Walgenbach

Hiermit wird der Versuch unternommen, den Namen des heutigen Walgenbaches, der als Vorfluter seine Aufgaben einer Hauptentwässerung des heutigen Ortes Reckenfeld übernommen hat, zu erklären:

Seit seiner "Geburt", etwa um 1730, als der Max-Klemens-Kanal in dieser Region ausgehoben und in Betrieb genommen wurde, hatte Kanal-Baumeister Meetsma geplant, fünf Abschalungen auf der Gesamtlänge von ca. 40 Kilometern mit je einem Überfall in den Kanal einzubauen. Diese Abschalungen führten zu Abzugsgräben.

Das sich aus dem Kanal ergießende Wasser mußte auch abgeführt werden. Dieser hiesige Graben, der durch die Kailacke der Gemarkung Reckenfeld angelegt wurde, wurde mit der Ems bei Hembergen verbunden.

‚Jedes Kind muss nun mal einen Namen haben', so auch dieser Abzugsgraben. Gleich mehrere Namen wurden im Verlauf der letzten drei Jahrhunderte überliefert: Wargenbeke, Wargenbecke, Walgenbeke, Wargenbach, Walgenbach. Auch die Schreibweise war unterschiedlich: Zum Beispiel: Wargen-Beke.

Weshalb wurden diese Namen vergeben. Hier eine mögliche Erklärung:

Fangen wir beim zweiten Teil des Namens an: Nach den Gebrüdern Grimm (um 1864): "Bach; Minden 2, 1. 3, 32 beke, in Schürens teutonista beeke"

Demnach wird Beke über mehrere Jahrhunderte mit Bach gleichgesetzt.

So weit so gut.

Dann der erste Teil des Namens: Wargen

Nochmals die Gebrüder Grimm:

"WARG, m. übelthäter, unhold, ungeheuer, das got. -wargs in launawargs 'undankbarer', anord. vargr 'wolf, friedloser verbrecher"

Das "Gegenstück" dazu ist die Beschreibung vom Heimatforscher Heinrich Pottmeyer: Er schrieb Anfang des vorvergangenen Jahrhunderts über "Das Reckenfeld", also über das Gebiet, durch das der Abzugsgraben des Max-Klemens-Kanals verlief:

"Diese Unholde, von denen wir im Dämmerlicht der Sommerabende, wenn die Fledermäuse durch die Luft flirrten, bei flimmerndem Mondenlicht oder an stürmischen Herbstabenden, wenn der Nordwest das Haus umtoste, beim flackernden Feuer hatten erzählen hören, jagten uns das Grauen auf den Leib, dass wir uns abends tief ins Bett verkrochen und nicht hervorzuschauen wagten. Am nächsten Morgen freilich, wenn alles wieder im hellen Tageslichte feste Formen angenommen hatte, war unsere Angst schnell verflogen und wir tummelten uns munter an den Plätzen umher, vor denen es uns nachts so sehr gegraut hatte."

Eine Verbindung zwischen beiden oben aufgeführten Feststellungen ist durchaus zu konstatieren. Dennoch die Frage: Bildete sich aus dem "Warge" "Wargen"? Möglich wäre das, nach Rücksprache mit einem Namensforscher.

Aus Wargen könnte sich auch Walgen gebildet haben. Auch das ist zu belegen: Walge bedeutete nach Grimm: welle, zu walgen 2"

Also, ist der heutige Walgenbach ein ehemaliger "Unholdsbach" bzw. ein "Wellenbach" gewesen?

Nachgereicht von Werner Strumann, Münster: Nach dem niederländisches Wörterbuch bedeutet "walgen" = Ekel. Het doet mij walgen = es ekelt mich an.


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