Gründe für den Bau von drei großen Nahkampfmitteldepots

Den letzten Ausschlag, weitere Lagerstätten für Munition in der Heimat schaffen zu müssen, gibt - wie bereits beschrieben - das Hindenburg-Programm durch die Aufforderung, mehr Munition als bisher produzieren zu lassen. Das Kriegsministerium wurde daraufhin aktiv und traf in nur zweimonatiger Vorbereitungszeit die Entscheidung zum Bau von weiteren drei Nahkampfmitteldepots unter Angabe des entsprechenden Geländes.

Das Kriegsministerium schreibt am 10. Juni 1919 unter dem Aktenzeichen 259.3.19.D.III.4 an das Reichfinanzministerium, Berlin. Das Schreiben ist eine Antwort auf das Schreiben des Reichsschatzamtes vom 7. Januar 1919. Obwohl das Schreiben nach Beendigung des Krieges verfaßt wurde, gibt es Hinweise über die Gründe für den Bau der drei Nahkampfmitteldepots:

"Die Notwendigkeit des Baues von großen Nahkampfmitteldepots ergab sich im Laufe des Krieges aus der steigenden Bedeutung der Nahkampfwaffen. Für diese und ihre Munition verfügte die Heeresverwaltung vor Kriegsausbruch über keinerlei Unterbringungsmöglichkeiten. Zunächst wurden hierfür unbenutzte Räumlichkeiten in Festungen in Anspruch genommen. Diese reichten aber bald nicht mehr aus, auch war der Verkehr zu und von diesen fortifikatorischen Räumen, der fehlenden Gleisanschlüsse, der gebotenen Einschränkung des Lastverkehrs und des Leutemangels wegen derart erschwert, daß eine gesicherte Versorgung des Feldheeres nicht mehr gewährleistet werden konnte. Dazu kam, daß die fertigenden Firmen auf Abnahme fertiggestellter Munition drängten, um die eigenen Betriebe nicht zu gefährden und daß von ihnen bereits hohe monatlich zahlbare Entschädigungen für Lagerung der Munition gefordert wurden [...]

Die Einrichtungen von Lagerstätten für Pioniermunition war im Frühjahr 1916 derart dringend geworden, daß der Bau von drei Nahkampfmitteldepots - 1 im Osten, 2 im Westen - angeordnet wurde, von denen jedes imstande sein sollte, einen halben Monatsbedarf des Feldheeres aufzunehmen. Der Dringlichkeit wegen war geplant, diese Bauten beschleunigt durchzuführen. Die Entwicklung der Nahkampfwaffen und die für sie zugleich fehlenden Lagerungsmöglichkeiten ließen bei dem damaligen Stande des Krieges die Voraussetzung zu, daß die zu schaffenden Depots auch im Frieden beibehalten werden mußten. Von diesem Gesichtspunkt aus wurde auf Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften und auf eine bei aller Sparsamkeit solide Ausführung Wert gelegt. Bei der Abgelegenheit mußte für das Aufsichts- und Betriebspersonal, wie Betriebsleiter, Lokomotivführer, Schalttafelwärter, Feuerwehrleiter usw., die in unmittelbarer Nähe wohnen müssen, gesorgt werden [...]"

Ausschnitt meiner Präsentation über die Entstehung Reckenfelds. Thema: "Gab es entscheidende Gründe, gerade hier zu bauen?" [PDF-Datei]


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