifrig wird "kapituliert".

    Bis zum Mittagessen werden die Kleinen zweckmäßig beschäftigt, z. b. basteln, bauen, o. ä. Treffen in den nächsten Tagen die Liegestühle ein, so wird nach dem Essen ein Stündchen geschlafen. Dann folgen allerlei Spiele, Erzählungen, Gemeinschaftsspiele, Singen usw. Mittlerweile wird es 16.30 Uhr: dann werden die Kleinen gewaschen und wieder abgeholt. Die nicht abgeholten Kinder werden von den Helferinnen fortgebracht. Berücksichtigt man, dass mit der Leitung die staatl. geprüfte Jugendleiterin Frl. Vahlenkamp sowie tüchtige Helferinnen betraut sind und an Schulgeld pro Kopf und Woche 0,30 RM zu zahlen sind, so kann den Abseitsstehenden nur empfohlen werden, ihre Kinder dorthin zu schicken. Zugleich wollen wir an dieser Stelle der von den Kindern so beliebten, erkrankten Tante Elisabeth baldige Gesundheit wünschen.

    29.11.1937 Soldaten u. Kameraden. Der Samstag und Sonntag stand im Zeichen des edlen Schießsports. Die Kriegerkameradschaft veranstaltete an beiden Tagen ein öffentliches Preisschießen. Mit Geschick wußten die Kameradschaftsführer durch recht gute Preise das Interesse bei den zahlreichen Liebhabern des Schießsports zu wecken. Dies brachte der Vereinsführer in seiner Ansprache denn auch zum Ausdruck. Im Anschluß an das Pflichtschießen nahm dann das Preisschießen seinen Fortgang. Heiß wogte der Kampf und recht oft mußte mit "Zielwasser" nachgeholfen werden. Trotz der zahlreichen "Fahrkarten" wurde dann am Schluß das Ergebnis dieses Wettstreits verkündet. Nach dem Stechen der gleichen Ringzahlen wurden dann die Namen der Sieger bekannt gegeben. Den 1. Preis erhielt Herr Bohnenkamp, 32 Ringe; 2. Deinaß, 32 R.; 3. Engelbrecht, 31 R.; 4. Rostek, 31 R.; 5. Schmücker, 29 R.; 6. Borkenhagen, 28 R.; 7. Nicodem, 28 R.; 8. Wilp, 26 R.; 9. Ashauer sen., 26 R.; 10. Ashauer jun., 24 R.; 11. Setto, 23 R.; Nach der Verteilung der ausgeschossenen Preise dankte der Vereinsführer allen für die über Erwarten zahlreiche Beteiligung. Dann blieben die alten Soldaten im gemütlichen Kreis noch lange vereint.
    29.11.1937 Hausflure beleuchten! Ein Sonderfall gibt Veranlassung, die Hausbesitzer darauf hinzuweisen, bei ein-brechender Dunkelheit die Hausflure zu beleuchten. Ein Reisender mit Kurzwaren verfehlte eine Stufe und stürzte die Treppe hinunter. Es gelang ihm noch, im Fallen das Geländer zu fassen, ohne ernstliche Verletzungen kam der Mann mit dem Schrecken davon. Der Hausbesitzer ist polizeilicherseits verpflichtet, bei anbrechender Dunkelheit für ausreichende Beleuchtung der Hausflure zu sorgen. Bei Nichtbeachtung dieser Vorschrift haftet der Hausbesitzer für den dadurch entstandenen Schaden in voller Höhe.
    29.11.1937 Obstbaumschädlinge bekämpfen! Nachdem nun die letzten Blätter von den Obstbäumen gefallen sind, läßt sich eine durchgreifende Vernichtung der Obstbaumschädlinge durchführen. Vor allem gegen die im letzten Jahr vereinzelt aufgetretenen Blutläuse, der Schaden dieser Schmarotzer ist besonders groß. Es empfiehlt sich daher, jetzt die Bäume mit einer 10 prozentigen Obstbaum-Karbolineumlösung recht kräftig zu spritzen, und zwar so, daß die Flüssigkeit am Stamm herunterläuft, das Spritzen ist Ende Februar noch einmal zu wiederholen. Gräbt man die Baumscheibe noch dazu grob um, damit der Frost kräftig wirkt, dann werden die Schädlinge im nächsten Jahr weniger zahlreich sein.
    01.12.1937 Vom Winterhilfswerk. Der neuernannte Ortsamtsleiter Bolte gibt in seiner erlassenen Verfügung folgendes bekannt: Ausgaben des WHW gleich welcher Art, werden nur an Erwachsenen mit der entsprechenden Ausweiskarte verabfolgt. Ohne Ausweis findet eine Abgabe von Sachwerten, Kohlenscheinen usw. nicht statt. Die unleidige Gewohnheit, zu diesem Zwecke Kinder zu schicken, hört damit auf, da an Kindern grundsätzlich nichts abgegeben wird. - Wir weisen jetzt schon auf die von Freitag, 3. Dezember bis Dienstag, 7. Dez. 1937 stattfindende Pfundsammlung hin. In Anbetracht des bevorstehenden Weihnachtsfestes wird die Bevölkerung gebeten, in ihrer Gebefreudigkeit nicht nachzulassen, damit auch den Betreuten des WHW ein wirkliches Weihnachten beschert wird. Reckenfelder, seid auch hier Nationalsozialisten in der Tat. Zum Einsammeln der Pfundspenden hat sich bisher die NS-Frauenschaft wieder bereit erklärt.
    02.12.1937 Nikolausfeier des Gesangvereins "Liedertafel". Wie im Vorjahr, beabsichtigt St. Nikolaus, dem Männergesangverein "Liedertafel" einen Besuch abzustatten. Er wird am Sonntag, 5. Dezember, 20 Uhr, im Vereinslokal Brinkmeyer die Sangesbrüder begrüßen und nach dem "Sündenkonto" des letzten Jahres entsprechende Geschenke verteilen, die ewig Unpünktlichen und nie Zeit besitzenden Sangesbrüder erhalten ein extra "Geschenk". Sankt Nikolaus bittet ferner, Sonntag vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Die erwachsenen Angehörigen der Mitglieder sind ebenfalls herzlich eingeladen. Kinder haben keinen Zutritt.
    02.12.1937 Morgen allgemeine Viehzählung. Morgen, Freitag, 3. Dezember, findet im Deutschen Reich eine allgemeine Viehzählung statt. Neben dem Großvieh werden Schafe, Schweine, Ziegen, Federvieh und Bienenstöcke gezählt. Gleichzeitig werden die in den Monaten September, Oktober, und November geborenen Kälber festgestellt und die in diesen Monaten vorgenommenen nicht beschauten Hausschlachtungen ermittelt. Außerdem sind die Bodenflächen, Garten, Wiese usw., die vom Viehhalter selbst bewirtschaftet werden, anzugeben. Die Erhebung dient statistischen Zwecken und die Angaben der Tierhalter unterliegen dem Amtsgeheimnis. Mit hohen Geld- und Freiheitsstrafen kann derjenige bestraft werden, der vorsätzlich eine Anzeige nicht erstattet oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht; auch kann Vieh, dessen Vorhandensein verschwiegen wird, im Urteil für "den Staat verfallen" erklärt werden. Um den ehrenamtlichen Zählern die Arbeit nicht unnötig zu erschweren, wird gebeten, sich schon heute über die erforderlichen Angaben klar zu werden und diese zu notieren. (Anm.: Möglicherweise wurde Janda (Foto) zu dieser Arbeit herangezogen, denn er war Viehzähler in Reckenfeld).
    05.12.1937 Von der NSKOV. Im Hinblick auf die Versammlungssperre gibt der Kameradschaftsführer folgendes bekannt: Mit der Dezemberausgabe der "Deutschen Kriegsopferversorgung" erhalten die Mitglieder der NSKOV ein Merkblatt mit den Bedingungen zum Abschluß einer zusätzlichen Sterbegeldversicherung. Die Verhandlungen der Reichsleitung mit einer größeren Versicherungsanstalt sind von Erfolg gekrönt. Es ist also allen Mitgliedern nebst Angehörigen möglich, auf Grund einer geringen Monatsprämie, welche mit dem monatlichen Beitrag eingezogen wird, eine Versicherungssumme beim Todesfalle sicherzustellen. Da nun die erforderlichen Antragsvordrucke eingegangen sind, wollen sich Mitglieder, die sich oder ihre Angehörigen versichern lassen möchten, umgehend beim Kameradschaftsführer Paul Bartmann, C 24a, melden.
    06.12.1937 Vom Tag der Solidarität. Wie im ganzen Reich, wurde auch hier am Tage der Solidarität von führenden Persönlichkeiten gesammelt. Zur Unterstreichung der Bedeutung des Tages zogen Arbeitsdienstmänner durch die Straßen und erinnerten sinnvoll an die Sammlung. Das Ergebnis der Sammlung ist ein sehr erfreuliches.

    06.12.1937 Ausgabe von Kohlescheinen. Der Ortsbeauftragte für das Winterhilfswerk gibt bekannt, daß die Kohlenscheine für den Monat Dezember für alle Betreuten am Donnerstag, dem 9. Dezember, ausgegeben werden. Die Ausgabe findet statt vormittags von 8.30 bis 12 Uhr, nachmittags von 15 bis 17 Uhr im NSB-Büro. Es wird gebeten, sich an diesem Ausgabetermin zu halten.
    06.12.1937 St. Nikolaus bei dem Männergesangverein "Liedertafel". Zu einer gemütlichen Nikolausfeier vereinten sich die Sangesbrüder mit ihren Angehörigen im Vereinslokal bei Brinkmeyer. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Feiern des Männergesangvereins "Liedertafel" stets in harmonischer und kameradschaftlicher Weise durchgeführt werden. Die fast vollzählig vereinten Sangesbrüder wurden dann auch von St. Nikolaus herzlich begrüßt. Für jeden hatte er durch seinen schwarzen Gehilfen bunte Tüten austeilen lassen. Der Nikolaus fand auch passende Worte für jeden Einzelnen, entsprechend dem Sündenkonto Lob oder Tadel. Bei seinem Abgang versprach er, im nächsten Jahr wiederzukommen. Es folgten dann gemeinschaftlich gesungene Lieder, Gesellschaftsspiele, und auch ein Tänzchen fehlte nicht. Noch recht gemütliche Stunden verlebten die Sangesbrüder, und es war schon spät, als die schöne Feier ihr Ende erreichte. Gleichzeitig machte der Vereinsführer auf die am Dienstag stattfindende Probe aufmerksam und bittet um pünktliches und zahlreiches Erscheinen. Auch können noch sangesfreudige Herren dem Verein beitreten.
    07.12.1937 St. Nikolaus im Kindergarten. Endlich war der Tag gekommen, auf den freudige Kinderherzen teils mit etwas Bangen und teils mit erwartungsvoller Freude sehnlichst gewartet hatten. Und so fanden sich die kleinen Schüler und Schülerinnen mit ihren Müttern gestern Nachmittag zur festgesetzten Zeit in den stimmungsvoll geschmückten Räumen des Kindergartens ein. Schon lange vor der festgesetzten Zeit sah man alle zum Kindergarten eilen. Pünktlich nahm dann die Nikolausfeier ihren Anfang. Unter dem Lied "Nikolaus komm in unsere Haus", von den Kleinen kräftig gesungen, hielten St. Nikolaus und Knecht Ruprecht ihren Einzug im Reckenfelder Kindergarten. An einem eigens für ihn geschmückten Tisch nahm der liebe Mann Platz. Aus seinem Goldenen oder Schwarzen Buch, je nach Führung, wußte er zum Erstaunen der Kinder die guten und schlechten Eigenschaften der Kleinen. Aber es ging diesmal noch gnädig ab. Dann zeigten die Kleinen dem Nikolaus, was sie schon alles gelernt haben. Besonders das Spiel mit den Zwergen schien ihm besonders gut zu gefallen; auch über die übrigen Spiele, Gedichte und Lieder freute er sich sehr. Zur Belohnung verteilte St. Nikolaus seine Gaben. Jedes Kind erhielt eine bunte Tüte und entsprechendes Spielzeug. Mit dem Liede "Der Nikolaus ist ein braver Mann" dankten freudige Kinder für ihre Geschenke. Bevor der Nikolaus seine Weiterreise antrat, versprach er allen, im nächsten Jahre wiederzukommen. Dann ergriff der anwesende Ortsgruppenleiter der NSDAP, Bürgermeister Peters, das Wort. In seinen Ausführungen wußte er zunächst Dank denjenigen, die durch ihre aufgewandten Mühen, sei es durch reichliche Spenden oder durch das Einüben der Kleinen, wesentlich zur Verschönerung der Feier beigetragen haben. Er gab seiner Hoffnung dahingehend Ausdruck, daß es im nächsten Jahre noch besser werden soll. Es wird alles getan werden, um diese segensreiche Einrichtung immer mehr zu verbessern.
    08.12.1937 Ein Wort an unsere Hausfrauen. "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!" Dieses Sprichwort, das schon im alltäglichen Leben seine große Bedeutung hat, gilt insbesondere für die Weihnachtszeit. Der Kaufmann möchte dich so gern in aller Ruhe und mit Sorgfalt bedienen. Dies ist ihm natürlich in den Hauptgeschäftsstunden von 17-19 Uhr bei dem lebhaften Weihnachtsgeschäft, welches jetzt in Münster herrscht, gar nicht möglich. Sei deshalb so gut, in den stilleren Vormittagsstunden zu erscheinen. Der Kaufmann und seine Mitarbeiter stehen dir zur Verfügung, können reichhaltige Auswahl vorlegen und dich in allen Dingen gut beraten. Verschiebe vor allen Dingen nicht - dieses gilt natürlich auch für die Männerwelt die Einkäufe bis in die letzten Tage vor Weihnachten. Wenn du ein Stück nicht in der richtigen Form oder Farbe findest und eine Nachbestellung wünschest, so läßt sich das jetzt noch sehr gut arrangieren, aber kurz vor Weihnachten können von den Fabrikanten Sendungen nicht mehr neu angefordert werden. Der frühzeitige Einkauf vor Weihnachten bedeutet natürlich auch eine Rücksichtnahme auf die gerade in diesen Wochen so stark angespannten Verkäufer und Verkäuferinnen, die wahrlich eine riesige Aufgabe zu bewältigen haben. Man macht auch die Erfahrung, daß in dem Nachmittagsgedränge in den Geschäften sich so viel Kinderwagen durch die Menge schieben. Manche Mutter hat nicht die Möglichkeit, ihr Kind, weil der Vater auf Arbeit ist, zu Hause verwahren zu lassen und ist deshalb gezwungen, Kind und Wagen zum Einkauf mitzunehmen. Gerade für solche Fälle gilt unser Vorschlag, den Einkauf nicht in den Hauptgeschäftszeiten zu tätigen, sondern an den stilleren Vormittagen. Zum Weihnachtseinkauf gehört nun einmal Freude und Ruhe! Zeitig kaufen, das ist wichtig, dann ist auch die Auswahl richtig!
    08.12.1937 Von der Feuerlöschpolizei. Bei der letzten Übungsstunde fand die Ausgabe der Dienstuniform statt. Die nächste Übungsstunde ist heute Abend von 20-22 Uhr im Deutschen Haus. Der Brandmeister bittet um pünktliches und vollzähliges Erscheinen.
    08.12.1937 Schulfußball Gruppe Reckenfeld - Saerbeck. Die Spiele im Schulfußball um die Meisterschaft der Gruppe Reckenfeld ? Saerbeck sind zum Abschluß gekommen. Es kämpften die Mannschaften der beiden Reckenfelder Schulen, der Schulen in Saerbeck, Sinningen und Herbern-Westerode. Erfreulich war bei allen Spielen der Schneid und das Draufgängertum aller Mannschaften, wenn auch in technischer Hinsicht manches zu bemängeln war. Es wurde frischfröhlich gekämpft und allen Jungen sind die Spiele wohl Ansporn zu neuen Taten geworden. Als deutlicher Sieger stellte sich die Mannschaft der Evangel. Schule Reckenfeld heraus. Sie behauptete bis zum Schluß ungeschlagen die Tabellenspitze. Das ungemein hohe Torergebnis (16:4) unterstreicht noch die Leistung dieser Mannschaft. Hoffen wir, daß bei den Kämpfen um den Kreismeister die Mannschaft mit demselben Elan kämpft, dann wird ihr bestimmt ein ehrenvolles Abschneiden beschieden sein. Im Folgenden die Tabelle:
    Mannschaft Spiele gewonnen unentschieden verloren Punkte
    Reckenfeld evangelisch 8 8 0 0 16:0
    Reckenfeld katholisch 8 5 1 2 11:5
    Saerbeck 8 3 2 3 8:8
    Sinningen 8 2 1 5 5:11
    Westerode 8 0 0 0 0:16
    12.12.1937 Von der Kriegerkameradschaft. Von dem dieser Tage stattgefundenen gut besuchten Monatsappell ist zu berichten, daß die Weihnachtsfeier der Kameradschaft am 8. Januar stattfindet. - Näheres erfolgt rechtzeitig an dieser Stelle. - Der Film vom letzten Manöver der Kriegskameradschaften hat so gut gefallen, daß derselbe auf allgemeinen Wunsch noch einmal gezeigt wird. Auch hierfür erfolgt an dieser Stelle näherer Bescheid. Vom Winterhilfswerk. Die Pfundsammlung für den Monat Dezember ist nun mit dem heutigen Tag abgeschlossen. Das Ergebnis ist ein sehr gutes und im Hinblick auf das bevorstehende Weihnachtsfest besonders dankbar zu begrüßen. Allen Gebern, aber auch der NS-Frauengemeinschaft für ihre Mithilfe herzlichen Dank. Diejenigen, welche ihre Kohlengutscheine für den Monat Dezember noch nicht abgeholt haben, wollen dieselben während der Dienststunden im NSB-Heim umgehend abholen. Am kommenden Sonntag ist wieder Eintopfsonntag. Wir bitten, wieder ein wirkliches Opfer zu bringen um die Not der minderbemittelten Volksgenossen gerade zum Weihnachtsfest erträglich zu gestalten.
    12.12.1937 Gesundheitssprechstunde. Die Mütterberatungs- und Gesundheitssprechstunde für den Monat Dezember findet am 17. Dezember, nachmittags 15 Uhr, in der kath. Schule am Dorfplatz statt. Das staatliche Gesundheitsamt für den Landkreis Münster bittet, diese Einrichtung rege in Anspruch zu nehmen.
    17.12.1937 Ausgabe des Winterhilfswerks. Der Ortsbeauftragte für das Winterhilfswerk gibt folgendes bekannt: Die Ausgabe von Lebensmitteln und Kleidung findet statt: Für die Bauerschaften Aldrup, Hembergen, Herbern und Westerode Montag, 20. Dezember von 12 bis 17 Uhr; für die Reckenfelder Ortsteile A und B Dienstag, 21. Dezember, von 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 14 bis 17 Uhr, für den Ortsteil C und D Mittwoch, 22. Dezember zur selben Zeit wie am Vortage. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß zu der Ausgabe die Ausweiskarten mitzubringen sind. Zur reibungslosen Abwicklung und mit Rücksicht auf die umfangreiche Ausgabe wird empfohlen, zu diesem Zwecke eine geräumige Einkaufstasche, für mehr als fünfköpfige Haushaltungen deren zwei mitzubringen. Die Ausgabetermine sind im eigenen Interesse grundsätzlich einzuhalten; wer den Ausgabetermin versäumt, läuft Gefahr, leer auszugehen.
    17.12.1937 Helft Freude spenden. Die nationalsozialistische Jugend kämpft und opfert bei ihrem Generaleinsatz für das Winterhilfswerk vom 17. bis 19. Dezember. Hast auch du schon eine Märchenfigur erworben
    17.12.1937 Morgen Ausgabe der Haushaltsnachweise. Morgen, Dienstag, den 21. Dezember, müssen die Haushaltsnachweise ausgefüllt in die Gauschule (früher Wilde) für die Buchstaben A-L vormittags von 8.45 - 12.30 Uhr, von M-Z nachmittags von 14-18 Uhr abgegeben werden. Die ausgefüllten Anträge können nur von solchen Personen abgegeben werden, die in allen Teilen betr. der Fettversorgung des Haushalts Auskunft geben können. Wer diesen Annahmetermin versäumt, läuft Gefahr, den Weg nach Greven zu machen und am 1. Januar n. J. nicht in den Genuß verbilligter Fette zu gelangen.
    22.12.1937 Volksweihnachten in Reckenfeld. Wie alljährlich werden im ganzen Reich am kommenden Donnerstag von den Ortsgruppen der NSDAP in enger Zusammenarbeit mit dem Winterhilfswerk Volksweihnachten abgehalten. Die Ortsgruppe Reckenfeld veranstaltet diese Feier um 15.30 Uhr im Deutschen Haus für alle Kinder der vom WHW betreuten Familien, im Alter von 6 - 14 Jahren.

    21.12.1937 Die ersten Ferien. Morgen, Mittwoch, haben die kleinen Schüler und Schülerinnen im Kindergarten zum Abschluß des Jahres eine kleine Weihnachtsfeier daselbst nur für die Kleinen. Und dann geht es in die Ferien bis Freitag, den 7. Januar 1938. Die Zwischenzeit wird dazu benutzt werden, Instandsetzungsarbeiten auszuführen.
    27.12.1937 Ein schönes Weihnachtsgeschenk. Die Bevölkerung Reckenfelds wurde am Vorweihnachtstag durch ein schönes Festgeschenk erfreut. Die Uhr für die kath. Kirche ist nun wohlverpackt angekommen. Mit der Montage der neuen Turmuhr wird, wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt, morgen, Dienstag, begonnen werden. Silvesternacht um 12 Uhr soll sie zum ersten mal schlagen. Es sei daher an dieser Stelle der Wunsch ausgesprochen, daß die Zeiger der neuen Uhr allen Bewohnern Reckenfelds ein glückliches neues Jahr und darüber hinaus stets nur glückliche Stunden anzeigen mögen. Für die wesentliche Verschönerung des Dorfplatzes danken die Reckenfelder den maßgeblichen Stellen, insbesondere Herrn Rektor Lessel für dieses Geschenk.
    29.12.1937 Die Ausgabe der Reichsverbilligungsscheine für Speisefette, der Bezugsscheine für Konsummargarine und der Zusatzscheine zum Bezug von Konsummargarine erfolgt morgen, Donnerstag, den 30. Dezember, im NSB-Büro (Deutsches Haus). In der Zeit von 9 bis 12.30 Uhr erfolgt die Ausgabe für die Buchstaben A bis einschließlich L, von 14 bis 18 Uhr für die Buchstaben M bis einschließlich Z. - Diejenigen Bezugsberechtigten, die obige Termine aus irgendeinem Grunde nicht einhalten können, können diese Scheine nur am Dienstag einer jeden Woche vormittags auf dem Amte, Zimmer 7, in Empfang nehmen. Als Unterlagen sind Familienstammbuch und die Einkommensnachweise sämtlicher im Haushalt befindlichen Personen vorzulegen. Ohne diese Unterlagen werden keine Fettscheine verabfolgt. Die Fettscheine werden nur gegen persönliche Empfangsbestätigung ausgehändigt.
    29.12.1937 Von der NSKOV. Der Kameradschaftsführer Pg. Bartmann gibt bekannt, daß zum Jahresschluß die vollgeklebten Mitgliedsbücher eingezogen werden. Es liegt daher im Interesse jedes einzelnen, Sorge zu tragen, daß alle Marken restlos eingeklebt vorhanden sind. Wer diese Anordnung nicht befolgt, läuft Gefahr, von der Sterbegeldzahlung ausgeschlossen zu werden. Im Zusammenhang hiermit sei noch einmal auf die Zusatz-Sterbegeldversicherung hingewiesen. Anträge können nach wie vor beim Obengenannten gestellt werden. Im Übrigen wünscht der Kameradschaftsführer seinen Kameraden, Kameradenfrauen und Kriegerhinterbliebenen ein glückseliges neues Jahr.
    30.12.1937 Meister Lampe geht es an den Kragen. Wie an den Tagen vor Weihnachten, sind auch jetzt wiederum die Jagdberechtigten dabei, sich einen Festtagsbraten zu erschießen. In den Feldern und Wäldern um Reckenfeld knallt es daher mehr als gewöhnlich, ist es doch nach dem letzten Schneefall besonders reizvoll, diesen Jagdsport auszuüben. Neben dem hier zahlreich vertretenen Wild wird besonders auch Meister Lampe daran glauben müssen, um seiner Bestimmung gemäß sich als Festtagsbraten zu präsentieren.
    02.01.1938 Kriegsopfer sammeln. Die Gaustraßensammlung am Freitag und Samstag wird, wie im Vorjahre, von den Kriegsopfern und der Kriegerkameradschaft durchgeführt. Viere Jahre kämpften unsere Feldgrauen gegen den äußeren Feind. Jetzt wollen sie beweisen, daß sie auch im friedlichen Kampf gegen Hunger und Kälte die Kämpfer von einst geblieben sind. Hilf auch du mit und spende!
    04.01.1938 Ausgabe von Kohlengutscheinen. Die Ausgabe für den Monat Januar durch das WHW findet morgen Mittwoch, den 5. Januar, vormittags von 8.30 bis 12 Uhr statt. Die Ausgabe erfolgt nur zum genannten Termin, nachmittags ist das Büro wegen Abschlußarbeiten geschlossen.
    07.01.1938 Kameradschaftsabend der Kriegerkameradschaft. Morgen, Sonnabend, den 8. Januar, findet im "Deutschen Haus" der Appell der Kriegerkameradschaft statt. Zu diesem Appell sind auch die Frauen der Kameraden herzlichst eingeladen. Anschließend folgt der gemütliche Teil. Das vorliegende Programm verzeichnet zahlreiche Überraschungen. Es darf wohl erwartet werden, daß alles und pünktlich zur Stelle ist.
    07.01.1938 Siedlergemeinschaft Reckenfeld. Dem Vereinsführer ist es nun gelungen, den erforderlichen Mais für die Hühnerhalter der Siedlergemeinschaft sicherzustellen. Leider läßt sich die Tatsache feststellen, daß die Hühnerhalter den bekanntgegebenen Ausgabetermin nicht einhalten. Um sich unnötige Wege zu sparen, wird daher nochmals darauf aufmerksam gemacht, unbedingt die Ausgabezeiten einzuhalten. Außer dieser Zeit wird nun grundsätzlich kein Mais mehr ausgegeben.
    09.01.1938 Dem Wort folgt die Tat. Die Siedlungsgesellschaft versprach den Siedlern im vorigen Herbst, die Straßen Reckenfelds wieder in Ordnung zu bringen. Nun laufen täglich einige Eisenbahnwagons mit Hochofenschlacke, Splitt und Asche ein, die von den Gemeindearbeitern und Helfern der Siedlergemeinschaft abgeladen werden. Die Materialien werden bis zum Frühjahr gelagert, da dann die Straßeninstandsetzung beginnt. Inzwischen werden die zahlreichen Eisenbahnwagen mit Steinen ankommen, so daß im Frühjahr das erforderliche Material vorhanden ist. Ein wirklich langgehegter Wunsch der Reckenfelder Bevölkerung geht also im neuen Jahr endlich in Erfüllung!
    09.01.1938 Für den, den es angeht. Im neuen Jahr ist morgen der erste Eintopfsonntag. Das Ergebnis der Eintopfspenden im vergangenen Jahr war recht erfreulich, es soll aber im neuen Jahr noch besser werden. Leider ist bei der Durchsicht der Spendenlisten festzustellen, daß verschiedene Kreise der Bevölkerung immer noch nicht den wahren Sinn dieser Spenden erkannt haben und mit der geringstmöglichen Gabe gerade nach der untersten Grenze ihrer Pflicht genügen. Auch hier muß grundlegend Wandel geschaffen werden. Wer in der Lage ist, eine höhere Spende zu zeichnen und seiner Pflicht mit einem Achselzucken oder mit einer Spottgabe genügt, schadet der Volksgemeinschaft.
    09.01.1938 Versammlungen können wieder stattfinden. Nachdem nun glücklicherweise der Umfang der Maul- und Klauenseuche eine stark absteigende Tendenz aufweist und die Gefahr der Übertragung dieser verheerenden Seuche auf ein Mindestmaß beschränkt ist, wird der über Reckenfeld verhängte Sperrbezirk als solcher aufgehoben und als Beobachtungsgebiet erklärt. Aus diesem Grunde ist das Versammlungsverbot für Reckenfeld aufgehoben. Es können daher Versammlungen wieder in gewohnter Weise stattfinden. - Im Zusammenhang hiermit sei mitgeteilt, daß das aus obigen Gründen schon mehrfach verschobene Jahresfest der Siedlergemeinschaft nunmehr bestimmt am Sonntag, dem 16. d. Mts. bei Rickermann am Bahnhof stattfindet. Nähere Einzelheiten hierüber erfolgen rechtzeitig an dieser Stelle.
    11.01.1938 Kameradschaftsabend der Kriegerkameradschaft. Im festlich geschmückten Saal des "Deutschen Hauses" fand der erste Kameradschaftsabend unter der neuen Führung statt, verbunden mit einem Appell. Dieser Abend, im Gegensatz zu den Feiern der Kameradschaft der früheren Führungen, war ein Kameradschaftsabend im wahrsten Sinne des Wortes. In seiner Begrüßungsansprache unterstrich dann der Kameradschaftsführer den Gedanken solcher Feste. Er gab einen Rückblick über die seit seiner Übernahme im Herbst vorigen Jahres geleistete Arbeit. Es muß festgestellt werden, daß hier nun endlich Wandel in der "unkameradschaftlichen Vereinigung" geschaffen wurde und jetzt so gearbeitet würde, wie es einer wirklichen Kameradschaft geziemt. Mit Befriedigung nahmen die zahlreich erschienenen Kameraden Kenntnis hiervon. Dann gab der Kassenwart Bolte eingehend den umfangreichen Kassenbericht bekannt. Auch hier nahm die Überzeugung Platz, daß alles in bester Ordnung ist. B. gab dann noch bekannt, daß die Beiträge bei jedem Monatsappell zu zahlen sind.

    Anschließend machte der Vereinsführer noch grundlegende Ausführungen über die weiteren Aufgaben der Kameradschaft. Vor allem betonte er, wollen wir die Kameradschaft pflegen, wie man es von wirklichen Kameraden verlangen kann. Zu diesem Zwecke sollen regelmäßig derartige Abende mit den Frauen der Kameraden stattfinden. Auch die Gründung eines Sonderfonds als Sterbekasse fand reichen Beifall. Es soll so gehandhabt werden, daß jedes Mitglied 1 Mk. vierteljährlich in diesem Fonds einzahlt. In sozialer Hinsicht erhält die Frau beim Ableben ihres Mannes eine wirksame Unterstützung. Auch diejenigen, welche bereits versichert sind, schließen sich in kameradschaftlicher Weise dieser Kasse an. Einer für alle, alle für einen. Nach einem Musikstück trugen die Kinder des Kameraden Fengler (Foto) sinnvolle Gedichte vor, die auch sprachlich gut gebracht wurden. Sie ernteten reichen Beifall. Kamerad Fengler gedachte mit passenden Worten der Gefallenen des Weltkrieges. Schweigend ehrten die Anwesenden die Toten, während leise das Lied vom guten Kameraden erklang. Damit war der Kameradschaftsappell beendet, es folgte dann der Kameradschaftsabend bei guter Musik und Tanz. In recht vergnügter Stimmung blieben die Kameraden mit ihren Frauen noch lange zusammen vereint. - Der nächste Monatsappell findet beim Kameraden Rickermann am Bahnhof statt.
    11.01.1938 Wie steht es mit der Altmaterialsammlung. Infolge der vergangenen Festtage war der Verbrauch an Konserven naturgemäß größer als an anderen Tagen. Die leeren Dosen liegen nun herum und warten auf das Abholen. Es wäre daher zu begrüßen, wenn die HJ wieder einmal eine Sammelaktion für derartige Sachen durchführen würde. Die HJ wird wieder mit Eifer die Ecken säubern, damit alles wieder im Sinne des Vierjahresplanes zweckmäßig verwandt wird.
    11.01.1938 Vom Kindergarten. Gestern Morgen um 9 Uhr öffneten sich wieder die Pforten für die kleinen Schüler und Schülerinnen. Die Weihnachtsferien wurden dazu benutzt, die Räume instandzusetzen. Von dem Grundsatz, freundliche Räume gerade für die Kinder zu schaffen, wurde ausgiebig Gebrauch gemacht. Die schönen, hellen Räume, die mit einem freundlich gehaltenen Anstrich versehen wurden, lassen sofort eine vergnügte Stimmung unter den Kleinen aufkommen. Die Mütter sind nun wieder froh, ungestört ihrer Hausarbeit nachgehen zu können. Die Betreuung im Kindergarten bedeutet eine wesentliche Entlastung und die Kleinen sind dort sehr gut aufgehoben. Eltern, schickt aber Eure Kinder pünktlich zum Kindergarten!
    13.01.1938 Ausstellung "Weltfeind Bolschewismus". Wir weisen schon heute auf die am Mittwoch, den 26. d. M. im großen Saale des Deutschen Hauses stattfindende Ausstellung "Weltfeind - Bolschewismus" hin. Wem die früheren Verhältnisse Reckenfelds bekannt sind, wird diese Maßnahmen der Gaupropagandaleitung nur begrüßen. Die Ausstellung zeigt uns die erschütternde Wirklichkeit dieser roten Weltgefahr und des Sowjetparadieses und ist in dieser Gegensätzlichkeit zur gesunden nationalsozialistischen Weltanschauung erst recht geeignet, im günstigen Sinne auf den Besucher einzuwirken. Die Blockwarte der NSDAP werden jetzt schon mit dem Verkauf einer Broschüre, den Führer durch die Ausstellung, beginnen. Das Heft kostet 20 Pfg. und der Erwerb dieses Heftes berechtigt zugleich zum Eintritt dieser Ausstellung. Es ist wohl zu hoffen, dass keiner diese Gelegenheit versäumt, sich von den Auswirkungen dieser wahnsinnigen Menschengeißel "Bolschewismus" persönlich zu überzeugen.
    16.01.1938 Lehrerinnenstelle neu besetzt. Mit der Verwaltung der freien Lehrerinnenstelle an der Volksschule II ist Fräulein Gertrud Heitkamp aus Münster beauftragt worden. Wir wünschen Fräulein Heitkamp in ihrem neuen Wirkungskreis einen recht guten Erfolg.
    16.01.1938 Schulungsabend der NSDAP. Heute, Samstag, 15. Januar, ist um 20 Uhr, beim Pg. B. Rickermann, am Bahnhof, der monatliche Schulungsabend sämtlicher politischen Leiter der Ortsgruppe der NSDAP. Restloses und pünktliches Erscheinen ist Pflicht.
    16.01.1938 Vater und Sohn vor dem Richter. Als der 31jährige J. B. aus Reckenfeld am 1. November vorigen Jahres aus der Strafanstalt heimkehrte, fand er nicht gleich den nötigen Anschluß an ein geordnetes Leben. Er überredete seinen Vater, mit ihm nach Leer im Kreis Steinfurt zu gehen und von einem Bauer ein paar Sack Hafer zu erbitten. Der Sohn fuhr vor und als der Vater eintraf, stand der Hafer schon fertig, den der Sohn inzwischen "besorgt" hatte. Gemeinschaftlich brachten sie die Diebesbeute nach Hause. Für den Diebstahl erhielt der Sohn nun eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 6 Monaten, der Vater eine Strafe von 8 Monaten Gefängnis.
    16.01.1938 Schulungsabend der NSDAP. Heute, Samstag, 15. Januar, ist um 20 Uhr, beim Pg. B. Rickermann, am Bahnhof, der monatliche Schulungsabend sämtlicher politischen Leiter der Ortsgruppe der NSDAP. Restloses und pünktliches Erscheinen ist Pflicht.

    17.01.1938 Jahresfeier der Siedlergemeinschaft. Am gestrigen Sonntagnachmittag fand im feierlich geschmückten Saale des Wirtes B. Rickermann die Jahresfeier der Siedlergemeinschaft statt. Zu Beginn begrüßte der Vereinsleiter H. Sander die recht zahlreich Erschienenen, insbesonders den Vertreter des Landrates und der Siedlergemeinschaft, Richter-Brockmann, sowie den Ortsgruppenleiter der NSDAP, Bürgermeister Peters. Nachdem das auf den Führer ausgebrachte Sieg-Heil sowie die Nationallieder verklungen waren, gab der Vereinsleiter einen Rechenschaftsbericht des vergangenen Arbeitsjahres und sprach über die Zukunftsaufgaben. Den sehr klaren und verständlichen Ausführungen folgte die Ansprache des Vertreters des Landrates und der Siedlungsgesellschaft Münster-Land. Zunächst übermittelte dieser die Grüße des Landrates. Im weiteren Verlauf seiner Rede zeigte er die für Reckenfeld so segensreiche Arbeit der Siedlungsgesellschaft in den letzten 5 Jahren, sowie die noch geplanten Arbeiten auf. Welch ein Gegensatz zu der früheren Eisenhandelsgesellschaft, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht war. (Foto-Ausschnitt: Kosten eines Schuppens) Die Siedlungsgesellschaft dagegen verwendet die Einnahmen zu noch nötigen Verbesserungen und zum Aufbau Reckenfelds. Es kann keinem mehr unbekannt sein, daß in den letzten 5 Jahren Bedeutsames in dieser Beziehung geleistet wurde.
    18.01.1938 Die so vordringliche und unbedingte Lösung des Entwässerungsproblems ist nunmehr durch Inanspruchnahme des Reichsarbeitsdienstes gelöst. Die nächste Aufgabe besteht darin, für passierbare Straßen zu sorgen. Der Anfang sei gemacht, und auch diese Arbeit soll zur allgemeinen Zufriedenheit ausgeführt werden.
    18.01.1938 Auch die Errichtung des Sportplatzes bei Leihsing und größere Landkultivierung sind durch die Initiative der Siedlungs-gesellschaft entstanden. Die angegebenen Zahlen über die Kosten der vergangenen Jahre vermitteln ein anschauliches Bild über die gewaltigen Leistungen dieser Gesellschaft. Alles in allem wird hier im Interesse der Gartenstadt plan- und zielvoll gearbeitet. Und wenn die Meckerer diese Leistungen nicht einsehen wollen, so wird man eben über diese Unverbesserlichen hinwegsehen müssen. Sein besonderer Dank galt dem Führer, der auch den Aufstieg Reckenfelds durch den Aufschwung des Reiches ermöglichte. Nach dem lebhaften Beifall dankte der Vereinsleiter dem Redner noch besonders für seine interessanten Ausführungen. Nun folgte der Unterhaltungsabend. Recht gemütlich ging es zu. Nachdem das erste Tänzchen vorüber war, folgte das lustige Theaterstück "Damenvisite, oder ein lustiger Dorfklatsch". Wahre Lachsalven donnerten durch den Saal. Im weiteren Verlauf des Abends stieg dann noch der Einakter "Was wünscht der Herr". Das Stück zeigt den unverbesserlichen Meckerer, dem weder zu raten noch zu helfen ist. Es folgten ferner humoristische plattdeutsche Vorträge im Wechsel mit Tanz und Musikstücken. Der Abend nahm den erwünschten Verlauf und noch oft werden die Siedler an diesen gemütlichen Abend zurückdenken.
    18.01.1938 Heimnachmittag der Jungmädel. Nach Beendigung des vom Reichsjugendführer angesetzten Gesundheitsurlaubes findet morgen der Heimnachmittag der Jungmädel statt. Es wird erwartet, daß alle Jungmädel pünktlich zur Stelle sind.
    19.01.1938 Sprechstunden Mutter und Kind. Die Leiterin der örtlichen Dienststelle Mutter und Kind gibt bekannt, daß die Sprechstunden dieser jeden Dienstag, von 14.30 bis 17.30 Uhr, in der Wohnung beim NSB-Büro stattfinden. Die ärztlichen Bescheinigungen über die Gewährung von Milch können daselbst abgegeben werden. Im Sinne dieser Einrichtung ist es erwünscht, daß sich die Mütter vertrauensvoll an die Leiterin wenden mögen, die im Bedarfsfalle jeder Mutter mit Rat und Tat zur Seite steht. Da die Leiterin außer dieser Dienststelle noch zahlreiche weitere Aufgabengebiete zu betreuen hat, wird, um Überlastung zu vermeiden, gebeten, sich genau an diese Sprechstunden zu halten.
    20.01.1938 Große öffentliche Versammlung. Im Rahmen der Großaktion der von der Gauleitung Westfalen-Nord durchgeführten öffentlichen Versammlungen findet in Reckenfeld am kommenden Sonntag, dem 23. Januar, um 20 Uhr im Deutschen Haus die öffentliche Versammlung statt. Es spricht der Reichsredner Pg. Pfarrer a. D. Münchmeyer.
    20.01.1938 Ausstellung Weltfeind Bolschewismus. Nicht ganz acht Tage trennen uns von der Ausstellung Weltfeind Bolschewismus. In verschiedenen Orten des Gaugebietes Westfalen-Nord, wo diese bereits gezeigt wurde, war ein voller Erfolg zu verzeichnen. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Ausstellung erwarten wir von Reckenfeld ein gleiches Ergebnis. Die Nachfrage nach der zum Eintritt berechtigten Broschüre ist groß, und wer noch nicht in ihrem Besitz ist, wende sich dieser halb an den nächsten Blockwart der NSDAP. Die Ausstellung mit ihrem reichhaltigen Material vermittelt uns ein anschauliches Bild darüber, wie die hirnverbrannte Theorie des Bolschewismus in ihrer katastrophalen Praxis aussieht. Die erläuternden Erklärungen zu den einzelnen Ausstellungsgruppen gibt ein Redner, der 39 Jahre in diesem "Paradiese" gelebt hat. Der Hauptvortrag findet des Abends von 20-22 Uhr statt.

    (Aus Wikipedia: Oft trat der "Blockleiter der NSDAP" auch in Personalunion als "Blockwalter" der Organisation "Kraft durch Freude" auf. Da Komposita mit wart aus dem Vereinswesen allgemein vertrauter waren, wurden der Blockwalter und Blockleiter wie auch seine Helfer in der Umgangssprache meist unterschiedslos als Blockwart bezeichnet.[5] Die sprachliche Verwirrung gipfelte später darin, dass die Helfer des Reichsluftschutzbundes die Bezeichnung "Blockwart" erhielten. Im Organisationsschema der NSDAP war die Bezeichnung Blockwart nicht enthalten.)

    20.01.1938 Große öffentliche Versammlung. Im Rahmen der Großaktion der von der Gauleitung Westfalen-Nord durchgeführten öffentlichen Versammlungen findet in Reckenfeld am kommenden Sonntag, dem 23. Januar, um 20 Uhr im Deutschen Haus die öffentliche Versammlung statt. Es spricht der Pg. Pfarrer a. D. Münchmeyer Reichsredner.
    20.01.1938 Ausstellung Weltfeind Bolschewismus. Nicht ganz acht Tage trennen uns von der Ausstellung Weltfeind Bolschewismus. In verschiedenen Orten des Gaugebietes Westfalen-Nord, wo diese bereits gezeigt wurde, war ein voller Erfolg zu verzeichnen. In Anbetracht der Wichtigkeit dieser Ausstellung erwarten wir von Reckenfeld ein gleiches Ergebnis. Die Nachfrage nach der zum Eintritt berechtigten Broschüre ist groß, und wer noch nicht in ihrem Besitz ist, wende sich dieserhalb an den nächsten Blockwart der NSDAP. Die Ausstellung mit ihrem reichhaltigen Material vermittelt uns ein anschauliches Bild darüber, wie die hirnverbrannte Theorie des Bolschewismus in ihrer katastrophalen Praxis aussieht. Die erläuternden Erklärungen zu den einzelnen Aufstellungsgruppen gibt ein Redner, der 39 Jahre in diesem "Paradiese" gelebt hat. Der Hauptvortrag findet des Abends von 20-22 Uhr statt.
    20.01.1938 Das muß aufhören. Demnächst beginnen wieder die Arbeiten in den Gärten der Siedler. Da macht sich schon jetzt die Unsitte bemerkbar, daß man beispielweise Kohlstrünke und Gartenrückstände aus Bequemlichkeitsgründen einfach in die Entwässerungsgräben wirft. Zunächst ist dieses eine Unsitte und trägt wirklich nicht zur Verschönerung des Dorfbildes bei, eine zweckmäßige Verwendung läge auch im Sinne des Vierjahresplanes, beispielweise derlei Sachen zu kompostieren oder zu verbrennen. Da die Gräben zudem mit hohen Kosten durch den Reichsarbeitsdienst (Foto) in Ordnung gebracht wurden, sollte jeder Siedler mit dazu beitragen, daß die Gräben in Ordnung bleiben. Der Bürgermeister wird unnachsichtig gegen jeden vorgehen, der sich hiergegen verstößt. Es muß auch im Interesse eines jeden einzelnen liegen, daß Reckenfeld eine Gartenstadt ist und bleibt und keine Müllabladestelle.
    24.01.1938 Dienst am Volk ist Gottesdienst! Über dieses Thema sprach gestern Abend im Deutschen Haus der Reichsredner Pfarrer a. D. Münchmeyer. Nach einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer begrüßte der Ortsgruppenleiter Bürgermeister Peters die recht zahlreich Erschienenen. Sein besonderer Gruß galt dem Redner des Abends. Dieser ergriff dann das Wort zum Thema: Dienst am Volk ist Gottesdienst. Er führte u. a. aus: Werfen wir einen Blick auf unsere Nachbarländer und dann auf Deutschland, welch gewaltiger Unterschied. Dort Parteigezänk, Streiks, Arbeitslosigkeit, hier ein einiges, arbeitsames Volk, das den Frieden will.

    Es folgten präzise Worte über den bankrotten Trümmerhaufen, den der Führer bei seiner Machtergreifung vorfand. Insbesondere rechnete der Redner mit den Juden ab. Diese Vampire und Schmarotzer unter den Menschen, deren Dasein von Anbeginn an wie ein roter Faden durch die Geschichte einen blutigen und entsetzlichen Weg weist. An allen Kriegen und Revolutionen der Weltgeschichte waren sie maßgeblich beteiligt oder bildeten die Ursache hierzu. Dann entrollte der Redner ein packendes Bild über die ungeheure Arbeitsleistung des Führers. Es ist wahrhaftig Gottesdienst: Hungrige speisen, also notleidende Volksgenossen zu helfen. Die Bestrebungen des Führers, uns den Frieden zu erhalten, zwingt uns zu der Bitte: Herrgott, erhalte und beschütze uns den Führer zur Rettung Deutschlands, der ganzen Welt. Nicht enden wollender Beifall dankte dem Redner für seine 2 ½ stündigen einzig dastehenden Ausführungen. Dieses kam in der Schlussansprache des Ortsgruppenleiters gebührend zum Ausdruck. Er hoffe, dass auch nun in Reckenfeld mit neuem Mut weitergearbeitet wird, um die Worte des Pg. Münchmeyer in die Tat umzusetzen.

    25.01.1938 Ausstellung "Weltfeind Bolschewismus". Morgen, Mittwoch, findet im Deutschen Haus die Ausstellung "Weltfeind Bolschewismus" statt. Der Eintrittspreis beträgt 25 Pfg., Schulkinder unter Führung von Lehrpersonen 10 Pfg. Der Eintrittspreis ist absichtlich niedrig gehalten, damit es jedem Volksgenossen ermöglicht ist, sich von den Tatsachen zu überzeugen, die eindeutig das wahre Gesicht des schauderhaften und völkervernichtenden Bolschewismus zeigen. Jeder wird beim Verlassen der Ausstellung mit dankbaren Gefühlen des Mannes gedenken, der uns vor dieser entsetzlichen Katastrophe bewahrt hat. Der Hauptvortrag findet um 20 Uhr statt. Der Redner des Abends lebte 39 Jahre in diesen "Idealgefilden des freien Proletariats".

    26.01.1938 Vom Winterhilfswerk. Anläßlich des Jahrestages der nationalsozialistischen Revolution werden Samstag, den 29. Januar, in der Zeit von 9 bis 13 Uhr an Hilfsbedürftige im NSB-Büro laufend nummerierte Gutscheine ausgegeben. Die Gutscheine sind auf weißem Wasserzeichenpapier mit braunen, die laufenden Nummern mit rotem Aufdruck hergestellt. Die Gutscheine im Werte von je 1 Mk. berechtigen zur kostenlosen Entnahme von Lebensmitteln, Kleidung, Wäsche und Schuhwerk. Andere Waren dürfen auf diese Gutscheine nicht verabfolgt werden. Die Gutscheine werden in der Zeit vom 30. Januar bis 15. Februar in allen einschlägigen arischen Geschäften in Zahlung genommen und müssen die eigenhändige Unterschrift und Anschrift des Bedürftigen tragen (Ort und Straße).
    26.01.1938 Wer war es? Ein Bubenstreich, welcher unabsehbare Folgen hätte bringen können, passierte dieser Tage auf dem schmalen Querweg zwischen A und B. Dort hatten halbwüchsige Burschen eine junge Eiche über den Weg gespannt. Der Arbeiter St. fuhr mit seinem Rade in der Dunkelheit diesen Weg. Zu spät bemerkte er dieses Hindernis und stürzte von seinem Rade. Außer einigen Hautabschürfungen im Gesicht kam er mit dem Schrecken davon.
    28.01.1938 Eine Nebenstelle der Kreissparkasse Münster-Land. Recht dankbar begrüßt die Reckenfelder Bevölkerung die Einrichtung einer Nebenstelle der Kreissparkasse Münster-Land im Hause des Herrn Bolte, Ortsteil A. Wieviel umständliche und weite Wege nach Greven werden dadurch gespart. Sämtliche geschäftliche Angelegenheiten, welche bisher bei der Nebenstelle in Greven abgewickelt werden mußten, können nunmehr bei der örtlichen erledigt werden. Der Sparkassenbetrieb wird am Dienstag, dem 1. Februar, aufgenommen. Ein- und Auszahlungen können von diesem Tage ab stattfinden.
    28.01.1938 Wichtig für die Reckenfelder Geschäftswelt. Die Abrechnung der Gutscheine, die am 29. Januar vom HWH ausgegeben werden, geht folgendermaßen vor sich. Die einschlägigen arischen Geschäfte versehen die in Zahlung genommenen Gutscheine auf der Rückseite mit Firmenstempel oder handschriftlicher Firmenangabe. Stempel oder Namen setzen 1. Geschäfte, die Lebensmittel verabfolgt haben, in das rechte, untere, rotbeschriftete Feld der Gutscheinrückseite. Gutscheine, die nach dem 15. Februar 1938 von den Bedürftigen nicht eigenhändig unterschrieben sind, dürfen von den einschlägigen, arischen Geschäften, nicht in Zahlung genommen werden. Die Erstattung des Gegenwertes der Gutscheine erfolgt: 1. Nach Abzug von 3 Prozent bei Abgabe von Lebensmitteln; 2. nach Abzug von 6 Prozent bei Abgabe von Bekleidungsstücken spätestens bis zum 15. März 1938 bei allen Zahlungsstellen, wie Banken, Sparkassen usw. Nach dem 15. März 1938 dürfen gen. Zahlstellen Gutscheine von den Geschäften des Lebensmittel- und Bekleidungs-Handels nicht mehr in Zahlung nehmen. Für die Einlösung der Gutscheine dürfen die Zahlstellen keine Gebühr erheben.
    30.01.1938 Am kommenden Sonntag, dem 30. Januar, veranstaltet die NS-Fauenschaft im Deutschen Haus eine Gedenkfeier zur Erinnerung an den 30. Januar 1933. Die Feier beginnt Punkt 15.30 Uhr und es werden alle Frauen eingeladen. Frauen, welche nicht Mitglied der NS-Frauenschaft sind und teilnehmen möchten, wollen sich bei der zuständigen Blockfrauenleiterin melden.
    30.01.1938 Der MA gratuliert. In selten guter körperlicher Verfassung begeht die Ww. Anna Lüttecke am Montag, dem 31. Januar, ihren 85. Geburtstag. Das unter dem Namen Oma Lüttecke hier allgemein bekannte Geburtstagskind wurde am 31. Januar 1854 in Münster geboren. Der Ehe entsprossen 15 Kinder, zwei Söhne opferte sie dem Vaterland. Seit 10 Jahren ist sie Witwe. Trotz des hohen Alters macht sie recht zahlreiche Spaziergänge. An ihrem Geburtstag gratulieren ihr außer den noch lebenden 7 Kindern, 32 Enkel- und 28 Urenkelkinder. Diesen Glückwünschen für einen weiteren ruhigen Lebensabend bei bester Gesundheit schließt sich die Bevölkerung Reckenfelds sowie der MA an.
    01.02.1938 Nicht rasten, sondern weiter, vorwärts! Reicher Flaggenschmuck in den Straßen zeigte schon äußerlich die Teilnahme der Reckenfelder am 30. Januar. Während die NS-Frauengemeinschaft am Nachmittag zur Feierstunde im Deutschen Haus versammelt war, folgte gegen 20 Uhr für die gesamte Bevölkerung die Erinnerungsfeier zum 30. Januar. Redner des Abends war Gauschulleiter Pg. Blankemeyer. Im Gedenken an den Führer eröffnete der Ortsgruppenleiter Bürgermeister Peters den Abend und begrüßte die so überaus zahlreich Erschienenen, insbesondere den Pg. Blankemeyer. Dieser ergriff dann das Wort zu einem Rückblick auf den gewaltigen Aufstieg des deutschen Reiches in den vergangenen fünf Jahren und einem stolzen Ausblick. Der gewaltige Aufstieg Deutschlands dulde aber kein Ausruhen, sondern jeder müsse dem Führer helfen, daß es weiter aufwärts geht. Nicht meckern, sondern zupacken. Die große Zeit verlange ein großes Volk. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine vortrefflichen Ausführungen. HJ und BDM trugen noch passende Lieder vor, einige Hitlerjungen sprachen Gedichte. Mit einem Dank an den Redner schloß Pg. Peters den ersten Teil des Abends. Im nachfolgenden Teil fand dann ein kameradschaftliches Beisammensein aller statt. Noch recht gemütlich blieb man noch lange vereint.
    01.02.1938 Feierstunde der NS-Frauenschaft Reckenfeld. Die Feier wurde durch Gedichte und Lieder zum Gedenken eingeleitet. Dann ergriff die Kreisfrauenschaftsleiterin Pgn. Wynen das Wort und gab einen kurzen Überblick und Rückblick über die verflossenen fünf Jahre der Machtübernahme durch unseren Führer Adolf Hitler. Anschließend sprach Schwester Erna vom Reichsmütterdienst zu den Frauen und Müttern und betonte besonders das Wort "Deutsche Mutter, auf dich kommt es an, was du in die Herzen der Kinder legst, wird Früchte tragen, legst du Gutes hinein, wirst du auch gute Saat ernten, säest du aber nichts Gutes, wirst du auch schlechte Ernte haben." Wir sind dem Führer gegenüber zu Dank verpflichtet, so betonte sie, und das können wir nur, wenn wir alle zusammenarbeiten.
    01.02.1938 Ein unangebrachter Sport. Vor einiger Zeit ließ die Gemeinde längs der Hauptstraße Steine und Steinschotter lagern um beim Eintreten besseren Wetters endlich die Straße in Ordnung zu bringen. Nun kann man nach Schulschluß beobachten, wie die Jungen hier bestrebt sind, vielerlei Rekorde aufzustellen. Es wird versucht, die elektrische Lichtleitung haargenau zu treffen oder Steine am weitesten auf die angrenzenden Ländereien zu werfen usw. So bleibt es nicht aus, daß die Gräben und Ländereien beizeiten an Stelle der Straßen einen Steinschotterbelag haben. Körperertüchtigung tut not, dann aber mit entsprechenden Geräten am richtigen Ort. Die Eltern und Lehrer wollen hier für Abhilfe sorgen.
    04.02.1938 Dies geht jeden Reckenfelder an! Die im Rahmen des Vierjahresplanes durchzuführenden Altmaterialsammlungen können nur den gewünschten Erfolg erzielen, wenn sich jeder Volksgenosse der Größe dieser Aufgabe voll bewußt wird. Wir können uns nicht mehr erlauben, daß auch die scheinbar weniger wertvollen Altmaterialien, wie Blechdosen aller Art und Größe, leichte Eisengegenstände usw. nutzlos in der Gegend herumliegen und der deutschen Wirtschaft verloren gehen. Um Rohmaterialien und Devisen zu sparen, wollen wir alle helfen und zu diesem Zwecke sämtliche anfallenden oben bezeichneten Altmaterialien an einem bestimmten Ort lagern. Der von der zuständigen Stelle für Reckenfeld, Saerbeck und Greven bestimmte Altmaterialhändler ist Wilhelm Czekalla, Reckenfeld, Ortsteil C. Dieser wird regelmäßig jeden Monat sämtliche Haushaltungen besuchen, um die Altmaterialien abzuholen. Die Preise hierfür sind amtlich festgesetzt, so daß jeder Volksgenosse die Gewißheit hat, nicht übervorteilt zu werden. Es ist Pflicht eines jeden Volksgenossen, dafür zu sorgen, daß dieser Händler auch sämtliches Material erhält. Auswärtige Händler sind abzuweisen. Es wäre ungerecht, wollte man diesen wertvolle Produkte wie edlere Metalle oder Lumpen geben und dem hiesigen Händler die sich weniger lohnenden Altmaterialien überlassen. Selbstverständlich ist es, nichtarische Händler abzuweisen.
    07.02.1938 Appell der Untergruppe des RLB. Im Lokal Deutsches Haus fand ein Appell der Untergruppe Reckenfeld im Reichsluftschutzbund statt, an dem auch die Gemeindegruppenführung aus Greven teilnahm. Es wurden zunächst Fragen organisatorischer Art besprochen. Der Untergruppenführer entwickelte dann den Plan einer größeren Aktivierung de RLB in Reckenfeld. Es soll daher im Laufe des Februars eine allgemeine Werbeaktion stattfinden, um auch in Reckenfeld den letzten Mann als Mitglied für den RLB zu gewinnen. Der Leitgedanke "Luftschutz tut not" soll in seiner Bedeutung hierdurch eine größere Verbreiterung finden. Es darf erwartet werden, daß die Werbeaktion in Reckenfeld einen guten Erfolg zeitigen wird. Im weiteren Verlauf des Abends wurde über die Schulung der Selbstschutzkräfte gesprochen. In allernächster Zeit werden unter der Führung des Schulungsleiters die Kurse wieder aufgenommen. Es wird im Zusammenhang hiermit darauf hingewiesen, daß die Teilnahme an diesen Kursen gesetzliche Pflicht ist, deren Nichtbeachtung strenge Bestrafung nach sich zieht. Darauf wurde der Appell mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer geschlossen.
    07.02.1938 Es geht rund. Unter diesem Motto eröffnete der Schützenverein "Eintracht" die karnevalistischen Veranstaltungen Reckenfelds. Der Rickermannsche Saal war zu diesem Zwecke recht stimmungsvoll geschmückt. Und so begrüßte der Vereinsführer J. Hermanns die überaus zahlreich erschienenen Schützenbrüder und Gäste. Er betonte insbesonders, die alltäglichen Sorgen zu vergessen, um in ungetrübter Freude recht frohe Stunden zu verleben. Der Name "Eintracht" auf unserem Panier (Anm.: Banner, Fahne) soll uns immer Richtschnur sein, inner- wie außerhalb des Vereins. Darauf begann dann das lustige Kappenfest. In echter Geselligkeit und bei froher Laune kletterte das Stimmungsbarometer immer höher. Die Tanzwütigen, ob alt oder jung, kamen bei dieser Gelegenheit voll auf ihre Kosten. Es war schon lange Mitternacht vorbei, als die Schützenbrüder ihren häuslichen Kemenaten zustrebten.
    07.02.1938 Ehrenvolle Auszeichnung. Herr J. Mans erhielt als ehem. Freikorpskämpfer die Ehrenurkunde der Reichsregierung für Einsatz mit Blut und Leben für Deutschlands Bestand in den Nachkriegsjahren.
    08.02.1938 Bunter Abend der Schulgemeinde. Nach längerer Pause fand wieder ein Elternabend im Brinkmeyerschen Saale statt. Wie beliebt derartige Abende sind, wurde dadurch bewiesen, daß der große Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Das reichhaltige Programm ließ die große Arbeit ermessen, die die Lehrerschaft sowie die Kinder zum Gelingen des Abends aufgewandt haben. In der kurzen Eröffnungsansprache brachte Oberlehrer Dilla den Dank für die Lehrpersonen und Kinder gebührend zum Ausdruck. Er begrüßte die so überaus zahlreich erschienenen Gäste und betonte, daß solche Abende geneigt seien, eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule zu fördern. Die nun abrollende, umfangreiche Programmfolge legte Zeugnis ab von der Leistung der Kinder. Die Theaterstücke und Tänze verfehlten die Wirkung auf die Lachmuskeln der Zuschauer nicht. Es ist zu wünschen, daß solch schöner Abend recht bald wiederholt wird.
    09.02.1938 Appell der Kriegerkameradschaft. Der fällige Monatsappell fand beim Kameraden Rickermann statt. Zunächst dankte der Kameradschaftsführer allen, die zum guten Gelingen des Kameradschaftsabends im Vormonat beigetragen haben. Ferner wußte er Dank derjenigen, die unentwegt an der Fertigstellung des Schießstandes tätig waren. Am kommenden Sonntag, dem 13. Februar, beginnt das Pflichtschießen vormittags um 10 Uhr. Es sollen hierbei die besten Schützen ausgesucht und zu einer Schießgruppe zusammengestellt werden. Diese Kameraden nehmen dann an dem Wertungsschießen der Kameradschaften teil. Nach dem erwähnten Pflichtschießen am 13. Februar findet ein Preisschießen zum Besten des Winterhilfswerkes statt. Selbstverständlich können sich auch Nichtmitglieder hieran beteiligen. Jeder ist herzlich willkommen. Sehr gute Preise sind bereits beschafft. Der anwesende Ortsgrupppenleiter der NSDAP gab seiner Freude zum Ausdruck, daß die hiesige Vereinigung unter zielbewußter Führung die Kameradschaft in echt nationalsozialistischem Geist pflege. Im weiteren Verlauf wurden noch verschiedene Angelegenheiten geregelt.
    10.02.1938 Reckenfeld soll schöner werden. Aus der Hauptversammlung des Verkehrsvereins. Durch die Initiative des Ortgruppenleiters der NSDAP wurde vor etwa zwei Jahren der hiesige Verkehrsverein gegründet. Es fanden sich einige Reckenfelder bereit, tatkräftig an dem Ausbau Reckenfelds mitzuarbeiten. Dieser kleine Kreis stand nicht meckernd beiseite, sondern arbeitete zielbewußt an den ihm gestellten Aufgaben. Wenn diese Arbeiten, rein äußerlich gesehen, nicht in der Lösung von Riesenproblemen bestanden, so wurden doch Kleinarbeiten geleistet, die zu den jetzt einsetzenden größeren Aufgaben unbedingt erforderlich waren. Es entspricht auch nicht zuletzt dem Charakter der Vereinigung durch viele Worte, sondern durch Taten in Erscheinung zu treten.

    So versammelten sich dieser Tage sämtliche Mitglieder zu einer wichtigen Hauptversammlung. Der Vereinsführer Heinrich Schlick bestimmte zunächst seine Mitarbeiter; zu seinem Stellvertreter Hans Sander, zum Kassierer Fritz Patten, Schrift-, Presse- und Reiseleiter Hans Getta, Gerätewart I. Hermanns, Blockwalter für A - I. Hermanns, für B - Wilhelm Stork, für C - Fritz Janda (Foto), für D - Heinrich Töpper.

    Nach Erledigung der Kassengeschäfte gab der Vereinsführer bekannt, den Verein in das Vereinsregister beim Amtsgericht Münster eintragen zu lassen. Die Gründe zu dieser Maßnahme waren in der nun einsetzenden Beratung klar ersichtlich und so wurde einstimmig die vorgeschlagene Eintragung beschlossen. Um weitere Volksgenossen für den Verkehrsverein zu gewinnen, werden die Blockwalter demnächst bei jedem vorsprechen. Es wird erwartet, daß jeder, der seinem Wohnort zugetan ist, freudig an dieser Arbeitsgemeinschaft teilnimmt. Die folgende Aussprache zeigte, welche Aufgaben in der nächsten Zeit zu lösen sind. Die Unterstützung der Schuljugend, die im Rahmen des Vierjahresplanes die ihr zugewiesenen Grundstücke mit Mais usw. besetzt, wird im kommenden Jahre noch umfangreicher. Die einheitliche und sinngerechte Umbenennung sämtlicher Straßen wird in nächster Zeit erledigt. Ferner um die Verschandelung des Ortsbildes durch wilde Reklame oder sonstigen Ankündigungen an unpassenden Stellen zu unterbinden, wurde die Beschaffung von fünf Anschlagstafeln beschlossen. Diese werden an geeigneten Stellen aufgestellt. Die Unsitte, jeden Pfahl usw. mit Zettel und Zettelchen zu versehen, hört, unter Androhung von Polizeistrafen, auf. Die für den Sommer von der Siedlergemeinschaft geplante Preisschau sämtlicher Reckenfelder Häuser und Gärten, soll durch Prämien weitgehend gefördert werden. Die Bevölkerung soll durch diese Maßnahmen angespornt werden, ebenfalls an der Verschönerung des Dorfbildes mitzuhelfen. Weitere Arbeiten wurden noch besprochen, deren Bekanntgabe noch verfrüht ist.

    15.02.1938 Die Kriegerkameradschaft im Dienst des WHW. Nun knallten die ersten Schüsse über den neu errichteten Schießstand bei Brinkmeyer. Daß mit dem angesetzten Pflichtschießen zugleich ein Opferschießen für das Winterhilfswerk verbunden war, zeigt, daß die Kriegerkameradschaft Reckenfeld sich der ideellen Auffassung ihrer Aufgaben voll und ganz bewußt ist. Daher war es Ehrensache aller Kameraden, sich restlos in den Dienst der guten Sache zu stellen. Vormittags 10 Uhr fand zunächst das monatliche Pflichtschießen statt, die drei besten Schützen erhielten für ihr Können einen guten Preis. Anschließend knallten die Gewehre für das Winterhilfswerk bis gegen 19 Uhr. Vor der nun folgenden Preisverteilung dankte der Kameradschaftsführer zunächst den Kameraden Priemke, Hermanns, Richter, Engelbrecht und Heinrichs, die in vorbildlicher und uneigennütziger Weise an der Errichtung des neuen Schießstandes mitgewirkt haben. Dieser Schießstand, der wohl zu den besten in der Umgebung rechnet, bildet ein Denkmal echter Kriegerkameradschaft. Dann folgte die Verteilung der 12 ausgesetzten Preise, den 1. Preis erhielt Rautenberg, 2. Fengler, 3. Brinkmeyer, 4. Der Kameradschaftsführer, 5. Deinaß, 6. Schmücker, 7. Sittek, 8. Bohnenkamp, 9. Bockelmann, 10. Blaschmar, 11. Primke, 12. Jaquemotte. Noch lange blieben die alten Kameraden im fröhlichen Kreise zusammen. Der nächste Monatsappell findet am Sonntag, den 6. März im Deutschen Haus statt.
    18.02.1938 Alle Volksgenossen hören die Rede des Führers. Um allen Volksgenossen die Gelegenheit zu geben, die Rede des Führers am Sonntag, den 20. Februar, um 13 Uhr zu hören, sind nach Mitteilung des Organisationsleiters der NSDAP der Brinkmeyersche- und Rickermannsche Saal (Foto) zum Gemeinschaftsempfang hergerichtet. Die Parteigenossen und Parteianwärter nehmen an diesem Gemeinschaftsempfang und zwar beim Pg. Rickermann teil. Anschließend findet daselbst die Mitgliederversammlung der NSDAP statt.

    18.02.1938 Ortswaltung der Deutschen Arbeitsfront Reckenfeld. Am Freitag, dem 18. Februar, findet um 20 Uhr in Greven bei Winninghoff ein Schulungsabend der Amtswalter statt. Es ist Pflicht der Amtswalter, an dieser Schulung teilzunehmen. Der nächste Heimatabend der Hausgehilfinnen findet am Mittwoch, dem 2. März 1938, um 20 Uhr, bei Rickermann statt. Die Mitglieder der DAF wollen es als ihre Pflicht betrachten, ihre Töchter in die Heimatabende zu schicken. Neben besonderen Schulungen werden die Abende durch praktische Arbeiten ausgefüllt. Auf vielseitigem Wunsch der Mitglieder findet am Samstag, dem 19. Februar 1938, um 20 Uhr, im Lokale Rickermann ein Kameradschaftsabend statt. Zu dieser Veranstaltung werden die Mitglieder nebst ihren Damen freundlichst eingeladen. Es mag dazu beitragen, daß dieser Abend zu einem wirklichen Kameradschaftsabend ausgestaltet wird.

    24.02.1938 Mütterberatung im Kindergarten. Daß ein Kindergarten des Dritten Reiches nichts, aber auch gar nichts mit ähnlichen Einrichtungen vergangener Zeiten gemein hat, konnten die zahlreichen Mütter erfahren, die der Einladung der Jugendleiterin Folge leisteten. So empfing die Jugendleiterin Fräulein Vahlenkamp die Mütter mit einem musikalischen Willkommensgruß, dann wurde in längeren Ausführungen der Zweck solcher Mütterabende dargelegt. Es soll zunächst erreicht werden, daß in harmonischer Zusammenarbeit zwischen Mutter und Kindergarten eine nützliche Erziehung gewährleistet wird. Eine Aussprache bei diesen Zusammenkünften kann nur die Bestrebungen in diesem Sinne fördern. Gespannt folgten die Anwesenden den Tagesverlauf der Kleinen, der in seiner Reichhaltigkeit bewies, daß hier in erfreulicher Weise die Kinder gut aufgehoben sind und kein Grund zur Besorgnis besteht. Um allen Wünschen entgegen zu kommen, ist der Kindergarten bereits um 8 Uhr geöffnet, so können die größeren Kinder ihre kleineren Geschwister auf den Schulweg mitnehmen, um den Müttern den Weg zu sparen. Da auch die Zahl der Kinder täglich zunimmt (z. Zt. sind es 80), ist auch der Plan erwogen worden, durch bauliche Veränderungen größere oder mehrere Räume zu schaffen. Auch sollen Kinder, die nicht erscheinen können, entschuldigt werden. Nach den lustigen Gesellschaftsspielen fand der erste Mütterabend sein Ende.
    04.03.1938 Prinz Tönne I. regiert Reckenfeld. Die Veranstaltungen des Männergesangvereins "Liedertafel" sind traditionell stets in Ordnung gewesen und so machte die karnevalistische Großveranstaltung am vergangenen Sonntag keine Ausnahme hierin. Die Gesamträume des Deutschen Hauses standen dem Karnevalstreiben zur Verfügung, selbst die Kegelbahn mußte in ihrer Umwandlung als Boddukuden-Kirmes herhalten. Sämtliche Räume waren so "geck" geschmückt, so daß wir alle dem Schöpfer dieser geschmackvollen Arbeiten, Obernarr Hermanns, an dieser Stelle besonders danken möchten. Nach dem Einzug des Elferrates sprach Obernarr Lipovscheck die einführenden Worte. Er stellte in launigen Worten dem närrischen Volke die einzelnen Räte vor. Dann folgte der Höhepunkt des Abends, die feierliche Proklamation des Karnevalsprinzen Tönne I. Dieser sprach dann an sein Volk, er forderte unter stürmischem Beifall den achten Sinn, den Blödsinn, für die Karnevalsstimmung heraus. Und wenn Westfalen diese Tage Kopf steht, haben wir als treue Westfälinger ebenfalls Kopf zu stehen.
    04.03.1938 Schulungsabend der NSDAP. Der monatliche Schulungskursus findet am Samstag, den 5. März, 20 Uhr, im Führerzimmer der RAD-Abtlg. statt, und nicht, wie bereits bekanntgegeben, beim Pg. Rickermann. Sämtliche Amtswalter der Ortsgruppe, DAF, NS-Frauengemeinschaft, NSB haben pflichtgemäß zu erscheinen.

    07.03.1938 Schulungsabend der NSDAP. Im Führerzimmer des Reichsarbeitsdienstes fand der monatliche Schulungsabend der Ortsgruppe statt, wozu die Amtswalter der Partei und die Warte der einzelnen Gliederungen erschienen waren. Redner des Abends war der Oberfeldmeister Vogels, Führer der Arbeitsdienstabteilung. Dieser ergriff dann das Wort zu seinen längeren Ausführungen, die die körperliche, seelische und geistige Erziehung des Arbeitsdienstmannes behandelten. Zuvor begrüßte er die Anwesenden und gab seiner Freude zum Ausdruck, dass die in den letzten Jahren locker gewordene Verbindung mit der Ortsgruppe sich in einer innigen gewandelt habe. Zu seinem Thema übergehend erklärte er, dass die Amtswalter der Partei und der Gliederungen in der politischen Erziehung ihrer Betreuten die gleichen Aufgaben haben wie die Führer des Reicharbeitsdienstes. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine aufschlussreichen Ausführungen. Einzelne Punkte des Themas wurden in der nachfolgenden eifrigen Aussprache ausgiebig besprochen. Der nächste Schulungsabend findet am 30. März statt.

    03.03.1938 Einhaltung der Sprechstunden des Bürgermeisters. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Sprechstunden des Bürgermeisters Sonntagvormittag von 9 bis 10 Uhr sind. Die in der letzten Zeit herrschende Unsitte, die Sprechstunden den ganzen Sonntag über bis 22 Uhr auszudehnen, ist unmöglich. Auch der Bürgermeister hat einen verdienten Anspruch auf einen Ruhetag, den Sonntag. Zur Erledigung dringender Fälle ist die Sprechstunde von 9 - 10 Uhr angesetzt, wer diese Zeit nicht einhält, läuft Gefahr, vergebens seinen Weg gemacht zu haben.
    04.03.1938 Buntes Treiben im Kindergarten Daß nicht nur die Großen närrisch, sondern auch die Kleinen im Kindergarten ihren Karneval feiern können, ist erwiesen. Recht zünftig waren sämtliche Räume geschmückt und ließen sofort frohes Leben und Treiben bei diesem kleinen Völkchen aufkommen. Es war eine Freude zuzusehen, wie die mit bunten Mützen und dergl. geschmückten Narren umhertollten. Als Karnevalsprinz proklamierte man den kleinen Dreckmann, der es mit seiner Würde sehr "ernst" nahm. Sämtliche Gegenstände die klangfähig sind, (Schellen, Topfdeckel usw.) dienten als Musikinstrumente. Recht drollig wirkten die Tänze dieser Kleinen bei Musik. Infolge der ungünstigen Witterung mußte der geplante Umzug unterbleiben. Für ihre überreichliche "Anstrengung" gab es dafür zum Kaffee Berliner. Ballen, die unaufhörlich Gegenstand regen Kapitulierens waren. Zum Schluß trat das mit Recht so beliebte Kasperle-Theater noch in Tätigkeit. Nach Schulschluß wurden die Kleinen auf dem Heimweg und bei den Eltern nicht müde, von ihrem Karnevalerleben zu erzählen. Die Absicht, den Kindern recht viel Freude zu bereiten, ist geglückt. Hierfür sei der Leiterin mit ihren Helferinnen an dieser Stelle im Namen der Elternschaft herzlich gedankt.
    14.03.1938 Deutsches Brudervolk, wir grüßen dich! Die Begeisterungswelle, die der nationale Durchbruch bei unserem Brudervolk hier auslöste, fand einen beredten Ausdruck in dem großen Fackelzug am Samstagabend. Alles war auf den Beinen, um an dieser Freudenkundgebung teilzunehmen. Es ist überhaupt mit Freude festzustellen, wie nun langsam die Gesinnung bei öffentlichen parteipolitischen Veranstaltungen durch immer regere Beteiligung sichtbaren Ausdruck erlangt hat. Auf dem Dorfplatz sammelten sich daher alle Teilnehmer und mit flotten Marschweisen der Dorfkapelle ging es zum Reicharbeitsdienstlager, wo Gauschulungsleiter Pg. Lüdken über die Bedeutung des Tages sprach. Ebenso herzlich sprach der Ortsgruppenleiter nach dem Marsch, als der Fackelzug bei Rickermann am Bahnhof anlangte. Hier löste sich die Marschkolonne auf, und recht gemütlich feierte Reckenfeld bei Rickermann die Heimkehr des deutschen Brudervolkes.

    14.03.1938 Wer sind die bösen Buben? In der letzten Zeit ist wiederholt die Feststellung gemacht worden, daß die Straßenlampen beschädigt und sogar elektrische Birnen entzwei geworfen wurden. Besonders die Lampe an der Schule 2 hat es scheinbar diesen Lümmeln angetan. Vermutlich sind die "Scharfschützen" im Ortsteil D zu suchen, die sich die Lampe als Zielscheibe auserwählt haben. Die Eltern und Erzieher werden gebeten, die Kinder dahin zu belehren, daß solche Zerstörungswut gegen die Gemeinschaft verstößt und streng bestraft wird.
    14.03.1938 Zu einer machtvollen Heldengedenkfeier versammelten sich die Angehörigen der Partei, Gliederungen der soldatischen Verbände und zahlreiche Volksgenossen am Ehrenmal um derjenigen zu gedenken, die ihr Leben für Deutschland gaben. Nach einem, vom Hitlerjungen gesprochenen Prolog, ergriff der Kriegerkameradschaftsführer das Wort zu der Heldenehrung. In bewegten Worten schilderte er das Leben und Sterben unserer braven Feldgrauen, das Hohelied der Langemarkkämpfer, das Sterben unserer Helden hätte aber keinen Sinn, wenn nicht die Blutzeugen des neuen Deutschland das Vermächtnis der Front treu erfüllten. Sie starben alle, damit wir leben.

    Nach des Führers Spruch: Und mögen Jahrtausende vergehen, so wird man nie vom Heldentum reden und sagen dürfen, ohne des deutschen Heeres des Weltkrieges zu gedenken, legte der Kriegerkameradschaftsführer unter dem Lied des guten Kameraden den Kranz am Ehrenmal nieder. Der Ortsgruppenleiter sprach zum Abschluss. Dann ging es mit Marschmusik des Reckenfelder Blasorchesters (Fotos) zum Deutschen Haus. Dort dampften zwei Gulaschkanonen. Reckenfeld vereinte sich hier zum ersten öffentlichen Eintopfessen. Unter flotter Marschmusik wurde die vorzüglich zubereitete Erbsensuppe gegessen.

    (Anm.: Diese Kapelle - u.a. mit Freitag, Wildemann und Runge - könnte das Reckenfelder Blasorchester bzw. die Dorfkapelle gewesen sein, die im Text als solche beschrieben werden.

    14.03.1938 Wer sind die bösen Buben? In der letzten Zeit ist wiederholt die Feststellung gemacht worden, daß die Straßenlampen beschädigt und sogar elektrische Birnen entzwei geworfen wurden. Besonders die Lampe an der Schule 2 hat es scheinbar diesen Lümmeln angetan. Vermutlich sind die "Scharfschützen" im Ortsteil D zu suchen, die sich die Lampe als Zielscheibe auserwählt haben. Die Eltern und Erzieher werden gebeten, die Kinder dahin zu belehren, daß solche Zerstörungswut gegen die Gemeinschaft verstößt und streng bestraft wird.
    14.03.1938 Vom Reichsluftschutzbund. Zur Zeit finden Schulungskurse der Selbstschutzkräfte des RLB statt. Im Rahmen dieser Kurse sprach am Dienstagabend Pg. Haber, Greven, über chemische Kampfstoffe, an praktischen Beispielen erläutert, ferner über den Schutz gegen diese Kampfstoffe. Anschließend fanden Übungen mit der Gasmaske statt. Donnerstagabend sprach stud. med. Hechelmann, Greven, über die erste Hilfe bei Unglücksfällen während eines Luftangriffs. Zunächst begrüßte der Untergruppenführer Pg. Dilla die Anwesenden und wies noch einmal auf die Bedeutung des Luftschutzgedankens hin. Der monatliche Beitrag sei so niedrig bemessen, daß in jedem Haushalt wenigstens einer Mitglied des RLB sein kann. Dann hielt anschließend Pg. Hechelmann den genannten Vortrag. Er erklärte zunächst die verschiedenen Wundbehandlungen und die erste Hilfe, die geleistet werden muß. Praktisch führte er die einzelnen Verbandsarten vor. Ebenfalls erklärte Pg. Hechelmann die verschiedenen Knochenbrüche und auch die zuerst zu ergreifenden Maßnahmen. Trotz der ersten Hilfe soll nicht versäumt werden, stets den Arzt zu Rate zu ziehen.
    07.03.1938 Schulungsabend der NSDAP. Im Führerzimmer des Reichsarbeitsdienstes fand der monatliche Schulungsabend der Ortsgruppe statt, wozu die Amtswalter der Partei und die Warte der einzelnen Gliederungen erschienen waren. Redner des Abends war der Oberfeldmeister Vogels, Führer der Arbeitsdienstabteilung. Dieser ergriff dann das Wort zu seinen längeren Ausführungen, die die körperliche, seelische und geistige Erziehung des Arbeitsdienstmannes behandelten. Zuvor begrüßte er die Anwesenden und gab seiner Freude zum Ausdruck, daß die in den letzten Jahren locker gewordene Verbindung mit der Ortsgruppe sich in einer innigen gewandelt habe. Zu seinem Thema übergehend erklärte er, daß die Amtswalter der Partei und der Gliederungen in der politischen Erziehung ihrer Betreuten die gleichen Aufgaben haben wie die Führer des Reicharbeitsdienstes. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine aufschlußreichen Ausführungen. Einzelne Punkte des Themas wurden in der nachfolgenden eifrigen Aussprache ausgiebig besprochen. Der nächste Schulungsabend findet am 30. März statt.
    08.03.1938 Soldaten - Kameraden Der am Sonntag stattgefundene Appell der alten Soldaten fand im Deutschen Haus statt. Der Kameradschaftsführer gab die Verfügung des Reichsführers SS Himmler bekannt, wonach sich jüngere Kameraden zwecks Eintritt in die Polizeischutzstaffel melden können. Nach den abgeschlossenen Verhandlungen wird im nächsten Monat die Kollektiv-Sterbegeldversicherung der Kameradschaft abgeschlossen. Um den Ausgleich zwischen den älteren und jüngeren Kameraden bezüglich des Aufnahmealters zu schaffen, wurde in echt kameradschaftlicher Weise der Prämiensatz der älteren herab- und der jüngeren heraufgesetzt. Der Prämiensatz beträgt 30 Pfg., die Sterbegeldsumme 100 Mark. Einstimmig erklärten alle Kameraden, dieser günstigen Versicherung beizutreten. Es wurde nochmals bekanntgegeben, daß gediente, außenstehende Kameraden noch aufgenommen werden können. Nach der Verteilung der Schießbücher wurde beschlossen, die Übungen der Schießgruppe zweimal monatlich durchzuführen. Am kommenden Sonntag steigt das öffentliche Eintopfessen in Reckenfeld. Es wird eine schmackhafte Erbsensuppe verausgabt. Beginn der Essenausgabe 12.30 Uhr. Trotzdem Reckenfeld Notstandsgebiet ist, wird keiner zurückstehen, um den noch ärmeren Volksgenossen zu helfen. Mehrere Kameraden haben sich bereiterklärt, Karten zur Teilnahme zum Preise von 30 Pfg. anzubieten. Bekanntlich findet ebenfalls am kommenden Sonntag die Heldengedenkfeier statt. Die Kameraden treten in Gemeinschaft mit der Kameradschaft der NSKOV 10.30 Uhr am Deutschen Haus an, anschließend marschiert alles geschlossen zum Kriegerehrenmal am Dorfplatz. Zur Verschönerung des Schießstandes sind noch verschiedene Arbeiten zu erledigen, diejenigen Kameraden, welche in der kommenden Woche Zeit haben, mögen sich am Stand melden. Bei der immer mehr ansteigenden Mitgliederzahl soll ebenfalls ein zweites Gewehr beantragt werden.
    09.03.1938 "Wir folgen vorbehaltlos dem Führer". Auf einer gut besuchten Versammlung der NSKOV im Saale Rickermann sprach Propagandawart Pg. Delius. In fesselnder Weise schilderte der Redner die denkwürdigen Tage des August 1914, erhellte das Machwerk des internationalen Judentums und entwarf ein anschauliches Bild von dem gewaltigen Aufstieg des Dritten Reiches unter unserem Führer Adolf Hitler, dem wir alle vorbehaltlos folgen. Selten hat ein Redner solche aufmerksamen Zuhörer gehabt; recht lebhaft war der Beifall. Der Kassen- und Schriftwart Bernh. Schmücker dankte ebenfalls dem Redner.
    09.03.1938 Versammlung des Ziegenzuchtvereins. Der Vereinsführer W. Nolting begrüßte die zahlreich im Saale Rickermann erschienenen Mitglieder und eröffnete die Versammlung. Nach der Protokollverlesung erstattete der Kassierer Bosse seinen umfangreichen Kassenbericht, allgemein wurde die tadellose Führung anerkannt. Dann erfolgte die Bekanntgabe der Bestimmungen der Kreisfachgruppe Münster. Unter Punkt Verschiedenes wurde neben internen Vereinsangelegenheiten die Beschaffung von Futtermitteln besprochen. Gutes Milchleistungsfutter ist wieder bei den bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaften (Rickermann am Bahnhof) zu haben. Die Grasverteilung an den zahlreichen Gräben wird demnächst neu geregelt. Nach der Bekanntmachung, daß die nächste Versammlung am 2. Sonntag im April stattfindet, schloß der Vereinsführer die Versammlung.
    11.03.1938 Vom Reichsluftschutzbund. Donnerstagabend versammelten sich die Lehrgangteilnehmer in der Schule zum Abschluß des Selbstschutzkursus. Untergruppenführer Pg. Dilla begrüßte die Erschienenen. Zu der nun eingesetzten Werbung von Mitgliedern für den RLB bat er, auch die Lehrgangteilnehmer möchten sich alle für diese Aktion einsetzen. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl müsse die Mitgliederzahl noch steigen. Mit Rücksicht auf den niedrigen Monatsbeitrag sei es jedem Volksgenossen leichtgemacht, Mitglied zu werden. Erforderlich sei, daß wenigstens eine Person der Familie dem RLB angehöre. Unter der Leitung des inzwischen erschienenen Schulungsleiters Pg. Faber (Greven) wurde auf dem Schulhof die Bekämpfung eines Hausbodenbrandes vorgeführt. Es war eine Freude zuzusehen, mit welchem Eifer die weiblichen Feuerwehrleute dem Brande zu Leibe rückten. Nach Schluß dieser Übung dankte Pg. Dilla allen Lehrgangteilnehmern für ihre rege Teilnahme.
    11.03.1938 Der Kaninchenzuchtverein Reckenfeld W 42 hält am Samstag, dem 12. März um 20 Uhr seine Mitgliederversammlung beim Wirt B. Rickermann, Reckenfeld, ab. Anträge auf Stallbaubeihilfen und Beihilfen zur Zuchttierbeschaffung aus Mitteln des Reiches werden dort gestellt. Auch der nicht organisierte Züchter kann diese Zuschüsse erhalten; es ist erwünscht, daß von diesen Mitteln reger Gebrauch gemacht wird. Der Verein berät jeden Kaninchenbesitzer, und es ist diesen heute möglich, in guten, luftigen Ställen gesunde Tiere zu züchten. Durch Verfütterung aller Abfälle schafft der Züchter Fleisch, Fell und Wolle zum Besten seiner selbst und zum Wohle unseres deutschen Volkes.
    12.03.1938 Deutsches Brudervolk, wir grüßen dich! Die Begeisterungswelle, die der nationale Durchbruch bei unserem Brudervolk hier auslöste, fand einen beredten Ausdruck in dem großen Fackelzug am Samstagabend. Alles war auf den Beinen, um an dieser Freudenkundgebung teilzunehmen. Es ist überhaupt mit Freude festzustellen, wie nun langsam die Gesinnung bei öffentlichen parteipolitischen Veranstaltungen durch immer regere Beteiligung sichtbaren Ausdruck erlangt hat. Auf dem Dorfplatz sammelten sich daher alle Teilnehmer und mit flotten Marschweisen der Dorfkapelle ging es zum Reicharbeitsdienstlager, wo Gauschulungsleiter Pg. Lüttgen über die Bedeutung des Tages sprach. Ebenso herzlich sprach der Ortsgruppenleiter nach dem Marsch, als der Fackelzug bei Rickermann am Bahnhof anlangte. Hier löste sich die Marschkolonne auf, und recht gemütlich feierte Reckenfeld bei Rickermann die Heimkehr des deutschen Brudervolkes.
    12.03.1938 Zu einer machtvollen Heldengedenkfeier versammelten sich die Angehörigen der Partei, Gliederungen der soldatischen Verbände und zahlreiche Volksgenossen am Ehrenmal um derjenigen zu gedenken, die ihr Leben für Deutschland gaben. Nach einem, vom Hitlerjungen gesprochenen Prolog, ergriff der Kriegerkameradschaftsführer das Wort zu der Heldenehrung. In bewegten Worten schilderte er das Leben und Sterben unserer braven Feldgrauen, das Hohelied der Langemarkkämpfer, das Sterben unserer Helden hätte aber keinen Sinn, wenn nicht die Blutzeugen des neuen Deutschland das Vermächtnis der Front treu erfüllten. Sie starben alle, damit wir leben. Nach des Führers Spruch: Und mögen Jahrtausende vergehen, so wird man nie vom Heldentum reden und sagen dürfen, ohne des deutschen Heeres des Weltkrieges zu gedenken, legte der Kriegerkameradschaftsführer unter dem Lied des guten Kameraden den Kranz am Ehrenmal nieder. Der Ortsgruppenleiter sprach zum Abschluß. Dann ging es mit Marschmusik des Reckenfelder Blasorchesters zum Deutschen Haus. Dort dampften zwei Gulaschkanonen. Reckenfeld vereinte sich hier zum ersten öffentlichen Eintopfessen. Unter flotter Marschmusik wurde die vorzüglich zubereitete Erbsensuppe gegessen.
    16.03.1938 Erfreulicher Auftrieb im heimischen Sportleben. Um den Reckenfelder Sport war es im letzten Halbjahr ruhig und ruhiger geworden. Während in vielen Orten Mangel an guten Sportplätzen herrscht, war hier die seltene Tatsache zu verzeichnen, daß ein prächtiger Sportplatz ohne Sporttreibende besteht. Zugegeben, daß zeitweise durch den Arbeits- und Wehrdienst mehr oder weniger Lücken in den Reihen der Sportler entstanden, mußten andere Wege beschritten werden, um auch hier dem Sportgedanken den erwünschten Aufrieb zu geben. So ist es zu begrüßen, daß der Geschäftsführer des früheren Rasensportvereins, E. Deitmar, hier eingriff und sämtliche Sportler Reckenfelds zu einem Generalappell nach Rickermann berief. Dieser Einladung wurde erfreulicherweise sehr zahlreich Folge geleistet. Daß auch die Partei berechtigtes Interesse an der Ausübung gesunden Sports hat, wurde durch die Anwesenheit des Ortsgruppenleiters der NSDAP Peters unterstrichen. Letzterer brachte dieses in seiner Ansprache zum Ausdruck; er versprach seine vollste Unterstützung, sobald er positive Arbeit feststellen könne.

    In der folgenden Aussprache wurde die Frage aufgeworfen, ob der Verein den alten Namen beibehalten solle, oder eine vollständige Neugründung vorzunehmen sei. Der frühere Vereinsführer, Gahrens, dem an dieser Stelle nochmals für seine frühere Arbeit beim Rasensportverein gedankt werden solle, legte die Frage eindeutig klar. Aus verständlichen Gründen wurde die Neugründung abgelehnt, der Verein trägt lediglich ab sofort den Namen Sportvereinigung 1929. Die Wahl erbrachte in Josef Lüttecke den neuen Vereinsführer. Er nahm die Wahl an und forderte von allen Sportlern, den Sport stets im Sinne des Führers durchzuführen. Hierzu gehört in erster Linie ein sportliches Verhalten inner- wie außerhalb des Vereins. Zu Mitarbeitern wurden bestimmt: zum Kassierer Fritz Seel, Geschäftsführer E. Deitmar, Spielobmann Grabowski, Jugendobmann Hünnekens, Ballwart A. Gahrens. Den Spielführer wählten die Mannschaften unter sich. Blockkassierer sind für A: Gahrens, B: Legro, C: Benning und D: Jagenowski. Als Vereinslokal wurde Rickermann einstimmig gewählt. Der anwesende Ortswalter der DAF versprach ebenfalls seine vollste Unterstützung in jeder Hinsicht. In dem nachfolgenden Schlußwort dankte Pg. Deitmar nochmals allen, die zu diesem Erfolg mitgeholfen haben.
    17.03.1938 Glänzendes Ergebnis des ersten öffentlichen Eintopfessens. Das erste öffentliche Eintopfessen in Reckenfeld war ein ganzer Erfolg, ebenso die Listensammlung. Es ist dem Ortsbeauftragten des WHW, Pg. Bolte, Herzensbedürfnis, allen ehrenamtlichen Helfern an dieser Stelle zu danken. Ein besonderer Dank gebührt dem Bürgermeister Pg. Peters, der ein 200pfündiges Schwein zu diesem Essen stiftete. Nicht vergessen sei der Hersteller dieser vorzüglichen Erbsensuppe, Joh. Theißing, Greven. Nach Abschluß der Eintopfsonntage des Winterhalbjahres dankte Pg. Bolte ebenso allen Reckenfeldern, die durch ihre Spenden mitgeholfen haben, ein immer besseres Ergebnis zu erzielen.
    17.03.1938 Jeder tue seine Pflicht! Zur besseren Durchführung der Opferbuchspenden sind ab sofort einzelne Blätter zur Einzeichnung ausgelegt und zwar: im Deutschen Haus, Rickermann am Bahnhof, in den Schulen von Herbern, Westerode und Aldrup. Es ist selbstverständlich, daß jeder hier seine Pflicht tut.
    20.03.1938 Elternabend der Volksschule 2. Am Sonntag, dem 20. März 1938, nachm. 16 Uhr findet im "Deutschen Haus" ein Elternabend der Volksschule 2 statt. Das gut einstudierte umfangreiche Programm garantiert recht schöne Stunden. Alle Eltern und Volksgenossen Reckenfelds sind zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen.
    20.03.1938 Aus dem Reckenfelder Sport. Den Worten des vorletzten Sonntags anläßlich des Generalappells folgte gestern die Tat. Zu einem Trainingsspiel standen sich Spielvereinigung und eine Mannschaft der SA Reckenfeld gegenüber. Das Spiel zeigte, daß bei gutem Training sich eine gute Mannschaft heranbilden läßt. Trotzdem die lange Pause sich zu Anfang des Spieles bemerkbar machte, so konnte man feststellen, mit welcher Energie und Begeisterung gespielt wurde. Hoffentlich können wir in Zukunft Erfreuliches über die Spielvereinigung laufend berichten. Das gestrige Spiel brachte den Reckenfeldern einen Sieg von 7:0, der den Leistungen des jungen Vereins entsprach. Gleichzeitig sollen sich Schüler und Jugendliche beim Geschäftsführer Deitmar, Bahnhofstraße, melden, da noch Mannschaften gebildet werden sollen.
    22.03.1938 Glänzende Veranstaltung der (evgl.) Volksschule 2. Endlich war der ersehnte Tag da, an dem die Jungen und Mädchen nach eifrigem Üben mit ihrem Können an die Öffentlichkeit treten konnten. Die von den Lehrpersonen und Kindern aufgewandten Mühen wurden durch einen recht gutbesuchten Saal des Deutschen Hauses und durch stürmischen Beifall belohnt. In seiner Eröffnungsansprache brachte Pg. Lehrer Rathert seine Freude zum Ausdruck, daß seiner Einladung so zahlreich Folge geleistet wurde. Er begrüßte dann u. a. auch den erschienenen Schulrat Pg. Dr. Knops, den Kreiskassenleiter Sauer, den Bürgermeister und Ortsgruppenleiter der NSDAP Peters und Oberlehrer der Volksschule 1 Pg. Dilla. Dann gab Lehrer Rathert die zwei Hauptteile des Programms bekannt, in dem ersten soll Deutschland und Österreich, im zweiten Teil "Kraft durch Freude" sinngemäß zum Ausdruck gebracht werden. Nach dem gut eingeübten Sprechchor "Wir tragen das Vaterland im Herzen", ergriff der Schulrat das Wort. Es freue ihn, an dieser Veranstaltung teilnehmen zu können und erinnerte nochmals an das erste Schul- und Sportfest hier, daß er immer noch in angenehmer Erinnerung habe.

    Nach einer kurzen Beleuchtung der unrühmlichen Systemzeit lenkte er zu dem letzten großen Ereignis, die Schaffung des Großdeutschlands über. Dann hob er die verantwortungsvolle Stellung der Lehrerschaft in der heutigen Erziehung der Jugend hervor. Als Richtschnur habe unbedingt das Vorbild unseres herrlichen Führers zu gelten. Nach der nun einsetzenden kurzen Pause wickelte sich das Programm wunschgemäß ab. Einzelne Punkte besonders zu erwähnen erübrigt sich, da alle Darbietungen restlos begeisterten, welches immer wieder durch stürmischen Beifall unterstrichen wurde. Am Schluß sprach der Ortsgruppenleiter der NSDAP, dem die Jugend besonders ans Herz gewachsen ist. Mit einem Gruß an den Führer erreichte diese schöne Veranstaltung ihr Ende. An dieser Stelle sei besonders dem Pg. Lehrer Rathert gedankt, durch dessen Initiative der Bevölkerung diese herrlichen Stunden beschert wurden.
    22.03.1938 Ehrenvolle Auszeichnung. Oberstfeldmeister Vogels, Führer des hiesigen Arbeitsdienstlagers erhielt die Ehrenurkunde der Reichsregierung für Einsatz mit Blut und Leben für Deutschlands Bestand in den Nachkriegsjahren.
    22.03.1938 Pflichtversammlung der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes. Morgen, Sonntag, den 27. März, um 15.30 Uhr findet diese im Deutschen Haus statt. Alle Frauen, auch Nichtmitglieder, nehmen hieran teil, ebenso BDM und die Hausgehilfinnen, letztere die der DAF angeschlossen sind. Es spricht Pgn. Frau von Ditforth.
    29.03.1938 Achtung, Kameraden der NS-Kriegsopferversorgung! Der Kameradschaftsführer, Pg. Bartmann, gibt bekannt, daß alle Mitglieder restlos an der am 31. März, abends 20 Uhr, im Deutschen Haus stattfindenden Wahlversammlung zu erscheinen haben.
    30.03.1938 Morgen Donnerstag, den 31. März, abends 20 Uhr spricht im Deutschen Haus Gauredner Pg. Schmidt. Hier erscheinen alle Reckenfelder zum Beweise, dass sie ebenso zahlreich am 10. April kommen, um dem Führer ihr "Ja" zu bringen. Jeder Reckenfelder erscheint und ist pünktlich zur Stelle!

    30.03.1938 Achtung, alle Reckenfelder herhören! Mit Rücksicht auf die ungeheure Wichtigkeit des 10. April ordnet der Ortsgruppenleiter der NSDAP folgendes an: Sämtliche Wahlberechtigte und bis zum 10. April wahlberechtigt werdenden Reckenfelder Volksgenossen, welche auf Nordwalder Gebiet wohnen werden ersucht, sich sofort einen Wahlausweis (Stimmzettel) von der zuständigen Behörde zu besorgen. Diese Volksgenossen können dann, um sich den weiten Weg zum Nordwalder Wahllokal zu sparen, hier wählen. Wer bis zum 2. April dieses Jahres noch nicht im Besitze eines Wahlausweises ist, meldet sich sofort beim zuständigen Zellenleiter der NSDAP oder beim Organisationsleiter, Pg. Rathert, oder beim Ortsgruppenleiter Pg. Peters, ebenso melden sich diejenigen bei den Genannten, die sich aus Krankheits- oder anderen Gründen keinen Wahlausweis besorgen können. Bei Angehörigen oder Bekannten, die über den 10. April dieses Jahres verreist sind, haben die Eltern, Geschwister oder Nachbarn die Pflicht, festzustellen, ob bis zum 2. April dieses Jahres ein Wahlausweis beantragt ist. Verneinendenfalls ist dieses unter Angabe des Namens und Geburtsdatums sofort bei den oben genannten Meldestellen anzubringen. Alle Reckenfelder, die in der letzten Zeit zugezogen sind, müssen selbstverständlich polizeilich gemeldet sein, auch diese haben sich rechtzeitig von ihrer Eintragung in der Wahlliste zu überzeugen. Die große Tat des Führers fordert unseren heißen Dank, den wir dadurch abstatten, in dem jeder Volksgenosse am 10. April dem Schöpfer Großdeutschlands sein "Ja" gibt. Daher hat kleinlicher oder persönlicher Hader oder Streit zurückzustehen, alles muß am 10. April vergessen sein, am 10. April gibt es nur eins, ein bekenntnisvolles "Ja". Morgen Donnerstag, den 31. März, abends 20 Uhr spricht im Deutschen Haus Gauredner Pg. Schmidt. Hier erscheinen alle Reckenfelder zum Beweise, daß sie ebenso zahlreich am 10. April kommen, um dem Führer ihr "Ja" zu bringen. Jeder Reckenfelder erscheint und ist pünktlich zur Stelle.

    30.03.1938 Die deutschen Frauen tun ihre Pflicht! Die Ortsfrauenschaftlerin Frau Rathert eröffnete die Versammlung mit dem deutschen Gruß; ein besonderer Gruß galt der Kreisfrauenschaftlerin Frau von Ditforth, sowie Ortsgruppenleiter Pg. Peters und Pg. Umlauf. Nachdem von den BDM ein gemeinschaftliches Lied gesungen war, ergriff Frau von Ditforth das Wort und betonte besonders, daß es ihr eine große Freude sei, ihre erste Wahlversammlung in Reckenfeld abhalten zu dürfen und es müsse für uns alle eine Bekenntnisfreude sein, dem Führer am 10. April ein "Ja" zu geben. Anschließend wurden noch kurz die Frauenaufgaben besprochen. Mit ruhiger, ergreifender Stimme hatte die Rednerin die Herzen aller gebannt, was durch einen nicht enden wollenden Beifall so recht zum Ausdruck kam. Pg. Peters dankte noch allen für das gute Folgen. Jeder möge sich die Worte zu Herzen nehmen und danach am 10. April handeln. Mit einem dreifachen Sieg-Heil und den Nationalliedern schloß die Kundgebung.

    31.03.1938 Alle Reckenfelder zur Stelle. Heute Abend, 20 Uhr, spricht im Deutschen Haus Gauredner Pg. Schmidt. Durch restloses Erscheinen sämtlicher Volksgenossen soll Reckenfeld sein Bekenntnis zum 10. April unter Beweis stellen. Alles ist pünktlich zur Stelle.

    31.03.1938 Wir brauchen jede Stimme! Die gestern Abend im Deutschen Haus stattgefundene Wahlversammlung brachte dem Gauredner Pg. Schmidt ein volles Haus. Nachdem der Ortsgruppenleiter die Anwesenden, insbesondere den Redner des Abends begrüßt hatte, brachte ein Hitlerjunge "Die Fahne" von Holzamer stimmungsvoll vor. Daraufhin sprach Pg. Schmidt. Er führte u. a. aus: Früher, als wir als Nationalsozialisten noch vereinzelt dastanden, wurde es uns nicht leicht gemacht, sich zum Führer zu bekennen.

    Heute, wo wir stark und groß sind, können wir voller Stolz auf den Mann blicken, der aus einem ohnmächtigen zerrissenen Volke wieder einen jahrhundertealten Traum, die Schaffung Großdeutschlands, verwirklichte. Auf die letzten Ereignisse übergehend, schilderte Pg. Schmidt sein persönliches Erlebnis beim Einzug in Österreich am 12. März. Überall Freude nach einer jahrelangen Knechtschaft. Der Aufbau und die Schaffung Großdeutschlands verpflichten uns aber dem Manne, der diese heroische Tat vollbrachte. Dass nun das ganze Volk hinter dem Führer steht, beweisen wir am 10. April.

    31.03.1938 Helft Devisen sparen. Trotz der großen Ereignisse der letzten Wochen ist es Pflicht eines jeden Volksgenossen, darüber nicht die großen Aufgaben des Vierjahresplanes zu vergessen. Vor allen Dingen ist hier die planmäßige Erfassung der Altmaterialien gemeint. Man kann wiederholt die Feststellung machen, daß den meisten Leuten die Bedeutung dieser Sammlung nicht klar ist. Die restlose Erfassung der Altmaterialien hilft mit, wertvolle Devisen zu sparen. Es ist daher zweckmäßig, die anfallenden Produkte, z. B. Blechdosen aller Art usw. auf einer geeigneten Stelle des Hofes zu sammeln. Der für Reckenfeld allein hierfür bestimmte Produktenhändler ist Gustav Indenbirken, Ortsteil C. Dieser wird in regelmäßigen Zeitabständen diese Altmaterialien abholen.

    02.04.1938 Opferschießen des Schützenvereins "Eintracht". Unter der Parole: "Wir schießen und kämpfen für Adolf Hitler und sein großes Deutschland" wird der hiesige Schützenverein am Sonntag ein Opferschießen durchführen. Es ist Pflicht eines jeden Schützenkameraden, zu erscheinen. Auch bittet der Vereinsführer J. Hermanns alle Mitglieder der Gliederungen, daran teilzunehmen. Das Schießen findet auf dem neuen Schießstand bei Brinkmeyer von 10 bis 18 Uhr statt.
    05.04.1938 Soldaten und Kameraden. Die erfreuliche Aufwärtsentwicklung der Kameradschaft zeigt sich durch die immer mehr ansteigende Mitgliederzahl. Fast sämtliche Kameraden waren daher zum außerordentlichen Appell im Deutschen Haus zur Stelle. Es wurde die Verfügung des NS-Reichskriegerbundes bekanntgegeben, wonach der Führer als Schirmherr des Bundes den Neuaufbau im Interesse aller Soldaten regelt. Zur Wahl am kommenden Sonntag übergehend erklärte der Kameradschaftsführer, daß es selbstverständlich ist, daß alle Kameraden unserem Führer am 10. April unser "Ja" geben. Nunmehr ist auch die Schießgruppe zusammengestellt, um beim Bundesschießen die Kameradschaft zu vertreten. Diese Gruppe übt zweimal im Monat am Stand, und durch die Schießbücher erhält jeder die Kontrolle seiner Schießleistung. Ferner wurde angeregt, einen eigenen Spielmannzug aufzustellen. Kameraden, welche die Eignung hierzu haben, melden sich beim Kameraden August Reinert.
    05.04.1938 Opferschießen des Schützenvereins. Unaufhörlich knallten die Büchsen auf dem neuen Schießstand bei Brinkmeyer im Dienste des Winterhilfswerkes. Neben dem, mit der Führung dieses Schießens beauftragten Vereins, stellten sich erfreulicherweise recht viele Volksgenossen in den Dienst der guten Sache. Heiß tobte der Kampf, und es wurden recht beachtliche Leistungen gezeigt. Durch Stechen der beiden besten Schützen (36 Ringe) qualifizierte sich H. Brinkmeyer als erster und wurde mit der goldenen Medaille belohnt, die silberne erhielt als zweiter Eduard Handschuh, die bronzene als dritter Unterfeldmeister Eugen Schmidt.
    07.04.1938 Ein ungehöriger Bubenstreich. Der gegen 15 Uhr passierende Eilzug wurde zwischen Reckenfeld und Emsdetten mit Steinen beworfen (Das Foto zeigt nicht die Kinder, die das gemacht haben. Glücklicherweise wurden nur Scheiben zertrümmert, ohne daß Fahrgäste verletzt wurden. Leicht hätten ernstliche Verletzungen entstehen können. Eltern und Erzieher werden gebeten, den Kindern dieses gefahrvolle und strafbare Treiben nachdrücklich zu verbieten. Für den entstehenden Schaden können die Eltern voll verantwortlich gemacht werden.
    07.04.1938 Junge Arbeitsmänner sind wieder da (Foto). Nachdem das hiesige Arbeitslager 14 Tage verwaist war, herrscht nun wieder Hochbetrieb. Junge Arbeitsmänner, hauptsächlich aus dem Mindener-Ravensberger Land trafen ein. Geschlossen, mit Sang und Klang, ging es vom Bahnhof zum Arbeitslager. Wenn die Neulinge erst eingekleidet sind und ihren ersten Ausgang wagen, haben wir wieder das gewohnte Bild, welches hier keiner vermissen möchte.
    08.04.1938 Dein Dank ist dein "Ja"! Eine imposante Wahlkundgebung fand gestern Abend beim Pg. Rickermann am Bahnhof statt. Der Redner des Abends, Pg. Heckmann, Münster, fand mit seinen lebendigen und hochinteressanten Ausführungen allgemeine Aufmerksamkeit. Im Einzelnen verbreitete er sich über die Agrarfrage und wies die ungeheuren Bestrebungen der Reichsregierung nach, auch dem Landvolk in jeder Beziehung zu helfen. Die vielen Wege, die die Regierung beschreitet, um vor allem die Landflucht einzudämmen, waren Gegenstand ausführlicher Betrachtung. Zu den geschichtlichen Ereignissen des Vormonats übergehend führte der Redner den Leidensweg des österreichischen Volkes vor Augen. Je mächtiger man versuche, unsere deutschen Brüder von uns zu trennen, umso stärker rief die Stimme des Blutes. Einem Adolf Hitler blieb es vorbehalten, den ewigen Traum aller Deutschen zu erfüllen. Zu dieser Tat will der Führer der Welt beweisen, dass es die Tat des ganzen Volkes ist. Und du beweise, dass du ein Deutscher bist, und dein Dank sei dein "Ja" am 10. April.

    08.04.1938 Anordnungen zum 9. April. Der Ortsgruppenpropagandaleiter gibt bekannt, dass auf das Kommando Dr. Goebbels "Heißt die Flaggen" sämtliche Häuser zu beflaggen sind. Die Rede des Führers um 20 Uhr wird im Rundfunk übertragen. Sämtliche Volksgenossen Reckenfelds sind zum Gemeinschaftsempfang im Deutschen Haus eingeladen. Die Teilnahme der Angehörigen der Partei und ihrer Gliederungen ist Pflicht.

    12.04.1938 Auch die Kleinsten haben nun ihre Ferien. Die kleinen Schüler- und Schülerinnen des Kindergartens begingen den letzten Schultag vor den Osterferien recht festlich. Die "Tanten" hatten in liebevoller Weise für Körbchen mit bunten Ostereiern und Zuckersachen gesorgt, die unter Hallo an die Kleinen verteilt wurden. Jetzt folgten die verschiedenen Osterhasenspiele, die den Kindern recht viel Freude bereiteten. Ein Teil dieser Kinder verläßt nun den Kindergarten, um nach Ostern die "große" Schule zu besuchen. Diese wurden besonders bedacht, um ihnen den Abschied zu erleichtern, u. a. erhielten sie ein Heft mit ihren selbstgefertigten Bildern, die bemalt und ausgeschnitten waren und in diesem säuberlich eingeklebt sind. Nun ging es noch einmal auf die große Spielwiese um im Sonnenschein noch ein wenig herumzutollen. Dann folgte als Abschluß des Tages zum ersten Mal eine Flaggenhissung. Recht zünftig standen alle in Reih und Glied und sangen recht kräftig das Horst-Wessel-Lied. Nun schlug die Abschiedsstunde und mit einem freundlichen Händedruck wurden die Kleinen dann in die Ferien geschickt. Der Leiterin, Fräulein Vahlkampf und ihren Mitarbeiterinnen aber gebührt für ihre nicht zu leichte, aber segensreiche Arbeit an dieser Stelle der Dank aller Reckenfelder. - Der Kindergarten wird am Mittwoch nach Ostern wieder geöffnet. Es können dann wieder neue Kinder aufgenommen werden. Kinder unter 3 Jahren werden nur in besonderen Fällen aufgenommen.

    12.04.1938 Der 10. April in Reckenfeld. Nachdem der Wahltag hier würdig wie im ganzen Reich durch den Feiertag des Großdeutschen Reiches eingeleitet wurde, begann am Sonntagmorgen die historische Wahl des 10. April 1938. Schon zu Beginn der Wahl stellten sich die Reckenfelder Siedler zahlreich ein, so dass bis Mittag der größte Teil der Bevölkerung ihrer Wahlpflicht genügte. Dann traten die Männer des NSKK an, um die Gehbehinderten zur Wahlurne zu geleiten. Mit Spannung erwartete man nach 17 Uhr dann das Wahlergebnis, das ja gut ausgefallen ist.

    (Anm.: Grafik: Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps). Die Aufnahme in das NSKK setzte keinen Führerschein und keine Kenntnisse über Kraftfahrzeuge voraus. Viele Mitglieder waren jedoch Kfz-Meister und -Handwerker. Das NSKK hatte ein von der SA abgeleitetes Dienstgradsystem und verwendete die Uniform der früheren Motor-SA. Diese bestand aus dem Braunhemd der NSDAP mit Dienstgradabzeichen und Einheitsbezeichnung auf den Kragenspiegeln, einem braunen Binder sowie schwarzen Reithosen und -stiefeln, dazu ein schwarzes Koppel mit Schulterriemen. Zur Unterscheidung von der SS, deren Traditionsuniform ähnlich aussah, wurde von den Angehörigen des NSKK am linken Unterarm die sogenannte "Kraftfahrer-Raute" (weißes Lenkrad in schwarzem Feld) getragen. Diese Uniform wurde später durch eine braun-grüne Jacke mit schwarzem Stehkragen ergänzt.)
    15.04.1938 Auf der Hauptverkehrsstraße soll man nicht nebeneinander Radfahren, der eigenen Gefahr und des polizeilichen Verbots wegen. Noch weniger soll man dann über eine angeregte Unterhaltung die Gefahr der Straße vergessen. Zwei Radfahrer fuhren dieser Tage trotzdem nebeneinander und inmitten eifrigen Gesprächs gerieten beide Lenkstangen ineinander und fanden sich im Graben wieder. Ernstliche Verletzungen waren zum Glück nicht zu verzeichnen. Dieser Vorfall diene daher allen zur Mahnung.
    15.04.1938 Splitter der Woche. Der Wochenbeginn stand noch ganz im Banne der historischen Wahl des 10. April. Recht freudig diskutierte man das einzig in der Welt dastehende Treuebekenntnis des deutschen Volkes zu seinem Führer.

    19.04.1938 Vereidigung. Die zu vereidigende Führerschaft der NSDAP und der angeschlossenen Verbände tritt morgen, Mittwoch, um 19 Uhr, auf dem Domplatz in Münster (vor dem Hauptpostamt), an. Die zu vereidigenden Amtsleiter und Amtswalter von Reckenfeld fahren mit dem Zug 16.57 Uhr ab hier. 10 Minuten vor Abgang des Zuges ist alles zur Stelle. Anzug: Dienstanzug mit Rock und Bluse, soweit vorhanden auch Mäntel.

    19.04.1938 Reckenfeld feiert den Führer. Morgen, Mittwoch, findet in der Gauschule die Feier des Geburtstages unseres Führers statt. Beginn Punkt 19 Uhr. Zu dieser Feier sind sämtliche Reckenfelder Volksgenossen freundlichst eingeladen. - In Verbindung mit der Feier findet die Aushändigung der Mitgliedsbücher und -karten statt.

    19.04.1938 Generalversammlung der Sportler. Am Ostertag trafen sich die Mitglieder der Sportvereinigung 1929 im Vereinslokal Rickermann am Bahnhof zu einer Generalversammlung. Der Vereinsführer Josef Lüttecke eröffnete diese und begrüßte die zahlreich erschienenen Sportsfreunde. Dann folgte die Erledigung der recht umfangreichen Tagesordnung. Zunächst verlas der Geschäftsführer Ernst Deitmar das Protokoll des 13. März, an diesem Tage wurde die Neuorganisation des Vereins durchgeführt. Der Bericht ist dahingehend ergänzt worden, daß als Jugendobmann Karl Fischer (Foto rechts) und dieser mit Hubert Todemann als Schiedsrichter bestimmt wurden. Der Geschäftsführer D. gab dann Sinn und Zweck der vom Reichssportführer veranstalteten Lotterie bekannt, die vorhandenen Lose wurden restlos abgesetzt. Der Schriftführer Willi Bosse gab dann den Stand der Verhandlungen mit auswärtigen Vereinen bekannt, zur Zeit sind diese stark mit den Meisterschaftsspielen beschäftigt. Als Kassenführer haben nunmehr vierteljährlich die Kameraden Karl Fischer (Foto) und August Fehr ihres Amtes zu walten. Als Unterkassierer für den Ortsteil C wurde Hubert (Bernhard?) Zumdick (Foto) bestimmt. Die wöchentlichen Trainingsabende wurden auf Dienstag und Freitag festgesetzt. Da recht viel Interesse für Leichtathletik vorhanden ist, soll nunmehr eine Abteilung dieses Sportzweiges gegründet werden. Der Vereinsführer gab dann noch bekannt, daß zur ordnungsmäßigen Führung des Vereins auch die peinliche Erledigung der geldlichen Verpflichtung gehört. Er bat daher die Mitglieder für regelmäßige Zahlung der Beiträge besorgt zu sein.
    21.04.1938 Wie Reckenfeld den Geburtstag des Führers beging. Der 20. April, der Geburtstag unseres Führers wurde am frühen Morgen schon durch reichlichen Flaggenschmuck eingeleitet. Im wahrsten Sinne des Wortes feierten alle den Geburtstag des Führers. Zunächst waren es die Kleinsten des Kindergartens, die vor den Größten nicht zurückstehen wollten. Diese kleine Feier endete mit dem Host-Wessel-Lied, welches die Kleinen dem Führer als Gruß darbrachten. Ein doppeltes Erlebnis bildete dieser Tag für die Abc-Schützen, die Schulanfang und Geburtstagsfeier des Führers zugleich erlebten. Die Feiern der Schulen waren ganz auf die Bedeutung des Tages abgestellt. Die Arbeitsdienstabteilung hier gestaltete diesen Tag ebenfalls recht feierlich.

    Nachmittags erfolgten im Rahmen dieser Feiern die Aufnahmen des Jahrganges 1928 in das Jungvolk. Der Vertreter des Fähnleinführers, Vorndamme, Greven, richtete den Appell an die Jungen, sich in kameradschaftlicher Weise, den Führer als Vorbild, für die Belange dieser deutschen Jugendbewegung stets und immer einzusetzen. Zu einer schlichten Feierstunde versammelten sich dann um 19 Uhr alle Reckenfelder in der Gauschule. In dem, mit den Symbolen des Dritten Reiches festlich geschmückten Raum begrüßte der Ortsgruppenleiter die Anwesenden. Sein und aller Gruß galt zunächst dem Manne, der an der Spitze des Reiches Deutschlands Geschicke lenkt und dessen Geburtstag wir feiern. Dann ergriff der Schulleiter Pg. Lüdken das Wort, um in überzeugenden Ausführungen das Leben und Wirken unseres Führers zu schildern. Die Größe unseres herrlichen Führers aber verpflichte uns immer wieder, ihm nachzueifern und mitzuarbeiten, ganz gleich wo jeder steht. Recht lebhafter Beifall belohnte den Redner für seine zu Herzen gehenden Worte. Der Ortsgruppenleiter dankte ebenfalls und knüpfte an, dass wir alle nur einen Wunsch haben, der Herrgott möge den Führer noch recht lange erhalten.

    24.04.1938 Der 20. April stand ganz im Zeichen des Geburtstages unseres Führers. In den verschiedenen Feiern ehrte man den Schöpfer Großdeutschlands.

    20.04.1938 Vereidigung. Die zu vereidigende Führerschaft der NSDAP und der angeschlossenen Verbände tritt morgen, Mittwoch, um 19 Uhr, auf dem Domplatz in Münster (vor dem Hauptpostamt), an. Die zu vereidigenden Amtsleiter und Amtswalter von Reckenfeld fahren mit dem Zug 16.57 Uhr ab hier. 10 Minuten vor Abgang des Zuges ist alles zur Stelle. Anzug: Dienstanzug mit Rock und Bluse, soweit vorhanden auch Mäntel.

    20.04.1938 Ein langgehegter Wunsch geht in Erfüllung. Den berechtigten Wünschen der Reckenfelder, auch Sonntagsfahrkarten zum Industriegebiet am hiesigen Schalter zu erhalten, hat nunmehr die Reichsbahn entsprochen. Ab 1. Mai ds. Jahres werden also Sonntagsfahrkarten zum Industriegebiet (Dortmund, Gelsenkirchen, Essen usw.) am Bahnhofsschalter verausgabt. Die umständliche Lösung dieser Karten im Münsterschen Hauptbahnhof erübrigt sich nunmehr.

    21.04.1938 Wie Reckenfeld den Geburtstag des Führers beging. Der 20. April, der Geburtstag unseres Führers wurde am frühen Morgen schon durch reichlichen Flaggenschmuck eingeleitet. Im wahrsten Sinne des Wortes feierten alle den Geburtstag des Führers. Zunächst waren es die Kleinsten des Kindergartens, die vor den Größten nicht zurückstehen wollten. Diese kleine Feier endete mit dem Host-Wessel-Lied, welches die Kleinen dem Führer als Gruß darbrachten. Ein doppeltes Erlebnis bildete dieser Tag für die ABC-Schützen, die Schulanfang und Geburtstagsfeier des Führers zugleich erlebten. Die Feiern der Schulen waren ganz auf die Bedeutung des Tages abgestellt. Die Arbeitsdienstabteilung hier gestaltete diesen Tag ebenfalls recht feierlich. Nachmittags erfolgten im Rahmen dieser Feiern die Aufnahmen des Jahrganges 1928 in das Jungvolk. Der Vertreter des Fähnleinführers, Vorndamme, Greven, richtete den Appell an die Jungen, sich in kameradschaftlicher Weise, den Führer als Vorbild, für die Belange dieser deutschen Jugendbewegung stets und immer einzusetzen.

    Zu einer schlichten Feierstunde versammelten sich dann um 19 Uhr alle Reckenfelder in der Gauschule. In dem, mit den Symbolen des Dritten Reiches festlich geschmückten Raum begrüßte der Ortsgruppenleiter die Anwesenden. Sein und aller Gruß galt zunächst dem Manne, der an der Spitze des Reiches Deutschlands Geschicke lenkt und dessen Geburtstag wir feiern. Dann ergriff der Schulleiter Pg. Lüdken das Wort, um in überzeugenden Ausführungen das Leben und Wirken unseres Führers zu schildern. Die Größe unseres herrlichen Führers aber verpflichte uns immer wieder, ihm nachzueifern und mitzuarbeiten, ganz gleich wo jeder steht. Recht lebhafter Beifall belohnte den Redner für seine zu Herzen gehenden Worte. Der Ortsgruppenleiter dankte ebenfalls und knüpfte an, daß wir alle nur einen Wunsch haben, der Herrgott möge den Führer noch recht lange erhalten.

    22.04.1938 Obwohl der launische April sein Unwesen treibt, hat der Verkehrsverein an markanten Punkten der Ortschaft die Ruhebänke aufstellen lassen, in der guten Hoffnung, daß doch bald schönes Wetter folgen muß. Die Bänke werden dem Schutze der Bevölkerung wärmstens empfohlen. Den Unverbesserlichen wird geraten, ihr Monogramm usw. anderweitig anzubringen und diejenigen, die gerne ihre Kraftprobe an den Bänken versuchen wollen, mögen sich vorher beim Verkehrsverein melden, dieser weist nützlichere Trainingsgegenstände nach.

    26.04.1938 Vom Ziegenzuchtverein. Der Vereinsführer hatte seine Mitarbeiter zu einer wichtigen Vorstandssitzung in das Deutsche Haus geladen. Neben anderen Fragen wurde besonders die nun anstehende Grasverteilung geregelt. Um eine zweckmäßige Verteilung durchzuführen, werden diejenigen Mitglieder, die nicht über genügend eigene Grasflächen verfügen gebeten, sich bis spätestens zum 1. Mai d. J. bei dem zuständigen Blockwart zu melden. (Für A bei Nolting, B bei Klein, C bei Bosse und D bei Fritz Becker). Wer diesen Termin versäumt, kann bei der Grasverteilung nicht mehr berücksichtigt werden. Dann wurde beschlossen, am 8. Mai d. J. eine größere Mitgliederversammlung im Deutschen Haus durchzuführen. Zu dieser Versammlung sind die Herren Tchenscher (Recklinghausen) und Beyer (Münster) gewonnen, die im Rahmen eines interessanten Lichtbildvortrages über die Wichtigkeit einer intensiven und planmäßigen Haltung unserer Tiere, unter besonderer Berücksichtigung der Stellung im Vierjahresplan, sprechen. Nach Erledigung weiterer Angelegenheiten erreichte die Sitzung ihr Ende.

    27.04.1938 Jung gewohnt, alt getan. Wie in den übrigen Ortschaften, haben auch die hiesigen Volksschulen den sogenannten Schulgarten. Die Gemeinde und die Siedlungsgemeinschaft Münster-Land stellten entsprechende Flächen zu diesem Zwecke zur Verfügung. Es ist ein guter Gedanke, den Kindern schon frühzeitig die Betätigung auf Grund und Boden anzuerziehen, woraus sich zwangsläufig die Liebe zur Heimatscholle ergeben muß. Neben der ideellen Bewertung tritt als gleichfalls wichtiges Moment der wirtschaftliche Nutzen der vielen Schulgärten von nicht zu unterschätzender Bedeutung in Erscheinung. Es werden vornehmlich Produkte angebaut, die ganz oder teilweise aus dem Ausland gegen kostbare Devisen eingeführt werden müssen. Neben Mais wird hauptsächlich der Anbau lebenswichtiger Heilkräuter betrieben. Die Kinder lernen auf diese Art die gebräuchlichsten Kräuter kennen und werden von den Lehrpersonen auf die vielseitigen Anwendungsgebiete verwiesen. Durch das Einsparen der Devisen helfen die Schulkinder mit, wenn auch in bescheidenem Maße, den Vierjahresplan zu verwirklichen. Der Schulgarten der evang. Schule z.B. war vorher Ödland, welcher durch unsere Arbeitsdienstmänner zunächst erst fruchtbar gemacht werden mußte. Es ist ein prächtiger Anblick, mit welchem Eifer die Jungen und Mädel "ihren Garten" bearbeiten. Nun sind die Gärten fast hergerichtet, und wenn es der Wettergott gut meint, können wir wie im Vorjahre über erfreuliche Ernteergebnisse berichten.

    01.05.1938 Alle Reckenfelder werden zur Stelle sein! Samstag, den 30. April, tritt die gesamte Hitler-Jugend um 19.30 Uhr auf dem Dorfplatz an. Es folgt die Aufrichtung des Maibaumes im Rahmen einer kurzen Feierstunde.

    Sonntagmorgen 6 Uhr Wecken. Die gesamte Schuljugend versammelt sich um 8 Uhr zum Gemeinschaftsempfang vor der Volksschule I. Alle Reckenfelder erscheinen 11.50 Uhr im Deutschen Haus, um die Übertragung aus dem Lustgarten in Berlin beizuwohnen. Anschließend im gleichen Lokal gemeinschaftliches Mittagessen, 14.30 Uhr große Volksbelustigung auf der Spielwiese des Kindergartens; sämtliche Reckenfelder sind mit ihren Kindern zur Stelle. Den Schießlustigen ist Gelegenheit zu einem Preisschießen auf dem Stand bei Brinkmeyer gegeben. Im Übrigen ist in den Lokalen fröhliches Zusammensein unter dem Motto: "Freut euch des Lebens". Die Bevölkerung wird herzlichst gebeten, durch reichen Flaggenschmuck die Bedeutung des nationalen Feiertages sinnvoll zu unterstreichen.

    "Freut euch des Lebens". Der Nationale Feiertag des deutschen Volkes stand ganz im Zeichen der Parole: "Freut euch des Lebens". Samstagabend versammelten sich die Hitlerjugend und zahlreiche Volksgenossen unter dem Maibaum am Dorfplatz. Nach einigen Liedern und Tänzen sprach der Organisationsleiter der Ortsgruppe, Pg. Rathert, über den tieferen Sinn der Maifeiern und des Maibaumes. Der Ortsgruppenleiter Pg. Peters verglich in seiner Ansprache die Veranstaltungen der früheren Zeiten, die selten ohne Blutvergießen verliefen, mit den Feiern des neuen Deutschland. Nach einigen Liedern nahm die Feierstunde ihr Ende.

    Bei prächtigem Flaggenschmuck der Häuser nahm die Schuljugend am Sonntagmorgen vor der Volksschule I Aufstellung, um die Übertragung aus dem Olympiastadion zu hören. Gegen Mittag versammelten sich die Reckenfelder im Deutschen Haus zur Übertragung aus dem Lustgarten in Berlin. In echter Verbundenheit fand anschließend ein gemeinschaftliches Mittagessen statt. Der Nachmittag brachte den Kindern auf der Spielwiese des Kindergartens Belustigungen aller Art. An Süßigkeiten wurde nicht gespart, nur schade, dass der scharfe Nordwind nicht durch den strahlenden Sonnenschein abgelöst wurde. Zu gleicher Zeit war den Schießlustigen Gelegenheit zum Preisschießen gegeben. Einen besonderen Auftrieb erhielten die Feiern, als nachmittags die gesamte Gefolgschaft der Firma Schründer u. Söhne, Greven, unter klingendem Spiel hier einzogen, um einmal in Reckenfeld den 1. Mai zu feiern. In den Lokalen herrschte Freude und Fröhlichsein und im wahrsten Sinne des Wortes freute man sich des Lebens.

    03.05.1938 "Freut euch des Lebens" Der Nationale Feiertag des deutschen Volkes stand ganz im Zeichen der Parole: "Freut euch des Lebens". Samstagabend versammelten sich die Hitlerjugend und zahlreiche Volksgenossen unter dem Maibaum am Dorfplatz. Nach einigen Liedern und Tänzen sprach der Organisationsleiter der Ortsgruppe, Pg. Rathert, über den tieferen Sinn der Maifeiern und des Maibaumes. Der Ortsgruppenleiter Pg. Peters verglich in seiner Ansprache die Veranstaltungen der früheren Zeiten, die selten ohne Blutvergießen verliefen, mit den Feiern des neuen Deutschland. Nach einigen Liedern nahm die Feierstunde ihr Ende. Bei prächtigem Flaggenschmuck der Häuser nahm die Schuljugend am Sonntagmorgen vor der Volksschule I Aufstellung, um die Übertragung aus dem Olympiastadion zu hören. Gegen Mittag versammelten sich die Reckenfelder im Deutschen Haus zur Übertragung aus dem Lustgarten in Berlin. In echter Verbundenheit fand anschließend ein gemeinschaftliches Mittagessen statt. Der Nachmittag brachte den Kindern auf der Spielwiese des Kindergartens Belustigungen aller Art. An Süßigkeiten wurde nicht gespart, nur schade, daß der scharfe Nordwind nicht durch den strahlenden Sonnenschein abgelöst wurde. Zu gleicher Zeit war den Schießlustigen Gelegenheit zum Preisschießen gegeben. Einen besonderen Auftrieb erhielten die Feiern, als nachmittags die gesamte Gefolgschaft der Firma Schründer u. Söhne, Greven, unter klingendem Spiel hier einzogen, um einmal in Reckenfeld den 1. Mai zu feiern. In den Lokalen herrschte Freude und Fröhlichsein und im wahrsten Sinne des Wortes freute man sich des Lebens.

    04.05.1938 Verkehrsunfall. Ein Arbeitsdienstmann befuhr gegen 20 Uhr die Grevener Straße in Richtung Bahnhof. Infolge der vielen Schlaglöcher geriet das Motorrad in Höhe Ernst ins Schleudern, überschlug sich und prallte gegen einen Baum, wo es schwer beschädigt liegen blieb. Wie durch ein Wunder kam der Fahrer mit geringfügigen Verletzungen davon. Der Arbeitsdienstmann ist Absolvent der SA-Motorschule und als unbedingt guter Fahrer bekannt. Da er kein übermäßiges Tempo fuhr, ist der Unfall auf schlechte Beschaffenheit der Grevener Straße zurückzuführen.

    05.05.1938 Mitgliederversammlung der NSDAP. Morgen, Samstag, den 7. Mai, abends 20.15 Uhr, findet beim Pg. Rickermann die Mitgliederversammlung statt. Infolge der Wichtigkeit dieser, ist das Erscheinen sämtlicher Pg. und Pgn. Pflicht. Neben Bekanntmachungen und Schulung werden die eingegangenen Mitgliedsbücher und -Karten verausgabt.

    05.05.1938 Wiederholungsprüfung für das SA-Sportabzeichen am Sonntag. Die Wiederholungsübungen des SA-Sportabzeichens erstrecken sich auf: 1. 15 Km-Marsch ohne Gepäck, 2. Kleinkaliberschießen, 3. Handgranatenweit- und Zielwurf. Zu 1. sämtliche SA-Sportabzeichenträger marschieren 15 km ohne Gepäck mit einer Marschpause, die mit Entfernungsschätzen auszufüllen ist. An diesem Marsch nimmt die Arbeitsdienstabteilung hier geschlossen teil. 2. Das Kleinkaliberschießen findet auf dem Stand bei Brinkmeyer statt. Die Übung ist die gleiche wie beim Erwerb des Sportabzeichens. Zu 3. Handgranatenweit- und Zielwurf auf dem Sportplatz, die Bedingungen sind die gleichen wie beim Erwerb des Sportabzeichens. Dienstlich oder krankheitshalber Verhinderte holen die Übungen bis 10. Juni nach. Abmarsch zu 1. 7 Uhr vom Arbeitsdienstlager, nach Rückkehr Kleinkaliberschießen und dann Handgranatenweit- und Zielwurf.

    19.05.1938 Wir geloben unserem Führer die Treue. Samstag fand im Lokal Rickermann am Bahnhof die monatliche Mitgliederversammlung der NSDAP statt, zu der die Pg. und Pgn. recht zahlreich erschienen waren. Ortsgruppenführer Pg. Peters eröffnete sie im Gedenken an den Führer. Infolge der Übertragung aus Rom wurde der Versammlungsverlauf kurz gehalten. Zunächst wurden in feierlicher Weise die Mitgliedsbücher und -karten verteilt. Nachdem die Parteianwärter die vorgelesene Eidesformel nachgesprochen hatten, bekräftigten sie ihr Gelöbnis, dem Führer stets die Treue zu halten, durch Handschlag. Durch die Aushändigung der Mitgliedskarte erhielten die Parteianwärter die Erlaubnis, das Parteiabzeichen zu tragen. Der Ortsgruppenleiter gab dann bekannt, daß die Versammlungen der NSDAP Pflichtversammlungen seien, jeder Pg. und Pgn. habe pflichtgemäß und pünktlich an diesen teilzunehmen. Die Partei ist kein Verein und Ordnung müsse auch hierin unbedingt herrschen. Organisationsleiter Rathert gab noch einmal die Verfügung über das Flaggengesetz bekannt und erläuterte die einzelnen Stellen. Ebenso erinnerte er jetzt schon an das Ende Mai stattfindende Kreistreffen. Für den Sommer ist ein Ausflug der Ortsgruppe geplant, die Blockwarte werden in den nächsten Tagen dieserhalb vorsprechen. Kassenleiter Schulte klärte Beitragsfragen und gab Näheres über die Aufnahmesperre und Ausnahmen hierzu bekannt. Schulungsleiter Pingsten warb in beredten Worten zum Bezuge der Schulungsbriefe. Mit dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied erreichte die Versammlung ihr Ende. Anschließend hörte man die Übertragung aus Rom, das Festbankett zu Ehren unseres Führers.

    11.05.1938 Soldaten - Kameraden. Zum Monatsappell versammelten sich die Kameraden der Kriegerkameradschaft im Deutschen Haus. Nach der Zahlung der Beiträge eröffnete der Kameradschaftsführer Rostek den Appell mit dem Deutschen Gruß. Besonders begrüßte er die Kameraden, die im letzten Monat der Kameradschaft beigetreten sind, und er freute sich, daß die Mitgliederzahl von Monat zu Monat zunehme. Er ermahnte die Anwesenden, im Interesse eines ordnungsgemäßen Aufbaues der Kameradschaft für pünktliche Zahlung der Beiträge zu sorgen. Das gleiche gilt für die Beiträge der Sterbekasse. Das Schießen am 1. Mai erbrachte durch die vielen Auswärtigen eine recht gute Einnahme. Der geplante Kameradschaftsabend findet nunmehr am Samstag, dem 11. Juni, im Deutschen Haus statt. Am 12. Juni (Sonntag) steigt der Familienausflug. Kameraden, die 25 Jahre oder länger dem Kyffhäuserbund angehören, mögen sich beim Kameradschaftsführer melden. Um den Schießsport noch besser zu fördern, soll ein Pokal beschafft werden, den der beste Schütze des Jahres erhält. Wird der Pokal drei Jahre von demselben Schützen erworben, so geht dieser endgültig in seinen Besitz über. Dadurch erhält er ein Andenken von der Kameradschaft.

    11.05.1938 Jeder Tierhalter lernte etwas dazu. In echter Gemeinschaftsarbeit versammelten sich die Mitglieder des Ziegenzucht- und Siedlervereins im Deutschen Haus, um dem lehrreichen Vortrag über Zucht und Haltung der Haustiere beizuwohnen. Vereinsführer Nolting begrüßte die überaus zahlreich erschienenen Mitglieder der Vereine, insbesondere den Hoheitsträger der Partei, Bürgermeister Peters und den Redner Pg. Beyer, Münster. Vereinsführer Sander hob lobend hervor, daß sich nunmehr der Siedler- sowie der Ziegenzuchtverein in echter Gemeinschaftsarbeit zusammengefunden hätten. So solle es auch in Zukunft bleiben. Dann sprach Herr Beyer über sein Thema. Er legte zunächst die Wichtigkeit einer ersprießlichen Tierhaltung im Hinblick auf das Volksganze dar. Unsere Haustiere sind ebenfalls ein Bestandteil des Volksvermögens. Ein guter Tierstand wird sich immer zum Wohle des Staates auswirken. In verständlicher Weise sprach der Redner über die Erhaltung und Pflege der Haustiere unter besonderer Berücksichtigung vorbeugender Maßnahmen gegen die verschiedensten Krankheiten. Die Fehler, die in der Unwissenheit bei Fütterung noch gemacht werden, wurden besonders einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Ein leistungsfähiger Tierstand bringt stets eine Steigerung der Leistungen mit sich. Es folgte dann der in der Versuchsanstalt Magdeburg und Halle aufgenommene Film, der in anschaulicher Weise zeigte, wie man Tiere hält und pflegt. Der Vereinsführer Nolting dankte dem Redner für seinen lehrreichen Beitrag. Er hoffe, daß jeder Tierhalter heute etwas dazu gelernt habe. Recht eifrig machte man auch von der Gelegenheit Gebrauch, sich beim Redner über eigene Fragen der Tierhaltung zu unterrichten.

    12.05.1938 Kammerkonzert im Reichsarbeitsdienstlager (Foto links). Im Rahmen der kulturellen Betreuung unserer Arbeitsdienstmänner (Foto) findet heute, Donnerstagabend, 20 Uhr, im hiesigen Arbeitsdienstlager ein Kammerkonzert statt. Um auch der Bevölkerung Reckenfelds diesen seltenen Kulturgenuß zu vermitteln, hat die Führung der Arbeitsdienstabteilung den Kreis der Teilnehmer auf alle Musikfreunde ausgedehnt. Die Bevölkerung wird daher, bei kostenlosem Eintritt, zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen. Ausführende des Kammerkonzerts sind: Violine Musikdirektor R. Degenhardt, Köln, Komponist und Violin-Virtuose. Klavier Frl. Liselotte Degenhardt, Köln. Die Vortragsfolge umfaßt im ersten Teil: Berceuse de Jocelyn von Godard, Larghetto von Mozart, Air (auf der G-Saite) von Bach, Andante piu espressivo von Brahms, Frühlings-Läuten von Degenhardt, Andantino piu tosto Allegretto (Dritter Satz aus der Sonate A-Dur Op.12) von Beethoven. Der zweite Teil sieht folgende Stücke vor: Aufforderung zum Tanz von v. Weber, Morgenstimmung aus Peer Gynt, Suite von Grieg. Ein Frühlings-Lied von Degenhardt, Menuetto Es-Dur von Beethoven, Menuetto D-Dur von Mozart, Rondo capriccio (Dritter Satz aus dem Violin- Konzert D-Dur) von Degenhardt.

    12.05.1938 Musikalische Delikatessen im Reichsarbeitsdienstlager. Es war mehr als ein glücklicher Zufall, daß die Führung der Arbeitsdienstabteilung 5/136 keinen geringeren als Musikdirektor R. Degenhardt, Köln, nebst seiner Tochter zu einem Kammerkonzert verpflichtete. Außer den Arbeitsdienstmännern konnten die Bewohner Reckenfelds sowie der Lehrgang der Gauschule hieran teilnehmen. Das gutgewählte Programm bildete eine wahre Delikatesse höchster musikalischer Kunstgenüsse. Die konzertlichen Darbietungen des ersten Teiles wurden mit dem bekannten Wiegenlied von Godard eröffnet. Dieses Stück war als Einführung recht passend gewählt. Als nächstes folgte das leichtbeschwingte Mozartsche Larghetto. In folgenden Punkten wurden den Zuhörern Bach und Brahms vorgestellt. Diese gewählte Melodik unserer alten Meister konnte nicht besser vermittelt werden. Ein recht lebendiges Frühlingsbild zauberte uns Herr Degenhardt mit seiner eigenen Komposition, betitelt "Frühlingsläuten", hervor.

    Der zweite Teil brachte zu Anfang "Aufforderung zum Tanz" von Karl Maria von Weber für Klavier vierhändig, meisterhaft von Vater und Tochter gespielt. Der nordische Komponist E. Grieg kam durch seine Morgenstimmung aus der Peer-Gynt-Suite wirkungsvoll zu Gehör. Beethoven und Mozart offenbarten sich in zwei Menuetto.

    Als weitere Zugabe folgte wiederum eine eigene Komposition, die Vogelserenade, ein Wettstreit zwischen dem Kanarienvogel und dem Dompfaff. War nach jeder Darbietung der Beifall groß, so wollte er nun kein Ende nehmen. Als Abschluß folgte der dritte Satz aus dem Violin-Konzert D-Dur von Degenhardt. Auch hier mußten die Künstler ob des donnernden Beifalls sich zu einer Zugabe "Reiter der Pußta", von Degenhardt entschließen. Zu schnell verliefen die angenehmen Stunden und wenn der Führer der Arbeitsdienstabteilung, Feldmeister Riemer den Dank aller Anwesenden zum Schluß den Künstlern darbrachte und den Wunsch äußerte, recht bald eine Wiederholung solchen Kunstgenusses zu erhalten, so schließen wir uns dem Dank und Wunsche an. (Foto neben Riemer: Oberfeldmeister Lothar Fabian)

    12.05.1938 Weihe der neuen Bundesfahne des Schützenvereins "Eintracht". Die einheitliche sportliche Ausrichtung hat auch auf dem Gebiet des Schützenwesens Wandel geschaffen und alle Schützenvereine im Deutschen Reichsdienst vereinigt. Unter dieser Zielsetzung findet morgen, Sonntag, den 15. Mai um 17 Uhr im Deutschen Haus die Weihe der neuen Reichbundfahne statt. Alle Gliederungen sowie die gesamte Bevölkerung sind hierzu freundlichst eingeladen.

    12.05.1938 Ehrenbuch für Kameradschaftsführer. Die Reichskriegerführung gibt bekannt, daß die Listen der Landesgebiete mit den Namen derjenigen Kameradschaftsführer, welche in engster Gemeinschaft mit ihren Fechtleitern dem Fechtwesen, besonders dem Alt- und Abfallstoffsammelwerk in hervorstechender Weise persönliche Förderung zuteilwerden ließen, zu einem Ehrenbuch für Kameradschaftsführer zusammengefaßt worden sind.

    16.05.1938 Ein Festtag des Schützenvereins "Eintracht". Der Schützenverein "Eintracht" hatte am gestrigen Sonntag einen denkwürdigen Tag zu begehen. Im Deutschen Haus fand im Beisein der Schützenbrüder und der erschienenen Gäste die feierliche Weihe der Reichsbundfahne statt. Flotte Marschmusik des Reckenfelder Blasorchesters leitete zum Weiheakt über. Die alte und die zu weihende Fahne nahmen vor der Bühne Aufstellung, als der Vereinsführer Johann Hermanns ihn eröffnete. Er begrüßte die Anwesenden und gab die Veranlassung dieses Weiheaktes bekannt. Die einheitliche, sportliche Ausrichtung mit der SA verlangt eine straffere Zusammenfassung der Schützenvereine unter dieser neuen Fahne mit der Zielsetzung, alles für den Führer, Volk und Vaterland.

    Dann ergriff der Ortsgruppenleiter der NSDAP Peters das Wort. Er freue sich, daß er die Gelegenheit habe, die neue Fahne des Vereins zu weihen. Über die Bedeutung und den tieferen Sinn des Tages streifte er kurz die Entwicklung der Schützenvereine früherer Zeiten bis heute. Nun, da die Kampfgemeinschaft mit der SA gebildet ist, wollen wir uns freuen, daß endlich auch in diesen Vereinen einheitlich marschiert wird. Auch bedauerte Pg. Peters, daß infolge der Wichtigkeit solchen Ereignisses nicht mehr erschienen sind. Dann weihte der Ortsgruppenleiter die neue Fahne mit dem gut gewählten Sinnspruch: Wer stille steht, geht zurück, nur wer immer mehr tun will als getan ist, wird das tun, was er kann. Dann übernahm der Vereinsführer die Fahne mit dem Gelöbnis: In Treue fest und mutig in Gefahr. In dankbarem Gedenken an den Führer und mit den Nationalliedern nahm die Feierstunde ihr Ende. Im nachfolgenden Teil verlebten die Schützenbrüder im geselligen Kreise bei Tanz und guter Musik noch recht gemütliche Stunden.

    17.05.1938 Ein schöner Brauch. Es ist ein liebgewordener Brauch der Kameradschaft der NS-Kriegsopferversorgung Reckenfeld, am Muttertag ihrer Kriegereltern und Kriegerwitwen in gebührender Weise zu gedenken. Wie alljährlich erhielten die Genannten auch in diesem Jahr eine kleine Überraschung durch die Führung der Kameradschaft überreicht, welche mit dankbarer Freude durch einen besonders herzlichen Händedruck quittiert wurde.

    17.05.1938 Hitlerjugend in Front. Das Straßenbild stand am Sonntag im Zeichen des Reichsopfertages für die deutschen Jugendherbergen. Selten waren unsere Mädel und Jungen so eifrig bei der Sache, um ein Scherflein, sei es auf der Straße oder bei den Haussammlungen zu bitten. Gerne wurde ihrem bittenden Wunsche entsprochen, trotz einigen Unbelehrbaren, die immer "schon eine Plakette haben", ging man mit umso größerer Sammelfreude weiter ans Werk. Die sehr aktive Sammeltätigkeit läßt wohl ein gutes Ergebnis erwarten.

    19.05.1938 Besitzwechsel. Der Fabrikant E. Stolte (Foto) erwarb von der Siedlungsgesellschaft Münster-Land das Gebäude der ehemaligen kath. Kirche an der Emsdettener Straße. Der Betrieb des Fabrikanten Stolte, der in der letzten Zeit immer mehr vergrößert wurde, erfährt hierdurch wiederum eine weitere Ausdehnung, um den immer weiter steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Im Interesse Reckenfelds ist diese erfreuliche Aufwärtsentwicklung sehr zu begrüßen.

    20.05.1938 Muttertag - Ehrentag. Am Mittwochnachmittag versammelten sich die Mit-glieder des Deutschen Frauenwerkes und der NS-Frauenschaft im Lokal Rickermann, um den Tag der deutschen Mutter sinnvoll zu feiern. Hierzu waren die Mütter, deren Kleinen dem Kindergarten angehören, freundlichst eingeladen. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Nachdem der Chor der Frauenschaft passende Lieder vorgetragen hatte, folgte die Eröffnungsansprache der Frauenschaftsleiterin Pgn. Rathert. Ihr Gruß galt besonders der Rednerin Fräulein Stockhausen (Münster) und dem Ortsgruppenleiter der NSDAP Peters. Dann führte Frau Rathert u. a. aus: Der Monat Mai bringt uns zwei schöne Feste, den Tag der nationalen Arbeit und den Muttertag. Letzterer hat erst seinen wahren Sinn und Bedeutung durch den nationalsozialistischen Staat erhalten. Unserem Führer haben wir daher zu danken, daß die deutsche Mutter den Ehrenplatz einnimmt, den sie verdient.

    Nach dem nun folgenden Loblied der deutschen Mutter folgte die Bewirtung mit Kaffee und Kuchen. Inmitten bester Unterhaltung zieht die Leiterin des Kindergartens, Fräulein Vahlkampf, mit 15 ihrer Schützlinge singend in den Saal ein. Welche Freude, dieses lustige Völkchen einher marschieren zu sehen. Dann präsentieren sich die Kleinen als allerliebste Künstler, sei es beim lustigen Reigen oder Liedchen. Mädel des BDM verschönerten ebenfalls den Nachmittag durch lustige Darbietungen. Die Kleinen wie die Größeren entfesselten wahre Lachstürme. Darauf ergriff Fräulein Stockhausen das Wort zu längeren Ausführungen. Sie würdigte dem Sinn der Feier entsprechend, den Muttertag und die Bedeutung und Stellung der Mutter im heutigen Staate. Ortsgruppenleiter Peters unterstrich noch einmal die eindringlichen Worte der Rednerin und bat, sich dieses nun auch zu Herzen zu nehmen.

    20.05.1938 In der Altmaterialsammlung im Rahmen des Vierjahresplanes ist es in der letzten Zeit still geworden. Nunmehr ist für Reckenfeld und Umgebung folgende Regelung getroffen worden. Nach der Neueinteilung der Sammelbezirke ist für Reckenfeld der Händler Gustav Indenbirken zuständig. Die Sammlung wird vom 1. bis 10. jeden Monats durchgeführt, während dieser Zeit darf kein anderer Händler in diesem Bezirk sammeln. Die gleiche Regelung ist auch für den Händler W. Czekalla, Reckenfeld (Foto), getroffen worden, der für das benachbarte Saerbeck, Sprakel und Hohenholte als Sammler bestimmt ist.
    20.05.1938 Das Wochenende steht im Zeichen des Kreistreffens der NSDAP. Während heute die politischen Leiter an den Sondertagungen teilnehmen, fahren morgen auch zahlreiche Pg. und Pgn. nach Münster, um den Kundgebungen beizuwohnen. Abends findet das Volksfest im Schloßgarten statt.
    20.05.1938 Besprechung der politischen Leiter zum Kreistreffen. Die politischen Leiter der Ortsgruppe versammelten sich bei Rickermann zu einer Besprechung. Unter dem Vorsitz des Organisationsleiters Pg. Rathert wurde nach der Erledigung örtlicher Angelegenheiten die Teilnahme der Pg. an dem Kreistreffen am 21. und 22. Mai in Münster geregelt.

    Hiernach nehmen sämtliche Amtsleiter, -walter und -warte an den Sondertagen am Sonnabend teil. Abfahrt 14.07 Uhr ab Bahnhof Reckenfeld. (Sonntagsfahrkarte.) An den Veranstaltungen am anderen Tag (Sonntag) nehmen neben den bereits Genannten nach Möglichkeit alle Pg. teil. Abfahrt 8.17 Uhr ab Bahnhof Reckenfeld. Anlässlich des Kreistreffens findet am Sonntag am Stadttheater Münster die Aufführung von "Uta von Naumburg" statt. Anfangszeiten 16 und 19 Uhr. Verbilligte Karten in beschränkter Zahl sind bei den zuständigen Zellenleitern sofort abzuholen.
    22.05.1938 Das Wochenende steht im Zeichen des Kreistreffens der NSDAP. Während heute die politischen Leiter an den Sondertagungen teilnehmen, fahren morgen auch zahlreiche Pg. nach Münster, um den Kundgebungen beizuwohnen. Abends findet das Volksfest im Schloßgarten statt.

    27.05.1938 Drei Jahre Männergesangverein "Liedertafel". Nach längerer Pause trafen sich die aktiven Sangesbrüder des Männergesangvereins "Liedertafel" im Vereinslokal Brinkmeyer, um anläßlich der Wiederkehr des Gründungstages Rück- und Ausschau zu halten. Der Verein ist seit seinem Bestehen mehrfach mit Liederabenden an die Öffentlichkeit getreten, als Träger der karnevalistischen Großveranstaltungen hat der Verein die Sympathie aller Reckenfelder erworben. Sämtliche Veranstaltungen erfreuten sich lebhaften Zuspruchs. In der Aussprache über die weiteren Aufgaben erklärten sich alle Sangesbrüder bereit, wieder pünktlich und vollzählig zu den Übungsstunden, die wie bisher jeden Dienstagabend um 20 Uhr im Deutschen Haus stattfinden, zu erscheinen. Dann wurde zur Freude der Sangesbrüder bekanntgegeben, daß wie in den Vorjahren auch in diesem Jahr das Waldfest in der üblichen Weise aufgezogen wird. Dieses Fest wird im Monat Juli steigen. Auch wurde angeregt, für eine eifrige Werbung von Mitgliedern besorgt zu sein. Sangesfreudige Herren, die den Verein beitreten möchten, melden sich beim Vereinswirt Brinkmeyer oder beim Kaufmann H. Schlick.

    27.05.1938 Wer fährt am 25. und 26. Juni mit nach Gelsenkirchen? Volksgenossen, die anlässlich des Gautreffens am 25. und 26. Juni 1938 nach Gelsenkirchen (Aus Wikipedia - Anm.: Während der Zeit des Nationalsozialismus war Gelsenkirchen durch seine Lage im Herzen des Ruhrgebiets eines der Zentren der Rüstungswirtschaft) fahren möchten, melden sich sofort beim zuständigen Zellenleiter. Wer sich verspätet meldet oder bis zum letzten Tag wartet, kann keine Fahrkarte mehr bekommen. Die Reichsbahn gewährt wiederum 75 Prozent Fahrpreisermäßigung.

    27.05.1938 Veranstaltungen anmelden. Gliederungen, Untergliederungen und sämtliche Vereine des Hoheitsgebietes Greven l. d. Ems melden dem Organisationsleiter der Ortsgruppe, Pg. Rathert, Bahnhofstraße, bis zum 25. jeden Monats sämtliche Veranstaltungen des darauffolgenden Monats. Bei Nichtbeachtung dieser Vorschrift werden die Veranstaltungen aufgelöst. (Anm.: Es konnte nicht ausfindig gemacht werden, in welchem Haus Lehrer Rathert gewohnt hat.)

    30.05.1938

    Gesunde Mütter - gesunde Kinder - ewiger Staat! Der tiefere Sinn des Hilfswerkes "Mutter und Kind" ist wohl noch den wenigsten Volksgenossen bekannt. Die ungeheure Bedeutung dieses Werkes aber macht es zur Pflicht, immer wieder auf das segensreiche Wirken dieser einzigartigen, sozialen Einrichtung hinzuweisen. Das Hilfswerk "Mutter und Kind" sieht in der Familie die kleinste Gemeinschaft der Nation und setzt ihre Fürsorge in der unbedingten Gesunderhaltung dieser an erste Stelle. So wird hier Zug um Zug der Punkt 21 des Parteipro-grammes verwirklicht, daß die Kraft eines Volkes aus seinen gesunden Müttern und gesunden Kindern wächst. Denn ein Staat mit gesunden Müttern und gesunden Kindern hat ewigen Bestand. Und in der Verwirklichung dieses Zieles ist die Zukunft unseres Volkes gesichert.

    Die dem Hilfswerk "Mutter und Kind" hiermit gestellten Aufgaben sind daher recht mannigfaltig. Neben der gesundheitlichen handelt es sich in vielen Fällen auch um die wirtschaftliche Betreuung. Hier wird nach rein nationalsozialistischen Grundsätzen gehandelt, d. h., daß jede Familie, die unverschuldet in einer Notlage gerät, diese Dienststelle in Anspruch nehmen darf. Es geht nicht an, daß asoziale Elemente oder Familien mit selbstverschuldeter Notlage die berechtigten Wünsche erbgesunder Familien schmälern. Daß die erbgesunden kinderreichen Familien in der Betreuung an erster Stelle stehen, ist wohl selbstverständlich. Wie vielen Müttern konnte daher z. B. durch die Wochenbettbetreuung geholfen werden, die sich ja auch in den meisten Fällen auf Sachleistungen bezieht. Erholungsbedürftige Mütter konnten verschickt werden und neue Kraft für ihre Familienarbeit erhalten. Für die Kräftigung und Erziehung unserer Jugend zur Volksgemeinschaft und zur Familie dienen ferner die Kinderlandverschickung und die NSB-Jugendhilfe. Wie nun in den Städten und Dörfern unseres Vaterlandes die NS-Gemeindeschwester den innigen Kontakt zwischen dem Hilfswerk "Mutter und Kind" und der Bevölkerung herstellt und unermüdlich an der Gesunderhaltung der deutschen Familie mitschafft, so besitzen wir auch in Reckenfeld eine Dienststelle dieses Hilfswerkes mit einem schweren aber dankbaren Betätigungsfeld. Die Sprechstunden dieser Dienststelle sind jeden Dienstag und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr. Während dieser Zeit können die Mütter ihre Anträge stellen und sich in den entsprechenden Angelegenheiten beraten lassen. Es ergeht daher die Bitte an alle Mütter, diese Einrichtung in ihrem eigenen und im Interesse der Familie recht oft in Anspruch zu nehmen. Die angeführten Sprechstunden müssen auf jeden Fall eingehalten werden.

    Reckenfelder Familien I
    Reckenfelder Familien II
    Reckenfelder Familien III
    Reckenfelder Familien IV
    Reckenfelder Familien V
    30.05.1938 Kameradschaftsabend der Deutschen Arbeitsfront. Einen recht gemütlichen Kameradschaftsabend veranstaltete die Ortsgruppe der Deutschen Arbeitsfront im Saale Rickermann am Bahnhof. Und so konnte der Ortswalter neben den Vertretern der Partei die überaus zahlreichen Kameraden und Kameradinnen aufs herzlichste begrüßen. Ferner machte er schon bekannt, daß Pfingsten der geplante Ausflug mit Begleitung guter Marschmusik steigt, die Amtswalter sprechen dieserhalb in den nächsten Tagen vor. Dann ging es mit der nötigen Stimmung an die Abwicklung des Programms. Recht eifrig wurde das Tanzbein geschwungen. Alles in allem ein richtiger Kameradschaftsabend im wahrsten Sinne des Wortes.

    02.06.1938 Gesunde und kampfbereite Jugend Am Sonnabendnachmittag bot der Sportplatz bei Leising mit der zu den Reichssportwettkämpfen angetretenen Hitlerjugend einen prächtigen Anblick. Hier hatte sich die Jugend Reckenfelds versammelt, um den Stand ihrer körperlichen Ertüchtigung unter Beweis zu stellen. Wie anders das heutige Bild einer gesunden, frohen und kampfbereiten Jugend gegen die Gepflogenheiten früherer Jahre. Nach der feierlichen Flaggenhissung traten zunächst die Mädel an, um recht eifrig ihre gestellten Aufgaben zu lösen. Recht gute Ergebnisse waren der Lohn ihrer vollbrachten Leistungen. Nach den Mädeln zeigten dann unsere Jungen, daß auch sie im letzten Jahre ihren Sport nicht vernachlässigt haben. Ebenso wie bei den Mädeln war jeder bestrebt, eine möglichst hohe Punktzahl in der Gesamtbewertung zu erreichen. Gegen Mittag waren dann auch hier die Sieger festgestellt. Mit der Fahneneinholung und einem frohen Lied nahm dieser edle Wettstreit sein Ende. Die recht erstaunlichen Leistungen der Mädel und der Jungen finden eine besondere Würdigung bei der Bekanntgabe der Sieger und Siegerinnen anläßlich der Sonnenwendfeier im nächsten Monat.

    02.06.1938 Deutsches Mädel, deutsche Frau, dich geht es an! Wenn in diesen Tagen die Blockfrauen des Deutschen Frauenwerkes in der NS-Frauengemeinschaft die Frauen und Mädchen aufsuchen und sie zum Eintritt in dieser großen deutschen Frauenorganisation auffordern, so wird recht häufig die Frage gestellt: Was soll ich als Frau oder Mädel im Frauenwerk und welches Ziel verfolgt dieses?

    Diese Fragen werden klar umrissen nach den Worten der Reichsfrauenführerin: "Wir deutschen Frauen haben uns die Aufgabe gestellt, alle Frauen und Mädchen (über 21 Jahre) unserer Nation zum Bewußtsein ihrer Kraft, zur Freude an dieser Kraft und zur stolzen Bejahung des zeitbedingten, harten Weges unseres Volkes aus freiem Willen zu verpflichten. Wir wollen und können dieses Ziel nicht als Einzelne erreichen, sondern nur in echter Kameradschaft und Gemeinschaft." Und so kommt es auf dich deutsche Frau und deutsches Mädchen an, diese Gemeinschaft durch deinen Beitritt zu stärken. Die heroischen Leistungen unseres Führers zu unser aller Wohl verpflichten ja ebenso die Frauen und Mädchen zum Dank gegen ihn, der doch gerade der deutschen Mutter den würdigen Ehrenplatz in der Nation wieder eingeräumt hat; nur zu leicht wird dieses alles vergessen oder als Selbstverständlichkeit hingenommen.

    Der Aufgabenkreis des deutschen Frauenwerkes in der NS-Frauenschaft ist so vielseitig, daß es jedem Mitglied möglich ist, zu seinem Teil an dem Aufbau unseres Vaterlandes mitzuarbeiten. Während das Mädel in den Versammlungen in echter Kameradschaft im nationalsozialistischen Geist geschult wird, vermitteln ihr die Spezialkurse im Kochen, Nähen, Gesundheits- und Säuglingspflege usw. die praktischen Fähigkeiten, um nach der Verheiratung eine tüchtige Hausfrau und Mutter zu werden. Die Aufgaben der Frau berühren ebenfalls diese Gebiete, um vorhandene Lücken, sei es in der Geistesrichtung oder in der Haushalts- oder Gesundheitsführung zu schließen. Hinzu kommt, daß sie es als vornehmste Pflicht ansehen muss, eine lebenstüchtige Jugend heranzubilden, also die Mutter ihrer ureigensten Bestimmung wieder zuzuführen. Mit diesen Erkenntnissen ausgerüstet, sind der Frau und Mutter die heutigen Interessen des Mannes und der Kinder verständlicher, und in der Förderung dieser hat sie tätigen Anteil am Leben unseres Volkes. Abschließend sei daher den noch abseitsstehenden Frauen und Mädchen nach der Klarstellung der wesentlichen Ziele des Deutschen Frauenwerkes ans Herz gelegt, nunmehr auch den Weg zu dieser Kampfgemeinschaft zu finden zum Wohle unseres Vaterlandes.

    02.06.1938 Der Wochenbeginn brachte uns mit unerwünschter Begleitmusik wie Blitz, Donner und orkanartigem Sturm recht ausgiebigen Regen. Von dem in den Nachbarorten niedergegangenen Hagel blieb Reckenfeld zum Glück verschont. Der Mittwoch brachte wiederum ein schweres Gewitter mit kräftigen Regenschauern, trotzdem das sehnlichst erwartete Naß nach der anhaltenden Dürre Wald und Flur erquickte, dürften wir nunmehr genug davon haben. Zum bevorstehenden Pfingstfest wünschen wir uns daher alle recht freundliches Wetter mit viel Sonnenschein. Diese Tage werden gern zum Reisen und Wandern benutzt, um nach des Tages Last und Mühe neue Kraft für den Alltag zu sammeln. Die Ortsgruppe der Deutschen Arbeitsfront wird geschlossen eine kleine Wanderung ins Grüne unternehmen, um in echter Kameradschaft Stunden der Freude zu erleben. Unsere Sportler fahren am 2. Pfingsttag nach Esch, um gegen den dortigen Verein ein Gesellschaftsspiel auszutragen. Hoffentlich gelingt es der Spielvereinigung, den erwarteten Sieg endlich an ihre Fahne zu heften. Auch unsere braunen Arbeitsmänner fahren Pfingsten über nach Hause, um bei Muttern die Festtage zu verleben. So wird es einige Tage still werden um die Emsdettener Straße. Eine Pfingstfreude bereitete auch die Instandsetzung der Bahnhofstraße bis zum Dorfplatz. Die Fahrdecke war ziemlich mit Schlaglöchern versehen und erhielt nunmehr die notwendige Erneuerung.

    06.06.1938 Kraft durch Freude. In stattlicher Anzahl versammelten sich am ersten Pfingsttag die Mitglieder der Ortsgruppe der Deutschen Arbeitsfront am Dorfplatz, um gemeinsam in Gottes freier Natur Stunden der Erholung und Freude zu erleben. Nach dem Sprichwort: "Warum in die Ferne schweifen" wählte man die in schönster Umwaldung gelegene Kaffeewirtschaft "Zum Waldfrieden" (Anm.: J. Beckermann). Vom Dorfplatz ging es unter Vorantritt des Reckenfelder Blasorchesters dorthin. Hier waren die Vorbereitungen schon getroffen. Während sich die Älteren bei schnittiger Musik den Kaffee gut schmecken ließen, fanden für die Kinder die verschiedensten Belustigungsspiele statt. In anerkennender Weise hat der größte Teil der Reckenfelder Geschäftswelt von sich aus entsprechende Süßigkeiten hierfür gestiftet. Jubel und Freude herrschte überall, und das Echo des Waldes klang wieder von der Stimmung fröhlicher Menschen. So konnte der gegen Abend aufkommende Gewitterschauer dieser Stimmung keinen Abbruch tun. Die Absicht der Ortsverwaltung der Deutschen Arbeitsfront, auch den schaffenden Volksgenossen Reckenfelds Kraft durch Freude zu vermitteln, ist nach Aussage aller Beteiligten voll geglückt.

    13.06.1938 Die gesundheitliche Betreuung der Jugend. Es entspricht durchaus den nationalsozialistischen Grundprinzipien, gerade die Jugend regelmäßig untersuchen zu lassen, um so aufkommende Mängel im Anfangsstadium zu beseitigen und hierdurch ein gesundes und lebensfähiges Volk systematisch heranzuziehen.

    In erster Linie verfolgen diese regelmäßigen Untersuchungen der kleinen und größeren Kinder den Hauptzweck, etwaige Gesundheitsstörungen vorzubeugen, denn bekanntlich ist Vorbeugen besser als Heilen.

    Die ärztliche Betreuung beginnt schon bei den Kindern im Säuglingsalter in den allmonatlich stattfindenden Mütterberatungsstunden in der Schule am Dorfplatz. Hier erhält die junge Mutter Rat und Auskunft über alle Fragen in gesunden und kranken Tagen ihres Kindes. Die Beratung ist selbstverständlich kostenlos. Die Mütterberatungs- und Gesundheitssprechstunden für den Monat Juni finden Freitag, den 17. Juni, nachmittags 3 Uhr, in der Schule am Dorfplatz statt. Aus vorgenannten Gründen wird allen Müttern empfohlen, diese Einrichtung noch mehr in Anspruch zu nehmen.

    Die Kinder über 2 Jahre, die dem NSB-Kindergarten angehören, werden ebenfalls regelmäßig in gewissen Zeitabständen durch einen Arzt untersucht. Und so war am gestrigen Dienstag wieder einmal der Onkel Doktor bei den Kleinen im Kindergarten. Alle Kinder wurden untersucht und bei einem Krankheitsbefund oder Anzeichen erhielten die Eltern entsprechende Mitteilung. Sehr wichtig ist auch die Tatsache, dass die Kinder hierdurch die Angst vor dem Arzt verlieren und in ihm ihren Helfer sehen.

    Die gleiche Betreuung erhalten ebenfalls die Schulkinder. Hier leistet die NSB mit der Kinderlandverschickung einen wesentlichen Beitrag. Denn bei den ärztlichen Untersuchungen wird sogleich festgestellt, welches Kind für eine Erholung in einem Kinderheim oder für einen Landaufenthalt in Frage kommt.

    Ein solcher Kindertransport verlässt heute, Mittwochmorgen, Reckenfeld, um in dem herrlich gelegenen Bacharach und Koblenz einen vierwöchigen Erholungsurlaub anzutreten. Dagegen verlassen uns heute die kleinen Gäste aus Hessen-Nassau, die in Reckenfeld und den umliegenden Bauerschaften für vier Wochen untergebracht waren, um wieder gestärkt in ihre Heimat zurückzukehren. Abschließend sei daher festgestellt, dass für die gesundheitliche Betreuung der Reckenfelder Jugend bestens gesorgt ist nach dem Grundsatz: "Gesunde Jugend - gesundes Volk!"

    13.06.1938 Schauvorführung deutscher Schäferhunde. Der Verein der Fachschaft deutscher Schäferhunde Reckenfeld veranstaltete am Vormittag des Pfingstmontags auf dem Sportplatz bei Leising eine Schauvorführung. An dieser nahmen die benachbarten Vereine Greven und Emsdetten mit ihren vorzüglichen Hunden teil. Daß auch das Interesse in Reckenfeld für den deutschen Schäferhund immer größer wird, bewiesen die überaus zahlreich erschienenen Zuschauer. Der Grevener Übungswart übernahm die Leitung der Übungen. Die hervorstechenden Leistungen einzelner Hunde riefen immer wieder größtes Erstaunen hervor. Fast alle Hunde zeitigten ein gutes bis sehr gutes Ergebnis bei den Gehorsamkeitsübungen.

    Die Vorprüfung eines markierten Überfalles ließ jedem das Herz im Leibe lachen ob des ungestümen Draufgängertums unserer vierbeinigen Freunde. Sämtliche Vorführungen konnten restlos davon überzeugen, daß Schäferhundzucht keine Liebhaberei im landläufigen Sinne sondern ernste und zielbewußte Arbeit zum Segen des Menschen ist. Der starke Beifall bei den einzelnen Übungen unterstrich dieses dann auch eindeutig. - Die Reckenfelder fahren am Sonntag, dem 12.06.1938, mit ihren Tieren nach Emsdetten, um gemeinschaftlich ihre Trainingsstunde dort abzuhalten.

    13.06.1938 Der Wochenbeginn mit den Pfingsttagen brachte uns schönes Wetter, besonders der Pfingstmontag hat es den Naturfreunden angetan. In unserer herrlichen Umgebung sah man überall Spaziergänger sich in Gottes freier Natur ergehen. Ein recht sommerliches Bild bot auch der Betrieb an der Ems in Hembergen. Hier hatten zahlreiche Paddler und Kanuten ihr Stelldichein, eine kleine Zeltstadt hatte sich unterhalb der Wirtschaft Jürgens gebildet. Alles freute sich und genoß die Feiertage in bester Erholung um anderen Tags wieder der gewohnten Beschäftigung nachzugehen. Die schöne Ferienzeit unserer Jugend ging ebenfalls zu Ende. Freitagmorgen sah man zur gewohnten Zeit wieder alles zur Schule gehen. Eifrig wurden die Ferienerlebnisse ausgetauscht. Noch einige Wochen und die großen Ferien sind da.

    Zum Schulbeginn gingen einzelne Klassen sofort in ihren Schulgarten, um hier nach dem Rechten zu sehen und das reichlich gewachsene Unkraut zu entfernen. Der Mais und auch die zu Versuchszwecken angebauten Sojabohnen sind gut aufgegangen. Jetzt heißt es hacken. Ein stiller Wettbewerb hat eingesetzt. Leider forderte die Woche wiederum ein Verkehrsopfer. Franz R. von hier, der sich Donnerstagabend mit seinem Motorrad auf dem Weg zum Nachtdienst nach Münster befand, stürzte auf der Bahnhofstraße in der Kurve bei Drogerie Fischer und mußte wegen der erlittenen Verletzungen zum Grevener Krankenhaus geschafft werden. Die Sportler haben die beiden ersten Mannschaften von Reichsbahn Münster zu Gast. Hoffentlich gelingt es jetzt der Spielvereinigung auf eigenem Platz einen Sieg zu erkämpfen.

    14.06.1938 Unser Garten im Monat Juni. Über dieses Thema sprach der Gärtner Gustav Langner in der gestrigen Versammlung des Siedlerbundes im Deutschen Haus. Der Vereinsführer eröffnete zunächst die Versammlung und bedauerte, daß der allen Mitgliedern übersandten Einladung so wenig Folge geleistet wurde. Dann referierte der Gärtner G. Langner in längeren Ausführungen über obiges Thema. Er führte u. a. aus: Der Monat Juni steht in erster Linie im Zeichen der Schädlingsbekämpfung. Der an sich milde Winter und die Trockenheit der letzten Monate hat die Vermehrung der Schmarotzer außerordentlich begünstigt. Er gab die verschiedensten Methoden der Bekämpfung bekannt. Bei den Buschbäumen aller Obstsorten empfiehlt sich das systematische Absuchen der Schädlinge oder das Spritzen mit den geeigneten Mitteln. Unliebsam machten sich in diesem Monat vor allem der Goldfalter, Riegelspinner, die Blutlaus und Schildlaus neben den Blattläusen bemerkbar. Nähere Angaben machte L. über die zur Seuche gewordene Wühl- oder Mollmaus und deren Bekämpfung.

    Hier wird in letzter Zeit als wirksames Mittel die Anpflanzung der Kreuzblattpflanze empfohlen. Einige dieser Pflanzen verstreut im Garten angesetzt, bleiben nach den bisherigen Erfahrungen diese gefräßigen Nagetiere dem Garten fern. Die aktivste Bekämpfung der Obstbaumschädlinge leistet unsere Gartenmeise, wohl kein Vogel verzehrt derartige Mengen an Schmarotzer wie diese. Es dürfte daher im Interesse aller Siedler liegen, hier unseren Helfern geeignete Nistkästen zur Verfügung zu stellen. Neben Nisthöhlen sollte man sich der Pflege der Weißdornhecken angelegen sein lassen. Auch hat sich unser Augenmerk auf die vielen vagabundierenden Katzen zu richten, die nachgewiesenermaßen gerne unseren nützlichen Vögeln nachstellen. Der Grünschnitt zur besseren Fruchtholzentwicklung kann nunmehr gemacht werden. Der Redner erklärte sich bereit, unwissenden Mitgliedern diesen Schnitt zu zeigen.

    Im Gemüsegarten gilt es jetzt nach jedem Regen fleißig zu hacken, um die Krustenbildung und somit das Entweichen der Bodenfeuchtigkeit zu unterbinden. Verschiedene Aussaaten können noch gemacht werden. Zum Blumengarten übergehend, erklärte L., daß die Stauden nach dem Abblühen nunmehr geteilt werden können. Jeder Reckenfelder sollte jetzt schon seinen Garten für die bevorstehende Gartenschau im August herrichten. Recht viele Siedler hätten mit fleißiger Hand aus ihrem Anwesen ein Schmuckgärtchen gemacht, dagegen sähe es in einzelnen noch recht traurig aus. Jeder Einwohner sollte das Interesse dafür haben, daß Reckenfeld eine wirkliche Gartenstadt bleibt. Lebhafter Beifall lohnte den Redner am Schluß seiner lehrreichen Ausführungen. Der Vereinsführer Hans Sander gab dann noch bekannt, daß in der Versammlung im nächsten Monat der Vortrag über die Erdbeerkultur steigt. Den Mitgliedern wird empfohlen, ihre Frauen zu den Vortragsversammlungen mitzubringen, da ja auch die Frau meistens im Garten beschäftigt ist. In der üblichen Weise nahm die Versammlung dann ihr Ende.

    16.06.1938 Die gesundheitliche Betreuung der Jugend. Es entspricht durchaus den nationalsozialistischen Grundprinzipien, gerade die Jugend regelmäßig untersuchen zu lassen, um so aufkommende Mängel im Anfangsstadium zu beseitigen und hierdurch ein gesundes und lebensfähiges Volk systematisch heranzuziehen. In erster Linie verfolgen diese regelmäßigen Untersuchungen der kleinen und größeren Kinder den Hauptzweck, etwaige Gesundheitsstörungen vorzubeugen, denn bekanntlich ist Vorbeugen besser als Heilen.

    Die ärztliche Betreuung beginnt schon bei den Kindern im Säuglingsalter in den allmonatlich stattfindenden Mütterberatungsstunden in der Schule am Dorfplatz. Hier erhält die junge Mutter Rat und Auskunft über alle Fragen in gesunden und kranken Tagen ihres Kindes. Die Beratung ist selbstverständlich kostenlos. Die Mütterberatungs- und Gesundheitssprechstunden für den Monat Juni finden Freitag, den 17. Juni, nachmittags 3 Uhr, in der Schule am Dorfplatz statt. Aus vorgenannten Gründen wird allen Müttern empfohlen, diese Einrichtung noch mehr in Anspruch zu nehmen. Die Kinder über 2 Jahre, die dem NSB-Kindergarten angehören, werden ebenfalls regelmäßig in gewissen Zeitabständen durch einen Arzt untersucht. Und so war am gestrigen Dienstag wieder einmal der Onkel Doktor bei den Kleinen im Kindergarten. Alle Kinder wurden untersucht und bei einem Krankheitsbefund oder Anzeichen erhielten die Eltern entsprechende Mitteilung. Sehr wichtig ist auch die Tatsache, daß die Kinder hierdurch die Angst vor dem Arzt verlieren und in ihm ihren Helfer sehen.

    Die gleiche Betreuung erhalten ebenfalls die Schulkinder. Hier leistet die NSB mit der Kinderlandverschickung einen wesentlichen Beitrag. Denn bei den ärztlichen Untersuchungen wird sogleich festgestellt, welches Kind für eine Erholung in einem Kinderheim oder für einen Landaufenthalt in Frage kommt. Ein solcher Kindertransport verläßt heute, Mittwochmorgen, Reckenfeld, um in dem herrlich gelegenen Bacharach und Koblenz einen vierwöchigen Erholungsurlaub anzutreten. Dagegen verlassen uns heute die kleinen Gäste aus Hessen-Nassau, die in Reckenfeld und den umliegenden Bauerschaften für vier Wochen untergebracht waren, um wieder gestärkt in ihre Heimat zurückzukehren. Abschließend sei daher festgestellt, daß für die gesundheitliche Betreuung der Reckenfelder Jugend bestens gesorgt ist nach dem Grundsatz: "Gesunde Jugend - gesundes Volk!"

    17.06.1938 Wochensplitter. Die Hitlerjugend war am Mittwochnachmittag eifrig in Front, um die ihr übertragene Sammlung von leeren Tuben, Stanniolkapseln, Silberpapier durchzuführen. Es ist stets ein erfreulicher Anblick, wie unsere Jugend frisch und fröhlich sich immer wieder in den Dienst des Volksganzen stellt. Um die zukünftigen Sammlungen noch wirkungsvoller zu gestalten, erfolgt die Bekanntmachung hierüber an dieser Stelle.

    Als Lohn für die hervorragenden Leistungen beim Reichssportwettkampf der Hitlerjugend am 28. Mai nehmen nunmehr die Ortsbesten in Münster an den Ausscheidungswettkämpfen teil. Hoffen wir zuversichtlich, daß auch hierbei unsere Jungen und Mädchen wiederum ehrenvoll abschneiden, um an den letzten Entscheidungskämpfen in Berlin teilzunehmen.

    Es sind immer noch einige Siedler, die sich außerhalb der Volksgemeinschaft stellen; ob in jedem Fall böswillig oder nicht soll hier nicht untersucht werden. Bei den bisher stattgefundenen Versammlungen in den Wegeangelegenheiten meldeten sich in erfreulicher Weise der größte Teil der Siedler, um ihre Unterschrift für die Abtretung der Wege und Straßen zu leisten. Im eigenen sowie im Interesse unserer Gartenstadt wäre es zu begrüßen, wenn die Abseitsstehenden sich auch hierzu entschließen würden, damit endlich dieses Kapitel in der Reckenfelder Geschichte abgeschlossen werden kann. Es ergeht daher an alle diejenigen, welche den Vertrag mit der Gemeinde noch nicht unterschrieben haben, die Aufforderung, sich bis zum 30. Juni dieserhalb beim Bürgermeister Peters, Bahnhofstraße, zu melden, und zwar wochentags von 20 bis 21 Uhr oder sonntagvormittags von 9 bis 11 Uhr.

    Die Fröhlichkeit kam Donnerstag in Reckenfeld wieder einmal zu ihrem Recht. Der Betrieb um das Deutsche Haus bei Brinkmeyer mit den Verkaufsbuden, Schiffschaukel usw. bildete den Mittelpunkt des festtäglichen Geschehens unserer Gartenstadt. Nur schade, daß der kalte Nordwind ein allzu langes Verweilen auf den Platz nicht zuließ. Trotzdem war der Besuch sehr gut, zumal recht zahlreiche Vergnügungslustige aus den umliegenden Ortschaften erschienen waren, so daß in den späten Nachmittagsstunden rechter Hochbetrieb herrschte. In den Lokalen kamen die Tanzlustigen auch zu ihrem Recht.

    In dieser Woche sind nunmehr die Ankündigungstafeln des Verkehrsvereins aufgestellt worden. Damit ist der Anfang, der Verschandelung des Ortsbildes wirkungsvoll zu begegnen, gemacht. Es ist daher in Zukunft verboten, durch, in bisher üblicher Weise Bäume, Leitungsmasten, Häuser usw. mit Ankündigungen aller Art das Dorfbild zu verunstalten. Wer irgendetwas bekanntzugeben hat, meldet sich zur Veröffentlichung beim Vereinsführer des Verkehrsvereins, H. Schlick.

    Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und so trifft man schon allgemein Vorbereitungen für das Gautreffen am 25. und 26. Juni 1938 in Gelsenkirchen.

    22.06.1938 Sonnenwendfeier, ein Bekenntnis zum Leben. Gestern Abend versammelten sich am Dorfplatz die Angehörigen der Partei, Frauenschaft, sowie die gesamte Hitler-Jugend, um geschlossen zum Sportplatz bei Leising zu marschieren. Der Sportlatz war als Feierstätte der Sonnenwendfeier ausersehen, ein mächtiger Holzhaufen ward hier aufgerichtet. Im offenen Viereck formierten sich alle Anwesenden. Sinnvolle Lieder eröffneten diese Feierstunde, dann traten drei Pimpfe mit lodernden Fackeln an den Holzstoß und entzündeten diesen mit dem gut passenden Feuerspruch: "Roter Brand glühe auf, nimm durchs Land deinen Lauf, brenne wach die Halben, Lauen, roter Brand glühe auf." Nun trug der Standortführer der Hitlerjugend, E. Nolting, "Die deutsche Sonnenwende" von Hans Schemm vor, hier hieß es u. a.: Das deutsche Bekenntnis zur Sonnenwendfeier ist ein Bekenntnis zum Leben, zum Licht, zum Ja, ist Nationalsozialismus.

    Wir stehen in der größten Wende deutscher Geschichte. Noch nie wurde ein so gigantisches Sonnenwendfest im politischen und geistigen Sinne begangen wie heute. Hitler rollt Feuerräder in verfinsterte Herzen. Sein Ruf "Deutschland erwache!" hat gezündet und hell strahlt wieder das Licht der Zukunft. (Aus Wikipedia - Anm.: Das Sturmlied ist ein um 1920 von Dietrich Eckart verfasster Text, der durch nationalsozialistische Propaganda Bekanntheit erlangte. Dem Text entstammt die Parole „Deutschland, erwache!“, die immer noch in Neonazi-Kreisen aufgegriffen wird.) Nach einigen weiteren Liedern und Gedichten ergriff der Ortsgruppenleiter, Pg. Peters, das Wort zu kurzer Betrachtung. Wir wollen, so führte er aus, die Worte, die der Standortführer der HJ verlesen hat, fest in unsere Herzen schreiben und so handeln. Von den Halben und Lauen bleibt dann, wie hier das Feuer, nur die Asche übrig. Das Feuer des Nationalsozialismus wird auch diese hinwegbannen. Und so wollen wir jedes Jahr diese Feier begehen mit dem Gelöbnis: Alles für den Führer und ein glückliches Deutschland.

    24.06.1938 Monatsversammlung der NS-Frauenschaft. Gestern Abend 20 Uhr fand im Deutschen Haus die monatliche Pflichtversammlung der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes statt. Frauenschaftlerin Pgn. Frau Rathert begrüßte die erschienenen Frauen, ihr besonderer Gruß galt der anwesenden Leiterin der Mütterschule, Greven, Fräulein Triboulet. Nach einer Besprechung über die Teilnahme an dem Gautreffen am Sonnabend und Sonntag in Gelsenkirchen wurde der geplante Ausflug besprochen. Man einigte sich für Montag, den 4. Juli, zu einer Fahrt zur Porta-Westfalica, Besichtigung der Melitta-Werke usw. (Aus Wikipedia - Anm.: In der Zeit des Nationalsozialismus unterstützte die Firma die Nationalsozialisten, Horst Bentz trat wenige Monate nach der Machtergreifung in die NSDAP ein und wurde Mitglied der SS. Der Betrieb wurde 1941, 1942 und 1943 „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“.) Diese landschaftlich herrliche Fahrt kostet 4 RM.

    Die Blockfrauen sprechen dieserhalb in den nächsten Tagen bei allen Mitgliedern vor. Nach einem gemeinschaftlich gesungenen Lied warb Frl. Triboulet in überzeugenden Worten für den im September stattfindenden Kochkursus hier in Reckenfeld. Der Kursus umfaßt 12 Nachmittage bzw. Abende. Die Kosten betragen je Tag 0,45 RM. In diesen Kursen lernen die Frauen und Mädchen einen abwechslungsreichen Küchenzettel aufzustellen, unter besonderer Berücksichtigung der Verbrauchssenkung, im Rahmen des Vierjahresplanes. Später folgen Säuglings-Nähkurse usw. Frl. Triboulet wußte in ihren interessanten Ausführungen das Interesse für diese Kurse zu wecken. Dann folgten einige unterhaltsame Filme, neben dem Märchen "Tischlein deck' dich" folgte das Leben und Treiben unserer Mädel im Landjahr. Es war ein prächtiger Anblick, unsere Jugend frisch und fröhlich schaffen zu sehen. Der nächste Film zeigte die Arbeit der Jugendgruppe des deutschen Frauenwerkes unter Führung der NS-Frauenschaft. Zu schnell verliefen die in echter Kameradschaft verlebten Stunden. Ein Lied und das Gedenken an den Führer beschlossen diesen schönen Abend.

    26.06.1938 Splitter der Woche.
    (Anm.: Dieses Reckenfelder Ehepaar hat sich im katholischen Glauben in der Franziskuskirche in Reckenfeld vermählen lassen. Als die beiden Neuvermählten die Kirche verließen, waren zu ihrem Erstaunen? neben den ihnen bekannten Kindern und Erwachsenen auch Nazis anwesend. Mit "Deutschen Gruß" wurden das Paar empfangen.)

    26.06.1938 Zum Wochenbeginn nahmen sämtliche Lehrer und Lehrerinnen unserer Volksschulen an dem Lehrgang für Leibesübungen in Emsdetten teil. Die Teilnahme an diesem Lehrgang vermittelte den Lehrpersonen den Geist heutiger Körperertüchtigung und dieser wird sich in der gegebenen Anwendungsform nur zum Besten unserer Jugend auswirken. 26.06.1938 Der Dienstag stand im Zeichen der Sommersonnenwende. Neben der Partei führte auch die Reckenfelder Arbeitsdienstabteilung eine Sonnenwendfeier im entsprechenden Rahmen auf eigenem Gelände durch. Es wäre zu begrüßen, wenn derartige völkische Feste in Zukunft gemeinsam mit der Bevölkerung durchgeführt würden, um eine nachhaltigere Wirkung solcher Feiern zu erzielen. 26.06.1938 Beim Dienst des Fähnleins 28/13 am Mittwoch konnte der Fähnleinführer die mit Spannung erwartete Punktzahl der einzelnen Pimpfe anläßlich der Teilnahme an der örtlichen Austragung der Reichsjugendwettkämpfe bekannt geben. Außerdem konnte er 32 Jungen als Lohn für hervorragende Leistung die Siegernadel übergeben. Die höchste Punktzahl erhielten: Günter Getta 223, W. Hegemann 225 (Foto li), S. Zabarowski (Foto re.) 223, Tomczok 219, H. Finke 213, Johann Brüggemann 213, und Zander 211 Punkte. Auch die Leistungen der übrigen Pimpfe waren gut. Das Ergebnis der Besten aber wird ihnen Ansporn sein, ihre Leistungen bis zu den Wettkämpfen im nächsten Jahre zu steigern. 26.06.1938 Noch einmal werden die Siedler, welche den Vertrag mit der Gemeinde in der Straßen- und Wegeangelegenheit noch nicht unterschrieben haben, an die Meldung bis zum 30.06.1938 beim Bürgermeister Peters, Bahnhofstraße, erinnert. Wer möchte sich auch durch Nichtunterzeichnung öffentlich als Gegner der Volksverbundenheit bekennen, zum anderen eigenwillig später ein Mehrfaches der geforderten 25 Mark bezahlen. Also in eigenem, sowie im gemeinsamen Interesse melden sich die Säumigen sofort zum oben genannten.

    26.06.1938 Aus der Bewegung. Die politischen Leiter, Walter und Warte versammelten sich zu einer Besprechung. Im Vordergrund stand das diesjährige Gautreffen in Gelsenkirchen. Organisationsleiter Pg. Rathert gab die verschiedensten Verfügungen dieses Treffens bekannt. Die An- und Abfahrtszeiten, sowie die Unterbringungsmöglichkeiten, Verpflegung, Sondertagungen usw. wurden genauestens besprochen. Während die politischen Leiter heute früh abfuhren, fahren alle übrigen Teilnehmer Sonntag früh 6.20 Uhr ab Reckenfeld, ab Münster den Sonderzug 7.09 Uhr. Dann folgten Besprechungen über die demnächst regelmäßig stattfindenden Arbeitstagungen der politischen Leiter, sämtlicher Amtswalter und Warte. Innerhalb dieser Arbeitstagungen wird der Schulungsleiter Pg. Pingsten Schulungsvorträge halten. Am Schluss dieser Vorträge findet stets eine Aussprache über die gebrachten Themen statt. Nach Erledigung weiterer Angelegenheiten nahm diese anregend verlaufene Besprechung ihr Ende.

    29.06.1938 Mütter basteln im Kindergarten. Gestern, Dienstagabend, erschienen die Mütter der vom Kindergarten betreuten Kinder auf Einladung der Jugendleiterin Fräulein Vahlkampf recht zahlreich zu einem Bastelabend. Diese Arbeiten dienen dem in nächster Zeit stattfindenden Sommerfest des Kindergartens. Fräulein V. begrüßte dann die anwesenden Frauen, die durch ihr Erscheinen das herzliche Verhältnis zwischen den Müttern und der Führung des Kindergartens deutlich unterstrichen. Nach einem gemeinschaftlich gesungenen Lied wurde das bevorstehende Sommerfest besprochen. Recht zahlreiche Utensilien hierfür wurden nach Anleitung von Fräulein V. gebastelt. Recht eifrig, mit Scherz und froher Laune, wurde geschafft und bot den Müttern eine willkommene Abwechslung ihres täglichen häuslichen Wirkens. Recht schnell verlief die Zeit und als Fräulein V. die gebastelten Sachen einsammelte, fand sie herzliche Dankesworte für die geleistete Arbeit. Ein gemeinschaftlich gesungenes Lied beendete diesen Bastelabend.

    29.06.1938 Schulkinder sammeln Heilkräuter. Bekanntlich führen wir alljährlich für viele Millionen Mark Heilkräuter aus dem Auslande ein. Von diesen Devisen kann der größte Teil der deutschen Wirtschaft für andere Zwecke zur Verfügung gestellt werden, wenn die Sammlung einheimischer Kräuter in größerem Maße als bisher durchgeführt wird. Es ist wohl den wenigsten Volksgenossen bekannt, daß mit wenigen Ausnahmen fast alle Heilkräuter bei uns heimisch sind. Es ist der Wunsch des Beauftragten für den Vierjahresplan, Hermann Göring, daß auch auf diesem Gebiete restlos alle Möglichkeiten ausgenutzt werden, um die Unabhängigkeit vom Ausland auch in dieser Richtung auf ein Minimum herabzusetzen.

    Diese Erkenntnisse auf unsere örtlichen Verhältnisse übertragen heißt, daß wir infolge günstiger Wachstumsbedingungen vielerlei Heilkräuter tatsächlich in der Lage sind, eine beträchtliche Menge zu trocknen.

    Nun ist den meisten Volksgenossen das Aussehen, die Art des Sammelns und Trocknens dieser Kräuter noch unbekannt. Hier helfend einspringen, bemühen sich unsere Volksschulen. Wie im Vorjahre, werden wieder in den nächsten Tagen Schulkinder hinausziehen, in Wald, Feld, Garten, um die uns zum Teil als Unkräuter bekannten Heilpflanzen unter sachkundiger Führung der Lehrer einzusammeln.

    Gerade die Sommermonate, voran der Monat Juli, sind die geeignete Zeit zum Sammeln. Da sind z. b. der Huflattich, Ackerschachtelhalm (auch Zinnkraut oder Katzenwedel genannt), Haupechel, Löwenzahn, Schafgarbe, Spitzwegerich, Vogelknöterich, die Blätter der Garten- und Walderdbeere, Himbeere, Brombeere, Heidelbeere, Brennnessel- und Birkenblätter, Kamillen- und Kornblumenblüten usw., die jetzt gesammelt werden. Die meisten dieser gesammelten Heilkräuter werden im Garten als Unkraut achtlos auf den Komposthaufen befördert. Darum, wenn nächstens die Jungen oder Mädel ihre diesbezüglichen Sammlungen durchführen, wollen wir ihnen gerne den Zutritt zu unserem Garten gestatten, damit auch diese Werte dem deutschen Volke erhalten bleiben.

    01.07.1938 Die Ausgabe der Reichsverbilligungsscheine. Die Ausgabe der Reichsverbilligungsscheine für Speisefette, der Bezugsscheine für Konsummargarine und der Zusatzscheine zum Bezug der Konsummargarine erfolgt in Greven im Jugendheim am Montag, dem 4. Juli, in der Zeit von 9 bis 12.30 Uhr für die Buchstaben A bis einschließlich L, in der Zeit von 14.30 bis 18 Uhr für die Buchstaben M bis einschließlich Z im NSB-Büro (Deutsches Haus). Die Termine sind genau einzuhalten. Diejenigen Bezugsberechtigten, die die vorstehenden Termine aus irgendeinem Grunde nicht einhalten können, können die Scheine am Dienstag, dem 19. Juli, 1938, in der Zeit von 8 bis 12 Uhr, auf dem Amte, Zimmer 7, in Empfang nehmen. Als Unterlagen sind Familienstammbuch und die Einkommennachweise sämtlicher im Haushalt befindlichen Personen vorzulegen. Ohne diese Unterlagen werden keine Fettscheine verabfolgt. Die Fettscheine werden nur gegen persönliche Empfangsbestätigung ausgehändigt.

    03.07.1938 Wochenendsplitter. Der Wochenbeginn stand noch im Zeichen der Großveranstaltung der NSDAP, des Gautreffens 1938. Die Teilnehmer kehrten am Sonntagsabend wieder zurück, beeindruckt von dem gewaltigen Geschehen beider Tage und voller zuversichtlicher Kraft für die Arbeit im kommenden Jahr. - Ein nicht alltägliches "Jagd-Pech" hatte ein Anwohner der Bahnhofstr. Ein Stallhase hatte sich selbständig gemacht und bei dem Versuch, ihn wieder zu fangen, stürzte der Anwohner und zog sich eine schwere Beinverletzung zu. Ärztliche Hilfe mußte sofort in Anspruch genommen werden. Während im Vorjahre ein Zeuge der neueren Steinzeit am Emsdettener Damm in Gestalt eines Steinhammers gefunden wurde, konnte wiederum ein Steinbeil, welches in der Nähe des Bauern Scherphues zutage trat, dem vorgeschichtlichen Museum in Münster übergeben werden. Dort wurde festgestellt, daß es der neueren Steinzeit entstammt.

    Mittwoch brauste ein orkanartiger Sturm über Reckenfeld, wie er in dieser gewaltigen Stärke selten beobachtet wird. Trotzdem hat es verhältnismäßig gut gegangen, da die tiefgelegene Lage unserer Ortschaft und die umliegenden Wälder die volle Entfaltung des Sturmes in etwa verhindern. Die politischen Leiter, Walter und Warte versammelten sich Donnerstagabend in der Volksschule 2 zu einem Arbeits- und Schulungsabend. Der Organisationsleiter Pg. Rathert gab Verschiedenes bekannt u. a. Näheres über den geplanten Ausflug der gesamten Ortsgruppe. Dann ergriff der Schulungsleiter Pg. Pingsten das Wort zu einem ausführlichen Bericht über die Teilnahme an dem Gautreffen in Gelsenkirchen. Noch einmal rollten diese unvergeßlichen Tage vor unserem Auge ab und das stille Gelöbnis, noch mehr als bisher für unseren Führer zu tun, wurde nochmals bekräftigt. Anschließend fand eine sehr interessante Aussprache statt. Das Wochenende brachte uns den lang ersehnten Regen, der dem vom Sonnenbrand und Sturm ausgetrockneten Boden die notwendige Feuchtigkeit brachte. Recht eifriges Leben herrscht nun in den Gärten. Da wird gejätet, dort gepflanzt oder gesät, Arbeit gibt es nun genug.

    07.07.1938 Unermüdliche Hilfsbereitschaft, Gestern, Mittwochabend, hatten sich die politischen Leiter, Amtswalter und -warte sämtlicher NS-Gliederungen, sowie die Amtswalterinnen der NS-Frauenschaft und recht zahlreiche Volksgenossen zu einem Schulungsabend bei Rickermann am Bahnhof eingefunden.

    Der Ortsbeauftragte der NSB, Pg. F. Bolte, eröffnete den Abend und hieß alle recht herzlich willkommen. Sein besonderer Gruß galt den Pg. Meister und Heider von der Kreisamtsleitung der NSB. Zunächst ergriff Pg. Meister das Wort über die geschichtlichen Aufgaben der NSB. In interessanter Weise sprach der Redner über den Kampf des Germanentums um die Volkwerdung, bis es endlich einem Mann vorbehalten blieb, im Vertrauen auf die Stärke seines Volkes, das germanische Wollen in die Tat umzusetzen. Echt lebhafter Beifall dankte dem Pg. Meister für seine klaren Ausführungen.

    Danach ergriff Pg. Heider das Wort, der das Aufgabengebiet der NSB klar umriss. Besonders streifte er die einzelnen Ziele der NSB, wie Kinderlandverschickung, Müttererholungsheime, Hitlerfreiplatzspende, Wohnungsfürsorge. Er begründete ferner die bevorzugte Förderung und Unterstützung erbgesunder, kinderreicher Familien. In seinen weiteren Ausführungen kam der Redner auf die Werbeaktion, die in der nächsten Zeit durchgeführt wird, zu sprechen. Es ist noch große Arbeit zu leisten, um noch die Abseitsstehenden für die gewaltigen Aufgabengebiete der NSB, den Sozialismus der Tat, zu gewinnen. Wir sind dem Führer verpflichtet, ihn auch hierin zu unterstützen. Für seine Ausführungen erntete Pg. Heider lebhaften Beifall.

    Anschließend wurde der Film "Tante Inges Garten" gezeigt. Dieser behandelte die Tatsache, dass in echter Gemeinschaftsarbeit Großes geleistet werden kann, wie in einem bäuerlichen Ort die Dorfmutter früherer Zeiten durch einen in nationalsozialistischem Geist geführten Erntekindergarten zweckmäßig ersetzt wird. In Vertretung des Ortsgruppenleiters schloss der Organisationsleiter Pg. Rathert den anregend verlaufenen Schulungsabend im Gedenken an den Führer. Anschließend fand eine Besprechung der politischen Leiter statt.

    07.07.1938 Mitgliederversammlung der Spielvereinigung 29. Sonntagvormittag 11 Uhr versammelten sich die Mitglieder der Spielvereinigung 29 im Vereinslokal Rickermann am Bahnhof zu ihrer Monatsversammlung. Vereinsführer Lüttecke eröffnete diese und begrüßte die Erschienenen. Er bedauerte, daß trotz Einladung und Veröffentlichung in der Presse so wenig erschienen waren. Der Kassierer Seel mußte sein Amt wegen Arbeitsüberlastung niederlegen; als sein Nachfolger wurde Karl Fischer bestimmt. Für seine gewissenhafte Arbeit sprach der Vereinsführer dem Kameraden seinen Dank aus. Die nachfolgende Bekanntgabe des Kassenberichtes ließ eine einwandfreie Kassenführung erkennen. Dann wurden die aktiven Spieler aufgefordert, je zwei Passbilder einzureichen. Ohne einen ordnungsgemäßen Paß darf in Zukunft keiner mehr spielen.

    Ferner werden jetzt die Mitgliedsbücher ausgeteilt. Jedes Mitglied hat daher von nun an bei sämtlichen Veranstaltungen des Vereins dasselbe bei sich zu führen, andernfalls er die betreffende Eintrittskarte kaufen muß. Die Trainingsstunden werden von Freitag auf Donnerstag verlegt, auch soll am Sonntag notfalls geübt werden. Zur besseren sportlichen Durchbildung der Fußballer sollen diese in Zukunft Leichtathletik betreiben. Für die verwaiste Stelle des Blockkassierers für den Ortsteil D wurde dem Sportkameraden H. Zumdick die Aufgabe übertragen. Dem Wunsch vieler Damen entsprechend soll nunmehr eine Damenabteilung für Leichtathletik gebildet werden. Die Anmeldung hierfür nehmen die Blockkassierer entgegen und dieselben melden dem Geschäftsführer die Anzahl der Damen. Der Vereinsführer gab dann Näheres über die demnächst anzuschaffende Reichsbundesfahne und deren Weihe bekannt. Die Weihe soll in einem würdigen Rahmen stattfinden. Auswärtige Vereine werden hierzu eingeladen. Abends findet ein Bunter Abend statt. Diese Veranstaltung soll auch in erhöhtem Maße dazu beitragen, noch mehr Mitglieder für den Sport zu werben. Neuaufnahmen konnten erfreulicherweise wiederum getätigt werden; somit zählt der Verein annähernd 200 Mitglieder.

    07.07.1938 Der Ernte entgegen. Ein Spaziergang durch die Felder belehrt uns, daß das Brotgetreide allmählich der Ernte entgegenreift. Die ungeheure Bedeutung des Kornes für unsere Ernährung verlangt aber Schonung dieses Volksgutes. Gerade um diese Zeit, wo die blaue Kornblume oder der rote Mohn ihre Köpfchen hochrecken, macht man immer wieder die Feststellung, daß hierbei in unvernünftiger Weise Korn zertreten wird. Recht häufig kann man auch beobachten, wie Radfahrer (-innen) gedankenlos am Kornfeld vorbeifahren und Halme ausziehen. Dieses sinnlose Zerstören verursacht großen volkswirtschaftlichen Schaden.

    Der Bauer versucht, mit allen Mitteln und unter Anwendung all seiner eigenen und seiner Helfer Kräfte die Ernährung des deutschen Volkes sicherzustellen. Darum haben die Kinder und Spaziergänger die Pflicht und Schuldigkeit, äußerste Sorgfalt beim Blumenpflücken und beim Spaziergang walten zu lassen. Jeder muß darauf achten, daß unser kostbares Brot nicht mit Füßen getreten wird. Jeder muß mithelfen und derartige Beschädigungen der Felder zu verhindern suchen.
    07.07.1938 Rinder brachten einen Zug zum Stehen. Gestern, Dienstagmorgen, bemerkte der Schrankenwärter zwischen Greven und Reckenfeld (Chaussee) mehrere Rinder auf dem Bahnkörper herumtollen. Zur gleichen Zeit war ein Güterzug gemeldet und in Anfahrt begriffen. Da die Tiere nicht weichen wollten, mußte der Zug halten. Nur der Aufmerksamkeit des Schrankenwärters ist es zu danken, daß hier größeres Unheil verhütet wurde. Die Tiere sind vermutlich aus der Weide ausgebrochen. Im Zusammenhang wird hiermit darauf hingewiesen, daß die Tierhalter für etwaige Schäden haften und wegen Verkehrsbehinderung bestraft werden können. Sämtliche Weideumzäunungen sind daher des Öfteren nachzusehen, um ein Ausbrechen der Tiere zu verhindern.

    07.07.1938 Unermüdliche Hilfsbereitschaft. Gestern, Mittwochabend, hatten sich die politischen Leiter, Amtswalter und -warte sämtlicher NS-Gliederungen, sowie die Amtswalterinnen der NS-Frauenschaft und recht zahlreiche Volksgenossen zu einem Schulungsabend bei Rickermann am Bahnhof eingefunden. Der Ortsbeauftragte der NSB, Pg. F. Bolte, eröffnete den Abend und hieß alle recht herzlich willkommen. Sein besonderer Gruß galt den Pg. Meister und Heider von der Kreisamtsleitung der NSB. Zunächst ergriff Pg. Meister das Wort über die geschichtlichen Aufgaben der NSB. In interessanter Weise sprach der Redner über den Kampf des Germanentums um die Volkwerdung, bis es endlich einem Mann vorbehalten blieb, im Vertrauen auf die Stärke seines Volkes, das germanische Wollen in die Tat umzusetzen. Echt lebhafter Beifall dankte dem Pg. Meister für seine klaren.

    Danach ergriff Pg. Heider das Wort, der das Aufgabengebiet der NSB klar umriß. Besonders streifte er die einzelnen Ziele der NSB, wie Kinderlandverschickung, Müttererholungsheime, Hitlerfreiplatzspende, Wohnungsfürsorge. Er begründete ferner die bevorzugte Förderung und Unterstützung erbgesunder, kinderreicher Familien. In seinen weiteren Ausführungen kam der Redner auf die Werbeaktion, die in der nächsten Zeit durchgeführt wird, zu sprechen. Es ist noch große Arbeit zu leisten, um noch die Abseitsstehenden für die gewaltigen Aufgabengebiete der NSB, den Sozialismus der Tat, zu gewinnen. Wir sind dem Führer verpflichtet, ihn auch hierin zu unterstützen. Für seine Ausführungen erntete Pg. Heider lebhaften Beifall.

    Anschließend wurde der Film "Tante Inges Garten" gezeigt. Dieser behandelte die Tatsache, daß in echter Gemeinschaftsarbeit Großes geleistet werden kann, wie in einem bäuerlichen Ort die Dorfmutter früherer Zeiten durch einen in nationalsozialistischem Geist geführten Erntekindergarten zweckmäßig ersetzt wird. In Vertretung des Ortsgruppenleiters schloß der Organisationsleiter Pg. Rathert den anregend verlaufenen Schulungsabend im Gedenken an den Führer. Anschließend fand eine Besprechung der politischen Leiter statt.

    09.07.1938 Arbeitstagung des Verkehrsvereins e. V. Gestern, Donnerstagabend, versammelten sich die Mitarbeiter des Reckenfelder Verkehrsvereins e. V. im Deutschen Haus zu einer Arbeitstagung. Die Tagesordnung brachte als Hauptpunkte die Ausgabe der Mitgliedsbücher, die bisherige und zukünftige Arbeit des Vereins. Der Vereinsführer H. Schlick eröffnete die Tagung. Dann wurden die Mitgliedsbücher verteilt. Es folgte in längerer Ausführung die bisher von dem Verein geleistete Arbeit. Der Bericht ergab, daß hier in zielbewußter Weise für das Gesamtwohl Reckenfelds gearbeitet wird. Die in nächster Zeit zu lösenden Aufgaben werden mit derselben Entschlossenheit ausgeführt, auch um vorhandene Mißstände zu beseitigen. Hier ist das vordringliche Problem die Straßeninstandsetzung. Trotzdem der Bürgermeister immer wieder dieserhalb vorstellig wurde und die angefahrenen Steine monatelang angefahren sind, wartet die Bevölkerung auf die Fertigstellung der Straßen. Der Verkehrsverein wird sich nun dieser Aufgabe ganz besonders widmen.

    Dann wurde bekanntgegeben, daß auf Vorstellung des Verkehrsvereins die Postkästen am Deutschen Haus und an der Gauschule vormittags 6, nachmittags 15 und 19 Uhr geleert werden. Der bisherige Weg zum Bahnhof bleibt den Bewohnern erspart. Sobald die Straßen fertiggestellt sind, wird der Dorfplatz hergerichtet. Dieser Platz wird nach dem Entwurf eine Zierde der Gemeinde bilden. Näheres über die Einzelheiten wird zur gegebenen Zeit an dieser Stelle veröffentlicht. Ferner wurde angeregt, für Reckenfeld ein Standesamt zu erhalten. Da bekanntlich das Amtsgebäude ca. 10 Km von hier entfernt ist, soll auch den Anwohnern bei Geburts- oder Sterbefällen dieser Weg erspart bleiben. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Kriegsbeschädigten, Arbeitsopfer, Arbeitsdienstabteilung, Kindergarten und die große Entfernung bis zum nächsten Arzt wird auch versucht, für Reckenfeld einen Arzt zu bekommen.

    Alle Mitarbeiter werden ferner aufgefordert, unermüdlich Mitglieder für den Verkehrsverein zu werben. Der Betrag ist so niedrig gehalten (pro Jahr 1 Mk.), daß es jedem Volksgenossen möglich ist, dem Verein beizutreten und die Bestrebungen desselben zu unterstützen. Die Bevölkerung wird daher gebeten, bei den vorsprechenden Blockwarten die Aufnahme zu tätigen. Jeder Reckenfelder, den das Wohl und Wehe des Heimatortes am Herzen liegt, wird Mitglied des Verkehrsvereins. Nach der anschließenden Aussprache wurde die Arbeitstagung beendet. - Schützenverein "Eintracht". Samstag, den 9.7.38, um 20 Uhr Vorstandssitzung beim Kameraden Sittek (Bahnhof). Sonntag, den 10. 7. 38, nachmittags 16 Uhr Generalversammlung im Deutschen Haus.

    10.07.1938 Wochensplitter. Regentropfen klopften bis zur Wochenmitte nicht nur an das Fenster, sondern brachten dem Boden die notwendige Feuchtigkeit, ohne die kein Wachstum möglich ist. Der Siedler geht nun freudig durch den Garten, die Früchte stehen gut. Jetzt geht das Einkochen an, um für den langen Winter zu sorgen. Auch hier baut die kluge Hausfrau vor. Bei dem Überfluß im Garten wollen wir daran denken, was kann ich davon entbehren. In der nächsten Woche werden Helfer des Winterhilfswerkes vorsprechen und um Gartenerzeugnisse für diejenigen bitten, die im kommenden Winter von dem größten sozialen Hilfswerk betreut werden. Die NS-Frauenschaft und das deutsche Frauenwerk haben die Arbeit des Einkochens wie in den Vorjahren in anerkennenswerter Weise übernommen. Weist also die Sammler in den nächsten Tagen nicht ab, eine Kleinigkeit im Notfalle hat jeder. Sehr erwünscht sind Erdbeeren, die in unserem Ort besonders gut gedeihen.

    Während sonst in der Gauschule Männer und Frauen der Bewegung in Wochenkursen geschult werden, sind nun jugendliche Gäste aus Ostoberschlesien (Polen) eingekehrt. Mädel und Jungen, insgesamt 65, dürfen nunmehr 6 Wochen lang die Schönheiten unseres Landes kennen lernen, das ja auch ihr Vaterland ist. Einzelne Reckenfelder Familien haben es sich nicht nehmen lassen, ebenfalls einen kleinen Gast bei sich aufzunehmen. Nach Beendigung ihres Aufenthaltes kehren sie wieder zurück und werden ihren Eltern, entgegen der ausländischen Pressehetze, hellen Auges von dem neuen Deutschland erzählen.

    Die Ruhepause in der Landwirtschaft ist nun vorbei, die Ernte beginnt. Täglich sieht man schwer beladene Heuwagen heimwärts fahren. Gegen Ende dieser Woche schneidet man hier und da schon die Wintergerste. Auf einzelnen Schlägen stehen schon die Stiegen wie Soldaten in Reih' und Glied. Der Roggen nimmt langsam die gelbe Farbe an, noch kurze Zeit, dann werden die Mähmaschinen auch über diese Felder rattern. Hoffen wir, daß wir wie im Vorjahre, richtiges Erntewetter bekommen.

    Auch die Schulen werden sich für die Sicherstellung der Ernährung einsetzen. Sobald die Felder geräumt sind, werden unsere Jungen und Mädel dafür sorgen, daß keine Ähre umkommt. Welche Mengen gesammelt werden, ersieht man daraus, daß in Westfalen-Nord nach der vorjährigen Ernte 600 Doppelzentner von den Schulen abgeliefert werden konnten. Die Mitglieder der NS-Frauenschaft des deutschen Frauenwerkes fahren Monntagfrüh zur Porta Westfalica. Die Teilnehmer an dieser herrlichen Fahrt sind pünktlich 6,30 Uhr, vorm. am Dorfplatz.

    11.07.1938 Generalversammlung des Schützenvereins "Eintracht". Den Höhepunkt der sommerlichen Feste in Reckenfeld bildet das Schützenfest des Schützenvereins "Eintracht". Dieses Fest hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu einem Volksfest herausgebildet und so soll es in diesem Jahre wieder werden. Um den Ablauf der diesjährigen Veranstaltungen festzulegen, fand zunächst am Sonnabend eine Vorstandssitzung beim Kameraden Sittek (Bahnhofswirtschaft) statt (Gäste in der Bahnkneipe), Gestern, Sonntag, versammelten sich dann die Kameraden zu ihrer diesjährigen Generalversammlung im Deutschen Haus (Brinkmeyer). Der Vereinsführer Johann Hermanns eröffnete diese und gab seiner Freude über die zahlreich erschienenen Kameraden zum Ausdruck, so soll es auch in Zukunft sein. Es ist zu wünschen, daß noch immer mehr Volksgenossen dem Verein beitreten, um die Veranstaltungen noch nachhaltiger aufzuziehen. Schützenfest im Ort muß Festtag des ganzen Dorfes werden.

    In den einzelnen Punkten der Tagesordnung übergehend, erstattete der Kassenführer den Kassenbericht. Die Kasse wurde in Ordnung befunden und dem Kassierer Entlastung erteilt. Nach Zahlung derer Beiträge wurde bekanntgegeben, dieselben stets pünktlich zu zahlen, damit auch der Verein seinen Verpflichtungen nachkommen kann. Das diesjährige Schützenfest steigt unter dem neuen Banner, der vor kurzem geweihten Reichsbundfahne. Zu Fahnenoffizieren wurden die Kameraden Borkenhagen und Todemann, zum Jungschützenhauptmann der Kamerad Ernst Deitmar bestimmt. Das Schützenfest findet in diesem Jahre am 7. und 8. August statt. Der Auftakt ist zunächst am Sonnabend, dem 30. Juli, das Anbringen des Maibaumes an der Vogelstange bei Rickermann. Hierzu treten sämtliche Kameraden um 20 Uhr am Deutschen Haus an. Sonnabend, dem 6. August, Abholen des vorjährigen Königs und der Königin, anschließend steigt im Deutschen Haus der traditionelle Zapfenstreich. Auch hier nehmen sämtliche Schützen teil, wer ohne triftigen Grund nicht erscheint, wird von den Vergünstigungen der folgenden Tage ausgeschlossen.

    Sonntag, den 7. August, 12,30 Uhr Antreten bei Brinkmeyer, anschließend Abmarsch zum Vogelschießen. Nach Rückkehr Proklamation des neuen Königs und festliches Beisammensein aller Schützen nebst Frauen. Dazu ist die gesamte Bevölkerung Reckenfelds eingeladen. Montag, 8. August, festlicher Ausklang ebenfalls im Deutschen Haus. Dem Festausschuß wurde die Durchführung dieser Festtage aufgetragen. Der Vereinsführer bat ferner die Kameraden, sich die Schützenkleidung anzuschaffen, um durch einheitliches Aussehen bei Anlässen des Vereins einen guten Eindruck zu hinterlassen. Als Musikanten spielen die Mitglieder des Reckenfelder Blasorchesters auf. Sämtliche Bekanntmachungen des Vereins werden in Zukunft außer in der Presse an den Tafeln des Verkehrsvereins erfolgen.

    11.07.1938 Unerhörter Bubenstreich. In der Nacht zum Montag haben zerstörungswütige Elemente in den Anlagen am Dorfplatz wie Blöde gehaust. Kriegsbeschädigte und Arbeitsopfer schufen diese Anlagen, um bei schönem Wetter ein Plauderstündchen zu halten oder in voller Besinnlichkeit das Leben und Treiben um den Dorfplatz zu betrachten. Bänke und Tische, die in ulkiger Weise dem Fliegenpilz nachgeahmt waren, wurden herausgerissen und zerstört, die schweren Steine in den Graben gerollt usw. Voller Empörung nahmen die Bewohner Kenntnis von dieser Zerstörungswut. Es ist zu hoffen, daß die Täter, welche vermutlich von auswärts stammen, recht bald gefaßt und ihrer Bestrafung zugeführt werden können. Der Verkehrsverein hat eine Belohnung von 10 RM. ausgesetzt.

    12.07.1938 Mit der NS-Frauenschaft zur Porta Westfalica. Die Mitglieder der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes versammelten sich am Dorfplatz, um sich durch einen Ausflug Stunden der Freude und Erholung zu verschaffen. Bei leichtem Regen begann die Fahrt mit dem nächsten Ziel Osnabrück, das bald erreicht wurde. Von hier aus ging es in landschaftlich schöner Fahrt am Nordabhang des Wiehengebirges entlang nach Minden. Hier wurde die erste Rast gemacht, um die dortigen Melittawerke, die Aluminium- Kaffeefilter und Filterpapier herstellen, zu besichtigen. Nach einer Stärkung wurden die Schleusenanlagen bei Minden besichtigt. Dann ging es zum Endziel, der Porta Westfalica. Schon von weitem grüßte uns das auf Bergeshöhe gelegene Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Langsam wurde der Berg erklommen. Oben angekommen, offenbarte sich den Teilnehmern eine unvergleichlich schöne Aussicht über das herrliche Wesertal. Nach einer Kaffeepause ging es leider wieder heimwärts. In Bad Oeynhausen wurde nochmals Rast gemacht. Ein kleiner Spaziergang durch den herrlichen Kurpark ließ den Frauen die wunderschöne Lage des Bades erkennen. Gegen 22.30 Uhr kehrten die Teilnehmer, restlos begeistert von dieser herrlichen Fahrt, nach Reckenfeld zurück.

    14.07.1938 Schulsportfest in Reckenfeld. Die Leibesertüchtigung unserer Jugend mit dem Ziel, kraftvolle und gesunde Menschen zu erziehen, ist der alleinige Verdienst des nationalsozialistischen Staates. Irgendwelche Zweifler mögen sich einmal die Jugend von heute bei Spiel und Sport ansehen und Vergleiche auf diesem Gebiet mit früher anstellen. Es ist doch hier ein großer Wandel zum Besten unserer Jugend eingetreten. Und so herrschte am Mittwochmorgen auf dem Sportplatz bei Leising sportlicher Hochbetrieb unserer Jungen und Mädel. Waren doch die Schüler und Schülerinnen der Volksschulen Reckenfeld I und II, Herbern, Westerode, Aldrup, Westladbergen und Saerbeck zum sportlichen Wettstreit angetreten. Nach dem Aufmarsch der 400 Teilnehmer folgte die Flaggenhissung mit dem Lied: "Auf hebt unsere Fahnen!" Dann ergriff Lehrer Pingsten das Wort, um über den Sinn und Zweck des Schulsportfestes zu sprechen. Er führte u. a. aus: Die große Bedeutung des Sports für unsere Jugend zeigt sich darin, daß neben dem Reichssportfest und dem Sportfest der HJ nunmehr das Schulsportfest hinzugetreten ist. Die einseitige Erziehung früherer Zeiten mußte einer gesunden und zweckmäßigeren Platz machen. Das Ziel der körperlichen Ertüchtigung umreißt der Führer mit den Worten "unsere Jugend muß sein zäh wie Leder, flink wie Wiesel und hart wie Kruppstahl". Dieses zu erreichen, sollen die Schulsportfeste mithelfen.

    Nun setzten zunächst die Wettkämpfe im 60-Meter-Lauf, Weitsprung und Ballweitwurf ein. Jeder versuchte das beste Ergebnis zu erzielen, denn nicht nur die Leistungen des Einzelnen, sondern auch das Gesamtergebnis der einzelnen Schulen wurde gewertet. Die Lehrpersonen hatten vollauf zu tun, um die Leistungen zu registrieren. Zum Schluß fand der Staffellauf der Jungen und Mädel statt. Inzwischen wurden eifrig die Leistungen ausgewertet und die Punktzahl ermittelt. Mit größter Spannung erwarteten dann die einzelnen Teilnehmer die Ergebnisse, die wie folgt lauteten:
    • Reckenfeld Schule I 197,6 Punkte
    • Reckenfeld Schule II 201,7 Punkte
    • 1. Sieger (Handball als Pr.)
    • Herbern 189, 75 Punkte
    • Westerode (einklassig) 192,1 Punkte
    • 2. Sieger (Schlagball mit Schläger als Preis)
    • Aldrup 185,0 Punkte
    • Saerbeck 193,4 Punkte
    • Sinningen 188,8 Punkte
    • Westladbergen 179,5 Punkte
    • Sieger der Mädchenstaffel waren: 1. Saerbeck, 2. Westladbergen
    • Sieger der Jungenstaffel waren:
    • 1. Reckenfeld Schule I
    • 2. Sinningen
    • Jeder Sieger erhielt einen Gymnastikball.
    • Die Einzelsieger der jeweiligen Schulen waren:
    • Reckenfeld Schule I: Käthe Schiwon 289, Achim Richter 234 P.
    • Reckenfeld Schule II. Elfriede Butschkowski 259, Heinz Tennie 251 P.
    • ...
    • Als Anerkennung erhielt jeder dieser Jungen eine Turnhose, die Mädel dagegen ein Turnhemd.

    Recht mächtig brausten dann die Nationallieder über das weite Sportfeld und ebenso kräftig das Sieg-Heil auf den Führer. Mit dem Einziehen der Flaggen erreichte dieses schöne Schulsportfest sein Ende.

    17.07.1938 Für die Partei und sämtliche Gliederungen ist eine mehrwöchige Versammlungsruhe angeordnet. Ausgenommen hiervon bleiben die regelmäßig stattfindenden Arbeitsbesprechungen.

    17.07.1938 Wochensplitter. Der Juli scheint sich nunmehr zu besinnen, nach den Regentagen zum Wochenende haben wir endlich das lang ersehnte Sommerwetter. Hoffentlich bleibt uns der Wettergott gnädig gesinnt, damit die nun einsetzende Ernte gut unter Dach und Fach gebracht wird.

    Die abgelaufene Woche war reich an Ereignissen. Sonntag und Montag stand Hembergen-Dorf im Zeichen seines Schützenfestes. Die Mitglieder der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes fuhren ins herrliche Weserbergland. Wochenmitte das gewaltige Schulsportfest mit über 400 Teilnehmern. Inzwischen rüstet man schon im Kindergarten für das große Sommerfest, welches in der nächsten Woche stattfindet. Für die Partei und sämtliche Gliederungen ist eine mehrwöchige Versammlungsruhe angeordnet. Ausgenommen hiervon bleiben die regelmäßig stattfindenden Arbeitsbesprechungen.

    Donnerstag sammelten die Schulkinder für das Winterhilfswerk 1938-39. Die Familien erhielten tags zuvor die Nachricht, die entsprechenden Sachen, Gemüse, Erd- und Stachelbeeren bereitzulegen. Leider sind recht zahlreiche Familien vergebens um eine Spende gebeten worden. Das darf in Zukunft nicht mehr sein. Auch um diese Zeit bietet der Garten schon etwas, bei einzelnen fehlte wohl der gute Wille. Diesen wird demnächst Gelegenheit gegeben, zu beweisen, daß sie nicht zurückstehen wollen. Und so hoffen wir zuversichtlich, daß die nächste Sammlung, welche Anfang nächsten Monats stattfindet, ein noch besseres Ergebnis zeitigen wird.

    Die gesammelten Gartenfrüchte werden dann Freitag von den Frauen der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes konserviert. Den kleinen Sammlern und den Frauen sei an dieser Stelle für ihre selbstlose und ehrenamtliche Arbeit herzlich gedankt.

    Freitag kehrte wiederum ein Kindertransport aus dem Bezirk Koblenz-Trier wohlbehalten und recht gut erholt unter der umsichtigen Führung der NS-Gemeindeschwester Toni zurück. Voller Freude nahmen die Eltern ihre Kinder am Bahnhof in Empfang. Die Kleinen wurden nicht müde ihre Erlebnisse zu erzählen.

    Die dauernden Leistungen der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt können aber nur durchgeführt und gesteigert werden, wenn auch der letzte Abstehende den Weg zu dieser Arbeits- und Schicksalsgemeinschaft findet. Darum, wenn in der kommenden Woche dieserhalb vorgesprochen wird, gebt freudig eure Unterschrift hierfür.

    Auch die Sportler treffen bereits Vorbereitungen für das große Sommerfest. In der Vorstandssitzung dieser Tage wurde der Termin der Fahnenweihe und des Sommerfestes näher gelegt und findet nun am Sonntag, den 31. Juli statt. Hiermit tritt die Spielvereinigung neben dem Fußballsport zum ersten mal mit einer größeren Veranstaltung an die Öffentlichkeit. Wir wünschen den Sportlern zu diesem Start besten Erfolg.

    17.07.1938 Bei dem letzten Preisflug von Schneidemühl (Foto) (650 km.) konnte der Brieftaubenverein "Gut Flug" durch den Schlag H. Sierk einen Sieger melden. Das Interesse am Brieftaubensport gewinnt hier immer mehr an Boden und findet durch den steten Zugang von Mitgliedern erfreulichen Ausdruck. So wird in der nächsten Zeit mit den Vorflügen der Jungtiere begonnen, so daß später eine größere Anzahl Tiere geschickt werden kann. (Anm.: Aus Schneidemühl kamen 1925 die 14 Familien (Optanten) nach Reckenfeld)

    20.07.1938 Waldfestfest des Männergesangvereins "Liedertafel". Wohl selten haben die drei tausendjährigen Buchen in den Lintelschen Waldungen so ein lustiges Völkchen beherbergt wie am gestrigen Dienstagabend. Die Mitglieder des Männergesangvereins "Liedertafel" sammelten sich um 20 Uhr am Vereinslokal Brinkmeyer und mit Tanz und Klang ging es dann durch die herrlichen Waldungen zu den drei Buchen. Hier war im Schatten der mächtigen Waldriesen (Fotos) ein Zelt aufgebaut. Recht bald herrschte fröhliche Stimmung, zumal recht ausreichend für das leibliche Wohl der Sangesbrüder gesorgt war. Im gemütlichen und fröhlichen Kreise erlebten alle recht vergnügte Stunden. Zur klanglichen Unterstützung der Volkslieder spielte das Schifferklavier auf. Der in den Zweigen aufgehängte Mond schmunzelte über das Treiben unter ihm und erst recht, als die Unentwegtesten ihren Heimweg antraten.

    21.07.1938 Reicher Kindersegen. Der Familie des Stationsvorstehers Brüggemann (Foto), Bahnhofstraße, wurde dieser Tage das 10. Kind, ein kräftiger Junge, geboren. Die glücklichen Eltern nennen nunmehr 9 quicklebendige und gesunde Jungen und 1 Mädel ihr Eigen. Den erfreuten Eltern den Glückwunsch aller Reckenfelder und des MA.

    22.07.1938 Sommerfest unserer Kleinen. Endlich war der Tag da, den die Kleinen des Kindergartens voll Freude und Erwartung herbeigesehnt hatten. So konnte die Jugendleiterin Fräulein Vahlkampf im großen Saale des Deutschen Hauses recht zahlreiche Mütter begrüßen. Sie freue sich, daß die Mütter durch ihr zahlreiches Erscheinen ihre Verbundenheit mit dem Kindergarten zum Ausdruck brachten. Sie wünsche allen einen vergnügten Nachmittag, dazu für den aufgetragenen Kuchen recht guten Hunger. Während die Mütter es sich gut schmecken ließen, trugen die Kinder passende Gedichtchen vor. Dann ging es hinaus auf die Spielwiese. Hier konnten sich die Mütter davon überzeugen, was ihre Kinder gelernt hatten. Recht mannigfaltig waren die Spiele. Es war gewiß keine leichte Aufgabe, den Kleinen dieses alles beizubringen. Inzwischen erschienen von der Kreisamtsleitung Pg. Meister und Fräulein Wagner, um sich von dem Stand der geleisteten Arbeit zu überzeugen. Der Nachmittag verlief zu schnell. Nach dem Kasperle-Theater sprach Fräulein Vahlkampf herzliche Worte zu den Müttern, und so ging das Sommerfest unserer Kleinen zu Ende. Fräulein Vahlkampf und ihren Helferinnen gebührt aber an dieser Stelle der Dank aller Mütter für ihre große und wahrlich nicht leichte Arbeit im Dienste der Kinder.

    22.07.1938 Monatsversammlung des Siedlervereins. Gestern abend fand im Deutschen Haus die fällige Monatsversammlung statt. Der Vereinsführer Sander eröffnete diese und konnte die zahlreich erschienenen Mitglieder begrüßen. Zunächst machte er Mitteilung, daß die Futtermittel bei Rickermann abgeholt werden können, Säcke müssen mitgebracht werden. Die Ausgabe erfolgt nur an Mitglieder. Nach den getroffenen Feststellungen ist das Ergebnis der im Frühjahr bezogenen Saatkartoffeln zufriedenstellend. Dann wurde die Fachzeitschrift "Kleintierhof", die alles Wissenswerte der Kleintierhaltung enthält, bestens empfohlen. Bestellungen nehmen die Blockwarte entgegen.

    Dann ergriff der Gärtner Gustav Langner das Wort zu seinem Vortrag: Die vordringlichsten Arbeiten im Garten. Zunächst behandelte er ausführlich die Erdbeerkultur. Da gerade die Erdbeere hier besonders gut gedeiht und immer mehr angebaut wird, fanden diese Ausführungen das besondere Interesse der Anwesenden. Vor allem sollen jetzt die Erdbeerbeete nach der Ernte sauber gehalten werden, neben Unkraut sind die Ausläufer zu entfernen und die Beete gut durchzuhacken. Setzlinge besonders guter Stauden sind zu pilieren und im Herbst an Ort und Stelle zu pflanzen. Monatserdbeeren lassen sich jetzt ebenfalls verpflanzen. Der Vereinsführer empfahl auch, einmal frische Pflanzen von auswärts zu beziehen. Zu den Arbeiten im Obstgarten übergehend, erklärte L., nach innen wachsende Zweige müssen entfernt werden, längere Triebe sind zurückzuschneiden, im übrigen sind tragende Bäume bei Trockenheit zu wässern.

    Auf die Blattlaus ist jetzt zu achten. Dem Küchen- und Heilkräuteranbau muß ebenfalls mehr Interesse entgegengebracht werden. Der Geschmack der Speisen läßt sich durch die Zugabe der entsprechenden Kräuter wesentlich verbessern. Passende Kräuter gibt es fast für alle Gerichte. Im Blumengarten sind jetzt die abgeblühten Stauden zu teilen. Jetzt ist auch die günstigste Zeit, Rosenveredlungen vorzunehmen. Der Weinstock muss jetzt geschnitten werden. Nach Schluß seiner Ausführungen erteilte L. noch Auskunft in den verschiedensten an ihn gestellten Fragen. Dann gab der Vereinsführer bekannt, daß das Sommerfest Ende September stattfindet. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer schloß diese anregend verlaufene Versammlung.

    24.07.1938 Wochensplitter. Das Sommerwetter scheint sich doch einstellen zu wollen, denn seit Wochenmitte herrschen hier die Sonnentage vor. Die Bauern sind nun dabei, die Ernte einzufahren, der Roggen nimmt allmählich die goldgelbe Farbe an und bald rattern die Mähmaschinen wieder ihr bekanntes Lied.

    Noch klingt das Waldfest der "Liedertafel" bei den Teilnehmern nach, es ist als gelungen zu bezeichnen. Wie kann es auch anders sein, wenn fröhliche Menschen beim Gerstensaft in herrlicher Waldgegend der Freude genießen.

    Der Mittwoch brachte zwei Reckenfelder Familien bitteres Leid. Der Arbeiter Falkenberg, der sich mit seinem Motorrad auf dem Heimwege von seiner Arbeitsstätte befand, verunglückte tödlich. Der Arbeiter Knieps, welcher sich auf dem Sozius befand, erlitt recht schwere Verletzungen und befindet sich im Krankenhaus in Münster.

    Donnerstag herrschte in Reckenfeld Hochbetrieb von Veranstaltungen. Die Kleinen des Kindergartens feierten ihr Sommerfest, die Siedler hielten ihre Monatsversammlung und die Sportler eine außerordentliche Versammlung.

    Wer Freitagmorgen unsere Schuljugend singend nach Hause ziehen sah, brauchte nicht lange über den Grund dieser Freude nachzudenken. Von Freitag bis zum 1. September sind die Schulferien und so werden die Schulhöfe für 6 Wochen ohne lustiges Kinderspiel sein. Die Kinder und nicht zuletzt die Lehrpersonen werden diese schöne Zeit benutzen, sich zu erholen und Kraft für die kommenden Wintermonate sammeln. Hoffen wir, daß ihnen rechtes Ferienwettter beschieden ist.

    Der heutige Sonntag wird bei schönem Wetter wieder dazu benutzt werden, Spaziergänge in unsere herrliche Umgebung zu machen. Recht beliebt sind die Wege um den Max-Klemens-Kanal. Leider wurden seit den letzten Jahren und augenblicklich wieder recht viele Waldgebiete umgelegt. Im Interesse der vielen Arbeits- und Kriegsopfer und der übrigen Bevölkerung ist dieses sehr zu bedauern. Gerade die alten Leute, die ihr Leben lang in dem Häusermeer der Großstadt zubrachten, werden von diesem Vorgehen schmerzlich betroffen. Im Zusammenhang hiermit bleibt es der Ortspolizeibehörde vorbehalten, nach dem Gesetz zur Erhaltung des Baumbestandes vom 29.7.1922 zu prüfen, ob das Niederlegen der Bäume gerechtfertigt ist.

    26.07.1938 Restloser Einsatz führt zum Ziel. Zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung trafen sich die Sportler der Spielvereinigung beim Vereinswirt B. Rickermann am Bahnhof. Der Vereinsführer Josef Lüttecke begrüßte die recht zahlreich erschienenen Kameraden, sein besonderer Gruß galt den Pg. Boymann und Rütters von der Kreisfachschaft Fußball Münster.

    Zunächst ergriff Pg. Boymann das Wort, um in längeren Ausführungen über den Sport, insbesondere den Fußballsport, zu sprechen. Neben den Rechten umriß er deutlich die Pflichten der Mitglieder. Vor allem freute sich der Redner, daß die Spielvereinigung unter der jetzigen Führung den erwarteten Aufstieg genommen hat. So soll es auch in Zukunft bleiben; dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn alle Mitglieder durch restlosen Einsatz hinter dem Vereinsführer stehen. Er wünsche der jungen Mannschaft bei den nächstens beginnenden Meisterschaftsspielen besten Erfolg.

    Sodann sprach Pg. Rütters über das Schiedsrichterwesen und über den Verlauf der Spiele. Die Meisterschaftsspiele beginnen am 15. September. Reckenfeld wird in der 2. Kreisklasse eingereiht. Er unterstrich ebenfalls die Worte seines Vorredners, daß nur restloser Einsatz aller zum Ziel führte. Wenn alle treu hinter dem Vereinsführer stehen und tatkräftig mitarbeiten, kann der Erfolg nicht ausbleiben. Nach Schluß der Ausführungen dankte der Vereinsführer beiden Rednern für ihre lehrreichen und interessanten Worte. Damit war der offizielle Teil beendet. Anschließend fand eine allgemeine Aussprache statt. Im geselligen Kreis blieben die Sportler dann noch längere Zeit vereint.

    29.07.1938 Hinaus in die Ferne! Eine Anzahl Jungen, die gestern auf ihrem Wanderweg unsere Ortschaft berührten, sangen dieses muntere Wanderlied. Als Ziel gaben sie den Teutoburger-Wald (Foto) an.

    29.07.1938 Jetzt ist die Zeit des Wanderns und des Reisens gekommen. Alle Vorbedingungen sind nun auch erfüllt, Ferien, dazu prächtiges Sommerwetter. Wo es die Geldbörse erlaubt, wird von Fall zu Fall die Eisenbahn benutzt oder es geht lustig auf Schusters Rappen durch unsere schönen Gaue. Unsere Jugend aber zieht die letztere Art vor. Wochenlang vorher werden die Pläne geschmiedet, das Ziel wird bestimmt und die Wanderwege festgelegt. Am Abend vor dem Abmarsch werden die Tornister gepackt und in der Morgenfrühe geht es hinaus in die Ferne. Unserer heutigen wanderlustigen Jugend wird es leicht gemacht, sie genießen auch in dieser Richtung die möglichste Unterstützung des Staates, überall sind Jugendherbergen errichtet, wo die Jungen und Mädel übernachten können, um wohlgeruht und gestärkt anderen Tages wieder weiter zu wandern. Auf diese Art und Weise erholt und stärkt sich unsere Jugend und lernt dabei Land und Leute kennen.

    29.07.1938 Auch die Eisenbahn wird der Wander-und Reisezeit naturgemäß gerecht. Von den vielen Fahrpreisvergünstigungen wird noch immer in Unwissenheit zu wenig Gebrauch gemacht. Da sind z. B. die noch sehr wenig bekannten Rundreisekarten. Mit diesen kann man besonders landschaftlich schöne Gebiete bereisen. Die genannten Karten haben je nach der Entfernung eine Geltungsdauer von 15 bis 30 Tagen. An besonders schönen Tagen kann die Reise unterbrochen werden, um Wanderstrecken einzulegen. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 25 Prozent. Auch bei Gesellschaftsfahrten tritt eine Ermäßigung des Fahrpreises je nach Teilnehmerzahl von 33 1/3 bis 60 Prozent in Gültigkeit. Dann sei noch neben weiteren Fahrverbilligungsmöglichkeiten an die Fahrpreisermäßigung für Kinderreiche erinnert. Hier können Familien mi 4 leiblichen Kindern, welche das 18. Lebensjahr noch nicht überschritten haben und dem elterlichen Hausstand angehören, von der sehr erheblichen Fahrpreisermäßigung Gebrauch machen. Nun wünschen wir allen Reise- und Wanderlustigen neben herrlichstem Wetter die beste Erholung und recht viel Freude.

    31.07.1938 Wochenendsplitter. Das schöne Sommerwetter scheint nun beständig zu werden und nach der langfristigen Wettervorhersage wird es in den nächsten Tagen sommerlich bleiben. Für den Landmann und Ferienreisenden eine erfreuliche Mitteilung. Der wirtschaftliche Aufschwung Reckenfelds findet in der überaus regen Bautätigkeit sichtbaren Ausdruck. In allen Ortsteilen wird zur Zeit gebaut. An der Hauptstraße sind einige Geschäftshäuser geplant. Maßgebliche Reckenfelder Kreise werden sich weiterhin dafür einsetzen, daß unsere Siedlung eine Gartenstadt mit zufriedenen Menschen wird. 31.07.1938 Der Auftakt unseres Schützenfestes bildet heute am Sonnabend die Anbringung des Maibaumes an der Vogelstange bei Rickermann. Noch acht Tage trennen uns von dem großen Volksfest, auf das sich Jung und Alt schon freuen. Die Sportvereinigung tritt, wie bereits angekündigt, am Sonntag mit ihrer ersten geselligen Veranstaltung an die Öffentlichkeit. Dieses Sommerfest findet im Vereinslokal Rickermann am Bahnhof statt.

    01.08.1938 "Maibaum, steig in die Höhe!" Der Tag des Schützenfestes rückt nun immer näher. Als Auftakt wurde in traditioneller Weise am Sonnabend der geschmückte Maibaum an der Vogelstange befestigt. Hierzu traten sämtliche Schützenkameraden um 20 Uhr am Deutschen Hause an. Unter Vorantritt des Reckenfelder Blasorchesters ging es dann geschlossen zur Vogelstange bei Rickermann am Bahnhof. Nach einer kleinen Stärkung bildeten die Schützenkameraden dort einen Kreis, wo am kommenden Sonntag die Büchsen zum Königsschuß knallen. Der geschmückte Maibaum wurde nun an der Stange befestigt mit dem Spruch: "Maibaum, im Auftrage des Schützenvereins "Eintracht" steige in die Höhe und künde nah und fern, daß das Schützenfest am nächsten Sonntag stattfindet.

    01.08.1938 Mit dem Schützengruß und dem Präsentiermarsch war dieser Akt beendet. Dann feierte man in bester Schützenlaune im Lokal Rickermann den Auftakt des Schützenfestes; eine außerordentliche Beteiligung wie selten zuvor, welche nicht zuletzt auf die Initiative der jetzigen Vereinsführung zurückzuführen ist, läßt erwarten, daß das diesjährige Schützenfest ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes wird. Zur Auszahlung der Spargelder und zur Versammlung treffen sich die Schützenkameraden Mittwoch, den 3. August, 20 Uhr, im Deutschen Haus restlos und sind pünktlich zur Stelle.

    04.08.1938 Der Sparverein "Sorgenfrei" zahlte aus. Den meisten Reckenfeldern ist bekannt, daß vor einem Jahr der genannte Sparverein gegründet worden ist. Die Hauptaufgabe des Vereins ist naturgemäß die Pflege des Sparsinns. Daß mit dieser Einrichtung etwas Zweckmäßiges geschaffen worden ist, wurde in der gestern, Mittwochabend, stattgefundenen Versammlung, in welcher die Spargelder des vergangenen Jahres ausgezahlt wurden, bewiesen. Die Zahl der Mitglieder ist in den letzten Monaten sehr gestiegen. Sparer kann jeder Reckenfelder werden, Pflicht ist es, wenigstens jede Woche 0,20 RM in den Sparkasten im Deutschen Haus einzuwerfen. Alle 14 Tage wird der Kasten geleert und das Geld jedem auf sein Sparkonto gutgeschrieben.

    Das Geld wird jedes Jahr einmal, und zwar Anfang August, in der Regel am Mittwoch vor dem Schützenfest, ausgezahlt. In besonderen Notfällen kann über das Geld sofort verfügt werden. Der Vorstand setzt sich zusammen aus den Herren Johann Hermanns als Vorsitzender, Stellvertreter Ernst Deitmar, Schatzmeister Hermann Wilp, Stellvertreter Hermann Heimsath, Schriftführer Heinrich Brinkmeyer, Stellvertreter Frau Brinkmeyer. Die Versammlungen finden vierteljährlich statt, in dieser können die Mitglieder Einblick in ihr Sparbuch nehmen. Bei der Auszahlung am gestrigen Abend konnten den Mitgliedern je nach Sparlust ansehnliche Gelder zurückerstattet werden. Da der größte Teil der Mitglieder dem Schützenverein angehört, ist es diesen leichtgemacht, das am kommenden Sonntag stattfindende Schützenfest ausgiebig zu feiern. Nach der Auszahlung der Gelder wurde die Versammlung im Gedenken an den Führer, der ja erst dem einen oder anderen das Sparen ermöglichte, geschlossen.

    05.08.1938 Wer fährt mit zum Bückeburg? Zum diesjährigen Erntedankfest auf dem Bückeberg fährt ein Sonderzug. Es ist jedem Volksgenossen möglich, für einen billigen Fahrpreis dieses gewaltige und unvergessliche Geschehen auf dem Bückeberg zu erleben. Keiner versäume diese günstige Gelegenheit und melde seine Teilnahme beim Organisationsleiter Pg. Rathert, Bahnhofstraße oder beim Propagandaleiter Pg. Sander bis zum 7. August.

    Aus Wikipedia: Während das Publikum auf dem Platz stundenlang auf den Führer wartete, paradierten uniformierte Gruppen aus SA, SS, Nationalsozialistischem Kraftfahrerkorps und Reichsarbeitsdienst den Mittelweg hinauf und hinunter. Dazu erklang Marschmusik. Der aggressive Aufmarsch erinnerte an den brutalen "Kampf der SA um die Straße" vor 1933.
    05.08.1938 Wochensplitter. Sommerzeit - Erntezeit. Jetzt ist die Zeit gekommen, wo die Schnitter und Mähmaschinen ihre Arbeit verrichten. Der Roggen ist fast überall geschnitten und steht in Stiegen. Teilweise beginnt schon das Einfahren und um den Erntesegen zu bergen stehen Tausende freiwillige Erntehelfer bereit, dem Bauer bei seiner Arbeit zu helfen.

    Die tropische Wärme der letzten Tage entfaltete nun die letzten Reserven des Gartens zum vollen Wachstum. Der Ferienmonat bringt ja immer auswärtige Gäste, die sich an der landwirtschaftlichen Schönheit Reckenfelds erfreuen. Auch die längs der Hauptstraßen angelegten Steingärten stehen nun in voller Blüte und verfehlen nicht die Wirkung auf die Vorübergehenden.

    Der Aufenthalt der Auslanddeutschen in der NSB-Gauschule geht langsam seinem Ende entgegen. Als Abschluß geht es an den Rhein, um einige Tage das herrliche, sagenumwobene Gebiet an Deutschlands Westgrenze kennenzulernen. Nach Rückkehr nehmen die kleinen Gäste in einer schlichten Feierstunde Abschied von hier, von ihrem Vaterlande, das ihnen das Großdeutschland erleben ließ. Das Hauptgesprächsthema bildet das am Sonntag und Montag stattfindende Schützenfest. Nach dem Auftakt des vergangenen Samstag verspricht es diesmal sehr groß zu werden. Samstag Zapfenstreich, Sonntag Königsball und Montag Königsschießen. Wer wird der neue König, wer wird Königin, das ist das Raten, bis am Montag an der Vogelstange bei Rickermann die Entscheidung fällt. Hoffentlich ist den Schützenkameraden der Wettergott gut gesinnt und sendet zum Schützenfest ebenfalls rechtes Festwetter.

    08.08.1938 Reckenfelder in Front! Dem Wunsche des Führers, alle verfügbaren Kräfte für die Bergung der Getreidefrüchte einzusetzen, wurde in Reckenfeld voll und ganz entsprochen. Neben den zahlreichen Frauen sind in anerkennenswerter Weise recht viele Arbeitsinvaliden hinausgezogen, den Bauern zu helfen, das kostbare Erntegut zu bergen. Der gestrige Sonntag wurde recht ausgiebig benutzt. Jetzt heißt es schnell handeln, damit auch das restliche Korn sicher unter Dach und Fach kommt. Die Wettervorhersage kündigt eine Schlechtwetterperiode an, da heißt es entschlossen zu helfen. Darum werden alle Volksgenossen gebeten, die es ermöglichen können, den Bauern zu helfen, sich sofort beim Bürgermeister Peters, Bahnhofstraße, zu melden. Einsatzstellen werden dortselbst bekanntgegeben.

    09.08.1938 Schützenfest des Schützenvereins "Eintracht" - 3 Tage Volksfest einer Dorfgemeinschaft - Rekordmäßige Beteiligung. Das Schützenfest 1938 des Schützenvereins "Eintracht" hört nun der Vergangenheit an. Die Tage, auf die sich Jung und Alt beiderlei Geschlechts monatelang vorher schon freuten, sind vorbei mit ihrem Frohsinn, mit ihrer Lust. Wie konnte es auch besser ausfallen, wo der Wettergott in anerkennender Weise den Schützenkameraden herrlichstes Festwetter bescherte. Nachdem nun als Auftakt am vorletzten Sonnabend die Vogelstange mit dem Maiengrün geschmückt wurde, begann das eigentliche Fest am Sonnabend mit dem Zapfenstreich.

    Bei Anbruch der Dunkelheit wurden der König und die Königin, die der Ortsteil C in diesem Jahr stellte, mit flotter Marschmusik abgeholt. Im Vereinslokal zurückgekehrt, war gemütliches Beisammensein unter Mitwirkung des Reckenfelder Blasorchesters. Dieser erste Tag klang dann auch in zufriedenstellender Weise aus. Am folgenden Tag, dem Tag des Königsballes, bewegte sich der Festzug unter Vorantritt eines schneidigen Spielmannzuges in Stärke von 12 Mann, des Blasorchesters, sowie den berittenen Offizieren zum Ortsteil C, um den König und die Königin abzuholen. Nach einem kleinen Umzug ging es zur Ausgangsstelle Deutsches Haus zurück. Hier residierten der König und die Königin mit ihren Untertanen. Wohl selten hat Reckenfeld solch ein Fest mit einer derartigen Rekordbeteiligung erlebt.

    Es war ein Volksfest im wahren Sinne des Wortes. Aus den Nachbargemeinden und Bauerschaften waren zahlreich Männlein und Weiblein erschienen. Es war gut, daß der an sich schon große Saal durch ein großes Zelt ergänzt war, sonst wäre ein Unterbringen aller nicht möglich gewesen. In dem Zelt nahmen die Musiker Platz und hier war auch die Tanzfläche. Auch dieser Tag nahm zu schnell sein Ende und es soll schon spät oder auch schon früh geworden sein, als die Unentwegtesten ihren Heimweg antraten. So rückte der letzte Tag heran. Montagmorgen, der eine oder andere noch reichlich angestrengt aussehend, sammelten sich die Schützenkameraden, um den neuen König durch den Königsschuß festzustellen. Mit klingendem Spiel ging es nach Rickermann zur Vogelstange. Nachdem der Vogel seinen luftigen Standort eingenommen hatte,
    • gab der Vereinsführer Hermanns den 1. Schuß für unseren Führer ab

    • Schützen-Oberst Priemke den 2. für den Schirmherr der Schützen, Generalfeldmarschall Göring

    • Schützen-Hauptmann Schulz widmete den 3. Schuß dem Reichssportführer.

    Dann setzte ein harter Kampf um die Königswürde ein. Die Sonne, die es wiederum besonders gut meinte, zwang immer wieder zum Einnehmen von Zielwasser. Bald fiel die Krone, vom Kameraden Retzmann geschossen, das Zepter schoß der Vereinsführer Hermanns herunter, den Reichsapfel schoß Kamerad Engelbrecht ab. Gegen 12 Uhr war es soweit, daß der Schützenkamerad Schups (Schupp?) den Königstreffer tat. Zur Königin nahm er Fräulein Fritzmann. Nachmittags erfolgte die feierliche Inthronisation des Königs Alfred I. (Schupp, A 42?) und Luise II. Dann setzte noch einmal die Fröhlichkeit ein und auch diese Stunden verliefen viel zu schnell. Mitternacht war vorbei, als der Schlußpunkt zum Schützenfest 1938 gesetzt wurde.

    11.08.1938 Kleine Tagesschau. "O, diese Hitze!" so hört man Jung und Alt stöhnen. Der Monat August hat uns bis jetzt schöne und heiße Tage beschert. Die Ernte ist zum größten Teil eingebracht. Hoffen wir, daß auch die letzten Garben noch trocken hereinkommen.

    Noch klingt das Schützenfest bei den Teilnehmern nach; es ist als gelungen zu bezeichnen. Wie kann es auch anders sein, wenn fröhliche Menschen beim Gerstensaft Stunden der Freude genießen.

    Der Wittlerdamm, der den meisten Reckenfelder Arbeitern als Fahrweg dient, ist seit einigen Tagen zur Freude aller instandgesetzt worden; sind doch an den Seiten die lästigen Sträucher und Dornenbüsche aus dem Weg geräumt. Der Damm wurde dadurch breiter. Die Schlaglöcher wurden ausgefüllt. Um den Weg bei nassem Wetter trocken zu halten, ist ein Graben angelegt worden.

    Täglich beobachtet man, daß auswärtige, frohe Wanderer durch unsere Gartenstadt ziehen, um auch hier in den umliegenden Wäldern Erholung und Ruhe zu suchen. Leider wird allzu oft beobachtet, daß junge, gleichgültige Burschen mit brennenden Zigaretten umherziehen. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Rauchen im Walde bei hoher Strafe verboten ist; durch einen Waldbrand gehen dem deutschen Volksgut unermeßliche Werte verloren. Darum: Schützt und schont unseren deutschen Wald!

    12.08.1938 Alle Reckenfelder helfen mit. Morgen, Samstag, den 13. August, sammeln die Kinder Obst und Gemüse für das Winterhilfswerk. Jeder Reckenfelder Gartenbesitzer hält in seinem Garten Nachschau, was im Augenblick entbehrt werden kann. Gerade in diesem Monat bietet der Garten doch recht vieles, so Erbsen, große Bohnen, Möhren usw. Auch wir Reckenfelder werden nicht zurückstehen, um den Ärmsten der Armen zu helfen. Um es den kleinen Sammlern leicht zu machen, soll alles bis Samstag bereitgestellt werden.

    15.08.1938 Wochensplitter. Der Wochenbeginn stand noch ganz im Zeichen der Schützen. Beim Vogelschießen am Montagmorgen wurden der neue König und die Königin festgestellt. Die Veranstaltungen am Nachmittag verliefen ebenfalls wie die beiden Vortage in bester Stimmung. Dieses gelungene Volksfest wird den Reckenfeldern noch recht lange in Erinnerung bleiben.

    Neben dem Preisfliegen der älteren Tauben beginnt nun der Brieftaubenverein "Gut Flug" mit dem ersten Preisflug der Jungtiere am heutigen Sonntag. Die erste Reise der Jungtiere geht nach Melle.

    In einer schlichten Abschiedsfeier nehmen am heutigen Sonntag unsere Gäste Abschied. Von den Erlebnissen ihres Aufenthaltes stark beeindruckt, kehren sie nun zurück, um gläubigen Herzens dem Manne zu danken, der das großdeutsche Reich geschaffen hat.

    Das günstige Wetter der letzten Tage hat die Erntearbeiten beschleunigt. Immer weniger werden die Felder, auf denen die Kornfelder stehen. Noch einige Zeit und die Ernte 1938 ist geborgen, bald geht es wieder hinaus, die Saaten für die nächste Ernte in den Boden zu bringen. Ein fester Kreislauf im Leben der Natur.

    Nun blüht das im zarten Rot prangende Heidekraut an den Wegen und in den Wäldern. Der Landmann sagt, wenn die Kornfelder umgebrochen sind und das Heidekraut blüht, dann steht der Herbst vor der Tür. Bei schönem Wetter werden daher noch einmal recht viele hinaus wandern, um die Natur im spätsommerlichen Gewande mit ihren Reizen zu betrachten.

    16.08.1938 Heftiger Gewitterregen. Gestern in den Spätnachmittagsstunden entlud sich über Reckenfeld ein Gewitter mit recht reichlichem Gewitterregen. Im Nu standen die Gärten unter Wasser. Der Regen fiel so dicht, daß eine Sicht auf 4-5 Meter unmöglich war. Bisher ist Reckenfeld eigenartigerweise von den überall gemeldeten Unwettern und Gewittern verschont geblieben. Der von der Hundstagshitze in den letzten Wochen ausgetrocknete Boden saugte in kurzer Zeit begierig die angestauten Wassermassen auf.

    16.08.1938 Der kluge Mann baut vor. Um den in dieser Zeit anfallenden Gemüsesegen für den kommenden Winter nutzbringend zu verwerten, wurde am vergangenen Sonnabend die 2. Sammlung für das Winterhilfswerk 1938/ 39 durchgeführt. Das Ergebnis dieser Sammlung liegt bedeutend über dem letzten. Besonders gebefreudig zeichnete sich der Ortsteil A und B aus. Die NS-Frauenschaft wird sich wiederum in anerkennender Weise mit der Konservierung befassen. Ihnen und nicht zuletzt allen Gebern sowie den kleinen Sammlern sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.

    17.08.1938 Nun ade, du mein lieb Reckenfeld! Wie wir schon kurz berichteten, fand am Sonntagnachmittag die Abschiedsfeier unserer auslandsdeutschen Gäste, welche sechs Wochen in der Gauschule der NSB weilten, statt. Den Höhepunkt und Abschluß ihres Aufenthaltes in der deutschen Heimat bildete die Rhein- und Moselfahrt in der vorigen Woche. Von der landschaftlichen Schönheit des herrlichen Rhein- und Moselgebiets waren die Teilnehmer restlos begeistert. Die herrlichen Dampferfahrten Koblenz-Bacharach, Koblenz-Cochem werden unseren Gästen unvergeßlich bleiben.

    Sonntagnachmittag fand dann in der Gauschule die schlichte Abschiedsfeier im Beisein von Vertretern des Staates und der Bewegung statt. Im Auftrage der Kameraden und Kameradinnen brachte der Jugendleiter in beredten Worten den Dank für die vorzügliche Aufnahme im Vaterland zum Ausdruck. Der Aufenthalt aller, besonders hier in Reckenfeld, werde allen eine dauernde Erinnerung bleiben. Die Feier klang aus im Gedanken an unseren herrlichen Führer. Nach dem Abendessen trafen sich noch einmal alle im Deutschen Haus, um im fröhlichen Kreise einen Kameradschaftsabend zu verleben. Montagmorgen hieß es dann Abschied nehmen. Die Pflegeeltern der in Privatquartieren untergebrachten Gäste ließen es sich nicht nehmen, ihre Pfleglinge zum Bahnhof zu begleiten. 9.51 Uhr rollte dann der Zug aus dem Bahnhof nicht ohne heftiges Taschentuchwinken. Vereinzelt sah man auch Tränen bei den Abfahrenden sowie bei den Zurückbleibenden; man hatte sich in kurzer Zeit liebgewonnen, daher fiel der Abschied schwer. Mögen unsere Gäste recht gut ihr Elternhaus erreichen und recht oft des deutschen Vaterlandes gedenken.

    18.08.1938 Die ersten Nürnbergfahrer verließen Reckenfeld. Dienstagmorgen verließen 57 Arbeitsmänner der Reichsarbeitsdienstabteilung 5/163, General von Bernhardi, Reckenfeld. Nach einem Aufenthalt in Reckenfeld werden sie den übrigen Teilnehmern des Gaugebietes in Bocholt zugeteilt, um dann nach Nürnberg, der Stadt der Reichsparteitage zu fahren. Bei der Verabschiedung durch den Abteilungsführer, Feldmeister Riemer, strahlten die Augen unserer braunen Jungen, denen es nun vergönnt ist, nach einer unvergleichlich schönen Fahrt durch Deutschlands Gaue an dem Vorbeimarsch vor dem Führer teilzunehmen. Wir Reckenfelder sind besonders stolz, daß wir dem Führer durch unsere Arbeitsmänner einen stillen Gruß übersenden können.

    21.08.1938 Wochensplitter. Der Hundstagehitze in der ersten Hälfte des Monats folgte mit Wochenbeginn angenehmes, kühles Wetter. Da Reckenfeld und die nähere Umgebung von den allerorten gemeldeten Unwettern, mit Ausnahme des letzten Sonntags, verschont blieben, sind die Erntearbeiten fast beendet. Nun hat die Dreschmaschine das Wort, deren bekanntes Summen wieder täglich zu hören ist.

    In den benachbarten Orten, wo es mehr geregnet hat, haben sich die Erntearbeiten etwas verzögert. Um auch dort das Getreide sicher zu stellen, sind von der hiesigen Reichsarbeitsdienstabteilung einige Erntekommandos entsandt worden. Mit Hilfe des planmäßigen Ernteeinsatzes aller verfügbaren Kräfte wird die Getreideernte 1938 bald überall restlos geborgen sein.

    Es entspricht nicht dem Charakter der NS-Kriegsopferversorgung, rauschende Feste zu feiern, aber von Zeit zu Zeit in frohem Kreise einen Kameradschaftsabend zu verleben, entspricht dem Bedürfnis der Kameraden, Kameradenfrauen und Kriegshinterbliebenen. Die Verbundenheit mit den Kriegsopfern läßt erwarten, daß neben den Mitgliedern auch die gesamte Bevölkerung an dem Kameradschaftsabend am Sonntag, dem 21. d. M., 18 Uhr, im Deutschen Haus teilnimmt.

    Auch im Lager der Fußballer wird es nun lebendig. Während die erste Mannschaft der Sportvereinigung am vergangenen Sonntag als Auftakt der Fußballserie am Pokalturnier teilnahm, findet am heutigen Sonntag, um 17 Uhr, beim Vereinswirt Rickermann am Bahnhof eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Der Vereinsführer erwartet, wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung das Erscheinen sämtlicher Sportskameraden.

    Im Brieftaubensport herrscht ebenfalls um diese Jahreszeit Hochbetrieb. Bei dem ersten Preisfliegen der Jungtiere am vergangenen Sonntag von Melle wurden die Tauben um 8.15 Uhr freigelassen. Der erste Sieger war bereits um 9.10 Uhr im Schlag. Neun Preise, davon den ersten Sieger, stellte der Schlag Hans Sierk, der Züchter Imm fünf Preise, davon den 2. und 3. Sieger, weitere Preise errangen die Schläge Holzgreve und Brüggemann. Eine beachtliche Leistung unserer Brieftaubensportler. Am heutigen Sonntag geht es mit der Gesamtreisevereinigung Rheine nach Löhne (80 Km). Hoffentlich können wir wieder Sieger melden.

    Die vom Siedlerverein für diesen Monat geplante Haus- und Gartenschau muß leider wegen der schlechten Straßenbeschaffenheit ausfallen.

    23.08.1938 Die Kaninchenzucht in Reckenfeld ganz groß. Die Vorliebe für Kaninchen ist hier in Reckenfeld ganz besonders groß. Fast jeder Siedler ist im Besitz dieser kleinen Haustiere, um die Abfälle von Haus und Garten zweckmäßig auf diese Weise zu verwenden. Das Halten von Kaninchen ist heute mit Rücksicht auf den Vierjahresplan von ganz besonderer Bedeutung. Einmal werden, wie schon erwähnt, die Haus- und Gartenabfälle zweckmäßig verwertet, auf der anderen Seite erhalten wir zusätzliches Fleisch und Felle, von einigen Rassen sogar kostbare Wolle. Gerade die feine Wolle der Angorakaninchen (Aus Wikipedia - Anm.: Das Angorakaninchen ist eine mittelgroße, langhaarige Kaninchenrasse von etwa 3,5–5 kg Gewicht, aus deren Wolle die Faser Angora hergestellt wird.) mußte bisher fast restlos gegen Hergabe von kostbaren Devisen vom Ausland bezogen werden. Genannte Gründe sind wohl dafür maßgebend, daß sich die Kaninchen ganz besonderer und überaus zahlreicher Beliebtheit erfreuen.

    Und so war es selbstverständlich, daß die Monatsversammlung des Kaninchenuchtvereins W. 42 Reckenfeld, welche im Vereinslokal Rickermann am Bahnhof stattfand, recht gut besucht war. Der Vereinsführer Holzenkämpfer begrüßte zunächst die Erschienenen. Dann gab er bekannt, daß nunmehr der Vereinsrammler (weiße Wiener) beschafft ist. Als Halter dieses Tieres wurde das Mitglied Franz Bruns, Ortsteil C 42, von der Versammlung bestätigt. Das Deckgeld pro Häsin beträgt nach den Reichsrichtlinien 0,30 RM. Entgegenkommenderweise soll auch Nichtmitgliedern der Rammler für ihre Häsinnen zur Verfügung gestellt werden.

    Bekanntlich gewährt der Staat bei Errichtung von Kleintierställen eine entsprechende Beihilfe. Der Vereinsführer machte die Mitglieder mit der Voraussetzung zur Gewährung dieser Beihilfen bekannt. Darauf wurden einige diesbezügliche Anträge gestellt. Ferner wurde beschlossen, in der Versammlung am 17. September, 17 Uhr bei Rickermann, ein Angorawerbescheren durchzuführen. Der Eintritt ist kostenlos und wird insbesondere die Frauen interessieren; jeder Volksgenosse ist daher schon jetzt freundlichst eingeladen. Diese Veranstaltung hat den Zweck, weitere Freunde für unser Kaninchen zu werben. Nachdem dann einige Neuaufnahmen wiederum getätigt wurden, sprach der Vereinsführer über das Thema "Stallbau und Kaninchenzucht im Rahmen des Vierjahresplanes". Die Mitglieder verfolgten diese Ausführungen mit verständlichem Interesse und der eine oder andere konnte so manchen Ratschlag mit nach Hause nehmen. Zum Schluß bat er noch alle Mitglieder, stets pünktlich zu den Veranstaltungen zu erscheinen, da jeder in diesen nur lernen kann.

    28.08.1938 Wochensplitter. Das Wetter der abgelaufenen Woche war nicht besonders günstig. Trübe und kühle Tage wechselten mit regnerischen ab. Der Jahreszeit entsprechend hoffen wir doch noch auf angenehmeres spätsommerliches Wetter.

    Schon mit Rücksicht auf die im benachbarten Greven am Sonntag und Montag stattfindende Kirmes müßte rechtes Kirmeswetter herrschen. Noch müssen wir auf derartige eigene Veranstaltungen verzichten, daher besuchen die Reckenfelder gerne die Grevener und insbesondere die eine Woche später in Emsdetten stattfindende traditionelle Herbstkirmes.

    Ein gutes Training für die im nächsten Monat beginnenden Meisterschaftsspiele bildet zweifellos das am Sonntag auf dem Sportplatz bei Leising ausgetragene Freundschaftsspiel der Sportvereinigung gegen Schwarz-Weiß-Esch. Beginn des Spieles 15 Uhr, vor 14 Uhr spielen die ersten Jugendmannschaften beider Vereine. Es wäre wünschenswert, wenn die Reckenfelder ihre Verbundenheit mit dem gesunden Sport durch recht zahlreiches Erscheinen zum Ausdruck brächten.

    Die gewaltigen Aufgaben der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt können nur dann gelöst werden, wenn jeder Volksgenosse tatkräftig mithilft. In der kommenden Woche ist jedem die Möglichkeit gegeben, dies unter Beweis zu stellen. Die Blockwarte der NSB werden in den nächsten Tagen Abonnenten für die Monatszeitschrift "Das ewige Deutschland" werben. Diese Zeitschrift, welche reich illustriert ist und dazu 10 Pfennig kostet, wird wohl recht viele Leser finden.

    Lupuskranke und alle Personen, die den Verdacht haben, daß es sich bei ihrer Hauterkrankung um Lupus oder Krebs handeln könnte, haben die Möglichkeit einer kostenlosen Untersuchung und Beratung am Dienstag, dem 30. August, 19 Uhr, in der Schule am Dorfplatz.

    Noch einige Tage und die herrliche Ferienzeit unserer Jungen und Mädel gehen zu Ende. Dann heißt es wiederum lernen, daß wohl in den ersten Tagen manchem ungewohnt erscheint.

    28.08.1938 Samstagabend fand eine Besprechung der Teilnehmer an dem diesjährigen Reichsparteitag beim Hoheitsträger statt. Die teilnehmenden Parteigenossen sind sich ihrer Aufgaben voll und ganz bewusst und werden Reckenfeld in Nürnberg würdig vertreten.

    28.08.1938 Reckenfelder Sport. Die Verpflichtung spielstarker Gegner der Sportvereinigung hatte sich in der zweiten Serie der letzten Meisterschaftsspiele als eine hervorragende Trainingsarbeit der Mannschaften herausgestellt. Recht beachtliche Leistungen konnten wir daher an dieser Stelle berichten. Den gleichen zielbewußten Weg geht die Führung der Sportvereinigung auch in der kommenden Spielzeit, und der Erfolg wird sich weiterhin zum Besten des Reckenfelder Sportbetriebes auswirken.

    Im Zeichen dieser Erkenntnis stand das gestrige Freundschaftsspiel gegen Schwarz-Weiß-Esch. Um 16 Uhr stellten sich die Mannschaften beider Vereine dem Schiedsrichter E. Deitmar. Reckenfeld erhält den Anstoß und greift sofort stark an. Nach fünf Minuten fiel das Führungstor für die Spielvereinigung. Reckenfeld drängt und belagert das gegnerische Tor und kann auf 2:0 erhöhen. Die Angriffe waren auf beiden Seiten gut verteilt, doch gelang es Schwarz-Weiß kurz vor der Halbzeit, den Ehrentreffer anzubringen. Mit 2:1 ging es in die Pause. Nach dem Seitenwechsel zeigte sich die Überlegenheit der Spielvereinigung immer deutlicher. Das Ergebnis lautete bald 3:1. Esch versucht in gut vorgebrachten Angriffen Tore anzubringen. Das Glück war ihnen bald hold, und der Stand des Spieles zeigte nun 3:2.

    Im Endspurt übertreffen sich die Reckenfelder Spieler, und beim Schlußpfiff trennt der Schiedsrichter, welcher das Spiel umsichtig und fair geleitet hatte, mit 5:2 für die Spielvereinigung. Vorher spielten die ersten Jugendmannschaften beider Vereine. Dieses Spiel endete mit 4:0, Halbzeit 2:0 für Schwarz-Weiß-Esch. Obwohl unsere Jungen weniger Glück hatten im Toreschießen, zeigten einzelne schon recht gute Leistungen. Das lebendige Spiel, welches die Jugendmannschaft bei ihrem gestrigen ersten Spiel zeigte, enthebt den Verein die Sorge geeigneten Nachwuchses. Es wäre wünschenswert, wenn die Reckenfelder die Bestrebungen des Vereins durch recht zahlreichen Besuch unterstützen würden.

    29.08.1938 Vom Brieftaubensport. Der Preisflug der Jungtiere am vorletzten Sonntag von Löhne (80 Km.) brachte den hiesigen Taubenliebhabern beachtliche Erfolge. Ausgelassen wurden die Tauben um 12 Uhr; die erste Taube war 13.35 Uhr im Heimatschlag angelangt. Das nun vorliegende Ergebnis des ersten Preisfluges der Jungtiere brachte den Taubenhaltern Holzgreve den 8. und 54., Sierk den 36., 44., 57., 61., 62., und 69., Imm den 76., Brüggemann den 78., Eckhardt den 79., und 81. Preis. Die älteren Tiere konkurrierten unter sich, hier erhielt Imm den 2., Sierk den 5., 26., und 30., Eckhardt (Foto) den 27. Preis. - Am letzten Sonntag ging es mit den Tieren nach Stadthagen (112 Km.). Die Tauben wurden gegen 10.50 Uhr ausgelassen, das erste Tier kam 12.45 Uhr hier an. Der am Sonntagmorgen herrschende Dunst und Sonnennebel erschwerte den Tauben den Rückflug sehr, so daß ein großer Teil der Tiere verspätet eintraf. Einige Fehlmeldungen liegen bereits vor, doch hoffen wir zuversichtlich, daß alle restlos den heimatlichen Schlag inzwischen erreicht haben. Nach Eingang der Siegerliste kommen wir auf diesen Flug noch zurück.
    31.08.1938 Kleine Umschau. Nun geht die schöne Ferienzeit zu Ende. Heute werden die Bücher nachgesehen, notfalls mit neuen Umschlägen versehen, Tafeln gescheuert und alles nett in Ordnung gebracht. Morgen früh geht es nach sechswöchiger Pause wieder den gewohnten Gang zur Schule. Ferienerlebnisse werden ausgetauscht und gut erholt beginnt jetzt wieder das Lernen, das manchem Kind zunächst wieder ungewohnt sein wird.

    Der Vereinsführer des Ziegenzuchtvereins berief seine Mitarbeiter zu einer Vorstandssitzung in das Deutsche Haus. Die Aufgaben des Vereins im bevorstehenden Herbst und Winter wurden durchgesprochen. Ferner wurde beschlossen, am Sonntag, dem 11. September, eine Mitgliederversammlung bei Brinkmeyer abzuhalten. Mit der Festlegung der Tagesordnung hierfür nahm diese Sitzung ihr Ende.

    Beim Ausmachen der Kartoffeln müssen wir immer wieder feststellen, daß die Wühlmaus nach wie vor ihre Zerstörungsarbeit ausführt. Ganze Kartoffelreihen sind oft von diesen lästigen Nagetieren leer gefressen oder gehamstert. Im Zusammenhang hiermit wird daran erinnert, daß jeder Gartenbesitzer gesetzlich zur Bekämpfung dieses Ungeziefers verpflichtet ist. Nur wenn alle die entsprechenden Maßnahmen ergreifen, wird es gelingen, diese Plage kurz zu halten oder ganz zu vernichten.

    Im Monat September werden verschiedene Zählungen durchgeführt. Da ist zunächst die Schweinezählung am 3. September. Einige Tage später folgt die Zählung sämtlicher Obst-, Nuß- und Kastanienbäume, sowie sämtlicher Beerensträucher. Es wird jedem Siedler empfohlen, sich über die erforderlichen Angaben klar zu werden und kurz aufzuschreiben, damit den ehrenamtlichen Helfern die Arbeit nicht unnötig erschwert wird. Die obengenannten Zählungen dienen statistischen und volkswirtschaftlichen Zwecken. Das Gesamtergebnis der Obstbaumzählung in Reckenfeld wird auch insofern von Bedeutung sein, da hier recht viele Obstbäume gepflanzt sind. Schon in den letzten Jahren war Reckenfeld während der Blütezeit Anziehungspunkt vieler auswärtiger Besucher.

    04.09.1938 Allerlei Neues aus Reckenfeld. Der letzte Sonntag und Montag stand im Zeichen der Grevener Kirmes. Bei schönstem Wetter war ein Rekordbesuch zu verzeichnen. Am heutigen Sonntag und Montag ist im benachbarten Emsdetten ebenfalls Kirmes. So werden wieder viele Reckenfelder dort als Abschluß noch einmal Kirmes feiern.

    Emsdetten feiert in diesem Jahr zum letzten Male Kirmes als Dorf. Bekanntlich wird Emsdetten Mitte dieses Monats zur Stadt erhoben. Aus Wikipedia - Anm.: Emsdetten erhielt am 18. September 1938 das Stadtrecht (17.000 Einwohner).Als unmittelbare Nachbarn freuen wir uns mit den dortigen Bewohnern, macht doch Emsdetten mit seinen schönen, sauberen Straßen auf den ersten Blick schon einen städtischen Eindruck. Die Aufgeschlossenheit und Freundlichkeit der Emsdettener sind weitere Gründe, warum die Reckenfelder gerne dort weilen.

    Im politischen Leben sind nun die Vorbereitungen für den Reichsparteitag 1938 in unserer Ortsgruppe abgeschlossen. In den nächsten Tagen fahren unsere Teilnehmer gen Nürnberg. Auch sie werden, wie die Teilnehmer der letzten Jahre, restlos begeistert von dem gewaltigen Geschehen zurückkehren.

    Für die Reckenfelder Sportler ist heute, Sonntagnachmittag, 17 Uhr im Vereinslokal Rickermann eine außerordentlich wichtige Mitgliederversammlung, zu der alle Sportsfreunde restlos und pünktlich zur Stelle sind.

    Wie im gesamten Reichsgebiet, so veröffentlicht die hiesige Ortsgruppe der NSB an der Anschlagtafel am Dorfplatz in diesem Monat Leistungstafeln. Diese Tafeln geben in klarer Übersicht die gewaltigen Leistungen der NSB bekannt. In anschaulicher Weise wird jedem Volksgenossen eindeutig gezeigt, zu welchen Zwecken das aufkommende Geld verwandt wird. Diese Veröffentlichungen sollen auch die in der nächsten Woche stattfindende Mitgliederwerbung unterstützen. Der Herbst und Winter stehen vor der Tür und erhöhen die Leistungen der NSB. Jeder Reckenfelder unterstützt in echter Volksverbundenheit diese sozialen Bestrebungen der NSB und erwirbt nunmehr die Mitgliedschaft.

    Im Brieftaubensport zunächst die Ergebnisse des letzten Sonntags. Die Tauben wurden in Stadthagen (112 Km.) 10.50 Uhr ausgelassen. Das erste Jungtier erreichte 12.59 Uhr den Schlag, Besitzer Sportkamerad W. Eckardt. Dieser Schlag erhielt den 22., 44., und 45., Brüggemann den 24. Preis. Das erste Alttier kam 14 Minuten früher an, Besitzer Sierk mit dem 5. und 20., Eckardt mit dem 27. Preis. Wie wir schon im Vorbericht erwähnten, hatten die Tiere bei ihrem Flug unter der nebligen und diesigen Witterung zu leiden. Naturgemäß waren Verspätungen unausbleiblich; zum Glück hat der hiesige Verein keine Tierverluste zu beklagen. Am heutigen Sonntag geht es von der nächsten Etappe, Wunstdorf (ca.140 km.); gutes Flugwetter und wiederum Sieger sei unser Wunsch.

    Wer in diesen Tagen aufmerksam in seinen Garten schaut, bemerkt an den Kohlblättern unzählige Raupen. Diese recht gefräßigen Tiere sind die Raupen der Kohlweißlinge, welche in diesem Sommer recht zahlreich waren. Wer seinen Kohl im Herbst oder Winter ernten will, tut gut, dieses Ungeziefer abzulesen und zu vernichten in seinem und im Interesse der Volkswirtschaft.

    Kameradschaftsabend der alten Krieger verlegt. Der für Sonntag geplante Appell der Kriegerkameradschaft Reckenfeld wird auf den nächsten Sonntag verschoben. Der Kameradschaftsappell findet also am Sonntag, dem 11. September, nachmittags 17 Uhr im Deutschen Haus statt.

    04.09.1938 Im politischen Leben sind nun die Vorbereitungen für den Reichsparteitag 1938 in unserer Ortsgruppe abgeschlossen. In den nächsten Tagen fahren unsere Teilnehmer gen Nürnberg. Auch sie werden, wie die Teilnehmer der letzten Jahre, restlos begeistert von dem gewaltigen Geschehen zurückkehren.

    04.09.1938 Außerordentliche Versammlung der Sportler. Am kommenden Sonntag beginnen bekanntlich die Meisterschaftsspiele. Aus diesem Grunde versammelten sich die Sportler am gestrigen Sonntag im Vereinslokal Rickermann am Bahnhof, um die vorbereitenden Arbeiten durchzusprechen. Vereinsführer Josef Lüttecke eröffnete die Versammlung. Zunächst stellte er fest, daß mit Rücksicht auf die Bedeutung der Meisterschaftsspiele die Sportkameraden noch mehr zusammenhalten müssen als bisher, soll die günstige Aufwärtsentwicklung des jungen Vereins nicht aufgehalten werden. Dann machte er bekannt, daß derjenige Spieler, welcher noch nicht im Besitze eines Passes ist, dem Geschäftsführer umgehend die Paßbilder zu bringen hat. Bekanntlich darf kein Sportler ohne den Paß spielen. Als neuer Spielobmann wurde der Sportkamerad Friedrich Rosofski bestimmt. Er machte die Annahme seines Amtes davon abhängig, daß es sein Bestreben sei, nur talentierte Spieler aufzustellen. Berücksichtigen wolle er nach Möglichkeit die jungen Spieler, die dadurch bedingte Zurücksetzung einzelner darf daher nicht als Böswilligkeit ausgelegt werden. Der Vereinsführer wies darauf hin, daß die Blockkassierer bis zum 15. eines jeden Monats unbedingt zu kassieren haben, um unnötige Rückstände zu vermeiden. Zu den Trainingsstunden übergehend bat er die Kameraden, doch alle zu erscheinen, denn ohne Training kein Spiel.

    Für den kommenden Winter hat sich der Vereinswirt bereit erklärt, bei schlechtem Wetter das Saaltraining zu gestatten. Zu den Spielen auf dem eignen Platz wollen sich doch in Zukunft mehr Kameraden einfinden um vorher den Platz spielbar zu machen. Ferner bittet der Vereinsführer, daß alle im Dorf Ansässigen noch abseitsstehenden Sportskameraden sich dem Verein zur Verfügung stellen mögen. Der Geschäftsführer Ernst Deitmar verlas das Protokoll vom letzten halben Jahr. Demnach war die günstige Aufwärtsentwicklung des jungen Vereins unter der jetzigen zielbewußten Führung unverkennbar. Nur durch kameradschaftliches Zusammenhalten und mühsame Arbeit war es möglich, daß am 13. 03. 1938 der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Seitdem wurden schon verschiede Siege an unsere Fahne geheftet. Das Sommerfest nahm ebenfalls einen guten Verlauf. Für den Fußballehrgang in Münster sind die Teilnehmer bereits ausgewählt. Dann gab der Geschäftsführer die Gegner bei den kommenden Meisterschaftsspielen und die näheren Termine bekannt. Damit nahm die anregend verlaufene Versammlung nach einer ausgiebigen Aussprache ihr Ende.

    07.09.1938 Worüber man in Reckenfeld spricht. Über die Kirmestage am vergangenen Sonntag und Montag in Emsdetten. Alles hat ein Ende, nach der Grevener ist nun auch diese Kirmes vorbei. Das lustige Treiben, der schrille Lärm haben einer wohltuenden Ruhe Platz gemacht. Inzwischen sind die letzten Spuren dieses Volksfestes beseitigt. Jetzt setzten die Vorbereitungen in erhöhtem Maße für das große Erlebnis, die Stadtwerbung, ein.

    Über ein wenig erfreuliches Kapitel: Die schlechten Straßen in Reckenfeld. Es wäre dringend an der Zeit, daß endlich die seit Monaten angefahrenen Steine, welche inzwischen von der verständlichen Natur sanft mit Unkraut zugedeckt sind, ihrer ureigensten Bestimmung, der Straßeninstandsetzung, zugeführt würden. Schnelles Handeln tut, mit Rücksicht auf den bevorstehen Winter, bitter not.

    Über die jetzt im frischen Rot prangenden Tollkirschen, deren Genuß bekanntlich im vorigen Jahre beinahe das Leben einiger Kinder gefordert hätte: Die Eltern klären daher zweckmäßig zur Verhütung derartiger Fälle ihre Kinder über die Gefährlichkeit dieser verführerischen und giftigen Tollkirschen auf.

    Über die reiche Pilzernte der letzten Wochen: Die starken Regenfälle der letzten Zeit ließen diese Gewächse im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden schießen. Erinnert sei nur hierbei, daß die Weiden wegen der noch hier und da herrschenden Maul- und Klauenseuche nach der polizeilichen Verordnung nicht betreten werden dürfen. Es muß daher mit den Waldpilzen, die ja auch sehr reichlich vorhanden sind, vorliebgenommen werden.

    07.09.1938 Über den Höhepunkt des politischen Erlebens, die machtvolle Kundgebung der NSDAP im Herbst jeden Jahres: Und so sind alle Blicke nach Nürnberg, der Stadt der Reichparteitage, gerichtet, wo zum ersten Male das geeinte Großdeutschland antritt. Die Zurückgebliebenen verfolgen nun lebhaft die täglichen Ereignisse in der Presse sowie am Rundfunk und nehmen so unmittelbar an dieser gewaltigen nationalsozialistischen Demonstration teil.

    11.09.1938 Reckenfelder Wochenspiegel. Regen und nochmals Regen brachte uns die abgelaufene Woche. Den vielen Wünschen gegenüber dem Wettergott brachte uns das Wochenende schönes Herbstwetter. Mit Rücksicht auf die anstehende Hackfruchternte hoffen wir noch, daß der Altweibersommer uns gutes Wetter beschert.

    Die Teilnehmer der hiesigen Reichsarbeitsdienstabteilung am Reichsparteitag kehrten Donnerstag aus Nürnberg zurück. Die zurückgebliebenen Arbeitsdienstmänner hatten sich zum Empfang am Bahnhof eingefunden und mit Musik ging es zum Lager. Strahlenden Auges werden nun die Reiseeindrücke und nicht zuletzt die unvergeßliche Parade vor dem Führer erzählt.

    In der Vorwoche konnte der Oberarbeitsführer Hinkel acht Angehörigen der Reichsarbeitsdienstabteilung Reckenfeld das Treudienstabzeichen am kornblumenblauen Band für treue vierjährige Dienstzeit persönlich überreichen. Hierzu gratulieren wir alle herzlichst.

    Aus dem Schulleben ist zu berichten, das Fräulein Disselkamp von der Volksschule 1 mit Wirkung vom 1. September nach Herten versetzt wurde. Es ist zu hoffen, daß die nun verwaiste Stelle recht bald wieder besetzt wird.

    Am heutigen Sonntag, 16 Uhr, hält der Ziegenzuchtverein seine Monatsversammlung im Deutschen Haus ab. Die Wichtigkeit der Tagesordnung verlangt vollzähliges Erscheinen.

    Unsere Sportler fahren am heutigen Sonntag, 12.29 Uhr nach Münster, um gegen die Gauwaltung der Deutschen Arbeitsfront ihr erstes Meisterschaftsspiel in dieser Serie auszutragen. Da die Reckenfelder zur Zeit in guter Form sind, muß sich der Gegner mächtig anstrengen, wenn er gewinnen will.

    Vom Brieftaubensport liegen nun die Ergebnisse des letzten Sonntags vor, Auslaß war in Wunstdorf (134 Km) 8.20 Uhr, Ankunft der ersten Jungtaube 10.43 Uhr, Besitzer dieses Tieres W. Imm. Die Siegerliste der übrigen Jungtauben brachte: Imm 3., 21. und 29. Preis. Sierk den 7. und 28., Eckhardt den 16., 22., 37., und 47. Preis; Schranke den 18. und 34., Holzgreve den 42. Preis. Mit den Alttauben erhielten: Sierk den 10. und 17., Eckardt den 15. Preis. Heute, Sonntag, den 11. September, steigt der gemeinsame Flug für Alt- und Jungtauben ab Lehrte, 168 Km. Mit dem heutigen Preisflug geht diese Reisezeit der Brieftauben zu Ende. Beim Eintreffen der Siegerliste kommen wir ausführlich auf den letzten Preisflug ab Lehrte zurück.

    In der kommenden Woche pochen noch einmal die kleinen Sammler an, um Gemüse für das Winterhilfswerk zu bitten. Die Bevölkerung wird freundlichst gebeten noch einmal im Garten Umschau zu halten, ob sich dieses oder jenes nicht erübrigen läßt. Andere Ortschaften melden gute Sammelergebnisse, die Reckenfelder werden ebenfalls ihre Pflicht tun.

    Schon heute spricht Jung und Alt von dem großen Sportfest der Reichsarbeitsdienstabteilung am 24. und 25. d. Mts. Die getroffenen Vorbereitungen lassen erwarten, daß jeder Besucher auf seine Kosten kommt.

    Für den am Dienstag, den 13. d. Mts. stattfindenden Fohlenmarkt in Telgte werden Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben.

    Der Schützenverein "Eintracht" macht am heutigen Sonntag seinen alljährlichen Sommerspaziergang nach Beckermann. Abmarsch 14 Uhr. Für die Kinder sind Belustigungen aller Art vorgesehen.

    Die Kriegerkameradschaft Reckenfeld hält am Sonntagvormittag um 10 Uhr auf dem Stand bei Brinkmeyer ihr Pflichtschießen ab. Am Sonntagnachmittag um 17 Uhr ist im Saale des Deutschen Hauses Kameradschaftsappell. Es wird erwartet, daß alle Kameraden an diesen beiden Veranstaltungen pünktlich teilnehmen.

    11.09.1938 Seit gestern ist es still auf der Emsdettener Straße (Anm.: Heutige Industriestraße). In Anbetracht des hervorragenden Abschneidens beim Reichsparteitag erhielten sämtliche Teilnehmer einen verdienten Sonderurlaub. Da auch die Zurückgebliebenen ihre Pflicht voll und ganz getan haben, durften auch sie in Urlaub gehen.

    12.09.1938

    Monatsversammlung des Ziegenzuchtvereins. Am gestrigen Sonntag fand im "Deutschen Haus" die fällige Monatsversammlung der Ziegenzüchter statt. Im Interesse dieser Tierhaltung und der damit verbundenen Aufgaben im Rahmen des Vierjahresplanes für die Volksernährung ist es sehr zu begrüßen, daß die Reckenfelder Ziegenzüchter sich für die Belange dieser Tiergattung einsetzen. Dieses spielte sich dann auch in der Verlesung der letzten Versammlungsprotokolle deutlich wieder. Dann gab der Vereinsführer bekannt, daß die diesjährige Ankörung am Freitag, dem 16. September, vormittags 11.30 Uhr beim Züchter Emil Hock, Ortsteil C, stattfindet. Eingetragen werden einwandfreie Jungtiere, welche bereits einmal gelammt haben. (Anm.: Emil Hock sei kein Ziegenzüchter gewesen, er hätte wohl einen Ziegenbock gehabt, sagt der Nachbar von Hock - Erwin Hofmann) >>> Vater Emil züchtete Ziegen, Sohn Paul musste sie hüten...>>>>

    12.09.1938 Ebenfalls können fehlerfreie Jungböcke von eingetragenen Ziegen der Kommission vorgeführt werden. Eine Verbilligung des mit bestem Erfolg angewandten "Animalin" wurde bekanntgegeben. Die Mitglieder können dieses bei den Blockwarten erhalten. Der Kassierer Bosse bat die Mitglieder, beim Einkassieren der Beiträge stets die Mitgliedsbücher bereitzuhalten. Denn ohne ordnungsgemäß durchgeführte Mitgliedsbücher werden in Zukunft keine Deckscheine mehr ausgegeben. Der Vereinsführer rügte dann auch einzelne Nutzungsberechtigte der öffentlichen Gräben. Die Grasflächen sind den betreffenden Mitgliedern zugewiesen, damit dieselben geschnitten und das Gras zweckentsprechend verbraucht wird. Es darf daher nicht vorkommen, daß die betreffenden Flächen ungenutzt liegen bleiben und der Tierhaltung verloren gehen. Damit waren die Hauptzwecke der Tagesordnung erschöpft. Unter Punkt "Verschiedenes" fand dann eine lebhafte Aussprache statt, in der zahlreiche Fragen durchgesprochen wurden. Nach der Bekanntgabe, daß für Anfang November ein Lichtbildervortrag geplant sei, schloß der Vereinsführer die Versammlung in der üblichen Weise.

    13.09.1938 Familienausflug des Schützenvereins "Eintracht". Noch ist das gut verlaufene Schützenfest des letzten Monats in aller Erinnerung, da rüsteten die Schützenkameraden am vergangenen Sonntag zum traditionellen Familienausflug. Um 15 Uhr sammelten sich überaus zahlreich die Schützenkameraden am Deutschen Haus und mit strammer Marschmusik ging es zur schön gelegenen Kaffeewirtschaft zum "Waldfrieden" Beckermann (Foto). Hier waren die Angehörigen bereits eingetroffen. An freundlichen, mit Kaffee und Kuchen gedeckten Tischen entwickelte sich dann eine rege Tätigkeit. Daß es allen gut schmeckte, sah man an den freudigen Gesichtern. Die Schützenkameraden entledigten sich ihres angesetzten Opfer- und Preisschießens und der beste Schütze war der diesjährige Schützenkönig Alfred Schupp. Den zweiten Preis holte sich der Bäckermeister Hermann Heimsath. Für die Kinder waren Belustigungen aller Art vorgesehen. Als Anerkennung für Stangenklettern, Sacklaufen und Wettrennen konnten den kleinen Siegern recht nette Preise ausgehändigt werden. Die Tanzlustigen durften auch ein kleines Tänzchen wagen. In der Abenddämmerung ging es dann wieder heimwärts. Abschließend sei festgestellt, daß dieser Ausflug als ein voller Erfolg des Schützenvereins gebucht werden kann. Die überaus zahlreiche Beteiligung an ihren Veranstaltungen ist der Beweis, daß jeder stets auf seine Kosten kommt.

    13.09.1938 Ehrenvolle Auszeichnung. Als ehemaliger Angehöriger des Freikorps "Hacketau" erhielt Fritz Eichberg von hier die Ehrenurkunde der Reichsregierung für Einsatz mit Blut und Leben für Deutschlands Bestand in den Nachkriegsjahren. (Anm.: Es konnte nicht ermittelt werden, wo der Geehrte in Reckenfeld gewohnt hat.)

    14.09.1938 Großkampf der Kartoffelkäfer. Das Auftreten des überaus schädlichen Kartoffelkäfers im mittleren und südlichen Westfalen hat zur Folge, daß nun die bisher noch nicht befallenen Gebiete mit erhöhter Aufmerksamkeit nach diesem Schädling abgesucht werden. Nach einer Besprechung und Aufklärung durch die Ortspolizeibehörde mit unserer Lehrerschaft wurde am Montag und Dienstag dieser Woche im hiesigen Bezirk eine Suchaktion durchgeführt. Die Schulkinder waren über Aussehen von befallenen Schlägen und der Käfer belehrt und zwei Tage lang setzte ein eifriges Suchen ein. Das Ergebnis war zum Glück gleich Null. Wir wollen trotzdem auf diesen 1 Zentimeter langen Kartoffelkäfer mit den gelben Flügeldecken und 6 schwarzen Längsstreifen weiterhin achten und beim etwaigen Vorkommen sofort die Ortspolizeibehörde in Kenntnis setzen.

    16.09.1938 Angorazucht, ein Nebenverdienst des Siedlers. Ein wichtiger Zweig der Kleintierhaltung ist, vom volkswirtschaftlichen Gesichtspunkt aus betrachtet, die Kaninchenzucht und hier besonders die Züchtung der Angorakaninchen. Letztere liefern uns die heute immer mehr begehrte Angorawolle, unseren feinsten Wollwebstoff. Diese Wolle ist leichter wie Seide und hat einen zehnfach größeren Wärmewert wie beispielsweise die Schafwolle, da ihr zudem elektromagnetische Eigenschaften zugesprochen werden, findet dieselbe erhöhte Verbreitung auch in der Heilkunde.

    Von diesen genannten Tatsachen ausgehend, ist es erklärlich, daß die Nachfrage nach dieser feinen Wolle stetig im Steigen begriffen ist. Das Angorakaninchen verlangt nicht viel mehr Arbeit wie die gewöhnlichen Kaninchen. Drei- bis viermal werden die Tiere dicht am Körper geschoren und liefern durchschnittlich im Jahr 400 bis 600 Gramm pro Kaninchen. Nun ist es selbstverständlich, daß der Stall stets sauber sein muß, um Wollverschmutzungen zu vermeiden, weil der Preis für verschmutzte Wolle entsprechend niedriger ist. In der Fütterung sind sie ebenso genügsam wie die anderen Kaninchen, die besten Verwerter von Gemüse- und sonstigen Abfällen. Für die Beschaffung von Jungtieren und Stallumbauten und Neubauten gewährt der Staat, mit Rücksicht auf die ungeheure Bedeutung dieser Kleintiere, einen entsprechenden Zuschuß. Für unsere Reckenfelder Siedler lohnt es sich schon, Angorakaninchen zu züchten. Wer Einzelheiten erfahren will, besuche die große Werbeversammlung des Kaninchenzuchtvereins W 42 Reckenfeld am kommenden Sonntag, den 18. September, im Lokal Rickermann um 17 Uhr. Innerhalb der Versammlung wird ein Werbescheren von Angorakaninchen gezeigt. Der Eintritt ist frei und jeder ist herzlich willkommen.

    16.09.1938 Vom Brieftaubensport. Mit dem Wettflug ab Lehrte am vergangenen Sonntag sind die Preisflüge für dieses Jahr beendet. Die Tauben wurden in Lehrte (168 Km.) ausgelassen. Ankunft der ersten Taube 14.59 Uhr auf dem Schlag des Züchters W. Eckhardt. Die nun vorliegende Siegerliste bringt das Ergebnis des letzten Wettfluges für Eckhardt den 7. und 66., Sierk 18., 26., 41., und 49. Preis, für Holzgreve den 27., Imm 29., 46., Brüggemann den 31. und Schramke den 44. Preis. Die wöchentlichen Veröffentlichungen der Preisflüge des Brieftaubenvereins "Gut Flug", die wir regelmäßig an dieser Stelle brachten, zeigen, daß der verhältnismäßig junge Verein recht beachtliche Leistungen seiner Tiere melden konnte. Durch systematische Auswahl der Zuchttiere haben sich unsere Reckenfelder Brieftaubenliebhaber ein vorzügliches Tiermaterial herangezüchtet. Wenn dieser zielbewußte Weg des Brieftaubenvereins weiter eingehalten wird, hoffen wir zuversichtlich, daß sich zu den in diesem Jahr errungenen Erfolgen weitere in der nächstjährigen Flugzeit hinzugesellen werden.

    19.09.1938 Wochensplitter. Warme, milde Herbstsonne gab der ablaufenden Woche das Gepräge. Nur des nachts sinkt das Thermometer schon in beängstigende Nähe des Gefrierpunktes. Eisern hat die Kartoffelernte eingesetzt, hier und da kündigen schon die Kartoffellaubfeuer, daß ein weiterer Erntesegen geborgen ist.

    Wenn es die Sonne am heutigen Sonntag wieder gut meint, nutzt man diese Gelegenheit aus, einen Spaziergang zu machen. Das Heidekraut verblüht langsam, einzelne gelbe Blätter fallen schon von den Bäumen, da verlohnt es sich, die Natur in ihrer herbstlichen Schönheit aufzusuchen.
    19.09.1938 Im Sportleben steigt am heutigen Sonntag das zweite Meisterschaftsspiel unserer Sportvereinigung gegen Drensteinfurt. Anstoß 15.30 Uhr. Hoffen und wünschen wir die ersten Punkte für Reckenfeld. Die Bevölkerung tut gut, die guten Bestrebungen des Vereins durch zahlreichen Besuch zu unterstützen.

    Inzwischen ist der Tag der Stadtwerdung für das benachbarte Emsdetten angebrochen. 3 Tage herrscht hierüber Freude und Fröhlichkeit in dem Emsdorf von gestern. Viele Reckenfelder werden es nicht versäumen, an dieser Feier teilzunehmen.

    Nicht ganz acht Tage trennen uns von dem Festereignis, dem Sportfest der Reichsarbeitsdienstabteilung 5/63 "General von Bernhardi". Das nun vorliegende Programm meldet für Sonnabend einen Kameradschaftsabend im Deutschen Haus. Sonntagmorgen finden die leichtathletischen Wettkämpfe, 14 Uhr ein Propagandamarsch der Abteilung statt mit einem Vorbeimarsch vor dem Oberarbeitsführer Hinkel am Dorfplatz, dann folgen Preisschießen und -kegeln, Konzert und Tanz im Deutschen Haus. Der Musikzug der Gruppe 163 in Stärke von 36 Mann besorgt den musikalischen Teil der Veranstaltungen. Dieser kurze Überblick vermittelt schon ein kleines Bild, so daß das Abteilungssportfest wohl von keinem Reckenfelder versäumt wird.

    Donnerstagfrüh kehrten unsere Teilnehmer an dem Reichsparteitag zurück. Unvergeßliche Tage durften sie erleben, und wir Zurückgebliebenen haben immer mehr den Wunsch, auch einmal dabei sein zu können.

    19.09.1938 Arbeitstagung der politischen Leiter. Nach einer längeren Pause versammelten sich die politischen Leiter im HJ-Heim(Anm.: Es konnte nicht ermittelt werden, im welchem Gebäude in Reckenfeld das HJ-Heim untergebracht war), um die Arbeitsbesprechungen wieder aufzunehmen. Ortsgruppenleiter Pg. Peters begrüßte zunächst seine Mitarbeiter und gab die vordringlichsten Arbeiten im kommenden Winterhalbjahr bekannt. Der Organisationsleiter umriss diese Arbeiten genauer und teilte den Anwesenden den Versammlungskalender sowie sämtliche Arbeits- und Schulungsabende mit. Es folgte die Verlesung der eingegangenen Rundschreiben.
    19.09.1938

    Daraufhin setzte eine zwanglose Aussprache über die verschiedensten Angelegenheiten ein. Vor allem wurde noch einmal darauf hingewiesen, dass sämtliche Vereine und Verbände ihre Veranstaltungen, gleich welcher Art, bis zum 5. für den laufenden Monat bei dem Organisationsleiter Pg. Rathers, Bahnhofstraße, zu melden habe, widrigenfalls die Veranstaltung aufgehoben wird. Die nächste Versammlung aller Mitglieder, in welcher Mitgliedsbücher und -karten soweit dieselben eingegangen sind, ausgegeben werden, findet am Freitag, dem 23. September, 20 Uhr beim Pg. Rickermann am Bahnhof (Foto) statt. Damit nahm die anregend verlaufene Arbeitsbesprechung ihr Ende.

    20.09.1938 Öffentliche Versammlung des Kaninchenzuchtvereins. Da das Interesse an der Kaninchenzucht insbesondere der Angorakaninchen in Reckenfeld immer größer wird, entschloß sich die Führung des hiesigen Vereins zu einer öffentlichen Werbeveranstaltung. Diese fand am Sonntagnachmittag im Lokal Rickermann am Bahnhof statt. Pflege und Schur der Angorakaninchen wurden praktisch vorgeführt. So konnte der Vereinsführer Holzenkämpfer recht zahlreiche Zuchtfreunde und besonders den Fachberater der Kreisfachgruppe Pg. Welz, Münster, herzlich begrüßen. Letzterer ergriff dann das Wort, um die Anwesenden in klarer und verständlicher Art über den Wert und die Pflege des Angorakaninchens zu unterrichten.

    An einem lebenden Tier zeigte er, wie man es richtig bürstet, kämmt und schert und welche Fehler immer wieder gemacht werden. Recht aufmerksam verfolgten die Zuchtfreunde die praktischen Vorführungen und jeder konnte nur lernen. Es ist also tatsächlich bei einigem Geschick gar nicht schwer, Angorakaninchen zu züchten. Neben einem zusätzlichen Verdienst durch den Verkauf dieser kostbaren Wolle hilft auch der Halter dieser Tiere mit, dem Staat kostbare Devisen zu sparen. Diese Werbeveranstaltung war dazu angetan, weitere Freunde der Angorakaninchen zu gewinnen und den Anwesenden in theoretischer und praktischer Hinsicht alles Wissenswerte hierüber zu vermitteln. Sollten weitere Personen sich bereitfinden, Angorakaninchenzucht zu betreiben, so gibt der Vereinsführer Holzenkämpfer, Ortsteil C, gerne Rat und Auskunft.

    21.09.1938 Arbeitsdienstmänner verhinderten Waldbrand. Sonntagabend gegen 18.30 Uhr, wurde die Wache der Reichsarbeitsdienstabteilung 5/163 von einem Landwirtssohn benachrichtigt, daß im Walde hinter der Abteilung (Verbindungsweg vom Ortsteil A zum Bahnhof) (Foto: So sahen die Verbindungswege aus) ein Brand ausgebrochen sei. Der Führer vom Dienst setzte sofort ein Löschkommando in Marsch. Es waren die von einer hiesigen Firma aufgestapelten Juteballen in Brand geraten. Um ein Übergreifen auf den umliegenden Kiefernwald zu verhindern, warfen die Arbeitsmänner einen Graben. Nach 45 Minuten konnten die Arbeiten eingestellt werden. Der Sohn des Landwirts blieb auf der Wache zurück. Die Brandursache ist unbekannt.

    21.09.1938 Anträge auf Betreuung durch das WHW. Die Volksgenossen, die durch das Winterhilfswerk betreut zu werden wünschen, stellen den Unterstützungsantrag am kommenden Montag, dem 26. September, in der Zeit von 9 bis 13 Uhr in der Geschäftsstelle der NSB am Deutschen Haus. Als Unterlagen sind mitzubringen, das Familienbuch, Lohnbescheinigungen des letzten Vierteljahres, bei Saisonarbeiten der letzten sechs Monate. Im Sinne des Winterhilfswerkes ist hilfsbedürftig, wer den nötigen Lebensbedarf für sich und seine unterhaltsberechtigten Angehörigen nicht oder nicht ausreichend aus eigenen Kräften und Mitteln beschaffen kann.

    22.09.1938 Mitgliederversammlung der NSDAP. Nach der Versammlungsruhe der Ferienzeit fand gestern, Freitagabend, beim Pg. Rickermann am Bahnhof die Mitgliederversammlung der Ortsgruppe der NSDAP statt. Ortsgruppenleiter Pg. Peters eröffnete diese im Gedenken an unsern Führer; stilles Verweilen galt den Blutopfern des Deutschtums in der Tschechei. Dann gelangten die eingegangenen Mitgliedsbücher und -karten in feierlicher Form zur Verteilung.

    Organisationsleiter Pg. Rathert gab u. a. bekannt, dass sich die Bückeburgfahrer umgehend beim zuständigen Zellenleiter zu melden haben. Schulungsleiter Pingsten gab seine Eindrücke von dem Schulungskursus in Nordkirchen bekannt, ferner bat er um weitere Förderung des Bezugs der Schulungshefte. Zur Freude aller Anwesenden konnte Pg. Peters den Pg. Umlauf von der Kreisleitung herzlich begrüßen. Dieser schilderte den Aufstieg des Nationalsozialismus und legte Sinn und Zweck der Bewegung dar. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine inhaltsreichen Worte.

    22.09.1938 Herzlicher Empfang sudetendeutscher Frauen und Kinder. Blitzschnell durchlief die Kunde in Reckenfeld, dass am Sonntagabend 80 sudetendeutsche Frauen und Kinder eintreffen würden. Den Sonntag über waren durch die NSDAP, der NSB und NS-Frauenschaft alle Vorbereitungen zum Empfang und Unterkunft getroffen. Als der Zug einlief, hatten sich zahlreiche Reckenfelder am Bahnhof eingefunden. Unermüdlich waren die Angehörigen der NS-Frauenschaft und der Partei bemüht, einen Teil, vor allem älteren Frauen und Kindern in bereitstehenden Autos zu helfen.

    In dieser Stunde zeigte sich die Verbundenheit der Reckenfelder mit unseren vom Schicksal so hart mitgenommenen Volksgenossen. In der Gauschule der NSB war alles vorbereitet. Hier waren die Tische gedeckt zur Stärkung nach langer Bahnfahrt. Die Helferinnen halfen auch hier den Frauen und Kindern, bis alle zur Ruhe gingen. Wir wünschen unseren sudentendeutschen Gästen für die Zeit des Hierseins beste Erholung für das grenzenlose Leid der letzten Wochen.

    (Anm.: Aus Wikipedia: Sudetendeutsche ist eine alternative Bezeichnung der Deutschböhmen, Deutschmährer und Deutschschlesier, die der Geograph Franz Jesser 1902 für die deutschsprachige Bevölkerung in Böhmen und Mähren prägte. Der Begriff setzte sich rasch durch, nachdem diese durch den Vertrag von Saint-Germainen-Laye 1919 zu Bürgern der Tschechoslowakei geworden waren und deren Behörden die Verwendung der Begriffe "Deutschböhmen", "Deutschmährer" und "Deutschschlesier" untersagten. Sudetendeutsche wurde nun zum politischen Sammelbegriff für alle im Sprachraum der böhmischen, mährischen und schlesischen Grenzgebiete der Tschechoslowakei lebenden Deutschen. Seit 1945 verbindet sich mit dem Namen "Sudetendeutsche" eine weitere politische Konnotation, weil er mit den aus der Tschechoslowakei vertriebenen Deutschen und mit ihren Interessenverbänden Sudetendeutsche Landsmannschaft in Deutschland und Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich in Verbindung gebracht wird.)

    22.09.1938 Welcher Radfahrer wird bestraft? Das Fahrrad, welches in steigendem Maße auf dem flachen Lande zu einem unentbehrlichen Verkehrsmittel geworden ist, wird auch von Reckenfeldern zu beruflichen und anderweitigen Zwecken täglich gebraucht. In Unkenntnis der Verkehrsordnung kann man immer wieder die Unsitte des Nebeneinanderfahrens beobachten. Gerade sie hat erwiesener Maßen sehr häufig zu Verkehrsunfällen oder Strafanzeigen geführt. Werden nun zwei Radfahrer bei dem Nebeneinanderfahren von der Polizei überrascht und beide in Strafe genommen, so kann man öfters von dem einen der beiden, der an sich vorschriftsmäßig auf der rechten Seite gefahren ist, hören, daß er doch richtig gefahren sei, also nicht gegen die Verkehrsvorschriften verstoßen habe und infolgedessen auch nicht bestraft werden könne. Diese verbreitete Ansicht ist irrig. Nach der verkehrspolizeilichen Praxis werden beide gemäß Paragraph 28 der Straßenverkehrsordnung bestraft.

    23.09.1938 Abteilungssportfest der RAD-Abteilung 5/163. Morgen, Sonnabend, dem 24. September, ab 19 Uhr, Kameradschaftsabend im Deutschen Haus. Sonntag, dem 25. Sept., ab 9 Uhr leichtathletische Wettkämpfe der Formationen und Sportvereine Reckenfelds, Grevens, Emsdettens und Saerbecks auf dem Sportplatz bei Leising. 14 Uhr Propagandamarsch der Reichsarbeitsdienstabteilung 5/163 durch Reckenfeld, anschließend Vorbeimarsch vor dem Gruppenführer Oberarbeitsführer Hinkel auf dem Dorfplatz. Ab 15 Uhr Preisschießen und Preiskegeln (Deutsches Haus). Ab 16 Uhr Konzert des Musikzuges. 20 Uhr Siegerehrung und Preisverteilung, anschließend Tanz mit Einlagen ebenfalls im Deutschen Haus. Es wirkt mit der Musikzug der RAD-Gruppe 163 Tecklenburg in Stärke von 36 Mann.

    25.09.1938 Wochensplitter. Nun hat der Herbst auch kalendermäßig seinen Einzug gehalten. Der Lauf der Sonne wird nun mehr und mehr eine vertikal absteigende Tendenz aufweisen. Der Schatten der Häuser und Bäume wird länger und nachts wird es schon herbstlich kühl. Mitte der Woche sammelten sich schon die Schwalben, um ihren Flug nach dem Süden anzutreten.

    Trotzdem hatte das Wetter der ablaufenden Woche fast spätsommerlichen Charakter. Die Hoffnungen, die man auf den Altweibersommer gesetzt hat, haben sich erfüllt. Fleißige Hände regen sich, um den reichlichen Kartoffelsegen zu bergen. Auch der Bauer hat wieder Hochbetrieb, das Winterkorn ist bereits gedrillt und allmählich setzt die Hackfruchternte ein. Das Erntedankfest steht vor der Tür.

    Der heutige Sonntag steht im Zeichen der Arbeitsmänner. Das große Abteilungssportfest beherrscht ganz Reckenfeld und Umgebung. Den Hauptanziehungspunkt bildet neben den Wettkämpfen am Vormittag zweifellos der Vorbeimarsch am Dorfplatz vor den Oberarbeitsführer Hinkel. Die ganze Bevölkerung nimmt Anteil an diesem Fest unserer Arbeitsdienstmänner.

    Einem Anwohner der Bahnhofstraße wurden dieser Tage die Äpfelbäume geplündert. Eine ordentliche Tracht Prügel wären diesen Dieben wohl zu wünschen.

    Da die Zeit des Einkochens für das Winterhilfswerk vorbei ist, können trotzdem die Gartenbesitzer überzähliges Gemüse dem Kindergarten zur Verfügung stellen. Die Leiterin des Kindergartens oder Schwester Toni nehmen dankbar Spenden hierfür an.

    23.09.1938 Mitgliederversammlung der NSDAP. Nach der Versammlungsruhe der Ferienzeit fand gestern, Freitagabend, beim Pg. Rickermann am Bahnhof die Mitgliederversammlung der Ortsgruppe der NSDAP statt. Ortsgruppenleiter Pg. Peters eröffnete diese im Gedenken an unsern Führer; stilles Verweilen galt den Blutopfern des Deutschtums in der Tschechei. Dann gelangten die eingegangenen Mitgliedsbücher und -karten in feierlicher Form zur Verteilung. Organisationsleiter Pg. Rathert gab u. a. bekannt, daß sich die Bückeburgfahrer umgehend beim zuständigen Zellenleiter (Einer der Zellenleiter ist Franz Milkuhn) zu melden haben. Schulungsleiter Pingsten gab seine Eindrücke von dem Schulungskursus in Nordkirchen bekannt, ferner bat er um weitere Förderung des Bezugs der Schulungshefte. Zur Freude aller Anwesenden konnte Pg. Peters den Pg. Umlauf von der Kreisleitung herzlich begrüßen. Dieser schilderte den Aufstieg des Nationalsozialismus und legte Sinn und Zweck der Bewegung dar. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine inhaltsreichen Worte.

    23.09.1938 Aus der Kriegerkameradschaft Reckenfeld. Am Samstag, dem 24. September, und am Sonntag, dem 25. September, feiert der Arbeitsdienst sein diesjähriges Sportsfest, wozu er in großzügiger Weise die Kriegerkameradschaft Reckenfeld eingeladen hat. Es ist der Wunsch des Kameradschaftsführers, daß sich alle Kameraden ausnahmslos an dieser Feier beteiligen. Wir wollen damit unsere Verbundenheit mit den Soldaten des Spatens der Öffentlichkeit durch rege Anteilnahme kundtun. Also Kameraden, seid alle pünktlich zur Stelle.

    24.09.1938 Ausgabe der Fettscheine. Die Ausgabe der Reichsverbilligungsscheine für Speisefette, der Bezugsscheine für Konsummargarine und der Zusatzscheine erfolgt am kommenden Montag, 26. September im NSB-Büro (Deutsches Haus) und zwar in der Zeit von 9 bis 12.30 Uhr für die Buchstaben A bis einschließlich L, von 14.30 bis 18 Uhr für die Buchstaben M bis Z. Diese Termine sind genau einzuhalten. Diejenigen Bezugsberechtigten, die die vorstehenden Termine aus irgendeinem Grunde nicht einhalten können, erhalten diese dann am Dienstag, 11. Oktober 1938, in der Zeit von 8 bis 12 Uhr beim Amt Greven, Zimmer Nr. 7. Als Unterlagen sind Familienstammbuch und die Einkommensnachweise (Lohnbescheinigungen, Einkommensteuerbescheide) sämtlicher im Haushalt befindlichen Personen vorzulegen. Ohne diese Unterlagen werden keine Fettscheine verabfolgt. Die Fettscheine werden nur gegen die persönliche Empfangsbestätigung ausgehändigt.

    27.09.1938 Ein wichtiges Kapitel zu ihrer Instandsetzung - Auch hierin erweist sich die Volksgemeinschaft Noch einmal fand gestern Nachmittag eine Besprechung zwischen den Siedlern und dem Amt Greven in Zusammenarbeit mit der Siedlungsgesellschaft Münster-Land statt. Zu dieser Besprechung waren diejenigen Siedler geladen, die bisher den bekannten Vertrag mit dem Amt Greven noch nicht unterschrieben haben. Amtsbürgermeister Pg. Vorndamme begrüßte die Erschienenen und legte ihnen den Zweck dieser Besprechung klar.

    Darauf ergriff Rechtsanwalt Pg. Dr. Lauscher das Wort und beleuchtete eindeutig die Unsinnigkeit einer boshaften Verweigerung der Unterschriftenleistung. In der abschließenden Aussprache hatte man den Eindruck, daß ein Teil der Siedler in totaler Verkennung der Sachlage nicht genügend aufgeklärt waren und daher bisher nicht unterschrieben hatten. Der Amtsbürgermeister sowie der Bürgermeister Pg. Peters griffen von Fall zu Fall in die Aussprache ein und schufen das klare Bild, welches die Siedler im Interesse dieser Angelegenheit endlich wissen mußten. Die Sachlage ist daher folgende: Durch die Unterzeichnung des bekannten Vertrages mit dem Amt Greven verpflichtet sich diese, die auf den Wegen bzw. Straßen lastende Verkaufs- und Wegerechte der früheren Eisenhandelsgesellschaft-Ost gegen eine einmalige Zahlung von 25 Mark und Abtretung der Wege bzw. Straßen diese Lasten zu löschen. Die Straßen können daher erst fertiggestellt werden, wenn jeder durch seine Unterschrift die Straßen abtritt.

    Als Vertreter des Landrates und der Siedlungsgesellschaft Münster-Land gab der ebenfalls anwesende Bauer Richter-Brockmann einen Rechenschaftsbericht über die beispiellosen Leistungen dieser gemeinnützigen Gesellschaft. Aus diesem Bericht war zu entnehmen, daß hier in anerkennender Weise für das Wohl Reckenfelds gearbeitet wird. Das einkommende Geld wird einzig und allein wiederum für Reckenfeld verwandt. Diese Gesellschaft sieht es daher als ihre Hauptaufgabe an, nachdem sämtliche Siedler den Vertrag unterschrieben haben, alle Straßen ordnungsgemäß instand zu setzen. Also die vielen Mutmaßungen und Verdächtigungen gegen irgendeine Amtsperson oder den Vertretern der S. G. Münster-Land sind abwegig. Diese Wegebauangelegenheit ist nach der jetzigen Feststellung klar, nun liegt es bei den restlichen Siedlern, durch ihre Unterschrift endlich eine dringend notwendige Angelegenheit zum Abschluß zu bringen. Sollten trotzdem einige auf diese Verweigerung beharren, so werden nach den Ausführungen des Rechtsanwalts Dr. Lauscher andere Maßnahmen ergriffen werden müssen, die ein Vielfaches der geforderten 25 Mark für diese Siedler ausmachen werden.

    30.09.1938 Herzlicher Empfang sudetendeutscher Frauen und Kinder. Blitzschnell durchlief die Kunde in Reckenfeld, daß am Sonntagabend 80 sudetendeutsche Frauen und Kinder eintreffen würden. Den Sonntag über waren durch die NSDAP, der NSB und NS-Frauenschaft alle Vorbereitungen zum Empfang und Unterkunft getroffen. Als der Zug einlief, hatten sich zahlreiche Reckenfelder am Bahnhof eingefunden. Unermüdlich waren die Angehörigen der NS-Frauenschaft und der Partei bemüht, einen Teil, vor allem älteren Frauen und Kindern in bereitstehenden Autos zu helfen. In dieser Stunde zeigte sich die Verbundenheit der Reckenfelder mit unseren vom Schicksal so hart mitgenommenen Volksgenossen. In der Gauschule der NSB war alles vorbereitet. Hier waren die Tische gedeckt zur Stärkung nach langer Bahnfahrt. Die Helferinnen halfen auch hier den Frauen und Kindern, bis alle zur Ruhe gingen. Wir wünschen unseren sudentendeutschen Gästen für die Zeit des Hierseins beste Erholung für das grenzenlose Leid der letzten Wochen.

    30.09.1938 Arbeitsbesprechung der NS-Frauenschaft. Frauenschaftlerin Pgn. Frau Rathert versammelte die Amtswalterinnen zu einer wichtigen Arbeitsbesprechung. Neben den Arbeiten im Winter stand als wichtigste Aufgabe die Hilfsmaßnahmen für die in der NSB-Gauschule untergebrachten Sudetendeutschen zur Beratung. Alles Nähere wurde eingehend durchgesprochen. Da sich auch eine Anzahl Kinder unter den Sudetendeutschen befinden, werden Spielsachen für sie gesammelt. Wer Spielsachen, aber auch Wäschestücke für Groß und Klein entbehren kann, wolle diese Sachen der Blockfrau oder der Frauenschaftsleiterin, Frau Rathert, Bahnhofstraße, übergeben. Die NS-Frauenschaft, welche bei der Ankunft der Sudentendeutschen tatkräftig half, wird es sich nicht nehmen lassen, weiter von sich aus ebenfalls alles zu tun, um unseren schwergeprüften Volksgenossen den Aufenthalt in Reckenfeld so angenehm wie möglich zu machen. Im Gedanken an unseren Führer nahm diese Arbeitstagung ihr Ende.

    30.09.1938 "Graf Zeppelin" (Foto) flog an Reckenfeld vorbei. Bei seiner Fahrt durch Westdeutschland am Donnerstagmorgen wurde der "Graf Zeppelin" gegen 10 Uhr am südwestlichen Horizont gesichtet. Es war ein prächtiger Anblick, wie der Luftriese ruhig und majestätisch seine Bahn gen Süd-Süd-Westen nahm.

    30.09.1938 Bückeburgfahrer! Die Reckenfelder Teilnehmer der Ortsgruppe NSDAP am Erntedankfest fahren Sonnabend, den 1. Oktober 1938, abends mit dem letzten Zuge ab Reckenfeld 0.07 Uhr. - Abfahrt von Münster mit dem Sonderzug 0.35 Uhr.

    01.10.1938 Wochensplitter. Erntedankfest in Reckenfeld. Am Vormittag, 11.15 Uhr, Aufrichtung des Erntekranzes auf dem Dorfplatz, neben sämtlichen Formationen ergeht die Bitte an alle, hieran teilzunehmen. 14.30 Uhr findet dann der Erntegang nach Leising statt. Gemeinschaftliches Kaffeetrinken mit unseren Sudetendeutschen, für Musik ist ebenfalls gesorgt.

    Der September hat nun Abschied genommen, bezüglich des Wetters werden wir gerne an die fast sommerlichen Tage der letzten Wochen zurückdenken, der nun beginnende Oktober darf es dem September hierin gleichtun.

    Das gute Wetter der letzten Wochen hat die Kartoffelernte daher auch außerordentlich begünstigt. Am heutigen Sonntag werden wir wegen der überaus reichen Ernten des ganzen Jahres uns dankbar und freudig dessen entsinnen. Auch unsere Schuljugend hat ihre Ernte fast geborgen. Die Maiskolben in den Schulgärten sind gebrochen und zum Trocknen aufgehängt.

    An die Antragstellung für die Betreuung durch das Winterhilfswerk wird nochmals erinnert. Als Unterlagen sind unbedingt die Lohnbescheinigungen der letzten drei Monate mitzubringen.

    Im Sportleben herrscht am heutigen Sonntag Ruhe. Bald geht es wieder im Kampf um Punkte bei den Meisterschaftsspielen weiter. Hoffentlich springen beim nächsten Meisterschaftsspiel die ersten Punkte für die Sportvereinigung heraus.

    Immer noch muß man die Feststellung machen, daß einige Anwohner die Anschlagtafeln des Verkehrsvereins für ihre Bekanntmachungen eigenmächtig benutzen. Dieses ist bei Strafe verboten. Wer irgendetwas bekanntzugeben hat, wendet sich dieserhalb an den Vorsitzenden des Verkehrsvereins Schlick, Grevener Straße, der für die Veröffentlichung Sorge trägt.

    Der Ortsamtsleiter der NSB bittet die Reckenfelder Volksgenossen, von Besuchen bei den Sudetendeutschen in der Gauschule Abstand nehmen zu wollen. Es wird dankbar anerkannt, daß jeder helfen will. Im Interesse einer glatten und ruhigen Abwicklung des Tagesverlaufes unserer Gäste sollen sich diejenigen Helfer in der Geschäftsstelle der NSB melden. Wiederum haben die Schulkinder Gelegenheit, einen Beitrag zur deutschen Volksgemeinschaft zu leisten. In der kommenden Woche sammeln die Kinder in den umliegenden Wäldern Eicheln und Kastanien.

    01.10.1938
    01.10.1938 Alle Reckenfelder waren dabei. Das gestrige Erntedankfest war in seinem Verlauf ein Ereignis, welches allen Teilnehmern unvergesslich sein wird. Zudem hatten wir das Glück, mit unseren hier weilenden Sudetendeutschen das Erntedankfest in echter Volksverbundenheit zu feiern. Es war eine glückhafte Idee, unsere Volksgenossen aus dem Sudetenland teilnehmen zu lassen an einem in unserem Volke tiefwurzelnden Fest, dem Erntedankfest. Gerade an diesem Tage offenbarte sich das Zugehörigkeitsgefühl des deutschstämmigen Blutes in stärkstem Maße.

    Am Vormittag fand zunächst auf dem Dorfplatz die Aufrichtung des Erntekranzes statt. Diese Feier, die den tiefen Dank an unseren Herrgott und den Dank an unseren von ihm gesandten Führer in sich barg, begann mit einem Lied des BDM. Nach einem Lied, welches die HJ gemeinsam sang, ergriff der Schulungsleiter Pg. Pingsten das Wort zur Dankesrede. Der Ortsgruppenleiter Pg. Peters dankte dem Redner für seine inhaltsreichen Worte und forderte die zahlreichen Anwesenden auf, im Eifer für unseren Führer nie nachzulassen. Die Nationallieder bildeten den Beschluss dieser Feier.

    Gegen 14.30 Uhr versammelten sich dann die Reckenfelder an der NSB-Gauschule, um unsere sudetendeutschen Volksgenossen zum Erntedankgang abzuholen. Mit Musik voran ging es zur Kaffeewirtschaft Leihsing (2 Fotos). Dort war die Deele mit Birkengrün und Hakenkreuzfähnchen ausgekleidet, weiß gedeckte Tische standen bereit, um die zahlreichen Gäste aufzunehmen. Bald war Kaffee und Kuchen aufgetragen und gemeinschaftlich wurde der Magenfrage Rechnung getragen, während die Musik flotte Marschweisen spielte. Dann begrüßte der Ortsgruppenleiter Pg. Peters alle, insbesondere unsere sudentendeutschen Gäste. Pg. Dr. Lindhegener vom Reichsernährungsstand der Gauwaltung war als Redner gewonnen, der die systematische Vorratswirtschaft und die ungeheuren Leistungen des deutschen Bauern den Anwesenden vor Augen führte.

    Dann sprach Schulungsleiter der NSB-Gauschule, Pg. Blankemeyer über das politische Erntedankfest. Scharf rechnete er mit den demokratischen Drahtziehern und dem Weltfeind, dem Judentum, ab. Unserem Führer blieb es vorbehalten, ein tausendjähriges Ringen unseres Volkes zum glückhaften Abschluss zu bringen. Unser Führer hat es meisterhaft verstanden, unsere "Ernte" (Foto) einzubringen, nach der Ostmark kehrt nun das Sudetenland nach 20 Jahren Terror und Kampf heim ins Reich. Vertrauen wir weiter auf den Führer, er wird dafür sorgen, dass die Ernte restlos geborgen wird. Auch hier wieder kräftiger Beifall, immer wieder dankten unsere Gäste für diese klaren Worte. Begeistert sang alles die Nationallieder, nachdem Pg. Peters die abschließenden Worte vorher gesprochen hatte. Man blieb dann noch gemütlich beisammen. In der Dämmerstunde ging es dann, in Begleitung vieler Volksgenossen wieder zurück zur Gauschule, wo sich unsere Gäste verabschiedeten.
    01.10.1938 Kameradschaftliches Beisammensein mit unseren Sudetendeutschen. Heute, Mittwochabend, 20 Uhr, ist in der Gauschule ein kameradschaftliches Zusammensein mit unseren sudetendeutschen Flüchtlingen. Hierzu sind sämtliche Parteigenossen (-innen) sowie die Mitglieder der NS-Frauenschaft und der NSB herzlichst eingeladen.

    01.10.1938 Heftiges Unwetter über Reckenfeld. In den späten Abendstunden des Montags brauste über unsere Ortschaft ein ungewöhnlich heftiger Sturm, begleitet mit recht ergiebigen schauerhaften Niederschlägen. Dieser orkanartige Sturm nahm in der Nacht zum Dienstag über zu, verschiedentlich wurden stärkere Bäume glatt umgeknickt, einzelne Dachziegel mußten dran glauben, die Lichtleitung war teilweise unterbrochen. Auch den Dienstag über dauerte der Sturm unvermindert an, in den Abendstunden entwickelte sich dann ein Gewitter mit Hagelschlag.

    01.10.1938 Im Kindergarten ging's lustig zu. Auch unsere Kleinen feierten ihr Erntedankfest. Auf der Spielwiese unter dem Erntekranz entwickelte sich am Montag ein fröhliches Treiben. Lustige und sinnige Spiele, u. a. "O Buer wat kost din Hei", "Es klappert die Mühle", "Wollt ihr wissen, wie der Bauer seinen Hafer aussät", unter der Leitung der Tante Luzie fanden lebhaften Anklang bei den Kindern. Dieses lustige Treiben des kleinen Völkchens war den geladenen sudetendeutschen Kindern ein ungewohntes Bild. Voller Freude werden sie daher berichten können, wie selbst die Kleinen ihr Erntedankfest feiern. Selbst das Kasperletheater trug dem Sinn des Tages Rechnung, in dem Kartoffeln und Möhren in ulkiger Weise als Spieler ausstaffiert wurden.

    06.10.1938 Auch die Reckenfelder kennen ihre Pflicht. Mit der Eröffnung des Winterhilfwerkes 1938/39 durch den Führer setzt eine von ihm geschaffene, in der Welt einzig dastehende soziale Hilfsmaßnahme für die Minderbemittelten des ganzen deutschen Volkes wiederum ein. Die besondere Fürsorge gilt im kommenden Winter den heimgekehrten Ostmärklern und den Sudetendeutschen. Der harte und erfolgreiche Kampf dieser, wird allen Volksgenossen Ansporn und Mahnung sein, sie durch ein Opfer bei den Eintopf- sowie Haussammlungen, vor Hunger und Kälte zu bewahren. Das Hilfswerk dieses Winters bietet jedem Gelegenheit, sich erneut mit der Tat zur Gemeinschaft seines Volkes zu bekennen und dem Führer wenigstens einen geringen Teil des Dankes abzustatten, den wir alle ihm in so reichem Maße schulden. Diese Erkenntnis verlangt auch von uns Reckenfeldern, im kommenden Winter unsere Pflicht zu tun. Wir wollen es gerne tun, denn was ist zuletzt unser Opfer gegenüber denjenigen, die Haus und Hof, Hab und Gut einem bestialischen Untermenschentum opfern mußten. Auch die zum Ortsgruppenbereich gehörenden Bauern erhalten in diesen Tagen ein Schreiben des Ortsbeauftragten für das WHB, auch ihrerseits in der Spendenfreudigkeit nicht zurückzustehen. Auch unsere Bauern werden mit Rücksicht auf obige Ausführungen bestimmt ihre Pflicht tun. Der Führer hat befohlen und alle folgen.

    06.10.1938 Sudetendeutsche Mütter erzählen. Das am gestrigen Mittwochabend in der NSB-Gauschule stattgefundene kameradschaftliche Zusammensein mit unseren sudetendeutschen Flüchtlingen war den zahlreich Erschienenen ein eindringliches Erlebnis. Neben dem unsäglichen Leid fanden die restlos geglückten Fluchtversuche aufmerksame Zuhörer. Aber über die vergangenen schicksalsschweren Tage hinweg klang in allen Ausführungen der erzählenden Mütter der Dank wieder für den Mann, der eine zwanzigjährige Schreckensherrschaft ein Ende bereitete und sie alle heimführte ins Großdeutsche Reich.

    Und so begrüßte in Vertretung des Schulungsleiters der Pg. Stuckemeier die Anwesenden und erläuterte den Zweck des Abends. Zuvor hörte man die Übertragung aus Berlin, die Eröffnung des Winterhilfswerkes 1938/39 mit der Rede des Führers. Dann erzählten verschiedene sudetendeutsche Frauen von ihrem Leben in der Heimat unter der tschechischen Knute, insbesonders über die letzten Wochen und die meistens abenteuerliche Flucht über die Reichsgrenze. Erschütternd waren diese Berichte. Alle Frauen waren des Dankes voll für Führer und Befreier. Dankesworte fanden sie ebenfalls für die ihnen überall gewährte Gastfreundschaft, auch in Reckenfeld. Die abschließenden Worte sprach der Ortsgruppenleiter, der auf die Rede des Führers und die Schilderungen der Frauen hinwies. Pg. Peters forderte alle auf, gerade das kommende WHW zu unterstützen und ein wirkliches Opfer zu bringen. Das Gedenken an den Führer und Reichskanzler und die Nationallieder beschlossen den eindrucksvollen Abend.

    10.10.1938 Glänzendes Ergebnis der Eintopfsammlung. Das Sammelergebnis des gestrigen Eintopfsonntags übertraf alle Erwartungen. Im Vergleich zu den Sammlungen des Vorjahres brachte die erste Eintopfspende dieses Winters ein Mehr von über 50 Prozent. Allen Gebern sei an dieser Stelle gedankt mit der Bitte, so weiterzumachen.

    10.10.1938 Bunter Nachmittag mit den Sudetendeutschen. Um unsere sudetendeutschen Gäste von dem Wert der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" zu überzeugen, veranstaltete die Ortswaltung der KdF am Sonntagnachmittag im Rickermannschen Saale einen bunten Nachmittag. Da die KdF-Veranstaltungen hier sehr beliebt sind, war es vorauszusehen, dass der Saal recht gut besetzt war.

    An einer langen Kaffeetafel hatten die sudetendeutschen Frauen und Kinder Platz genommen und ließen es sich gut schmecken. Dann begrüßte der Ortswalter der DAF die zahlreich Erschienenen und machte in kurzer Ausführung die Sudetendeutschen mit dem Zweck und Ziel der gewaltigen Organisation aller Schaffenden bekannt. Pg. Putterbaum von der Kreiswaltung der DAF überbrachte zunächst die Grüße des Kreisleiters Mierig sowie des Kreiswalters Pg. Galler, auch seine Begrüßungsworte galten insbesondere unseren Gästen aus dem nun befreiten Land. Recht stürmisch begrüßt wurde der Ortsgruppenleiter der NSDAP Pg. Peters, dessen Ansprache mit der Feststellung, dass unsere Gäste als Sudetendeutsche geflüchtet und als Reichsdeutsche wieder heimkehrten und in einem feierlichen Bekenntnis zu unserem geliebten Führer, endigte.

    Dann nahmen die künstlerischen Darbietungen ihren Anfang. Der Ansager Adolf Iser verstand es in seiner uns schon vertrauten Art, den Kontakt mit dem Publikum schnellstens herzustellen. Wahre Lachsalven donnerten durch den Saal. Fräulein Alhorn sang sich mit ihren Liedern in das Herz der Anwesenden hinein. Die fast meisterhaften Vorführungen der jugendlichen Rollschuhläuferin Dolli Schütt in ihren anmutigen und rhythmischen Darbietungen erbrachten stürmischen Beifall.

    Auch der Xylophonspieler Heinz Unrau musste sich zu einer Zugabe entschließen. So wechselten sich die Darbietungen, unterstützt vom Reckenfelder Blasorchester in humorvoller Weise ab. Nach den schweren und leidvollen Wochen sah man bei den sudetendeutschen Frauen wieder freundliche Gesichter. Drei Mädchen aus dem Sudetenland sangen in ihrer Mundart ein Liedchen, die Frauen gemeinschaftlich "Is Feierabend". Auch sie ernteten lebhaften Beifall. Mit den abschließenden Worten des Kreiswartes der NSG "Kraft durch Freude", Hillebrand und des Ortswalters der DAF, Chylarecki, nahm der erste Teil des Programms sein Ende. Im weiteren Verlauf des Abends kamen dann auch die Tanzlustigen zu ihrem Recht. Der bunte Nachmittag mit unseren Sudetendeutschen war ein Erfolg, und nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat werden sie noch oft an diese Veranstaltung der NSB "Kraft durch Freude" zurückdenken.

    13.10.1938 Besichtigungsfahrt der Sudetendeutschen nach Münster. Seit zwei Wochen beherbergt die Gauschule der NSB sudetendeutsche Flüchtlinge, Frauen und Kinder. In dieser Zeit versuchte jeder nach besten Kräften, ihnen den Aufenthalt in Reckenfeld so angenehm wie möglich zu machen und darüber hinaus für Ausgleich und Ablenkung von der erlittenen Unbill in ihrer Heimat zu sorgen. Da das Hierbleiben unserer Gäste vermutlich nur noch einige Tage dauert, wäre es undenkbar, in Westfalen, im Münsterland gewesen zu sein, ohne die Gauhauptstadt Münster gesehen zu haben.

    Und so folgten die Frauen und Kinder gerne und voller Freude der Einladung der Kreisleitung der NSDAP, einen Nachmittag in Westfalens schöner Hauptstadt zu verleben. Unter der vorsorglichen Führung der Frauenschaftsleiterin Pgn. Frau Rathert, trafen die Sudetendeutschen in Münster ein, wo sie von dem Ortsgruppenleiter Pg. Wolff am Bahnhof in Empfang genommen und zum Restaurant des Zoologischen Gartens geleitet wurden. Anschließend folgte ein Rundgang durch den Zoo. Staunend betrachteten sie die Tiere, die ihnen teilweise noch nicht oder nur dem Namen nach bekannt waren. Inzwischen waren die Tische in der Wirtschaft mit leckeren Süßigkeiten gedeckt, wo die Frauen und Kinder nach ihrem Rundgang sich zum löblichen Tun niederließen.

    Voller Freude wurde der erschienene Kreisleiter Pg. Mierig begrüßt, der herzliche Worte an die Sudetendeutschen richtete und ihnen einen fröhlichen Nachmittag in Münsters Mauern wünschte. Nachdem sich alle an dem Kaffee und Kuchen gütlich getan hatten, wohnten die Kinder unter Aufsicht von Kindergärtnerinnen der Fütterung der Bewohner des Zoos bei, während die Frauen unter Führung von Mitgliedern der Münsterschen NS-Frauenschaft die Sehenswürdigkeiten der Gauhauptstadt besichtigten. Man merkte es den Frauen an, daß sie in ihrem Leben noch nicht dergleichen sahen. Kurz vor Eintritt der Dämmerung trafen sich wiederum alle am Hauptbahnhof, um die Rückfahrt nach Reckenfeld anzutreten. So verlebten unsere Sudetendeutschen wieder einen vergnügten Nachmittag und voller Freude kehrten sie zur Gauschule zurück.

    16.10.1938 Umschau in Reckenfeld. Der Oktober hat sich schlecht eingeführt, mit vollen Backen bläst er den Herbststurm durch die Lande, teilweise Schaden verursachend. Mit den Blättern und losen Dachziegeln treibt er sein neckisches Spiel, heulend den Herbst verkündend.

    In den Gärten und auf den Feldern wird Kehraus gemacht. Soweit alles abgeerntet, verrichtet der Spaten oder Pflug seine Arbeit. Die Tage werden nun merklich kürzer und kühler, da läßt es sich schon beim warmen Ofen gut sein.

    Am Samstag und heutigen Sonntag steigt die erste Reichsstraßensammlung. Die Männer der Deutschen Arbeitsfront werden wie im Vorjahr die erste Sammlung durchführen. 5 Hitlerbücher gelangen zur Ausgabe. Hoffen wir den gleichen steigenden Erfolg wie am Vorsonntag. Kein Reckenfelder ohne wenigstens ein Hitler-Buch.

    Die rege Bautätigkeit hält unvermindert an. Sind in den Ortsteilen kleinere und größere Bauausführungen fertiggestellt, so herrschst nun an der Grevener Straße, der zukünftigen Geschäftsstraße, Hochbetrieb. Das Kaufhaus Schlick sieht seiner Vollendung entgegen, gegenüber dem Deutschen Haus entsteht ein weiteres Geschäftshaus, die Metzgerei Cl. Jürgens. Weitere Geschäftsleute werden folgen, da sie sich bereits Bauplätze sicherten.

    Eine weitere erfreuliche Tatsache ist der Besitzwechsel C 44 (Foto). Dieses Grundstück ist durch Kauf in den Besitz des Herrn Karl Lenuweit (Foto) übergegangen. Es steht zu erwarten, daß der teilweise verwahrloste Garten unter seinem jetzigen Besitzer wieder Gestalt und Form eines Gartens annimmt, um sich würdig den umliegenden Gärten anzuschließen.
    18.10.1938 Langsam geht der Aufenthalt unserer sudetendeutschen Frauen und Kinder seinem Ende entgegen. Die ersten Gäste der Gauschule haben uns bereits verlassen und noch einige Tage, dann werden die übrigen folgen. Ohne Überhebung kann man wohl behaupten, daß sie alle Reckenfeld in freundlicher Erinnerung behalten werden. Unsere besten Wünsche begleiten sie in ihre Heimat. Mit gemischten Gefühlen nahmen die Reckenfelder zur Kenntnis von dem in der Freitagsabendausgabe veröffentlichen Bericht über den Ausbau der Straßen in Greven. Einstimmig hörte man: Und wo bleibt Reckenfeld? Sollten diejenigen Recht behalten, die da behaupten: Es wächst noch einmal Gras über "die Geschichte"!?

    18.10.1938 Den Auftakt zu dem Abschied gaben die Kleinen des Kindergartens. Die Hakenkreuzfahne voran, geleiteten sie ihre sudetendeutschen Spielkameraden zur Gauschule zurück. Dort hatte sich in herzlichen Worten der Bürgermeister und Ortsgruppenleiter der NSDAP, Pg. Peters, von den Frauen und Kindern verabschiedet. Feierlich wurde dann die Fahne eingezogen. Darauf ging es zur Bahn. Der einsetzende Regen verhinderte nicht, dass sich zahlreiche Reckenfelder, voran die Lehrpersonen mit den Schulkindern, am Bahnhof eingefunden hatten.

    22.10.1938 Nicht Amboss, sondern Hammer wollen wir sein! Die Ortsgruppe der NSDAP hatte zu einer öffentlichen Versammlung aufgerufen. Wohl selten haben die Anwesenden einem Redner mit solcher Andacht gelauscht, wie dem Kreispropagandaleiter Pg. Schnecker aus Minden. Restlos begeistert ist das Urteil sämtlicher Teilnehmer und allgemein kann der Ortsgruppenleitung die Bitte ausgesprochen werden, derartige Versammlungen des Öfteren zu wiederholen. Der Ortsgruppenleiter eröffnete sie, zunächst gedachte er des durch Mörderhand gefallenen Gesandtschaftsrates vom Rath. Dann ergriff Pg. Schnecker das Wort.

    Er führte u. a. aus: Jede Ursache hat ihre Wirkung, das eine setzt stets das andere voraus. Wie die Ernte die Ursache in der Saat hat, spricht man auch auf anderen Lebensgebieten: Wie die Saat - so die Ernte. Eine für das Volk unglückliche Saat war die des Weimarer Staates. Der Redner schilderte dann kurz das Aufgehen dieser Saat und die verhängnisvolle Zeit von 1918 bis 1933.

    Innenpolitisch skizzierte der Redner die gigantischen Erfolge der letzten fünf Jahre. Und war dieses alles ohne unseren Führer Adolf Hitler möglich? Der Bolschewismus stand vor der Tür, wir standen am Abgrund und nun durch den Führer der gewaltige Aufstieg und nun in diesem Jahre die Schaffung des Großdeutschen Reiches. Jetzt sind wir nicht mehr Amboss in der Welt, sondern Hammer. Dieses alles verpflichtet uns zum Dank gegen den Mann, der uns vom Herrgott gesandt wurde.

    16.10.1938 Umschau in Reckenfeld. Herzlicher Abschied der sudetendeutschen Gäste. Regenverhangener Himmel am Montagmorgen, eigentlich passend für ein Abschiednehmen von lieben Menschen, die für drei Wochen in Reckenfeld ihre zweite Heimat gefunden hatten, und deren Scheiden allen Reckenfeldern etwas wehmütig stimmte. Noch sind die Tage unvergessen, da in verschiedenen Feierstunden und echtem Gemeinschaftsgeist den sudetendeutschen Frauen und Kinder Ablenkung durch Freude und Frohsinn nach erlittenem unsäglichen Leid vermittelt wurde. Unvergeßlich bleibt die rührende Anteilnahme der gesamten Bevölkerung als es hieß, für Kleider, Wäsche und dergleichen zu sammeln. Fürwahr, Reckenfeld hat sich der Ehre würdig erwiesen, sudetendeutsche Volksgenossen zu beherbergen.

    Den Auftakt zu dem Abschied gaben die Kleinen des Kindergartens. Die Hakenkreuzfahne voran, geleiteten sie ihre sudetendeutschen Spielkameraden zur Gauschule zurück. Dort hatte sich in herzlichen Worten der Bürgermeister und Ortsgruppenleiter der NSDAP, Pg. Peters, von den Frauen und Kindern verabschiedet. Feierlich wurde dann die Fahne eingezogen. Darauf ging es zur Bahn. Der einsetzende Regen verhinderte nicht, daß sich zahlreiche Reckenfelder, voran die Lehrpersonen mit den Schulkindern, am Bahnhof eingefunden hatten. Da wir bis zur Abfahrt noch etwas Zeit hatten, erkundigten wir uns nach dem Heimatort der einzelnen. Namen wie Aussig, Brüx, Eger, Reichenberg usw. wurden laut. Alles Leid der früheren Jahre, in denen ein entmenschtes Babarenvolk in der Unterdrückung und Mißhandlung unserer Volksgenossen wetteiferte, waren in dieser Stunde vergessen. Der Glaube an Deutschland und das Vertrauen an unserem Führer ließen sie frohgemut in die Zukunft schauen.

    Inzwischen rückte der Zeiger auf 12:30 Uhr. Der Schulungsleiter Pg. Blankemeyer verabschiedete sich persönlich von seinen Schützlingen, die Vertreter der Behörden, der Partei und Gliederungen wechseln noch einmal herzliche Worte mit den Frauen, die Schulkinder hatten alle Aufstellung genommen. Dann läuft der Zug ein. Hilfreiche Hände helfen wieder wie bei der Ankunft so jetzt bei der Abfahrt. Die Frauenschaftlerin Pgn. Frau Rathert und Schwester Toni besteigen ebenfalls den Zug, sie, die sich besonders um unsere Sudetendeutschen verdient gemacht haben, dürfen sie in die Heimat begleiten. Langsam setzt sich der Zug in Bewegung, die Schulkinder singen: "Deutschland, heiliges Wort", heftiges Winken von hüben und drüben setzt ein, bis der letzte Wagen den Blicken der Zurückbleibenden entschwindet. Begleitet von unseren besten Wünschen fahren sie nun der Heimat entgegen, und nach den dauernd abgegebenen Versicherungen werden sie die überaus gastliche Aufnahme in Reckenfeld nie vergessen. Dieses Bekenntnis soll uns Reckenfeldern der beste Dank sein.

    Gutes Ergebnis der Reichsstraßensammlung. Die am Samstag und Sonntag von den Männern der Deutschen Arbeitsfront in Reckenfeld durchgeführte Sammlung ergab 60 Prozent mehr als im vergangenen Jahre. Den ehrenamtlichen Sammlern gebührt an dieser Stelle herzlicher Dank.
    20.10.1938 Kleine Tagesschau. Sturm und Regen, Regen und Sturm vom Anbeginn des Monats bis heute, ein ungemütliches Wetter, so hört man überall die Leute reden. Von diesen unliebsamen Naturelementen dürften wir nun auch genug haben; es ist an der Zeit, daß sich der Wettergott eines Besseren besinnen möge.

    Auch unsere Bauern schauen nun des öfteren nach oben und auf das Barometer, ob sich nicht der erwünschte trockene und freundliche Herbst einstellt. Denn hier und da gilt es noch, die Hackfrüchte, die in diesem Jahr so reichlich ausfallen, heim oder in die Mieten zu bringen.

    Wenn nicht alles trügt, werden die Reckenfelder in der kommenden Woche den Beginn eines jahrelangen Wunsches, nämlich den Anfang der Straßeninstandsetzung in Erfüllung gehen sehen. Lange Zeit hat es zwar gedauert, wir wollen daher den geführten Federkrieg und die im Interesse der Sache entstandenen Debatten begraben und uns aufrichtig freuen und denen Dank sagen, die maßgeblich an der Verwirklichung des Wunsches gearbeitet haben. Die Instandsetzung wird sich wohl zunächst auf die Hauptstraßen beschränken. Die Straßen in den Ortsteilen werden dann wohl folgen.

    In den letzten Tagen herrschte an der Geschäftsstelle der NSB bei Brinkmeyer Hochbetrieb. Die umliegenden Bauern brachten Kartoffelspenden für das Winterhilfswerk. Es ist die erfreuliche Tatsache festzustellen, daß das Aufkommen an Kartoffeln um ein Mehrfaches der gleichen Sammlung im vergangenen Jahr größer ist. Den Bauern gebührt für den reichen Kartoffelsegen an dieser Stelle herzlicher Dank.

    In der Nacht zum Mittwoch wurde dem Kaufmann Schlick ein Schaukasten an der Eingangstür eingeschlagen und die darin vorhandenen Sachen entwendet. Es wäre zu begrüßen, wenn man der Täter habhaft würde, damit diese ihrer Strafe zugeführt werden könnten.

    Im Sportleben steigt am kommenden Sonntag das nächste Meisterschaftsspiel der Sportvereinigung gegen den SC Dyckburg auf dem Sportplatz bei Leising. Anstoß 15 Uhr. Bei etwas mehr Glück als gegen Ems Westbevern dürfte den Reckenfeldern der Sieg nicht schwer fallen.

    Da die Arbeitsdienstmänner am 25. ds. Mts. ihre Dienstzeit in Reckenfeld beenden, findet am heutigen Donnerstag die übliche Abschiedsfeier statt, über deren Verlauf wir in der morgigen Ausgabe berichten.

    Die für Samstag, den 22. Oktober, angesetzte Mitgliederversammlung findet am Mittwoch, den 26. Oktober, Punkt 20 Uhr, im Arbeitsdienstlager statt. Es spricht der Ortsgruppenschulungsleiter Pg. Kühle, Greven.

    24.10.1938 Abschiedsfeier der Reichsarbeitsdienstabteilung 5/163. Ein halbes Jahr ist nun vergangen, da unsere Arbeitsdienstmänner ihren Einzug in die Emsdettener Straße hielten. Schnell ging die Zeit dahin, in der sie den Ehrenrock der Arbeit trugen und mitschaffen konnten am Aufbauwerk des Führers. Am 25. Oktober, also am kommenden Dienstag, nehmen die Männer des Spatens Abschied von Reckenfeld, das sie in der Zeit ihres Hierseins liebgewonnen haben, um bald den erdgrauen Rock mit dem des Soldaten zu vertauschen.

    So fand am Donnerstagabend in dem Gemeinschaftsraum der Abteilung die Abschiedsfeier der Arbeitsdienstmänner statt. Am Vormittag nahmen die einzelnen Trupps von ihrer Baustelle mit dem Gesang: Reserve hat Ruh', Abschied von der Stätte, an der sie für Volk und Führer den Sommer über ihre Arbeit leisteten. Des Abends nach dem gemeinschaftlichen Abendessen begann die eigentliche Feier. Diese wurde mit einer Ansprache des seit dem 5. Oktober nach hier versetzten Abteilungsführers, Oberfeldmeister Jungjohann eröffnet. Nach der Verteilung echt guter Schießpreise, wurde die Ernennung einzelner zum Vormann ausgesprochen; ferner erhielten einige für sehr gute Führung eine Ehrengabe ausgehändigt. Mit einem begeisterten Bekenntnis zu unserem Führer schloß der offizielle Teil. Im gemütlichen Teil wechselten gemeinschaftliche Lieder mit humoristischen und Gesangseinlagen ab. Recht gemütlich daher, zu schnell verliefen die Stunden, als Feierabend gemacht werden mußte. So scheiden nun unsere Arbeitsdienstmänner und sie werden nicht von ihrer Dienstzeit erzählen, ohne der schönen Gartenstadt Reckenfeld zu gedenken.

    25.10.1938 Umschau in Reckenfeld. Kleine Tageschronik. An der Schulung der Ortswaltung der DAF, heute, Dienstag, 20.30 Uhr im Lokal Rickermann nehmen sämtliche politischen Leiter der Ortsgruppe teil. Es spricht Pg. Frefel über das Thema "Die politische Lage und der Betrieb". Zugleich wird an die Mitgliederversammlung der Ortsgruppe der NSDAP, morgen, Mittwoch, 20 Uhr im Arbeitsdienstlager erinnert. Es spricht der Ortsgruppenschulungsleiter Pg. Kühle, Greven. Pünktliches und restloses Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist unbedingte Pflicht.

    Auf dem Sportplatz bei Leising kämpfte die Sportvereinigung gegen den SC Dyckburg. Die Hoffnung auf die ersten Punkte war vergebens. Die Gäste konnten einen klaren 2:0 (1:0)-Sieg mit nach Hause nehmen. Im Vergleich zu den letzten Spielen haben die Reckenfelder nachgelassen. Das Ergebnis entspricht ganz dem Spielverlauf. Das Zusammenspiel muß besser werden, wenn überhaupt in dieser Serie Punkte herausspringen sollen.

    Mit militärischen Ehren wurde am Montagmorgen Albert Daeumer beigesetzt. Neben der Kriegerkameradschaft und der Kameradschaft der Kriegsbeschädigten nahm die Bevölkerung recht zahlreich an dem letzten Geleit des Verstorbenen teil. Daeumer, der selber vor Jahren Kameradschaftsführer der NSKOV war, erfreute sich allgemeiner Wertschätzung. Eine schwere Kriegsbeschädigung machte seinem aufrechten Leben ein Ende.

    Freudiger ging es am Bahnhof zu, wo die Arbeitsmänner, wie bereits angekündigt, nach Ableistung ihrer Arbeitsdienstpflicht nach Muttern fuhren. Mit dem Schlachtruf der Arbeitsmänner "Schipp, schipp, Hurra!" nahmen sie Abschied von Reckenfeld.

    Das freudigste Ereignis ist, daß nunmehr die Hauptstraßen endlich fertiggestellt werden. Während die Arbeiter bereits mit der Begradigung der Straße begonnen haben, wird die ebenfalls eingetroffene Straßenwalze bald in Tätigkeit treten. Interessant wird es, wenn die "Straßenaufreißer" mit gigantischer Kraft die Straßen aufreißt. Ein wichtiger Zeitpunkt in der Reckenfelder Aufwärtsbewegung hat begonnen. Es ist daher angebracht, unserem Bürgermeister Pg. Peters an dieser Stelle Dank zu sagen für seine aufopfernde Tätigkeit im Interesse seiner Bürger. Wir wünschen, daß es ihm auch weiterhin möglich sein wird, die noch vorhandenen Probleme zu lösen, damit sein Wunsch, aus Reckenfeld ein schmuckes Dorf zu machen, in Erfüllung geht.

    25.10.1938 Vorbildliche Arbeit des Verkehrsvereins - Rück- und Ausschau. Seit einigen Jahren hat sich aus dem Verkehrsverein Reckenfeld e. V. eine Arbeitsgemeinschaft entwickelt, die als vorbildlich bezeichnet werden muß. Zwar hatte und hat dieser Kreis einsatzbereiter Personen, denen das Wohl und Wehe Reckenfelds nicht gleichgültig ist, verschiedentlich gegen Unverständnis zu kämpfen. Dessen aber ungeachtet ist zu wünschen, daß die Arbeit de VVR auch weiterhin in echter Volksgemeinschaft und im Interesse Reckenfelds von Erfolg gekrönt sein wird und die verdiente Förderung aller Stellen erfährt.

    Die Bestrebungen des VVR gehen darauf hinaus, durch eigene Initiative für Verbesserungen innerhalb der Ortschaft zu sorgen, soweit nicht eine andere Stelle für die betreffende Angelegenheit zuständig ist oder Mittel hierfür bereitstellt. In letzteren Fällen beschränkt sich die Tätigkeit des VVR auf die Einreichung sachlicher und begründeter Vorschläge. Erfreulich sei hier die Tatsache, daß einzelne Behörden diesen Vorschlägen Rechnung trugen und im gegebenen Falle weitere Vorschläge erbaten. Im Zusammenhang sei hiermit allein an die geschmackvolle Ausführung des Bahnhofsvorgeländes durch die Reichsbahn erinnert, ferner das Entgegenkommen der Reichspost bezüglich der Entleerung der Postkästen und der zugesagten Aufstellung von Markenautomaten, nicht vergessen sei die Errichtung der Nebenstelle der Kreissparkasse, die der Bevölkerung recht viel Wege erspart u. v. m.

    25.10.1938 So hatte die außerordentliche Sitzung des VVK den Zweck, Rück- und Ausschau ihrer Arbeiten zu halten. In seiner Begrüßungsansprache konnte der Vereinsführer zu seiner Freude die zahlreich erschienen Mitarbeiter begrüßen. In längeren Ausführungen gab er die bisher geleistete Arbeit bekannt, die man vom Volksganzen aus gesehen als vorbildlich bezeichnen muß. So konnten neben den schon erwähnten Verbesserungen, unter Mitwirkung der Behörden, an ruhigen und schönen Punkten der Ortschaft Ruhebänke für die hier überaus zahlreich vorhandenen Arbeits- und Kriegsopfer aufgestellt werden. Ferner wurden Allgemeinbestrebungen finanziell unterstützt, z. B. Beschaffung der Turmuhr. Auch die im Rahmen des Vierjahresplanes von den Schulkindern bearbeiteten Schul-gärten für Mais, Sojabohnen usw., erforderten größere Geldmittel zur Kultivierung des Landes, wie Löhne für Gespannarbeiten, Düngung usw., die der VVR zur Verfügung stellte. Zum Ansporn dieser Arbeiten wurde den Schulmädchen vom VVR eine wertvolle Nähmaschine übergeben, um auch die Fertigkeiten des Nähens zu fördern. Für die Jungen ist die Einrichtung einer Lehrwerkstatt geplant, damit soll der Bastelfreudigkeit unserer Jugend Rechnung getragen werden. Um der bisher unsinnigen Verschandelung des Dorfbildes durch wahlloses Anbringen von Ankündigungen wirkungsvoll zu begegnen, wurden Anschlagstafeln aufgestellt.

    Dann machte der Vereinsführer bekannt, daß der Wunsch ausgesprochen wurde, den Verein aufzulösen, zumal auch hier eine Dorfarbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen worden ist. Die hierbei eingesetzte Debatte ergab folgendes: Da die Arbeiten des VVR im Hinblick auf Reckenfeld weit über den Rahmen der Dorfarbeitsgemeinschaft hinausgehen, wirkt dieser weiterhin zum Wohle Reckenfelds und im Sinne unseres Führers. Der VVR macht es sich aber zur vornehmsten Aufgabe, Hand in Hand mit dieser Dorfarbeitsgemeinschaft zu arbeiten, wie er überhaupt jede Bestrebung unterstützt, die im Interesse Reckenfelds liegt.

    Über die kommenden Arbeiten verdient, wie schon erwähnt, die Errichtung einer Lehrwerkstatt Beachtung. Ferner, bei der nun einsetzenden Straßeninstandsetzung, die weitere Verschönerung des Dorfplatzes. Weitere Ruhebänke sollen beschafft werden, um den vielseitigen Wünschen zu entsprechen. Bei Veranstaltungen der Partei und deren Gliederungen machte sich bisher das Fehlen einer Rednertribüne unliebsam bemerkbar. Auch über diesen Punkt wurde beraten. Ferner soll die Bevölkerung gebeten werden, weiterhin mitzuarbeiten und dem VV entsprechende Wünsche zuzuleiten. Dann wurde festgestellt, daß der Name des Vereins für die angestrebten Ziele, nämlich aus Reckenfeld eine wirtschaftlich gesunde, schöne und gern besuchte Ortschaft zu machen, nicht allein ausschlaggebend ist. Wesentlich ist, daß hier Vorbildliches für Reckenfeld, alles für den Führer, alles für Deutschland geleistet wird. Mit diesem Kernspruch des VV erreichte diese anregende Arbeitssitzung ihr Ende.

    25.10.1938 Umschau in Reckenfeld. Stete Mitarbeit und der Dank an den Führer. Im Gemeinschaftsraum der Reichsarbeitsdienstabteilung fand Mittwochabend die Mitgliederversammlung der Ortsgruppe der NSDAP statt. Nach dem gemeinschaftlich gesungenen Lied "Volk an's Gewehr" begrüßte in Vertretung des verhinderten Ortsgruppenleiters der Organisationsleiter Pg. Rathert die Parteigenossen und Parteigenossinnen. Sein besonderer Gruß galt dem Redner Pg. Kühle, Greven. Nach dem Führergruß gedachte man zunächst des am Montag zu Grabe getragenen Pg. Schüller durch Erheben und ein kurzes stilles Gedenken. Dann ergriff Pg. Kühle das Wort. Einleitend würdigte er die Großtat des Führers in den letzten Wochen, die Schaffung Großdeutschlands, unter dem starken Schutz unserer Wehrmacht.

    Welcher Gegensatz der Verhältnisse vor 1933 und nachher. Einen breiteren Raum nahmen nachher die präzise geformten Ausführungen der weltanschaulichen Ausrichtung des Deutschen Volkes ein. Das Wort Weltanschauung zerpflückte er, um die verstandes- und glaubensmäßige Einfassung der wissenschaftlichen gegenüberzustellen. Über Kopernikus und Galilei ging der Redner zu der Vererbung und der Rassenfrage über. Scharf geißelte er die Lehren des Liberalismus. Dann machte Pg. Kühle Angaben über das weitere Studium der weltanschaulichen Fragen, wozu auch das monatlich erscheinende Schulungsheft wertvolle Beiträge liefert. Zum Schluß forderte er alle auf, dem Führer stets als Vorbild zu nehmen und ihm nachzufolgen, dann ist uns um unsere Zukunft nicht bange. Lebhafter Beifall dankte dem Redner für seine gut gewählten Ausführungen. - Ein dreifaches Sieg Heil auf den Führer und die Nationallieder beschlossen diese Versammlung. Anschließend fand eine kurze Besprechung der politischen Leiter statt, in welcher Näheres über die Teilnahme an der Großveranstaltung am kommenden Sonntag in Münster bekanntgegeben wurde. Abfahrt 8.17 Uhr ab hier.

    29.10.1938 Saure Wochen - frohe Feste. Hart und schwer ist der Kampf des Bauern auf seiner Scholle. Nicht minder groß sind auch die Aufgaben hinsichtlich der Volksernährung, die bis heute dem deutschen Bauern gestellt sind. Saure Tage bedingen aber frohe Feste, der Körper braucht eine Entspannung und Ablenkung. So fand im Rickermannschen Saale der alljährlich nach der Einbringung der letzten Frucht stattfindende "Rübenball" des Schützenvereins Herbern statt. Der Vereinsführer Viktor Gerber konnte zu seiner Freude neben dem Königspaar, Hofstaat und Mitgliedern auch recht zahlreiche Gäste begrüßen. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß alle Anwesenden recht fröhliche und vergnügte Stunden verleben mögen. Dann spielte die Musik zum Tanze auf. So verlebte das lustige Völkchen in ausgezeichneter Stimmung und Fröhlichkeit den Abend, den sie so leicht nicht vergessen werden. Wie immer, wenn es am schönsten ist, mußte man Abschied nehmen.

    29.10.1938 Kleine Tageschronik. Für kurze Zeit ist es im Reichsarbeitsdienst still geworden. Anfang der Woche haben uns die Männer des Spatens verlassen, um den nächsten Jahrgang, der am 2. November eintrifft, Platz zu machen.

    Dem Wunsche der Friedhofverwaltung entsprechend, werden die Angehörigen gebeten, die Gräber ihrer Verstorbenen bis Montagmittag in Ordnung zu bringen. Nach dieser Zeit sollen die Wege instand gesetzt werden.

    Im weiteren Verlauf der Meisterschaftsspiele tritt die Sportvereinigung am heutigen Sonntag den Weg nach Westfalia Kinderhaus an. Da Westfalia ein nicht zu unterschätzender Gegner ist, werden die Reckenfelder einen schweren Stand haben.

    Vom Schulleben ist zu berichten, das Fräulein Disselkamp versetzt wurde. Diese freigewordene Stelle an der Schule I wurde nun durch die Versetzung des Lehrers Bernhörster von Beckum nach hier wiederum besetzt.

    Des Öfteren wurde von der Bevölkerung Klage geführt, daß die Licht- oder Kraftstärke des elektrischen Stromes unliebsam nachließ. Selbst bei den Rundfunkgeräten wurde die Schwankung der Empfangsstärke als störend empfunden. Diese Ursache hatte den Grund in der Überbeanspruchung des Stromnetzes. Nach wiederholten Bitten hat sich das Elektrizitätswerk entschlossen, dieser Tage einen Transformator aufzustellen, der nunmehr eine konstante Stromstärke garantiert und die genannten Störungen unterbindet.

    Die Schulzahnpflege im hiesigen Amtsbezirk ist als vorbildlich zu bezeichnen. In der letzten Woche hatte Herr Dr. med. dent. Gronotte seinen Einzug in die Volksschule II gehalten. Vorher waren die Kinder schon durch die Lehrpersonen auf die Wichtigkeit der Zahnpflege verwiesen worden. Die Behandlung der Kinder nahm einen reibungslosen und erfolgreichen Verlauf. Anschließend hielt Dr. Gronotte an Hand von Karten einen Vortrag über Aufgabe und Pflege der Zähne. Wichtig ist, daß die Zähne jedes halbe Jahr überprüft werden. Die Eltern der Kinder sind erfreut über getroffenen Maßnahmen; einmal war die Behandlung kostenlos, zum anderen bleiben den Kindern die Zähne gesund und erhalten.

    29.10.1938 Ausgabe von Kartoffeln durch das WHW. Die Kartoffelausgabe durch das Winterhilfswerk findet an der Geschäftsstelle beim Deutschen Haus wie folgt statt: Für den Ortsteil A Donnerstag, den 3.11., vorm. von 9 - 12 Uhr, für den Ortsteil B Donnerstag, den 3.11., nachm. von 14 - 17 Uhr, für den Ortsteil C Freitag, den 4.11., vorm. von 9 - 12 Uhr, für den Ortsteil D Freitag, den 4.11., nachm. 14 - 17 Uhr. Als Anerkennungsgebühren sind pro Zentner 0,20 Mark zu zahlen. Nach Möglichkeit wolle man keine Kinder schicken. Säcke und Bindfäden sind mitzubringen. Zum gleichen Termin werden auch die Kohlenscheine für den Monat November ausgegeben.

    30.10.1938 Ausgabe von WHW-Scheinen. Viele bedürftige Volksgenossen werden in den beiden nächsten Tagen erfahren, daß sie mit ihrer Not nicht allein dastehen, sondern daß die Volksgemeinschaft für diesen Personenkreis sorgt. Zunächst werden Donnerstag für den Ortsteil A und B, Freitag für C und D Kartoffeln ausgegeben. Zugleich gelangen auch die Kohlenscheine für diesen Monat zur Ausgabe.

    30.10.1938 Die Straßeninstandsetzung, mit der an der Volksschule II begonnen worden ist, schreitet rüstig vorwärts. Die Freude hierüber ist zu verstehen, wenn man berücksichtigt, daß der Verkehr immer mehr zunimmt. So dürften nach vorsichtiger Schätzung neben fast 1000 Fahrrädern etwa 40 - 50 Motorräder und 15 - 20 Liefer- und Personenwagen in Reckenfeld vorhanden sein.

    06.11.1938 Kleine Tagesumschau. Der Anfang des Monats war entscheidend für unsere jungen Männer, die nun als Arbeitsdienstmann oder als Soldat dem Vaterland dienen. Mittwoch erhielt die Reichsarbeitsdienstabteilung in der Emsdettener Straße wiederum Neulinge, so daß es dort wieder recht lebhaft zugeht. Im Sport findet am kommenden Sonntag in der Serie der Meisterschaftsspiele ein Treffen zwischen der Sportvereinigung und dem SC Uppenberg auf dem Sportplatz bei Leising statt. Anstoß 14.30 Uhr. Es dürfte den Reckenfeldern nicht schwer fallen, dem Tabellenletzten Punkte abzugewinnen. Am heutigen Sonntag 16 Uhr findet im Deutschen Haus eine Veranstaltung der Schulgemeinde statt, zu der die gesamte Elternschaft eingeladen ist. Neben lehrreichen Lichtbildervorführungen ist auch eine Besprechung von Schulfragen angesetzt. Der Eintritt hierzu ist frei. Recht erfreulich ist auch die Tatsache, daß die Reichsbahn nichts unversucht läßt, das Bild des Bahnhofsgeländes stets zu verbessern. Nachdem nun die Zufahrtsstraße zum Güterschuppen tadellos hergestellt ist, verschwand dieser Tage der unschön wirkende abgestellte Wagon und der Betonkeller. Vergegenwärtigt man sich die früheren Zustände am Bahnhof, so müssen wir dankbar anerkennen, daß die Reichsbahn hier etwas Schönes geschaffen hat.

    06.11.1938 6. 11. 1938 Umschau in Reckenfeld. Chronik vom Tage. Achtung, Arbeitsopfer! Die für morgen, Dienstag, 8. Nov., angesetzte Rechtsberatungsstunde findet nicht im Deutschen Haus sondern in der Geschäftsstelle der Deutschen Arbeitsfront, Ortsteil A 7 in der Zeit von 16-17 Uhr statt. Die folgende Rechtsberatungsstunde am 22. November findet ebenfalls zur gleichen Zeit und in der Geschäftsstelle der DAF statt.

    06.11.1938 Mütterzusammenkunft im Kindergarten. Von Zeit zu Zeit bittet die Jugendleiterin des Kindergartens, Fräulein Vahlkampf, die Mütter ihrer Pflegebefohlenen zu sich, um in zwangloser und geselliger Art sich über die verschiedensten Fragen auszusprechen. So fand dieser Tage wiederum eine Zusammenkunft statt. Nach herzlichen Begrüßungsworten der Jugendleiterin fand man gemeinschaftliche Lieder. Ein Märchenspiel, von den Helferinnen aufgeführt, fand eine recht beifällige Aufnahme. In zwangloser Form setzte dann eine Aussprache ein, Auskunft wurde gegeben, Ratschläge erteilt.

    10.11.1938 Eine den Helden würdige Totenehrung fand am gestrigen Abend im Lokale Rickermann statt. Der Saal, welcher neben den Symbolen des Dritten Reiches eine der Feierstunde gerecht werdende Bühnenausstattung aufwies, war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach dem Fahneneinmarsch leitete der Trauermarsch L. van Beethoven sinnvoll zu der Totenehrung über. Hitler-Jungen als Sprecher brachten den Dank an die Gefallenen der Bewegung zum Ausdruck. Zur Ehrung der gefallenen Blutzeugen vom 9. November, die namentlich aufgerufen wurden, erhoben sich alle Anwesenden von ihren Plätzen und widmeten ihnen ein stilles Gedenken.

    Dann ergriff Schulungsleiter Pg. Blankemeyer das Wort. Wie glücklich könnten wir uns heute fühlen, daß aus der Saat des 9. November 1923 das Deutschland Adolf Hitlers entstand. Jenes Ideal, für das sie kämpften, ist Wirklichkeit geworden. Und so ist ihr Tod für uns nicht Geschichte, sondern unvergängliche Mahnung, weiterhin treu zum Führer zu stehen. Jene Männer starben für ein besseres Deutschland, und aus ihrer Saat ist Deutschland wieder entstanden, stärker und machtvoller als je zuvor. Abschließend sprach der Ortsgruppenleiter P. Peters. Seine Worte klangen in ein feierliches Bekenntnis und in einem Gruß an unseren Führer aus. Das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied bildeten den Schluß dieser eindrucksvollen Heldenehrung.

    10.11.1938 Schulungsabend der Ortsverwaltung der DAF. Morgen, Freitag, den 11. November, findet der Schulungsabend der Ortswaltung der DAF statt. An diesem nehmen sämtliche Walter und Warte, sowie die Politischen Leiter der Ortsgruppe der NSDAP teil. Die Schulung ist beim Pg. Rickermann um 20.30 Uhr.

    11.11.1938 Schulungsabend der Ortswaltung der DAF. Morgen, Freitag, den 11. November, findet der Schulungsabend der DAF statt. An diesem nehmen sämtliche Walter und Warte, sowie die Politischen Leiter der Ortsgruppe der NSDAP teil. Die Schulung ist beim Pg. Rickermann um 20.30 Uhr.

    15.11.1938 Chronik vom Tage. Mitgliederversammlung der NS-Frauenschaft. Donnerstag, den 17. November, 20 Uhr, findet im Deutschen Haus die Mitgliederversammlung der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes statt. Es spricht Kreisschulleiterin Pgn. Etterich aus Münster. Die Mitglieder wollen doch zahlreich und pünktlich erscheinen. Gründung einer Geräteturnabteilung. Die Sportvereinigung kündigte an dieser Stelle vor längerer Zeit die Gründung einer Geräteturnabteilung an. Den Bemühungen der SpVg. ist es nun gelungen, Geräte zu bekommen, so daß der Turnbetrieb sofort aufgenommen werden kann. Nun liegt es an den Reckenfeldern, diese Bestrebungen tatkräftig zu unterstützen. Interessenten beiderlei Geschlechts werden daher zur Gründungsbesprechung morgen, Mittwoch, den 16. November, 10.30 Uhr, nach Rickermann eingeladen. Turnen hält Leib und Seele gesund!

    Appell der Schützen. Der Schützenverein "Eintracht" hält morgen, Mittwoch, im Vereinslokal seinen Appell ab. Beginn 16 Uhr. Die Kameraden wollen wegen der Wichtigkeit restlos erscheinen.

    Nicht Amboß, sondern Hammer wollen wir sein! Die Ortsgruppe der NSDAP hatte zu einer öffentlichen Versammlung aufgerufen. Wohl selten haben die Anwesenden einem Redner mit solcher Andacht gelauscht, wie dem Kreispropagandaleiter Pg. Schnecker aus Minden. Restlos begeistert ist das Urteil sämtlicher Teilnehmer und allgemein kann der Ortsgruppenleitung die Bitte ausgesprochen werden, derartige Versammlungen des Öfteren zu wiederholen.

    Der Ortsgruppenleiter eröffnete sie, zunächst gedachte er des durch Mörderhand gefallenen Gesandtschaftsrates vom Rath. Dann ergriff Pg. Schnecker das Wort. Er führte u. a. aus: Jede Ursache hat ihre Wirkung, das eine setzt stets das andere voraus. Wie die Ernte die Ursache in der Saat hat, spricht man auch auf anderen Lebensgebieten: Wie die Saat - so die Ernte. Eine für das Volk unglückliche Saat war die des Weimarer Staates. Der Redner schilderte dann kurz das Aufgehen dieser Saat und die verhängnisvolle Zeit von 1918 bis 1933. Innenpolitisch skizzierte der Redner die gigantischen Erfolge der letzten fünf Jahre. Und war dieses alles ohne unseren Führer Adolf Hitler möglich? Der Bolschewismus stand vor der Tür, wir standen am Abgrund und nun durch den Führer der gewaltige Aufstieg und nun in diesem Jahre die Schaffung des großdeutschen Reiches. Jetzt sind wir nicht mehr Amboß in der Welt, sondern Hammer. Dieses alles verpflichtet uns zum Dank gegen den Mann, der uns vom Herrgott gesandt wurde. Lachen ist gesund!

    Unter diesem Motto veranstaltete die NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" einen frohen Sonntagabend. Diese Veranstaltungen erfreuen sich schon allgemeiner Beliebtheit, so daß dem Ortswalter der DAF für seine Bemühungen an dieser Stelle gedankt werden muß. Auch dieser Abend war ein Erfolg. Die Ansage hatte Gustav Ehlert, der sich seiner Aufgabe sehr gut entledigte. Recht bald war der Kontakt hergestellt. Als Tänzerin etablierte sich Else Nüsse, während Dolly Schütt als Rollschuhläuferin glänzte. Jonny Jachmann erntete ebenfalls mit seiner Partnerin für ihren Stepptanz kräftigen Applaus. Die Kanone des Abends war unbestreitbar der hier bekannte und beliebte Adolf Iser. Sein Auftreten, ganz gleich, ob in Parodien oder im Sketsch "Eva im Paradies" waren mit zwerchfellerschütternden Lachsalven verbunden. Alles in allem eine glänzend verlaufende Veranstaltung, die ihren Zweck hundertprozentig erfüllte.

    18.11.1938 Außerordentlicher Appell des Schützenvereins "Eintracht". Am Buß- und Bettag versammelten sich die Schützenkameraden im Vereinslokal, um einen außerordentlichen Appell abzuhalten. Es galt nach den neuen Bundesbestimmungen für die älteren Vorstandsmitglieder, die nach Erreichung einer Altersgrenze aus dem Vorstand ausscheiden, jüngere Kräfte zu wählen. Diese ehrenvoll Ausscheidenden bilden den Ältestenrat, die dem jeweiligen Vereinsführer beratend zur Seite stehen. So konnte der Vereinsführer Johann Hermanns die zahlreich erschienenen Schützenkameraden begrüßen. Nach der Protokollverlesung und dem Kassenbericht erfolgte die Zahlung der Beiträge. Für die bestimmungsmäßig aus dem Vorstand ausscheidenden Kameraden Joh. Hermanns, Klinger, Engelbrecht und Priemke setzte eine Neuwahl ein. Da auch der Vereinsführer Hermanns aus seinem Amte scheidet, ist es erfreulich, daß er weiterhin seinen Rat dem Verein zur Verfügung stellt. Wohl selten hat ein Reckenfelder Verein einen derartigen Aufschwung genommen wie unter seiner Führung. Unermüdlich schaffend, selbst Jüngere beschämend, von allen geachtet, das war der Vereinsführer Johann Hermanns.

    Bei der einsetzenden Neuwahl wurde als neuer Vereinsführer Anton Vogelsang mit Stimmenmehrheit gewählt. Dieser nahm die Wahl an. Er versprach, ebenso wie sein Vorgänger, seine ganze Kraft dem Verein zur Verfügung zu stellen. Für seine außerordentlichen Verdienste wurde Joh. Hermanns zum Ehrenvereinsführer bestimmt. Für die obengenannten, ebenfalls verdienstvoll Ausscheidenden wurden gewählt:

    Zum Schriftführer Wilhelm Große-Böckmann; Kassierer Hermann Wilp, zum Fahnenträger für die Bundesfahne Göbel, Borkenhagen, Todemann, für die Traditionsfahne Richter, Kroll, Kieslich, zu Kassenprüfern Heimsath, Lipovscheck; zum Dietwart: Borkenhagen! (Foto) als Blockkassierer für den Ortsteil A und B Josef Kräling. Das Amt eines Schießwartes bleibt noch offen bis zur Regelung der Kostenfrage für den Schießlehrgang. (Anm.: (aus Wikipedia) Das Amt des Dietwarts wurde in der Zeit des Nationalsozialismus im August 1934[3] verpflichtend im Deutschen Reich eingeführt. Der Dietwart sollte in der NS-Zeit im Auftrag des Reichssportführers alle Turn- und Sportvereine im nationalsozialistischen Sinne schulen und deren Ideologie und „Erziehungsziele“, also Rassebewusstsein, Gemeinschaftssinn, völkische Haltung und antijüdische Ressentiments, an die Mitglieder herantragen. Dazu hatte er dafür Sorge zu tragen, dass die Mitglieder von Vereinen nationalsozialistische Lieder singen, die Reden des Führers hören. In Dietabenden und Dietprüfungen wurde die völkische Haltung der Sportler kontrolliert.)

    18.11.1938 Im weiteren Verlauf der Tagesordnung wurden mehrere Mitglieder aufgenommen. Mit allgemeiner Zustimmung wurde beschlossen, wie im Vorvorjahr, einen Geldbetrag für das Winterhilfswerk zu überweisen. Das Winterfest soll in der Karnevalszeit im Februar stattfinden, das Opferschießen für das WHW ist am 19. März 1939. Nach Erledigung weiterer Angelegenheiten nahm der außerordentliche Appell mit dem Gruß an den Führer sein Ende. Im gemütlichen Kreise blieben die Schützenkameraden noch lange vereint.

    21.11.1938 Versammlung des Ziegenzuchtvereins. Am Sonntag fand im Deutschen Haus eine Mitgliederversammlung statt. Der Vereinsführer gab den Bericht über die Tagung in Münster bekannt, daß beim Decken der Tiere das Mitgliedsbuch zur Kontrolle vorgelegt werden muß. Dann sprach Herr Fleckner von der Kreisfachgruppe über die Haltung und Pflege der Haustiere. Er bat die Tierhalter, nach Möglichkeit ihre Tiere eintragen zu lassen, soweit es sich um gute Gattungen handelt. Recht beträchtlich sind auch die Staatszuschüsse, die bei der Beschaffung von eingetragenen Tieren gewährt werden. Die Ausführungen über die Haltung und Pflege der Haustiere vermittelten den Anwesenden gute Ratschläge. Reichen Beifall erntete der Redner für seine lehrreichen Worte.

    Sodann ergriff Herr Beier das Wort zu seinem Lichtbildervortrag. Er führte zunächst u. a. aus, daß die Kleintierzucht nach dem völligen Darniederliegen vor 1933 nun in Deutschland vorbildlich geworden sei. Dann erklärte er das 1940 in Kraft tretende Zuchtgesetz. Dieses Gesetz bringt endlich einheitliche Richtlinien für die Züchtung der Kleintiere. Gute und luftige Ställe sind die Voraussetzungen für erträgliche Tierhaltung. Durch die gezeigten Lichtbilder konnte jeder Tierhalter allerlei lernen. Dankbar verfolgten die Anwesenden diesen Vortrag und der Beifall am Schluß desselben bewies, daß er allen gefallen hatte. Mit einem Gedenken an den Führer nahm dieser lehrreiche Abend sein Ende.

    23.11.1938 Schulungsabend der Ortsgruppe der NSDAP. Morgen, Donnerstag, den 24. November, Punkt 20.15 Uhr, findet beim Pg. Rickermann der fällige Schulungsabend statt. Es nehmen teil, sämtliche Politischen Leiter, alle Walter und Warte der DAF und NSB, sowie sämtliche Leiterinnen der NS-Frauenschaft.

    23.11.1938 Die Sportvereinigung nimmt den Turnbetrieb auf. Aus besonderen Gründen musste die für Buß- und Bettag angesetzte Besprechung der Sportvereinigung zwecks Zusammenstellung einer Geräteturnabteilung ausfallen. Zum gleichen Zweck fand jetzt die Versammlung im Vereinslokal statt. Vom Standpunkt der sportlichen Ertüchtigung unserer Jugend aus ist das Vorgehen der Vereinsführung zu begrüßen und es besteht der berechtigte Wunsch, daß sich recht zahlreiche Turnfreunde im Interesse dieses schönen Sportzweiges melden. Es konnte der Vereinsführer Pg. Joseph Lüttecke erfreulicherweise recht zahlreiche Sportler begrüßen. Er gab bekannt, daß es der Vereinsführung gelungen ist, als Anfang einen Barren und Pferd zu beschaffen. Diese Geräte treffen bereits heute ein, so daß der Turnbetrieb sofort aufgenommen werden kann.

    Hierauf meldeten sich besonders Jugendliche, die der Geräteturnabteilung beitraten. Als Jungobmann und vorläufiger Turnleiter wurde der Sportkamerad Willi Bosse (Foto) bestimmt. Die Turnstunden finden regelmäßig jeden Mittwochabend im Vereinslokal Rickermann statt. Hier können sich auch weitere Sportfreunde zur Teilnahme melden. 3Neuaufnahmen konnte der Verein wiederum buchen. Dann gab der Vereinsführer noch bekannt, daß die Trainingsstunden der Fußballmannschaften in den Wintermonaten ausgesetzt werden. Lediglich an spielfreien Sonntagen sollen die Mannschaften trainieren. Als Platzwart wurde der Sportkamerad Fritz Wiethaus (Foto Frau Wiethaus), zu seinen Helfern Lindenau und Fritz Lüttecke bestellt. Nach Erledigung weiterer Vereinsangelegenheiten wurde diese Versammlung im Gedenken an den Führer geschlossen.

    24.11.1938 Vom Kaninchenzuchtverein W 42 Reckenfeld. Um die Aufgaben des Vereins im kommenden Winter zu besprechen, fand eine Vorstandssitzung statt. Zunächst wies der Vereinsführer Holzenkämpfer darauf hin, daß die Arbeit der Mitglieder im abgelaufenen Jahre die ersten Erfolge gezeitigt hat. Das gute Tiermaterial, welches der junge Verein sein eigen nennt, erbrachte auf der letzten Kreiskleintierschau in Münster von 17 ausgestellten Tieren eine Auszeichnung von 12. Diese 12 Preise verteilen sich auf folgende Züchter und Rassen: Weiße Wiener: Züchter Franz Bruns einen Ehrenpreis. In der gleichen Rasse einen 2. und 3. Preis mit dem Prädikat "gut" Franz Bruns und B. Holtkamp. Die gleichen Preise erhielten die Züchter Ernst Deitmar und Wilhelm Holzenkämpfer für ihre französischen Silber; für deutsche Widder grau: Jos. Klein; deutsche Riesen grau: Wilhelm Bäumer und Heinrich Rubbrecht, auf Hermelin: B. Holtkamp. Dieser erste gute Erfolg der Reckenfelder Züchter läßt es daher geboten erscheinen, die am 10. Und 11. Dezember 1938 in Hamm stattfindende Landesgruppenschau zu beschicken. Es steht zu erwarten, daß der Verein wiederum gut abschneidet. Nach einer weiteren Beratung wurde dann beschlossen, am kommenden Sonntag, dem 27. 11., im Vereinslokal Rickermann, eine Versammlung abzuhalten. Kaninchenfreunde, welche dem Verein beitreten wollen, sind ebenfalls herzlich willkommen.

    27.11.1938 Kochkursus des Reichsmütterdienstes. Die Frauenschaftsleiterin teilt mit: Am 30.11. beginnt der angekündigte Kochkursus des Reichmütterdienstes in der NSB-Küche in der Zeit von 15 - 19 Uhr und der Abendkursus von 19 - 22 Uhr. Jede Frau und jedes Mädel wird zur Teilnahme aufgerufen. De Kosten betragen pro Abend 0,45 RM. Anmeldungen sind sofort bei Frau Rathert, Bahnhofstraße, und bei den Zellenfrauenleiterinen der NS-Frauenschaft spätestens bis Sonnabend dieser Woche zu tätigen.

    27.11.1938 Klar sind nun die Fronten! Zu einem inhaltsreichen Schulungsabend versammelten sich die Politischen Leiter, Walter und Warte der DAF und NSB im Lokale Rickermann. Der Ortsgruppenleiter Pg. Peters eröffnete den Abend und begrüßte neben seinen Mitarbeitern den Redner Ortsgruppenleiter Pg. Kohlleppel (Greven) sowie Kreisschulrat Dr. Knops und den Kreishauptstellenleiter Pg. Mülhoff (Münster).

    Ein gemeinschaftlich gesungenes Kampflied leitete zu der Rede von Pg. Kohlleppel über. Kurz den Zweck der Schulungsabende erklärend, zitierte der Redner den bekannten Ausspruch Rathenaus, wonach Deutschland in 20 Jahren verwüstet und vernichtet sein wird. Dieser fromme Wunsch des Juden oder richtiger des Weltjudentums ging zu ihrem Leitwesen nicht in Erfüllung. Im Gegenteil, ziehen wir die politische Bilanz der letzten Jahre, so ersehen wir, daß aus der gewollten Wüste ein wirtschaftlich starkes und geeintes Großdeutschland entstanden ist. Über dieses Großdeutschland wacht eine starke Wehrmacht, die die Unantastbarkeit unserer Grenzen garantiert. Diese Großtaten schuf nur einer, unserer Führer Adolf Hitler. Dann beleuchtete der Redner die kritischen Septembertage.

    Mit dem erfolgreichen Ausgang der Münchener Besprechungen habe der Bolschewismus seinen größten Schlag erhalten. Wie gut dieser Schlag saß, dafür das Gezeter der Weltjudenpresse. Wenn auch die Schüsse in Paris dem deutschen Volke gelten, so haben sich jetzt die Fronten geklärt. Reichen Beifall erntete der Redner für seine interessanten Ausführungen. In der nachfolgenden Aussprache behandelte Pg. Dr. Knops in beredten Worten die Rassengegensätze. Echt harte Worte fand er für die Drahtzieher des früheren Zentrums und die überstaatlichen Kräfte der Freimaurerlogen. Über die nationalsozialistische Weltanschauung referierte Pg. Mülhoff. Die abschließenden Worte sprach Pg. Kohlleppel, welche in ein begeistertes Bekenntnis zu unserem Führer ausklangen.

    Der Personalamtsleiter der Ortsgruppe gibt bekannt, daß sich sämtliche Ortsgruppenamtsleiter, die Zellen- und Blockleiter am heutigen Sonntag in der Zeit von 10 bis 12 Uhr im Büro des Ortsgruppenleiters zwecks Ausstellung der Karteikarten einzufinden haben. Mitgliedsbücher bzw. Karten sind unbedingt mitzubringen. Wer zu diesem Termin verhindert ist, holt dieses am Mittwoch nächster Woche (30.11.38) von 20 bis 22 Uhr nach.

    02.12.1938 Vom Kaninchenzuchtverein. Sonntagvormittag trafen sich die Mitglieder des Kaninchenzuchtvereins W 42 Reckenfeld im Vereinslokal Rickermann. Der Vereinsführer konnte zahlreiche Zuchtfreunde begrüßen. Die Erfolge der letzten Kleintierschau in Münster beweisen, daß der junge Verein auf dem richtigen züchterischen Weg marschiert und schon über recht gutes Tiermaterial verfügt. Dann erklärte der Vereinsführer Holzenkämpfer den Mitgliedern den Sinn und Zweck der Kleintierversicherung, der sog. Schutzkasse. 6 Mitglieder traten daraufhin sofort dieser Versicherung bei. Um auch minderbemittelten Volksgenossen zu einem wertvollen Zuchttier zu verhelfen, sollen bei den Veranstaltungen des Vereins gute Tiere verlost werden. Ferner wurde beschlossen, am 11. Dezember eine Nikolausfeier im Lokal Rickermann zu veranstalten. Freunde und Gönner sind herzlichst eingeladen. Zu dieser Feier sind die Kinder mitzubringen, da diese vom Nikolaus beschert werden. Die Besprechung über die Landestierschau in Hamm macht es erforderlich, die nächste Versammlung bereits am Sonntag, dem 4. Dezember, stattfinden zu lassen.

    02.12.1938 Tag der nationalen Solidarität. Der Tag der nationalen Solidarität im Jahre des großdeutschen Reiches muß unseren Dank und unsere Opferbereitschaft beweisen. Der Führer brachte 10 Millionen Brüder heim ins Reich. Aber noch leiden sie unter den verheerenden Folgen langjähriger Mißwirtschaft. Ihnen zu helfen ist heilige Verpflichtung für uns. Denke auch jeder daran, daß der Führer den Krieg verhinderte. So sicherte er dir deine Scholle, deutscher Bauer und uns allen sicherte er Brot und Arbeit. Dieses dürfen wir nie vergessen. Wenn nun am Sonntag die Amtsleiter der Partei zu euch kommen, dann gebt gern und Euren Verhältnissen entsprechend. Nicht spenden wollen wir, sondern jeder bringe ein persönliches Opfer.

    02.12.1938 Wochensplitter. Der letzte Monat des Jahres 1938 ist nun angebrochen, ohne daß wir den November nachtrauern. Außer einigen guten Tagen bescherte er uns reichlich Sturm und Regen. Ob uns nun der Dezember den richtigen Winter bringt, wie wir ihn uns wünschen? Um den bedürftigen Volksgenossen gegen Kälte und Hunger zu schützen, sammelten Samstag die führenden Männer der Bewegung und des öffentlichen Lebens im ganzen Reich zum Tag der nationalen Solidarität. Es steht zu erwarten, daß auch dieses ein gutes wird. Und wo bleibt dieses Geld? Hier die Antwort: Am Montag, den 5. Dezember, erfolgt die Ausgabe der Lebensmittel durch das Winterhilfswerk in der Zeit von 8.30 bis 12 Uhr, von 13 bis 16 Uhr für alle Ortsteile. Taschen und Einschlagspapier sind unbedingt mitzubringen. Im Schulfußball liegen nun die weiteren Ergebnisse unserer beiden Schulen vor. Am letzten Donnerstag spielte die Schule I gegen Saerbeck 6:2, während die Schule II gegen Johannesschule Greven mit 0:4 verlor.

    In der Reihe der Meisterschaftsspiele der Sportvereinigung fährt diese am heutigen Sonntag nach Münster, um gegen die dortige Germania ihr Können unter Beweis zu stellen. Bei etwas Glück dürfte Reckenfeld zu den weiteren Punkten gelangen. Abfahrt 12.30 Uhr ab hier. Unter den Neulingen, die Anfang des Monats ihren Einzug bei unserer Reichsarbeitsdienstabteilung in der Emsdettener Straße hielten, befinden sich auch 19 Arbeitsdienstmänner aus Großdeutschlands jüngstem Gau, dem Sudetenland.

    Sehr wichtig für Eltern, deren Kinder als Lehrling oder Schüler täglich die Eisenbahn benutzen müssen, ist die Änderung der Reichsbahn bezüglich der bisher verausgabten Monatskarten. Ab 01. 01. 1939 gibt es für Schüler und Lehrlinge Schülerwochenkarten. Diese Regelung trägt einmal den wirtschaftlichen Verhältnissen der Eltern Rechnung in dem jedes Mal nur für eine Woche das Fahrgeld bereitgelegt werden braucht, zum anderen ergeben sich bei Ferien usw. immerhin gewisse Ersparnisse.

    Den Anfang der nun beginnenden Nikolausfeiern machten unsere Jungmädel am Donnerstagnachmittag in der Schule I. Vorher hatte jedes Mädel ihr Päckchen abgegeben. Einige passende Lieder umrahmten diese Feierstunde. Nach der Verteilung der Päckchen kam das große Paket, welches Julkopp genannt wird, unter großem Hallo herein. Recht vergnügt ging diese schöne Nikolausfeier zu Ende.

    Kleine Umschau. Zu unserem letzten Bericht über das Fußballspiel der beiden Reckenfelder Schulen ist berichtigend nachzutragen, daß das Spiel unentschieden, 2:1 endete. In unserem Garten wird nun der letzte Kehraus gemacht. Das milde Wetter des Vormonats gestattete den Siedlern, die restlichen abgeernteten Gemüsebeete umzugraben. Offene Tage der nächsten Wochen werden dazu benutzt, beabsichtigte Pflanzungen der Obstbäume vorzunehmen. Auch der Bauer hat seine Hauptarbeit auf dem Felde geleistet. Das Wintergetreide ist gut aufgelaufen und handbreit hoch wiegen sich die zarten Halme im Winde. Beim eintretenden Frostwetter gilt es, einzelne Schläge mit Kunstdünger zu versorgen. Ein Jahr der Arbeit geht zu Ende. An den Herdfeuern läßt es sich jetzt gemütlich plaudern. Im Wald herrscht nun der Jäger. Fast täglich zieht er mit seinem treuen Begleiter hinaus, das Wild zu jagen. Das häufigere Knallen der Büchsen verrät, daß wiederum ein Waidbewohner daran glauben mußte.

    Die Kriegerkameradschaft Reckenfeld veranstaltete am Samstag, dem 8. Dezember und am Sonntag, dem 4. Dezember ab 10 Uhr ein WHW-Preisschießen. Zu diesem Preisschießen ist jeder Volksgenosse herzlichst eingeladen.

    06.12.1938 Reckenfelder Sportbericht. Die Sportvereinigung trat den Weg nach Münster an, um gegen die dortige Germania zum Meisterschaftsspiel anzutreten. Das Spielerglück, welches wir der Sportvereinigung wünschten, hatte sich auch eingestellt. Den Reckenfeldern gelang es, Germania mit 4:2 zu schlagen. Mit diesen Punkten rückten sie eine weitere Stelle in der Tabelle auf. Der Spielverlauf erbrachte schon in der ersten Halbzeit die unbedingte Führung der Spielvereinigung. Das gute Zusammenspiel löste die ersten zwei Tore aus. Kurz vor dem Seitenwechsel kann Germania ebenfalls ein Tor einsenden. Mit 2:1 ging es in die zweite Spielhälfte. Reckenfeld will siegen, und es gelingt, zwei weitere Tore zu buchen. Gegen Spielschluß kann Germania noch einmal einsenden. Der Sieg ist der Spielvereinigung nicht mehr zu nehmen, und mit dem eindeutigen Ergebnis 4:2 für Reckenfeld trennt der Schiedsrichter. Jeder Spieler tat vollauf seine Pflicht. Hervorstechende Leistungen zeigte der Mittelläufer der Sportvereinigung. Um bei den hier ausgetragenen Spielen der Mannschaft die moralische Rückendeckung zu geben, wird die Bevölkerung gebeten, sich zahlreich einzufinden, um auch andererseits die Verbundenheit mit den Sportlern zum Ausdruck zu bringen. Zum Spiel am kommenden Sonntag gegen Tus Albersloh bietet sich schon die nächste Gelegenheit hierzu.

    Ein überaus glänzendes Sammelergebnis. Die Sammlung am "Tage der nationalen Solidarität" erbrachte in Reckenfeld im Vergleiche zum Vorjahre eine Steigerung des Ergebnisses um ca. 300 Prozent! Dieses überaus glänzende Sammelergebnis beweist die Gebefreudigkeit der hiesigen Bevölkerung. Nichts darf verkommen!

    Sonntagvormittag trafen sich die Kaninchenzüchter im Lokal Rickermann zu ihrer Monatsversammlung. Der Vereinsführer Holzenkämpfer konnte zu seiner Freude die zahlreich erschienenen Zuchtfreunde begrüßen. Zunächst machte er Mitteilung, daß die Fahrtkosten zu der Ausstellung in Leipzig mit dem Sonderzug ab Münster 11 Mark betragen, für Übernachtung kommen noch drei Mark hinzu. Die Teilnehmer wollen sich umgehend melden. In längeren Ausführungen sprach der Vereinsführer über die Behandlung und Bewertung der Kaninchenfelle. Er führte u. a. aus, daß durch Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit jährlich in Deutschland Millionenwerte verkommen. Auf allen Lebensgebieten, auch bei der Kaninchenhaltung, ist dieses fast täglich zu beobachten. In der jetzigen Jahreszeit fallen überaus reichlich gute und brauchbare Felle ab. Wie oft kann man beobachten, daß diese achtlos beiseitegelegt, um nach einigen Tagen übelriechend und in Fäulnis übergegangen den Weg auf dem Kompost- oder Müllhaufen finden. Man denkt dabei nicht, daß hier ein Werkstoff vernichtet wird, der vielseitige Verwendung finden kann.

    Schon mit Rücksicht auf den Vierjahresplan und dessen restloses Gelingen ist Aufklärung notwendig. Recht viele kostbare Devisen werden bei ordentlicher Behandlung und Bewertung der Kaninchenfelle gespart. Um diese Erkenntnisse für die überaus vielen Kaninchenhalter Reckenfelds auszuwerten, ist mit sofortiger Wirkung eine Vereinssammelstelle für Kaninchenfelle eingerichtet worden. Diese Sammelstelle ist dem Züchter Franz Bruns, C 42, übertragen. Hier können neben den Mitgliedern auch Nichtmitglieder ihre Felle abgeben. Nach den bei Herrn Br. vorliegenden Mustern kann jede beliebige Art der Verarbeitung pp. gewählt werden. In einem Sammeltransport werden die Felle der Verarbeitungsindustrie in Leipzig zugeführt. Die Kosten sind verhältnismäßig gering. Durch das löbliche Vorgehen des Vereins ist dem Verlust dieses wichtigen Rohstoffes ein Riegel vorgeschoben. Wer eine Verarbeitung eines Felles nicht wünscht, kann dasselbe zu einem guten Preis vergütet bekommen. Recht dankbar nahmen die Zuchtfreunde diese Ausführungen zur Kenntnis. - Dann wurde bekanntgegeben, daß am Sonntag, dem 10. Dezember, um 19 Uhr, im Vereinslokal die Nikolausfeier stattfindet, wozu sämtliche Mitglieder mit Frauen und Kinder eingeladen sind. Die Jahreshauptversammlung ist am ersten Sonntag nächsten Monats. Nach Erledigung weiterer Angelegenheiten wurde die Versammlung im Gedenken an den Führer geschlossen.

    06.12.1938 Vom Winterhilfswerk. Die Betreuten des WHW, welche ihre Kohlenscheine für Dezember noch nicht abgeholt haben, wollen dieselben umgehend in der Geschäftsstelle in Empfang nehmen. Ferner wird darauf hingewiesen, daß auf der Rückseite der Kohlenscheine der Name und die genaue Anschrift des Empfängers in deutlicher Schrift zu schreiben sind.

    09.12.1938 Richtiges Kochen und richtige Haushaltsführung. Eine der wichtigsten Abteilung des Deutschen Frauenwerkes bildet zweifellos der Reichsmütterdienst. Hiermit ist unter der Führung der NS-Frauenschaft ein Erziehungsfaktor geschaffen, der sich zum Besten von Volk und Staat auswirkt. Der Reichsmütterdienst will mit seinen Lehrgängen jeder Frau und jedem Mädel über 18 Jahre Fähigkeiten und Wissen vermitteln, welche diese im eigenen und darüber hinaus im Interesse des Volksganzen unbedingt besitzen müssen.

    Ein immer gern besuchter Lehrgang ist auch der für Kochen und Haushaltsführung. In der Vorwoche begann ein solcher in der NSB-Küche beim Deutschen Haus. Erfreulicherweise meldeten sich Frauen und Mädel recht zahlreich, um ihre Kochkenntnisse zu revidieren und zu bereichern. Schon der erste Abend führte den Anwesenden die mannigfaltigen Fehler, die hier und da von den r gemacht werden, vor Augen. Besonders umfangreich sind die wertvollen Nährstoffe, die in Unkenntnis einer vorsichtigen Zubereitung der Speisen in den Spülstein wandern. Beim Gemüse zum Beispiel bleiben dadurch völlig wertlose Pflanzenfasern zurück. Die Leiterin dieses Lehrganges unterrichtete ihre "Schülerinnen" in klarer und verständlicher Form, wie man es machen und wie man es nicht machen soll.

    Denn kochen kann schließlich jede Hausfrau, hier kommt es aber auf das "wie" des Kochens an. Ferner wird den Teilnehmern begreiflich gemacht, daß zum guten und geschmackvollen Kochen nicht unbedingt immer eine gefüllte Geldbörse gehört, sondern, daß bei richtiger Ausnutzung der jahreszeitlich vorhandenen Nahrungsmittel die Kosten erheblich gesenkt werden können. Diese täglichen Ersparnisse auf den ganzen Monat umgerechnet, machen von Fall zu Fall eine hübsche Summe aus. Oberster Grundsatz dieses Lehrganges ist die gesundheitliche und wirtschaftliche Führung eines Haushaltes. Es gilt, durch sparsame und doch richtige Haushaltsführung sich selbst und der deutschen Volkswirtschaft zu dienen.

    11.12.1938 Umschau in Reckenfeld. Das Deutschtum im Ausland. Ein aufschlussreicher Vortragsabend. Die Mitgliederversammlung der NSDAP-Ortsgruppe am Samstagabend stand im Zeichen unserer auslandsdeutschen Volksgenossen. Ortsgruppenleiter Pg. Peters eröffnete diese mit dem Gruß an den Führer. Nach der feierlichen Übergabe der Mitgliedskarten und -bücher ergriff der Redner des Abends, Pg. Meinl, vom Landesverband Westfalen des BDA das Wort zu seinem Thema: "Das Deutschtum im Ausland".

    Überall in der Welt, so führte der Redner aus, finden wir Deutsche. Diese Volksgenossen in jeder Hinsicht zu betreuen und ihnen die erforderliche Hilfe angedeihen zu lassen, das ist die vornehmste Aufgabe des BDA. Zum besseren Verständnis seiner nachfolgenden Ausführungen und der Stellung unserer Volksgenossen im Ausland, legte der Redner das Werk von G. Bowles, "Die Stärke Englands" zugrunde. Nach der inhaltlichen Erläuterung dieses Buches stellt Bowles heraus, dass die Stärke Englands auf der See liege. Worin, so fragte Pg. Meinl, beruht nun die Stärke des neuen Deutschlands?

    Wir glauben an unser Volk und das ist unsere Stärke! Schwer ist es, sich im Ausland zum Deutschtum zu bekennen, da die öffentliche Meinung in vielen Staaten durch die jüdische Hetzkampagne in verleumderischer Weise dem neuen Deutschland gegenüber ins Gegenteil verkehrt wurde und wird. Der Redner, der selbst Sudetendeutscher ist, konnte dieses aus seinen persönlichen Erlebnissen heraus in anschaulicher Form belegen. Einer näheren Betrachtung an Hand einer Sprachenkarte von Europa unterzog Pg. Meinl die im Osten und Südosten unseres Kontinents lebenden Deutschen.

    Diese Volksgenossen, die wie alle Auslandsdeutschen die Repräsentanten des neuen Deutschland sind, wurden nachweisbar Lehrmeister ihrer Gastvölker. Anschließend stellte er die große geschichtliche Tat des Führers, die Befreiung des Sudetenlandes, heraus und forderte alle Anwesenden auf, die hohen Ziele des BDA durch den Beitritt tatkräftig zu unterstützen. Recht lebhaften Beifall erntete der Redner für seine interessanten Ausführungen. Erfreulicherweise erklärten zahlreiche Anwesende ihren Beitritt zum BDA.

    13.12.1938 Schulungsabend der Ortsgruppe der NSDAP. Morgen, Mittwoch, 14. Dezember, um 20.15 Uhr, findet beim Pg. Rickermann der Schulungsabend statt. Hieran nehmen teil sämtliche Politische Leiter, Walter und Warte der DAF und NSB, die Amtswalterinnen der NS-Frauenschaft sowie die Führer und Führerinnen der Gliederungen. Interessierende Pg. sind ebenfalls eingeladen.

    15.12.1938 "Des Führers Auftrag an die Schulung!" Im Verfolg der monatlichen Schulungsabende versammelten sich die Politischen Leiter, Walter und Warte der Gliederungen Mittwochabend beim Pg. Rickermann. Ortsgruppenleiter Pg. Peters eröffnete den Abend, worauf Organisationsleiter Pg. Rathert bekannt gab, dass am kommenden Sonntag wiederum eine Großschulung in Münster ist. Hierzu wird die Einlasskarte für Dezember dem Kartenblock entnommen, die Novemberkarte bleibt einer späteren Verwendung vorbehalten. Ferner haben sich die Politischen Leiter, Walter und Warte bei längerer Abwesenheit von hier beim Ortsgruppenleiter ab- bzw. bei Rückkehr wieder anzumelden. Die nächste Arbeitsbesprechung der Politischen Leiter findet am Dienstag, dem 20. Dezember 20.15 Uhr, im HJ-Heim statt. Dann ergriff der Schulungsleiter Pg. Kühle-Greven das Wort zum Thema: "Des Führers Auftrag an die Schulung!" In seinen präzise geformten Ausführungen brachte Pg. Kühle die Notwendigkeit der Durchdringung der nationalsozialistischen Weltanschauung auf allen Lebensgebieten klar zum Ausdruck. Reicher Beifall dankte dem Redner für seine lehrreichen Worte. Dann folgte eine Aussprache über verschiedene Punkte des Vortrages. Im Zusammenhang hiermit wies Pg. Peters auf die Bücherei der Ortsgruppe hin. Hier steht jedem Parteigenossen eine Anzahl von Büchern zur Verfügung, die ein wertvolles Schulungsmaterial darstellen. Mit dem Gedenken an den Führer nahm dieser Schulungsabend sein Ende. Zu der Großschulung am kommenden Sonntag in Münster treffen sich die Teilnehmer um 8 Uhr am Bahnhof, Abfahrt 8.17 Uhr.

    22.12.1938 Nun ist Weihnachtszeit, fröhliche Zeit! Mittwochnachmittag war der ersehnte Tag angebrochen, auf den die Kleinen des Kindergartens mit verständlicher Ungeduld gewartet hatten, es war ja "ihre" Weihnachtsfeier. Der stimmungsvoll geschmückte Saal und sonstige Vorbereitungen hierzu, wie beispielweise die vielen selbstgebastelten, mit allerlei Süßigkeiten beklebten Knusperhäuschen lassen unschwer die gewaltige Arbeit erkennen, die die Jugendleiterin Frl. Vahlkampf mit ihren Helferinnen zum Gelingen dieser Feier aufgewandt haben. Ihnen allen zu danken ist das Herzensbedürfnis aller Mütter, deren Kinder diese Einrichtung tagtäglich benutzen.

    So war der ergangenen Einladung recht zahlreich Folge geleistet. Trotz des Schneegestöbers wollten alle dabei sein. "Bald nun ist Weihnachtszeit, fröhliche Zeit" sangen die Kleinen als Einleitung der Weihnachtsfeier. Nach dem Lichterspruch erstrahlte der sinnvoll geschmückte Raum im hellen Glanze des Weihnachtsbaumes. Dann war der Höhepunkt der Erwartung gekommen, der Weihnachtsmann kam unbemerkt herein. Wie strahlten da die Kinderaugen, als dieser gute Mann die schönen Sachen verteilte. Das leckere Knusperhäuschen und die Spielsachen wurden voller Freude in Empfang genommen. Nachdem der Sturm der Freude etwas abgeebbt war, ergriff der ebenfalls anwesende Ortsgruppenleiter der NSDAP, Pg. Peters, das Wort. Er dankte zunächst der Jugendleiterin sowie ihren Helferinnen für ihre segensreiche Arbeit.
    22.12.1938 Wochensplitter. Aus dem Schulleben ist zu berichten, daß Fräulein Heitkamp ihre zweite Prüfung mit "Gut" bestanden hat. Hierzu den herzlichsten Glückwunsch der Elternschaft.

    Am Mittwoch, den 21. Dezember, erhalten die Schulkinder ihre Weihnachtsferien, die bis zum 5. Januar 1939 dauern.

    Der Straßenbau in Reckenfeld hat, begünstigt durch das verhältnismäßig gute Wetter der letzten Wochen, die besten Fortschritte gemacht. Die Straßen Schule 2 - Dorfplatz - Gauschule sind nun bis auf die letzte Decke aus Teer und Splitt fertiggestellt. Damit sind dann die Hauptstraßen endlich in Ordnung gebracht und der Siedlungsgesellschaft Münster-Land gebührt an dieser Stelle der Dank aller Reckenfelder für dieses Weihnachtsgeschenk.

    Im Sportbetrieb steigt am heutigen Sonntag das Meisterschaftsspiel der Sportvereinigung gegen den BV Drensteinfurt auf dem Sportplatz bei Leising. Den Reckenfeldern wird es schwer fallen, diesen Gegner zu besiegen. In der letzten Zeit überraschte die Sportvereinigung in dieser Hinsicht, vielleicht ist heute wieder das Glück bei ihnen. Es wäre ein glänzender Abschluß des alten Jahres.

    Der Organisationsleiter gibt bekannt, daß die Arbeitsbesprechung der Politischen Leiter der Ortsgruppe am Montag, den 19. Dezember, um 20.30 Uhr, im HJ-Heim stattfindet, nicht wie bereits gemeldet, am 20. Dezember.

    Hitlerjugend im Großeinsatz gegen Hunger und Kälte ist das Gepräge der beiden letzten Tage. Kein Reckenfelder ohne eine von der HJ angebotenen Monatsfigur.

    Dienstag, den 20. Dezember, findet die Lebensmittelausgabe des Winterhilfswerkes statt in der Zeit von 9 bis 12 und von 13 bis 16 Uhr. Dieser Termin ist unbedingt einzuhalten.
    22.12.1938 Vorweihnachtliche Zeit unserer Mütter. Es ist schon eine Selbstverständlichkeit geworden, daß der Bund Deutscher Mädel jede Gelegenheit wahrnimmt, um Veranstaltungen der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes zu verschönern und das Programm reichhaltiger zu gestalten. So hatte der Bund Deutscher Mädel am gestrigen Sonntag alle Mütter Reckenfelds zu einer Vorweihnachtsfeier im Deutschen Haus eingeladen. Recht zahlreich waren dann auch die Mütter trotz der herrschenden Kälte dieser Einladung gefolgt. Die Führerin der BDM, Denneborg, begrüßte die Erschienenen und wünschte allen einen fröhlichen und gemütlichen Nachmittag. Anschließend rollte das reichhaltige Programm, welches aus sinnigen Liedern, Sprüchen und Stegreifspielen bestand, ab. In der Pause ließen sich die Mütter an den weiß und mit Tannengrün gedeckten Tischen den Kaffee und Kuchen recht gut schmecken. Zu schnell verliefen die gemütlichen Stunden. Am Schluß wünschte die Frauenschaftlerin Pgn. Frau Rathert ihren Frauen ein frohes und glückliches Weihnachtsfest. Der Gruß an den Führer und die Nationallieder beendeten die Adventsfeier.
    23.12.1938 An der deutschen Schicksalsgemeinschaft. Die Mitglieder der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerkes versammelten sich zu ihrer Monatsversammlung im Deutschen Haus. Die Frauenschaftlerin Pgn. Frau Rathert konnte neben den sehr zahlreich Erschienenen als Rednerin des Abends Pgn. Etterich-Münster und die nach hier versetzte NS-Schwester Thea begrüßen. Nach einem stillen Gedenken an den in Paris ermordeten Gesandtschaftsrates von Rath erstattete Pgn. Rathert den Rechenschaftsbericht ihrer Ortsgruppe. Hiernach ergab sich ein sehr erfreuliches Ergebnis für das sudetendeutsche Hilfswerk. Anschließend unterrichtete Frau Rathert die Anwesenden über die Verbrauchsenkung in der Haushaltsführung der kommenden Monate. Sehr interessant gestaltete sich die Schilderung der Reiseeindrücke bei der Begleitung der Sudentendeutschen in ihre Heimat. Nach einigen gemeinschaftlich gesungenen Liedern ergriff Pgn. Etterich das Wort. Sie führte u. a. aus: Das Wesen der Volksgemeinschaft bildet die Hauptaufgabe der nationalsozialistischen Bewegung. Zum besseren Verständnis hierfür schilderte die Rednerin kurz die zerrütteten Zustände vor der Machtergreifung und die Gegner der Volksgemeinschaft. Sie forderte alle Frauen auf mitzuarbeiten an der deutschen Schicksalsgemeinschaft. Wir wollen - so schloß Pgn. Etterich - mitarbeiten am großdeutschen Reich, damit unsere Kinder in eine glückliche Zukunft gehen. - Reichen Beifall erntete die Rednerin für ihre interessanten und verständlichen Ausführungen. Die Führerehrung beschloß die Versammlung, die bei allen Teilnehmerinnen einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.

    22.12.1938 Sonnenwend- und Weihnachtsfeier der Reichsarbeitsdienstabteilung 5/163. Wochen sind nun vergangen, da ein neuer Jahrgang Einzug hielt in die Reichsarbeitsdienstläger. Während dieser Zeit taten sie ihre Pflicht, jeder auf seinem Posten, und nun zum Weihnachtsfest kehren sie für einige Tage zurück ins Elternhaus. Vorher sollten nun die jungen Arbeitsdienstmänner die Sonnenwend- und Weihnachtsfeier im Kameradenkreise verleben. Mit diesen Feiern setzen die Männer des Spatens die Pflege eines uralten germanischen Brauchtums fort, wie sie es in der Hitlerjugend schon frühzeitig lernen.

    Zu der Sonnenwendfeier der Reichsarbeitsdienstabteilung 5/163 hatten die Arbeitsdienstmänner auf dem Sportplatz bei Leising einen großen Holzstoß errichtet. Gegen 21 Uhr rückte die Abteilung dort ein und nahm Aufstellung. Aus der Ferne ertönte: "Flamme empor!", von einem Hornisten geblasen. Mit einem Feuerspruch wurde der Holzstoß angezündet und der scharfe Ostwind ließ die Flammen gegen die sternenklare Nacht aufsteigen. Mit passenden Worten des Abteilungsführers Oberfeldmeister Jungjohann klang diese Feier im Gedenken an den Führer aus.

    Anschließend kehrten die Arbeitmänner zur Abteilung zurück, wo im Gemeinschaftsraume der brennende Tannenbaum den Beginn der Weihnachtsfeier verkündete. Bald klingen die ersten Weihnachtslieder durch den Raum, begleitet von der Hauskapelle. Recht stimmungsvoll wurde hierauf das Gedicht "Weihnachten" von einem Kameraden vorgetragen. Dann sprach der Abteilungsführer, Oberfeldmeister Jungjohann, zu seinen Kameraden und forderte sie auf, das Vaterland immer die Treue zu halten und sich stets des geleisteten Eides bewußt zu sein als Ausdruck des Dankes für unseren Führer. Nun war der Moment gekommen, auf den die jungen Männer sehnlichst gewartet hatten, auf den Einzug des mit Geschenken beladenen Weihnachtsmannes. Sehr reichlich waren die Gaben, die er jedem Einzelnen überreichte und die mit freudestrahlenden Gesichtern quittiert wurden. Die Hauskapelle verschönerte den Abend durch ihre musikalischen Vorträge. Auch der Magen sollte nicht zu kurz kommen, denn Kaffee und Kuchen wurden nun aufgetragen. So ging auch diese Feier ihrem Ende zu, die allen Teilnehmern unvergessen bleibt und die in echtem Kameradschaftsgeist durchgeführt wurde.
    23.12.1938 Nun ist Weihnachtszeit, fröhliche Zeit! Mittwochnachmittag war der ersehnte Tag angebrochen, auf den die Kleinen des Kindergartens mit verständlicher Ungeduld gewartet hatten, es war ja "ihre" Weihnachtsfeier. Der stimmungsvoll geschmückte Saal und sonstige Vorbereitungen hierzu, wie beispielweise die vielen selbstgebastelten, mit allerlei Süßigkeiten beklebten Knusperhäuschen lassen unschwer die gewaltige Arbeit erkennen, die die Jugendleiterin Frl. Vahlkampf mit ihren Helferinnen zum Gelingen dieser Feier aufgewandt haben. Ihnen allen zu danken ist das Herzensbedürfnis aller Mütter, deren Kinder diese Einrichtung tagtäglich benutzen.

    So war der ergangenen Einladung recht zahlreich Folge geleistet. Trotz des Schneegestöbers wollten alle dabei sein. "Bald nun ist Weihnachtszeit, fröhliche Zeit" sangen die Kleinen als Einleitung der Weihnachtsfeier. Nach dem Lichterspruch erstrahlte der sinnvoll geschmückte Raum im hellen Glanze des Weihnachtsbaumes. Dann war der Höhepunkt der Erwartung gekommen, der Weihnachtsmann kam unbemerkt herein. Wie strahlten da die Kinderaugen, als dieser gute Mann die schönen Sachen verteilte. Das leckere Knusperhäuschen und die Spielsachen wurden voller Freude in Empfang genommen. Nachdem der Sturm der Freude etwas abgeebbt war, ergriff der ebenfalls anwesende Ortsgruppenleiter der NSDAP, Pg. Peters, das Wort. Er dankte zunächst der Jugendleiterin sowie ihren Helferinnen für ihre segensreiche Arbeit.

    23.12.1938 Winter und Weihnachten in Reckenfeld. Nun hat auch der Winter seinen Einzug in Reckenfeld gehalten. Nach den milden Tagen Ende November und Anfang dieses Monats fegte zuerst ein starker Ostwind übers Land, jedes Wässerlein mit einer Eisdecke überziehend. Anfang der Woche trat Frau Holle in Tätigkeit, alles weiß verhüllend. Der reichliche Schneefall der letzten Tage wird leidlich von der Jugend ausgenutzt; da es nun Ferien gegeben hat, ist Freizeit genügend vorhanden. Unangenehm ist allerdings diese Wetterlage für denjenigen, der beruflich nach Greven oder Münster fahren muß. Das gebräuchlichste Verkehrsmittel hier, das Fahrrad, ist bei weiteren Schneefällen nicht mehr verwendbar. Auch mit der Eisenbahn zu fahren ist umständlich, da Verspätungen von einer Stunde keine Seltenheit sind.

    Weitere Sorgen bereitete die starke Kälte vielen Siedlern, die sich nicht rechtzeitig darauf einstellten. Die Pumpen an den Brunnen dürften wohl restlos eingefroren sein, ebenso vorhandene Wasserleitungen und Heizungen. Vielfach hilft jetzt der offene "Pütt". Bei dieser Kälte und diesem Schneefall wollen gerade wir in Reckenfeld an unsere gefiederten Freunde und Helfer denken. Streuen wir ihnen täglich etwas Futter an einer geschützten Stelle, sie danken uns im Frühjahr mit ihrem Gesang und eifriger Ungeziefervertilgung. Mit dem Fest der Volksweihnacht am 23. Dezember finden die Weihnachtsfeste außerhalb des Hauses ihren Abschluß. Am Heiligen Abend und an den Weihnachtstagen versammeln sich die Familienangehörigen um den Weihnachtsbaum, Freude gebend und auch Freude nehmend. Gerade das Weihnachtsfest ist das schönste Fest, weil es Freude und Frieden spendet.

    1939 und die folgenden Jahre des Zweiten Weltkrieges - hier einige Reckenfelder Fotos aus dieser Zeit

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    1939: Beleg der Musterung 1939: Jetzt geht es ab in den Krieg! 1940er: Reckenf. Soldaten fahren 3. Klasse 1940er: Reckenfelder Schulkinder
    1943: Familie Fleuth 1940er: NS-Kindergarten (Gauschule) 1940er: Gruß der Eltern an das Kindergartenkind Juliane 1940er:Bahnhofsgebäude mit Gästen
    Aug. 1940: Bombentrichter Dicke Buchen 1940er: Zwei Mädchen von Czekalla 1940: Konfirmation mit Rohmann, Hesse, Mans, Schulz + Rech 1840: Block A und zwei kleine Mädchen
    1940: Sturzkarre mit Willi Hofmann 1940er: Soldatengrab Willi Niehoff in Russland 1940er: Eine junge Familie im Ort 1941: Deutsches Haus innen
    1941: Postkarte Deutsches Haus 1941: Schuppen D 49 wird neu geplant 1942: "Im Namen des Führers..." 1942: "Im Namen des Führers2..."
    1942: Entlassungsschein1 Czekalla 1942: Entlassungsschein1 Czekalla 1942: Feldpostkarte 1942: Reckenfeld Kommunionkinder
    1942: Kriegsopferversorgung 1 1942: Kriegsopferversorgung 2 1942: In D brennt die Baracke von Bäumer ab 1943: Die Kneipengäste sind immer dieselben?
    1943: Beerdigung Friedhof, Bahnhofstr. Zech 1943: Beerdigung Friedhof, Bahnhofstr. Zech 1943: Briefumschlag Adresse Reckenfeld 1943: Feldpost nach Reckenfeld
    1943: Zeugnis-Ruf des Vaterlandes 1943: Zeugnis Buschkühl 1943: Kinder auf Grevener Straße 1943: Auf der Kanalstraße - Richtung Grevener Straße
    1943: Weihnachten bei Fam. Hock 1943: Ein Camp in England 1943: Personalausweis Buschkühl 1943: Franziskus-Glocken für Kanonen
    1944: Stöbis - Hochzeit in Uniform 1944: Personalausweis Büschkühl 1944: Weihnachtsgrüße aus Russland 1944: Hubert Thiemann als Soldat
    1945: Erstkommunion Jungen 1945: Erstkommunion Mädchen 1945: Lebensmittelkarte 194: Osterfeuer in Nähe der St.Fr.-Kirche
    1945: Kapelle Runge am Osterfeuer 1945: Gerichtssache Schmitz-Kleine 1945: DPs ziehen in Reckenfeld ein. Die Bewohner müssen für sich Unterkünfte schaffen 1945: Kriegsgefangenenpost aus Jugoslawien


    Anmerkungen zu den oben stehenden Texten über das Tun und Wirken der Reckenfelder Nazis in der Zeit von 1934 bis 1938):

    Der Autor dieser Website hat nur einen kleineren Teil der Reckenfelder Nazis gekannt. Der Grund: weil er a) erst ab 1946 wieder in Reckenfeld wohnte und weil b) er noch viel zu jung war, um mit Aussagen seiner Eltern und von anderen Erwachsenen die Lage auch nicht verstand. "Der war auch ein Nazi, und der und der, wollen aber heute nichts mehr davon wissen", war ein Satz, den ich damals hörte und den ich auch noch heute in Erinnerung habe - auch die Personen dazu. Über einen anderen Reckenfelder: "...er mußte sich in den späteren 1940er bzw. frühen 1950er Jahren der 'Entnazifizierungs-Kommission' stellen."

    Wie das letzten Endes und im weiteren Verlauf war, kann ich also kaum beurteilen. Also musste ich in zwei Archiven nachfragen, ob dort entsprechende Unterlagen archiviert sind und waren.

    In einem Fall habe ich von der betreffenden Familie einen Entnazifizierungbeleg erhalten, der auch hier in zwei Ausschnitten veröffentlich wird.


    Entnazifizierung von Personen - ein Bericht der Zeitung "WELT"

    Allgemeines: … Deutlicher als Michael Thomas wurde sein australischer Kamerad Osmar White: "Es widerte mich an, wenn ich hörte, wie Menschen, die einst aus Hitler einen Gott und aus seinen Worten eine Religion gemacht hatten, ihn nun verleugneten." Was Thomas, White und zahlreiche andere Vertreter der westlichen Siegermächte nach ihrem Einmarsch in Deutschland feststellten, steigerte sich bald: Im Zuge der Entnazifizierung fanden ab 1946 mehrere Millionen Verfahren vor Laiengerichten statt, sogenannten Spruchkammern. Hier mussten sich viele ehemalige NSDAP-Mitglieder verantworten, und um sich zu verteidigen, griffen die ehemaligen "Parteigenossen" (abgekürzt: "Pg.") zur Strategie der reinen Lüge.

    Bisher konnte man die Zahl der Falschaussagen nur gestützt auf ein paar Dutzend prominente, gut dokumentierte. Einzelfälle gewissermaßen hochrechnen. Dank des Mainzer Politikwissenschaftlers Jürgen W. Falter hat sich das jetzt geändert. Im neuen Sammelband über "Beitrittsmotive und Entlastungsstrategien von NSDAP-Mitglied" ein (Campus, 554 S., 45 Euro) vergleichen seine Mitarbeiter und er Selbstzeugnisse 'von' "Pg." aus der Zeit vor 1937 mit den Angaben derselben. Personen in ihren Verfahren ab 1946/47.

    Angesichts der Gesamtzahl von fast 8,8 Millionen Mitgliedern der Partei Hitlers - nicht gerechnet all die Nebenorganisationen wie SA, SS, NS-Kraftfahrerkorps, Deutsche Arbeitsfront und viele weitere - kann das keine im sozialwissenschaftlichen Sinne repräsentative Stichprobe sein; eine Grundlage für eine qualitative Auswertung ist es allemal. Bei immerhin 360 dieser Personen ist der Vergleich von Selbstdarstellungen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg möglich. Denn in zwei Archivbeständen, der Abel-Collection von 1934 und der Gimbel-Sammlung von 1936/37, haben sich 1084 Schilderungen von "Pg." erhalten, wie sie "den Weg zum Führer fanden", und zu einem Drittel davon konnte Falters Projektteam trotz der Beschränkungen in der Pandemie in Archiven die Akten aus Entnazifizierungsverfahren recherchieren. Die Gegenüberstellung ermöglicht wie Falters Mitarbeiter Jan Rosensprung darlegt, interessante Einsichten.

    Tatsächlich logen die meisten der alten Hitler-Anhänger bei der Entnazifizierung; erstaunlich ist, wie dreist, sie waren. Die US-Besatzungsbehörden hatten Anfang 1946 bekannt gegeben, dass sie über die NSDAP-Kartei verfügten und Falschangaben hart bestraft würden. Die Mitgliedschaft zu leugnen wäre also riskant geworden.

    Aussicht auf völlige Entlastung hatten ehemalige Parteigenossen kaum. Deshalb wollten sie ihre Mitwirkung so klein reden wie möglich. Gelogen wurde zum Beispiel über das Datum des Parteieintritts, über Zwänge als Grund und über die eigene Aktivität. Es machte einen Unterschied, ob jemand zu den frühesten Nazis gehört hatte, also vor dem Putschversuch 1923 (Anm.: Das träfe für Reckenfelder nicht zu) beigetreten war, oder 1927 (Anm.: Das träfe für Reckenfelder nur bedingt zu), als die NSDAP eine Splitterpartei und die wirtschaftliche Lage relativ gut war, oder im Frühjahr 1933, als so viele Opportunisten in die Bewegung drängten, dass eine Aufnahmesperre verhängt wurde. Im Detail überprüfen konnten die Laienrichter der Spruchkammern die Aussagen meist nicht - eine systematische Analyse jedes Einzelfalls über den Namen hinaus war damals unmöglich. Das Risiko aufzufliegen schien vielen wohl überschaubar.

    Beispiele:

    • Ein Oberpostsekretär mit dem Pseudonym Julius Gerhard - alle Namen sind im Buch verändert, Falters Team geht es um Muster, nicht um Individuen - datierte seinen NSDAP-Beitritt von Dezember 1922 auf 1926 um und behauptete, sein Eintritt sei "nicht freiwillig" erfolgt. Niemand fragte nach, wer ihn denn Mitte der 1920er Jahre habe, einer extremistischen Splitterpartei beizutreten.

    • Gerhards Postkollege Armin Botz behauptete vor der Spruchkammer, er habe 1927 als "Idealist" die Mitgliedschaft beantragt, und nicht, um sich einen "persönlichen Vorteil" zu verschaffen. Im Beitrag für die Gimbel-Sammlung aber schrieb er, dass er im April 1923 zur Hitler-Bewegung gestoßen sei, und schimpfte auf "jüdische Quertreiber".

    • Der Landwirt Dieter Wurstmann behauptete in der Entnazifizierung 1947, er habe "vor 1933 niemanden für die Partei geworben". 1937 hatte er das Gegenteil zu Papier gebracht, als er über eine Situation im Jahr i927 schrieb: "Schon einige Tage später konnte ich fünf Kameraden in die Partei". So etwas konnte den Unterschied beim Urteil machen. Wurstmann sah sich selbst als "minderbelastet, wurde aber als "belastet" eingestuft mit Tendenz zum "Hauptschuldigen".

    • Der Heizer Wilhelm Decker ließ seinen Anwalt der zuständigen Spruchkammer schriftlich versichern, sein Mandant sei "ein Gegner jeder gewaltsamen Auseinandersetzung" gewesen. Im Dritten Reich hatte das noch ganz anders geklungen: "Wir SA-Männer gingen kurzerhand zum Angriff über". Ihre Gegner wurden jämmerlich verdroschen".

    • Der Beamte Jakob Seegfeld behauptete nach dem Krieg, seine Stelle" sei 1924 "abgebaut" worden und er nur "aufgrund meiner schlechten wirtschaftlichen Lage" 1927 in die NSDAP eingetreten. Tatsächlich gehörte er der braunen Bewegung seit 1923 an, wurde deswegen 1925 in den Ruhestand versetzt und hatte "somit Zeit und Grund" mich örtlich für die NS-Bewegung einzusetzen.

    • Wohl niemand aber verdrehte die Wirklichkeit unverschämter als Aloys Bender. Er hatte 1926 am Parteitag der NSDAP teilgenommen und berichtete 1937 "Das erste Mal den Führer sehen und sprechen hören! Noch heute klingt mir klingt mir im Stadttheater Weimar in den Ohren, und da das sichere Bewußtsein: Hier spricht ein Auserwählter zu uns!" Zehn Jahre später verkündet dieser Mann dann allen Ernstes vor der Spruchkammer: "Ich war ein weltanschaulich ein scharfer Gegner des Nationalsozialismus: einerseits der Verhimmelung des Menschen Hitler, auf der anderen Seite die Herabwürdigung der Frau zur Brutmaschine und die Vernichtung aller persönlichen Freiheit."

    Folgende Texte aus dem StaG und aus Privatbeständen liegen vor:

    Person Entscheidung der Prüfungskommission über die betreffende Person
    Fritz Peters (Bürgermeister in Greven l.d.E.), Bahnhofstraße 34 Als die Amtsverwaltung Greven wird im Oktober 1949 von der Entnazifizierungsbehörde aufgefordert wird, über den früheren Bürgermeister Peters eine Beurteilung abzugeben, schreibt Stadtdirektor Dr. Leo Drost, dass er erst seit kurzer Zeit im Amt ist und somit eine Beurteilung für ihn nicht infrage kommt. Peters, der zu dieser Zeit in Herbern lebt, lehnt das über ihn gefasste Urteil ab und legte Berufung ein. Der Entnazifizierungs-Berufungsausschuss bei der Regierung Münster verfügte, dass Peters nach Kategorie IV eingereiht wird und keine Vermögenssperre eingetragen wird und dass ihm keine Beschäftigungsbeschränkungen auferlegt werden.

    Die Geschäftsstelle des Entnazifizierungs-Berufungsausschusses bei der Regierung Münster verfügt am 16.12.1949 über Fritz Peters: Einreihungsbescheid (Nach Berufung) Kategorien III und IV) vom 5.12.1949: "An Fritz Peters (geboren 5.4.1878) - Reckenfeld b. Münster - früher Bürgermeister. Hiermit werden Sie davon in Kenntnis gesetzt, dass Sie nach Anhörung Ihrer Berufung gegen Ihre Entfernung/Ausschließung/Einreihung durch den deutschen Überprüfungsausschuss bei der Regierung Münster in die Kategorie IV der Militärregierung eingereiht werden und Ihnen die nachstehenden Beschäftigungsbeschränkungen auferlegt worden sind: Vermögenssperre? (nicht gut lesbar). Erläuterung: bei Personen in Kategorie IV ist an dieser Stelle anzugeben, ob Eigentum und Konten zu sperren sind; Beschäftigungsbeschränkungen bestehen nicht. Unterschrift

    Hans Sander, Malermeister, C 91 Nach Kategorie IV (Mitläufer) eingestuft.
    Wilhelm Schlüter, Händler, C 71

    Ein "Entlastungs-Zeugnis" wird ihm von der Behörde ausgestellt-

    Bund Deutscher Mädel (BDM) - Jungvolk - Jungmädelschaft in Reckenfeld

    (Aus Wikipedia: Der Bund Deutscher Mädel (BDM) war in der Zeit des Nationalsozialismus der weibliche Zweig der Hitlerjugend (HJ). Darin waren im Sinne der totalitären Ziele des NS-Regimes die Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren organisiert. Außerdem gab es in der Hitlerjugend den Jungmädelbund (JM) für 10 - bis 14-jährige Mädchen.)

    03.05.1934 Schon am frühen Morgen konnte man sehen, wie die Reckenfelder Jugend (BDM und Jungvolk) geschlossen zur Kirche ging. Nach dem Gottesdienst zog man geschlossen zum RAD-Lager (Foto), wo nach einer kurzen Ansprache des Lehrers Heßling die Übertragung aus Berlin erfolgte. Hiernach tanzte die Jugend um den Maibaum. Die Mädel des BdM führten einige Reigen auf, die reichen Beifall fanden. Geschlossen trat die Reckenfelder Jugend alsdann den Heimweg an.

    Ein Festzug, wie ihn Reckenfeld noch niemals gesehen hat, bewegte sich kurz nach Mittag durch die Straßen. Schön waren die mit vieler Mühe aufgebauten Maiwagen. Um 8.30 Uhr fand im Saale Rickermann eine Wiederholung des Theaterstückes "Das neue Deutschland" (aufgeführt vom BDM) statt. Danach war in allen Lokalen deutscher Tanz. - BDM-Dienstkleidung >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>
    03.10.1936 Zum Erntedankfest findet in Reckenfeld vormittags 11 Uhr eine Erntedankfeier auf dem Dorfplatz statt. Daselbst werden Lieder und Gedichte vorgetragen und vom BDM und dem Jungvolk werden Volkstänze aufgeführt. Ein Festzug findet in diesem Jahre nicht statt. Alle Bewohner von Reckenfeld werden zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen. Es wird erwartet, dass alle Häuser festlich beflaggt werden. Nachmittags finden ab 5 Uhr in allen Lokalen Volkstänze statt.

    04.10.1937 Erntedankfest auf dem Dorfplatz. Sonntagmorgen 11 Uhr fand auf dem mit einem Erntekranz geschmückten Dorfplatz die Erntedankfeier statt. An dieser Feier nahmen HJ, BDM, und Jungvolk sowie zahlreiche Volksgenossen teil. Die dargebrachten Lieder, Tänze und Gedichte stellten die Erntefreude und Bedeutung des Erntefestes heraus. Der Fähnleinführer sprach zu der Jugend über die Bedeutung der deutschen Erntedankfeiern. Mit einem Dank- und Treuegelöbnis an den Führer wurde die eindrucksvolle Feier geschlossen.

    26.10.1937 Beim letzten Dienstabend des BDM in der katholischen Schule gab Frl. Gustel Rautenberg einen umfassenden Bericht über das Erlebnis im Umschulungslager und im Landjahr. In interessanten und verständlichen Ausführungen schilderte Frl. Rautenberg das Leben und Treiben im Umschulungsheim Alverdissen. Wie planvoll und geregelt es dort zugehe, beweist allein schon der Tagesverlauf. Angefangen beim Wecken, Bettenbauen, Frühsport, Flaggenparade zum Frühstück.

    (Aus Wikipedia - Anm.: Eine Flaggenparade ist das feierliche Hissen bzw. Niederholen einer Flagge im Rahmen eines militärischen Zeremoniells.)

    Junge Reckenfelderinnen, die im BDM organisiert waren. >>>>>>>>>>>>>

    Dann geht es zu den einzelnen Bauern, um im Haushalt, Garten und auf dem Felde zu arbeiten. Viel Freude bereiten auch nach getaner Arbeit die Unterhaltungsabende beim Herdfeuer. Zur Abwechslung finden noch besondere Heim-, Turn- oder Spielabende statt. Den Abschluss des Tages bildet die Einholung der Flagge mit dem Liede: "Wir holen die Fahne nieder, sie geht mit uns zur Ruh'!"

    Nach achtwöchiger Umschulung haben die Mädel das Rüstzeug, um in dem nun folgenden Landjahr ihre erworbenen Kenntnisse praktisch zu erproben.

    Unvergesslich und zu schnell verliefen die Tage und Stunden, wo wir vom BDM auch unseren Beitrag leisten durften zum Besten unseres Volkes und alles für unseren geliebten Führer.

    (Anm.: In einer Mail-Anfrage im März 2019 war von einem "Umschulungsheim" in Alverdissen nichts gekannt.)

    09.12.1937 Adventsfeier der BDM. Die gestern Nachmittag im festlich geschmückten Kinderheim stattgefundene Adventsfeier des BDM stand ganz im Zeichen von St. Nikolaus. Die Leiterin, Frl. Denneborg, freute sich offensichtlich, dass ihre Mädchen so zahlreich erschienen waren. Die Feier begann mit den gemeinschaftlich gesungenen Weihnachtsliedern mit Begleitung einer Waldzither.

    Zur Belustigung aller las dann Fräulein Denneborg das Märchen von Frau Holle vor. Dann erschien plötzlich St. Nikolaus und Knecht Ruprecht und wurden mit lauter Freude von den Mädchen begrüßt. Aus seinem ihm stets begleitenden Notizbuch verlas der Nikolaus unter Äh's und Ah's die guten und schlechten Taten der Mädchen. An die Jüngsten richtete er die Frage: Warum sie BDM-Mädel seien. Die Antwort lautete: um den Führer zu helfen. Dann durfte jede in den Sack mit Süßigkeiten fassen und schmunzelnd quittieren die Mädchen die Gaben. Der Nikolaus bat dann noch, es möchten sich doch alle und pünktlich zu den Übungsstunden jeden Mittwochnachmittag im BDM-Heim einfinden. Dieses wurde ihm einstimmig versprochen. Ein Nikolauslied war der Dank für die Gabenpakete, die nun ausgeteilt wurden.

    (Anm.: Aus Wikipedia: Die Waldzither ist ein Zupfinstrument aus der Familie der Cistern, das etwa um 1900 in Thüringen aufkam. Sie ist trotz ihres Namens keine Zither, sondern gehört vielmehr, wie alle Cistern, zu den Kastenhalslauten.)
    14.12.1937 Mittwochnachmittag 16 Uhr haben die Mädel im BDM-Heim ihre Übungsstunde. Die Führerin, Frl. Denneborg erwartet, dass alle restlos und pünktlich zur Stelle sind.

    20.12.1937 Ernst und Freude im BDM. Die Mädel im BDM fanden sich an ihrem diesjährigen letzten Heimabend zu einer Feierstunde unter dem Lichterkranz zusammen. Die Führerin sprach zu den Mädeln von den gewaltigen Aufgaben der NSB. Zwischendurch las sie kleine Erlebnisschilderungen vor, die besonders geeignet waren, das Verständnis für das große Hilfswerk zu wecken. Als dann die NSB-Schwester um die Hilfe der Mädel beim Nähen von Säuglings- und Kleinkinderwäsche bat, erklärten sich alle freudig zur Mitarbeit bereit. Nun wird nach den Weihnachtsferien ein eifriges Arbeiten einsetzen, zumal dem BDM endlich ein geeigneter Raum zur Verfügung steht im Deutschen Haus. Der zweite Teil des Abends brachte recht freudige Überraschungen. Es wurden Paketchen ausgetauscht mit mancherlei schönen selbstgebastelten Dingen. Selbstverfasste lustige Verse trugen wesentlich zur gemütlichen Stimmung bei. An allem ließ sich feststellen, wie genau man sich gegenseitig kennen gelernt hatte und wie wohl sich alle Mädel in der Kameradschaft des BDM fühlen. Noch lange saßen sie, frohe Lieder singend, um den Adventskranz.

    19.01.1938 BDM-Heimabend. Nach Ablauf des von der Reichsjugendführung angesetzten Gesundheitsurlaubes findet heute der erste Heimabend des BDM im neuen Jahre statt. Die Führerin erwartet, dass alle Mädel pünktlich zur Stelle sind.

    14.02.1938 Achtung, BDM und Jungmädel. Der Termin für die Zusammenkunft des BDM und der Jungmädel, die Ostern aus der Schule entlassen werden, ist auf Dienstag, den 15. Februar, 20 Uhr, verlegt. Es wird erwartet, dass alle Mädel pünktlich zur Stelle sind, da die Untergauführerinnen um 21 Uhr schon wieder in Greven sein müssen.

    17.02.1938 Heimatabend des BDM. Dienstagabend fand der Heimatabend des BDM statt. Hierzu waren auch die Jungmädel, die am 20. April, dem Geburtstag des Führers, in den BDM überwiesen werden, eingeladen. An diesem ersten gemeinschaftlichen Heimatabend nahmen auch die Mädel- und JM-Untergauführerinnen teil. Mädel-Untergauführerin Friedel Höffer sprach über die Aufgaben des BDM, über die Wichtigkeit der weltanschaulichen und sportlichen Schulung der Mädel und über die Bedeutung der Pflege der Kameradschaft innerhalb des Bundes.

    JM-Untergauführerin Wilhelmine Hagemense brachte ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass alle 14 jährigen Jungmädel geschlossen in den BDM übergehen und wünschte, dass sie mit dem gleichen Eifer, mit dem sie den Dienst in der Jungmädelschaft getan hätten, nun auch an die größeren Aufgaben, die im BDM von ihnen gefordert würden, herangingen. Recht eifrig folgten die Mädel und Jungmädel den Ausführungen der Untergauführerinnen. Im Gedenken an den Führer nahm dieser Heimatabend sein Ende.

    22.03.1938 Morgen, Mittwoch, Anmeldung zum Jungvolk und Jungmädelschaft. Der Fähnleinführer und die JM-Gruppenführerin geben bekannt, dass morgen, Mittwoch, den 23. März, auf dem Schulplatz der (kath.) Schule 1 die Anmeldung des Jahrganges 1927/28 stattfindet und zwar melden sich die Jungen um 15 Uhr, die Mädel um 15.30 Uhr.

    12.07.1938 Deutsche Jungen und Mädel erleben das Reich. Alljährlich kommen Jungen und Mädel von jenseits der Grenzen zu uns, um das neue Deutschland, das Werk des Führers zu sehen. Wieviel tragödienreiche Erlebnisse brachte ihnen das Leben und nur darum, weil sie Deutsche waren und bleiben wollen. Nicht vergessen soll werden, mit welcher Systematik auch gerade die Auslandspresse versucht, das Bild unseres heutigen Vaterlandes in den Augen unserer Auslandsdeutschen bis zur Unkenntlichkeit zu verwischen.

    Wie wir bereits in der Sonntagsausgabe berichteten, sind 67 Jungen und Mädel aus Ostoberschlesien (Polen) in der Gauschule für die Dauer von sechs Wochen eingekehrt. Da unsere Gäste seit dem 4. d. J. in Deutschland weilen, baten wir den Jugendleiter um die Eindrücke seiner Schützlinge im neuen Deutschland.

    "Am Montag, dem 4. Juni, ging aus Ostoberschlesien der dritte Kindertransport mit diesmal nur 750 Kindern ins Reich und zwar hauptsächlich nach Westfalen. Während im Vorjahre 3500 Kinder aus Ostoberschlesien einen Ferienaufenthalt im Reich verbringen konnten, waren es in diesem Jahre nur 1250, da der polnische Staat leider keine weiteren Pässe zur Verfügung stellte. An der Grenzstation Beuthen erreichten die Kinder zuerst deutschen Boden, hier blieben sie mehrere Wochen. Der größte Teil der Kinder wurde dann in Westfalen bei Familien untergebracht, eine weitere Gruppe von 14 bis 17jährigen Jungen und Mädeln ist hier in Reckenfeld zu einem 6 Wochen dauernden Erholungslager in der Gauschule der NSB zusammengefasst worden. Nach einer herrlichen Fahrt durch unsere Gaue, bestens verpflegt, trafen unsere Gäste am Dienstag voriger Woche in Reckenfeld ein, wo sie am gleichen Tage in einer Feierstunde von Vertretern der Partei, Behörden und des BDA willkommen geheißen wurden.

    Bei allen Sprechern kam die starke Verbundenheit des Reichsdeutschen mit den Auslandsdeutschen fremder Staatsangehörigkeit in herzlichen Worten zum Ausdruck. Das Erholungslager, das unter Aufsicht und Leitung von oberschlesischen Kameraden und Kameradinnen steht, hat neben der Erholung die Aufgabe, den Teilnehmern das Dritte Reich erleben zu lassen.

    Schon nach den ersten Tagen ihres Hierseins konnten sie sehen, welche gewaltigen Unterschiede es zwischen ihrer Heimat und dem Reich gibt. Hier im Reich überall schaffende Hände und frohe Menschen, jenseits der Grenze ruhende Förderschalen, kalte Hochöfen, Arbeitslosigkeit, Not und Elend. Sie alle, die jetzt das Reich erleben dürfen, haben diese Not mehr oder weniger am eigenen Leibe erfahren. Weil sie deutsche Schulen besucht haben, gibt man ihnen keine Lehrstellen. Ihre Väter sind zum größten Teil nach langer Zeit pflichttreuer Arbeit auf die Straße gesetzt worden. Man hat ihnen erzählt - um sie zu trösten - dass es in Deutschland keine Butter gebe, dass man das Brotmehl mit Sägespäne vermische und jetzt - schon in den ersten Tagen die sichtbaren Erfolge einer glänzenden Verpflegung. Die ersten Eindrücke vom neuen Reich werden sich während des sechswöchigen Aufenthaltes noch weiter vertiefen. Durch Spiel, Sport und Volkstanz soll der junge Körper gestählt werden, durch Fahrt und Wanderungen in den nächsten Wochen werden sie die Errungenschaften der neuen Zeit durch eigenes Schauen und Hören erleben. Sie werden den Rhein, rheinische Städte und ihre Menschen bei der Arbeit und Freude kennenlernen und verstehen. Zuletzt am Hermanns Denkmal im Teutoburger Walde, dem trutzigen Wahrzeichen der Einigkeit, Macht und Stärke germanischer Vorzeit werden sie Vergleiche ziehen. Die gleichen Verhältnisse wie im Osten werden ihnen an der Westgrenze des Reiches offenbar, hier wie dort Schutz und Schirm eines geeinten Großdeutschland vor äußeren Einflüssen.

    Schon heute wissen unsere Gäste, dass, wenn sie am 16. August die Grenze wieder überschreiten werden, der harte Kampf um Heimat und Brot sie wieder an vorderster Front sehen wird. Die seelischen Kräfte, die Widerstandsfähigkeit und den Mut zu diesem Kampf schöpfen sie jetzt aus dem Erleben des Dritten Reiches. Möge der Aufenthalt den Jungen und Mädeln das Rüstzeug geben, das sie für ihren Einsatz in der Heimat brauchen. Sie werden auch nicht zuletzt des Mannes gedenken, der ihnen diese herrlichen Erlebnisse im Vaterland vermittelte und voller Liebe und Dankbarkeit für ihn, unseren Führer, kehren sie zurück als Kinder eines wiedererstandenen mächtigen Deutschlands.

    Hitlerjugend (HJ)

    (Aus Wikipedia: Zum Jahresbeginn 1933 hatte die HJ 108.000 Mitglieder. Seit Hitlers Amtsantritt am 30. Januar 1933 lief eine gewaltige Werbekampagne, um die Jugendlichen zum Eintritt in die HJ zu bewegen. Geworben wurde mit Fahrten und Zeltlagern.)

    Reckenfelder Jungs

    Eine Reckenfelder Schar an der Schule/Ortsmitte

    HJ-Uniform

    Eine Jacke für die HJ mit dem Hakenkreuz

    Wer in der HJ war, erhielt einen Ausweis

    22.04.1937 Der Elternabend der HJ Reckenfeld. Am Sonnabend veranstaltete die HJ verbunden mit dem BDM, dem JB und den JM, einen Elternabend. Er sollte zeigen, was in der HJ geleistet wird und womit sich Pimpf und Jungmädel auf Fahrt und im Lager, beim Ausmarsch und beim Heimatabend beschäftigen. Standortführer Nolting wies in kurzen Begrüßungsworten auf die Aufgabe der HJ hin, und das wurde noch ergänzt und weiter ausgeführt durch die Ansprache des Unterbannführers Fischer.

    Das Programm brachte außer einem Versspruch besondere Lieder der HJ und Volkstänze. Einige Boxkämpfe veranschaulichten den Stand der Leibeserziehung in DJ und HJ: Der voll besetzte Saal bewies, dass die Eltern der Arbeit in der HJ Interesse entgegenbringen, und zum anderen, dass die HJ in Reckenfeld etwas leisten will und kann.

    Das Haus von Nolting, A 6

    Das Haus von Fischer, Bahnhofstraße

    21.12.1937 Die Jugend hat gesiegt. Wie an den Vortagen, erfolgte am Sonntag nochmals der Generaleinsatz aller Gliederungen der HJ. Eifrig und sich ihres Einsatzes bewusst, schwangen die Kleinen immer wieder ihre Sammelbüchsen. Die Märchenfiguren waren in den ersten Tagen restlos vergriffen. Nach Abschluss dieser Aktion ist die erfreuliche Tatsache festzustellen, dass das Ergebnis das vorjährige übertroffen hat.
    22.12.1937 Allgemeiner Urlaub sämtlicher Einheiten der HJ. Die Reichsjugendführung hat für alle Einheiten der HJ vom 23. Dezember 1937 bis 15. Januar 1938 einschließlich einen Gesundheitsurlaub angesetzt. In dieser Zeit dürfen weder Fahrten, Tagungen noch Arbeitsbesprechungen stattfinden. Der nächste Heimatabend für den BDM ist also am 20.1.1938, der Heimnachmittag für die Jungmädel ist am 19.1.1938

    17.06.1938 Wochensplitter. Die Hitlerjugend war am Mittwochnachmittag eifrig in Front, um die ihr übertragene Sammlung von leeren Tuben, Stanniolkapseln, Silberpapier durchzuführen. Es ist stets ein erfreulicher Anblick, wie unsere Jugend frisch und fröhlich sich immer wieder in den Dienst des Volksganzen stellt. Um die zukünftigen Sammlungen noch wirkungsvoller zu gestalten, erfolgt die Bekanntmachung hierüber an dieser Stelle.

    17.06.1938 Als Lohn für die hervorragenden Leistungen beim Reichssportwettkampf der Hitlerjugend am 28. Mai nehmen nunmehr die Ortsbesten in Münster an den Ausscheidungswettkämpfen teil. Hoffen wir zuversichtlich, dass auch hierbei unsere Jungen und Mädchen wiederum ehrenvoll abschneiden, um an den letzten Entscheidungskämpfen in Berlin teilzunehmen.

    18.12.1938 Der Organisationsleiter gibt bekannt, dass die Arbeitsbesprechung der Politischen Leiter der Ortsgruppe am Montag, den 19. Dezember, um 20.30 Uhr, im HJ-Heim stattfindet, nicht wie bereits gemeldet, am 20. Dezember.

    18.12.1938 Hitlerjugend im Großeinsatz gegen Hunger und Kälte ist das Gepräge der beiden letzten Tage. Kein Reckenfelder ohne eine von der HJ angebotenen Monatsfigur.

    Deutsche Arbeiterfront (DAF)

    Die Deutsche Arbeitsfront (DAF) war in der Zeit des Nationalsozialismus der Einheitsverband der Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die DAF wurde am 10. Mai 1933 nach Zerschlagung der freien Gewerkschaft gegründet. Eine Abteilung "Arbeitsopferversorgung" gab es in der DAF. NSB Nationalsozialistische Bewegung. (Wikipedia).

    25.06.1935 Versammlung der Deutschen Arbeitsfront. Die Deutsche Arbeitsfront, Ortsgruppe Reckenfeld, hielt am Donnerstag im Deutschen Haus eine öffentliche Versammlung ab. Die Versammlung wurde vom Ortsgruppenwalter Pg. Eichelt eröffnet. Nachdem der anwesende Kreisleiter der DAF Münster Stadt und Land Pg. Galler einige Worte an die Versammlung gerichtet hatte, hielt der alte Kämpfer des Münsterlandes Bolwin einen längeren Vortrag. Zum Schluss sprach noch der Ortsgruppenleiter der Pg. Peters. Die Versammlung wäre ein voller Erfolg gewesen, wenn nicht so viele ferngeblieben wären.

    30.10.1936 "Wir alle müssen uns einsetzen" Versammlung der DAF in Reckenfeld. Die Deutsche Arbeitsfront, Ortswaltung Reckenfeld, hatte am Sonntag im Deutschen Haus ihre DAF-Mitglieder sowie die Kameraden der Arbeitsopferversorgung zu einer Versammlung eingeladen, auf der der Gausozialreferent Pg. Borowski, ein eingehendes Referat über das Thema "Der Jahresplan, seine Auswirkung und Gestaltung" hielt. Einleitend wies der Redner darauf hin, dass es die Aufgabe des DAF sei, den Nationalsozialismus in die Wirklichkeit umzusetzen, und hier wiederum sei es die vornehmste Aufgabe, auf sozialpolitischem Gebiete etwas zu schaffen, um dem deutschen Volke eine bessere Lebenshaltung zu garantieren. Man müsse sich einmal überlegen, welches Chaos die NSDAP am 30. Januar 1933 vorgefunden habe, und weiter müsse man einen Vergleich ziehen, was bisher geschafft worden ist.

    Der erste Vierjahresplan habe in der Erringung der außenpolitischen Freiheit und in der Beseitigung der Arbeitslosigkeit seinen Abschluss gefunden, er war die Voraussetzung für das Programm des zweiten Vierjahresplanes, der mit nationalsozialistischer Energie und Tatkraft genauso durchgeführt werde, wie der erste Vierjahresplan. Dieser zweite Vierjahresplan sei gleichfalls die Folge der bisherigen Politik des Nationalsozialismus. Da wir bereits einen Mangel an Facharbeitern, sowohl in der Industrie wie auch in der Landwirtschaft zu verzeichnen hätten, würde alles getan, um hier Abhilfe zu schaffen.

    Wir, rief der Redner aus, setzen dem Marxismus unsere Lehre, die Lehre des Nationalsozialismus entgegen. Der Jude sei der Zerstörer der geordneten Wirtschaft. Auf die Wirtschaftsfragen eingehend, erklärte der Redner, dass in Deutschland die Wirtschaftsfragen sich nach den Belangen des deutschen Volkes zu richten haben.

    Zu den Arbeitsopfern gewandt, wies er darauf hin, dass der neue Staat bemüht ist, deren Lebensabend besser und ordentlicher zu gestalten. In Zukunft werde bei den Rentnern auch das Leistungsprinzip angewandt werden. Zum Schluss forderte der Redner, dass alle sich einsetzen mögen für die gewaltige Aufgabe, die der Führer uns gestellt hat.

    25.09.1937 Die Deutsche Arbeitsfront, Ortsverwaltung Reckenfeld. Am Sonntag, den 26. September, findet um 11 Uhr vormittags im Saale Deutsches Haus eine Versammlung der Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront statt. Da der Kreisobmann Pg. Galler spricht, wird erwartet, dass zu dieser wichtigen Versammlung alle DAF-Mitglieder erscheinen.

    20.10.1937 Ein schöner Erfolg. Die von der Deutschen Arbeitsfront am vergangenen Sonntag durchgeführte Straßensammlung war, wie überall im Reich, auch in Reckenfeld ein voller Erfolg. Das Ergebnis zeigt, dass die Gebefreudigkeit auch hier begrüßenswerterweise zugenommen hat.

    26.11.1937 Von der Deutschen Arbeiterfront. Infolge der Maul- und Klauenseuche ist eine Versammlungssperre erlassen, daher muss der für Anfang Dezember angesetzte große lustige Abend ausfallen. Um den zahlreichen Wünschen der Mitglieder gerecht zu werden, auch den Minderbemittelten wertvolle Filme zu niedrigem Preis zugänglich zu machen, hat die Ortsverwaltung veranlasst, mit der vorgesetzten Dienststelle in entsprechende Verhandlungen zu treten. Die geführten Verhandlungen waren von Erfolg gekrönt, und bald wird der Filmwagen hier regelmäßig seinen Einzug halten. Die Filmvorführungen werden an dieser Stelle rechtzeitig bekanntgegeben.

    03.02.1938 Hausgehilfinnen-Heimatabende der DAF. Die DAF will in Reckenfeld Heimatabende für Hausgehilfinnen durchführen. An der ersten Zusammenkunft im Lokal Rickermann nahm die Kreisjugendwalterin Pg. Käthe Küppers aus Münster teil. Es wurden organisatorische Fragen besprochen, wozu Pg. Küppers besondere Anregungen gab. Es ist geplant, die Heimabende regelmäßig alle vierzehn Tage mittwochs stattfinden zu lassen. Ausgefüllt werden die Abende durch Behandlung beruflicher Fragen. Zum anderen sollen auch im Dienste der NSB Handarbeiten gefertigt werden. Die Leitung der Heimatabende liegt in den Händen der Ortsgruppenwalterin Anny Möllenhoff. Im Interesse der guten Sache werden alle Hausgehilfinnen Reckenfelds gebeten, an den Heimatabenden teilzunehmen.

    Der nächste Heimatabend findet am Mittwoch, den 9. Februar, abends 8 Uhr im Lokal des Wirtes Brinkmeyer (Deutsches Haus) statt. Sofern Hausgehilfinnen keine besondere Einladung erhalten haben, möge diese als solche dienen. Erwähnt sei aber noch, dass nicht nur Hausgehilfinnen sondern auch andere der DAF angeschlossene Volksgenossinnen hierzu eingeladen sind.

    18.02.1938 Ortswaltung der Deutschen Arbeitsfront Reckenfeld. Am Freitag, dem 18. Februar, findet um 20 Uhr in Greven bei Winninghoff ein Schulungsabend der Amtswalter statt. Es ist Pflicht der Amtswalter, an dieser Schulung teilzunehmen. (Foto: Winninghoff, Greven . Quelle: Heimatverein Greven)
    01.03.1938 Aus der DAF, Ortsverwaltung Reckenfeld. Für den Monat März sind folgende Veranstaltungen vorgesehen: 5. März um 8 Uhr abends bei Rickermann Schulungsabend der NSDAP. Sämtliche Amtswalter der DAF haben hier zu erscheinen. - 9. März um 8 Uhr abends bei Rickermann Heimabend für Hausgehilfinnen. Die für den 2. März angesetzte Zusammenkunft muss aus lokalen Gründen ausfallen. 6. März um 11 Uhr vorm. Amtswaltertagung der DAF bei Rickermann. 11. März um 8 Uhr abends Schulungsabend der DAF bei Winninghoff in Greven. 20. März um 11 Uhr vormittags öffentlichen Veranstaltung der DAF bei Brinkmeyer. Vorträge für Arbeitsopfer und DAF. 27. März um 8 Uhr abends lustiger Abend der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" bei Brinkmeyer. (Foto rechts: Heinrich Brinkmeyer) Es ist geplant, in Reckenfeld im Rahmen der DAF eine Dorfgemeinschaft (Theater- und Musikgruppe) zu gründen. Diese soll die Aufgabe haben, bei jeglichen Veranstaltungen das Programm zu bestreiten. Mitglieder, die Lust und Liebe zur Laienbühne und Musik haben, werden gebeten, in der Dorfgemeinschaft mitzuwirken. Anmeldungen wolle man bei dem Propagandawalter in der Ortswaltung in Reckenfeld vornehmen. Auch die Block- und Zellenwalter nehmen solche Anmeldungen entgegen. Im Interesse der guten Sache wird um rege Mitarbeit gebeten.

    20.03.1938 DAF, Abtlg. Arbeitsopfer. In der am morgigen Sonntag stattfindenden öffentlichen Versammlung der Deutschen Arbeitsfront spricht u. a. der Gauamtsleiter Pg. Borowski (Münster) über das neue Invalidengesetz vom Dezember des v. Jahres. Hierzu sind alle Arbeitsopfer, auch Nichtmitglieder, herzlichst eingeladen. Beginn der Versammlung 11 Uhr.

    21.03.1938 Aus der DAF, Ortsgruppe Reckenfeld. Am Sonntag fand im Lokal des Wirtes Brinkmeyer eine öffentliche Versammlung der Ortsgruppe statt. Obmann Chylarecki (A 7) (Anm.: Der Schuppen A 7 wurde zu einem späteren Zeitpunkt abgerissen) eröffnete die Versammlung und wies auf die Rechte und Pflichten der DAF-Mitglieder hin. Seine Worte galten einer starken Aktivität der Mitglieder. Als Redner dieser Versammlung war der Pg. Borowski gewonnen. Ausgehend von den Notverordnungen der Systemzeit behandelte der Redner die Sozialversicherung.

    Wenn man früher den Schaffenden mit Versprechungen aufwartete, so sind diese Phrasen einmal durch den Sozialismus der Tat ersetzt worden. Das sind die Bestrebungen und Grundsätze der deutschen Arbeitsfront. Es gilt, die Rechte der Mitglieder sicherzustellen. Dieses kann aber nur durch Sparsamkeit erzielt werden. Es spricht für sich, wenn die Deutsche Arbeitsfront über einen nicht geringen Betrag Deckungskapital verfügt. Die DAF kämpft für sozialen Frieden und Gerechtigkeit. In verständlichen Ausführungen behandelte der Redner die Invaliden- und Witwenversicherung. Zur Bearbeitung dieser Aufgaben hat die DAF eine Rechtsberatung und ein Sozialamt. Es wird den Mitgliedern nahegelegt, ihre Rechte nur durch diese Einrichtung sicherstellen zu lassen. Die Ausführungen des Pg. Borowski wurden mit lebhafter Zustimmung aufgenommen.

    Der Ortsgruppenleiter der NSDAP und Bürgermeister Pg. Peters sprach im Anschluss noch zu den Versammelten und sprach dem Redner seinen Dank aus. Der Ortsreferent der Arbeitsopfer Pg. Krüger wies noch darauf hin, dass mittwochs und freitags Sprechstunden in Greven stattfinden.

    Bei dieser Gelegenheit sei noch darauf hingewiesen, dass am 23. d. Mts. bei Rickermann der Heimabend für Hausgehilfinnen stattfindet. Am kommenden Sonntag, 27. März, findet bei Brinkmeyer ein lustiger Abend des NSG "Kraft durch Freude" statt.

    27.03.1938 Heimabend für Hausgehilfinnen. Wenn die Heimabende auch erst kurze Zeit bestehen, so haben diese doch einen regen Zuspruch zu verzeichnen. Am letzten Mittwoch sollte bei Rickermann der planmäßige Abend stattfinden. Mit Rücksicht auf die politische Kundgebung in Berlin konnte derselbe aber nicht durchgeführt werden, weshalb sich die Mädel geschlossen an dieser Kundgebung beteiligten.

    Der nächste Heimabend findet mit Rücksicht auf die am 10. April stattfindende Wahl erst am 15. April bei Rickermann statt. Wie bereits bekannt ist, haben die Heimabende den Sinn einer Schulung. Neben diesen Schulungen fällt dem Mädchenkreis auch die Aufgabe zu, etwaige Veranstaltungen in Reckenfeld durch besondere Darbietungen zu verschönern. So werden altdeutsche Tänze geprobt. Dieses geschieht in Verbindung mit der bereits ins Leben gerufenen Dorfgemeinschaft - Laienbühne. (Anm.: Ist das ein Vorläufer der Laienspielschar- der heutigen Freilichtbühne?)

    Erfreulicherweise stellen sich auch Mitglieder aus der Frauengruppe zur Verfügung, um den Zweck der Heimabende voll und ganz zu erfüllen. An dieser Stelle werden die Mitglieder der DAF gebeten, ihre Töchter zu den Heimabenden zu schicken.

    29.03.1938 Lustiger Abend der Deutschen Arbeitsfront. Im Deutschen Haus fand ein von der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" durchgeführter lustiger Abend statt. Dass derartige Veranstaltungen auch hier notwendig und sehr beliebt sind, zeigte die beängstigende Fülle des großen Saales. Zu Anfang des Abends begrüßte der Ortswalter der DAF die Anwesenden und hoffte, dass sich jeder hier Freude für den grauen Alltag holen würde. Es ist nicht übertrieben, wenn wir am Schlusse behaupten, dass sich die Reckenfelder des Öfteren einen derartigen fröhlichen und lustigen Abend wünschen und die Ortswaltung der DAF bitten wir, dieses entsprechend zu berücksichtigen.

    30.05.1938 Kameradschaftsabend der Deutschen Arbeitsfront. Einen recht gemütlichen Kameradschaftsabend veranstaltete die Ortsgruppe der Deutschen Arbeitsfront im Saale Rickermann am Bahnhof. Und so konnte der Ortswalter neben den Vertretern der Partei die überaus zahlreichen Kameraden und Kameradinnen aufs herzlichste begrüßen. Ferner machte er schon bekannt, dass Pfingsten der geplante Ausflug mit Begleitung guter Marschmusik steigt, die Amtswalter sprechen dieser halb in den nächsten Tagen vor. Dann ging es mit der nötigen Stimmung an die Abwicklung des Programms. Recht eifrig wurde das Tanzbein geschwungen. Alles in allem ein richtiger Kameradschaftsabend im wahrsten Sinne des Wortes.

    18.10.1938 Gutes Ergebnis der Reichsstraßensammlung. Die am Samstag und Sonntag von den Männern der Deutschen Arbeitsfront in Reckenfeld durchgeführte Sammlung ergab 60 Prozent mehr als im vergangenen Jahre. Den ehrenamtlichen Sammlern gebührt an dieser Stelle herzlicher Dank.

    26.10.1938 Vorbildliche Arbeit des Verkehrsvereins. Rück- und Ausschau. Seit einigen Jahren hat sich aus dem Verkehrsverein Reckenfeld e. V. eine Arbeitsgemeinschaft entwickelt, die als vorbildlich bezeichnet werden muß. Zwar hatte und hat dieser Kreis einsatzbereiter Personen, denen das Wohl und Wehe Reckenfelds nicht gleichgültig ist, verschiedentlich gegen Unverständnis zu kämpfen. Dessen aber ungeachtet ist zu wünschen, daß die Arbeit de VVR auch weiterhin in echter Volksgemeinschaft und im Interesse Reckenfelds von Erfolg gekrönt sein wird und die verdiente Förderung aller Stellen erfährt. Die Bestrebungen des VVR gehen darauf hinaus, durch eigene Initiative für Verbesserungen innerhalb der Ortschaft zu sorgen, soweit nicht eine andere Stelle für die betreffende Angelegenheit zuständig ist oder Mittel hierfür bereitstellt. In letzteren Fällen beschränkt sich die Tätigkeit des VVR auf die Einreichung sachlicher und begründeter Vorschläge. Erfreulich sei hier die Tatsache, daß einzelne Behörden diesen Vorschlägen Rechnung trugen und im gegebenen Falle weitere Vorschläge erbaten. Im Zusammenhang sei hiermit allein an die geschmackvolle Ausführung des Bahnhofsvorgeländes durch die Reichsbahn erinnert, ferner das Entgegenkommen der Reichspost bezüglich der Entleerung der Postkästen und der zugesagten Aufstellung von Markenautomaten, nicht vergessen sei die Errichtung der Nebenstelle der Kreissparkasse, die der Bevölkerung recht viel Wege erspart u. v. m.

    So hatte die außerordentliche Sitzung des VVK den Zweck, Rück- und Ausschau ihrer Arbeiten zu halten. In seiner Begrüßungsansprache konnte der Vereinsführer zu seiner Freude die zahlreich erschienen Mitarbeiter begrüßen. In längeren Ausführungen gab er die bisher geleistete Arbeit bekannt, die man vom Volksganzen aus gesehen als vorbildlich bezeichnen muß. So konnten neben den schon erwähnten Verbesserungen, unter Mitwirkung der Behörden, an ruhigen und schönen Punkten der Ortschaft Ruhebänke für die hier überaus zahlreich vorhandenen Arbeits- und Kriegsopfer aufgestellt werden. Ferner wurden Allgemeinbestrebungen finanziell unterstützt, z. B. Beschaffung der Turmuhr. Auch die im Rahmen des Vierjahresplanes von den Schulkindern bearbeiteten Schulgärten für Mais, Sojabohnen usw., erforderten größere Geldmittel zur Kultivierung des Landes, wie Löhne für Gespannarbeiten, Düngung usw., die der VVR zur Verfügung stellte. Zum Ansporn dieser Arbeiten wurde den Schulmädchen vom VVR eine wertvolle Nähmaschine übergeben, um auch die Fertigkeiten des Nähens zu fördern. Für die Jungen ist die Einrichtung einer Lehrwerkstatt geplant, damit soll der Bastelfreudigkeit unserer Jugend Rechnung getragen werden. Um der bisher unsinnigen Verschandelung des Dorfbildes durch wahlloses Anbringen von Ankündigungen wirkungsvoll zu begegnen, wurden Anschlagstafeln aufgestellt.

    Dann machte der Vereinsführer bekannt, daß der Wunsch ausgesprochen wurde, den Verein aufzulösen, zumal auch hier eine Dorfarbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen worden ist. Die hierbei eingesetzte Debatte ergab folgendes: Da die Arbeiten des VVR im Hinblick auf Reckenfeld weit über den Rahmen der Dorfarbeitsgemeinschaft hinausgehen, wirkt dieser weiterhin zum Wohle Reckenfelds und im Sinne unseres Führers. Der VVR macht es sich aber zur vornehmsten Aufgabe, Hand in Hand mit dieser Dorfarbeitsgemeinschaft zu arbeiten, wie er überhaupt jede Bestrebung unterstützt, die im Interesse Reckenfelds liegt.

    Über die kommenden Arbeiten verdient, wie schon erwähnt, die Errichtung einer Lehrwerkstatt Beachtung. Ferner, bei der nun einsetzenden Straßeninstandsetzung, die weitere Verschönerung des Dorfplatzes. Weitere Ruhebänke sollen beschafft werden, um den vielseitigen Wünschen zu entsprechen. Bei Veranstaltungen der Partei und deren Gliederungen machte sich bisher das Fehlen einer Rednertribüne unliebsam bemerkbar. Auch über diesen Punkt wurde beraten. Ferner soll die Bevölkerung gebeten werden, weiterhin mitzuarbeiten und dem VV entsprechende Wünsche zuzuleiten. Dann wurde festgestellt, daß der Name des Vereins für die angestrebten Ziele, nämlich aus Reckenfeld eine wirtschaftlich gesunde, schöne und gern besuchte Ortschaft zu machen, nicht allein ausschlaggebend ist. Wesentlich ist, daß hier Vorbildliches für Reckenfeld, alles für den Führer, alles für Deutschland geleistet wird. Mit diesem Kernspruch des VV erreichte diese anregende Arbeitssitzung ihr Ende.

    6.11.1938 Umschau in Reckenfeld Chronik vom Tage Achtung, Arbeitsopfer! Die für morgen, Dienstag, 8. Nov., angesetzte Rechtsberatungsstunde findet nicht im Deutschen Haus sondern in der Geschäftsstelle der Deutschen Arbeitsfront, Ortsteil A 7 in der Zeit von 16-17 Uhr statt. Die folgende Rechtsberatungsstunde am 22. November findet ebenfalls zur gleichen Zeit und in der Geschäftsstelle der DAF statt. (Anm.: Der ehemalige Schuppen A 7 gehörte der Familie Brüggenkamp - hier wohnte auch der Ortswalter Chylarecki)

    10.11.1938 Schulungsabend der Ortsverwaltung der DAF. Morgen, Freitag, den 11. November, findet der Schulungsabend der Ortswaltung der DAF statt. An diesem nehmen sämtliche Walter und Warte, sowie die politischen Leiter der Ortsgruppe der NSDAP teil. Die Schulung ist beim Pg. Rickermann um 20.30 Uhr.

    14.11.1938 Schulungsabend der DAF. Im Rahmen der Schulungsabende der Ortswaltung der DAF fand nun der zweite statt mit dem Thema: "Versailles ist tot". Der Ortswalter Pg. Chylarecki eröffnete den Abend und gedachte zunächst den durch Meuchelmord für Deutschland gefallenen Gesandtschaftsrat vom Rath. Die Anwesenden ehrten den Toten durch Erheben von ihren Plätzen und ein stilles Gedenken.

    Dann übernahm Pg. Scheer das Wort zu dem Thema des Abends. An Hand der Lichtbilderreihe "Versailles ist tot" rollte er noch einmal den schicksalhaften und Dornenweg auf, den das deutsche Volk durch den Schandvertrag von 1919 - 1933 gehen musste. Immer wieder muss dem deutschen Volk vor Augen geführt werden, um einmal für alle Zukunft eine Wiederholung zu vermeiden, zum anderen die geschichtliche Ruhmestat unseres Führers zu ermessen, der diesen Schandvertrag mit starker Hand liquidierte und das geeinte großdeutsche Reich schuf. Reicher Beifall dankte dem Redner für die wirklich hochinteressanten Ausführungen. Mit einem Treuegelöbnis an den Führer endigte dieser Schulungsabend.

    15.11.1938 Lachen ist gesund! Unter diesem Motto veranstaltete die NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude" einen frohen Sonntagabend. Diese Veranstaltungen erfreuen sich schon allgemeiner Beliebtheit, so dass dem Ortswalter der DAF für seine Bemühungen an dieser Stelle gedankt werden muss. Auch dieser Abend war ein Erfolg. Die Ansage hatte Gustav Ehlert, der sich seiner Aufgabe sehr gut entledigte. Recht bald war der Kontakt hergestellt. Als Tänzerin etablierte sich Else Nüsse, während Dolly Schütt als Rollschuhläuferin glänzte. Jonny Jachmann erntete ebenfalls mit seiner Partnerin für ihren Stepptanz kräftigen Applaus. Die Kanone des Abends war unbestreitbar der hier bekannte und beliebte Adolf Iser. Sein Auftreten, ganz gleich, ob in Parodien oder im Sketsch "Eva im Paradies" waren mit zwerchfellerschütternden Lachsalven verbunden. Alles in allem eine glänzend verlaufende Veranstaltung, die ihren Zweck hundertprozentig erfüllte.

    27.11.1938 Klar sind nun die Fronten! Zu einem inhaltsreichen Schulungsabend versammelten sich die Politischen Leiter, Walter und Warte der DAF und NSB im Lokale Rickermann. Der Ortsgruppenleiter Pg. Peters eröffnete den Abend und begrüßte neben seinen Mitarbeitern den Redner Ortsgruppenleiter Pg. Kohlleppel (Greven) (Anm.: Am Freitag, den 14. August 1942, wurden Franciszek Banas und Waclaw Ceglewski auf Anordnung des RSHA ohne richterlichen Beschluss in den Bockholter Bergen hingerichtet. Bei der Hinrichtung anwesend waren auch der Amtsbürgermeister Vorndamme und der NSDAP-Ortsgruppenleiter Kohlleppel aus Greven sowie – ebenfalls in „Parteiuniform“ – der Lehrer Ruttkowski aus Bockholt.) sowie Kreisschulrat Dr. Knops und den Kreishauptstellenleiter Pg. Mülhoff (Münster).

    Ein gemeinschaftlich gesungenes Kampflied leitete zu der Rede von Pg. Kohlleppel über. Kurz den Zweck der Schulungsabende erklärend, zitierte der Redner den bekannten Ausspruch Rathenaus, wonach Deutschland in 20 Jahren verwüstet und vernichtet sein wird. Dieser fromme Wunsch des Juden oder richtiger des Weltjudentums ging zu ihrem Leitwesen nicht in Erfüllung. Im Gegenteil, ziehen wir die politische Bilanz der letzten Jahre, so ersehen wir, dass aus der gewollten Wüste ein wirtschaftlich starkes und geeintes Großdeutschland entstanden ist. Über dieses Großdeutschland wacht eine starke Wehrmacht, die die Unantastbarkeit unserer Grenzen garantiert.

    Diese Großtaten schuf nur einer, unserer Führer Adolf Hitler. Dann beleuchtete der Redner die kritischen Septembertage. Mit dem erfolgreichen Ausgang der Münchener Besprechungen habe der Bolschewismus seinen größten Schlag erhalten. Wie gut dieser Schlag saß, dafür das Gezeter der Weltjudenpresse. Wenn auch die Schüsse in Paris dem deutschen Volke gelten, so haben sich jetzt die Fronten geklärt. Reichen Beifall erntete der Redner für seine interessanten Ausführungen. In der nachfolgenden Aussprache behandelte Pg. Dr. Knops in beredten Worten die Rassengegensätze. Echt harte Worte fand er für die Drahtzieher des früheren Zentrums und die überstaatlichen Kräfte der Freimaurerlogen. Über die nationalsozialistische Weltanschauung referierte Pg. Mülhoff. Die abschließenden Worte sprach Pg. Kohlleppel (Foto), welche in ein begeistertes Bekenntnis zu unserem Führer ausklangen.

    06.12.1938 Schulungsabend der Ortswaltung der DAF. Freitag, den 9. Dezember, spricht Pg. Scheer, Münster, im Rahmen der Schulungsabende der DAF zu dem Thema "Aufgaben und Ziele 1938-39" im Lokale Rickermann. Die Politischen Leiter der Ortsgruppe der NSDAP sowie die Amtswalter der DAF erscheinen hierzu vollzählig.

    11.12.1938 Schulungsabend der Deutschen Arbeitsfront. Freitagabend fand beim Pg. Rickermann im Rahmen der Schulungsabende der DAF eine Zusammenkunft der Amtswalter statt. Der Ortsobmann der DAF, Pg. Chylarecki, begrüßte seine zahlreich erschienenen Amtswalter, insbesondere den Redner des Abends, den Beauftragten der Kreiswaltung für den Leistungswettkampf der Betriebe, Pg. Krause (Münster). Dann ergriff Pg. Krause das Wort zu seinem Thema: "Aufgaben und Ziele der DAF". Er schickte voraus, dass die Schulungsabende den hauptsächlichen Zweck verfolgen, den Amtswaltern das geistige Rüstzeug für ihren Einsatz zu vermitteln. Viele Positionen gilt es noch zu erobern. Es ist nicht nationalsozialistische Art, bei dem Erreichten stehen zu bleiben, denn Stillstand bedeutet Rückgang. Eingehend behandelte der Redner die großen sozialpolitischen Aufgaben der DAF. Als Beauftragter für den Leistungswettkampf der Betriebe sprach der Redner über diesen Wettkampf. Jeder Betrieb, der nationalsozialistisch denkt und handelt, hat Anspruch auf die höchste Auszeichnung, die hierfür alljährlich am 1. Mai vergeben wird.

    Das Ziel der DAF geht überhaupt darauf hinaus, dass jeder Betrieb ein Musterbetrieb in diesem Sinne werden und wenn ein Betriebsführer dieses Ziel nicht erreichen kann, muss ihm die Fähigkeit zum Führen eines Betriebes abgesprochen werden. Auch im Reichsberufswettkampf erstrebt die DAF eine bewusste Leistungssteigerung, der Tüchtigste soll herausgestellt und gefördert werden, wie überhaupt darauf hinaus gearbeitet wird, nicht nur jedem einen Arbeitsplatz, sondern jedem seinen Arbeitsplatz zu geben. Hierzu gehören die bereits mit Erfolg durchgeführten Umschulungen. Wenn auf der einen Seite vollster Einsatz des Arbeiters verlangt wird, so ist die DAF bestrebt, für gesunde Heimstätten und Wohnungen zu sorgen. Wie überhaupt die vorbeugenden Maßnahmen zur Gesundhaltung des deutschen Arbeiters durch die Einführung eines Betriebsarztes sichtbaren Ausdruck erhalten wird.

    Mit der Feierabendgestaltung der NS-Gemeinde "Kraft durch Freude" und den übrigen Ämtern soll auch die Erholung des Werktätigen Rechnung getragen werden. Zusammenfassend ersehen wir nun, dass die DAF bemüht ist, im wahrsten Sinne des Wortes die große Organisation aller Schaffenden zu sein. Für seine interessanten Ausführungen erntete der Redner lebhaften Beifall. Im Gedenken an den Führer wurde dieser Schulungsabend geschlossen.

    25.10.1938 Umschau in Reckenfeld Kleine Tageschronik. An der Schulung der Ortswaltung der DAF, heute, Dienstag, 20.30 Uhr im Lokal Rickermann nehmen sämtliche politischen Leiter der Ortsgruppe teil. Es spricht Pg. Frefel über das Thema "Die politische Lage und der Betrieb".

    26.10.1938 Schulungsabend der Ortswaltung der DAF. Um aus berufendem Munde die Aufgaben der Deutschen Arbeitsfront für den kommenden Winter zu erfahren, versammelten sich die Amtswalter im Lokal Rickermann. Der Ortswalter Chylarecki konnte neben seinen Mitarbeitern die politischen Leiter der Ortsgruppe der NSDAP begrüßen, sein besonderer Gruß galt dem Redner des Abends, dem Pg. Schötteldreier von der Kreisamtsleitung der DAF des Kreises Münster-Warendorf. Nach dem Gruß an den Führer ergriff Pg. Schötteldreier das Wort. In seinen Ausführungen schilderte er den Werdegang des Nationalsozialismus bis heute.

    Der harte Kampf, der bis zum 30. Januar 1933 führte, konnte nur durch den tiefen Glauben an die Idee und an den Führer gewonnen werden. Dann behandelte der Redner die Arbeit und die Einsatzbereitschaft der Amtswalter. Der Führer als leuchtendes Beispiel der Schaffenskraft soll jedem Richtschnur für sein Handeln sein.

    Auch die Arbeit des Betriebsobmannes auf der Arbeitsstätte würdigte er durch richtungsgebende Worte. Unter den Zielen der DAF erwähnte der Redner besonders das Amt "Schönheit der Arbeit" und "Kraft durch Freude". Wie auf der einen Seite ein sauberer Arbeitsplatz die Schaffensfreude hebt, dient die Einrichtung der NSG "Kraft durch Freude" dazu, die Arbeitskraft zu stärken. Um die ungeheuren Aufgaben zu erfüllen, ist es daher notwendig, dass jeder an seiner Stelle seine Pflicht tut. Für diese lehrreichen Ausführungen erntete der Redner lebhaften Beifall. Der Ortswalter dankte ebenfalls und gab der Hoffnung Ausdruck, dass jeder an diesem Abend etwas dazu gelernt habe. Der Gruß an den Führer und die Nationallieder beschlossen diesen ersten Schulungsabend der Deutschen Arbeitsfront.

    Kindergärten - und was die Nazis darunter verstanden

    Aus http://kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/geschichte-der-kinderbetreuung/weitere-historische-beitraege/1258:

    Nachdem sich die militärische Lage im Deutschen Reich drastisch verschlechtert hatte, konzentrierten sich die Kräfte des Staates auf den "Endsieg", wodurch die Bedrohung durch Übernahme der in konfessioneller Trägerschaft verbliebenen Kindergärten wich. Somit gelang es den politisch Verantwortlichen nicht, das gesamte Kindergartenwesen "gleichzuschalten".

    Dies hatte mehrere Gründe: "Der Wille der Kirchen, sich die Kindergärten nicht aus der Hand nehmen zu lassen; der Wunsch vieler Eltern, ihre Kinder in einen konfessionellen, aber eben nicht in einen nationalsozialistischen Kindergarten zu schicken; der Mangel an Fachpersonal, das im Geiste des Nationalsozialismus die richtige weltanschauliche Einstellung mitbrachte (zumal damals die meisten Kindergärtnerinnenseminare unter der Trägerschaft der beiden großen christlichen Kirchen standen; M.B.); schließlich in den Kriegsjahren auch die Befürchtung der Machthaber, eine zu rabiate Zerschlagung des kirchlichen Kindergartenwesens könnte Unruhe unter der Bevölkerung erzeugen, sind hier beispielhaft zu nennen" (Konrad 2004, S. 163).

    Einzig in der Sonderform der Erntekindergärten, die schon vor 1933 bestanden (so gab es beispielsweise 1932 in Pommern 27 solcher Einrichtungen [vgl. Döpel 1935, S. 34]) und durchschnittlich dreiviertel des Jahres in Betrieb waren, erreichte die "Nationalsozialistische Volkswohlfahrt" (NSV) die alleinige Zuständigkeit.

    Da Reckenfeld noch keinen konfessionellen Kindergärten hatte, waren die Anstrengungen der Nazis nicht so hoch, einen Erntekindergarten bzw. einen "normalen" Kindergarten nach ihren Vorstellungen einrichten zu können.

    17.07.1937 Ein Erntekindergarten eingerichtet. Am Donnerstag dieser Woche wurde im früheren BDM-Heim BDM-Heim (Anm.: Deutsches Haus) der Erntekindergarten durch die NSB eröffnet. Über 50 Kinder wurden ihm zugeführt. Die Kinder werden hier fachgemäß betreut, zum Teil auch gespeist, so dass die Mütter ohne Sorge für ihre Kleinen sich für die Erntearbeiten bei den umliegenden Bauern zur Verfügung stellen können. Das ist zunächst Sinn und Zweck des Erntekindergartens, jedoch wäre es zu wünschen, wenn die Errichtung des Kindergartens auch über die Erntezeit hinaus bestehen bleiben würde. Die hohe Besucherzahl des jetzigen Kindergartens beweist, dass für eine solche Einrichtung ein Bedürfnis besteht.

    29.10.1937 Der Kindergarten bleibt auch im Winter. Der Kindergarten ist eine Einrichtung, die gerade in Reckenfeld eine dankbare Aufgabe hat. Man soll der örtlichen Parteidienststelle hierfür Dank wissen, dass sie es verstanden hat, diese Einrichtung für die vielen kinderreichen Familien und besonders für die zahlreichen erwerbstätigen Mütter zu schaffen.

    Zweifler (innen) mögen sich einmal den Kindergarten ansehen, wie die Kleinen sich in diesen schönen hellen Räumen beim Deutschen Haus wohlfühlen. Die Kleinen werden hier schon zur Gemeinschaft erzogen. Es ist keine Verwahrschule früherer Zeiten, sondern ist schon eine Vorstufe für die spätere Grundschule. Auch die Verpflegung ist ausgezeichnet, selbst das unentbehrliche Mittagschläfchen genauso wie bei "Mutti" fehlt nicht.

    Die im Anfang herrschenden Mängel sind beseitigt. Die Leiterin des Kindergartens ist auf dem Gebiet der Kinderpflege und Erziehung eine bestens erprobte Kraft.

    Die irrige Ansicht, der Kindergarten sei nur bis zum 15. Oktober gedacht, entspricht nicht den Tatsachen; es hat sich als notwendig erwiesen, die Betreuung auch im Winter und darüber hinaus durchzuführen. Darum, Mütter, nehmt diese Einrichtung rege in Gebrauch, und sollte eines der Kinder launischer weise nicht wollen, es wird dort bald eines Besseren belehrt werden und freudig kommen wie all die anderen Kinder.

    07.12.1937 St. Nikolaus im Kindergarten. Endlich war der Tag gekommen, auf den freudige Kinderherzen teils mit etwas Bangen und teils mit erwartungsvoller Freude sehnlichst gewartet hatten. Und so fanden sich die kleinen Schüler und Schülerinnen mit ihren Müttern gestern Nachmittag zur festgesetzten Zeit in den stimmungsvoll geschmückten Räumen des Kindergartens ein. Schon lange vor der festgesetzten Zeit sah man alle zum Kindergarten eilen.

    Pünktlich nahm dann die Nikolausfeier ihren Anfang. Unter dem Lied "Nikolaus komm in unsere Haus", von den Kleinen kräftig gesungen, hielten St. Nikolaus und Knecht Ruprecht ihren Einzug im Reckenfelder Kindergarten. An einem eigens für ihn geschmückten Tisch nahm der liebe Mann Platz. Aus seinem Goldenen oder Schwarzen Buch, je nach Führung, wusste er zum Erstaunen der Kinder die guten und schlechten Eigenschaften der Kleinen. Aber es ging diesmal noch gnädig ab.

    Dann zeigten die Kleinen dem Nikolaus, was sie schon alles gelernt haben. Besonders das Spiel mit den Zwergen schien ihm besonders gut zu gefallen; auch über die übrigen Spiele, Gedichte und Lieder freute er sich sehr. Zur Belohnung verteilte St. Nikolaus seine Gaben. Jedes Kind erhielt eine bunte Tüte und entsprechendes Spielzeug. Mit dem Liede "Der Nikolaus ist ein braver Mann" dankten freudige Kinder für ihre Geschenke. Bevor der Nikolaus seine Weiterreise antrat, versprach er allen, im nächsten Jahre wiederzukommen.

    Dann ergriff der anwesende Ortsgruppenleiter der NSDAP, Bürgermeister Peters, das Wort. In seinen Ausführungen wusste er zunächst Dank denjenigen, die durch ihre aufgewandten Mühen, sei es durch reichliche Spenden oder durch das Einüben der Kleinen, wesentlich zur Verschönerung der Feier beigetragen haben. Er gab seiner Hoffnung dahingehend Ausdruck, dass es im nächsten Jahre noch besser werden soll. Es wird alles getan werden, um diese segensreiche Einrichtung immer mehr zu verbessern.

    03.03.1938 Buntes Treiben im Kindergarten. Dass nicht nur die Großen närrisch, sondern auch die Kleinen im Kindergarten ihren Karneval feiern können, ist erwiesen. Recht zünftig waren sämtliche Räume geschmückt und ließen sofort frohes Leben und Treiben bei diesem kleinen Völkchen aufkommen. Es war eine Freude zuzusehen, wie die mit bunten Mützen und dergl. geschmückten Narren umhertollten. Als Karnevalsprinz proklamierte man den kleinen Dreckmann, der es mit seiner Würde sehr "ernst" nahm.

    Sämtliche Gegenstände die klangfähig sind, (Schellen, Topfdeckel usw.) dienten als Musikinstrumente. Recht drollig wirkten die Tänze dieser Kleinen bei Musik. Infolge der ungünstigen Witterung musste der geplante Umzug unterbleiben. Für ihre überreichliche "Anstrengung" gab es dafür zum Kaffee Berliner. Ballen, die unaufhörlich Gegenstand regen Kapitulierens waren. Zum Schluss trat das mit Recht so beliebte Kasperle-Theater noch in Tätigkeit. Nach Schulschluss wurden die Kleinen auf dem Heimweg und bei den Eltern nicht müde, von ihrem Karnevalerleben zu erzählen. Die Absicht, den Kindern recht viel Freude zu bereiten, ist geglückt. Hierfür sei der Leiterin mit ihren Helferinnen an dieser Stelle im Namen der Elternschaft herzlich gedankt.

    12.04.1938 Auch die Kleinsten haben nun ihre Ferien. Die kleinen Schüler- und Schülerinnen des Kindergartens begingen den letzten Schultag vor den Osterferien recht festlich. Die "Tanten" hatten in liebevoller Weise für Körbchen mit bunten Ostereiern und Zuckersachen gesorgt, die unter Hallo an die Kleinen verteilt wurden. Jetzt folgten die verschiedenen Osterhasenspiele, die den Kindern recht viel Freude bereiteten. Ein Teil dieser Kinder verlässt nun den Kindergarten, um nach Ostern die "große" Schule zu besuchen. Diese wurden besonders bedacht, um ihnen den Abschied zu erleichtern, u. a. erhielten sie ein Heft mit ihren selbstgefertigten Bildern, die bemalt und ausgeschnitten waren und in diesem säuberlich eingeklebt sind. Nun ging es noch einmal auf die große Spielwiese um im Sonnenschein noch ein wenig herumzutollen. Dann folgte als Abschluss des Tages zum ersten Mal eine Flaggenhissung.

    Recht zünftig standen alle in Reih und Glied und sangen recht kräftig das Horst-Wessel-Lied. Nun schlug die Abschiedsstunde und mit einem freundlichen Händedruck wurden die Kleinen dann in die Ferien geschickt. Der Leiterin, Fräulein Vahlkampf und ihren Mitarbeiterinnen aber gebührt für ihre nicht zu leichte, aber segensreiche Arbeit an dieser Stelle der Dank aller Reckenfelder.

    Der Kindergarten wird am Mittwoch nach Ostern wieder geöffnet. Es können dann wieder neue Kinder aufgenommen werden. Kinder unter 3 Jahren werden nur in besonderen Fällen aufgenommen.

    (Anm.: Aus Wikipedia: Auszug aus dem Reichsflaggengesetz von 1935: …Das Hissen von Hausfahnen an den Nationalfeiertagen oder bei sonstigen Anlässen war nicht verpflichtend. Wenn dies jedoch unterblieb, wurde es als Akt demonstrativer Verweigerung gewertet. Der Blockwart vermerkte dies in seiner Hauskartei. Es gab zur Ermahnung überdies ein Formschreiben, in das nur noch Name und Datum einzutragen waren.")

    01.10.1938 Im Kindergarten ging's lustig zu. Auch unsere Kleinen feierten ihr Erntedankfest. Auf der Spielwiese unter dem Erntekranz entwickelte sich am Montag ein fröhliches Treiben. Lustige und sinnige Spiele, u. a. "O Buer wat kost din Hei", "Es klappert die Mühle", "Wollt ihr wissen, wie der Bauer seinen Hafer aussät", unter der Leitung der Tante Luzie fanden lebhaften Anklang bei den Kindern. Dieses lustige Treiben des kleinen Völkchens war den geladenen sudetendeutschen Kindern ein ungewohntes Bild. Voller Freude werden sie daher berichten können, wie selbst die Kleinen ihr Erntedankfest feiern. Selbst das Kasperletheater trug dem Sinn des Tages Rechnung, in dem Kartoffeln und Möhren in ulkiger Weise als Spieler ausstaffiert wurden.

    6.11.1938 Mütterzusammenkunft im Kindergarten. Von Zeit zu Zeit bittet die Jugendleiterin des Kindergartens, Fräulein Vahlkampf, die Mütter ihrer Pflegebefohlenen zu sich, um in zwangloser und geselliger Art sich über die verschiedensten Fragen auszusprechen. So fand dieser Tage wiederum eine Zusammenkunft statt. Nach herzlichen Begrüßungsworten der Jugendleiterin fand man gemeinschaftliche Lieder. Ein Märchenspiel, von den Helferinnen aufgeführt, fand eine recht beifällige Aufnahme. In zwangloser Form setzte dann eine Aussprache ein, Auskunft wurde gegeben, Ratschläge erteilt.

    11.01.1938 Gestern Morgen um 9 Uhr öffneten sich wieder die Pforten für die kleinen Schüler und Schülerinnen. Die Weihnachtsferien wurden dazu benutzt, die Räume instand zu setzen. Von dem Grundsatz, freundliche Räume gerade für die Kinder zu schaffen, wurde ausgiebig Gebrauch gemacht. Die schönen, hellen Räume, die mit einem freundlich gehaltenen Anstrich versehen wurden, lassen sofort eine vergnügte Stimmung unter den Kleinen aufkommen. Die Mütter sind nun wieder froh, ungestört ihrer Hausarbeit nachgehen zu können. Die Betreuung im Kindergarten bedeutet eine wesentliche Entlastung und die Kleinen sind dort sehr gut aufgehoben. Eltern, schickt aber Eure Kinder pünktlich zum Kindergarten.

    04.01.1938 Schulbeginn im Kindergarten. In den Räumen des Kindergartens herrscht seit einigen Tagen Hochbetrieb. Die Handwerker sind fleißig dabei, die Räume wieder instand zu setzen. Die letzten Arbeiten werden nun von den Anstreichern ausgeführt, die alle Zimmer und den großen Spielsaal mit einem freundlichen und sauberen Anstrich versehen. Leider nehmen die Arbeiten einige Tage länger in Anspruch, daher ist der Schulbeginn nicht, wie zuerst angegeben, am Freitag, dem 7. Januar, sondern erst am Montag, dem 10. Januar, vormittags 9 Uhr. Die Mütter werden daher gebeten, diese Änderung des Schulbeginnes entsprechend zu berücksichtigen. Anm.: Es könnte sich hierbei um die neuen Räume der ehemaligen Verwaltungsgebäudes für B - das spätere Haus Marienfried) handeln.

    24.02.1938 Mütterberatung im Kindergarten. Dass ein Kindergarten des Dritten Reiches nichts, aber auch gar nichts mit ähnlichen Einrichtungen vergangener Zeiten gemein hat, konnten die zahlreichen Mütter erfahren, die der Einladung der Jugendleiterin Folge leisteten. So empfing die Jugendleiterin Fräulein Vahlenkamp die Mütter mit einem musikalischen Willkommensgruß, dann wurde in längeren Ausführungen der Zweck solcher Mütterabende dargelegt. Es soll zunächst erreicht werden, dass in harmonischer Zusammenarbeit zwischen Mutter und Kindergarten eine nützliche Erziehung gewährleistet wird. Eine Aussprache bei diesen Zusammenkünften kann nur die Bestrebungen in diesem Sinne fördern. Gespannt folgten die Anwesenden den Tagesverlauf der Kleinen, der in seiner Reichhaltigkeit bewies, dass hier in erfreulicher Weise die Kinder gut aufgehoben sind und kein Grund zur Besorgnis besteht. Um allen Wünschen entgegen zu kommen, ist der Kindergarten bereits um 8 Uhr geöffnet, so können die größeren Kinder ihre kleineren Geschwister auf den Schulweg mitnehmen, um den Müttern den Weg zu sparen. Da auch die Zahl der Kinder täglich zunimmt (z. Zt. sind es 80), ist auch der Plan erwogen worden, durch bauliche Veränderungen größere oder mehrere Räume zu schaffen. Auch sollen Kinder, die nicht erscheinen können, entschuldigt werden. Nach den lustigen Gesellschaftsspielen fand der erste Mütterabend sein Ende.

    29.06.1938 Mütter basteln im Kindergarten. Gestern, Dienstagabend, erschienen die Mütter der vom Kindergarten betreuten Kinder auf Einladung der Jugendleiterin Fräulein Vahlkampf recht zahlreich zu einem Bastelabend. Diese Arbeiten dienen dem in nächster Zeit stattfindenden Sommerfest des Kindergartens. Fräulein V. begrüßte dann die anwesenden Frauen, die durch ihr Erscheinen das herzliche Verhältnis zwischen den Müttern und der Führung des Kindergartens deutlich unterstrichen. Nach einem gemeinschaftlich gesungenen Lied wurde das bevorstehende Sommerfest besprochen. Recht zahlreiche Utensilien hierfür wurden nach Anleitung von Fräulein V. gebastelt. Recht eifrig, mit Scherz und froher Laune, wurde geschafft und bot den Müttern eine willkommene Abwechslung ihres täglichen häuslichen Wirkens. Recht schnell verlief die Zeit und als Fräulein V. die gebastelten Sachen einsammelte, fand sie herzliche Dankesworte für die geleistete Arbeit. Ein gemeinschaftlich gesungenes Lied beendete diesen Bastelabend.


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